„Ich habe mir ihre Arbeiten sehr sorgfältig
angesehen.“ Meint unser Professor bestimmt, „Einige von ihnen haben sich
sehr wacker geschlagen. Der größte Teil hat aber einen gewaltigen Griff ins
Klo gelandet.“
Ich bin mir sicher, dass ich eine von denen bin, die ins Klo gegriffen haben.
Schließlich musste ich meine Arbeit an dem vermeintlich schlimmsten Tag
beenden.
„Also Frau Homer, ihre Arbeit über den Nationalsozialismus hat mir sehr gut gefallen. Gute Gedankengänge, klar und deutlich formuliert! Sehr gut!“ meint unser Professor bestimmend zu Isa.
Ich schaue zu ihr rüber. Wir haben Blickkontakt und ich klatsche lautlos in meine Hände.
Sie grinst mich an und hüpft ein wenig auf ihrem Stuhl herum.
Der Professor kommt auf mich zugelaufen.
„Frau Schwarz!“
Ich schaue ihn an.
„Ihre Arbeit ist auch gut geworden. Ihre eigene Meinung hat mir sehr gut gefallen und auch ihre Gedankengänge sind sehr verständlich. Die letzten 9 Seiten waren ein wenig mager, aber sonst eine gute Arbeit!“ grinst mich der Professor an.
Ich nicke lächelnd und schaue zu meiner Maus. Jetzt bin ich diejenige die den Applaus erhält!
„Dan, hör auf die ganze Zeit auf dein Handy zu
starren!“ schnauzt ihn Jake ein wenig an, „sie wird dadurch auch nicht eher
anrufen!“
Er legt sein Handy wieder auf den Tisch und schaut die Jungs unsicher an.
„Jetzt heißt es abwarten!“ meint Erik besserwisserisch und beißt von seinem Brötchen ab.
„Ja, du hast gut reden!“ raunt Dan ihn an, „Und was
mache ich, wenn sie sich nicht meldet?“
Jake, Erik, Trev und Ash schauen ihn mit großen Augen an.
„Dann weißt du wohl oder übel Bescheid, Dan!“ antwortet ihm Trev leise.
Er schaut erneut auf sein Handy.
„Sie muss anrufen...!“ erwidert er traurig.
Ich sitze gerade in der Mensa und halte krampfhaft Ausschau nach bekannten Gesichtern, mit denen ich ein Gespräch anfangen könnte. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen ihn in meiner Mittagspause anzurufen. Nur habe ich jetzt gewaltiges Muffensausen davor.
„Hey Jen!“
Marie, Marc und Alex setzen sich zu mir. Meine Rettung, denke ich mir und schiebe den Gedanken Dan anzurufen entgültig zur Seite.
„Na ihr!“ antworte ich.
„Wie sieht es aus mit heute Abend? Kommst du mit?“ will Alex wissen.
„Ich...ähm...“ stottere ich herum.
“Komm bitte!“ gibt Marie ihren Senf dazu.
„Ich überlege es mir! Ich müsste eigentlich noch etwas erledigen!“ ich schaue die Drei an.
„Ok, ich ruf dich einfach später mal an und dann kannst du mir es ja sagen!“ schlägt Marc vor und ich nicke.
Mein Handy klingelt und ich zucke leicht zusammen. Zaghaft werfe ich einen Blick auf mein Display und lasse erst mal einen lauten Seufzer von mir, als ich sehe, dass es Elke ist, die gerade anruft.
„Jop!“ nehme ich ab.
„Hey, ich. Hast du schon bei ihm angerufen?“ will sie wissen.
„Nee, ich hab mich noch nicht getraut!“ antworte ich ihr kleinlaut.
„Oh, ok! Dann hat sich mein Anruf auch schon wieder
erledigt. Willst du es immer noch machen?“ bohrt sie nach.
“Ja, nachdem wir aufgelegt haben, rufe ich jetzt an!“ antworte ich ihr
mutig, bereue es aber gleich schon wieder.
„Ruf mich dann an. Tschöö!“
Ich lege auf, entschuldige mich bei den Anderen und laufe langsam nach draußen.
Jetzt oder nie, denke ich mir und wähle langsam und mit zittriger Hand seine Nummer.
Es klingelt...einmal...zweimal...dreimal...vielleicht hat er gerade ein Interview...viermal...ich will gerade auflegen, als er abnimmt.
„Jen?“ fragt er mich sofort außer Atem.
„Hi!“ antworte ich ihm leise.
„Ich bin so froh, dass du anrufst. Es tut mir so leid, Jen. Können wir uns heute bitte sehen, ich muss mit dir reden. Bitte!“ sprudelt es in einer Tour aus ihm heraus.
Ich muss ein wenig lächeln...genauso wie früher, denke ich mir traurig. Wenn er aufgeregt, nervös oder total glücklich war, hat er immer wie ein Wasserfall geredet.
„Jen?“ fragt er nach, als ich nichts dazu sage.
“Ähm, ich...ich weiß nicht Dan. Vielleicht sollten wir uns nicht sehen!“
antworte ich ihm leise.
“Jen, bitte! Wir sind heute den ganzen Abend im Hotel. Kannst du
vorbeikommen!?“ bittet er mich erneut.
„Ich schaue mal, ok?“ antworte ich ihm, obwohl ich bereits weiß, dass ich hingehen werde.
Warum kann ich nicht stark sein und ihm einfach sagen, dass er mich in Ruhe lassen soll...wahrscheinlich weil ich es nicht möchte...
„Ok! Ich bin den ganzen Abend dort!“
“Bye!“ meine ich schnell und lege, ohne auf eine Antwort von ihm zu warten,
auf.
Geschafft, denke ich mir und atme erleichtert aus.
Ich rufe Elke an und erzähle ihr in aller Ruhe von dem Telefongespräch.
Mit etwas wackligen Knien steige ich aus meinem Auto und laufe zum Hotel. Ich wollte eigentlich kurz vor dem Ziel wieder umdrehen, aber dann habe ich es doch nicht übers Herz gebracht. Und so laufe ich jetzt ganz langsam Richtung Eingang. Ich erkenne von weitem schon die Fans, die mit ihren Plakaten und ihren Autogrammbüchern draußen stehen.
Ich bahne mir einen Weg durch die Menge.
„Ist das nicht Jen?“ höre ich ein Mädchen zu ihrer Freundin sagen.
„Ich dachte Dan und sie hätten sich getrennt?“
„Keine Ahnung! Wohl doch nicht, aber...!“ flüstern die Fans.
Hoffentlich kommt jetzt keiner der Mädels auf den Gedanken mich zu rufen, denke ich mir. Zu spät...
„Jen! Jen!“
Ich drehe mich um und 3 Mädels grinsen mich ein wenig unsicher an.
Also auf...ich drehe um und gehe auf die 3 zu.
„Können wir vielleicht ein Photo machen?“ fragt mich ein etwa 13-jähriges Mädchen ein wenig unsicher.
Jetzt heißt es lieb lächeln und freundlich sein, obwohl ich denen am liebsten in den Arsch treten würde. Ich habe momentan wirklich andere Sorgen, als für irgendein Photo zu posen.
„Sicher!“ antworte ich grinsend und denke mir meinen Teil.
Zwei der Mädchen stellen sich zu mir und die dritte im Bunde schießt das Bild.
„Dankeschön!“ bedankt sie sich.
„Kein Problem!“
Ich laufe weiter, als mich ein anderes Mädel am Arm festhält. Fragend schaue ich sie an.
„Könntest du das vielleicht Dan geben?“ fragt sie
mich.
Sie streckt mir ein Kuscheltier und ein Brief entgegen. Nickend, nehme ich die
Geschenke entgegen und laufe in das Hotel.
Endlich...
Ich laufe zur Rezeption.
„Hallo!“ fange ich an, „Könnten sie mir die Zimmernummer von Herrn Miller bitte sagen?“ frage ich möglichst höflich.
„Kleinen Moment!“
Ich nicke.
Die Dame tippt ein wenig auf ihrem PC.
„Jen!“ als ich meinen Namen höre, drehe ich mich um und sehe Erik, Trev und Mike in der Lobby sitzen.
Trev winkt mir zu.
„Hat sich erledigt, danke!“ meine ich zur Rezeptzionistin.
„Oh, kein Problem!“ antwortet sie mir freundlich, ich nicke erneut und mache mich auf den Weg zu den Anderen.
„Hey!“ begrüße ich die drei und Mike steht auf.
„Schön, dass du gekommen bist, Jen!“
Ich schaue ihn ein wenig traurig an und er nimmt mich zur Begrüßung in den
Arm.
„Dan wartet schon den ganzen Abend darauf, dass du kommst!“ meint Erik zu mir und ich bücke mich zu ihm runter um ihm und Trev kurz einen Begrüßungsschmatz zu verpassen.
„Es tut ihm wirklich leid, was er da abgezogen hat!“ mischt sich Trev jetzt mit ein.
Ich nicke.
„Kann sein!“ antworte ich.
„Was hast du denn da?“ wechselt Mike das Thema und zeigt auf das Kuscheltier und den Brief.
„Hat mir ein Fan von Dan gegeben!“ antworte ich und er nickt.
„Ist Janie schon da?“ will ich wissen.
„Sie kommt erst heute Nacht an!“ antwortet mir Trev.
„Schade, ich hätte sie gern jetzt wiedergesehen!“
meine ich ein wenig trotzig, „Sag ihr, dass sie sich unbedingt melden soll,
ok? Aber denkt dran!“
“Als wenn wir so vergesslich wären!“ antwortet mir Erik empört.
Ich ziehe eine Augenbraue hoch und schaue beide Chaoten an.
„Kein Kommentar!“ erwidere ich und Mike fängt an zulachen.
Trev sieht mich schmollend an.
„Könnt ihr mir vielleicht seine Zimmernummer sagen?“
“Zimmer 203!“ kommt es von Trev und Erik gleichzeitig.
„Danke!“ meine ich grinsend, drehe mich um und laufe Richtung Aufzug.
Zögernd drücke ich den Knopf...jetzt gibt es kein zurück mehr, denke ich mir und die Tür des Aufzuges öffnet sich.
Langsam laufe ich herein und drücke auf den Knopf, der mich in die 2. Etage bringen soll.
Nervös spiele ich mit diesem Kuscheltier. Wie kann man bloß so ein hässliches Kuscheltier verschenken, frage ich mich und schüttle den Kopf. Ein hellblauer Tintenfisch...hat das irgendeinen Zusammenhang mit Dan...dieses Bling-Geräusch holt mich aus meinen Gedanken. Ich weiß auch nicht, warum mich das gerade beschäftigt hat.
Ich schaue auf das Zimmer links von mir.
„200!“ murmle ich und laufe weiter.
Ich bleibe vor seiner Tür stehen und hebe unsicher meine Hand, lasse sie aber sofort wieder sinken...noch einmal tief durchatmen...erneut setze ich zum anklopfen an...und tue es.
Nichts, keine Reaktion.
Ich klopfe erneut an und warte.
Plötzlich höre ich wie jemand zur Tür läuft, er öffnet sie und fährt sich verschlafen übers Gesicht.
„Was?“ fragt er ein wenig genervt und reibt seine kleinen Augen.
„Ich bin es! Hi!“ erwidere ich leise.
„Oh, sorry, dachte du wärst jemand anderes! Komm
rein!“ meint er ein wenig verdattert, „Ich hab grad geschlafen!“
“Das sehe ich!“ antworte ich ihm und er sieht mich fragend an.
Ich zeige auf ihn und er schaut an sich runter. Er trägt nur seine Boxers.
Er lächelt ein wenig.
Ich wende meinen Blick von ihm ab.
„Hier, hat mir ein Fan mitgegeben!“ meine ich plötzlich und strecke ihm dieses tolle Kuscheltier und den Brief entgegen.
„Danke!“ antwortet er, betrachtet das kleine Präsent und legt es auf sein Bett.
Ich schaue mich ein wenig in seinem Zimmer um.
„Ich bin froh, dass du gekommen bist, Jen!“ meint er, ich drehe mich um und nicke leicht.
„Kurz vor dem Hotel wollte ich eigentlich wieder umdrehen!“ erwidere ich ehrlich.
Er sieht mich mit traurigen Augen an.
„Die Fans draußen haben auch wieder fleißig spekuliert...da ist ja Jen...ich dachte Dan und sie hätten sich getrennt und son Zeug!“ erzähle ich ihm, „Ich musste auch wieder brav in die Kamera grinsen, obwohl ich denen alle am liebsten in den Arsch getreten hätte. Ich habe momentan echt andere Probleme!“
Ich fahre mir über mein Gesicht und seufze.
„Und die hast du nur wegen mir...all deine Probleme hast du mir zu verdanken!“ redet er ernst und traurig zugleich.
Ich antworte nicht, denn was sollte ich denn dazu bitte sagen, vielleicht:
Ja Dan, du hast es erfasst. Wegen dir geht es mir so beschissen!
„Vielleicht war es doch ein Fehler herzukommen!“ meine ich plötzlich, „Ich gehe am besten, dann kannst du weiter schlafen!“
Er versperrt mir den Weg.
„Nein, bitte bleib hier!“ sieht er mich eindringlich an.
Seine Augen faszinieren mich immer noch.
Die unangenehme Stille wird durch das Klingeln meines Handys unterbrochen. Ein Hoch auf dieses Kommunikationsmittel.
Ich nehme ab.
„Ja?“
“Oh, hey Marc. Und?”
Dan schaut mich irritiert an.
”Ich weiß nicht ob ich heute auf die Party kann!“
Mein Blick wandert zu ihm.
„Ja, ich weiß es wäre bestimmt lustig. Aber ich denke
nicht, vielleicht komme ich nach!“
“Ok, grüß mir alle. Tschöö!“ und ich lege auf.
„Wer ist Marc?“ will er in einem säuerlichen Ton von mir wissen und sieht mich dabei eifersüchtig an.
„Bevor du hier einen Anfall bekommst, du kennst diesen
Marc! Wir haben ein paar Mal was mit ihm unternommen, als du in Deutschland
warst!“ erkläre ich ihm trotzig.
Warum muss ich mich vor ihm rechtfertigen, es kann ihm doch egal sein, mit wem
ich telefoniere!
Er überlegt und nickt dann.
„Also!“ antworte ich, „Reagier nicht immer gleich über...“
Er fährt sich über seine Haare.
„Sorry, es ist nur...!“
“Schon ok. Ich gehe jetzt besser!“
Ich laufe an ihm vorbei, doch er hebt mich am Arm fest. Ich drehe mich um.
„Kommt ihr morgen an unser Konzert?“
“Ich weiß es nicht...kann sein...ja!“
“Würde mich freuen!“ antwortet er leise.
Ich nicke.
„I love u!“ er sieht mich traurig an.
Lange schaue ich in seine Augen und versuche zu erkennen, ob er es wirklich ernst meint. Er hält meinem Blick stand. Ich sage nichts und er lässt mich los.
„Jen, lass mich bitte nicht so stehen!“
“Du weißt das ich dich liebe, Dan!“ antworte ich mit Tränen in den Augen
und öffne seine Türe.
„Ich habe einen Fehler gemacht und bereue es mehr als alles andere!“ erwidert er, als ich aus der Tür laufe. Ich drehe mich nicht noch einmal nach ihm um, sondern laufe geradewegs zu dem Aufzug. Er soll nicht sehen, dass ich gegen meine Tränen ankämpfen muss.
Ich würde mich am liebsten in die nächste Ecke verkriechen und weinen, aber es geht nicht, draußen warten ihre Fans. Krampfhaft versuche ich an irgendetwas lustiges zu denken...als es dich beim Schlittschuhfahren hingeschmissen hat...nein, da war Dan dabei...an deinen letzten Urlaub...da waren Dan und ich bei seinen Eltern. Wieso fallen mir jetzt nur Situationen ein, die ich mit Dan erlebt habe? Ich muss an etwas schönes und lustiges denken, ermahne ich mich selber...und solche schöne und lustige Momente hatte ich mit ihm...und jetzt...
Die Tür des Aufzuges öffnet sich und ich laufe langsam heraus. Trev, Erik und Mike sitzen zum Glück nicht mehr unten, bleibt nur noch die Hürde mit den Fans. Ich kann ihnen schlecht mit verheultem Gesicht vor die Augen treten.
Schnell laufe ich an der Rezeption vorbei, durch die Türe. Und jetzt heißt es lächeln, denke ich mir und setze auf Kommando ein fröhliches Gesicht auf.
Manche Mädels winken mir zu und ich winke brav zurück, laufe etwas schneller und als ich die Menge hinter mich gelassen habe, lache ich leise auf. Mir geht es dreckig und trotzdem muss ich vor mir her lächeln, als wenn die Welt in Ordnung wäre.
Endlich an meinem Auto angekommen, steige ich erschöpft ein und fahre nach Hause.
„Couch ich komme!“ denke ich laut...
Ich konnte die Nacht nicht sehr gut schlafen, die ganze Zeit musste ich an seine Worte denken. Es täte ihm alles so leid...und er hätte einen Fehler gemacht...kann ich ihm das wirklich glauben?
Ich muss heute zum Glück weder zur Uni noch arbeiten.
Langsam stehe ich auf und trotte in die Küche. Mein Blick wandert zur Uhr.
„Schon kurz vor 1!?“ stelle ich verwundert fest und nehme mir eine Tasse aus dem Küchenschrank.
Elke hat mir einen Zettel geschrieben.
Janie hat am Morgen angerufen und wollte fragen, ob wir 3 Mädels vor dem Konzert noch einen Kaffee trinken wollen. Elke hat zugesagt und sie wird mich um 5 Uhr von daheim abholen. Danach fahren wir gemeinsam zu Janie ins Hotel.
Auch gut, denke ich mir und setze mich mit meinen kurzen Shorts und dem Top auf den Balkon. Eigentlich will ich heute gar nicht auf das Konzert der Jungs, aber Elke und Janie werden das wohl nicht zulassen. Ich habe Angst davor, ihn wie früher auf der Bühne zusehen und somit notgedrungen an unsere gemeinsame Zeit denken zu müssen. Wieso sage ich früher, solange ist es doch noch gar nicht her, dass ich an einem Konzert von ihnen war...aber das letzte Mal waren wir noch zusammen.
Ich nehme einen Schluck von meinem Kaffee und schließe meine Augen.
Vor 1 Monat war mein Leben noch in Ordnung und jetzt...
...ich weiß nicht wie lange ich an diesem Abend einfach nur regungslos am Küchentisch gesessen bin und immer wieder zur Tür gestarrt habe. Ich konnte einfach nicht glauben, dass Dan sich gerade von mir getrennt hatte. Wie ich meine Zusammenfassung fertig bekommen habe, weiß ich bis heute nicht.
Wie in Trance bin ich damals in mein Zimmer gegangen und habe mich ins Bett gelegt, ich habe weder geweint noch mir groß den Kopf zerbrochen. Ich lag einfach nur in meinem Bett und starrte an die Decke, bis ich irgendwann eingeschlafen bin.
Erst am nächsten Morgen wurde mir wirklich bewusst was am Vorabend geschehen war. Dan hatte sich nach 2 Jahren aus heiterem Himmel von mir getrennt.
Von diesem Zeitpunkt an, als ich realisierte habe, was
das für mich bedeutet fiel ich in dieses schwarze Loch. Ich bin an diesem Tag
noch zur Uni gegangen und das nur weil ich meine Arbeit abgeben musste. Die nächsten
3 Wochen bin ich in der Wohnung geblieben und nur auf die Straße gegangen, wenn
es nötig war. Ich habe tagelang geweint und mich immer wieder gefragt, warum er
das bloß getan hat...
In diesen 3 Wochen erhielt, bis auf ein einziges Mal,
keinen Anruf von ihm. Und diesen Anruf verpasste ich, da ich gerade
einkaufen war. Ich weiß noch, als ich dann nach Hause kam und der
Anrufbeantworter vor sich her geblinkt hat...ich habe so gehofft das es einen
Anruf von ihm war. Zögernd setzte ich mich hin und hörte mir die Nachricht
an...
„Jen, ich bin es Dan. Ich hatte gehofft, du wärst zu
Hause. Ich vermisse dich...Bye“
Sie war von Dan. Ich wusste nicht ob ich mich darüber
freuen sollte oder ob ich wieder in Tränen ausbrechen sollte.
Wofür ich Ash, Jake, Trev und Erik wirklich dankbar
bin, ist, dass sie sich ein paar Mal bei mir gemeldet haben um ein bisschen zu
reden...
Wie lange ich schon hier sitze und über Dan, unsere Beziehung und über mein Leben nachdenke weiß ich nicht genau, aber mein Zeitgefühl sagt mir, dass ich mich langsam mal duschen sollte. Mühsam stehe ich auf und laufe in die Küche, stell meine Tasse in die Spülmaschine und gehe ins Badezimmer.
„Ich bin da!“ ruft Elke mir zu, als ich gerade in meinem Zimmer bin und meine Tasche zusammenpacke.
„Bin gleich soweit!“ antworte ich ihr, werfe noch einen schnellen Blick in den Spiegel und trotte ihr entgegen.
„Hi Jen!“ grinst sie mich an.
„Na!“
„Komm, hör auf so ein Gesicht zuziehen!“ meint sie und kneift mir in die Backen.
Ich versuche sie anzugrinsen.
„Was für ein gequältes Lächeln!“ wirft sie mir an den Kopf und ich muss lachen.
„Schon besser Maus!“
Sie geht in ihr Zimmer und zieht sich ein anderes Oberteil an.
„Wir können!“ quickt sie mir entgegen. Sie scheint heute gute Laune zu haben, denke ich mir und grinse Elke an.
„Dan, lass den Kopf nicht hängen ok? Ihr bekommt das schon wieder hin!“ versucht Jake ihm Mut zuzusprechen.
„Und du bist dir sicher, dass Janie Elke und Jen heute
Abend mitbringt?“
“Zum 100 Mal, ja Dan. Sie gehen doch zusammen vorher einen Kaffee trinken!“
antwortet Jake.
„Lief das Gespräch gestern nicht gut oder wie sollen wir deine Bedenken wegen heute Abend verstehen?“ will Erik von ihm wissen.
„Unser Gespräch hielt sich in Grenzen, sie ist nach kurzer Zeit wieder gegangen!“ erzählt Dan traurig.
Trev klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter.
„Könnt ihr mir mal sagen, warum ich so einen Scheiß
gebaut habe?“
Dan schaut die Jungs fragend an.
„Keine Ahnung!“ zuckt Ash mit den Schultern.
„Wir haben es uns auch schon gefragt!“ gibt Erik noch seinen Kommentar ab.
„Ruf mal kurz Janie an!“ meint Elke zu mir und ich schaue auf.
„Hm?“ frage ich.
„Kannst du mal kurz bei Janie aufs Handy anrufen und ihr Bescheid geben, dass wir in 5 Minuten da sind!“ wiederholt sich Elke und ich nicke, krame mein Handy aus der Tasche und wähle ihre Nummer.
„Yeah?“
“Janie, ich bin es! Wir sind in 5 Minuten bei dir, ok?“
“Ok, wunderbar. Ich laufe schon mal nach unten!“
„Bis gleich!“
“Bye!“ antwortet sie mir und ich lege auf.
„Ist erledigt!“ meine ich zu Elke.
Sie nickt und biegt ab.
Als wir am Hotel ankommen, steige ich schnell aus und laufe ins Hotel. Heute stehen so gut wie keine Fans da, wahrscheinlich stehen alle bereits vor dem Konzertsaal um an die guten Plätze zu kommen. Ich sehe Janie in der Lobby stehen und winke ihr zu.
Mit einem breiten Grinsen kommt sie auf mich zugelaufen.
„Hey Janie!“ begrüße ich sie und nehme sie erst mal in den Arm.
„Na!“ grinst sie ganz süß und knuddelt mich ebenfalls.
„Wie geht es dir?“ frage ich sie.
„Sollte ich nicht lieber, dich das fragen!?“ antwortet sie leise und hakt sich bei mir ein.
Ich zucke mit den Schultern.
„Es geht, mir ist ein klein wenig mulmig!“
“Du schaffst das schon!“
Ich nicke tapfer und versuche sie anzugrinsen.
„Hi!“ meint Janie grinsend und steigt ein, „Ich dacht
schon ihr hättet mich vergessen!“
“Also hör mal!“ erwidert Elke lachend, achtet auf den Verkehr und fährt
los.
Janie beugt sich nach vorne und drückt Elke und mir einen Schmatz auf die Backe.
Ich grinse sie an.
„Ich freu mich euch wieder zu sehen!“
„Wir uns auch!“ antworte ich ihr, „Was denkst du denn!?“
„Aber echt mal!“ lacht Elke.
„Ok, das war’s!“ ruft ihnen der Tontechniker zu.
Erleichtert laufen Erik, Trev, Jake, Ash und Dan von der Bühne.
Einer der Mikes kommt ihnen entgegen.
„Denkt an heute Abend, ihr habt nach dem Konzert noch ein Meet & Greet mit 2 Fans!“ ermahnt er die Jungs, die als Antwort brav nicken.
„Ausgerechnet heute Abend!“ stöhnt Dan, als Mike außer Hörweite ist.
Ash schaut ihn fragend an.
„Ich wollte doch noch mal mit Jen reden!“ erklärt er ihm.
„Stimmt, hatte ich vergessen!“ erwidert Ash und nimmt einen Schluck von seinem Wasser.
Die Jungs laufen in ihre Garderobe und lassen sich alle auf die Couch fallen.
„Ich glaube die Show wird gut werden!“ meint Jake plötzlich und schaut auf.
„Denke ich auch!“ antwortet ihm Erik, „Ich freue mich auf jeden Fall!“
Nachdem wir knapp 2 Stunden in einem Cafe uns den Mund beinah fusselig gequatscht haben, sind wir gerade auf dem Weg zu dem Konzertsaal.
Ich sitze angespannt im Auto und versuche mich ein wenig
abzulenken. Mein Magen krampft sich bei dem Gedanken an Dan jedes Mal aufs neue
zusammen. Ich atme ruhig ein und aus.
Elke parkt das Auto, wir steigen aus und laufen zum Hintereingang. Elke und
Janie laufen vor, während ich langsam hinterher trotte. Ich will da nicht
hin...denke ich mir trotzig.
Janie bleibt stehen und dreht sich nach mir um.
Ich schaue auf und sie hakt sich bei mir ein.
„Ich bin für dich da!“ meint sie ganz süß und ich muss ein wenig grinsen.
Einer ihrer Bodyguards steht am Hintereingang.
„Hey!“ begrüßt er uns und macht die Türe auf, „Schön
euch zu sehen!“
“Wie geht’s dir?“ frage ich ihn und umarme ihn kurz.
„Gut und dir?“
Ich nicke nur und er scheint Bescheid zu wissen.
Bei Elke und Janie die selbe Prozedur.
„Die Jungs warten schon ungeduldig auf euch!“ ruft er uns noch hinterher, als wir schon längst nach der Garderobe Ausschau halten.
„Da!“ ruft Elke plötzlich und zeigt auf eine Tür.
Ich atme noch einmal tief durch und Janie klopft vorsichtig an.
„Ja!“ ertönt es von drinnen.
Sie öffnet die Tür und steckt ihren Kopf durch einen kleinen Spalt.
„Wir sind es!“ quickt sie und läuft rein, gefolgt von Elke.
Jakob steht auf , umarmt seine Süße und küsst sie.
„Wir dachten schon ihr kommt gar nicht mehr!“ meint Erik gespielt empört und grinst uns an.
Ich stehe immer noch am Türrahmen gelehnt und schaue ein wenig unsicher in die Runde.
Trev kommt auf mich zu, umarmt mich und zieht mich rein.
„Hey!“ begrüße ich die Jungs leise und setze mich auf den nächstbesten Platz.
Ich schaue auf und sehe direkt in Dans blaue Augen.
Er sitzt mir gegenüber und wirkt irgendwie erleichtert, fällt mir auf.
„Ihr kommt aber spät!“ bemerkt Jake und umarmt Janie von hinten.
„Ja, wir haben uns ein wenig fest gequatscht!" antwortet sie ihm grinsend.
„Kennen wir ja mittlerweile!“ neckt er sie.
„Habt ihr den Soundscheck schon gemacht?“ frage ich.
„Ja, schon vor einer ganzen Weile. Das Konzert fängt ja
schon in 20 Minuten an!“ antwortet mir Ash.
“Schon?“
Elke blickt verwirrt auf ihre Uhr.
„Stimmt, wir haben 20 vor 8!“
Mike betritt den Raum.
„Hey ihr drei!“ begrüßt er uns.
„Jungs, ihr könnt anfangen euch ein bisschen einzusingen!“ bemerkt er und geht dann sofort wieder.
„Ich freue mich, dass du gekommen bist!“ meint Dan zu mir, grinst mich ein wenig an.
„Ich bin auch froh hier zu sein!“ antworte ich ihm.
Mittlerweile bin ich der Meinung, dass es wirklich die richtige Entscheidung war, mit hier her zu kommen.
Er nickt und stellt sich zu den Anderen.
Janie, Elke und ich sitzen währenddessen auf der Couch und reden.
Die Tür wird erneut geöffnet.
„5 Minuten!“ ruft Mike und schaut dann in unsere Richtung.
„Wollt ihr euch wieder in den Photograben stellen?“
“Wenn es geht, auf jeden Fall!“ antwortet Janie für uns und Mike nickt.
Wir drei stehen auf und Janie geht zu Jake.
„Viel Spaß honey!“ grinst sie und gibt ihm einen Kuss.
Normalerweise würde ich jetzt auch zu Dan gehen, um ihm einen „Glücksschmatz“ zu verpassen, aber das hat sich ja jetzt erübrigt.
Ich sehe das Dan mich unsicher ansieht, wahrscheinlich denkt er gerade über dasselbe nach.
„Bis später!“ werfe ich in die Runde.
Dan sieht mich immer noch an. Ich lächle unsicher in seine Richtung und laufe dann Elke und Janie hinterher, die auf dem Weg zum Photograben sind.
Ok, das hättest du geschafft, denke ich mir, als ich aus der Garderobe raus bin.
Die Show der Jungs läuft seit mehr als 1 ½ Stunden und die Fans sind begeistert.
Normalerweise besuche ich gerne seine bzw. ihre Konzerte, aber heute würde ich mich lieber wieder auf meine Couch zurückziehen. Aber nein, ich stehe hier vor der Bühne von O-Town und schaue meinem Ex-Freund und seinen Freunden zu.
Die Augen der Jungs strahlen...sie leben einfach ihren Traum und sind dankbar, dass man ihnen eine Chance gegeben hat.
Mittlerweile sind wir am Ende der Show angekommen.
Die Fans kreischen und Elke verzieht ein wenig das Gesicht.
„Wir kann man nur so hohe quietschige Geräusche von sich geben?“ fragt sie uns grinsend.
Janie und ich schauen sie unwissend an.
Ash und Jake holen ihre Gitarren, während Dan, Erik und Trev ein wenig über die Bühne laufen und mit den Fans reden.
Ashley geht ans Mikro.
„Und jetzt unser letzter Song, für heute Abend...“ er
stockt, „...Craving!“
Ich schaue auf.
Die Fans kreischen erneut.
Er nickt in Jakes Richtung.
Jake und Ash fangen an zu spielen.
Er schließt die Augen und fängt an zu singen:
Lying here
on the couch
With my heart in the mouth
Realize you were right I was wrong and
I'm in pieces and bits but that's nothing you can't fix
Cause baby you're still my addiction
Ohhh
Every minute's like a thousand years
Since you were lying here
Dan sieht mich mit traurigen Augen an. Ich habe einen Kloß im Hals.
In the
middle of the night
I turn on the light
Too desperate to breathe
Cause I get this craving
There's no time to waste gotta get a taste
Satisfy my need
Baby, won't you save me
Got this craving for you
For you...
Yeah yeah yeah yeah
Jakob geht ans Mikro und sing weiter.
Ich habe noch nie einen so ernsten und zugleich traurigen
Blick in Dans Augen gesehen. Das ganze Lied über sieht er mich an...er sieht
mich einfach nur an.
Er schaut mir in die Augen, und ich habe das Gefühl er könnte meine Gedanken
lesen. Sehen, wie sehr ich ihn vermisse, wie sehr ich ihn liebe und brauche.
It's like
you live in these walls
I hear your voice down the hall
I swear I see your face it's everywhere it's every place
I start myself past the pain but still it won't go away
The more I try to forget I remember
Ohhh
Every minute's like a thousand years
Since you were lying here
In the
middle of the night
I turn on the light
Too desperate to breathe
Cause I get this craving
There's no time to waste gotta get a taste
Satisfy my need
Baby, won't you save me
Got this craving
To lose
myself in you and we're standing in the rain
To keeping you awake through the night
I hug down for your touch
Cause I need you back what's wrong with that
No I can't be without you no more
Ich schließe meine Augen und wünsche mich weit
weg. Weg von diesem Konzertsaal, weit weg von ihm! Ich habe das Gefühl als ob
mir jemand die Luft abschnürt. Diese ganze Situation ist einfach gerade zuviel
für mich.
Ich muss hier raus, ist mein einziger Gedanke....
Schnell laufe ich an Janie vorbei um hinter die Bühne zu gelangen. Sie und Elke
sehen sich besorgt an. Dan hört plötzlich auf zu singen und schaut mir verstört
hinterher.
Er wird von Erik vorsichtig angetippt...er muss weitersingen. Krampfhaft
versuche ich dieses Lied aus meinem Kopf zu kriegen...seine Worte...
Ich laufe orientierungslos umher bis ich endlich die Türe nach draußen finde.
Ich stoße
sie auf und endlich bin ich von all dem weg.
Endlich kann ich wieder frei atmen...langsam hole ich Luft...immer wieder...Tränen
laufen mir über die Wangen. Und welch Ironie, es regnet wieder, denke ich mir
und lehne mich gegen die nasse Wand.
In the
middle of the night
I turn on the light
Too desperate to breathe
Cause I get this craving
There's no time to waste
Gotta get a taste satisfy my need
Baby won't you save me