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Es sind schon einige Wochen vergangen. Wochen voll von Freiern, die allesamt absolute Ekel waren. Montag zwei. Dienstag fünf. Mittwoch einer. Donnerstag drei. Freitag sieben. Samstag einer. Sonntag einer. Und so weiter. Heute ist Sonntag. Die Sonne geht gerade unter. Ich habe heute noch niemanden gehabt. Juilette steht neben mir und raucht. Sie redet über ihren Stammfreier Robert. Er ist ein ganz armes Schwein, der sich kaputt macht wegen seiner Sucht nach ihr. Er lebt für sie. Er tut alles für sie. Und sie will ihn nicht. Sie will Chef. Alle wollen ihn. Alle dummen Mädchen. Juilette ist dumm. Was das angeht. Sie ist leichtgläubig. Sie ist naiv. So wie ich es war. Sie arbeitet erst seit einem halben Jahr als Chef's Mädchen. "Und ich sage dir, der Typ hat einen Schwanz wie ein Blumenkohl. Ich hasse es wenn ich ihm einen..." Ihre Worte verwehen plötzlich im Wind. Ich höre sie gar nicht mehr. Die Buchstaben zerfallen. Sie verstummt. Ich kann mich nur noch auf einen einzigen Punkt konzentrieren. Meine Augen fixieren jemanden. Er kommt in schnellem Schritt um die Ecke und geht die Straße entlang. Ich habe ihn sofort erkannt. Auch wenn er eine Sonnebrille trägt. Die Hände in die Taschen vergraben geht er dort. Er hat mich noch nicht gesehen. Mein Herz schlägt schneller. Ich bin so überrascht von mir selbst. Was tue ich? Was tut mein Körper? Was sagt mir mein Verstand da bloß? Juilette? Sie ist weg. Sie... sie.. sie geht auf ihn zu! Sie hat ihn auch erkannt. Ich muss das verhindern. Sie soll nicht.. nicht sie! "Lätta!", rufe ich laut. Sie dreht sich um. Zum Glück ist sie noch nichtmal in seiner Sichtweite. "Ja, was denn?" Mit schnellem Schritt kommt sie zu mir. "Bist du irre meinen peinlichen Spitznamen so über die Straße zu schreien? Siehst du nicht, dass ich auf dem Weg zu dem Typen war? Kennst du den nicht? Das ist..." "Ich weiß, wer das ist!", zische ich leise. Ashley kommt näher. Er hat mich entdeckt. Sein Blick sagt mir nichts. "Ja? Wer denn?", bohrt sie nach. Ich mag den Ausdruck in ihren grauen Augen nicht. Trotzdem antworte ich leise: "Das ist 'n Stammfreier von mir!" Warum habe ich eben für ihn gelogen? Das war blöd. Das geht gegen meine Prinzipien. Das wollte ich nicht. Ich muss mich wieder einkriegen. Tief durchatmen. Juilette guckt mich groß an. "DAS ist einer deiner Stammfreier?" Sie kann es nicht fassen. Ich rolle die Augen und gehe einfach davon. Sie soll nicht noch hysterisch werden. Sie neigt dazu. Ist eine unruhige Seele. Genug jetzt. Es geht ums Geld! Es geht ums Geld! Meine erste Hysterie ist vorüber. Gleichgültigkeit tritt an Stelle der Aufregung. Es ist Ashley. Klasse. Das meine ich ironisch. Er wieder. Das war klar. Er verfolgt mich wohl. Ich will das jetzt nicht. Nicht schon wieder. Ich kann mich wohl kaum weigern. Warum stehe ich sonst hier? Ich kriege eine Wut auf mich selbst. Ich bin doch frei? Warum gehe ich jetzt nicht einfach? Ich habe schon mehr als 2000 Dollar. Ich könnte woanders hinziehen. Ich brauche niemanden mehr. Ich brauche auch keinen Ashley. Ich kann mit jedem schlafen mit dem ich will. Irgendwas sagt mir aber, dass ich unbedingt noch einmal mit ihm schlafen will, bevor ich gehe. Endgültig. Bye bye Kalifornien sage. Nur noch einmal. Einmal. Es ist dunkel um mich herum. Gina kommt mir in den Sinn. Sie ist weg. Ich weiß nicht wo, aber sie ist weg. Ich hoffe irgendwie, dass es ihr gutgeht. Ich kann mich nicht belügen. Juilette geht. Sie winkt nicht. Sie ist sauer auf mich. Sie wollte ihn haben. Ashley steuert auf mich zu. Ich lächele auch wenn mir nicht mehr danach ist. "Hey!", begrüßt er mich. Meine Nase juckt. Ich kratze mich nicht. Es sieht sonst aus, als wäre ich verlegen. Das ist Quatsch. Mein Selbstvertrauen ist groß genug. Da muss ich mich nicht kratzen. Okay. Dummes Beispiel, aber es geht mir manchmal um Kleinigkeiten. Er sieht unverändert aus. Blonde Haare, blaue Augen, verunsicherter Blick. Er versucht ihn zu überspielen. Er will wieder von der Straße runter. So schnell es geht. Wir gehen wieder in das Stundenhotel. Es hat nicht geregnet aber ich bin trotzdem recht schnell aus meinen Klamotten raus. Sein Körper ist warm und weich. Ich liebe seinen Geruch. Ich könnte ihnen aus tausend Ashley-kopien herausschnuppern. Es ist körperliches Verlangen. Wie eine Kur. Eine Erholung von den Strapazen der letzten Wochen. Seine sanften Hände liebkosen meinen Körper. Ich beobachte ihn eingehend. Es ist, als wäre er nie weg gewesen. Alles wie vor ein paar Wochen. Genauer gesagt drei Monate. Drei stressige Monate, voller Angst vor Chef, der mir immer öfter auflauerte um mich dazu zu zwingen, mir endlich mein Geld zu geben. Schutz habe ich schon keinen mehr, deswegen umgebe ich mich Tag und Nacht mit Mädchen, die seinen Schutz genießen. Das ist genauso praktisch und die Mädchen freuen sich, wenn sie Gesellschaft haben, während sie warten. Kommt jedoch ein Freier muss ich immer öfter mit den Mädchen mitgehen. Also zu zweit. Das ist das unvorstellbar Furchtbarste. Es macht nichtmal Spaß. Es ist als täte man es mit einer aus seiner Familie und es ist schwer danach wieder mit dem jeweiligen Mädchen zu sprechen. Ich hasse es einfach. Ich hasse es.

Ashleys Haare kleben an seiner Stirn. Er schwitzt. Es ist drei Stunden her, dass ich ihn auf der Straße gesehen habe. Er ist nicht mehr so zurückhaltend. Er hat eine gute Kondition. Ausdauer. Kommt wahrscheinlich von seinem Job. Hm. Ich muss wirklich schmunzeln. Das haben wir wirklich gemeinsam. Ich mache die Augen schon gar nicht mehr auf. Ich fühle seine Haut, seinen Atem. Ich höre sein Stöhnen. Ich agiere wie ein Blinder. Es herrscht eine solche Hitze im schwachbeleuchteten Zimmer, dass wir zwischendurch mal kurz stoppen müssen. Dann liege ich neben ihm. Als wäre vorbei. Es macht mir nichts aus, dass es NICHT vorbei ist. Ich habe das Gefühl, es ist nie zuende. Nicht, weil ich es nicht mag, sondern eher andersherum. Ich erkenne mich selbst nicht, wenn Ashley da ist. Ich bin verdammt anders. Ich bin mein früheres Ich. Annähernd. Ich bewege mich dann in diese Richtung. Ein klein wenig. Noch nicht genug. Nicht genug um mich selbst wieder zu finden. Das wird noch lange dauern. Vielleicht schaffe ich es auch nie...

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