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So, also. Ashley ist jetzt anscheinend satt. Oder auch nicht. Ist mir egal. Glücklicher als vorher ist er allemal. Ich darf endlich aufhören nachzudenken und kann mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren. Warum nur, sieht er gar nicht so aus, als hätte er es heute auf Sex abgesehen? Will er etwa reden? Das ist aber nicht drin heute, eben weil nichts drin sein wird. Er kann vergessen, dass ich seinen Seelenklemptner spiel', wer bin ich denn? Wenn er zu mir kommt, soll er verdammt nochmal auch... Hunger macht böse. Warum hab ich ihm mein Essen gegeben? War ich kurz in einem Zustand geistlicher Umnachtung? Ich hatte doch Hunger! Verdammt. Ich bin wieder auf so einen Sentimentalscheiß reingefallen. Der kann mich echt um den Finger wickeln. Ich will aber nicht die Kontrolle verlieren. Ich brauche die Kontrolle hier. Das ist mein Revier. ER will was von MIR! Nicht ICH von IHM. Na ja gut. Sagen wir, das Geschäft beruht auf Gegenseitigkeit. Ich habe aber einfach keinen Bock auf so einen komplizierten Mist, wie ihn ein tiefsinniges Gespräch mit sich bringt. Was soll ich er mir schon groß erzählen wollen? Wieviele Millionen er letztens für 'ne neue Karre ausgegeben hat? Oder beim Frisör? Nein. Ich fühle, dass ich innerlich in mich zusammenfalle. Das hat keinen Grund und braucht es auch nicht. Ich wusste, das muss irgendwann passieren. Jetzt ist es gerade schlecht. Wer kann das aber schon steuern? Niemand. So einfach ist das. Niemand kann steuern, wann die Nerven am Ende sind. Die Sanduhr ist abgelaufen. Das letzte Korn hat den oberen Trichter verlassen und ist auf den Sandberg nach unten in die Tiefe gefallen, um dort bei seinen Freunden weich zu landen. Tolle Analysierung Jayda. Schnauze, schnauze, schnauze!! Ashley öffnet den Mund. Ich möchte mir auf der Stelle alle Haare vom Kopf reißen. Schreien. Weinen. Weglaufen. Mit dem Kopf gegen eine Wand rennen. Mir die Pulsadern aufschneiden. Vom Hochhaus springen. Ich weiß nicht, was los ist. Nicht genau. Ist das alles noch echt? Fange ich an zu spinnen. Ashley? Ist das Ashley? Kann ich mir sicher sein? Vielleicht hat sich Chef verkleidet. Die Paranoia wird immer schlimmer. Angst haben muss ich. Ohne Angst wird man unvorsichtig. ZU vorsichtig darf man aber auch nicht sein. Ich will ja nicht sterben. Im Moment will ich trotzdem mit dem Kopf in einen Backofen, auch wenn ich mir nicht wünsche, dabei zu sterben. Oh Gott, Hilfe! Ich drehe total durch. Ich bin total am Boden. Ich bin nicht mehr ich selbst. Nur noch ein Schatten. Ich weiß ganz plötzlich, was los ist. Ich habe schon seit zwei Tagen keine einzige Tylenol 3 mehr genommen. Ich will auch keine. Ich will gar nichts mehr. Auf den Zustand völliger Unruhe, folgt die Gleichgültigkeit. Mir doch egal, was Ashley will. Soll er doch machen. Soll er's sich doch selbst machen. Mir egal, wenn ich zusehen soll, aber ich bin defintiv NICHT fähig in irgendeiner Weise heute mit ihm zu schlafen. Is' mir SCHEIßEGAL, ob er das kapiert! Zur Hölle (Entschuldigung Mom!) nochmal! Ich kann nicht mehr... ich.. ich... will nicht... ich... ich weine. Heiße Tränen füllen meine Augen. Ich drehe meinen Kopf weg von Ashley. Will nicht, dass er meinen Schwächeanfall bemerkt. Merkt, was für eine verrückte Kuh ich bin. Geworden bin. Er merkt, das was nicht stimmt. Leise Tränen laufen mir so schnell die Wangen herunter, dass sich schon ein großer Fleck auf dem Bettlaken gebildet hat. Verdammt (Entschuldige Mom), warum ist er noch hier? Kann er nicht einfach verschwinden? Ich... ich will nicht, dass er mich so verletzlich sieht. Ich kann doch nicht vor einem meiner Freier aus heiterem Himmel anfangen zu heulen! Na ja. Es sieht aus, wie aus heiterem Himmel. Den Kampf, den Krieg, den ich mit mir ausfechte, innerlich, den sieht niemand. Jeder sieht nur das bei mir, was außerhalb ist. Wie ich aussehe. Keiner wird mich je verstehen. Keiner!

"Jay? Alles in Ordnung? Warum weinst du?" Warum? WARUM? Er fasst meine Schultern. Ich bin ganz in mich zusammengefallen. Eingefaltet wie ein bekritzeltes Blatt Papier. "Jay! Antworte! Was ist los?" Er klingt so komisch. Er macht sich doch keine Sorgen. Er kann sich gar keine Sorgen machen. Er ist reich. Er ist sorglos. Er ist Ashley. "Ich möchte so gerne...", schluchze ich. Ist doch sowieso alles egal. Wenn ich jetzt nach Hause gehe und mir die... nein, nein, nein, nein, NEIN! Hör' doch mal auf, verdammt! Ich kann doch nicht einfach aufgeben! Es geht mir aber so scheiße. Ich kann nicht mehr. Ich mag nicht mehr nach Hause. Zu Wendy und zusehen, wie sie stirbt. Auf die Straße. Zu Chef und sterben. Weg von hier ohne Geld komm' ich nicht. Ashley ist nur ein Freier. Er wird sicher meiner nicht annehmen. Er ist... er ist so anders. Er ist sicher so glücklich... oder er WAR es mal.. "Warum bist du hier?", schluchze ich. Trotzdem habe ich einen aggressiven Ton drauf. Ich sehe nicht auf, aber ich weiß, er schaut irritiert. "Was?" Ich wiederhole nur noch ein Mal und wenn du mir dann immer noch nicht geantwortet hast... "Wieso bist zu hier, verdammt? Wieso kommst du zu mir? Warum?" Er seufzt. Ich kneife meine Augen zusammen. Mein ganzer Körper fängt wieder an zu schmerzen. Ich weiß gar nicht genau, warum ich ihn das gefragt habe. Verzweiflungstat. Es musste irgendwas gesprochen werden, damit meine Tränen versiegen. Mein Hals schnürt sich zusammen. Bei jedem Atemzug. Ashley ist ruhig. Seine Hände rutschen von meinen Schultern über meinen Rücken herunter. Ich bin froh, sie los zu sein. "Warum ich hier bin?" ICH SAGE JETZT NICHTS! "Ich bin hier, weil ich mich entschieden hab, diesen Weg zu gehen." Welchen Weg? Von was für einem verfickten Weg faselt er da? Argh, wenn er nicht da gewesen wäre, hätte ich jetzt irgendwen umgebracht. Auf die Gleichgültigkeit folgt nämlich die Aggression! Und die ist bei mir ausgeprägt.. Ashley! Rede! Ich will doch nur was wissen. Ich will doch nur auch jemanden haben, über den ich mehr weiß, als den Namen und die Krankheit die er hat. Wie bei Wendy. Ich habe das Gefühl ich werde nicht mehr dazu kommen, sie zu fragen, was in ihrem Leben war. Sie hat solche Schmerzen, dass sie nicht mehr spricht. Solch eine bedrückende Stille in der Wohnung und dann die ganzen Chef's dort. Es dauert nicht mehr lange, da bezahlt keiner mehr die Miete. Das Wasser und der Strom werden abgestellt, Dave zieht aus und ich bin ganz allein. Ich will nicht allein sein. Ich war jetzt lange genug allein. Nun erzähl' doch was, Ashley. Ich will nicht mehr länger in Stille leben. Ich brauche etwas Neues! Ich brauche Liebe!

"Weg?", frage ich. Meine Stimme ist kaum mehr als ein Hauchen. Wie das Säuseln des Windes. Das Rauschen der Wellen bei annähernder Windstille. Die Stimmlage, in der Wendy ihre letzten Sätze zu Stande bringt. Meist nur: "Durst!" oder "Hunger!".

Ich merke, wie er sich auf dem Bett bewegt. Warme Hände versuchen mein Gesicht zu ihm zu drehen. Meine Augen sind sicher noch angeschwollen und rot. Das interessiert mich plötzlich nicht mehr. Ich will ihm in die Augen sehen. Beobachten. Wenn er mir seinen Grund nennt. WENN er ihn nennt und nicht drum herum redet. Wenn er's mir nicht sagen will, soll er mir das zu verstehen geben, doch es sieht so aus, als ob er wirklich dabei ist, seine Sätze in seinen Gedanken zu formen und sich mundgerecht zu machen. Das wird ihm auch nichts nützen. Das nützt nie was. Man sagt doch immer etwas ganz anderes, als man wollte. Das geht mir ja auch so. Ich wollte ja eigentlich nicht wissen, warum er hier ist, sondern... ach, ich wollte nur einfach IRGENDwas von ihm wissen. Dann kann ich darüber nachdenken. Gott, ich habe schon ein schönes Leben. Als gäbe es nichts anderes, über das ich nachdenken könnte... aber es stimmt ja. Freunde habe ich keine. Ich bin ja zu misstrauisch. Sie sind zu misstrauisch. Alle Menschen sind misstrauisch. Das ist auch gut so. Man darf sich nicht auf jeden verlassen. Man darf sich nur auf sich selbst verlassen. Sonst ist man verlassen. Ich muss mir selbst vertrauen. Kann ich das? Kann ich meinen Gefühlen trauen? Ja. Meine Gefühle haben mich noch nie betrogen. Kann ich Ashley vertrauen?

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