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Hinter mir höre ich ein dumpfes Platsch. Platsch. Platsch. Platsch. Platsch. Eine rhythmische Bewegung. Jemand läuft. Ich gehe zur Seite, um diesen offensichtlichen Jogger an mir vorbei zu lassen, aber er wird langsamer. Er ist direkt hinter mir. Ängstlich gehe ich noch langsamer, aber auch das Etwas hinter mir tut das Gleiche. Mein Atem geht schneller. Ich merke, dass meine Glieder sich versteifen. Mein Magen dreht sich um. Wohl aber mehr wegen dem zusätzlichen Hunger. Letztendlich bleibe ich stehen und tue so, als wolle ich nachschauen, ob meine Burger noch da sind. Neben mir höre ich schnelle Atemgeräusche. Männlich. Ein Schauer jagt über meine Rücken. Ich spanne meine Muskeln an, um im nächsten Moment einen Riesenschreck zu bekommen. Meerblaue Augen starren mir überrascht entgegen. Scheiße. "Hast DU mich erschreckt!", raune ich fast ohne Stimme. "Wolltest du mich erschlagen?", fragt er gut gelaunt. Was soll denn DAS? Warum kommt er mir an einem Tag wie diesem mit seinen dummen Kommentaren? Oder Fragen? Zum Spaßen bin ich sicherlich nicht aufgelegt. Auch nicht, als ich sehe, dass ich meine Cola tatsächlich so in die Höhe halte, als wolle ich sie ihm jeden Moment über den Schädel donnern. Gebrauchen könnte er's wohl mal. Was fällt ihm ein, mich so zu erschrecken? Ich hab nichtmal Bock ihn zu sehen. Ich hab sowieso keinen Bock IRGENDEINEN Freier zu sehen und bis auf IHN hat das heute auch geklappt. Ist ja klasse. Ich könnte schreien. Ihn anschreien, dass er verschwinden soll. Und jetzt auch noch dieser Gesichtsausdruck, als er anscheinend mein blaues Auge entdeckt. Wenn der jetzt fragt, was passiert ist, bekommt er die Cola wirklich. Aber nicht zu Trinken! So ein Dödel... ich hasse es, wenn ich mich erschrecke! Von wegen, ich könnte ihn erschrecken. Der hat wohl keine Ahnung, wie es für ihn enden kann, wenn er das nochmal macht. "Ich meine, hallo.", kommt es zaghaft von Ashley. Wenn er jetzt als nächstes fragt, ob wir von der Straße runter können, platze ich. Mein Magen knurrt wie wild. Mein verdammtes Essen wird kalt. Ich dachte ich würde mich freuen Ashley wiederzusehen, doch irgendwie könnte ich im Moment nur schreien. Wenn er mir begegnet wäre, nachdem ich gegessen hab, sähe die ganze Sache schon wieder anders aus. Mit leerem Magen bin ich ungenießbar. Hunger macht böse. Das galt nicht nur für Mom. Es hat sich auf mich übertragen. Verdammt. Ashley, lass mich doch nur was essen.

Ich halte die Tüte und die Cola hoch. Ich muss mich zu einem Lächeln zwingen. Schließlich habe ich schon wieder Dollarzeichen in den Augen. Dagegen kann ich nunmal nichts tun. Ashley bedeutet 300 Dollar zum Preis von maximal 3 Stunden. Nur eine Irre würde da nicht annehmen. Außerdem... nein, ich hab echt keine Lust. Ich zwinge mich einfach dazu. Merkt er, dass ich schlechte Laune hab? Glaube nicht. "Kann ich noch was essen vorher?" Er nickt lächelnd.

Auf dem Zimmer, das mir schon seit langem vorkommt wie mein zweites Zuhause. Gott, ich dachte nicht, dass ich so bald wieder hier lande. Es ist gerade mal eine Woche her, dass ich "hier" mit Ashley geschlafen hab. Die Erinnerung daran ist angenehm. Das gebe ich zu. Es ist jedoch fast immer dasselbe. Er ist zwar von der Bedeutung für mich her etwas Besonderes, doch was den Sex angeht, so schlafe ich mit ihm. Na ja. So ist es halt. Mehr ist da von Gefühlen her nicht, also ist es was DAS angeht absolut nichts Besonderes. Aber daran will ich noch gar nicht denken. Erstmal lachen mich meine zwei lauwarmen Burger an, die ich widerrum anstarre, als wären sie der heilige Grahl. Ich müsste klonen können... ich könnte sie beide mit einem Haps aufeinmal verschlingen. Mann. Es ist so ein wahnsinnig gutes Gefühl endlich wieder was anderes als Pizza oder Brot zu essen. Das hab ich aber schon erwähnt. "Guten Hunger.", wünscht Ashley, auf dem Bett dösend. Ich verfalle in Träumen. Also versteht mich nicht falsch. Ich starre jetzt nicht auf seinen Hintern (na ja eigentlich doch) und stelle mir komische Sachen vor, ich denke wiedermal über meine Vergangenheit und über meine Zukunft nach. Die Vergangenheit verdränge ich schnell wieder. Die passt jetzt auch nicht zu Ashleys Hintern. Meine Zukunft auch nicht. Nicht wirklich. Ich denke nur bei mir, dass ich sicherlich wieder $300 bekomme und die wird Chef definitiv nicht erhalten. Freiwillig lass ich mich bei dem nicht sehen. Die ganze Sache hat einen Haken. Wenn Ashley und ich dieses Motel verlassen werden, wird es bereits hell sein. Am Tag auf die Straße zu gehen gleicht dem Verhalten einer Zielscheibe für Chef. Toll. Danke Ashley. Mom. Danke. Nein. Mom. Du bist nicht schuld. Ich bin schuld. Ich hätte Ashley wegschicken müssen, aber meine Geldgier war stärker. Nicht für mich, sondern für Wendy. Und geht das Geld aus, weil sie nicht genug verdient. Zu wenig Freier. Sie sieht so furchtbar aus. Blass. Ausgemergelt. Es tut mir leid und ich schäme mich dafür, aber mir wird übel, wenn ich ihren Rücken sehe. Er ist rot befleckt an den Stellen, an denen noch Haut "hängt". Der Rest ist verschorft oder blutig. Es juckt sicher sehr, sonst würde sie sich nicht immer mit dem bloßen Rücken an der Wand im Bad schuppern. Dort ist die Wand blutig. Es sieht eklig aus. Ich versuche nicht diese "Kratzwand" anzusehen, wenn ich dort rein gehe. Trotzdem kann ich nicht mehr länger auf ihre Kosten leben. Dave hat auch noch versucht sich mit mir anzufreunden. No chance. Ich vertrau' doch keinem Freier. Nicht mein Freier. 'S wird schon 'n Freier von irgendeiner sein. Egal. Wendy ist im Moment echt scheiße dran und wenn ich ihr schon nicht wirklich vertraue, will ich ihr wenigstens so helfen, wie sie mir geholfen hat, als es mir scheiße ging. Mom. Wenn ich das nicht schaffe, nimmst du sie zu dir? Sie hat mir doch geholfen. Sie ist kein schlechter Mensch und gehört dorthin, wo du bist. Ehrlich.

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