Büffeln und Schrauben oder Ne TDv braucht keine Sau


Ort : Hamburg
Zeit: 08.12.1999 - Anfang Februar 2000

Wie schon im letzten Teil erwähnt, sollte nun endlich (?) mal ein bisschen sowas wie Alltag in mein Bundleben bzw. dem des FM-Zuges einkehren. Das bedeutete im allgemeinen: 1.) Erlernen der Bedienung der Gerätschaften, die mit dem Dienstposten zu tun hatten und 2.) die Inspektion und eventuelle Reparatur / Austausch von Fernmelde-Material.

Am Anfang war das Wort ... das bedeutet das es mit Untericht losging. Wir lernten einige theoretische Grundkenntnisse zum Thema Funken, auf die dann einige Spezifikationen des vorhandenen Fernmeldematerials, insbesondere das sogenannte Funkgerät Sende-Empfangs-Modul 93 folgten. Uns wurde beigebracht, wie man dieses Gerät (und einige andere) bediente und wie man Funksprüche nach einem bestimmten vorgegebenen Muster abgibt. Das gesamte für uns nötige Wissen zu diesem Thema wurde uns innerhalb von ca. 1 Woche beigebracht.
Auf diesen theoretischen Teil folgte nun unser erster selbstbetriebener Funkkreis ... was wie folgt aussah. Auf 3 Stuben wurden SEMs 93, sowie Antennen verteilt ( Wie war das mit den Strahlen neben einer ca. 2m großen Sendeantenne? ). Während eine Stube die sogenannte Leitstelle dartsellte, waren die restlichen zwei Teilnehmer in diesem Funkkreis. Nachdem alle Geräte auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft waren und wir auch die notwendigen Unterlagen erhalten hatten ging es los ... und wie es losing. Was vorher in der Theorie recht einfach klang wurde in der Praxis zum totalen Chaos. Neben unsinnigen Botschaften die verschickt wurden, gab es besonders viel zu lachen, wenn mal wieder ein Funker mit "Sprachfehler" am Zug war oder mal wieder jemand seine neuesten Handy-Klingeltöne über Funk vorführt. Aus diesem Grund war der häufigste Satz in dieser Woche auch "Bewahren Sie Funkdisziplin!". Nach mehrmaligen rausrufen in den Flur und einem "netten" Zurechtweisen ging es aber meist wieder weiter. Nach einer Weile lief alles recht reibungslos und der Stubenfunkkreis wurde zu gunsten eines Feldfunkkreises geschlossen.
An diesem neuen Feldfunkkreis sollten sowohl ein Funk-MTW (Mannschafts-Transport-Wagen), ein Funk-Wolf als auch wieder eine Stube teilnehmen. Allerdings kam ein solches Unterfangen nicht zu Stande, da die Technik nicht so ganz "Einsatzbereit" war.

Tja, damit war meine Zeit am Funkgerät auch schon vorbei. Was mich und die meisten anderen auch nicht weiter störte .
Was folgte war eine etwas ausgedehnte Technische Materialprüfung der vorhandenen Fernmelde-Geräte, sowie der Fernmelde-Fahrzeuge. Wie ja hinlänglich bekannt ist es mit der Einsatzfähigkeit mancher Einheiten in der Bundeswehr nicht unbedingt zum besten bestimmt. Während die sogenannten Krisen-Reaktions-Kräfte, sowie die "Vorzeige"-Teilstreitkräfte Marine und Luftwaffe als auch die reinen Wachkasernen sehr gut mit neuem Material bestückt werden, sieht es bei denen zur "Landesverteidigung" eingeteilten Heeresteilen - auf Grund der weltpolitischen Lage - nicht sehr rosig aus. Dieses fängt bei den Uniformen (oliv), der persönlichen Ausrüstung (Koppeltragegestell zur oliv-Uniform) und den Waffen (nichts gegen mein geliebtes G3 und Konsorten, aber anstatt den Leuten moderne Waffen zu geben die damit arbeiten, landen sie bei "Parade"-Einheiten) an, geht über die Unterkünfte (juchu, Acht-Bett-Zimmer ... besonders toll, wenn nur wenig Heimschläfer dabei sind) bis hin zu den Materialen die für die Arbeit auf seinem Dienstpsoten notwendig sind. Alles in sehr schlechtem Zustand. Da wundert es auch nicht, wenn es in den ganzen acht Monaten in denen ich Funker war keine Funkübung gab.
Da es aber leider kein Geld für Neuanschaffung gibt muß halt das ganze Material, welches meist älter ist, als deren Nutzer, in Schuß gehalten werden. Also heißt es reparieren, flicken und improvisieren ... ausgetauscht wird erst wenn etwas entweder zu Staub zerfällt oder jemanden das Leben gekostet hat .
Aber das ganze hat auch was positives: Man strengt mal wieder sein Gehirn an, welches ja normalerweise stark vernachlässigt wird, um irgendwelche Probleme zu lösen, damit man mit dem ganzen desolaten Material wenigstens etwas anfangen kann.

Naja, nach ein paar Wochen war auch dieser Ausflug in die faszinierenden Unergründlichkeiten des Bundes beendet. Es sollten eineinhalb Monate folgen, in denen zwei Übungen des Deutsch-Niederländischen-Korps stattfanden, zu dem auch unsere Einheit gehörte.


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