Das Deutsch-Niederländische Korps oder Nie Wieder Toastbrot!


Ort : Hamburg + Wildflecken (Bayern) + Assen (Niederlande)
Zeit: Anfang Februar 2000 - Mitte März 2000

Wappen des Deutsch-Niederländisches KorpsWie schon im letzten Teil angekündigt, folgten nun knapp 1 1/2 Monate die ganz im Zeichen der Zusammenarbeit der Armeen der NATO-Staaten, in diesem Fall Deutschland, Niederlande und Polen, standen.
Toll dachte man sich, endlich mal zwei richtige Übungen für uns Fernmelder, aber Pustekuchen ... beide Male wurden die meisten aus unserem FM-Zug als sogenanntes "Arbeitskommando" eingeteilt. Wie sich aber bald herausstellen sollte, eine gar nicht so schlechte Entscheidung, da unsere Tätigkeiten fast gar nichts mit Arbeiten zu tun hatten ... da sieht man mal wieder, je schlimmer ein Begriff beim Bund, desto harmloser ist das was sich dahinter verbirgt. Aber ich will mal nicht zu viel vorwegnehmen und doch lieber von vorne anfangen.

Immer wenn man bei uns im FM-Geschäftszimmer einen Blick auf den Jahreskalender mit allen anstehenden größeren Ereignissen warf, las man dort die Worte: Centaur Animaux. Auf die Anfrage um was es sich denn dabei handelte, bekam man die Antwort, dass dies eine größere Gefechtsstandübung (einfach erklärt handelt es sich dabei um ein rundenbasiertes Strategiespiel) des Deutsch-Niederländischen Korps in Bayern werden wird. Sich mit dieser Information begnügend, begannen wir Fernmelder damit, uns selbst und unsere Ausrüstung dafür vorzubereiten. Naja, da nur ca. vier Leute mit fernmeldetechnischen Aufgaben auf dieser Übung betraut werden sollten, fiel die Materialvorbereitung nicht wirklich schwierig aus.

Irgendwann jedenfalls machten wir uns in Kolonnenfahrt per BW-Bus bzw. Fernmeldefahrzeug auf den Weg nach Wildflecken. Dank der bereits erwähnten Geschwindigkeitsbeschränkung für BW-Fahrzeuge dauerte die Fahrt leider recht lang. Aber der Blick der Leute, wenn ca. 40 bewaffnete Uniformierte (Mix aus Flecktarn und oliv) eine Raststätte bzw. McDonaldsfilliale stürmen, entschädigt dies aber auf jeden Fall .
Nach einer halben Ewigkeit bemerkten wir eine langsame Veränderung der Landschaft vom flachen zum hügeligen bis schließlich hin zum bergigen. Als wir nur noch von Bergen umgeben waren, erreichten wir endlich die Kaserne. Wie hoch wir uns befanden, merkte man am meisten noch am Wetter. Während es in Hamburg für diese Jahreszeit noch recht mild war, hatte hier der Schnee alles in fester Hand.
Die nächste Ernüchterung brachte die Unterkunft, welche US-Army-like zu 40 Personen pro Raum und Leben aus dem Koffer/Seesack bestand. Das Sahnehäubchen war dann die Toilette, welche sich zusammen mit einigen Duschen außerhalb der Barracke in einem Extra-Sanitär-Gebäude befand.
Aber all das vergaß man - genauso wie das, von den mit uns übenden Niederländern der Landwehr (Heer) gesponsorte Essen (Hauptelemente Toastbrot und Erdnussbutter) - recht bald, als die Übung, nach eintägigem Aufbau des Gefechtsstandes im Schichtbetrieb endlich losging. Jeden morgen wurden wir per Bus zum, in einer Feuerwehrwache eingerichteten Gefechtsstand gefahren und durften dort dann unsere 8-Stunden-Schicht bewältigen. Während dort dann nur jeweils zwei von den Fernmeldern mit Mannschaftsdienstgrad wirkliche Fernmeldetätigkeiten durchführten, war der Rest primär mit dem kleben von Karten, zeichnen von Folien beschäftigt und als "Frau-für-alles" tätig. Man bekam aber einen recht guten Eindruck, wie so ein Krieg - den der hier eigentlich nicht mehr existente einzelne, gemeine Soldat sonst auf dem Gefechtsfeld durchlebt - im Kommandostand abläuft.
Eine kleine Auflockerung stellte der offizielle, gesellige Abend für die Führungsoffiziere dar, an denen auch einige von uns Mannschaften teilnehmen durften. Ein bißchen Smalltalk, sowie kostenloser Alkohol und einige gutaussehende holländische Soldatinnen machten den Abend recht interessant.
Nach ein paar Tagen und dem virtuellen Sieg der NATO-Staaten, ging es dann aber auch schon wieder zurück nach Hamburg ... gerade rechtzeitig, da das Wetter sich gerade von Schnee in Regen/Matsch wandelte.

Dort angekommen begann nach einem verdienten Wochenende das große Nachbereiten (säubern der Ausrüstung und überprüfen der Vollständigkeit) der Übung ... nur um nahtlos in die Vorbereitung für die zweite große Übung überzugehen. Betitelt mit Dashing Sword sollte sie schon 2 1/2 Wochen im Anschluss an Centaur Animaux in unserem Nachbarland den Niederlanden stattfinden.

Anfang März hieß es dann also erneut ausrücken. Dazu wurden wieder alle Leute (wahllos) auf verschiedene Fahrzeuge verteilt und eine Kolonnenfahrt Richtung Holland gestartet. Allein diese Fahrt beinhaltete wieder einige "Highlights", wie z.B. die Erfahrung, dass gesprächs- und radioloses fahren auf eintönigen Strecken den Sekundenschlaf sehr stark unterstützt. Oder auch die Feststellung, dass "aktuelle" BW-Kasernentankstellen-Führer ihrem Namen nicht gerecht werden.
Irgendwann aber erreichten wir endlich unseren Bestimmungsort: eine Kaserne der Landwehr im niederlädischen Assen. Wir hatten zwar schon vorher gehört, dass wir mit einer recht guten Unterkunft (vor allem im Vergleich mit Wildflecken) rechnen konnten, aber das was wir dort vorfanden übertraf sogar unsere Erwartungen. Dort sah man das, was laut Bundeswehr die Kaserne 2000 darstellen soll: Kompanieblöcke - die eher an Hotels oder Jugendherbergen erinnerten - mit 4-Mann- und 2-Mann-Stuben, jede mit Kabel-, Telefonanschluss und Teppichboden, Waschmaschinen-/Trochknerraum und Gesellschaftsräume mit Küchenteil auf jeder Etage. Leider kam die Ernüchterung recht bald, als wir erfuhren das 10 FM-Mannschafter sich im Gesellschaftsraum (ca. 15 qm) einrichten sollten. Da man sich aber bei der Bw nicht beklagt - und es dank Schichtdienst nie alle in dem kleinen Raum aufhielten - haben wir uns schnell mit der Situation arrangiert, sprich Schlafsack aufs Bett, Fernseher und Sandwichmaker angeschlossen sowie den Kühlschrank gefüllt.
Nachdem diese wichtigen Tätigkeiten abgeschlossen waren, gab es seltenerweise mal Fernmeldearbeit zu erledigen, sprich die Verkabelung des Gefechtstandes und die Verbindungsherstellung zu den anderen Einheiten. Das ganze wurde recht zügig abgeschlossen und bekamen wir Fernmelder unsere Aufgaben auf der Übung zugewiesen: zusammen mit einigen Kameraden wurde ich zur besonderen Verfügung, was soviel heißt, dass wir geholt werden, sobald eine unvorhergesehene Aufgabe ansteht. Da aber die BW perfekt organisiert ist, und es somit nichts unvorhergesehenes gibt, hatten wir nichts zu tun.
Wir saßen also die meiste Zeit auf der Stuzbe, tranken, aßen und schauten niederlädisches TV ((zum Glück wird dort nahezu alles in englisch gesendet und nur untertitelt). Zum Essen gibt es aber noch eine lustige Geschichte: Während der Verpflegungseinahme (natürlich wieder von den Niederländern gestellt, Stichwort Toastbrot und Erdnussbutter) konnte man sich immer etwas mitnehmen. Dies wurde von uns - da Kühlschrank und Sandwichmaker auf Stube - recht intensiv genutzt. Vielleicht etwas zu intensiv, da es nach ca. dem halben Übungszeitraum hieß, dass das Essen plötzlich rationiert werden mußte. Ob das wohl an uns lag ...

Das ganze lief hervorragend, bis ein Kamerad und ich nach ein paar Tagen am Samstag morgen - wir hatten gerade unsere Wäsche in die Waschmaschine gepackt - zum Zugführer mußten. Von dem erfuhren wir, dass wir zurück nach Hamburg sollten, da dort zuwenig Leute für die aktuelle SWA und hier zuviele z.b.V. waren. Zeitpunkt: Sofort!
Sauer auf das versaute Wochenende und die nassen Klamotten, die wir mitnehmen mußten, wurden wir per Wolf nach Hamburg gefahren. Von dort aus durften wir dann erst nach Haus fahren, um am kommenden Montag als Hilfsausbilder tätig zu werden.


Typischer Abend (und Tag :) ) in Holland Alkohol löst alle Hemmungen


Voriges Kapitel Startseite Nächstes Kapitel
Hosted by www.Geocities.ws

1