Sicherungs- und Wachausbildung oder Hell Week


Ort : Hamburg
Zeit: 01.11.1999 - 14.11.1999


Eine Höllenwoche (genauer zwei) ... das war die 14 tägige Sicherungs- und WachAusbildung, welche ich in meiner neuen Stammeinheit absolvieren mußte, bevor ich meinem endgültigen Dienstposten zugewiesen wurde. Dies war wirklich die (für mich) körperlich anstrengendste Zeit - vom späteren Marathon mal abgesehen - bei der Bundeswehr ... das heißt aber nicht, das es nicht auch lustig bzw. interessant war.
Aber wie immer will ich auch hier von vorne beginnen:

Wappen der Panzergrenadierbrigade 7FernmeldetruppeAm Freitag den 29.10.1999 war es soweit: Nach 2 Monaten Grundsausbildung sollt ich endlich meiner Stammeinheit, der StabsKompanie der Panzergrenadierbrigade 7, zugewiesen werden. Zu diesem Zweck hatten alle, die mit mir dasselbe Schicksal teilten, 2-3 Wochen vor Ende der AGA einen Zettel bekommen auf dem wir schon vorab in der Stabskompanie Willkommen geheißen wurden. Außerdem befand sich darauf ein Hinweiß, was für uns als erstes dort auf dem Plan stand: 01.11.-12.11.1999 Wach- und Sicherungsausbildung.
Mit unserem kompletten Spindinhalt auf dem Rücken und in den Händen *ächz* begaben wir uns also zu unserem neuen Heim für die nächsten acht Monate. Direkt vor dem Gebäude der StKp wurden wir von einem sehr lauten AAABBBGGGÄÄÄNNNGGGEERR einiger unserer Vorgänger - die nun endlich ihren Wehrdienst hinter sich hatten - und einem etwas leiseren "Willkommen in der Stabskompanie!" von einem unserer neuen Vorgesetzten begrüßt. Dessen erste Amtshandlung bestand auch gleich darin uns erstmal ins Mannschaftsheim zu schicken, da die Stuben für uns noch nicht hergerichtet waren. Nachdem dieses Problem beseitigt war, teilte man 13 von uns (mich inklusive) dem Fernmelde-Zug - beinhaltete eine "Beförderung" zum Funker - und den Rest anderen Teilbereichen (z.B. Instandsetzung, Sicherungszug) zu. Schnell wurden wir, die neuen Fernmelder, noch auf drei Stuben verteilt und dann auch schon ins Wochenende entlassen.

Am Morgen des darauffolgenden Montag, den 01.11., wurden die ganzen neuen Soldaten in der Stabskompanie auch gleich in drei Gruppen zu je ca. 8 Mann aufgeteilt. In diesen Gruppen mußten wir nun die nächsten 14 Tage überstehen. Alles fing ja noch recht harmlos an, denn in den ersten zwei Tagen stand mal wieder Unterricht auf dem Programm, in welchem wir die Tätigkeiten, Rechte und Pflichten eines Wachsoldaten lernten. Zum Beispiel erfuhr man, das man als Wachsoldat von vornherein so gut wie mit einem Bein im Knast stand, da man zwar Übergriffe auf Bundeswehrteretorien und -gegenstände notfalls mit der Waffe verhindern mußte, gleichzeitig aber so wenig wie möglich Gewalt anwenden durfte, um dieses Ziel zu erreichen. Man befand sich in einer gesetzlichen Schwebe - na toll. Außerdem lernte man noch Kontrolle von Personen / Fahrzeugen oder das sogenannte Anrufverfahren beim Aufgreifen einer unbekannten Person während eines Streifenganges.
Am dritten Tag stand die Umsetzung des gesamten Erlernten in die Praxis an. Die drei Gruppen spielten an drei Stationen die unterschiedlichsten Szenarios zum Thema Kontrolle von Personen und Fahrzeugen am Eingangstor und Personenkontrolle während einer Streife durch. Dabei wurden einem alltägliche Situationen wie Trunkenheit, Besucherschein ausfüllen, etc. als auch so unwahrscheinliche Fälle wie Waffenschmuggel, bewaffneter Überfall, Hinterhalt, etc. aufgezeigt.

Am Donnerstag und Freitag stand dann Waffenausbildung auf dem Programm. Neben dem uns bereits bekannten G3 (Sturmgewehr) wurde uns das Zerlegen und Zusammensetzen, Sicherheitsüberprüfung, sowie die richtige Handhabung von Panzerfaust 3, Leichte Panzerfaust, MG3 (Maschinengewehr), MP2A1 (Maschinenpistole), P1 (Pistole) und Handgranaten beigebracht. Da das ganze innerhalb dieser 1 1/2 Tage erledigt sein mußte hieß es ranklotzen. Früh am Morgen ging es los, indem wir alle notwendigen Waffen in der Waffenkammer empfingen, jeder sein G3 plus einer oder auch zwei weiteren Waffen ... was besonders bei Panzerfaust oder MG Spass macht.
Mit diesem, sowie einem halbwegs vollgepacken Rucksack ging es dann zur Hindernisbahn, um dort die Stationen aufzubauen, da die aber schon besetzt war (So ein Zufall!) ging es im Laufschritt quer durch die Kaserne zurück zu Stabskompanie, um alles auf dem Rasen hinter dem Haus aufzubauen. Dasselbe Spiel wiederholte sich natürlich am darauffolgenden Tag. Während am Donnerstag die Ausbildung noch das lernen als Ziel hatte, und damit nicht allzu körperlich anstrengend wurde, sah dies am Folgetag anders aus. Ausgehend von einem perfekten Beherrschen der Waffen wurde das Wissen darüber in kleinen "Spielchen" getestet - wie solche (stark schweißteibenden und dreckanziehenden) "Spielchen" beim Bund aussehen kann sich jeder denken . Naja, zumindest war das ganze der Abschluß der ersten Woche, worüber alle erst einmal froh waren.

In der zweiten Woche fand am Montag und Dienstag auf unserer Schießanalage auf dem Standortübungsplatz, ein paar Kilometer von der Kaserne entfernt das scharfe Schießen mit der P1, der MP2A1, dem MG3 und dem G3 statt. Wie es sich gehört, mußte komplett beladen (Rucksack, G3 + weitere Waffe) zur Schießanlage hin marschiert und (weil es so schön ist) später zurück gerannt werden. Es fanden auf verschiedenen Schießbahnen unterschiedliche Übungen statt, bei der P1 z.B. aus 25 m auf Ringscheiben und später auf Klappfallscheiben, bei der MP2A1 aus der selben Entfernung nur auf Ringscheiben, mit dem G3 aus verschiedenen Entfernungen auf Ringscheiben und Klappfallscheiben und mit dem MG3 aus 25 m auch auf Ringscheiben (Welche durch ihre geringere Gr��e als bei den anderen Waffen eine höhere Entfernung simulieren sollten.). Bei den Wertungen befand ich mich außer beim MG immer im oberen Drittel. So fand ich auch raus das ich als MG-Schütze ungeeignet bin (kein Wunder bei meiner Körperstatur ) und das das G3 meine Lieblingswaffe ist. An diesen beiden Tagen fand natürlich, wie immer nach Benutzung von Waffen, ein großes Putzen auf den Fluren der Stabskompanie statt ... natürlich mit zu wenig Lappen und Öl (Wie stark krebserregend dieses Waffenöl ist, wollte man uns schon in der AGA nicht sagen ... bloß das man nicht zu Lange mit ihm in Kontakt bleiben durfte, war doch schon merkwürdig.).

Am Mittwoch und Donnerstag stand der Abschluß der Wach- und Sicherungsausbildung auf dem Programm: eine 36-Stunden-Übung. Das dies die anstrengenste aber auch beste 36-h-Übung werden sollte wußte ich natürlich noch nicht. Da aber eine Menge Übungsmunition zur Verfügung stand und es für einige Ausbilder auch die letzte Übung dieser Art werden sollte, sagte man uns, das es doch etwas anders ablaufen sollte als sonst ... und das traf auch zu!
Es ging am Mittwoch morgen los. Nachdem wir mal wieder alle unsere G3s und dazu noch jede der drei Gruppen ein MG empfangen hatten, machten wir uns getrennt auf dem Weg zu einem vorher festgelegten Zielpunkt auf dem Übungsgelände. Dabei mußten wir darauf achten von niemanden entdeckt zu werden. Um dies zu erreichen bewegten wir geschlossen im Schützenrudel, das Gelände ausnutzend und so geräuschlos wie möglich vorwärts. Meine Gruppe erreichte zwar knapp 20 Minuten nach den anderen den Zielort, dafür aber unentdeckt. Der erste neue Befehl hies Lager aufbauen. Nachdem dies fertig war, und wir unser Mittag eingenommen hatten, begann eine knapp dreistündige Ausbildung in Fallen bauen, Schützenmulden ausheben und Ablösegespräch beim Alarmposten. Mit diesen Aktionen wurde so ganz nebebei das Lager komplett. Aber anstatt dort zu übernachten hieß es nach dem Abendessen plötzlich: Feind rückt an ... verlegen des Lagers zu den Ü-Häusern! (Es gab auf dem Übungsplatz 2 Übungshäuser für Häuserkämpfe.) Toll! Das hieß wieder das Zeltlager abbauen und sich unauffällig zu diesem Zielpunkt bewegen. Das die drei Gruppen nun wieder Feinde waren war ja klar. Nachdem wir diesmal als erste am Zeilpunkt ankamen - und dort gleich einen Vorgesetzten auf etwas grobe Art gefangen nahmen - war uns langweilig und wir suchten nach den beiden anderen Gruppen. Eine von ihnen rieben wir in der Dunkelheit in einem Waldstück gründlich auf. Als alle dann bei den Ü-Häusern waren, wurden in diesen dann die Schlafgelegenheiten aufgebaut. In der Nacht hieß es natürlich Streife laufen, Alarmposten besetzen und auch ein Kfz bewachen. So kam in dieser arschkalten Nacht jeder von uns nur ca. 2 x 1,5 h zum schlafen.

Der Morgen begann mit neuer Munitionsverteilung und einem "Angriff" als Frühstücksüberaschung. Danach erhielten wir die letzte Aufgabe in dieser 36-h-Übung: Starte von den Ü-Hausern aus und passiere mehrere Wegpunkte um dann später wieder zu ihnen zurück zu kehren. Das ganze so unentdeckt wie möglich, da sowohl einige Vorgesetzte als auch einige Schützenpanzer "Marder" uns "jagten". Nach mehreren erfolgreich abgewehrten Überfällen - einer davon mit den drei anderen Gruppen, die diesmal nicht unsere Feinde waren - und einem unentdeckten umgehen der "Marder" kamen wir kurz vor Mittag zurück zu den Ü-Häusern ... und dem uns dort erwartenden "Showdown". Der bestand aus einer sich in einem der Häuser verschanzten Gruppe aus Vorgesetzten (Von denen einer zu viel Rambo geschaut hatte - mit MG in der Hüfte aus nem Fenster schießend ). Als wir dort ankamen, war eine Gruppe schon ein Totalausfall, während die andere sich hinter dem zweiten Haus verschanzt hatte und das erste von dort beharkte. Zusammen mit einem Kamerad stürmte ich, nachdem unsere Gruppe fälschlicherweise von der zweiten Gruppe angegriffen wurde, in das zweite Haus. Dort "entwaffneten" wir einige Kameraden der zweiten Gruppe. Nun lief alles total aus dem Ruder: Während der Rest der zweiten Gruppe das erste Haus beschoß, verschafften sich einige von uns aus der dritten Gruppe zu dem selbigen. Wir schafften es schließlich die Vorgestzten zu besiegen. Nachdem wir alle beim Mittagessen unseren Adrenalin-Spiegel senkten, ging es auch wieder zurück in die Kaserne, natürlich rennend.

Nach Waffenreinigen am Rest des Tages und einem erholsammen Schlaf in einem richtigen (okay, nur ein Bundeswehr-Bett), war dieser anstrengende aber doch interessante Teil meiner Zeit beim Bund zu Ende.


Blick aus unserer Stube in der Stabskompanie Sturmgewehr G3A3 Maschinenpistole MP2A1


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