Allgemeine Grundausbildung oder Full Metal Jacket


Ort : Hamburg + unbekanntes Dorf
Zeit: 01.09.1999 - 31.10.1999

Naja, so hart wie im ersten Filmteil von Full Metal Jacket ging es bei meiner Allgemeinen GrundAusbildung natürlich nicht zu. Allerdings gab es so manchen Ausbilder, der von dem Film sehr angetan war, und dies uns auch ab und zu mal spüren ließ.

PanzergrenadiertruppeAm 01.09.1999 erreichte ich also nach einer mehrstündigen Fahrt gegen 14.00 Uhr die sogenannte Röttiger-Kaserne am südwestlichen Stadtrand von Hamburg. Nachdem ich mich bis zum Block der 3./72 durchgefragt hatte, wurde ich dort von einem Soldaten begrüßt, nach meinem Namen gefragt und dann darum gebeten mich eine Etage höher im Unterrichts-Raum zu melden. Dort mußte ich bei verschiedenen Dienstgraden diverse Unterlagen und Fragebögen ausfüllen und beantworten. Als ich damit fertig war, erfuhr ich noch, dass ich nun Panzergrenadier im 3. Zug der 3. Kompanie des Panzergrenadierbatallion 72 war und mich doch auf die Stube 66 begeben sollte, um meine zukünftigen Kameraden kennenzulernen. Dort fand ich dann auch schon zwei von ihnen vor und nach und nach trudelten auch der Rest dieser Sechs-Mann-Stube ein. Dies waren also meine Kameraden, mit denen ich die nächsten zwei Monate auskommen mußte. Das ich es mit ihnen und auch dem Rest des dritten Zuges gut getroffen hatte, wurde mir innerhalb der nächsten Tage schnell klar ... wir verstanden uns alle auf Anhieb. Auch mit den vier Dienstgraden (einem Zugführer und drei (von fünf) Gruppenführer, welche sich in den zwei Monaten mehrmals abwechselten) im dritten Zug verstand man sich recht schnell.

Innerhalb der ersten 2 bis 3 Wochen stand die Einkleidung, verschiedene Untersuchungen und diverse Unterrichte auf dem Programm. In dieser Zeit lernte ich die Kaserne, die Umgebung, meine Kameraden, sowie grundlegende Dinge des Soldatenseins besser kennen. Mir wurde beigebracht, wie man sich im Gelände geordnet und unaufällig fortbewegt ("Gleiten Sie zu mir. Und lassen Sie sich nicht von dem Schlammloch zwischen Ihnen und Mir stören!"), sich am besten tarnt, sich geräuschlos mit seinen Kameraden verständigt oder was man bei einer ABC-Warnung bzw. einem ABC-Alarm macht. Auch bekam ich hier das erste Mal eine Waffe in die Hand, ein sogenanntes Gewehr G3, mit ungefähr dem doppelten meines Alters auf dem Buckel. Ich lernte wie man es zerlegt, reinigt, zusammensetzt, auf Sicherheit überprüft und - natürlich am wichtigsten und interessantesten - wie man damit schießt. Den nahzu perfekten Umgang mit dieser Waffe wollte man uns während eines sogenannten Schieß-BIWAKs beibringen. Das sah dann folgendermaßen aus: Da wir keinerlei Ausbildung im Bewachen eines Lagers hatten, wurde das BIWAK mehr ein Campingausflug, denn ein militärisches "Verlegen und Halten". Unsere gesamte Kompanie baute Zugweise auf einer großen Freifläche mehrere Zeltreihen auf. Verpflegung wurde immer aus der Kaserne geliefert. Während man den gesamten Tag auf der Schießbahn verbrachte, schlief man abends dann gemütlich in seinen Zelten. Weil auf unserem Übungsgelände auch von 22.00 - 07.00 Uhr absolutes Schießverbot galt - gleich nebenan gab es eine Siedlung Einfamilienhäuser, welche nicht gestört werden durften - gab es nachts auch keinen Alarm, also war durchschlafen angesagt. Die ersten drei Tage war dieses ganze BIWAK eigentlich recht gemütlich und leicht zu überstehen, der Hammer kam am letzten Tag: 12 km Nachtmarsch. Das hieß nach dem Abendbrot, bei dem es auch noch schön regnete, wurde mit vollem Gepäck der Rückmarsch angetreten. Bei Dunkelheit, Kälte, dem schweren Gepäck, der Müdigkeit nach vier "Naturtagen" war das ganze natürlich eine einzige Qual, doch in unserem Zug hielten alle durch ... trotz der "Ehrenrunde" um den Block und dem anschließenden Waffenreinigen um 22.00 Uhr.

Nach diesem "Highlight", war es die nächsten 2 bis 3 Wochen recht ruhig, eigentlich sogar total langweilig. Wir sollten uns eigentlich auf die Rekrutenbesichtigung zum Ende der Grundausbildung vorbereiten, aber unser Zug- und unsere Gruppenführer hielten uns für gut genug. Während die anderen Züge wie wild durch die Kaserne rannten, robbten und glitten, saßen wir auf unseren Stuben, hörten Radio (der einzig gut empfangbare Sender brachte immer Oldies aus der Zeit des Vietnamkrieges ... sehr stimmungsvoll ), spielten Skat und laaaangweilten uns. Wir wurden nur ein paar Mal am Tag rausgerufen um zu schauen ob noch alle da waren.
Das einzig Interessante vor der Rekrutenbesichtigung war eine sogenannte 36-Stunden-Übung. Wir gingen also mal wieder raus und bauten ein Lager auf, diesmal etwas professioneller als zum Schieß-BIWAK. Die drei Gruppen des dritten Zuges bildeten ein Dreieck zur besseren Verteidigung und bauten um dieses Lager herum Stellungen zur Abwehr des "Feindes". Unser Gruppenführer - der uns nach ein paar Stunden verließ, da seine Frau ein Kind erwartete, d.h. wir waren netterweise ohne weitere Anweisungen auf uns allein gestellt - hatte außerdem die tolle Idee unsere Schlafstellen in ein altes Stellungssystem zu verlegen, das hieß dieses einfach mit unseren ABC-Schutzponchos überspannen. Wir schliefen die Nacht über trotzdem alle am Lagerfeuer, was auch gut war. Als es in der Nacht Alarm gab (natürlich ohne zu schießen) fielen beim Run zu den Stellungen einige nat�rlich in unsere "Ponchofallen" .

Nachdem auch dieses Abenteuer überstanden war, stand das sogenannte feierliches Gelöbnis auf dem Plan. Feierlich? Naja, wenn man darunter versteht, dass das ganze in einem Dorf am Arsch der Welt, auf einem Sportplatz stattfindet und von Demonstranten begleitet wird, dann war es feierlich.
Den Abschluß der AGA bildete die Rekrutenbesichtigung, eine Überprüfung unseres gelernten Wissens. Und obwohl wir in den letzten Wochen weniger geübt hatten als die drei anderen Züge, wurden die Gruppen unseres Zuges Punktemäßig die Besten. Nach diesen nochmal interessanten aber arschkalten Tagen, war es an der Zeit unsere Ausbildungseinheit zu verlassen und in unseren Stammeinheit zu gehen.


1. Gruppe des 3. Zuges posiert auf der Schießbahn Gesamter 3. Zug posiert auf der Schießbahn 36h-Übung Aufmarsch zum Gelöbnis


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