|
|
Der
Zweite Weltkrieg
|
|
| Die
neuen Nationalstaaten
Die Großmächte am Vorabend des Kriegs
Der Krieg in Europa 1939/40 Der
Krieg Deutschlands gegen die Sowjetunion
Der Vorstoß Japans nach Süden 1941/42 Der
Zusammenschluss der Alliierten Die
militärische Wende in Europa 1942 Die
militärische Wende im Pazifik Die
Konferenzen von Casablanca und Teheran Der
Zusammenbruch Italiens Der
Zusammenbruch Deutschlands Die
Konferenzen von Jalta und Potsdam Der
Zusammenbruch Japans
|
|
|
Die
"neuen" Nationalstaaten
|
|
Überblick
|
- Seit
etwa 1870 haben drei neue Staaten die Bühne
der Weltpolitik betreten: Japan, Italien und
Deutschland.
- Gemeinsamkeiten
dieser Staaten:
|
- territoriale
Erwerbungen (Japan auf dem chinesischen
Festland und im Pazifischen Ozean, Italien in
Nordafrika und am Mittelmeer, Deutschland in
seinem Kolonialreich).
- Enttäuschung
über den Ausgang des Ersten Weltkriegs.
Auch Japan und Italien hatten, obwohl sie zu
den Siegern gehörten, nicht alles bekommen,
was sie beanspruchten.
- Wirtschaftliche
Rückschläge, die sich seit 1929 durch
die große Depression verschärften.
- Befreiung
aus bürgerkriegsähnlichen Zuständen durch Abschaffung
der Demokratie und Ersatz durch ein
autoritäres Regime (Faschismus in Italien
seit 1922, wachsender Einfluss des Militärs
in Japan, Deutschland seit 1933).
- Wiederaufnahme
der Expansionspolitik der Zeit vor dem
Ersten Weltkrieg
|
- Die Westmächte
(die "alten" Großmächte) hatten ihren
territorialen Besitz nach dem Ersten Weltkrieg noch
einmal erweitert und dann das Ende der Erwerbungszeit
proklamiert. Der Völkerbund war ein Instrument zur Bewahrung
des territorialen Status quo.
- Die
drei neuen Nationalstaaten empfanden sich als
"Habenichtse". Sie erhoben sich gegen die
Altbesitzenden, die ihnen den Platz an der Sonne
verwehrten.
|
Neben
diesen objektiven Voraussetzungen und
Ursachen für das Entstehen von Konflikten
zwischen den Staaten steht der unbedingte Wille
Hitlers zum Krieg. Es ist jedoch nicht
vorstellbar, dass ein einzelner Mensch eine
friedliche Welt in einen Krieg stürzen konnte.
Zahlreiche Bedingungen haben die Durchsetzung
Hitlers ermöglicht. |
|
|
Japan
|
-
Seit
dem Ende des Krieges mit Russland (1905) Großmacht
in Ostasien.
-
Bereits
im Ersten Weltkrieg hat Japan versucht, eine
wirtschaftliche und politische Machtstellung im
Norden Chinas zu erhalten.
-
Im
Friedensvertrag von 1919 wird Japan gezwungen, sich
mit der Übertragung der deutschen Rechte in
Kiautschou zu begnügen; die Provinz Schantung muss
geräumt werden.
-
Es
verbleiben zwei Auswege, um die stetig
wachsende Bevölkerung zu ernähren: eine gesteigerte
Industrialisierung oder der kriegerische Weg
imperialistischer Ausdehnung über die Grenzen des
nationalen Staates hinaus.
-
Unter
dem Druck des Militärs beschließt die Regierung, die
Lösung ihres Problems in einer imperialistischen
Machtausweitung zu suchen (seit 1931).
-
1932
Unterwerfung der Mandschurei. Proklamation von
"Mandschukuo" als unabhängigen Staat, der
jedoch völlig von Japan abhängig ist. Bis 1936 stieß
die mandschurische Armee Japans wiederholt - gegen den
Willen der Regierung - in chinesisches Gebiet vor.
-
7.7.1937
Beginn des Krieges gegen China (der Krieg
dauerte bis 1945). Die Sowjetunion, die USA und Großbritannien
unterstützen den chinesischen Staatschef Tschiang
Kai-schek mit Geld und Materiallieferungen, greifen
jedoch nicht in die Kämpfe ein. Die Japaner erobern
die Provinz Kanton.
- Schrittweiser
Übergang in das Lager der Besiegten des Ersten
Weltkriegs.
|
Italien
|
- Italien
gehörte zu den Siegerstaaten des Ersten
Weltkriegs, ist jedoch von den Friedensverträgen enttäuscht.
- Seit
1918 große wirtschaftliche Schwierigkeiten (hohe
Arbeitslosigkeit)
- 1921
Sieg des Faschismus, Mussolini (Ministerpräsident
ab 1922) errichtet bis 1928 eine Diktatur.
- Mussolinis
Außenpolitik zielt auf eine Erneuerung des 'Imperium
Romanum' und dessen Vormachtstellung im Mittelmeer.
|
Bis
1935 weicht Mussolini einem ernsten Konflikt mit
den Mittelmeermächten Frankreich und Großbritannien
aus. Von Jugoslawien erreicht er 1924 die Überlassung
von Fiume. Albanien wird schrittweise zu einem
Protektorat Italiens. Aus Tripolis und der
Cyrenaika wird die Kolonie Libyen. |
- 1935
beginnt Italien einen Eroberungskrieg gegen das Völkerbundsmitglied
Abessinien. Der Einnahme von Addis-Abeba folgt im
Mai 1936 die Proklamation eines Kaiserreichs Äthiopien
in Personalunion mit dem Königreich Italien.
- Der 'Abessinische
Krieg' führt zu einer Entfremdung zwischen
Italien und den Westmächten. Es entsteht ein
Gegensatz zwischen der - wenn auch zögernden -
Sanktionspolitik der Westmächte und der
entgegenkommenden Neutralität Hitlers.
- 1937
verlässt Italien den Völkerbund.
|
Deutschland
| |
- Der Versailler
Vertrag von 1919 sollte Deutschland an einem neuen
Krieg hindern. Es wurde fast vollständig entwaffnet
und einer strengen Kontrolle unterworfen. Die
Bedingungen dieses Vertrags wurde von vielen Deutschen
als ungerecht und unerträglich empfunden. Die demographische
Überlegenheit Deutschlands über die anderen
europäischen Völker war jedoch erhalten geblieben,
die wirtschaftliche und industrielle Kapazität nicht
zerstört.
- Hitler
verwirft die friedliche Revisionspolitik der
Weimarer Republik. Er will den Krieg gegen Russland
mit dem Ziel, mit dem Ziel, für die Deutschen 'neuen
Lebensraum' zu gewinnen.
|
|
Das
außenpolitische Programm Hitlers sowie die
Ereignisse zwischen 1933 und 1939 werden auf der
vorangehenden Seite beschrieben. |
| |
Das
außenpolitische Konzept war, die Siegermächte
gegeneinander auszuspielen, indem man einige von
ihnen, auf Dauer oder vorübergehend, auf die
Seite Deutschlands zog.
|
|
- Spannungen
zwischen der Sowjetunion und Frankreich:
Französische Sparer hatten vor 1917 Kapital
in der Sowjetunion angelegt, das die
bolschewistische Regierung nicht zurückzahlen
wollte.
- Gegensätze
zwischen Frankreich und Großbritannien
in der Kolonialpolitik
- Spannungen
zwischen Italien und den anderen Siegermächten.
|
|
|
|
|
|
Die
Großmächte am Vorabend des Krieges
|
|
Der
deutsch-japanische Pakt von 1936
|
- Japan
war durch Gegensätze zu den USA und zur Sowjetunion
wirtschaftlich und politisch isoliert.
- Am
25.11.1936 wird der Komminternpakt zwischen
Deutschland und Japan geschlossen mit dem Ziel,
"gemeinsam zur Abwehr gegen die kommunistische
Zersetzung zusammenzuarbeiten". Die Initiative
ging vom japanischen Heer aus, das sich eine Rückendeckung
für seinen Krieg mit China verschaffen wollte. Geheimes
Zusatzabkommen: "Wohlwollende Neutralität
bei einem Angriff durch die Sowjetunion".
|
In
der Zeit der deutsch-russischen Zusammenarbeit
(1939/1940) weigert sich Japan die antirussische
Spitze des Paktes fallen zu lassen. |
- Es lag
im Interesse Hitlers, Japan als Verbündeten gegen die
Sowjetunion zu gewinnen.
|
Im
Hitler-Stalin-Pakt (23.8.1939) und im
japanisch-sowjetischen Nichtangriffspakt
(13.4.1941) verstießen sowohl Deutschland als
auch Japan gegen den Komminternpakt. |
|
Die Achse
Berlin - Rom (1936)
|
- Die Annäherung
zwischen Deutschland und Italien erfolgte nur
schrittweise. Noch im April 1935 war Italien zusammen
mit Frankreich und Großbritannien Mitglied eines
Abwehrbündnisses gegen Hitler.
- Beim spanischen
Bürgerkrieg (1936 - 1939) unterstützte Italien Franco
in seinem Kampf gegen die Linksregierung. Italien
erwartete verbesserte Positionen am Mittelmeer (mare
nostro).
- Deutschland
unterstützte Franco mit dem Hintergedanken, eine Annäherung
an Italien zu erreichen.
- Am
1.11.1936 spricht Mussolini in einer Rede von der "Achse
Berlin-Rom". Damit wird eine Zeit
deutsch-italienischer Annäherung eingeleitet. Der deutsch-italienische
Stahlpakt vom 22.5.1939 wird am 27.9.1940 zur Achse
Berlin-Rom-Tokio erweitert.
|
Der
Isolationismus in den USA
|
- Mit dem
Sieg gegen Mexiko (1848) war die Expansion in Nord-
und Mittelamerika abgeschlossen. Zwischen 1867 und
1898 wurden in vielen Teilen der Welt militärische Stützpunkte
errichtet.
- Die
amerikanische Außenpolitik war bis zu ihrem Eintritt
in den Ersten Weltkrieg (1917) isolationistisch.
- Nach
dem Ersten Weltkrieg hatten die USA keine
territorialen Ziele mehr. Sie wollten Frieden auf
der Welt damit sie unbehindert Handel treiben
und ihre Kapitalinteressen wahren konnten. . Das
Hauptaugenmerk lag auf der Erhaltung des
Status quo.
|
Großbritannien
und Frankreich
|
- Ziel
Großbritanniens war es von jeher gewesen, die Vorherrschaft
eines Staates auf dem Kontinent zu verhindern. Vor
allem sollten die Niederlande nicht in den Besitz der
auf dem Kontinent herrschenden Macht geraten. Von
einer kontinentalen Hegemonie befürchteten sie u.a.
Einschränkungen für ihre Wirtschaft.
- Im Jahr
1938 waren beide Staaten aus wirtschaftlichen, militärischen
und auch mentalen Gründen nicht kriegsbereit.
Ein Kriegsausbruch in diesem Jahr wäre ein zu hohes
Risiko gewesen.
- Großbritannien
ging erst 1938 zu einer Aufrüstungspolitik über.
Infolge des militärischen Rückstands gegenüber
Deutschland galt es, einen Kriegsbeginn im Jahr
1938 zu vermeiden.
- Ziel
der britischen und französischen Politik war es
daher, Deutschland in eine Vertragsverpflichtung so
einzubinden, dass es nicht mit dem Krieg beginnen
konnte. Die "Appeasement-Politik" war
also nur eine Notlösung, die für die Zeit der Aufrüstung
gedacht war (keinesfalls eine Schwäche!).
|
Sowjetunion
|
- Territoriale
Expansion, Ziel war das Vordringen zu den Meeren
(Ostsee, Schwarzes Meer, später Pazifik). Die
Expansionswünsche in Asien und Europa waren nicht
voll erfüllt worden. Keine überseeische Expansion.
- Territoriale
Verluste nach Krieg mit Japan 1904 und
1917. Ziel, die verloren gegangenen Territorien
wiederzugewinnen.
- Nach
dem Ende des Ersten Weltkriegs war die Sowjetunion außenpolitisch
isoliert; zur Friedenskonferenz im Jahre 1919 war
sie nicht eingeladen worden. Auch in den Völkerbund
konnte sie nicht eintreten. Ursache war die Ablehnung
der russischen Revolution von 1917 sowie die Angst
vor einer kommunistischen Weltrevolution.
- Konflikt
mit Frankreich
durch Nichtzurückzahlung der französischen Kredite
(Schädigung der französischen Sparer).
- Enttäuschung
über Deutschland nach dessen 'Konsultativ- und
Freundschaftspakts' mit Polen' im Jahre 1934. Die
Folge war eine Annäherung an die Westmächte:
Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu den
USA, 1934 Eintritt in den Völkerbund, 1935
Beistandspakt mit Frankreich.
- 23./24.8.1939
Hitler-Stalin-Pakt. Erneute Annäherung an Hitler.
Nichtangriffspakt (genau: Einvernehmen, dass dann,
wenn ein anderer Staat Deutschland angreift,
die Sowjetunion nicht einschreiten wird). Stalin
wollte mit diesem Vertrag den Zusammenschluss
Deutschlands mit den Westmächten vermeiden. Geheimes
Zusatzprotokoll über die Aufteilung der Interessensphären
in Polen (Teilung an der Weichsel). Hitler
erwartete, dass eine Verbindung mit der Sowjetunion
die Westmächte bei einem Angriff auf Polen
abschrecken würde, einzugreifen.
- Stalin
rechnete nach einem deutschen Angriff auf Polen mit
einem längeren Krieg zwischen Deutschland und den
Westmächten, bei dem sich die Staaten im Westen
"zerfleischen" würden - der richtige Boden
für eine kommunistische Weltrevolution.
- Die
Sowjetunion fühlte sich auch von Japan
bedroht. 1939 kam es im mongolischen Grenzgebiet zu
militärischen Konflikten. Stalin rechnete mit einem
Krieg gegen Japan, nicht jedoch mit einer Front im
Westen.
- Die
Sowjetunion war im Westen nicht kriegsbereit
und auch nicht kriegsfähig.
|
|
|
|
Der
Krieg in Europa 1939 / 1940
|
|
Die
Vernichtung Polens
|
- Am 1.9.1939
4:45 Uhr wird Polen von den Deutschen angegriffen.
Keine Ursache auf Seiten Polens. Vorgetäuschter Überfall
auf Sender von Gleißen.
- 27.9.1939
Kapitulation Warschaus (ungleiche Kräfteverhältnisse,
am 6.10.1939 Ende der letzten Widerstandshandlungen)
|
|
- 3.9.1939
Kriegserklärungen Großbritanniens und Frankreichs
an Deutschland (noch keine Kriegshandlungen).
- 5.9.1939
USA verkündet Neutralität
- Sowjetunion
bleibt neutral, beginnt jedoch am 17.9.1939 den
Einmarsch in das ostpolnische Gebiet - Polen ist praktisch
ausgelöscht.
- Am 28.9.1939
Deutsch-sowjetischer Vertrag zur Neuregelung Polens
(Freundschaftsvertrag). Die Grenze wird weiter östlich
gezogen, als im Vertrag vom August 1939 vorgesehen war.
Deutschland tritt das an Ostpreußen grenzende Litauen an die
Sowjetunion ab. Keine Neubildung eines polnischen Staates.
- Finnland,
bis 1917 zum russischen Reich gehörig, lehnte russische Stützpunkte
auf seinem Gebiet ab; Überfall der Sowjetunion auf
Finnland am 30.11.1939; am 14.12.1939 wird die Sowjetunion
aus dem Völkerbund ausgeschlossen. Als Franzosen und Engländer
im Frühjahr 1940 damit beginnen, durch das nördliche
Norwegen (über Narvik) in den Kampf einzugreifen, bricht die
Sowjetunion den Kampf ab. Es kommt zu einem Kompromissfrieden:
Finnland behält seine Unabhängigkeit.
|
Die
Sowjetunion eröffnet den Krieg gegen Finnland mit
geringem Kräfteeinsatz. Infolgedessen dauert es überraschend
lange, ehe das Übergewicht der russischen Truppen fühlbar
wird. Dadurch wird die Neigung Deutschlands, die militärische
Macht der Sowjetunion zu unterschätzen, verstärkt. |
9.4.1940
Deutsche Besetzung Dänemarks (kampflos) und Norwegens (bis
10.6.1940)
|
- Bereits
am 10.10.1939 hat der Oberbefehlshaber der Marine, Großadmiral
Raeder, Hitler auf den Nutzen von Stützpunkten an
der norwegischen Küste für die Seekriegsführung
hingewiesen. Weitere Gründe für den Nordfeldzug:
Benutzung Norwegens als Durchgangsland der
kriegswirtschaftlich wichtigen schwedischen Erze,
Angriffsbasis für den Luftkrieg gegen Großbritannien.
- 28.3.1940
Alliierte
beschließen, norwegische Gewässer zu verminen um sie
für deutsche Schiffe zu sperren.
- Norwegen
leistet Widerstand, die deutsche Marine erleidet
schwere Verluste. Die schwachen englischen und französischen
Unterstützungskräfte können die Niederlage der
norwegischen Armee nicht verhindern.
- Am
7.6.1940 ziehen sich die Alliierten aus Norwegen
zurück.
|
|
Angriffskrieg
im Westen
|
- 10.5.1940
Beginn des Westfeldzugs: Holland kapituliert am
15.5.
|
Hitler
entscheidet sich für einen Plan des Generals
von Manstein, der einen Durchbruch starker Kräfte
am Nordende der Maginotlinie vorsieht
("Scherenschnitt"). Der Angriff soll vom
Waldgelände der Ardennen ausgehen, bei Sedan nach
Westen über die Maas vorstoßen und über die
Somme der Kanalküste zustreben. Strategisches
Ziel ist die Trennung der feindlichen Kräfte
(Franzosen, Holländer und Belgier sowie englische
Expeditionskorps) von der Hauptmasse des französischen
Heeres, das südlich davon an der Maginotlinie
steht. |
- Am 15.5.1940
kapituliert Holland, am 20.5.1940 wird die
Kanalküste von deutschen Panzern erreicht. Die Front
der Alliierten ist gespalten. Belgien kapituliert am
28.5..
- Bei Dünkirchen
werden die noch im Norden stehenden britischen Kräfte
eingekesselt. 28.5.1940: Hitler lässt den Einsatz von
Panzerdivisionen nicht zu, da er fürchtet, große
Verluste könnten sie im Endkampf gegen Frankreich
schwächen. Am 4.6. wird Dünkirchen eingenommen. Bis
dahin waren 340.000 britische Soldaten ohne Waffen
nach England zurückgebracht.
- Am 5.6.1940
bricht die französische Abwehrfront vor dem deutschen
Angriff zusammen. Am 14.6.1940 ziehen die
deutschen Truppen in das geräumte Paris ein..
|

|

|
|
Deutsche
Truppen in Paris
|
Philippe
Pétain (1856 - 1951)
|
- Die
Regierung des Marschalls Pétain bittet am 17.6.
um Waffenstillstand.
- Am
22.6.1940 unterzeichnet die Regierung Pétain
den Waffenstillstand von Compiègne.
|
Mit
dem Zusammenbruch Frankreichs innerhalb von sechs
Wochen erreichte Hitler den Gipfel seiner Macht.
In Deutschland begann man an sein Feldherrngenie
zu glauben; seinen weiteren Schritten wurde kaum
mehr Widerstand entgegengesetzt. |
|
|
Nach dem
Zusammenbruch Frankreichs
|
- Mit
Frankreich war eine Großmacht aus dem Krieg
ausgeschieden. Auch die Niederlande, Belgien und
Luxemburg waren besiegt. Als Kriegsgegner Deutschlands
war nur noch Großbritannien und Länder des
Commonwealth übrig geblieben.
- Der
Kriegseintritt Italiens
|
- Am
10.6.1940 trat Italien auf der Seite
Deutschlands in den Krieg ein. Nach dem Erfolg
des Frankreichfeldzugs setzte Mussolini auf
den Sieg Deutschlands.
- Bereits
am 11.6.1940 kam es zu Kämpfen an der
französisch-italienischen Grenze (Menton,
Nizza) mit dem Resultat, dass Frankreich nun
auch mit Italien einen Waffenstillstand schließen
musste (22.6.). Italien erhält Land in Südfrankreich.
- Am
5.8.1940 greift Italien Britisch-Somaliland
an (von Großbritannien freigegeben). Sperrung
des Suezkanals klappte nicht. Bei einem Gegenangriff
der Briten im Januar 1941 ging Afrika
wieder verloren.
- 28.10.1940:
Italien greift bei Überschätzung der eigenen
Streitkräfte Griechenland an um
Besitzungen and der Adria zu erlangen. Die
Briten kommen den Griechen zur Hilfe (sie
wollen den Zugriff auf das rumänische Erdöl
offen halten).
- 9.12.1940
Italien greift Ägypten an.
Gegenangriff Großbritanniens. Hitler
entsandte Afrikakorps um den in
Schwierigkeiten geratenen italienischen
Truppen zu helfen.
- 6.4.1941:
Deutscher Angriff auf Griechenland und
Jugoslawien zur Unterstützung für das in Not
geratene Italien. Dieser Angriff führt zum -
von Hitler zu diesem Zeitpunkt nicht
vorgesehenen - Balkanfeldzug.
|
Sowjetische
Annexionen
|
- Im
Juni 1940 benutzt die Sowjetunion die
Bindung Deutschlands im Westen, um die baltischen
Staaten (Estland, Lettland, Litauen) zu
besetzen und kommunistische Regierungen
einzusetzen.
- Ebenfalls
im Juni 1940 zwingt die Sowjetunion Rumänien
zur Abtretung von Bessarabien und Teilen der
Bukowina.
|
Bei
der Aufteilung der Interessensphären war
dies nicht mit Deutschland abgesprochen
gewesen. Dadurch entsteht ein neuer
Konfliktherd zwischen den beiden
Staaten, zumal eine enge wirtschaftliche
Bindung Deutschlands mit Rumänien
besteht. |
|
Deutschlands
Weg nach Russland
|
- Nach
der Niederwerfung Frankreichs plant Hitler
einen Expansionskrieg im Osten. Die
Hoffnung auf ein Bündnis mit Großbritannien
wird nicht erfüllt.
- Durch
Eroberungen und Verträge war ein zusammenhängender
Kontinentalblock entstanden, der von
Deutschland und Italien über die Sowjetunion
bis nach Japan reichte. Er bot die Möglichkeit,
dass sich die Partner nicht nur wirtschaftlich
unterstützten, sondern auch gemeinsam gegen
das Britische Weltreich - den einzigen Gegner
- antraten.
- Hitler
erwog nicht, von der Blockmacht
Gebrauch zu machen. Durch die Aufrüstung (und
den Krieg) gegen Russland sprengte er den
Block und somit die Aussicht, den Krieg gegen
Großbritannien zu gewinnen..
|
Hitler
beriet sich fast nie in einem Gremium.
Hitler hatte keinen Führungsstab. Nur
wenige wussten von seiner Entscheidung, in
die Sowjetunion einzumarschieren. |
- 3.7.1940:
Britische
Schlachtschiffe vernichten einen Teil der
französischen Flotte vor Mers el Kebir.
- 5.7.1940:
Frankreich bricht die diplomatischen
Beziehungen zu Großbritannien ab.
- 16.7.1940:
Weisung Hitlers zur Vorbereitung einer Landung
in Großbritannien am 22.9.1940. Am
17.9. verschiebt Hitler die Landung auf
unbestimmte Zeit.
|
Eine
Landung wurde nie versucht, da die
deutsche Marine nicht in der Lage war, genügend
Bodentruppen abzusetzen. |
- 13.8.1940:
Beginn der Luftschlacht über Großbritannien
(als methodischer und regelmäßiger Angriff
wegen zu hoher Verluste im Spätherbst
abgebrochen).
- 18.12.1940
Weisung Hitlers zum Krieg gegen
Sowjetunion auch vor Beendigung des Kriegs mit
Großbritannien. Durch die Zerschlagung der
Sowjetunion soll Großbritannien endgültig
entmutigt werden.
- Hitler
nahm an, dass die Sowjetunion auf einen
Angriff nicht vorbereitet sei - doch Stalin rüstete
bereits auf.
- Der
Angriff Italiens auf Griechenland am 28.10.1940
führte zu einer Landung britischer Truppen in
Griechenland. Dieser Umstand und die
Niederlage Italiens in Albanien bewegen Hitler
dazu, Anfang 1941 einen - vorher nicht
geplanten - Feldzug gegen Griechenland
einzuschalten. Bedrohung der kriegswichtigen
rumänischen Petroleumsfelder durch die
englische Luftwaffe. Der geplante Angriff auf
die Sowjetunion musste verschoben werden.
- Rumänien
tritt dem 'Dreimächtepakt' bei, ebenso Ungarn,
die Tschechoslowakei und Bulgarien.
- Am
17.4.1941 kapituliert Jugoslawien, später
Griechenland. Jugoslawien wird zerschlagen.
Italien erhält die dalmatinische Küste,
Bulgarien erhält Makedonien, Serbien wird
unter deutsche Militärverwaltung gestellt - alles
Hindernisse auf dem Weg in die Sowjetunion.
|
|
|
|
|
|
Der
Krieg Deutschlands gegen die Sowjetunion 1941
|
|
- 22.6.1941
3:15 Uhr: Angriff deutscher Truppen (3 Millionen
Soldaten) auf die Sowjetunion (Unternehmen Barbarossa).
Aufgrund des nicht vorgesehenen Balkanfeldzugs war der Angriff
um vier Wochen verschoben worden.
- Operationsplan:
Vorstoß mit 3 Heeresgruppen, die jeweils einen Zielpunkt
hatten (Leningrad, Minsk-Smolensk und Kiew). Die russischen
Streitkräfte sollen innerhalb von drei Monaten eingekreist
werden, danach defensive Abschirmung. Die Heeresgruppe Mitte
sollte vor Moskau stehen bleiben.
- Die ersten zwei
Wochen verliefen nach Plan; erste Krise im August 1941:
der Widerstand verschärft sich, den Deutschen stehen 360
statt der 200 erwarteten russischen Divisionen gegenüber. Nur
der Heeresgruppe Mitte gelingen Einkesselungen.
- August 1941:
Änderung des Operationsplans: Vorstoß gegen Moskau
sofort, nicht wie vorgesehen zuerst Einnahme von Kiew und des
Nordens. Dies führt zu einer riskanten Trennung der
Heerestruppen.
- Im September
1941 Russische Reservetruppen werden vor Moskau
eingesetzt. Stalin entblößte Ostfront (Japan!).
- Ende
November 1941: Panzertruppen kurz vor Moskau. Dann
Schlammperiode - Frost - erschwerter Vormarsch. Das Heer war
nicht entsprechend ausgerüstet.
- Am 5./6. 12.
1941 starke russische Gegenoffensive. Deutsche Führungskrise.
Einrichtung der Winterstellung. Hitler entlässt Brauchitsch,
er übernimmt selbst die Oberleitung des Heeres.
- 8.12.1941:
Weisung Hitlers: Beendigung der deutschen Offensive in
der Sowjetunion (Übergang zur Verteidigung).
|
In
diesem Zeitraum, genau am 11.12.1941, erklärte Hitler den
USA den Krieg. Churchill schrieb später:
"Jetzt hatten wir den Krieg gewonnen. Der ganze Rest
war nur noch die sachgemäße Anwendung überwältigender
Macht." |
- 15.12.1941:
Hitlers "Haltbefehl": Verbot jedes
freiwilligen Rückzugs; "Fanatischer Widerstand"
wird gefordert.
|
|
|
|
Der
Vorstoß Japans nach Süden 1940 / 1941
|
|
- 22.9.1940
Angriff auf Indochina mit dem Ziel, China (unter
Tschiang Kai-Schek) von den Material- und Geldlieferungen des
Auslands abzuschneiden.
|
Mit
dem Angriff auf Indochina bedroht Japan die Interessen
aller Kolonialmächte im Fernen Osten, die der USA an den
Philippinen, die Großbritanniens in Hongkong und Burma
sowie die der Niederlande im Malaischen Archipel. Die USA
antworten mit einem Ausfuhrverbot für Japan (Stahl,
Eisenschrott), um die japanische Kriegswirtschaft zu
treffen. |
- 27.9.1940
Dreimächtepakt Italien - Deutschland - Japan.
|
Der
deutsche Außenminister Ribbentrop hofft, durch den Dreimächtepakt
die USA von einem Kriegseintritt abhalten zu können,
während Hitler darin ein Kampfmittel gegen Großbritannien
und die USA sieht.
|
- Februar
1941: Verhandlungen mit Washington. Japan will auf
Expansion verzichten falls es freie Hand auf China bekommt.
Die USA besteht auf dem Status quo.
- Als Deutschland
am 22.6.1941 die Sowjetunion angreift, war Japan überrascht.
Ein japanischer Angriff auf die Sowjetunion wird entschieden
abgelehnt.
|
Noch
am Vorabend des Krieges zwischen Deutschland und Russland
hatte Japan mit Moskau einen Neutralitätsvertrag abgeschlossen
(13.4.1941). (Dieser Vertrag sollte Japan bis 1945 vor
einem Zweifrontenkrieg bewahren!) |
- Juli 1941:
Die Japaner dringen in Indochina ein. Vormarsch der
japanischen Truppen bis nach Thailand. Die Antwort der
USA ist ein vollständiges Embargo.. Japan verliert dadurch
75% seines Außenhandels. Verhandlungen scheitern.
- 29.11.41
Die zivile Regierung und das Militär Japans beschließen
einen Operationsplan: Nacheinander sollen die
Philippinen, Hongkong, die Malaiische Halbinsel, Burma und
Niederländisch-Indien besetzt werden.
|
In
den Augen Japans war die Expansion notwendig, um in den
Besitz der lebensnotwendigen Rohstoffe zu kommen. Der
Entscheidungsprozess für eine Expansion war jedoch äußerst
langwierig. Schließlich folgte man dem Argument,
dass man die Entwicklung in Europa ausnutzen sollte. |
- 7.12.1941
Japanischer Angriff auf den US-Flottenstützpunkt Pearl
Harbor. Keine Kriegserklärung. Von 15 Schlachtschiffen
werden fünf versenkt, drei schwer beschädigt.
- Dezember
1941 - März 1942: Der japanische Vorstoß nach Süden
findet keinen ernsthaften Widerstand. Nach schnellen
Anfangserfolgen (Versenkung von zwei englischen
Schlachtschiffen im Golf von Siam, Fall von Hongkong,
Eroberung der Malaiischen Halbinsel, Einnahme Singapurs,
Besetzung Niederländisch-Indiens) kommt der japanische
Siegeszug erst in Burma zum Stehen. Japan ist an der Grenze
seiner kriegswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.
|
Japan
war in Südostasien in ein Machtvakuum vorgestoßen.
Niederländer und Franzosen waren wegen der Ereignisse in
Europa nicht in der Lage, ihren Kolonialbesitz zu
verteidigen.
|
|
|
|
Die
Neubildung der Parteien
|
|
- Nach dem Zweiten
Weltkrieg entstanden Volksparteien, die nicht mehr als
Vertretungen von Klassen angesehen werden konnten.
|
- Bereits im Jahr 1945
gaben die Siegermächte den Weg zur Bildung demokratischer Parteien in
ihren Besatzungszonen frei.
|
Beim
Neubeginn des politischen Lebens spielten Anhänger der 1933
verbotenen Parteien eine wesentliche Rolle. Vorreiter in der
Zulassung politischer Parteien war die sowjetische
Besatzungsmacht, in deren Zone sich ab Mitte Juni 1945 KPD,
SPD, Liberale und Christdemokraten konstituierten. Amerikaner und
Briten zogen im Spätsommer 1945 nach, während in der französischen
Zone die Parteien erst Anfang 1946 lizenziert wurden.
Schon
bald zeichnete sich ein Muster von vier Parteien ab, die in
allen Besatzungszonen entstanden. Kommunisten wie Sozialdemokraten
konnten hierbei an alte Strukturen der Weimarer Zeit anknüpfen
und sich rasch in allen vier Zonen etablieren.
|
- Die
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
|
- Am 15.6.1945
forderte der Zentralausschuss der SPD in Berlin eine
weit gehende Sozialisierung Deutschlands und ein Zusammengehen
mit der KPD. Der ehemalige Reichstagsabgeordnete Kurt
Schumacher, der bereits vor Kriegsende mit dem
Wiederaufbau der SPD-Organisation begonnen hatte, lehnte den gesamtdeutschen
Führungsanspruch des Berliner Zentralausschusses ebenso
ab wie dessen Forderung nach Vereinigung mit der KPD.
|
Auf
der "Reichskonferenz" der SPD in Hannover
am 5.10.1945 einigte man sich darauf, dass der
Zentralausschuss für die sowjetische Zone und Kurt
Schumacher für die Westzonen zuständig sein sollten.
|
|
|
- Vor
dem Zweiten Weltkrieg überwiegend eine Arbeiterpartei
wurde die SPD zur Volkspartei, die von allen Schichten
der Bevölkerung gewählt und getragen wird.
|
Schon
unter dem Nationalsozialismus und durch die Zerstörungen
des Krieges war eine Einebnung der alten Klassengegensätze
erfolgt. Durch die ungeheuren Bevölkerungsverschiebungen
nach dem Krieg wurden jene Klassengegensätze, die den
Umbruch von 1918 überstanden hatten, endgültig
vernichtet.
Durch die
Spaltung Deutschlands hatte die SPD den
Arbeiterschwerpunkt in Ostdeutschland (Magdeburg, Sachsen)
verloren.
|
|
|
- Kurt Schumacher
präsentiert die SPD als nationale Partei. Er spricht
vom "Recht der nationalen Selbstbestimmung" und vom "Anspruch
auf politische Gleichberechtigung" der
Bundesrepublik.
- Im
Gegensatz zur KPD verwirft die SPD die diktatorische Übernahme
der Regierungsgewalt. Sie setzt sich vielmehr für die Einhaltung
demokratischer Regeln ein.
|
Im
Gegensatz dazu bildet sich in der späteren DDR eine
Einheitspartei der Arbeiterklasse, die politische Gegner,
auch Liberale, verfolgt. Politische Gegner werden brutal
unterdrückt. |
- Im
Anti-Kapitalismus ist sich Kurt Schumacher mit den
Kommunisten einig. Die Großindustrie und die Großbanken
sollen durch die Überführung in Gemeineigentum entmachtet
werden.
- Unter dem
Vorsitz von Kurt Schumacher ist die SPD auf dem Gebiet der internationale
Kooperation eher zögerlich.
|
Kurt
Schumacher hat Vorbehalte gegen die USA, weil er
deren puren Kapitalismus strikt ablehnt. Außerdem glaubt
er, dass eine Westintegration der BRD eine weitere Annäherung
der DDR an den Osten zur Folge haben würde. Er will sich
auch nicht an die Sowjetunion annähern. Kontakte mit der
DDR lehnt er ab. 1948 empfiehlt er einen Alleingang der
Bundesrepublik zur Lösung der deutschen Frage. |
|
- Christlich
Demokratische Union / Christlich Soziale Union (CDU/CSU)
|
- Am 17.6.1945
wurde in Köln die "Christlich-Demokratische
Partei" gegründet. Am 15.9. kam es in Frankfurt zur
Gründung der "Christlichen Demokratischen
Partei". Mitte Dezember einigten sich die regionalen
Gruppierungen in Bad Godesberg auf den gemeinsamen Namen "Christlich
Demokratische Union" (CDU). In Bayern bildete sich
mit der Christlich Sozialen Union (CSU) eine selbständige
christliche Partei, die sich als Schwesterpartei der CDU
verstand.
- CDU
und CSU entstanden aus einer christlich-bürgerlichen
Bewegung, in der sich ehemalige katholische
Zentrumspolitiker, christliche Gewerkschaftler sowie
diejenigen protestantische Schichten zusammenfanden, die in
der Weimarer Republik ihre politische Heimat bei den
Deutschnationalen oder den liberalen Parteien hatten. In CDU
und CSU sollten sowohl Unternehmer- als auch
Arbeitnehmerinteressen vertreten werden.
- Anfang 1946 übernahm
Konrad Adenauer den Parteivorsitz der CDU sowohl im
Rheinland als auch in der britischen Zone. Als sich die CDU im
Oktober zu einer bundesweiten Partei konstituierte, wurde
Adenauer erster Bundesvorsitzender.
| . |
|
|
Die konservativen
Parteien, die einst die agrarischen Interessen im
Osten Deutschlands vertraten, hatten ihr Wählerpotential
verloren.
Das
'Zentrum', die ehemalige Vertretung der
Katholiken, war nach 1945 in ihren ehemaligen
Hochburgen wiedererstanden, ging jedoch bald danach in
der überkonfessionellen christlichen
Volkspartei auf. Dies erklärt sich vor allem daraus,
dass die Katholiken durch die Bevölkerungsverschiebungen
über die gesamte Bundesrepublik verteilt und die
beiden christlichen Konfessionen, anders als früher
im Reich, zahlenmäßig gleich stark waren.
|
|
|
- Die Freie
Demokratische Partei (FDP)
|
- Die Liberalen
überwanden nach 1945 ihre Spaltung in eine rechts- und
linksliberale Partei.
|
Diese
Spaltung war 1866 unter Bismarck erfolgt und hatte den
Zusammenbruch von 1918 überdauert. |
|
|
- In Berlin wurde
am 5.7.1945 die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD)
gegründet, die einen gesamtdeutschen Anspruch erhob, faktisch
aber auf die sowjetische Zone beschränkt blieb.
- Der
Schwerpunkt liberaler Parteigründungen in den Westzonen lag
in Württemberg und Baden, wo Theodor Heuss und Reinhold Maier
die 'Demokratische Volkspartei' (DVP) aufbauten.
|

|
Theodor
Heuss (1884 -1963)
1948
erster FDP-Vorsitzender in Deutschland, Bundespräsident
der BRD von 1949 bis 1959.
|
- In Hamburg
wurde im September 1945 die 'Partei der Freien
Demokraten" gegründet. Am 11.12.1948 schlossen sich die
Landesverbände in den Westzonen zur 'Freien Demokratischen
Partei' (FDP) zusammen.
- Bei aller
programmatischen Vielfalt war den Liberalen die Ablehnung
kirchlichen Einflusses auf den Staat und das Eintreten
für eine privatwirtschaftliche Ordnung gemeinsam.
|
|
- Die
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)
|
- Zulassung für
alle Besatzungszonen am 10.6.1945
- Ziele:
Enteignung der Nationalsozialisten und Großgrundbesitzer,
Verstaatlichung lebenswichtiger Versorgungsbetriebe,
parlamentarische Demokratie (Ablehnung des Sowjetsystems für
Deutschland).
- Die KPD findet
im Westen keine Massenbasis.
|
|
|
- Bund der
Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE)
- Bayernpartei
(Ziel: souveränes Bayern)
- Deutsche
Reichspartei (sehr konservativ und national)
|
|
|
|
|
Die
Gründung der Bundesrepublik
|
|
- Die entscheidenden
Weichen zur Gründung der Bundesrepublik wurden im Frühjahr 1948 auf
einer Sechs-Mächte-Konferenz in London gestellt. Die drei
Westalliierten sowie die Benelux-Staaten einigten sich darauf, die
westdeutschen Ministerpräsidenten zu autorisieren, eine
verfassungsgebende Versammlung einzuberufen, welche eine Verfassung für
den zu schaffenden westdeutschen Staat ausarbeiten sollte.
| . |
|
|
Die
Ministerpräsidenten wiesen in ihrer Stellungnahme darauf hin,
dass vermieden werden müsse, "die Spaltung zwischen West
und Ost zu vertiefen".
Sie wehrten sich gegen den Staatscharakter des zu errichtenden
Gebildes und plädierten für ein Provisorium, das
einen organisatorischen Rahmen für den Bereich der Westzonen
bilden sollte. Auch eine Volksabstimmung über den
Verfassungsentwurf lehnten die Ministerpräsidenten ab; die Länderparlamente
sollten das 'Grundgesetz' ratifizieren (Die Bezeichnung
'Grundgesetz' sollte den vorläufigen Charakter deutlich
machen).
Die
grundsätzlichen Bedenken gegenüber einer westdeutschen
Teilstaatsbildung wurden aufgegeben, nachdem der US-Militärgouverneur
Lucius D. Clay mit Konsequenzen für das eingeschlossene
Berlin gedroht hatte.
Die Ministerpräsidenten
erreichten, dass das Grundgesetz nicht von einer vom Volk gewählten
Nationalversammlung, sondern von einem 'Parlamentarischen
Rat' erarbeitet wurde, dessen 65 Mitglieder die Länderparlamente
zu bestimmen hatten.
|
- Der 'Parlamentarische
Rat', der ab Anfang 1948 in Bonn tagte, setzte sich zum Ziel, den Rechtsstaat
in Deutschland neu zu befestigen und eine parlamentarische
Demokratie westlichen Musters zu errichten. Man stimmte darin überein,
dass man "Lehren aus Weimar" ziehen, also Strukturmerkmale
der Weimarer Verfassung beheben wollte, die den Untergang der ersten
deutschen Demokratie begünstigt hatten.
- Am 12.4.1949 stimmen
die westdeutschen Ministerpräsidenten in Bonn dem von den
Westalliierten am 8.4. vorgelegten Besatzungsstatut als
Voraussetzung für die Gewährung
der künftigen westdeutschen Teilsouveränität zu.
|
- Nach
dem Besatzungsstatut liegt die oberste Regierungsgewalt
praktisch bei den westlichen Alliierten, die sich Sonderbefugnisse
in wichtigen Bereichen vorbehalten haben (Abrüstung,
Militarisierung, Ruhrkontrolle, Demontage und Entflechtung der
Großindustrie, auswärtige Angelegenheiten und Außenwirtschaft).
Gesetze treten nur in Kraft, wenn die Besatzungsmächte keine
Einwände erheben. Sie können die Regierungsgewalt jederzeit
aus „Sicherheitsgründen oder zur Aufrechterhaltung der
demokratischen Ordnung" in Deutschland übernehmen.
- Mit dem
Besatzungsstatut wurde die direkte Militärregierung der
westlichen Besatzungsmächte beendet. Die politischen
Kontrollbefugnisse werden auf die Alliierten Hohe
Kommissare John J. McCloy (USA), André Francois-Poncet
(Frankreich) und Sir Brian Robertson (Großbritannien) übertragen.
|
- Am
8.5.1949 beschließt der Parlamentarische Rat das Grundgesetz.
In der Schlussabstimmung wird es von 53 der 65 Delegierten befürwortet.
In der Schlusssitzung des Parlamentarischen Rats am 23.5.1952
wird das Grundgesetz ausgefertigt und verkündet. Es wird von Konrad
Adenauer, dem Präsidenten des Parlamentarischen Rates,
unterzeichnet
|
- Vergleich des
Grundgesetzes mit der Weimarer Verfassung
|
- Wie in der
Weimarer Verfassung werden im Grundgesetz individuelle
Freiheits- und politische Mitwirkungsrechte garantiert.
Neu ist, dass die Grundrechte als vorstaatliche Menschenrechte
angesehen werden, die unter den Schutz einer
Verfassungsgerichtsbarkeit gestellt sind.
|
|
|
Das
1951 geschaffene Bundesverfassungsgericht wurde
zum "Hüter der Verfassung". In der Weimarer
Republik war der Schutz der Verfassung höchstens
indirekt über den Art. 48 (Notstandsparagraph,
Reichsexekution) möglich; prinzipiell konnten alle
Artikel mit Zweidrittelmehrheit geändert werden.
|
- Die
Rechte des Staatsoberhaupts (des Bundespräsidenten)
wurden deutlich beschnitten. Der Präsident wird nicht mehr
direkt vom Volk gewählt, sondern von der 'Bundesversammlung',
die je zur Hälfte aus Mitgliedern des Bundestags und aus
Abgeordneten der Landesparlamente besteht.
- Die Stellung
des Kanzlers und seiner Regierung wurde gestärkt. Die
Entscheidung über seine Wahl (oder Abwahl) liegt allein beim
Parlament. Über das Instrument des 'konstruktiven
Misstrauensvotums' kann er nur dann zum Rücktritt
gezwungen werden, wenn sich gleichzeitig eine parlamentarische
Mehrheit für einen neuen Kanzler findet. Diese Regelung
festigte die Position des Kanzlers gegenüber dem Parlament.
Der Kanzler hat außerdem das Recht, Minister zu ernennen und
zu entlassen. Er legt die Zuständigkeiten eines jeden
Ressorts fest und bestimmt generell die "Richtlinien
der Politik".
|
Während
der Weimarer Republik war die Stellung der Regierung wegen
der Möglichkeit eines 'einfachen Misstrauensvotums' durch
das Parlament relativ schwach.
|
|
|
- Das
Parlament bekam zu seiner traditionellen Gesetzgebungs-
und Kontrollfunktion noch die Möglichkeit, den Kanzler zu
bestimmen. Die Regierung muss sich auf eine Mehrheit im
Parlament stützen.
- Dem Bundesrat,
dem Organ für die Vertretung der Länder wurde in bestimmten
Fragen (vor allem in Fragen der Steuererhebung und der
Steuerverteilung) ein Mitspracherecht an der Gesetzgebung des
Bundes eingeräumt.
|
In
den Fragen nach dem Freiraum der Landespolitik und
über die Rolle und das Gewicht der Länder in
Angelegenheiten der Bundespolitik hatte es sowohl
innerhalb des Parlamentarischen Rats als auch zwischen der
deutschen Seite und den Alliierten Konflikte gegeben.
Grundsätzlich einigte man sich auf eine Stärkung der
Rechte der Ländervertretung. In der Weimarer Republik
hatte der 'Reichsrat' nur eine geringe Mitwirkungsmöglichkeit
an der Legislative.
|
|
|
| Mit
dem Grundgesetz war die Basis für eine parlamentarische
Demokratie in Deutschland gelegt. Die junge Bundesrepublik sah
sich jedoch noch immer unter die Vormundschaft der 'Alliierten
Hohen Kommission' gestellt, die im September 1949 an die
Stelle der Militärgouverneure getreten war. Die Westmächte
bestimmten nach wie vor über die Souveränität; sie bestimmten
nicht nur die Außenpolitik sondern übten auch eine generelle
Kontrolle über die Politik der Bundesregierung aus.
In der Ära
Adenauer konnten die Vorbehaltsrechte der Alliierten in
mehreren Schritten abgebaut werden.
|
|
|
| Kriegsende
Deutschlandpolitik der Westmächte
Neubildung der Parteien Gründung
BRD Gründung DDR
Zurück zum
Seitenanfang Literaturhinweise
|
|
|
Die
Gründung der Deutschen Demokratischen Republik
|
|
- Schaffung von
Verwaltungsstrukturen
|
- Kadergruppen,
die während des Krieges in der Sowjetunion ausgebildet
wurden, übernahmen bereits vor Kriegsende ihre Tätigkeit in
Berlin (Walter Ulbricht), Sachsen und im Ostseegebiet.
- Im
Juli 1945 kam es zur Schaffung von fünf Landes- und zwölf
Provinzialverwaltungen. Im Oktober 1945 erlaubte die sowjetische
Militärorganisation (SMAD) die Bildung der ersten
deutschen Zentralverwaltung. Den Landes- und
Provinzialverwaltungen wurde das Recht übertragen,
Verordnungen mit Gesetzescharakter zu erlassen.
|
|
|
- Im Juni 1945
ergeht der Befehl der Sowjetunion zur "Bildung und Tätigkeit
antifaschistisch-demokratischer Parteien". Sie
unterstehen der Kontrolle der SMAD. Während der Monate Juni
und Juli wurde die Gründung folgender Parteien genehmigt: KPD
(Wilhelm Pieck), SPD (Otto Grotewohl),
Christlich-Demokratische Union Deutschlands,
Liberal-demokratische Partei Deutschlands.
- Am 14.7.1945
werden die vier Parteien zum "antifaschistisch-demokratischen
Block" zusammengeschlossen.
- Am
22.4.1946 werden KPD und SPD zwangsweise zur 'Sozialistischen
Einheitspartei Deutschlands' (SED) verschmolzen.
|

|
Plakat
der SED
Berlin,
Staatliche Museen - Kunstbibliothek.
|
|
|
- Gesellschaftliche
und wirtschaftliche Reformen
|
- Im September
1945 werden Verordnungen über die Bodenreform
erlassen. Mehr als 7000 Großgrundbesitzer werden entschädigungslos
enteignet. Zwei Drittel des enteigneten Landes gehen an bisher
landlose Bauern.
- Einrichtung von
staatlich geförderten landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaften (LPG).
- Überführung
der Industrieproduktion in Staatsbesitz.
|
Bis
Frühjahr 1948 befinden sich 45% der gesamten
Industrieproduktion in Staatsbesitz. Die Unternehmen
werden zu 'Volkseigenen Betrieben' (VEB) umgewandelt. 25
Prozent der Gesamtindustrie werden im Rahmen der
Reparationszahlungen von der Besatzungsmacht übernommen.
|
|
|
- Gleichschaltung
des kulturellen Lebens (Theater, Kinos, Rundfunk, Zeitungen,
Fernsehen, Literatur u.a.)
- Durchsetzung
der zentralen Planwirtschaft und Ausbau der volkseigenen
Industrie
|
|
Die sowjetische
Deutschlandpolitik
|
- Ausrichtung der
Deutschlandpolitik am sowjetischen Sicherheitsbedürfnis. Der
sowjetische Machtbereich sollte durch die Schaffung eines 'Schutzgürtels'
gegenüber der westlichen Einflusssphäre abgeschirmt werden.
|
Die
Schaffung des Schutzgürtels wurde durch direkte
Annexionen (Baltikum) und durch Gründung von sog.
'Volksdemokratien' (Rumänien, Polen, Bulgarien)
geschaffen.
|
|
|
- Die
sowjetische Besatzungszone sollte zunächst neben
anderen Staaten (CSSR, Ungarn, Jugoslawien) eine "Pufferzone"
zwischen Kapitalismus und Sozialismus bilden. Unter dem Druck
der amerikanischen Eindämmungspolitik (containment-policy)
wurde die SBZ in den 'volksdemokratischen' Gürtel einbezogen.
|
- Die
offizielle Gründung des zweiten deutschen Staates am 7.10.1949 ist
Endpunkt einer Entwicklung, deren Ziel von Beginn an die Gründung
einer "deutschen demokratischen Republik" war.
|
Vor der
Gründung der DDR war die in der sowjetisch besetzten Zone
verwirklichte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung als Beispiel für
eine gesamtdeutsche Lösung definiert worden. Andererseits wurden
während der Besatzungszeit Vorarbeiten für die Gründung eines
ostdeutschen Separatstaates geleistet. |
|