| 5 Das Vergehen der Intelligenz Die grossen truegerischen Worte, die das Gewissen aller einlullen, die unbedenklich-arglos applaudieren, sie werden enthuellt von der Intelligenz. Fuer dieses ihr Vergehen ist sie aufgefordert, sie zu verteidigen. Wer es ablehnt, Beifall zu zollen, nimmt Gefahren auf sich, Die schlimmste Strafe: Mit dem Denken aufzuhoeren, keinen Einwand vorzubringen, nicht zu zweifeln und anzunehmen, was die Vernunft verletzt. Sonst folgen Einsamkeit und Schweigen. 6. Die Tugend des gerechten Richters Nicht sitzt er auf dem Richterstuhl, um ueber Recht und Unrecht nach eig'ner Willkuer zu entscheiden. Verdeckt sind immer die Augen der Themis beim Streite der Parteien. So soll auch der Richter den Sinn verschliessen vor Trieben der Ruehrung und Leidenschaft. Auf Tatsachen sei nur sein Auge gerichtet, nur um sein eig'nes Verhalten sei er besorgt, und nie entferne er sich von der Wahrheit, der goldenen Mitte. Verdacht soll erschoepfen, doch hat er auch milde zu sein. Solch einen Richter, gibt es den wohl? Bescheiden ist er und zaget nicht. Doch diese Tugend im Prozess, die kannst du manchmal erspueren. 7. Wenn die Farce zur Tragoedie wird In den Augen der Vielen begann es wie Spiel im Theater: Ergoetzlich, zu sehen den Querkopf mit seinen Ideen in Schrecken versetzt und bedroht, mit fest angelegter Kandare. Doch dieser schlug umgekehrt aus, und hocherhobenen Hauptes der Farce er setzte entgegen die Wuerde in seiner Person, die Achtung der eigenen Stadt. Denn diese ist heiliger ihm als Vater und Mutter. Ein Wort, das im Munde der Masse wird hohle Rhetorik mit blechernem Klang, fuer ihn ist es volle Verpflilchtung. Beharrlich und scheinbar mit kindlichem Trotz haelt fest am Gesetz er auch jetzt, wo Tod es ihm bringt. Sonst seien's bloss billige Worte, des Buergers Verpflichtung, des Staates Gewalt. Als Kriton ihm vorhielt, welch Unrecht aufgrund der Gesetze ihn traefe, bestand er auf eignes Verschulden. Er habe geschwiegen, als anderen Unrecht geschah, Verfolgung sie traf mit diesen Gesetzen. Die galt es damals zu aendern und Faeuste zu ballen fuer wirkliches Recht. Und ehrlos sei es zu fliehen im Anblick des eignen Verderbens. |