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Das Vergehen der Intelligenz

Die grossen truegerischen Worte,
die das Gewissen aller einlullen,
die unbedenklich-arglos applaudieren,
sie werden enthuellt von der Intelligenz.
Fuer dieses ihr Vergehen
ist sie aufgefordert, sie zu verteidigen.

Wer es ablehnt, Beifall zu zollen,
nimmt Gefahren auf sich,
Die schlimmste Strafe:
Mit dem Denken aufzuhoeren,
keinen Einwand vorzubringen,
nicht zu zweifeln und anzunehmen,
was die Vernunft verletzt.
Sonst folgen Einsamkeit und Schweigen.

6.

Die Tugend des gerechten Richters

Nicht sitzt er auf dem Richterstuhl,
um ueber Recht und Unrecht
nach eig'ner Willkuer zu entscheiden.

Verdeckt sind immer die Augen der Themis
beim Streite der Parteien.
So soll auch der Richter den Sinn verschliessen
vor Trieben der Ruehrung und Leidenschaft.

Auf Tatsachen sei nur sein Auge gerichtet,
nur um sein eig'nes Verhalten sei er besorgt,
und nie entferne er sich von der Wahrheit,
der goldenen Mitte.
Verdacht soll erschoepfen,
doch hat er auch milde zu sein.

Solch einen Richter, gibt es den wohl?
Bescheiden ist er und zaget nicht.
Doch diese Tugend im Prozess,
die kannst du manchmal erspueren.

7.

Wenn die Farce zur Tragoedie wird

In den Augen der Vielen begann es
wie Spiel im Theater: Ergoetzlich,
zu sehen den Querkopf mit seinen Ideen
in Schrecken versetzt und bedroht,
mit fest angelegter Kandare.

Doch dieser schlug umgekehrt aus,
und hocherhobenen Hauptes
der Farce er setzte entgegen
die Wuerde in seiner Person,
die Achtung der eigenen Stadt.

Denn diese ist heiliger ihm
als Vater und Mutter.
Ein Wort, das im Munde der Masse
wird hohle Rhetorik mit blechernem Klang,
fuer ihn ist es volle Verpflilchtung.

Beharrlich und scheinbar mit kindlichem Trotz
haelt fest am Gesetz er
auch jetzt, wo Tod es ihm bringt.
Sonst seien's bloss billige Worte,
des Buergers Verpflichtung, des Staates Gewalt.

Als Kriton ihm vorhielt, welch Unrecht
aufgrund der Gesetze ihn traefe,
bestand er auf eignes Verschulden.
Er habe geschwiegen, als anderen Unrecht geschah,
Verfolgung sie traf mit diesen Gesetzen.

Die galt es damals zu aendern
und Faeuste zu ballen
fuer wirkliches Recht.
Und ehrlos sei es zu fliehen
im Anblick des eignen Verderbens.
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