ZEIT  ZU  GEHEN
Sokratische Tragoedie von Kostas E. Beys
vertont als Oratorium von
Jannis Boufidis
Im Anschluss an eine heitere Lesestunde hatte das Publikum des Theofania die Gelegenheit, die klassische Schoepfung eines zeitgenoessischen Dichters und die herzbewegende Musik eines jungen Komponisten kennenzulernen.
Ausschnitte aus diesem zu Unrecht noch ziemlich unbekannten Werk wurden auf die Videowall des Kulturzentrums projiziert.
Aufgenommen bei der sehr erfolgreichen Erstauffuehrung des Oratoriums im Festsaal der Athener Universitaet.
1.

Sokrates' Gottheit

Gott - das sind nicht Statuen
und Altare
Die sind nur seine Symbole.
Nur Schimmer sind sie
von dem unsichtbar-mystischen,
harmonisch allgegenwaertigen
Gleichgewicht des Kosmos.

Gott ist stofflos.
Er verlangt kein Opfer.
Er neidet dir nicht dein Glueck.
Er zuernet nicht,
wenn der Wein dir mundet,
an der Liebe du dich ergoetzest.
Apollonisches Licht umstrahlt ihn.

Du findest ihn nicht in Trophaeen der Feldherrn,
im blinden Verlangen nach Macht
von Traegern goldgeschmueckter Gewaender.
Und fremd ist ihm der Staub des Marktes,
der niedrige Hochmut der Pharisaeer.
Er traegt kein Schwert.
Er ist allein der reine Segen.

Wort und Geist, das ist Gott,
der Gegensaetze Ausgleich, volle Harmonie.
In Himmel und Hades,
im Licht und im Dunkel.
allgegenwaertig.
Ein Frevel, Gott zu entwuerdigen mit Schachern:
Ihm geben, um mehr zu bekommen.

In deinem Inneren suche ihn.
In Stunden der Sammlung und Einsamkeit
lausche ihm nach.
Alles fuellt er ueberall.
Du fuehlst ihn als Segen,
als lichten Schutzschirm
und Weg, fuer dich bereit zu gehen.



Ausschnitte aus "Zeit zu gehen" von Kostas E.Beys  
- uebertragen aus dem Griechischen von
Maria Irmgard Beys-Liermann
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