| 8 Auf Hoffnung des ewigen Lebens "Die Seele nimmt den Tod nicht an. Unsterblich ist also die Seele." Und wenn sie auch stuerbe und ginge zurueck in das vollkomm'ne Nichts na und? Aermer und haesslicher waere das Leben, schenkte es nicht uns diese Vision. Die Seele der Lieben, die vor uns gegangen, sie ist nicht gestorben. Wir fuehlen sie nah mit dem Herzen, sie ist uns Gefaehrtin und hoeret uns zu. Wir lauschen auf Weisung und warten auf Zeichen. In Traeumen erschliesst sich symbolhaft beglueckender Sinn: Wir sind doch vereint. Dies zarte Gewebe aus Ahnung und Sinnen, wie kann es beweisen Unsterblichkeit? Denn niemand hat jemals mit Augen gesehen, und schluessig ist kein Argument. Ein Segen ist dennoch der heimliche Glaube, des lieben Verstorbenen Seele sei schuetzende Huelle um uns und troestende Wegweiserin. Je mehr die Liebe uns bindet an den, der von uns gegangen, je heftiger ist das Verlangen zu wirken, trotz schwieliger Haende und ohne Uhr. Dass wachse das Feld mit seiner Saat und gebe Brot fuer alle. 9. Ruhig trank er denSchierling Gekommen ist nun die entscheidende Stund fuer Sokrates, Sohn des Steinmetzes Sofroniskos, der Hebamme Phainarete, aus Alopeke in Athen. Ruhig trank er den Schierlling, ohne zu wanken in hohem Mut. Kein Laut der Verzweiflung, kein Flehen zu Gott, der allgegenwaertig: Der Kelch, der moege an ihm voruebergehen. Zuerst war er Steinmetz. Ward Denker hoechster Gedanken, aus Geist geboren in innerer Schau, Symbol von innerer Wuerde, die ganz vepflichtet, das Urbild des Philosophen. Der Tod erhob ihn zu den Goettern, "stieg auf zum Olymp", so feiert das Volk ihn. Gegruesset seist du, Herold der Wahrheit, umstrahlt von ewigem Licht. 10. Es ist vollbracht "Es war das letzte unsers Gefaehrten, das wir sahen". Ein tapferer Mann war er, der Weiseste unter den Weisen und von den Redlichen der Redlichste. Ein lebendes Denkmal war er sein ganzes Leben. So lebt er in uns'rer Erinn'rung: Gefaehrte, Lehrer, Wegweiser. copyright by Kostas E.Beys |