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Auf Hoffnung des ewigen Lebens

"Die Seele nimmt den Tod nicht an.
Unsterblich ist also die Seele."
Und wenn sie auch stuerbe
und ginge zurueck
in das vollkomm'ne Nichts
na und?
Aermer und haesslicher waere das Leben,
schenkte es nicht uns diese Vision.

Die Seele der Lieben, die vor uns gegangen,
sie ist nicht gestorben.
Wir fuehlen sie nah mit dem Herzen,
sie ist uns Gefaehrtin und hoeret uns zu.
Wir lauschen auf Weisung und warten auf Zeichen.
In Traeumen erschliesst sich
symbolhaft beglueckender Sinn:
Wir sind doch vereint.

Dies zarte Gewebe aus Ahnung und Sinnen,
wie kann es beweisen Unsterblichkeit?
Denn niemand hat jemals mit Augen gesehen,
und schluessig ist kein Argument.
Ein Segen ist dennoch der heimliche Glaube,
des lieben Verstorbenen Seele
sei schuetzende Huelle um uns
und troestende Wegweiserin.

Je mehr die Liebe uns bindet
an den, der von uns gegangen,
je heftiger ist das Verlangen
zu wirken, trotz schwieliger Haende
und ohne Uhr.
Dass wachse das Feld
mit seiner Saat
und gebe Brot fuer alle.

9.

Ruhig trank er denSchierling

Gekommen ist nun die entscheidende Stund
fuer Sokrates, Sohn des Steinmetzes Sofroniskos,
der Hebamme Phainarete,
aus Alopeke in Athen.

Ruhig trank er den Schierlling,
ohne zu wanken
in hohem Mut.
Kein Laut der Verzweiflung, kein Flehen
zu Gott, der allgegenwaertig:
Der Kelch, der moege an ihm voruebergehen.

Zuerst war er Steinmetz.
Ward Denker hoechster Gedanken,
aus Geist geboren
in innerer Schau,
Symbol von innerer Wuerde, die ganz vepflichtet,
das Urbild des Philosophen.

Der Tod erhob ihn zu den Goettern,
"stieg auf zum Olymp", so feiert das Volk ihn.
Gegruesset seist du, Herold der Wahrheit,
umstrahlt von ewigem Licht.

10.

Es ist vollbracht

"Es war das letzte unsers Gefaehrten,
das wir sahen".

Ein tapferer Mann war er,
der Weiseste unter den Weisen
und von den Redlichen der Redlichste.
Ein lebendes Denkmal war er sein ganzes Leben.
So lebt er in uns'rer Erinn'rung:
Gefaehrte, Lehrer, Wegweiser.


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