Am nächsten Tag brachen wir gegen 12 Uhr von unserem Lager auf,
um die Campsite #15 rechtzeitig zu erreichen. Eine steife Brise
von achtern, die gegen Nachmittag etwa Stärke 5 annahm, half uns
kräftig beim Paddeln.Der neue Zeltplatz lag auf einer hügeligen
Landspitze und war an drei Seiten von Wasser umgeben. Seine
schönste Seite lag, als wir ankamen, direkt vor uns, unser
(zumindest für zwei Tage) Privatstrand, mit weißem Sand,
einer Natursteinmole und klarem Wasser, wie im Märchen. Der Sand
eignete sich hervorragend zum Sandburgenbau, wie sich nach
gründlichen Tests erwies. Die steife Brise erzeugte eine relativ
starke Brandung, so daß komplizierte Wellenbrecher und
Schutzbauten für die entstandene Sandstadt erstellt werden
mußten. Als positiven Effekt des Windes vermerkten wir die
Abwesenheit jeglicher Mücken. Am Nachmittag bemerkten wir, wie
sich die Ablösung für unsere vorhergehende Campsite mühsam gegen
den mittlerweile starken Wind vorankämpfte. Wir mochten
nicht mit ihnen tauschen. An der nächsten Landspitze sahen wir
sie zwischenlanden und die Abendflaute abwarten. Diese ließ sich
jedoch Zeit, inzwischen beobachteten wir, wie Bäume vom Wind
gefällt wurden. Der nächste Tag brachte wieder blauen Himmel und
20°C. Nach einem Abstecher zum Auto, wir hatten die Marshmellows
und Michi's
Plüschaffen
vergessen, konnten wir der Versuchung unseres Badestrandes nicht
mehr widerstehen. Das Wasser war grauslich kalt, höchstens 6-8°C.
Bisher war uns dies noch nicht so aufgefallen, aber nun mit
dieser Bademöglichkeit vor Augen...! Zuerst sprangen Michael und
Christoph hinein, nach einer Weile Akklimatisation folgte sogar
der Vater.
In der Nacht hörten wir gelegentlich schwere
Schritte außerhalb unseres Zeltes. Glücklicherweise entwickelte
der Besucher nie die Neugier, in unserer Behausung nach
Freßbarem zu suchen. Wir hatten die Verhaltenregeln in "bear
country" auf das Gewissenhafteste beachtet und alle stark
duftenden Sachen wie Essen, Seife, Toilettenartikel und alle
damit in Berührung gekommenen Gegenstände in der bärensicheren
Kiste verstaut, die die Parkranger in sicherem Abstand vom
Zeltplatz verankert hatten. Unklar war nur, ob auch der Besucher
wußte, daß nichts von Interesse in unserem Zelt zu finden war.
Der Abschied von diesem gastlichen Stück Erde fiel uns schwer,
wir mußten jedoch dem nächsten Naturfreund dem ihm gebührenden
Anteil gewähren und so packten wir schweren Herzens unsere
Siebensachen in's Kanu und paddelten autowärts. Unterwegs
machten wir noch einen Abstecher zum Boulder-Island, das uns auf
unserer Hinfahrt Schutz vor dem nahenden Gewitter geboten hatte.
Nach erneuter Portage (nettes Wort zur Umschreibung des
Schleppens aller Klamotten inklusive Kanu über Stock und Stein)
erreichten wir unser Auto. Umpacken und Einladen und dann ging
es zurück zum Yellowstone Park, vorbei an Naturwundern, die die
meisten Besucher nur aus der Ferne (und dann meist aus dem Auto)
bestaunen konnten. Spätnachmittags erreichten wir den Grant
Village Campingplatz, wo uns nach dem Aufschlagen unseres Lagers
ein heißes Duschbad angenehm verwöhnte. Ein zivilisierter
Zeltplatz kann es aber nicht mit Backcountry- Camping aufnehmen,
wie wir spätabends in unseren Schlafsäcken einhellig
feststellten. Der Entschluß stand fest, im nächsten Sommer wird
ein ähnliches Abenteuer unternommen.