Dafür konnten wir uns am nächsten Tag etwas Zeit lassen. Die folgende Tagesetappe war mit 180 Meilen nur knapp halb so lang wie die vorhergehende. Gegen 11 Uhr verließen wir Sheridan, nicht ohne uns vorher über die Campingmöglichkeiten im Einzugsgebiet des Yellowstone Nationalparkes zu erkundigen. Die örtliche Verwaltung der Staatsforste unterstrich, daß man nicht nach 15 Uhr einen freien Zeltplatz in der Nähe des Parkeinganges vermuten sollte.
Zunächst jedoch war die erwähnte Anzahl Meilen zurückzulegen. Und die hatten es in sich, wie wir kurz nach Verlassen des Städtchens bemerken. In unseren Weg stellten sich die ersten Ausläufer der Rocky Mountains, die Bighorn Mountains. In langen Serpentinen wand sich unser Weg bergan. Die Wolken, welche zunächst die Bergspitzen verhüllt hatten, verschwanden während unseres Aufstieges und gaben den Blick auf die vor uns ausgebreitete Prärielandschaft frei. Unsere in den letzten Reisetagen so arg durch Hitze strapazierten Körper fröstelten bei der Berührung mit der frischen Gebirgsluft. Der Grund dafür war unschwer am Horizont zu erkennen, in dieser Höhe lag Mitte Juli noch Schnee. Eine Zwangspause durch Sprengarbeiten an der Straße gab uns willkommene Gelegenheit zur Mittagsrast. Das Foto der Sprengung, welche beachtliche Felsbrocken durch die Gegend schwirren ließ, ist leider durch den Explosionsknall so arg verwackelt, daß wir es verwarfen. Nach einer Weile ging es dann weiter und das einzige, worauf man acht geben mußte, waren die Kühe, die hier auf der "Open Range" weideten, d.h. ohne jede Abzäunung von ihrer motorisierten Zeitgenossen.
Die weitere Wegstrecke ging bergab und wand sich in eine malerische Tallandschaft hinein, die wir wegen des schönes Wetters für eine weitere Rast erkoren. Am Rande eines plätschernden Gebirgsbaches schmeckte das Vesper noch mal so gut. Wir überlegten schon, ob wir nicht die Nacht an dieser Stelle verbringen sollten. Be denklich waren zahlreiche Kuhspuren in der Nähe des Wassers, die uns schließlich zur Aufgabe des Campinggedankens brachten. Ein möglicher Besuch durch die Vierbeiner in der Nacht war uns doch nicht sehr geheuer. Die Westseite der Bighorn Mountains war wesentlich schroffer als die vorher erklommene Ostseite. Steile Canons mündeten in eine stellen weise steppenartige Landschaft. Nur in der Nähe der Flußläufe war schließlich noch Grün zu finden.