Das erste errinnerungsträchtige Ereignis dieses 1.April hier in Arizona ließ nicht lange auf sich warten. Auf dem Weg zur Ausfahrt begegneten wir dem ersten und einzigen Roadrunner, den wir hier in Southwest sehen sollten. Unser heutiger Ausflug führte in die Umgebung Tucsons. Schon bald machte sich die erste Sehenswürdigkeit bemerkbar, die Davis Monthan Air Force Base. Micha's Lieblingsflugzeuge, A10 Corsair II, kreisten über unseren Köpfen wie Fliegen über Apfelkuchen. Unheimlich engen Wendekreis haben diese Kisten in der Luft.
Flugzeugfriedhof Tucson Leider war der spezielle Teil der Base, der Flugzeugfriedhof, in dieser Woche wegen einer Übung geschlossen, so dass wir uns mit einem Blick über den Zaun anstelle der sonst gebotenen Bustour begnügen mussten. Der offizielle Name des Boneyard ist AMARC, was für Aerospace Maintenance and Regeneration Center steht. Hier werden ausgemusterte Flugzeuge der Air Force eingemottet (erkenntlich an den Plastikfolien über allen Öffnungen und Fenstern), bis sie entweder wieder gebraucht oder an Entwicklungsländer verkauft werden. Die Überbleibsel werden dann zur Ersatzteilgewinnung ausgeschlachtet, zur Zieldarstellung oder Ausstellung verwendet oder einfach verschrottet. Ungefähr 4000 Flugzeuge sind ständig in langen Reihen abgestellt und warten hier auf ihr Ende. Die meisten, die wir sahen, entstammten der Vietnamkriegszeit. Die letzten Flieger aus dem 2.Weltkrieg sind leider bereits in den 60er Jahren den Weg alten Blechs gegangen. Nach diesem kurzen Zwischenstop folgten wir Interstate 19 in's Green Valley, die unseres Wissens die einzige Autobahn der USA ist, an der durchweg metrische Wegweiser angebracht sind. Nach Ansicht einiger "Patrioten" ein sicheres Zeichen mexikanischer Invasionspläne, wahrscheinlich in Zusammenwirken mit der deutschen Luftwaffenbasis in Alamogordo. Manche Amis sind wirkliche Komiker, ohne es zu merken.

Titan Silo oben Ziel unseres Ausflugs war das letzte existierende "Titan II-Silo", das nach dem Ende des Kalten Krieges nicht demoliert, sondern zu einem Museum umgerüstet worden war. Einige Szenen des Filmes "Startrek-First Contact" sind hier vor Ort gedreht worden., wahrscheinlich in den Gängen zwischen Command Center und Blast Chamber. Der Anblick vor'm Tor errinnerte immer noch stark an die Zeit, als diese Installation aktiv war. Nach dem Kauf der Eintrittskarten und dem Anschauen eines patriotische Reißers auf einer Filmleinwand griffen wir jeder einen Bauarbeiterhelm und folgten einem der 'Helden' aus der Vergangenheit, wie sich unsere Führer präsentierten. Diese rekrutierten sich nach eigenen Angaben aus dem ehemaligen Personal dieses Silos. Dafür sprach der arg patriotische Ton ihrer Erklärungen, dagegen offensichtliche Diskrepanzen in ihrem technischen Wissen. Aber das kann wohl daraus erklärt werden, dass in der Armee jeder nur soviel wissen sollte, wie zur Ausführung seiner Tätigkeit unbedingt notwendig ist. Alles, was darüber hinausgeht, könnte die Denkfähigkeit des Individuums fördern, was wiederum beim Befolgen von Befehlen Schwierigkeiten hervorruft. Ist offenbar in jeder Armee so. Den Erklärungen unseres Führers an der Oberfläche, die Tankfahrzeuge, Triebwerke und einen Gefechtskopf (20Mt TNT) umfassten, war jedenfalls nicht viel abzugewinnen. Beim Hinabsteigen in die unterirdischen Katakomben erklärte er uns die Sicherheitseinrichtungen, die verhindern sollten, dass Terroristen (oder unzufriedene Bürger) diese Einrichtungen an sich reißen und gegen andere Ziele als geplant einsetzen konnten. Die Schicht einer Mannschaft dauerte nach seinen Angaben von 8 bis 8, also 24 Stunden, dannach waren drei Tage frei. Nachdem wir etliche dicke Stahltüren passiert hatten, standen wir im Kommandobunker. Dieser war an dicken Stahlfeder frei beweglich aufgehängt und so stark gepanzert, dass er "everything, but a direct thermonuclear hit" (Zitat unseres heldischen Führers) widerstehen konnte. Danach wurde es 'ernst'. Chris und Micha nahmen in den dicken Sesseln vor den Computern Marke 60er Jahre Platz und bekamen die Schlüssel und Launchcodes ausgehängt. Nachdem Launch Comander Major Chris und Deputy Launch Comander Second Lieutenant Michael die Authentizität der Codes geprüft hatten, setzten sie die Maschine in Gang, die im Ernstfall eine sowjetische Großstadt ausgelöscht hätte.

Commencing Launch Nach dem letzten simultanen Knopfdruck der Brüder zeigten die aufleuchtenden Panele des Steuerpultes in irrsinnig logischer Abfolge, wie die Kuppel geöffnet, die Druckbeaufschlagung der Tanks beendet und schließlich die Triebwerke gezündet wurden. An dieser Stelle meinte unser Museumsführer tatsächlich, dass wir uns jetzt den Lärm des Starts vorstellen müssten. Im Gegensatz zur Standardroutine nach dem Start von Interkontinentalraketen, die eigentlich vorschrieb, dass die Crew sich nun einbunkert und darauf hofft, irgendwann in den nächsten Monaten nicht in eine radioaktive Wüste hinauswandern zu müssen, verließen wir den Kommandoraum und gingen durch die offenen und überhaupt nicht heißen Schutztüren zum Silo hinüber, in dem die Titan II stand, als wäre nichts geschehen. Das war glücklicherweise keine technische Panne, sondern Resultat eines ausnahmsweise vernünftigen politischen Prozesses. Um den russischen Sateliten zu beweisen, dass niemand Übles plant, ist der Deckel des Silos in halboffener Stellung von großen Betonelementen blockiert. Auf dem Heimweg wollten wir noch den Riesenkakteen des Saguaro National Monument einen Besuch abstatten. Leider war während unseres Ausfluges in die Unterwelt das Wetter an der Oberfläche umgekippt. Starker Regen im Verband mit stürmischem Wind trieb uns zurück nach Benson, wo wir feststellen mussten, dass die gerade durchgezogene Kaltfront auch unsere Nachmittags-Badepläne zerstört hatte. Dafür genossen wir einen beachtlichen Teil des Abends bei Schneetreiben im offenen Whirl Pool. Total verrückt, aber schön.

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