|
Mit dem nächsten Tag nahte auch unsere Abreise aus der Region um Tucson. Nächstes Etappenziel war Flagstaff, Arizona. Auf dem Weg dorthin wollten wir, durch demokratische Abstimmung eindeutig bevorzugt, Biosphere2 besuchen.
Dieser Komplex, heute zur Columbia University gehörend, wurde ursprünglich von dem texanischen Milliardär Ed Bass als Versuchsobjekt zur Schaffung eines künstlichen Ökosystems gebaut. Eine solche künstliche Biosphäre wäre bei der möglichen Besiedlung von Mond oder Mars notwendig, um langfristige Aufenthalte des Menschen auf diesen Himmelskörpern zu gewährleisten. Vor allem sollten die möglichen Probleme bei einem solchen Unterfangen in einen gigantischen Vorversuch bestimmt werden. An diesen mangelte es dann auch nicht, als sich die erste Crew von 4 Frauen und 4 Männern am 26. September 1991 für 2 Jahre einschließen ließ. Erhöhter Sauerstoffverbrauch durch parasitäre Mikroben, gerade hinreichende Nahrungsproduktion und Schwierigkeiten im Ökosystem wegen einer tropischen Wanderameise, die sich in den Wurzelballen von Pflanzen eingeschlichen hatte, machten den ersten Biosphärenbewohnern das Leben schwer. Nach einer Pause von 6 Monaten ließen sich noch einmal 5 Männer und 2 Frauen für ein reichliches halbes Jahr einschließen, wonach die Riesengewächshäuser hauptsächlich für Umweltstudien benutzt wurden. Eine große Rolle spielt zur Zeit die Untersuchung der Auswirkungen eines wachsenden Kohlendioxidgehaltes der Luft auf die Pflanzenwelt.
Nach dem Passieren des Kassenhäuschen besuchten wir zunächst einen Einführungsvortrag, um danach mit einer Gruppe die einzelnen Gebäude zu besichtigen. Den Komplex selbst kann man nur als riesig bezeichnen. Er besteht aus einer Vielzahl verschiedener Biotope, wie z.B. Wüste, Steppe, Regenwald, einen kleinen Ozean mit Marschland, sowie eine Intensivlandwirtschaftszone und Wohnzone der Menschen. Zwei große "Lungen", Ausgleichsgefäße für das eingeschlossene Luftvolumen, sorgen dafür, dass Temperaturänderungen nicht die Gewächshäuser zerstören. In der Küche der Wohnzone habe ich dann das erste Mal Robert sprachlos erlebt. Mit einem Blick des Entsetzens starrte er auf die Speisekarte aus der Zeit des letzten Experiments, auf der zum 2. Frühstück '18 Erdnüsse' als Ration der Bewohner angegeben waren. Die Wanderameisen, die den ursprünglichen Bewohnern das Leben so schwer gemacht hatten, waren immer noch überall anzutreffen. Um den Schock durch die Biosphere2-Küche nicht lange einwirken zu lassen, kehrten wir zum Mittagessen im Cañada del Oro auf dem B2-Gelände ein. Das folgende Essen, der wunderschöne Ausblick aus dem Fenster und die anhaltende Besserung des Wetters ließen schon bald die Geister hoch fliegen, so dass der Abschied und die Fahrt von 300 Meilen bis nach Flagstaff nicht ganz so schwer fiel. Gegen 9 Uhr abends errreichten wir nach Durchquerung eines Schneesturmes (Woher kam der nun wieder?) unsere Hütte auf dem KOA Zeltplatz Circle Pines in Williams, etwa 20 Meilen außerhalb von Flagstaff. Bei unserer Ankunft lagen dort etwa 15cm Neuschnee, was die Buben nicht davon abhielt, den Zeltplatzpool zu erkunden, der glücklicherweise umhaust war. Auch hatte unsere Hütte einen Heizlüfter, der am nächsten Morgen die bittere Kälte zumindest in der Hütte vertrieb
  
[ Previous | Home |
Next ]
|