Pünktlich um acht standen wir dann auch am nächsten Morgen vor der Baracke von Tex’s Riverways. Dass wir sonderlich ausgeschlafen waren, konnten wir nicht behaupten. Zunächst hieß es jedoch die drei Wasserkanister füllen, die den Vorrat der nächsten Tage bildeten. Dann war das Gepäck vom Mietauto in den vorsintflutlichen Truck umzuladen, an dessen Haken der Hänger mit unseren Kanus hing. Weiterhin gab es eine Firepan und ein Chemieklosett zu empfangen sowie der Unterweisung in deren Gebrauch aufmerksam zu folgen. Ein ausgeleierter Blechmülleimerdeckel war dazu da, als Unterlage für das abendliche Lagerfeuer zu dienen, daher der Name Firepan. Es ist am Green River nur erlaubt, Asche in den Fluss zu schütten, um den menschlichen Einfluss auf die Natürlichkeit dieses Areals so gering wie möglich zu halten. Dazu diente auch die Chemietoilette, die am Ende der Reise von Tex zurückgenommen wurde. Lediglich das Pinkeln in den Fluss war erlaubt, alles unter der Maßgabe, dass die geringe Regenmenge die Verrottung bzw. das Wegschwemmen menschlicher Abfallprodukte nicht erlaube. Nach unserer Erfahrung schienen sich unsere Vorgänger an diese Weisungen gehalten zu haben, Zeltplätze waren wirklich nur an vegetationsfreien Stellen erkennbar. Weder Feuerreste noch andere Abfälle konnten wir finden, was vielleicht auch am frühen Termin unserer Reise lag. Die Umgebung des Flusses erschien uns jedenfalls so, wie sie John Wesley Powell mehr als hundert Jahre zuvor auch schon erlebt haben musste.

Green River Canyon - Mineral Bottom Vor dem Erreichen des Flusses mussten wir jedoch noch die Shuttle von Moab nach Mineral Bottom überstehen, wobei uns der Fahrer auf den Feldwegen arg durchschüttelte. Dies hinderte Micha und Robert nicht, die meiste Zeit der Fahrt auf der Rückbank tief und fest zu schlummern. Einzige Mitreisende außer uns vieren war eine Lehrerin aus Arizona, die mit einem Sit-on-Top Kajak unterwegs war. Sie war übrigens die einzige menschliche Person, die wir in den nächsten fünf Tagen zu Gesicht bekamen. Nach dem abenteuerlichen Abstieg in den Canyon bei Mineral Bottom luden wir die Boote ab und packten sie mit unseren sieben Sachen voll. Dann ließen wir noch eine kurze Belehrung des hier in einem Trailer wohnenden Parkrangers über uns ergehen, die in der simplen Feststellung gipfelte, dass wir in den folgenden Tagen unseren Unsinn selbst auszubaden hätten, falls wir uns welchen einbrockten. Der nächste menschliche Posten war etwa 20 Meilen Luftlinie vom Fluss entfernt, was bei dem Geländerelief gut 50 Fußwegmeilen über Stock und Stein bedeutet hätte. Besonders die Jugend wurde belehrt, sich möglichst nicht bei Klettertouren die Haxen zu brechen. Die Klapperschlangengefahr wäre in dieser frühen Jahreszeit sehr gering, zur Sicherheit hatten wir auf alle Fälle eine Snake-Kit dabei.

Green River Canyon - Mineral Bottom Zu guter Letzt ließ ich mir von unserem Fahrer ein paar empfehlenswerte Zeltplätze auf unserer Karte eintragen. Da noch sehr wenig Laub an den Ufersträuchern hing und auch das Wasser noch relativ hoch ging, hatten wir keine Schwierigkeiten, die eingezeichneten Plätze zu finden. Dann verabredeten wir noch die genaue Abholezeit am Colorado River, bevor wir uns mit einem letzten See-ya-there auf den Weg machten.

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