Am nächsten Tag verließen wir Williams und machten uns, da das Wetter wieder schön zu werden versprach, auf einen Umweg über die South Rim des Grand Canyon in Richtung Monument Valley. Auf vielfachen Wunsch der Jugend wurden Pläne für eine zweite Canyonwanderung im Keime erstickt. Statt dessen stiegen wir in Grand Canyon Village aus und taten uns die hiesige Touristenfalle an. Riesentrubel überall, Souvenirstände und Menschenmassen. Darüber dröhnten sehenswert die F-16A-Jets der Thunderbirds, die einen Abstecher über den Canyon machten. Von ihrer Heimatbasis, der Nellis AFB unweit Las Vegas, Nevada, war es ja auch nicht sonderlich weit bis hierher. Nach kurzer Zeit hatten wir die Nase voll und traten den organisierten Rückzug zum Auto an, um dieser Folter zu entkommen.

Grand Canyon of the Colorado River Wieder fuhren wir in Richtung Osten, diesmal auf dem sogenannten East-Rim-Drive. Trotz lebhafter Proteste wurden die Beifahrer noch mehrmals aus dem Auto gescheucht und an Aussichtspunkte geschleppt. Nach 26 Meilen erreichten wir die östliche Grenze des Parkes, Desert View, die durch einen steinernen Aussichtsturm markiert wird. Natürlich mussten wir auch auf den Turm klettern, nicht ohne vorher durch eine heftige Schneeballschlacht für erhebliche Unruhe unter den Touristen gesorgt zu haben. Chris und Robert quetschten sich gemeinsam durch den Kassenautomaten am Eingang und sparten somit einen ganzen Quarter, 25 Cents. Soviel Zugewinn an Aussicht war durch die geringfügige Vergrößerung der Ausguckshöhe dann doch nicht zu gewinnen, weshalb wir den Turm schon bald wieder verließen. An und für sich war die Aussicht halt schon so grandios, dass atemberaubend als Adjektiv ganz gut zutrifft. Nach einer Weile des Ausblickes erinnerten wir uns der noch bevorstehenden Fahrstrecke von knapp 150 Meilen nach Kayenta, einem kleinen Nest in der Nähe des Monument Valley und machten uns schleunigst auf den Weg. Auf der Fahrt dorthin hielten wir noch an ein oder zwei “Trading Posts” an. Hier gelang es uns dann, endlich einen Miniventilator für Micha zu erstehen, der auch als Mixer einzusetzen sein sollte. Leider war schon nach kurzer Zeit der Mixstab kaputt, wobei dessen Lebensdauer vom Gesamtgerät nur wenig übertroffen wurde. Im selben Laden konnte ich mir meinen ersten Original-Bola-Tie kaufen, einen Krawattenersatz nach Rancherart, den ich seitdem in hohem Ehren halte und anstelle eines Kulturstrickes benutze. In der Zwischenzeit vergnügte sich Robert mit einem metallenen Geschicklichkeitsspiel, “Get the Ring off” genannt. Er hat den Ring abgekriegt, allerdings so gründlich, dass wir danach eiligst den Laden verließen, um nicht wegen Schadenersatz belangt zu werden. Zu einem der bemerkenswerteren Anblicke dieses Tages zählt noch eine Riesenherde Tumbleweeds, die sich in einem Ranchzaun entlang der Straße verfangen hatten. Das sind diese rollenden Büsche, die im Western immer dann vom Sturm die Hauptstraße entlanggetrieben werden, wenn sich eine neue Bande Schurken der friedlichen Stadt nähert. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir Kayenta, wo wir uns mangels Alternative ins recht teuere Holiday Inn einquartierten, dass noch nicht einmal über einen Pool verfügte. So beschränkten sich die Vergnügungen des Abends auf den Besuch der lokalen Hamburgerschmiede und das Kabelfernsehen.

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