Baden, Wandern und Wäschewaschen waren dem Folgetag vorbehalten. Bevor Juniper Springs in den Bach entlassen wurden, speisten sie einen Badeteich, der in den dreißiger Jahren vom Civil Conservation Corps angelegt worden war. An seinem Abfluss befand sich ein niedliches Wasserrad, das in der Vergangenheit einen kleinen Generator angetrieben hatte. Viele Einrichtungen der National Parks und Forests sind vom CCC erbaut worden, das in der Zeit der Weltwirtschaftskrise eine ähnliche Funktion wie der Reichsarbeitsdienst in Deutschland erfüllte, nämlich jungen Arbeitern Beschäftigung und Einkommen zu geben. Die Parks in Amerika gefallen uns dabei wesentlich besser als die Autobahnen in Deutschland. Trotz des eiskalten Quellwassers wagten wir uns schließlich alle drei in den Badeteich, der als Schmuckstück eine schöne Sprungstelle in der Nähe des Abflusses aufwies.
Am nächsten Tag war es dann endlich soweit, Columbia sollte gegen 14.20 Ortszeit starten. Einer der mitfliegenden Nutzlastspezialisten, Greg Linteris, kam aus dem "Building and Fire Research Lab" unseres Institutes und hatte uns ein Permit besorgt, mit dem wir bis auf 10 Meilen an die Startstelle heranfahren durften. Wenn man sich rechtzeitig anmeldet, kann man diese Erlaubnis auch auf normalem Wege erhalten, indem man der NASA schreibt. Leider hatte ich von der terminlich so günstigen Startverschiebung erst sehr spät erfahren, so dass uns Greg aus der Patsche helfen musste. Ich hatte im NIST mit seinem Gruppenleiter telefoniert, der uns riet, ihm doch einfach eine E-mail zu schicken. Die zwei Wochen später eintreffende Post versetzte uns dann in beachtliche Hochstimmung. Das grellgrüne Schild stolz hinter die Windschutzscheibe geklemmt, reihten wir uns in eine lange Kolonne wartender Autos ein. Einige andere Autos hatten eine gleiche oder ähnliche Sondergenehmigung aufzuweisen, viele warteten aber scheinbar nur darauf, von der NASA-Police abgewiesen zu werden. Nach 15 Minuten wurde uns die Warterei zu langweilig und wir probierten eine der ins Auge gefassten Abkürzungen aus. Zu unserem nicht geringen Staunen konnten wir 3 Meilen Stau auf einer Parallelstrecke anstandslos umfahren, um schließlich ohne weiteren Aufenthalt in die "Restricted Area" eingelassen zu werden.
Nach etwa 7 Meilen Fahrt war der "Causeway" erreicht, an dessen Rand sich die Autos lizensierter Besucher stauten und erwartungsfrohe Menschen je nach Gewohnheit teils Campingsessel füllten, teils Football oder Frisbee spielten.
Nach Sicherung eines Platzes in der ersten Reihe mischten wir uns unter die letzteren.
Noch waren bis zum Start etwa zwei Stunden zu warten, die durch Fußball, Frisbee, Snacks und Abhören des Countdown-Intercoms, das mit Lautsprechern verbreitet wurde, verkürzt wurden. Alles verlief soweit erstaunlicherweise nach Plan, wenn man von einer Lukendichtung absah, die in letzter Minute noch ausgewechselt wurde.
Notwendige Berichtigung auf den Stand von 1999:
Causeway Permits werden nicht mehr von der NASA vergeben. Nach Aussage offizieller Stellen war der damit verbundene Verwaltungsaufwand zu hoch. Das ist sehr schade, da auch der Spaß immens war.