Grundzüge und Spielmaterial
Wurfstäbe Spielfeld Spielsteine Die religiöse Bedeutung

Senet wird meist als ein Spiel für zwei Spieler dargestellt.

aus dem Grab des Htjj, Beni Hasan

Aber zur Zeit des Neuen Reiches hat man es oft auf Grabwänden als Spiel mit einem Spieler gezeigt (siehe Nefertari). Der Gegner war ein Unsichtbarer aus dem Jenseits und der Spieleinsatz war die Unsterblichkeit (s.u.). Von diesen unterschiedlichen Darstellungen und der Vielzahl der Feldmarkierungen ausgehend, ist es sehr wohl möglich, daß Senet als ein einfaches Spiel begann, aber später eine symbolische, magische oder religiöse Bedeutung erhielt und zu einem Ritual werden konnte. Diese Situation hat Parallelen in unserer Zeit. Schach hat in Filmen oder der Literatur manchmal eine mythische Bedeutung erlangt. Ein Mensch spielt Schach (oder ein ähnliches Spiel) gegen den Tod, den Teufel, einen Dämon oder Gott um sein Leben oder um einen magischen Preis zu erlangen.

Man fand Senet Feldmarkierungen eingeritzt in Fußböden und einfache Spielsätze mit Spielsteinen aus Holz und Brettern mit eingeritzten oder aufgemalten Feldmarkierungen, komplette Spielsätze aus Keramik, aber auch sehr prunkvolle Spielsätze mit Steinen aus Fayence (einem typisch altägyptischen Werkstoff, der, ähnlich unserem heutigen Porzellan, aus Quarz mit einer alkalischen Glasur bestand), aus Knochen und aus Elfenbein. Aber es gab wohl auch Spielsteine aus Gold und Silber. Einige prachtvolle Bretter wurden ohne die entsprechenden Steine gefunden, die wahrscheinlich Grabräubern in die Hände gefallen waren. Die Bretter der Reichen waren aus Ebenholz und Elfenbein hergestellt.
 
Eine typische Bauart eines Senet hatte die Form eines Kastens, der in der rechten Seite eine Schublade enthielt, in denen die Wurfstäbe und die Steine aufbewahrt wurden. Im Grab Tutenchamuns fand man den nebenstehend abgebildeten Spieltisch. Auf einem Untergestell liegt lose ein Spielkasten (LxBxH 44,4 x 14,3 x 8,1cm), mit Schubladen auf beiden Seiten, auf dessen Unterseite ein 20-Felder Spiel ist. Die abgebildeten Spielsteine sind den anderen drei Senet Spielen aus dem Grab entnommen. Die originalen Steine dieses Kastens sind verschwunden. Neben dem Tisch liegen vier Wurfstäbe und zwei aus Elfenbein geschnitzte Wurfknöchelchen. Der Spieltisch aus dem Grab Tutenchamuns

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Wurfstäbe (Finger ägyptisch Djebao)

Die Wurfstäbe sind eine typische antike Vorform unseres kubischen Würfels. Sie sind hölzern oder aus Holz und Elfebein zusammengesetzt, geformt wie Halbzylinder und ungefähr so lang wie ein Zeigefinger. Die Enden wurden üblicherweise abgerundet, geformt wie Fingerspitzen oder mit Tierköpfen verziert. Die gerundete Oberfläche ist schwarz oder dunkel während die flache Oberfläche weiß oder hell ist.
Einige spätere Spielsätze enthielten Finger oder Fußknöchelchen statt Wurfstäben.
Die Wurfstäbe wurden vermutlich zu rechteckige Prismen mit den Zahlen 1 bis 4 auf ihren Seiten weiterentwickelt. Daraus wurden später die kubischen Würfel mit ihren 6 Seiten.
Ein Senet enthält normalerweise vier Wurfstäbe.
Die Wurfstäbe wurden in einer Hand in einem vertikalen Bündel ein paar Zentimeter über dem Tisch gehalten. Dann wurden sie fallen gelassen und die weißen (flachen) Seiten gezählt. Wir kennen den Gebrauch der Wurfstäbe, weil sie bis ins 17. Jahrhundert in Asien verwendet wurden. Einige Ureinwohner Amerikas verwendeten dasselbe Prinzip mit Nußschalenhälften. Zu beachten ist daß 2 der häufigste Wurf ist (6 von 16 Würfen), 1 und 3 etwas seltener (4 von 16 Würfen) und 4 und 0 die unwahrscheinlichsten Würfe (1 von 16 Würfe).

Spielfeld

Das Senet-Spielfeld besteht aus 30 Feldern (Häuser ägyptisch Peru), die in 3 Reihen zu je 10 Feldern angeordnet sind. In Übereinstimmung mit den (meisten) Regelvorschlägen beschreibe ich das Feld (hier als Beispiel auf dem großen Senet Tutenchamuns) nach folgendem Aufbau:

Spielfeld des großen Tutenchamun Senets


1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
20 19 18 17 16 15 14 13 12 11
21 22 23 24 25 26 27 28 29 30

Jedes Feld hat eine ungefähre Kantenlänge von 34mm. Es gibt einige besonders gekennzeichnete Felder (15, 26, 27, 28, 29), die auf den meisten Brettern in ähnlicher Form auftauchten und wohl auch in den Regeln eine bestimmte Rolle gespielt haben. Einige wenige Bretter hatten Zeichnungen auf allen Feldern, es bleibt aber wahrscheinlich, daß dies nur rein dekorative Gründe hatte.
Beginnend in der Mitte und entlang des Weges zum unteren rechten Ende sind die besonderen Häuser:
 

Die Felder 15, 26, 27, 28 und 29
und verschiedene Benennungen der Felder
Das Haus der Kraft und des Lebens Das Haus der Schönheit Das Haus des Wassers Das Haus der drei Richter Das Haus des Re-Aton
Feld 15
- Das Haus des
  zweiten Lebens
- Das Haus der Kraft
  und des Lebens
- Das Haus des
  wiederkehrenden
  Lebens
Feld 26
- Das Haus der
  Schönheit
- Gutes Haus
- Schönes Haus
 

 

Feld 27
- Das Haus der
  Erniedrigung
- Haus des Wassers
 
 

 

Feld 28
- Das Haus der 3
  Richter
- Haus der 2
  Wahrheiten
 

 

Feld 29
- Das Haus der 2
  Richter
- Haus des Re-Aton
 
 

 

Abbildungen aus Edgar B. Pusch, Das Senet-Brettspiel im Alten Ägypten


Spielsteine (Tänzer ägyptisch Yebao oder Ibau).

Während des Alten Reiches hatte jeder Spieler sieben Steine. Später wurde die Anzahl auf fünf reduziert, aber es gab auch Spiele mit bis zu zehn Steinen. Die am meisten verbreiteten Spielsteine waren fünf konusförmige Steine gegen fünf (garn-)rollenförmige Steine.
Die Koni sind grün, weiß oder hell gefärbt während die Spindeln schwarz, dunkel oder rot gefärbt sind. Einige waren graviert, sodass sie wie Löwen oder Schakalköpfe aussahen oder hatten die Form knieender, gefesselter Kriegsgefangener.

Die religiöse Bedeutung (eine Vermutung).

Die fünf Steine jedes Spielers repräsentieren die fünf Teile der Seele eines Verstorbenen, die den Douat, die ägyptische Unterwelt, durchwandern und sich mit Osiris vereinen wollen, dem Gott der Toten. Der Sieger ist der erste, dem es gelingt, alle seine Tänzer vom Brett auszuspielen. Er ist dann "gerechtfertigt".
Das erste Ziel der Tänzer ist das Haus der Schönheit. Dieses stellt das Ende der Mumifikation (70 Tage) dar. Haben sie dieses Feld erreicht dann können sie den Nil oder eigentlich dessen Urbild, den Nun, den uranfänglichen Ozean, der eines Tages die Welt wieder verschlingen wird, überqueren (dargestellt durch das Haus des Wassers) um ihr Urteil zu erwarten. Einmal von Schuld freigesprochen, darf jeder Teil der Seele sich mit Osiris vereinen.
 

Screenshots aus Das Grab des Pharao
Die Welt ersteht aus dem Nun Der Tote vor Osisris
Die Welt entsteht aus einer Lotusblume, die auf dem Urozean wächst. Der Tote steht vor Osiris und dem Rat der Götter um sein Urteil zu empfangen.

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