Durch das PC-Spiel Das Grab des Pharao bin ich auf das altägyptische Brettspiel Senet aufmerksam geworden. Nachdem ich im Internet, in Büchern, in Museen... einiges darüber gefunden habe, möchte ich diesem Spiel nun eine Website widmen.
Senet ist eines der ältesten Brettspiele
die wir kennen. Leider sind die originalen Senet-Regeln nicht erhalten. Es gibt
keine Aufzeichnungen darüber, weder auf Papyrus noch auf irgendeiner Grabwand.
Es hat den Anschein, dass das Spiel so verbreitet war, dass es mündlich
überliefert wurde und fast jeder wusste, wie man es spielte.
Alle Versuche die Regeln zu rekonstruieren oder,
besser gesagt neu zu erfinden, beziehen sich auf die entdeckten Spielmaterialien,
die Darstellungen von Spielsituationen auf Bildern und auf überlieferte
Zugkommentare.
Aus dem Sachverhalt, dass man 30-Felder-Spielbretter
mit den unterschiedlichsten Markierungen, und Bilder und Spiele gefunden hat
in denen der einzelne Spieler 5-10 Steine hat und Darstellungen bis zu 4 verschiedene
Typen zeigen, muß man folgern, dass es im Verlauf der langen Geschichte
des Senet mehrere Varianten gab. Auch heute gibt es sehr verschiedene Regelvorschläge.
Bekannte Vorschläge stammen vom Schweizer Archäologen Gustave Jéquier,
dem amerikanischen Autor R.C.
Bell und dem Ägyptologen John Tait. Auch
verschiedene Spieleautoren wie z.B. der gelernte Bauingenieur Horst Alexander Renz
oder Donald
Cooper haben, mit mehr oder weniger
historischem Anspruch, Regeln vorgeschlagen.
Senet war das bei weitem beliebteste und wichtigste der vielen Brettspiele im alten Ägypten und wurde von allen Bevölkerungsschichten gespielt. Neben den transportablen Spielbrettern fand man auch an den verschiedensten Stellen in Gräbern und Tempeln eingeritzte Senet-Spiele, die die weite Verbreitung belegen. Mehr als 40 zum Teil sehr gut erhaltene Bretter wurden entdeckt, mit intakten Spielfiguren und mit Wurfstäben, Fußknöchelchen oder kubusähnlichen Würfeln, die als Würfel dienten. Die älteste bekannte Darstellung eines Senet- Spielsets ist Teil einer farbigen Wandmalerei in Saqqara aus dem Grab des Pharaos Hesy (III. Dynastie ca. 2686-2613 v. Chr.).

Das in 3 x 10 Felder aufgeteilte Spiel hat keinen Rahmen. Es hebt sich gegen die als Untergrund gemalte Matte lediglich durch eine rote Begrenzungslinie und seine andere Färbung ab. Die Felder sind in einem gelben Ton gehalten und werden von weißen "Leisten" getrennt, die ihrereseits rot umrandet sind. 5 der 30 Felder tragen eine Beschriftung, die von allen sonst bekannten Felderbezeichnungen abweicht. Links neben dem Brett befindet sich die Darstellung eines fast quadratischen Kastens, dessen Rahmen schwarz angemalt ist. Er hat gelbe wellige Streifen, teilweise rot umrandet; damit soll wohl eine besondere Holzart dargestellet werden. Der Innenraum des Kastens ist rot ausgemalt. Auf diesem Untergrund liegen vier Stäbe mit abgerundeten Enden. Nahe diesen Enden und in der Mitte haben sie eine Markierung aus je zwei parallel laufenden Linien. Diese sind bei den beiden äußeren Stäben rot, bei den zwei mittleren schwarz. Rechts und links von den Stäben sind zwei Sätze von je sieben Spielsteinen dargestellt. In ihrer konischen, an der Spitze abgerundeten Form entsprechen sie genau den Spielsteinen, die in den Brettspielszenen des Alten Reiches abgebildet sind. Wie dort unterscheiden sie sich nur in ihrer Größe. Ihre Farbe ist nicht mehr erhalten.
Abbildung und Text (gekürzt) aus Edgar B. Pusch, Das Senet-Brettspiel im Alten Ägypten
Nach 1600 -1500 vor Christi werden die Spieler
mit sieben oder fünf Spielfiguren dargestellt. Es wurden aber auch einige
Spiele mit zehn Spielfiguren je Spieler gefunden. Wandgemälde vieler Gräber
zeigen den Toten auf einem Festgelage, umgeben von Tänzern und Musikanten,
bei einer Partie Senet mit seiner Frau oder einem anderen Familienmitglied.
Ramses III (1182-1151 v. Chr.) ließ sich auf dem hohen Tor des Tempels von Medinet Habu
mit zwei Frauen seines Harems beim Senet darstellen. Alte ägyptische Schriften
erwähnen Senet-Spiele, die von den Geistern der Verstorbenen in der Unterwelt
gespielt werden. Eine der sehr schöne Abbildung eines "Ein-Spieler-Senets"
befindet sich im Grab der Nefertari (QV66), der Gemahlin Ramses II.
Eine virtuelle Nachbildung dieses sehr farbenprächtigen
Grabes (Screenshot) findet man auf der CD-ROM Atlas der Frühgeschichte
im deutschen Vertrieb von United
Soft Media.
Abbildung aus Christian Leblanc, Alberto Silotti, Nefertari Ausgrabungen im Tal der Königinnen, Bechtermünz Verlag
Das sogenannte "Königliche Spiel von
Ur", das in den königlichen Gräbern der sumerischen Stadt Ur
(im heutigen Irak) gefunden worden ist, gilt neben Senet als eines der ältesten
Brettspiele. Auch dessen Regeln blieben uns unbekannt, obwohl es in ähnlicher
Form bis ins 20. Jahrhundert von eine jüdischen Sekte in Indien gespielt
wurde.
Möglicherweise handelt es sich aber auch um
eine Weiterentwicklung oder Abart des 20-Felder-Spieles das man gelegentlich
auf der Gegenseite eines Senet "Spielbrettes" findet
Spätere geschichtliche Entwicklung
Die Römer veränderten Senet in das
Ludus Duodecim Scriptorum-Spiel, das mit kubischen Würfeln gespielt wurde.
Im ersten Jahrhundert nach Christi wurde aus Ludus
Scriptorum, Tabula, eine Variante mit nur zwei Reihen Feldern. Senet selbst
wurde bis zur christlichen Ära in Ägypten gespielt, dann fiel es wegen
seiner heidnischen Nebenbedeutung in Ungunst.
Während des Mittelalters wurde aus Tabula, Tables, von
dem Backgammon
und seine zahllosen Varianten wie zum Beispiel Tric-Trac, Puff, Jacquet und Nard, abgeleitet wurden.