Mai '95
35 Kilometer hinter Trovelhue, 01.05.1995
Wir kamen nicht mehr weit, die Sonne stand schon tief, als uns auf der steil bergauf f�hrenden Schlammpiste ein munterer Bach entgegenpl�tscherte und als uns schlie�lich auch noch ein Ochsenkarren den Weg versperrte, machten wir Rast auf einem umgest�rzten Baumstamm am Wegesrand. Wir hatten kein Trinkwasser mehr und der Hunger qu�lte mich schon seit Stunden, ich war m�de. Aus dem H�uschen gegen�ber drang eine kreischende Frauenstimme zu uns und Micha traute sich nicht, nach Wasser zu fragen. Nach und nach versammelten sich alle S�hne und Hunde des kleinen Anwesens um uns herum, um uns neugierig, aber vorsichtig zu beobachten.
Wir nahmen unseren Mut zusammen und fragten schlie�lich doch nach Wasser und einer M�glichkeit, unser Zelt auf dem Anwesen der Familie aufzuschlagen und bekamen die Erlaubnis, uns in ihrem "Vorgarten" niederzulassen. Als wir unser Abendessen zubereiteten, folgten uns die Augen der Kinder bei jedem Handgriff. Der Herr des Hauses kam zu uns, um sich mit uns zu unterhalten.
Zumindest wurde man auf der Strecke durch die abwechslungsreiche und interessante Vegetation und Tierwelt belohnt: richtiger Urwald war zu sehen, es gab Mimosenb�sche, deren Bl�tter sich bei Ber�hrung zusammenrollten, es gab Euklyptushaine, die einen angenehmen Geruch verbreiteten und stachelige Kakteen, dazwischen huschten kleine und gr��ere Eidechsen hin und her und in der Ferne donnerte die Brandung des Pazifiks. Besonders lustig an den Einheimischen war, da� sie immer glaubten, wir w�ren mit Motorr�dern unterwegs. Sie standen dann in Gr�ppchen am Wegesrand, beobachteten uns und hielten Streitgespr�che dar�ber, ob sie nun einen Motor an unseren Fahrzeuge gesehen oder geh�rt h�tten. "Nein, die haben keinen Motor!" "Doch, dort ist er doch!". Micha meinte, hier kommen nur noch Ochsenkarren oder Fahrr�der durch, meiner Ansicht nach w�re ist es besser, zu Fu� unterwegs zu sein, weil man sowie die ganze Zeit schieben mu�te.
W�hrend der Nacht durchsuchten die Hunde unsere M�llt�ten vor dem Zelt nach etwas E�barem und die Kinder spielten an den Fahrr�dern herum, besonders an der Klingel. Ich hatte nichts dagegen, solange sie nichts kaputtmachten. Ich hoffte nur, da� die Hunde nicht zum Kl�ffen anfingen, weil uns dann eine schlaflose Nacht bevorstand, denn die Hunde schliefen direkt vor unserem Zelt.
Tiru�, 02.05.1995
Im Gegensatz zu Michas Fahrrad "fra�" meines aus unerkl�rlichen Gr�nden diesen Schlamm und sammelte ihn zwischen Reifen und Schutzblech, wo er festgerieben wurden. Die Folge war, da� sowohl Vorder- als auch Hinterrad blockierten und ich selbst bergab nicht mehr schieben konnte. Der "Schlammbauer" hatte uns am Vorabend noch erz�hlt, da� wir noch 33 Kilometer mit Tiru� h�tten, aber das war eine erfreuliche Fehlinformation, genauso wie die Stra�enschilder am Wegesrand: es waren nur noch 25 Kilometer.
Als wir am sp�ten Nachmittag durch dichten Nebel hindurch endlich in Tiru� ankamen, glichen wir Moormonstern. Wir und unsere Fahrr�der waren von oben bis unten voll Schlamm und wir waren nur so schnell angekommen, weil die letzten 15 Kilometer recht gut ausgebaut waren. Wir waren �bergl�cklich �ber ein Packung Kekse und eine Flasche Cola und fotografierten uns gegenseitig in Siegerpose.
Tiru�, 03.05.1995
Am meisten hat mich heute Michas Schmerzensschrei beeindruckt, als er seine nackten F��e in den vom Humboldt-Strom ausgek�hlten Pazifik steckte; vielleicht wurde dieser Schrei noch im fernen Japan geh�rt...Komischerweise erz�hlt Micha der Dorfbev�lkerung, da� wir verheiratet w�hren, denn am Abend zuvor ist er in einem Gesch�ft schm�hlich ausgelacht worden, als er erz�hlte, da� er noch solo sei. Aber irgendwie klappt es mit seiner Story immer noch nicht so gut "Seid wann bist Du verheiratet?" "��hh...��hm, seid einem Jahr?"; "Hast Du Kinder?" "Nein" "Mit 26 Jahren noch keine Kinder? Ha, Ha, Ha, Ha!". Micha war richtig geknickt, da� er ausgelacht wurde, obwohl er doch wu�te, da� die Leute hier doch eine ganz andere Weltanschauung wie wir haben. Aber wer will schon ausgelacht werden?
Antiquina, 04.05.1995
Wir fr�hst�ckten im Hotel und waren �ber die niedrige Rechnung �berrascht - obwohl wir hier nicht wenig gegessen hatten mu�ten wir nicht mehr als 10 Mark zahlen. Wir gaben den Besitzer noch ein Trinkgeld vor allem daf�r, da� er immer so stocksteif und vornehm wie ein englischer Butler herumgelaufen ist, so da� wir ihm den Kosenamen "James" gaben.
Laut TURISTEL fuhren wir entlang des "Lago Lleulleu" und der Beschreibung nach soll es sich um einen sehr sch�nen See handeln, auf dem man an der Stra�e bei "Punto Lleulleu" einen wundersch�nen Blick haben sollte, aber den gab es nicht. Den See habe ich kein einziges Mal gesehen. Die Stra�e bestand mittlerweile aus nassem Staub, da� bremste unwahrscheinlich, so da� ich auch auf gerader Strecke im gr��ten Gang fahren mu�te. Trotzdem und vor allem trotz unserer langen Pause am Strand kamen wir heute 43 Kilometer weit. Kurz vor Antiquina war die Stra�e wieder asphaltiert und mein Fahrrad fuhr die n�chsten 5 Kilometer fast wie von alleine und selbst bergauf brummte es zufrieden mit seinen breiten Reifen. Nach Antiquina, da� kein Hotel besitzt, fragten wir bei einem Bauernhof, ob wir auf ihrer Weide zelten d�rfte und es wurde uns erlaubt.
In der warmen Abendsonne brutzelten wir Pfannkuchen mit Pflaumenkompott und die Dame des Hauses kam neugierig mit ihrem kleinen Sohn herbei und fragte interessiert, was wir da kochten. Sie bekam den ersten Pfannkuchen und best�tigte uns, da� er wirklich ganz k�stlich schmeckte. Sie sah aus wie eine Indianerin, stand mit ihrem langen Rock vor uns, w�hrend wir am Boden kochten, am t�rkisblauen Himmel zeichnete sich die Sichel des Halbmondes �ber ihrer Schulter ab, w�hrend sie uns neugierig ausfragte. Es wurde schnell dunkel und Sternbild des Orions war zu erkennen - ein sehr romantisches Candlelight- Dinner.
Als wir uns ins Zelt zur�ckgezogen hatten, h�rten wir, wie die kleinen schwarzen Schweinchen, auf deren Wiese wir zelteten, drau�en nach unserem Abf�llen suchten und die ganze Zeit fr�hlich dabei grunzten.
Ca�ete, 05.05.1995
Hotel Nahuelbuta
Als wir in die Stadt rollten, setzten wir uns erst mal auf den Plaza de Armas und stellten die Fahrr�der neben uns ab, um den TURISTEL zu studieren. Wie gewohnt wurden wir neugierig begafft, besonders von den vielen Schulkindern in ihren blau- wei�en Schuluniformen. Unweit des Plazas fanden wir ein komfortables Hotel f�r wenig Geld, weil es gerade umgebaut wurde und als ich unter der Dusche stand, wurde mir bewu�t, da� das wirklich nicht mein Tag sein k�nnte. Als ich das Wasser in der Sitzdusche andrehte, erschrak ich, weil es so schrecklich hei� war. Ich rutsche aus und schlug mit meinem R�cken und Kopf voll auf den Sitz der Wanne auf, die Beine nach oben, wie auch sonst in dieser engen Wanne. Das hei�e Wasser prasselte auf meinen K�rper und ich war total benommen, ich konnte �berhaupt nicht reagieren. Ich hatte Angst, da� ich mir den R�cken gebrochen h�tte, es tat alles so weh und ich konnte meinen Kopf kaum heben. Als ich nach geraumer Zeit wieder ins Zimmer zur�ckkam fragte mich Micha scherzhaft, was ich so lange unter der Dusche getrieben h�tte, bevor ich mich jammernd vorsichtig aufs Bett legte. Meinen Kopf konnte ich nicht mehr richtig heben, wenn ich lag, ich konnte ihn im Stehen nicht nach hinten beugen, ich konnte meine Arme nicht nach vorne ausstrecken und wenn ich aufstehen. wollte, mu�te ich zun�chst einmal meinen Kopf hochheben, was ich aber kaum konnte. Ich hoffte, da� sich die Beschwerden zu bald wie m�glich geben w�rden.
Die dreckige W�sche voller Schlamm hatten wir in eine W�scherei gebracht, jedoch den Abholtermin am Nachmittag verpa�t, so mu�ten wir bis zum n�chsten Morgen warten. In der Stadt gab es einen tollen Supermarkt, in dem es fast alles zu kaufen gab, sogar Gummib�rchen.
Ca�ete ist ein ber�hmte Stadt. Hier wurde der spanische Feldherr Valdivia von den Mapuche-Indiandern gelyncht, als er versuchte, weiter in den S�den vorzudringen. Diese Stadt hat auch eine Festung, die wir am Abend besuchten. Was davon �brig geblieben ist, ist ein mit Steinen gepflasterten Weg und 4 Kanonen, mehr nicht. Dort, wo sie mal stand, gab es nur noch einen Sportplatz mit Kastanienb�umen und eine Schule, auf deren Umz�unung betrunkene Halbstarke wie die Affen balancierten und auf spanisch bis f�nf z�hlten und Bl�tter und �stchen von den Kastanienb�umen abrissen, um damit bei den M�dchen Eindruck zu schinden.
In dem Ort genossen wir bereits eine gewisse Art von Ber�hmtheit. Als wir in einem Laden Salat einkauften, fragte uns der Gem�seh�ndler, ob wir nicht die beiden verr�ckten Fahrradfahrer w�ren, die am Morgen hier ankamen. Am Abend suchten wir nach einem Restaurant und wie schon so oft in der letzten Zeit gab es keines oder es hie� zwar so, aber es gab in Wirklichkeit nichts zu essen. Nach zwei Stunden Irren durch das kalten Ca�ete landeten wir in einer Lokalit�t, die sich "Club Social" nannte und nach Michas Meinung soetwas wie eine gewerkschaftlich organisierte Volksk�che darstellte. Diesen "Club Social" gibt es auch in Paillaco, Villarica und Puc�n. Nach anf�nglichen Z�gern gingen wir hinein und es stellte sich heraus, da� hier sehr gute Speisen zu einem fairen Preis angeboten wurden.
Curanilahue, 06.05.1995
Es war wohl ein gro�er Fehler von mir darauf zu bestehen, in diesen Ort in einer Pension zu �bernachten und nicht auf dem harten Boden eines Zeltes. Der Tag endete wie ein Horrorst�ck, aber alles von Anfang an. Dabei hatte der Tag hatte eigentlich gut begonnen, auf geteerter Stra�e ging es fast ohne Verkehr und einem Seitstreifen los. Es gab zwar kleinere Anstiege, aber es gab Strecken, die einem "geschenkt" wurden, es ging dann an die zwei Kilometer bergab. Die Sonne schien, aber es war k�hl bis kalt, bei Abfahrten fror ich j�mmerlich, besonders wenn ich bei einem Anstieg vorher t�chtig geschwitzt hatte.
Wir fuhren durch ein "Endlos"-Dorf mit dem Namen Antihuala. Die Passanten auf der Stra�e schauten mit offenen M�ndern hinter uns her. Die Halbstarken in der n�chsten Ortschaft namens Tres Pinos pfiffen und schnalzte mit der Zunge, als ich an ihnen vorbeifuhr. Auf die Dauer nervte mich diese Art der Anmache ein wenig, bis ich schlie�lich den "Stinkefinger" zeigte, der mit einem gequ�lten Lachen beantwortet wurde.
Micha wollte unbedingt romantisch im Wald zelten und Pfannkuchen mit Pilzen und Mais braten, aber ich hatte mir dummerweise in den Kopf gesetzt, in das n�chste Kaff zu fahren und eine Pension zu suchen. Mir schmerzte der R�cken immer noch von dem Vorfall in der Dusche und nicht nur das, auch meine Schultern, die H�fte, die Arme und die Knie schmerzten h�llisch. Eine Schotterstra�e bog zu Ortschaft Curanilahue ab. Ein Reisender wartete an der Bushaltestelle und fragte uns auf Englisch, ob wir wirklich in die Ortschaft fahren wollten. Mir kam die Frage komisch vor, aber ich kannte den Ort schlie�lich noch nicht. Uns erwartete eine Art Bergarbeiter-Slum, dreckig und die Luft voller Rauch. Wir suchten so eine Art Stadtmitte und fanden schlie�lich einen Taxifahrer, den wir nach einem Hotel fragten. Der sagte uns, da� es zwei Hotels g�be, die in sich in derselben Stra�e bef�nden.
Was sich zun�chst toll anh�rte, offenbarte sich als Alptraum. Das erste Hotel war zugeschlossen und die Angestellte, die wir durch die Fenster hindurch erkennen konnten, traute sich nicht, hinter der Theke hervorzukommen. Die Eingangst�r war zur H�lfte mit einer Art Jalousie geschlossen aber Micha traute sich hineinzugehen und zu fragen, ob es ein freies Zimmer gebe. "Was, ein Zimmer, �hh", so ging es einige Zeit. "Ein Zimmer f�r die Nacht...��h..", es schien fast so, als ob die Frau nicht w��te, was ein Zimmer w�re, meinte Micha. Er versuchte alle Synonyme f�r Zimmer und Unterkunft, sprach die W�rter deutlich aus und gestikulierte mit H�nden und F��en, aber ohne Erfolg, die Frau verstand nicht, was wir wollten. Das gegen�berliegende Hotel sah zu sch�big aus, also suchten wir nach dem dritten Hotel, von dem uns der Taxifahrer erz�hlt hatte. Ein ekeliger Penner mit zerschlissener Kleidung und Sohlen, die beim Laufen von den Schuhen herunterhingen, bot sich an, uns bei der Suche behilflich zu sein. Die Unterkunft erwies sich als etwas, f�r das man separat f�r den Tag und f�r die Nacht bezahlen mu�ten. Wir lehnten dankend ab, Micha meinte, es m�sse sich wohl um eine Art Stundenhotel handeln. Der Penner f�hrte uns dann durch verwinkelte Gassen zu einer weiteren Unterkunft, was von au�en schon wie ein dreckiger Verschlag aussah. Micha traute sich trotzdem hinein und kam nach einem kurzen Augenblick wieder heraus, um unter lautem Protest kundzutun, da� er keine Sekunde darin bleiben w�rde, auch wenn man ihm Geld daf�r bieten w�rde. Es wurde ihm wohl so eine Art Kartoffelkeller mit zwei Strohs�cken als Matratze angeboten. Wir gingen also zu den Hotel zur�ck, da� dem mit der ahnungslosen Frau gegen�ber gelegen war.
Micha zog sofort eine Zeltplane �ber das Bett. Okay, es war nicht sehr sauber und es roch auch nicht besonders gut, die Fenster waren blind vor Staub, an einem Fenster fehlte gar das Glas und am Schrank hing ein Pin-up-Poster, aber schlimmer als eine Jugendherberge war es nun auch wieder nicht. Wir gingen in die Stadt, um etwas zum Essen zu kaufen, falls wir kein Restaurant fanden. Nach einiger Zeit glaubten wir ein Restaurant gefunden zu haben und kauften nichts ein. Micha wollte aber noch nicht rein gehen, weil sich f�r seinen Geschmack noch zu fr�h war. Wir setzten uns also auf eine Parkbank und warteten. Es war kalt, es fror mich und ich hatte Hunger. Als wir eine Stunde gewartet hatten, gingen wir hinein und eine freundliche Bedienung sagte, da� es nur H�hnersuppe g�be, aber im Caf� im zweiten Stock g�be es auch richtiges Essen. Und als wir davor standen, war es nat�rlich schon geschlossen - h�tten wir blo� nicht so lange gewartet...Naja, der restliche Abend war unerfreulich, ich knabberte an ein paar Keksen. Manchmal scheint man �berhaupt kein Gl�ck zu haben.
Laraquete, 07.05.1995
Dicke Luft umgab uns. Ich fuhr mit dem Bus weiter nach Laraquete, wo ich mich am Nachmittag mit Micha treffen wollte. Ich war froh, ein paar Stunden allein am Strand zu verbringen und meinen �rger ein wenig verrauchen zu lassen. Als wir am Morgen aufwachte, war ich schlecht gelaunt, das Wetter war neblig und es regnete und ich hatte keine Lust auf Fahrradfahren. Micha war gleich wieder beleidigt gewesen, weil er sich extra f�r mich geteerte Stra�en suchte und ich sie dann noch nicht mal fahren will. Ja, heute wollte ich mich einfach mal in den Bus setzen und einfach an meinem Zielort wieder aussteigen, ohne Anstrengung, ohne Schlammpiste usw. Ich war daf�r, das wir uns in Laraquete trafen, um dort an den Strand zu gehen, ein Hotel zu suchen, von den es laut TURISTEL dort nur so wimmelte, gut essen zu gehen und hei� zu duschen.
Die dicke Luft verflog erst gegen Abend, als Micha endlich aufh�rte S�tze zu sagen, wie z.B. "ich richte mich da ganz nach Dir", "wie Du meinst", "w�rde ich Dir jemals widersprechen?". Unsere Laune wurde besser, als wir nach einem langen Spaziergang am Strand entlang essen gingen. Wir probierten erst mal eine Snackbar, in der es aber dann keine Snacks gab, das st�nde nur so auf dem Schild. Die Geschichte kam mir bekannt vor. Der Kellner verwies auf die B�ckerei nebenan, dort g�be es leckere Empanadas, die er dann in seiner Mikrowelle gerne f�r uns hei� machen w�rde. Also ging ich in die B�ckerei, deutete auf zwei Empanadas und sagte "Dos, por favor" und glaubte, damit w�ren die Dinger so gut wie gekauft. Die Frau hinter der Theke stand aber da und glotze mich verst�ndnislos an. Also z�hlte ich die Finger an meiner Hand und deutete noch mal auf die Empanadas. Gut, ich konnte kein Spanisch, aber Zeichensprache mu�te doch jeder verstehen, dachte ich. Die Verk�uferin wich aber erschrocken zur�ck, als ob ich etwas unsittliches von ihr verlangte. Nach einer Zeit, die angef�llt war mit vergeblichen Deuten und z�hlen, gab sie mir eine T�te und ich nahm schlie�lich selbst zwei Empanadas aus dem Korb. W�hrend der langen Minuten zwischen dem zweiten Mal Deuten und der T�te versuchte ich so ruhig wie m�glich zu bleiben, schaltete einfach meinen Kopf aus und vermied jeden Gedanken, der mich w�tend machen k�nnte. "Entspanne dich...eins, zwei, drei...durchatmen..." Ich glaube, das sollte man immer tun. Als ich nach 10 Minuten wieder bei Micha war, hatte der schon sein Bier ausgetrunken und glaubte, das ich abgehauen w�re. Er am�sierte sich k�stlich �ber mein Erlebnis und damit waren wir auch nicht mehr b�se aufeinander und gingen fr�hlich in ein Restaurant zum Essen. Wir bestellten etwas, was �bersetzt soviel hie� wie "Kotelett f�r Arme" und es stellte sich als eine riesige Portion von Fleisch mit Spiegelei, gebratenen Zwiebeln und Tomaten heraus, dazu gab es einen gro�en Salat. So essen also die Armen in Chile.
Als wir zur�ck ins Hotel kamen, wollte ich duschen. Zuerst funktionierte die Dusche nicht, da� Wasser wollte nicht hei� werden, obwohl das Zimmerm�dchen daran herumbastelte. Schlie�lich durfte in der Privatdusche in einem leerstehenden Zimmer duschen und schaffte wohl meinen pers�nlichen Rekord von 99einhalb Grad. Dichte Dampfschwaden zogen durch das Badezimmer, so da� ich nichts mehr sehen konnte. Ich geno� die erste richtig hei�e Dusche seitdem ich aus Deutschland hierher kam.
Concepci�n, 08.05.1995
An diesem Tag war ich ein St�ck auf der Autobahn gefahren - mit dem Fahrrad! Zun�chst sind wir bei eigenartigem nebligem schw�l- hei�em Wetter losgeradelt und das erste St�ck aus Laraquete heraus war ein fast endlos erscheinender Anstieg. Ich schwitze zwar, aber weil es so schw�l war, brachte es keine K�hlung. Die Umgebung war wundersch�n, die Stra�e war von dichtem Wald umwuchert, Nebelwolken verfingen sich an den steilen H�geln, die Feuchtigkeit sammelte sich an den Bl�ttern der B�ume und Str�ucher, und fiel in gro�en Tropfen zu Boden. Aber trotz der Schw�le konnte man seinen eigenen Atem sehen.
Bergab war ich schneller als so mancher Lkw , der mit Holz von dem abgeholzten Wald rund um Curanilahue beladen waren. Ich mu�te bremsen oder die Lkws �berholen, auf jeden Fall mu�te ich zeitweise die guten Auspuffgase einatmen und bekam den von den Lkws aufgewirbelten Staub und Dreck in die Augen. Als wir nach 14 Kilometern endlich in Lota waren, machten wir eine kleine Rast in einer Snackbar mit Selbstbedienung und a�en Hamburger. Zu jeweils zwei Hamburgern gab es ein Bier gratis und als wir weiterfuhren war ich leicht angetrunken. Wir fuhren durch eine Art Vorstadtslum auf der Suche nach dem Busterminal, aber uns wurde erz�hlt, da� die gro�en Busse nur im Nachbarort Coronel hielten; hier w�rde sie nur oben an der Hauptstra�e vorbeifahren. Um nach Coronel zu kommen, mu�ten wir ein St�ck Autobahn fahren und das ist besonders lustig, wenn man einen leicht vernebelten Blick hat. Kurz vor Erreichen des Ortsrandes �berholte und dann �brigens trotzdem ein Bus, der wohl gerade vom Dorfplatz kam...
Als wir in Coronel ankamen gab es zwar viele Menschen, viele Kleinbussen, einen langen Stau aufgrund einer Beerdigung, aber kein Busterminal. Wir organisierten schlie�lich einen Minibus, dessen Schaffner aus voller Lunge "Conce, Conce!" schrie, der mich mitnehmen wollte, obwohl es eigentlich keinen Platz f�r Fahrr�der gab. Der Schaffner kn�rte mein voll bepacktes Fahrrad einfach in den Gang, so da� 6 Fahrg�ste in ihren Sitzen gefangen waren. Dann rannte der Schaffner, w�hrend der Bus nur langsam im Stau vorw�rts kam, auf der Stra�e herum und schrie immer wieder "Conce, Conce!" und wollte weitere Fahrg�ste f�r seinen halbleeren Bus finden. Als wir endlich aus der Stadt heraus waren, hielt der Bus auf freier Strecke neben auf der Stra�e laufender Passanten und fragte sie, ob sie nicht vielleicht nach Concepci�n mitfahren wollten. Der Fahrstil des Busfahrers war un�bertrefflich, so fuhr er grunds�tzlich nur mit Vollgas, auch in den Kurven, so da� ich mein Fahrrad fest umklammern mu�te, das es nicht herumschleuderte und auf die Leute fiel, und er bremste grunds�tzlich nur, wenn eine Vollbremsung m�glich war.
Als wir endlich am Terminal de Busses in Concepcion angekommen waren, mu�te ich mit Hilfe der Karte den Weg zur Innenstadt finden, weil ich mich am Plaza de Armas mit Micha treffen wollte. Dazu mu�te ich quer durch die Stadt radeln und das in der abendlichen Rush-hour. In der Fu�g�ngerzone sprach mich ein Tourist an und fragte woher ich komme. Er kam auch aus Deutschland und wir unterhielten uns ein bi�chen, er konnte mir aber nicht sagen, wo der Plaza de Armas war. Wir standen aber direkt davor, wie ich sp�ter herausstellte. Nachdem ich Micha gefunden hatte, gingen wir auf die lange Suche nach einer Unterkunft. Die Stadt war nicht sehr billig, aber wir fanden ein sauberes Zimmer im Hostal Casablanca, Fr�hst�ck inklusive.
Concepcion, 09.05.1995
Weil Concepcion die zweitgr��te Stadt Chiles war, dachten wir das es hier Sprachschulen f�r Ausl�nder geben m��te. Wir planten eigentlich l�nger in Concepcion zu bleiben und ein paar Tage Sprachunterricht zu nehmen, so da� ich mich ein bi�chen besser verst�ndlich machen konnte. Nach einem �ppigen Fr�hst�ck gingen wir in die Stadt, zun�chst einmal zur Touristeninformation. Die konnte uns jedoch keine Auskunft geben, sei es �ber preisg�nstige Hospedajen oder �ber Sprachkurse. Sie kannte nur ein "Instituto Britanico", dessen Adresse sie jedoch nicht wu�te.
Wir liefen die Stadt auf eigene Faust ab, bis zum Abend und fanden nichts von dem, was wir suchten. Wir fanden ein gro�es Stadion, eine Kaserne, viele Hochh�user, den Terminal de Busses, ein Hotel ohne Namen, das aber wahrscheinlich doch mehr ein Stundenhotel war. Ich war richtig fertig von dem Suchen und fror, als wir zur�ck ins Hotel kamen. Ich freute mich auf eine hei�e Dusche, aber irgendwie funktionierte das warme Wasser nicht und ich bekam erst mal eine Fuhre Eiswasser ab. Mit H�nden und F��en machte ich der Dame des Hauses klar, da� das Wasser eisig ist (trotz meines geringen schauspielerischen Geschicks verstand sie es), aber es dauerte noch mindestens eine Stunde, bis das Wasser warm aus der Dusche kam.
Tom�, 10.05.1995
Ich war am n�chsten Morgen gut gelaunt und freute mich darauf, endlich weiterzufahren, denn in Concepcion gab es nichts von Interesse. Mittlerweile schmerzte mein R�cken auch nicht mehr und ich konnte meinen Kopf auch wieder richtig bewegen. Wir fr�hst�ckten und machten Scherze �ber dumme deutsche Werbespr�che. Wir brachen vor Lachen fast zusammen, als wir dann noch etwas Marmelade nachbestellten. "Un momentito, por favor". Mit unglaublicher Gesch�ftigkeit st�rmte das Zimmerm�dchen, die Besitzerin und die Tochter hinter die Bedienungstheke und es sah so aus, als ob das alles wegen der Marmelade unternommen werden w�rde. Micha meinte, sie m��ten diesbez�glich wohl unsere weitere Kreditf�higkeit pr�fen.
Bevor wir aufbrachen besorgten wir in der Stadt eine neue, aber stabile Luftmatratze f�r mich, eine Schirmm�tze, denn ich hatte meine irgendwo auf der Schlammpiste bei Tiru� verloren, und den TURISTEL f�r Santiago und Umgebung. Ich wollte den Bus nach Tom� nehmen und wir fuhren die 5 Kilometer bis zum Terminal de Busses durch dichten Stra�enverkehr. Dort fuhren aber keine Busse zu den n�heren St�dten, man mu�te sich an ein Autobahnkreuz stellen, so wie alle anderen Chilenen auch, und einen Bus anhalten, der an das gew�nschte Ziel fuhr. Ein ganz kleiner Minibus nahm mich schlie�lich mit und befestigte mein Fahrrad oben auf dem Dach. Der Busfahrer fuhr ausnahmsweise wie ein vern�nftigter Mensch, was mir inzwischen ziemlich eigenartig vorkam. Keine Vollbremsungen, keine �bertriebenen Kurven, keine gewagten �berholman�ver, was war hier falsch? Der Fahrer mu�te Ausl�nder sein. In Tom� lie� man mich am Plaza raus und wuchtete das Fahrrad vorsichtig vom Bus herunter. Ich setzte mich auf eine Parkbank und wartete auf Micha. Alles war ruhig, bis er schlie�lich auftauchte. Es brach ein kleiner Tumult aus, drei l�stige Schnorrer wollten �berhaupt keine Ruhe mehr geben und drohten sogar mit ihren Wasserbomben zu werfen, falls wir ihnen nichts gaben. Micha stellte klar, da� er schneller rennen k�nnte, wenn sich einer wagen sollte, eine Wasserbombe zu werfen oder unsere Fahrr�der anfa�ten. Genervt gingen wir schlie�lich los, um uns eine Unterkunft zu suchen, irrten aber ungef�hr eine Stunde durch das kleine Dorf. Schlie�lich wollten wir zum Hotel Roxy, als wir das Schild "Hospedaje" sahen, was eine preiswerte �bernachtungsm�glichkeit versprach. Micha fragte aber erst mal im Hotel, wie dort so die Preislage war, als mich pl�tzlich ein junger Chilene ansprach, als ich auf die Fahrr�der aufpa�te. Es stellte sich heraus, das er der Freund des Hospedaje-Besitzers war und er sprach recht gutes englisch und ich handelte gleich mal den Preis f�r die �bernachtung aus. Die Hospadaje war ein richtiges Steinhaus, da� aussah wie ein Schl��chen mit bunten Kirchenfenstern. Wir hatten zuerst gedacht, es handelte sich um das Rathaus oder so was �hnliches. Der junge Chilene f�hrte uns hinein, holte seinen Freund, ein Halbstarker, der irgendwie auf Aristokrat machte und einen wei�en, langen Seidenschal um seinen Hals gewickelt hatte. Die beiden halfen uns, unsere Taschen in das G�stehaus zu schleppen und erkl�rten uns, wie die Dusche funktionierte. Es handelte sich mal wieder um eine dieser dubiosen Elektro- Duschen, diesmal aber in einem besseren Zustand als bei der armen Familie in Panquipulli.
Wir waren noch mal durch's Dorf gelaufen, um einzukaufen und essen zu gehen, aber als wir zur�ckkamen, war die T�r zum G�stehaus zugeschlossen, so da� wir nicht in unser Zimmer kamen. Pl�tzlich tauchte wieder der Freund des Besitzers auf, trommelte an die Haust�r und machte L�rm mit der Hupe des Autos, das im Hof abgestellt war. Wir glaubten, er versuchte, den Schl�ssel f�r uns zu organisieren. Der junge Besitzer mit dem l�ssig �bergeworfenen Schal lie� uns ins Schl��chen eintreten, eine alte Dame mit feiner Kleidung m�hte sich mit einem Stock eine Wendeltreppe hinab und gab uns beiden die Hand und verschwand in einem Raum. Die beiden jungen Chilenen f�hrten uns durch dunkle, verwinkelte G�nge in ein eingenartiges B�ro, das voll mit verstaubten B�chern gestapelt war und am Fenster hing ein ausgegilbter Stoffetzen, der vor 30 Jahren schon bessere Zeiten als Gardine gesehen haben mu�te. Hier standen wir nun ein bi�chen steif herum, weil wir �berhaupt nicht wu�ten, was jetzt abging. Um die Atmosph�re ein wenig aufzulockern, zeigte uns der junge Schaltr�ger B�cher, die von Deutschen Verfassern geschrieben waren, las uns die Namen vor und meinte "Aleman". Wir schauten sie ein wenig ratlos an, nickten und bl�tterten h�flichkeitshalber interessiert darin herum.
Pl�tzlich trat eine junge Frau mit einem grauen Nonnenkragen �ber ihrer Bluse und einem riesigen Holzkreuz um ihren Hals in den Raum, sch�ttelte uns die Hand, setzte sich �beraus wichtig an den mit B�chern vollgestapelten Schreibtisch und bat uns, auch Platz zu nehmen. So sa�en wir wie zwei kleine S�nder auf unseren St�hlen vor der eigenartig anmutenden Dame und fragten uns insgeheim das gleiche: "Wo sind wir blo� gelandet?". Waren wir in einem Kloster oder christlichen Verein, wurden wir jetzt �ber unsere Konfession befragt, mu�ten wir den kleinen Katechismus aufsagen oder die zehn Gebote, mu�ten wir beten oder gar Kirchenlieder singen? Das vorgezogene j�ngste Gericht? Die Szene war so absurd und ich versuchte mich krampfhaft an irgendwelche Verse aus Kindertagen zu erinnern, als sie �beraus wichtig in einem kleinen B�chlein bl�tterte, ohne ein Wort zu sagen und mir wurde Angst und Bange, zugeben zu m�ssen, das wir beide kirchenlos sind und dann mitten in der Nacht eine andere Herberge suchen zu m�ssen.
Als sie aber endlich das Schweigen brach, wollte sie nur unsere Pa�nummern, die Namen, den Beruf und das Geld f�r die �bernachtung im voraus. Die typischen chilenischen Formalit�ten. Au�erdem hatte sie immer so einen lustigen Gesichtsausdruck, wenn sie nachdenken mu�te. Nach dem Schrecken war ich froh, endlich ins Bett zu kommen.
Tom�, 11.05.1995
Ganz sch�n gruselig war es mir in der Nacht. Abgesehen davon, da� Micha st�ndig �ber meinen Schlaf wachte und unter einem fadenscheinigen Vorwand, wie, da� ich schnarchen w�rde, sich von hinten anschlich und mich knuffte und dann so tat, als ob ich das ganze nur getr�umt h�tte, nachdem er sich mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit wieder in sein Bett warf und ich nur noch das Knarren der Federn h�rte, zweifelte ich an meiner Wahrnehmungsf�higkeit. Ab und zu h�rte ich Schritte in den G�ngen, obwohl wir ganz allein im G�stehaus waren. Dann h�rte ich Schritte, die vom Dach zu kommen schienen, doch wer mag mitten in der Nacht oben auf dem Dach herumsteigen, fragte ich mich? Ich ging zur Toilette und traute mich kaum, �ber den dunklen Gang zur�ck ins Zimmer zu gehen, nachdem ich wieder einige eigenartige Ger�usche geh�rt hatte. Mir gingen allerlei Dinge durch den Kopf, ob die ganzen Geschichten �ber Geister und Spukschl�sser nicht doch wahr sein k�nnten. Aber irgendwann lag ich wieder friedlich schlafend in meinem Bett und Punkt 10:00 Uhr wurde das Fr�hst�ck aufs Zimmer gebracht.
Wir gingen sp�ter auf den Plaza, setzten uns auf eine Parkbank, lasen Zeitung, schrieben und sonnten uns so wie viele andere Bewohner dieser Stadt. Einer von ihnen war uns schon am Vortag aufgefallen: ein dickb�uchiger Mann um die drei�ig mit schmuddliger Kleidung und kaputten Reisverschlu� an der Hose. Gestern sa� er vor der Imbi�-Bude und freute sich �ber eine T�te mit Pommes, heute sa� er auch auf dem Plaza. St�ndig sch�pfte er Wasser vom Springbrunnen in eine Plastikt�te, schleppte diese dann zu einem Busch und leerte das Wasser dar�ber aus, um sich daran zu erfreuen, wie die Wassertropfen in die sich unter dem Strauch bildende Pf�tze fielen. Diese Handlung wiederholte er immer wieder, ohne m�de zu werden und immer wieder freute er sich und war richtig fr�hlich. Es schien eine �u�erst wichtige T�tigkeit f�r ihn zu sein, anscheinend tat er zwar immer das gleiche, aber er verwendete stets unterschiedliche Plastikt�ten, die in Farbe und Gr��e variierten.
Raffael, 12.05.1995
Es herrschte ein unangenehm frostiges Klima in dem Zimmer der Hospedaje, obwohl alle Fenster geschlossen waren. Trotzdem zog irgendwo kalte Luft hinein und erst gegen Morgen entdeckte ich, da� der Verschlu� des Fensters kaputt war und es deshalb einen Spalt offen stand. Die dicken Steinmauern strahlten zus�tzlichen noch K�lte ab und tags�ber w�rmte sich das Zimmer kaum auf, obwohl die Sonne recht warm schien. Deshalb hatte ich mir wohl auch diese Erk�ltung zugezogen und den Umstand, da� ich st�ndig meine Nase putzen mu�te.
Als wir mit unseren Fahrr�dern aus Tom� hinausfuhren, wurden wir st�ndig f�r Amerikaner gehalten. Ein kleiner Junge, um die 11, 12Jahre alt und sehr dick, schrie mir irgendetwas in einem Pseudo-amerikanisch hinterher, was sehr l�cherlich wirkte. Er verfolgte mich mit seiner nicht unbetr�chtlichen schwabbelnden Leibesf�lle ein St�ck und wollte mich einholen, dabei h�rte er nicht auf zu schreien. Ich war froh, die kleine Nervens�ge endlich abgeh�ngt zu haben, vor allem, weil es sehr steil bergauf ging und es w�re nicht auszudenken, wenn er stundenlang neben mir her traben w�rde.
F�r Micha begann der "Pannentag", wie er ihn nannte, denn gleich bei der ersten Steigung ri� ihm der Schaltungszug und w�hrend er ihn reparierte, konnte ich satte 5 Kilometer Vorsprung gewinnen - die meiste Zeit bergauf schiebend. Die Strecke war steil und kurvig, f�hrte durch dichten Tannenwald und die Luft war sehr hei�, am Horziont konnte man die schneebedeckten Gipfel der Anden erkennen
Ich schob sehr oft an diesem Tag und nach ca 12 Kilometern ununterbrochen bergauf ging es auch endlich mal wieder bergab - mit einer sch�nen Geschwindigkeit, die das Fahren auf der kurvigen, wenigbefahrenen Strecke zum Genu� werden lie�. Wir fuhren bis nach Raffael, einem verschlafenen kleinen Kaff mit Schotterpiste - auf der Micha ein kleines Teil an seinem Fahrrad abbrach, da� die vorderen Gep�cktaschen hielt. In dem kleinen Ort mu�ten wir nun einen Schlosser finden, der auch noch ein Schwei�ger�t besa�, was nicht selbstverst�ndlich ist und so fragten wir uns durch. Der Schlosser, der Michas Fahrrad reparierte, wollte noch nicht mal Geld f�r seine Arbeit haben. Wir fuhren noch ein St�ckchen aus Raffael heraus und suchten uns im Wald einen netten Platz zum Zelten, der von unz�hligen Pilzen umwachsen war. Die Pilze sahen aus wie unsere einheimischen Maronen, sie rochen sehr gut, aber irgendwie hatten wir sehr gro�e Bedenken, ein Pilzgericht daraus zu kochen und lie�en lieber die H�nde davon. Wer wei� schon, die die e�baren Pilze S�damerikas aussahen? Stattdessen brutzelten wir uns Pfannkuchen mit Pflaumenmarmelade und lie�en uns satt und zufrieden vom Mond bescheinen, es war eine sch�ne Nacht, nicht zu kalt und sehr ruhig. Vor allem die neue Luftmatratze leistete gute Dienste, auch wenn ich die optimale F�llmenge noch nicht herausgefunden hatte und w�hrend der Nacht entweder noch ein wenig Luft hineinblies oder ablie�. Gegen Morgen hatte es mich doch ein wenig gefr�stelt und in meinem unruhigen Schlaf tr�umte ich da� ich frischgeduscht und nur mit einem Handtuch um den Schultern durch das gute alte Schweinfurt lief. Komisch, ich hatte doch gar nichts von den Pilzen gegessen...
Quirihue, 13.05.1995
Man merkte kaum, da� die Uhr bereits 9:30 Uhr zeigte, als wir aufwachten, weil es so duster in dem Wald war. Der Himmel war jedoch tiefblau und die Sonne schien durch das Dickicht auf unser Zelt. Zum Fr�hst�ck gab es Spiegeleier und Kaffee und Micha warf gen��lich gro�e Tannenzapfen an die B�ume und freute sich, wenn er sie so schnell warf, da� sie zischten und sie nach dem Aufprall wieder zur�ckgeflogen kamen. Eine andere Variante seines Fr�hsports bestand darin, morsche �ste gegen Baumst�mme zu schleudern und dar�ber entz�ckt zu sein, wenn ein Teil des Astes abbrach und wie ein Gescho� wegflog.
Die Fahrt Richtung Quirihue ging zun�chst bergab, dann wurde die Stra�e flach, dann ging es nat�rlich wieder bergauf, dann wieder flach nach Coelemu, einer netten Stadt in der Flu�ebene des Flu�es Itata, mit sehr viel Flair und s�dlichem Temperament so um die Mittagszeit, als wir dort p�nktlich zur Siesta ankamen. Der Plaza war wie ausgestorben und wir lie�en die ruhige Atmosph�re auf uns wirken, ganz ohne l�rmende Schulkinder oder nervende Schnorrer. In einer kleinen Bar a�en wir zu Mittag und guckten Zeichentrickfilme, die vom obligatorischen Fernsehger�t auf uns hinabflimmerten. Um 14:00 Uhr ging es weiter, wir �berquerten den Rio Itata, einen enorm breiten Flu� mit vielen Sandb�nken zwischendurch. Dann ging es nat�rlich wieder bergauf, klar, wenn die Stra�e vorher stundenlang in der K�stenkordielliere bergab f�hrte. Mir wurde es schwindlig und ich mu�te schieben - Micha half mir liebensw�rdigerweise dabei und irgendwann kam ein netter LKW- Fahrer auf die Idee, mich mitzunehmen. Klar doch. Er war sehr nett und wollte sich unbedingt mit mir unterhalten - und mit H�nden und F��en gab ich ihn zu verstehen, da� ich von Puerto Montt bis nach Arica mit dem Fahrad unterwegs sein werde und er war sehr erstaunt. 15 Kilometer weiter lie� er mich dann in Quirihue am Plaza de Armas raus. Quirihue stellte sich als ein verstaubtes Dorf mit vielen Cowboys dar. Micha hatte unterwegs eine T�te voller Weintrauben geklaut, die k�stlich schmeckten. Wir waren bis jetzt n�mlich durch das bekannte chilenische Weinanbaugebiet gefahren, die Stra�en waren von Weinstauden einges�umt, die auf flachen Boden wuchsen, nicht wie bei uns an H�ngen. Wir schienen jetzt aber in eine andere Klimazone zu kommen - dieser Landstrich erscheint im Gegensatz zum Waldgebiet bei Raffael extrem trocken und Qurihue kommt mir vor wie ein windiges W�stenkaff. Die Leute sind hier aber sehr nett und offen. W�hrend ich auf Micha wartete, setzte sich eine Frau zu mir und wollte sich mit mir unterhalten. Als sie merkte, da� ich kein spansich spreche, rief sie ihren Mann herbei, der englisch dolmetschen mu�te.
Cauquenes, 14.05.1995
Der Tag begann, wie er am Abend geendet hatte: auf gleichm��ig gro�en Kieselsteinen, die knietief aufgesch�ttet waren. Die Sonne stach nach der k�hlen, fast taghellen Nacht hei� vom Himmel. Des Nachts war Nebel aufgezogen und irgendwelche Tiere krabbelten und knabberten vor unserem Zelt herum, Ratten oder V�gel, keine Ahnung, es war aber sehr gruselig. Unser TURISTEL gab uns die Auskunft, da� die Stra�e geschottert wurde, weil sie als Abk�rzung f�r die Panamericana geplant war und in K�rze asphaltiert werden w�rde - nur ist die Zeitspanne "in K�rze" in Chile ein sehr dehnbarer Begriff.
Die Landschaft wurde immer trockener und staubiger, die Flu�betten waren ausgetrocknet und versandet und auch die Vegetation wurde immer karger. Irgendwann kamen wir an einer sehr lauten und sehr skurrilen Fabrik vorbei, die schon von weitem wie aus einer anderen Welt zu stammen schien. BELSACO - die Steinfabrik. Hier wurde Schotter in all den Gr��en hergestellt, die mir auch bis jetzt auf meiner Reise begegenet waren: Felsbrocken, grober Fels, gro�er Kies, feiner Kies, Steinchen, grober Sand, feiner Sand alles, was ich als Stra�enbelag noch mehr ha�te als Schlamm. Gro�e Felsbrocken wurden frisch vom Berg "geerntet", gesammelt und anschlie�end je nach gew�nschtem Endzustand auf diversen F�rderb�ndern durch die verschiendensten Steinm�hlen gejagt. Danach wurde das Endprodukt auf Lkw's geladen, die den Schotter dann auf Chiles Stra�en verteilten.
Nachdem ich mich mit Micha am Plaza getroffen hatte, nahmen wir uns ein Zimmer mit eigener Dusche und Fernsehen im "Casona de Hospedaje". Abends a�en wir wieder im Club Social, diesmal stellte es sich als ein preisg�nstiges Feinschmecker- Restaurant heraus, jedoch wurde mein Genu� von einem pl�tzlichen und b�sartigen Durchfall gest�rt, so da� ich auf der Suche nach einer Toilette am verst�ndnislos dreinschauenden Kellner vorbeizischte und er mir den Weg hinterher rief, wof�r ich sehr dankbar war. Die vermeintliche Chilenitis war aber nach ein paar Stunden b�sen Magendr�ckens wieder verschwunden.
Las Campa�as, 15.051995
Nachdem wir die Hospedaje in bar bezahlen mu�ten, hatten wir kein Bargeld mehr, es gab auch keine Geldwechselstube in Cauquenes und die ans�ssigen Banken wechselten erst ab 500 $ aufw�rts. Es blieb uns nichts anderes �brig, als einen Supermarkt zu finden, der Kreditkarten annahm. In dem Supermarkt waren 4 Frauen besch�ftigt, die alle zusammen jeweils einen Kunden abkassierten: eine las den Preis vom Produkt ab, die zweite tippte den Preis in die Kasse, die dritte Frau packte die Waren in T�ten und die Vierte �berpr�fte alles auf Ordnungsm��igkeit. Aber alle vier Kassierinnen zusammen waren nicht in der Lage, Michas Kreditkartennummer in einem Kreditkartennummernverzeichnis zu finden. Sie wollten daraufhin Michas Karte nicht annehmen; ich hatte unterdessen jedoch schon alles in die Gep�cktaschen verstaut und wartete ungeduldig darauf, da� Micha endlich aus dem Supermarkt herauskam. Nur weil es ihnen als zu gro�en Umstand erschien, die Sachen wieder auspacken zu lassen, holten sie ihren Chef, der dann zun�chst auch vergeblich in dem Buch suchte jedoch auf die Idee kam, bei der Kreditkartengesellschaft anzurufen.
Die Strecke nach Talca war sehr angenehm zu fahren, geteert und kaum Verkehr, mit breitem Seitensteifen und uriger Wildwest- Landschaft rund herum. Rechts am Horizont erkannte man die schneebedeckten 3000er Andengipfel. Auch die Busse erinnerten an den Wilden Westen, sie hie�en hier n�mlich "Bonanza" und immer, wenn uns einer dieser Busse �berholte, tr�llerten wir die Bonanza-Melodie vor uns hin. Die Landschaft verwandelte sich in eine Art Savanne, es gab nur noch vereinzelt niedrige B�sche, dornige B�umchen und ausged�rrten Boden und es h�tte mich nicht weiter gewundert, wenn pl�tzlich ein Rudel L�wen aufgetaucht w�re. Cowboys mit Lassos ritten aus den riesigen Ranchen und - wie schon so oft - �nderte sich das Landschaftsbild nach einem leichten Anstieg �ber einen Berg radikal: �berall Weinfelder, wohin man auch sah, es sah pl�tzlich aus wie in der Toskana. Langsam war es an der Zeit, sich einen Platz zum �bernachten zu suchen, denn die Sonne ging bereits unter. Aber jede kleine Wiese war eingez�unt und die Leute, die wir fragten, trauten sich nicht uns zelten zu lassen, weil sie glaubten, der Besitzer, also ihr Br�tchengeber, k�nnte etwas dagegen haben. Die Sonne war bereits untergegangen und es war sehr kalt, als wir noch einen Berg bis hinab ins Tal fahren mu�ten. Der Fahrtwind war eisig und zum Schlu� waren meine H�nde so kalt, da� ich sie kaum mehr f�hlte, mein ganzer K�rper war ausgek�hlt. Aber wir hatten immer noch keine Wiese zum Zelten gefunden, es war schon dunkle Nacht. Also schlugen wir unser Zelt einfach bei einer Nebenstra�e unter der Br�cke eines ausgetrockneten Flusses auf. Vergeblich versuchte ich mich aufzuw�rmen, die hei�en Wiener W�rstchen w�rmten nur wenig von innen und fr�stelnd und mit laufender Nase legte ich mich in meinen Schlafsack.
Talca, 16.05.1995
Der heute Tag war sch�n, obwohl wir beim Erwachen mit bedrohlich dunklen Wolken begr��t wurden. Aber es klarte schon bald auf, die Sonne brach durch die Wolken, aber der starke Wind, der im Laufe der Nacht aufgefrischt war, lie� mich ein wenig auf dem Fahrrad fr�steln. Ich konnte dem Wind auch etwas gutes abgewinnen, denn er blies von hinten und unterst�tzte mich beim Fahren. Wir kamen kurz vor der Panamericana durch einen Weinort mit dem Namen San Javier, der f�r jeden Fahrradfahrer ein Paradies in Chile war: der Weg f�hrte f�r uns auf einem einwandfrei geteerten 2-3 spurigen Fahrradweg durch den Ort. Auch die einheimischen Fahrradfahrer waren sehr freundlich und gr��ten uns gutgelaunt zur�ck.
Talca, 17.05.1995
Micha wachte mit b�sartigen Kopfschmerzen auf, ich mit einer bleiernden M�digkeit in den Knochen und beide hatten wir eine st�ndig laufende Nase. Schniefend schleppten wir uns dann zum Plaza de Armas, um uns dort auf einer Parkbank in die Sonne zu setzen, um uns zu w�rmen. Au�erdem hoffte ich, da� mich die Sonne schnell von meiner Erk�ltung heilen w�rde, das tat sie aber nicht. Die Sonne brannte auf uns herunter und meine Nase lief wie verr�ckt und wir verbrauchten eine ganze Rolle Klopapier. Zwei Zigeunerinnen setzten sich zu uns und wollten Geld von uns. Wir hielten unsere Sachen fest und erz�hlten ihnen, da� wir arbeitslos w�ren, keine Wohnung h�tten und �berhaupt nicht von hier k�men. Ohne zu z�gern standen die beiden auf und gingen weiter. Langsam bekamen wir Hunger und wir schleppten uns in die n�chste Cafeteria, wo wir ohne gro�en Appetit Hamburger und Sandwiches a�en. Da die Cafeteria "Madrid" hie�, bekamen wir nach Spanierart "Tapas" zu unserem Bier. Besonders empfehlenswert ist dieses Lokal auch, weil ich hier zum ersten mal eine Toilette fand, die sauber und gepflegt war, au�erdem eine abschlie�bare T�re hatte und Klopapier. Auch das benutzte Toilettenpapier wurde nicht f�r alle einsehbar �ffentlich ausgestellt, sondern es wurde heruntergesp�lt. Diese Stadt besa� wirklich sehr viel europ�isches Flair, sie wirkte spanisch mit den dekorativen Stra�enlaternen, den langen Avenidas, den vielen hohen, wei�en T�rmchen.
Besonders eigenartig fand ich an dieser Stadt, da� man Nahrungsmittel und Gegenst�nde nur in bestimmten Blocks einkaufen konnte. Wenn man etwas bestimmtes brauchte, mu�te man genau wissen, wo was verkauft wird. So gab es eine Stra�e, in der es ausschlie�lich Fotogesch�fte gab, eine Stra�e war mit Schuhgesch�ften vollgestopft, dann sind wieder alle Banken und Versicherungen auf einem Haufen, gleich um die n�chste Ecke begann das Automobilviertel, dann das Viertel mit den Fahrr�dern und ein anderes, in dem es nur Eisenwaren gab. Alle Cafes dr�ngen sich um einen Platz herum und auch die Superm�rkte sind allesamt in einem Hauserblock angesiedelt. Am Abend voher hatten wir n�mlich mindestens eine Stunde lang nach einem Gem�seh�ndler gesucht und sind dabei auf das Supermarktviertel gesto�en, in dem wir uns mit diesen Unmengen von Lebensmitteln eingedeckt hatten.
An unserem ersten Krankheitstag sind wir auch in das Fotoladenviertel gegangen und holten unsere Bilder ab, die wir am Vortag zum Entwickeln gebracht hatten. So schlecht, wie ich dachte, waren sie nicht geworden. Nur erweckten fast alle den Eindruck, da� die Reise ein einziger Spa� gewesen sei mu�...
Talca, 18.05.1995
Als ich heute morgen um 8:05 von Micha aus meinen Tr�umen gerissen wurde, dachte ich eigentlich, da� das nur ein Scherz sein konnte, doch es war keiner. Obwohl ich unter einer schlimmen Erk�ltung litte, war Micha fest entschlossen heute weiterzufahren. Er plante, 110 km auf der Panamericana bis nach San Fernando zur�ckzulegen. Ich f�hlte mich so elend, da� mir selbst die Reise mit dem Bus als zu anstrengend erschien, denn die Erk�ltung steckte mir tief in den Glieder, so das ich am liebsten den ganzen Tag geschlafen h�tte.
Auf der Fahrt nach San Fernando dr�ckte ich mir meine st�ndig laufende Nase an der Scheibe platt, um nicht zu verpassen, wenn der Bus an Micha vorbeidonnerte. Leider mu�te ich so oft niesen und mir die Nase putzen, da� ich ihn nicht gesehen hatte. Der Bus fuhr nicht nach San Fernando, sondern hielt auf dem Seitenstreifen der Panamericana, um mich aussteigen zu lassen. Also mu�te ich in meinem halbtoten Zustand mit Fieber in einer h�llischen Hitze ca. 3 km nach San Fernando mit dem Fahrrad fahren. Auf dem Plaza angekommen, setzte ich mich ersch�pft auf eine Parkbank in den Schatten und unterhielt mich mit einer sehr netten Frau namens Maria Judith, leider auf spanisch. Mittlerweile konnte ich mich schon ein wenig verst�ndlich machen und sie gab mir die Adresse einer Pension, die von einer Bekannten von ihr gef�hrt wird und empfahl mir f�r die weitere Reiseroute die "Ruta de las frutas", die Stra�e der Fr�chte, die ich unbedingt fahren sollte, um nach Valpara�so zu gelangen.
Ich mu�te fast eine ganze Stunde auf Micha warten, der Probleme hatte, mich zu finden, weil es drei Plazas in San Fernando gab. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund wollte uns die von Maria Judith empfohlene Pension nach l�ngerem Frage- und Antwortspiel nicht aufnehmen, wir fanden jedoch ein nettes Hotel im Stile der 50iger Jahre, da� sehr preisg�nstig war und ein cooles Badezimmer hatte: ganz in schwarz. Das Zimmer war sonnenbeschienenen und angenehm warm und w�hrend ich halbtot und jammernd mit Sch�ttelfrost im Bett lag, eilte Micha in die Apotheke und holte mir etwas gegen Grippe. Der Apotheker kannte uns schon, weil wir auf der Suche nach einem Hotel ein paar Mal an seinem Gesch�ft vorgekommen waren und meinte belustigt, da� es ja kein Wunder sei, da� wir uns erk�lten, wenn wir immer mit dem Fahrrad in der Gegend rumfahren, jetzt im Winter. Er gab uns Tabletten ohne Verpackung und Beipackzettel mit der genauen Anweisen, wann ich wieviel davon nehmen sollte. Die Tabletten waren so stark, da� ich mich zwar nach kurzer Zeit viel wohler f�hlte, daf�r aber entsetzlich m�de wurde.
San Fernando, 19.05.1995
Die Nacht hatte ich sehr unruhig verbracht. Trotz der Tabletten wachte ich st�ndig schwei�gebadet auf und habe fast 2 Liter Limonade getrunken. Am Morgen bereitete ich das Fr�hst�ck im Hotel: Mit dem Gaskocher auf dem Tisch kochte ich Eier, schmierte Brote und ich f�hlte mich ein wenig besser als am Tag zuvor.
Gegen drei Uhr am Nachmittag gingen wir in die Stadt und kauften uns eine chilenische Tageszeitung, den "El Mercurio", weil auf der Titelseite unser Kanzler Kohl prangerte und wir wissen wollten, was daheim so wichtiges los sei, da� er am anderen Ende der Welt Schlagzeilen machte. Wir waren �berrascht, wieviele Artikel sich mit Deutschland besch�ftigten: da war etwas �ber den Au�enminister Kinkel zu lesen, �ber den Proze� von Opel gegen Volkswagen und eine Geschichte �ber Ignacio Lopez. Au�erdem war zu lesen, da� ein deutscher Bergsteiger in den Anden erfroren sei.
In richtiger Urlaubsstimmung wollten wir abends ausgehen. Wir suchten uns eine nette Kneipe, um ein Bier zu trinken. Dann versuchten wir ein chilenisches Chinarestaurant, in dem das Essen mehr chilenisch als chinesisch anmutete. Das Bier war billig, so da� wir nachts gut gelaunt unserem Hotel entgegenschwankten.
San Fernando, 20.05.1995
Am Morgen wachte ich mit dicken Kopf und verstopfter Nase, Sch�ttelfrost und sehr m�de auf. Meine Erk�ltung war zur�ckgekommen und das gab nat�rlich Verstimmung bei Micha, weil er sich langweite und weiterfahren wollte und er war schrecklich entt�uscht, da� ich mich noch weiter auskurieren wollte. Zwar hatte er mir am Vorabend versprochen, wir k�nnten ohne weiteres einen weiteren Tag im Hotel bleiben, wenn es mir noch schlecht gehen w�rde, aber dann war er doch beleidigt.
Schmollend ist er am sp�ten Nachmittag mit mir spazieren gegangen. Wir stapften mitten durch den Flu� 'Tiguirrica', der vollkommen ausgetrocknet war. Dort entlang des Flusses wohnten die armen Leute, ein richtiger Slum aus Holzverschl�gen. Die Feriensiedlung nebenan hatte sich vor lauter Angst in meterhohen Betonmauern verschanzt.
Von unserem Hotelzimmer wurden wir Zeugen eines Umzugs anl��lich eines chilenischen Feiertags am 21. Mai. Es kam mir vor, als ob s�mtliche Soldaten des Staates aufmarschierten, da gab es Bergsoldaten mit wei�er Uniform und Skibrettern, Soldaten mit Schneeschuhen, Politessen, Bergminenpolizei, Feuerwehrm�nner, berittene Polizei, alles defilierten in Formation an unserem Zimmer vorbei.
Abends ernteten wir b�se Blicke von der Wirtin eines Restaurants, weil wir nicht zur chilenischen Essenszeit (zwischen 21:00, 22:00 Uhr), sondern schon um sieben Uhr erschienen waren. Vielleicht hatte sie ja auch nur Migr�ne.
El Manzano, 21.05.1995
Als ich aufwachte, f�hlte ich mich richtig frisch und ausgeruht, kein Vergleich zum Vortag. Ich machte mich sofort daran, zu packen und mich anzuziehen, so da� wir sehr fr�h loskamen. Die Strecke f�hrte ca. 2 km �ber die Panamericana, wo gerade ein Trupp amerikanischer Touris �ber eine Betonmauer geklettert kam. Wir mu�ten irgendwann links in eine Landstra�e einbiegen und dabei die ganze Panamericana in ihrer Breite �berqueren. Micha war schon auf der anderen Seite und radelte weiter, als ich vorsichtig wartete, bis die Fahrbahn frei wurde. Ein St�ck neben mir �berquerte ein Hund die Fahrbahn, der sich dann pl�tzlich in einem Seil verfangen hatte, sich aber von selbst davon befreien konnte. Abgelenkt setzte er seinen Weg fort und trotz meines Rufens, rannte er in einen LKW, der ihn mit sich ri�. Er wurde durch die Luft geschleudert und flog in den Stra�engraben, man h�rte nur einen kurzen Schrei. Der LKW h�tte ohne weiteres ein St�ckchen ausweichen k�nnen, es waren nur ein paar Zentimeter und der arme Hund w�re mit seinem Leben davongekommen. Geschockt �berquerte ich die Panamericana und mir liefen Tr�nen vor Mitleid und Wut �ber das Gesicht. Manchmal ist das Leben unfair.
Nachdem ich mich von dem Schock erholt hatte, ging die Fahrt auf der angenehm flachen "Ruta de las Frutas" weiter. Die Strecke f�hrte leicht bergab und war mit dem zus�tzlichen R�ckenwind sehr gut zu fahren. Landschaftlich wurde man durch den Blick auf die schneebedeckten Anden und die hohe K�stenkordillieren verw�hnt. Die Stra�en war einges�umt von Obstb�umen aller Art, Zitronen- und Orangenb�ume, Apfel- und Birnb�ume, nicht zu vergessen die sehr dekorativen Tamarillob�ume. Wir entdeckten riesige Kakteenhaine, Kakteen von der Art, die normalerweise in der W�ste wachsen. Die Stra�e f�hrte mitten durch eine gro�e Fundo namens "Rosaria", deren Besitzer f�r seine Landarbeiter eine eigene Schule und Sportplatz zur Verf�gung stellte und am Stra�enrand wuchsen sehr alte und m�chtige Alleeb�ume.
Die Strecke war so gut zu fahren, da� ich fast ohne Anstrengung 80 Kilometer weit gekommen bin und h�tte nicht die hereinbrechende Nacht schon mit der tiefstehenden Sonne gedroht (die Sonne ging irgendwann zwischen 6 und 7 schlagartig unter), w�re ich bestimmt an die 100 Kilometer weit gekommen. Langsam mu�ten wir uns einen Platz zum Zelten suchen, doch die ganze Stra�e war auf beiden Seiten vollkommen eingez�unt, so da� kein freies St�ck Wald oder Wiese zu finden war. Wir fragten eine B�uerin, die uns aber nicht auf ihrem Grundst�ck zelten lassen wollte. Ein junger Mann, der bei der B�uerin besch�ftigt war, wollte gerade mit dem Fahrrad nach Hause fahren und fragte uns, ob wir nicht bei ihm daheim vor dem Haus seiner Eltern zelten wollten. Weil es schon dunkel wurde, folgten wir ihm dankbar. Der Weg f�hrte rechts von der Hauptstra�e ab, wurde immer schmaler und endete in einem Trampelpfad.
Als wir endlich bei ihm zu Hause waren, blickten wir auf ein uriges Anwesen, auf dem zwei Lehmh�user standen und ein sehr eigenartiges Iglu, da� auch aus Lehm bestand. Sofort versammelte sich seine vielk�pfige Familie um uns, wir wurden warm und freundlich empfangen, die neugierigen Augen verfolgten jeder unserer Handgriffe. Sie bem�hten sich, den besten Standort f�r unser Zelt auf dem harten Lehmboden ausfindig zu machen. Als wir uns unter tausenden von Ratschl�gen f�r eine Stelle entschieden hatten, kamen sie sofort mit Schaufel und Besen angerannt, um die Pferde�pfel wegzuschaffen. Micha baute das Zelt auf und er kam sich vor wie bei einer Theaterauff�hrung. Wir setzten uns in da� Zelt, schlossen den Rei�verschlu� und atmeten erst mal tief durch. Ich wollte mich unbedingt umziehen und ein wenig frisch machen. Doch kaum sa�en wir ein paar Minuten im Zelt, da wurden wir durch eine Abordnung der Familie ans Feuer in einer der Lehmh�tten gebeten, um mit der Familie einen Kaffee zu trinken. Die eine H�tte diente als K�che, die nur aus drei W�nden bestand. Im Boden gab es eine Feuergrube, an der die Dame des Hause das Feuer sch�rte . Dort w�rmten sich auch zwei kleine K�tzchen und ein winziger Hund mit wei�em Fell und einem schwarzen Fleck am Auge, der kaum gr��er als eine Ratte war, so einer wie der von den kleinen Strolchen. Die andere Lehmh�tte diente als Schlafraum f�r die Familie. Wir sollten uns zun�chst auch ans Feuer setzten und einen Kaffee trinken. �ber dem Feuer brutzelte das Abendessen der Familie und wir wurden zu knusprig gebratenem Schweinefleisch, Wei�brot und Wein eingeladen. Es gab keinen Strom, das Licht stammte von der Feuerstelle und von einer Kerze auf dem Tisch. Der Familienvater war etwas betrunken und redete mit einem unverst�ndlichen Dialekt auf Micha ein, der verzweifelt versuchte, etwas zu verstehen. Wahrscheinlich waren die meisten Chilenen an diesem Tag mehr oder weniger betrunken, denn der 21.05. wurde von den stolzen Chilenen als so eine Art Nationalfeiertag gefeiert, an dem Tag, als sie im Krieg gegen Bolivien und Peru gewonnen hatten. �berall waren Chileflaggen gehi�t, sogar die Supermarktkette "Las Brisas" schm�ckte sich mit Flaggen. Micha wollte, da� ich mich mit ihm unterhalte, damit er nicht mehr mit dem betrunkenen Hausherrn reden m��te. Mittlerweile stellten an die 15 Leute Fragen aus der Dunkelheit heraus, nat�rlich alle durcheinander. M�de kapitulierten wir und gingen fr�h zu Bett, von der Familie mit der Kerze zu unserem Zelt geleitet.
San Pedro, 22.05.1995
Wir wurden von lauten Hahnengeschrei aus dem Schlaf gerissen. Die Nacht war kalt gewesen und es schien, als ob tausende von Hunden gebellt h�tten. Unter dem Chor der Hunde hatte ein besonders lautes Vieh hervorgegl�nzt, dem man am liebsten den Hals umgedreht h�tte. Selbst dran schuld, wenn man mitten in einem Wohngebiet zeltet. Als es zum d�mmern anfing, konnte man auch nicht mehr auf der Pferdekoppel auf die Toilette gehen, weil vor dem Zelt schon viele Leute unterwegs zur Arbeit waren.
Als wir aus dem Zelt krabbelten, wurden wir sofort in die K�che zum Fr�hst�ck eingeladen. Es waren nur noch der junge Mann mit dem Fahrrad, zwei Schwestern und seine Mutter da; der Rest der Familie war entweder in der Schule oder war arbeiten. Die Mutter kochte Kaffee �ber dem offenen Feuer und unterhielt sich mit uns. Die beiden M�dchen mu�ten erst nachmittags in die Schule gehen und genossen den freien Vormittag. Uns wurde erz�hlt, da� die Schulpflicht in Chile 9 Jahre dauert und das M�dchen, da� aussah wie 14 behauptete, in die 3. Klasse zu gehen, vorausgesetzt, wir hatten alles richtig verstanden. Die Mutter, die den ganzen Tag an der Feuerstelle zu sitzen schien, war auffallend intelligent. Sie sah sehr verbraucht aus, mager, abgearbeitet, obwohl sie noch nicht sehr alt war. Aus dem Radio mit Batteriebetrieb dudelte ein Verschnitt aus bayerischer Volksmusik und s�damerikanischen Salsa und ab und zu h�rte man ein paar Jodler. Wir bekamen Kaffee und Br�tchen mit Manjar und eine Avocado zum Fr�hst�ck.
Danach packten wir unsere Sachen und bauten das Zelt ab und wurden wieder mit peinlicher Aufmerksam von den beiden M�dels dabei beobachtet. Micha schenkte ihnen zum Abschied eine Orange und ein S�ckchen mit Piniones, die sie noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen hatten. Wir mu�ten ihnen erkl�ren, wie man sie zubereitet und i�t und es war seltsam, Chilenen etwas typisch chilenisches zu erkl�ren.
In San Pedro, einem mickrigen, kleinen Kaff, machten wir im Stadtpark unsere Mittagspause, sa�en schwitzend im Schatten und a�en Chips und K�sbr�tchen und beobachteten einen G�rtner bei seiner tagesf�llenden T�tigkeit, die darin bestand, auf einem klitzekleinen St�ckchen Wiese durchl�cherte Colaflaschen, in denen ein Schlauch steckte, auf der Wiese hin und her zu schieben. Wir wurden von einem Passanten gefragt, warum wir ausgerechnet im Winter eine Fahrradtour durch Chile machen, wenn es doch so eisig kalt ist, gerade mal 20, 25 Grad...
Wir kamen in eine Gegend, in der Frutillas - also Erdbeeren - wuchsen und verkauft wurden. Erdbeeren im Sp�therbst, das war auch f�r Chilenen etwas besonders. Sofort entschlossen wir uns, bei einem der G�rtner Erdbeeren zu kaufen. Man wollte uns gleich ein Kilo in einer riesigen, massiven Holzschachtel mitgeben und baten um kleinere Dimensionen. Also wurden wir in den Garten eingeladen, wo die Frau des G�rtners mit einem bunten Sommerkleidchen flei�ig Erdbeeren pfl�ckte und dabei zu bayrisch-chilenischer Musik pfiff. Wir a�en unser halbes Kilo Erdbeeren sofort auf und durften nicht weg gehen, ohne noch ein riesige Sch�ssel mit �pfelchen mitzunehmen, nat�rlich gratis. Anstandsweise mu�ten wir das Mehrgep�ck auf unseren Fahrr�dern mitnehmen, was uns angesichts des bevorstehenden steilen Berges recht unangenehm war, aber was soll man denn bei solch einer Gastfreundschaft anderes tun?
Cartagena, 23.05.1995
Was ich doch nur f�r ein Pech hatte! Am morgen schoben wir unsere Fahrr�der vorsichtig �ber die Wiese, damit wir nicht versehentlich mit den Reifen in eine Distel oder ein Dornengeb�sch gerieten und als ich fast schon auf der Stra�e war - pfffffffffff - da lag doch mitten auf der Wiese, unentdeckbar, ein einsamer Dorn, der nur auf meinen Reifen gewartet hatte und sich tief hineinbohrte. Der Dorn war mindestens 2 cm lang und als ich ihn herauszog, war mein Reifen in kurzer Zeit platt.
Aber bei Micha geht Reifenwechseln mittlerweile fast so schnell wie bei Schumi...
Es ging zun�chst wieder bergauf, aber dann ging es erfreulicherweise nur noch bergab bis San Antonio an der K�ste. Vor der Stadt setzten wir uns erst mal in ein schattiges Bush�uschen, um im TURISTEL nach den Hoteladressen zu suchen. W�hrenddessen wurde auf der gegen�berliegenden Stra�enseite ein Fahrradfahrer von einem Jeep von der Stra�e gekickt, und obwohl der Radler vom Fahrrad st�rzte, machte der Autofahrer trotz vieler Zeugen �berhaupt keine Anstalten, �berhaupt stehen zu bleiben. Es rollte er langsam an Fahrrad und Radfahrer vorbei, gab dann Gas und raste davon. Beeindruckt von den Sitten dieses Landstriches schoben wir unsere Fahrr�der in die Innenstadt. Die Innenstadt lag hoch oben auf einem. Dort in der Stadtmitte fanden wir auch die Hotels, die aber alle nicht in unserer Preisklasse lagen. Zwei M�nner, die in einem der Hotels residierten, gaben uns den Tip, in der n�chsten Ortschaft, Cartagena, nach einer Unterkunft zu suchen, weil es dort viel preisg�nstiger sei. Sie gaben uns auch noch den Ratschlag, besser hier zu Abend zu essen, weil es in Cartagena keine Restaurants g�be. Wir suchten uns eine nettes Restaurant, mit hauseigenem Auto- und Fahrrad-Wachdienst.
Nach der Reparatur fuhren wir weiter nach Cartagena und der Fischgestank wurde Meter um Meter schrecklicher. Kurz hinter San Antonio fanden wir die Ursache: eine Fischfabrik, die einen Gestank verbreitete, f�r die es keine Beschreibung gibt und der einem fast den Atem nahm. In Cartagena gab es mindestens 100 Recidenciales und wir nahmen das erste hinter dem Plaza f�r 20.- Mark die Nacht. Irgendwo stand, da� f�r das warme Wasser zwei Mark extra zahlen sollten und das man schon um 8.00 Uhr am n�chsten Morgen das Zimmer zu r�umen h�tte; der Konsum von alkoholischen Getr�nken und das Zubereiten von Speisen w�re auch verboten, drohte dieser Anschlag in unserem Zimmer. Nach einer kalten Dusche kauften wir Bier und Cornflakes und waren fest entschlossen, unser Zeitlimit erheblich zu �berschreiten, ohne extra zu bezahlen.
Algarrobo/Casablanca, 24.05.1995
Ich wachte mit �blen Kopfschmerzen und schmerzenden Augen auf, so da� ich als allererstes zwei Aspirin nehmen mu�te. Wir fr�hst�ckten Cornflakes mit Schokoladenmilch und Durazno-Joghurt, packten gem�chlich alles zusammen und waren bereits um 10:45 Uhr fertig zum gehen. Die Dame des Hauses sagte aber �berhaupt nichts wegen der Uhrzeit.
An einer Tankstelle, an der wir Benzin f�r Michas Kocher kaufen, fand ich in einem Karton neben dem M�ll einen ganzen Wurf schwarzer Welpen, die ausgesetzt geworden waren. Die Kleinen zitterten und jaulten und ich wu�te nicht, was ich machen sollte. Mitnehmen konnte ich sie nicht, ich wu�te auch nicht, wohin ich sie bringen sollte - Tierheime gab es nicht. Also streichelte ich sie und mu�te sie schweren Herzens zur�cklassen, in der Hoffnung, das sie doch noch jemand mit nach Hause nehmen w�rde und versuchte, da� ganze so schnell wie m�glich zu vergessen.
In Algarrobo versuchten wir ein Zimmer zu bekommen, damit ich am n�chsten Morgen gleich einen Bus nach Valpara�so fahren konnte. Die Strecke nach Valpara�so war mir zu gef�hrlich, denn sie f�hrte �ber eine mehrspurige Autobahn, au�erdem mu�te man die K�stenkordilliere �berqueren und dazu hatte ich keine gro�e Lust. Das Preis-Leistungsverh�ltnis stimmte bei den Hotelzimmern nicht �berein, so da� wir beschlossen, noch ein St�ck weiter zu radeln und irgendwo in der n�heren Umgebung unser Zelt aufzuschlagen. Die Zeit dr�ngte, die Sonne stand schon tief und die Strecke f�hrte bergauf, vorbei an Villen f�r reiche Ferieng�ste aus Valpara�so und Santiago und nat�rlich war alles eingez�unt und das Betreten war wie immer strengstens verboten, obwohl es sich teilweise nur um einsamen Wald handelte. Ein riesiges Ferienarsenal reihte sich an das andere und ich dachte schon, wir m��ten die ganze Nacht hindurch bis nach Valpara�so fahren. Micha schaffte mal wieder das unm�gliche und fand in einem Eukalyptuswald eine nette und ruhige Stelle zum Zelten.
Valpara�so, 25.05.1995
Weil wir am Abend noch so weit fahren mu�ten, um eine Schlafstelle zu finden, waren es nur noch 25 Kilometer bis Casablanca. Der Tag begann k�hl und nebelig, jedoch als ich aus dem Zelt kroch, fing die Sonne an zu scheinen. Trotzdem war der Fahrtwind unangenehm kalt und ich wu�te nicht, wie ich mich anders aufw�rmen konnte, als fest in die Pedalen zu treten. Micha meinte, es w�re richtig unheimlich, da� ich pl�tzlich so schnell w�re und er �berhaupt nicht mehr auf mich warten m��te, obwohl es st�ndig bergauf ginge. Die Stra�e ging nur ganz flach bergauf, so da� es aussah, als ob sie bergab f�hrte. Fahrradfahrer kennen dieses Ph�nomen: da freut man sich, da� man ein St�ckchen rollen kann und dann mu� man doch st�ndig treten.
In Casablanca nahm ich einen Bus nach Valpara�so, und es gab �berhaupt keine Diskussionen mit den Schaffner, als ich einstieg. Dumm war nur, da� an der n�chsten Haltestelle nach Casablanca ein Kontrolleur der Pullman-Verwaltung einstieg und dem Schaffner wie ein Fuchs auf die Finger schaute. Also gab mir der Schaffner einen Fahrschein mit dem �blichen Fahrpreis von 350 Pesos, schrieb aber auf die R�ckseite etwas von 600 Pesos und meinte, da� er mir das Geld sp�ter rausgibt. Anscheinend m�ssen die Pullman-Schaffner f�r gr��eres Gep�ck, wie z.B. Fahrr�der, immer etwas extra verlangen. Als der Kontrolleur wieder ausstieg, gab mir der Schaffner 250 Pesos heraus, verlangte meinen Fahrschein und strich die 600 Pesos energisch durch. So nett k�nnen Schaffner sein...
Am Busterminal in Valpara�so baute ich mein Fahrrad zusammen und begab mich zum Treffpunkt, dem "Plaza O'Higgins", der genau gegen�ber des Terminals lag und gleich neben dem Nationalkongre�, der aussah wie das M�llkraftwerk in Schweinfurt. Sogar der Farbton war dergleiche, h��lich rosa. Kurz nachdem ich mich auf dem Plaza auf eine Bank gesetzt hatte und sofort von bettelnden Tauben umringt war, gesellte sich ein �lterer Herr, um die sechzig und einen etwas vergammelten Eindruck verbreitend, zu mir und fragte mich aus, woher ich komme und ob ich mit dem Fahrrad unterwegs sei. Dann machte er mich ganz besorgt darauf aufmerksam, da� es hier in Valpara�so sehr viele Diebe und R�uber g�be und ich mein Geld nicht in die Au�entaschen meiner Jacke stecken sollte und niemanden die Uhrzeit sagen sollte, wenn ich danach gefragt werde. Auf gar keinen Fall sollte ich nachts zum Busterminal oder auf diesen Plaza kommen, weil man mit einem Raub�berfall rechnen m��te. Wie ich das alles verstanden hatte? Mit Zeichensprache und einigen bereits erworbenen Spanischkenntnissen. Nach seinen Warnungen wollte ich eigentlich mein Fahrrad mit dem B�gelverschlu� sichern, aber der Verschlu� klemmte. So lange hatte ich den Sicherheitsb�gel schon nicht mehr benutzt, da� er schon ein wenig eingerostet war.
Ein Banker, an die 30 Jahre alt, eilte mit einer Pr�sentationsmappe unterm Arm an mir vorbei, zwinkerte und rief mir irgend etwas zu, das ich nicht verstand. Ich langweilte mich und f�tterte zum Zeitvertreib die Tauben mit alten Keksen, als nach ein paar Minuten dieser Banker schon wieder an mir vorbei lief, mir diesmal aber unbedingt die Hand geben wollte und mir einen Schmatzer auf die Backe gab, was mich wohl ziemlich �berrascht gucken lie�, so verlumpt wie ich mittlerweile herumlaufe. Er fragte mich, woher ich komme, wohin ich gehe und ob ich ein Tourist bin (was f�r eine eigenartige Frage, wenn ich die Sprache nicht verstehe!!). Schlie�lich erz�hlte er mir, da� ich "lindo" sei und wundersch�ne Augen h�tte. Zum Abschied gab er mir noch mal die Hand.
Nach einer Weile bemerkte ich, da� sich auf der Bank neben mir mittlerweile ein Penner niedergelassen hatte und unbeeindruckt von den vor�bereilenden Passanten tief und fest schlief. Micha kam wenig sp�ter und - fast im gleichen Augenblick kamen f�nf Penner angerannt und bettelten ihn um Geld an.
Wir gingen los, um eine Unterkunft zu suchen. "Valpara�so", das paradiesische Tal, der Name versprach mehr, als einem geboten wurde. Vielleicht damals, als Charles Darwin an diesem Ort verweilte, war es ein Paradies, mittlerweile war es eine hektische, �beraus l�rmende und stinkige Stadt, voll von Abgasen, voll von Autos. Es war ein Horror, durch die engen Stra�en voller Menschen und Autos die bepackten, schweren Fahrr�der zu schieben und �ber die an die 30 Zentimeter hohen Bordsteine zu wuchten. Es stellte sich nach langem Suchen heraus, da� die erste Unterkunft auch die beste gewesen war. Etwas "abgefuckt" sah das Residencial Geminis II schon aus, das Bett bestand nur aus einem schlecht zusammengeschusterten Holzrahmen, die Auflage war ein hartes Holzbrett und die Matratze ein St�ckchen Schaumstoff. Doch das gr��te Abenteuer waren die Duschen: nachdem unser K�rper zuerst mit eiskalten Wasser in Ber�hrung kam, manipulierten wir (unerlaubt) etwas an der W�rmeregelung herum und es kam nur hei�es, fast kochendes Wasser aus der Dusche. Also drehte ich das kalte Wasser auch auf. Nach einigen Sekunden angenehmer Duschtemperatur bekam die Dusche "Schluckauf" und als ich vor Schreck das kalte Wasser abdrehte, kam nur noch Wasserdampf aus dem Duschkopf und bedampfte mich. Nach ein wenig Nachmanipulation bekamen wir die richtige Temperatur hin und die an den W�nden des Gemeinschaftswaschraums empfohlenen "5 minutos maximo" �berschritt ich um fast eine halbe Stunde und niemand sagte etwas.
Micha starb fast vor Hunger und wollte unbedingt eine Pizza essen. Vom Hunger angetrieben rannte er v�llig unberechenbar durch die Stra�en auf der Suche nach der perfekten Pizzeria, die er am Nachmittag gesehen hatte. Die war nat�rlich geschlossen, er fand aber gleich eine andere, die mich pers�nlich zwar nicht �berzeugte und deren Pizzas nicht gr��er waren als eine Untertasse. Ich zeigte ihm eine andere Pizzaria, in denen es gr��ere Pizzas angeboten wurden, aber vom Hunger schon ganz benebelt war er auf diese Winzpizza versteift. Als dann endlich so eine Pizza vor ihm stand meinte er nur "Die sahen von drau�en irgendwie gr��er aus". Teuer, klein und schlecht war sie und sie war noch nicht mal aus einem richtigen Pizzateig gemacht, sondern aus irgendeinem vorgefertigten Geb�ck, lauwarm und z�h. Wir beschlossen, da� ein hungriger Micha unzurechnungsf�hig ist und das es in solchen Situationen besser sei, wenn ich �ber die Nahrungsbeschaffung entscheide. Wir haben uns dann noch in eine Hamburgerbude gesetzt, um richtig satt zu werden. Die Nacht war angenehm ruhig, obwohl die W�nde zwischen den Zimmern nur aus Pappe bestanden, konnte ich ohne weiteres tief und fest schlafen.
Valpara�so, 26.05.1995
Los mejores grupos
Wir wanderten im Bankenviertel umher und entschieden uns f�r einen Geldwechsler mit dem besten Kurs. Vor seinem B�ro gab es eine gro�e Baustelle, auf der 5 Bauarbeiter mit Pre�lufth�mmern zus�tzlich zum Stra�enverkehr L�rm verbreiteten, so da� man sich nur schreiend in der Wechselstube unterhalten konnte. "Ja, klar, das ist hier eine Wechselstube!!! Nat�rlich kann man hier Geld tauschen!!! Aber wir haben kein Geld zum wechseln!!!!", sprachs und verwies uns auf den Geldwechsler nebenan . Uns wunderte nichts mehr in einem Land, in dem Restaurants nichts zum essen, Snackbars keine Snacks und Bars kein Bier hatten und in dem lauwarme Hotdogs unter einem Berg von k�nstlichen Senf, Ketchup und Avokadobrei zum Lieblingsgericht z�hlte. Wir wechselten Geld und gingen essen.
Nachdem wir den Abend in unserem Hotelzimmer verbracht hatten, gingen wir gegen 22:00 Uhr noch mal zum einkaufen zum Supermarkt. Kaum z�r�ck im Zimmer war es vorbei mit der angenehme Stille - "plink, un, dos, tres....kr�chz...". Laute, schr�ge Musik drang von irgendwoher in unser Zimmer. Zuerst dachten wir, da w�rde wohl irgendeine Hobbygruppe �ben, und nach der Qualit�t der Darbietung zu schlie�en spielen sie wohl noch nicht sehr lange zusammen... Sie schienen st�ndig das gleiche St�ck zu proben, immer wieder wurde angez�hlt und st�ndig von neuen begonnen. Ich war der Meinung, da� der Spuk wohl sp�testens nach ein, zwei Stunden zuende sein m��te. Aber, wie konnte ich mich irren! Es handelte sich tats�chlich um Lifemusik, bis gegen 5:00 Uhr in der fr�h wurden wir mit schnulzigster chilenischer Volksmusik von einer Qualit�t, die einen die Tr�nen die Augen trieb, vom Schlafen abgehalten und schraubte sich gegen Ende zu einer unglaublichen Lautst�rke, Hartn�ckigkeit und Schrillheit empor, die von den Schmerzen eines entz�ndeten Zahns kaum �bertroffen werden konnten. Wir machten uns mit der Lage unseres Zimmers vertraut und stellten fest, da� es direkt zu einem Innenhof ausgerichtet war, in dem es am Abend vorher so paradiesisch still gewesen war. Und immer wieder wurde das gleiche Lied gespielt, immer wieder, was extrem an unseren Nerven zehrte.
Valpara�so, 27.05.1995
Nat�rlich schliefen wir bis zum Nachmittag, weil es erst gegen Morgen ruhig geworden ist. Ich fing an, einen langen Brief nach Hause zu schreiben, w�hrend Micha in die Stadt ging, um unsere Kleider von der W�scherei abzuholen und noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Obwohl wir uns sp�ter in der Innenstadt treffen wollten, kam er nach kurzer Zeit wieder ins Hotel zur�ck, weil alle Gesch�fte geschlossen hatten. Micha wollte auch einen langen Brief schreibenund qu�lte sich dann doch herum, ein paar Zeilen auf eine Postkarte zu bringen. Er war unruhig, studierte lange in der Landkarte von S�damerika, ma� aus und erz�hlte mir, welche tollen L�nder man hier noch alle durchfahren k�nnte, wie weit es von hier bis nach Alaska w�re undsoweiter. Ich wurde nachdenklich, denn eigentlich glaubte ich, wir w�rden nach der Durchquerung Chiles gemeinsam nach Hause fliegen. Mir wurde klar, da� er noch weiter in den Norden wollte.
All das gefiel mir nicht. Ich hatte mir noch nie vorgestellt, da� ich alleine wieder nach Hause fliegen m��te. Mir war klar, da� ich nicht �ber die gewaltigen Anden nach Bolivien kommen w�rde, nicht mit dem Rad. Und er wollte auf keinen Fall einen Zentimeter nicht mit dem Rad zur�ckgelegt haben. Ich fand es gemein, mich einfach zur�ckzulassen, blo� weil ich nicht stark genug war und wurde sehr traurig. Doch was hatte es f�r einen Sinn, sich mit Dingen zu belasten, die noch in ferner Zukunft liegen und wir beschlossen, mit dem Thema aufzuh�ren und lieber etwas essen zu gehen.
Zus�tzlich zu dem L�rm vom Hinterhof kam noch, da� sich im Zimmer neben uns eine Familie mit einem kleinen Kind einquartiert hatte, das Kind schrieb und der Vater schnarchte und man konnte durch die papierd�nnen W�nde jedes kleinen Schnaufer h�ren. V�llig genervt packten wir unsere Sachen in einen Rucksack, weil wir am n�chsten Tag lieber nach Santiago de Chile fahren wollten, als hier noch mal zu �bernachten. Die Fahrr�der wollten wir bei den drei alten Damen zur�cklassen, die dieses Hotel betrieben.
Hier geht's weiter:
Puerto Montt, Osorno, Villarica, Temuco (April '95)
Radtourbilder aus Feuerland, Patagonien, S�dchile
Heute schoben, zogen und trugen wir unsere Fahrr�der laut Tachoanzeige 15 Kilometer weit. Die meiste Zeit waren unsere Reifen so dick mit Lehm verschmiert, da� sie blockierten. Nach einer kurzen Strecke, die geschottert war, wurde die Stra�e noch schlimmer, weil sie wohl gerade im Bau war und gro�e Baumaschinen den Weg s�umten, die den Schlamm tief aufgew�hlt hatten und sich der Lehm ca. 50 cm t�rmte. Die Stra�e wurde sehr breit und alles sah so unwirklich aus, als ob wir uns auf einem fremden Planeten bef�nden: Gro�e Schieferplatten ragten aus der "Fahrbahn" und an der Seite t�rmte sich der braune Schlamm jeweils 5 Meter hoch, ein Jeep mu�te aufgeben und wieder umkehren, weil er es nicht schaffte, bergauf zu fahren und schleuderte unkontrolliert herum. Wir aber schoben zwangsweise weiter, weil es keine andere M�glichkeit gab, diesem Alptraum hier zu entkommen.
Am Nachmittag begegneten uns zwei mit Apfelmost angetrunkene Einheimische. Einer von den beiden half mir, mein Fahrrad einen kleinen H�gel hochzuschieben. Er war neugierig und wollte alle technischen Einzelheiten �ber das Fahrrad wissen, auch wieviel es gekostet hatte. Vorsichtshalber log ich ihn an. W�hrend er das Fahrrad schob, gab er laute Schreie von sich, die sich eigenartig anh�rten. Micha meinte, er wolle damit seine Anstrengung ausdr�cken. Zum Schlu� boten uns die beiden noch einen Schluck aus der Flasche mit dem Apfelmost an, bevor sie sich verabschiedeten, um weiterzutrinken.
Er war sehr interessiert und stellte viele Fragen. Nachdem wir ihn erz�hlten, da� wir nur noch diese Spaghettis zu essen haben, brachte er uns ein St�ck frischgebackenes, warmes Brot mit knuspriger Rinde. Vom Zelt aus konnte man deutlich den Pazifik tosen h�ren und im farbenpr�chtigen Sonnenuntergang erkannten wir sogar die Insel "Mocha" am Horizont. Obwohl wir die ganze Zeit an der K�ste entlang fuhren, hatten wir das Meer selbst noch nicht zu Gesicht bekommen. Wir fuhren zwar nach Karte, aber irgend etwas schien nicht zu stimmen. Es schien, als ob wir Zickzack zwischen den beiden eingezeichneten Stra�en hin und her fuhren, laut Wegweiser waren wir n�mlich am Tag zuvor n�her an Tiru� als heute abend und ein Stra�enarbeiter gab uns heute die Auskunft, das wir noch 25 Kilometer vor uns h�tten. Wenn das so weiter ging mit der schlechten Stra�e und den steilen H�geln, brauchten wir noch mindestens zwei Tage - soviel Proviant hatten wir aber nicht mehr, wir hatten heute unsere letzten Kekse aufgegessen.
Nachdem uns das Kl�ffen der vier Hunde sehr fr�h geweckt hatte, kamen wir zeitig am Morgen los. Die "Dame" des Hauses mit der enormen Stimme in ihrem enormen Klangk�rper hackte gerade Holz und m�helos spaltete sie ganze Baumst�mme, w�hrend ihr schm�chtiger Mann nirgends zu sehen war. Es nieselte leicht und wir fragten sie, ob sie glaubte, da� das Wetter noch schlechter werden w�rde. Sie erz�hlte uns, da� wir Gl�ck h�tten, da� es nicht regnete (es regnete mittlerweile) und das Wetter so gut bleiben w�rde. Nun, hier wird Regen wohl in anderen Dimensionen wahrgenommen.
Mit klatschnassen Haaren und Regenzeug ging es zun�chst dort weiter, wo wir am Tag vorher aufgeh�rt hatten:
an einem steilen Schlammberg inmitten eines abgerodeten Regenwaldes. Die Baumst�mme lagen kreuz und quer auf einem steilen Hang �ber der Stra�e und wirkten nicht sehr stabil. Sie schwebten bedrohlich �ber unseren K�pfen mit einer gewissen Absturzwahrscheinlichkeit, die mich motivierte, rasch voranzukommen. Aber der Weg war so unglaublich steil, da� es kaum noch �berboten werden konnte. Micha hatte meine obere Packtasche als Rucksack auf den R�cken, um das Gewicht meines Gep�cks zu reduzieren; aber er mu�te mir trotzdem beim schieben helfen. Und selbst die Fortbewegung zu Fu� wurde fast zur Unm�glichkeit. Aufgrund des ekeligen Spr�hregens verwandelte sich der feuchte umgepfl�gte Lehm langsam in widerlich glitschigen Matsch, dann zu fl�ssigem Schlamm, auf dem man nur noch schlittern konnte.
Es gab sogar eine Herberge in dem todlangweiligen Ort im Wildwest-Stil und ich war �berrascht, da� uns der Besitzer ohne weiteres mit dem ganzen Schlamm an den Stiefeln durch sein Haus laufen lie� und sogar meine schmutzigen Taschen ins Zimmer trug. Micha duschte sich gleich mit seinen Regensachen, damit sie sauber w�rden; ich rollte die schmutzige Gore- Tex-Hose zusammen, nachdem sie schon getrocknet war und wollte sie am anderen Morgen reinigen, denn der Dreck ging von meinen Sachen schwerer runter und ich hatte Hunger und wollte erst mal essen gehen. Als wir das Hotel verlie�en, traten wir in eine stockdunkle Nacht hinaus. Hier wurde die Stra�enbeleuchtung schon recht fr�h am Abend abgeschalten. Auf der Suche nach einem guten Restaurant wurden wir zur�ck zu unserem Hotel geschickt und entdeckten �berrascht den gro�en Speisesaal. Der Hotelbesitzer servierte uns stolz mit einem Getue, als ob er Kellner in einem feinen franz�sischen Restaurant w�re, ein sehr gutes Fischgericht mit Salat. Die restlichen G�ste waren irgendwelche Landarbeiter mit entsprechenden Manieren und die W�nde waren so d�nn, da� man jedes kleine Husten h�rte und nat�rlich auch das laute Schnarchen. Man h�rte sogar, wenn sich jemand im Nebenzimmer in seinem Bett herumdrehte. Die Toilette war eine Zumutung. Das es in Chile zum Guten Ton geh�rt, die Sp�lung nicht zu benutzen, war mir bereits bekannt, aber hier war das ganze Klo und die Umgebung vollgepinkelt. �berhaupt sind die Toiletten sehr gew�hnungsbed�rftig und jeder, der Chile bereisen will, sollte sich darauf einstellen: das benutzte Papier sp�lt man nicht hinunter, sondern es wird in einem offenen Eimer gesammelt und zum M�ll geworfen. Und mit der Bet�tigung der Toilettensp�lung haben alle Chilenen Probleme, ob arm oder reich, ob m�nnlich oder weiblich, ob alt oder jung. Und Klopapier mu� man grunds�tzlich immer selbst mitbringen, ist doch klar. So eine Rolle hat man doch immer bei sich, auch wenn man ins Restaurant oder ins Kino geht. �brigens, da� Trinkwasser in der Gegend enth�lt Hepatitis A- Viren.
Zumindest waren die Betten sehr weich, so da� ich eine gute Nacht verbrachte. Wir schliefen uns richtig aus. Es dauerte einige Zeit, bevor ich meine Stiefel von dem hartn�ckigen Schlamm befreien konnte und als sie endlich wieder zivilisiert aussahen, ging der Rei�verschlu� an meiner Jeans kaputt.
Als wir das Dorf erkundeten, fanden wir ein trostloses, dreckiges Kaff vor, in dem die eigenartigsten Dinge zum Verkauf angeboten wurden. In einem kleinen Kiosk besorgten wir uns Br�tchen, Schinken, Marmelade, Butter und Schokoladenmilch und wollten damit am Strand fr�hst�cken. Zuvor mu�ten wir einen Eingang in dem hohen Zaun finden, mit dem die D�nen gesch�tzt waren, besser, die K�he, die zwischen den D�nen weideten. Das erste Mal stand ich am chilenischen Pazifik und der Anblick war �berw�ltigend. Das Meer dampfte, w�hrend die gewaltigen Wellen gegen das Land mit den steilen, schwarzen Klippen donnerten. Nebelschwaden trieben �ber den schwarzen Sand, die Bucht war nebelverhangen und es wirkte sehr gruselig. Bis auf zwei, drei Spazierg�nger waren wir allein, ansonsten kommt hier wohl niemand auf die Idee, an den Strand zu gehen. Zugegeben, es war k�hl und es zogen immer mehr dunkle Wolken auf und k�ndigten Regen an. Micha hatte sehr viel Spa�: Er baute kleine Sandburgen, Sprang in die hohen schwarzen D�nen, bewarf Strandl�ufer-V�gel mit Tannenzapfen und grub viele kleine Kan�le in den Strand.
Nach einer unruhigen Nacht wegen kl�ffender Hunde und betrunkener Landarbeiter erwachte ich sehr m�de und blickte in das angenehme Sonnenlicht, das auf mein Bett schien. W�hrend der Nacht wurde in der Toilette das Abwasser durch einen Abflu� hochgedr�ckt und es verteilten sich irgendwelche Tomatenreste und sonstiger Dreck gleichm��ig im ganzen Raum; das war nicht sehr sch�n. Das benutzte Toilettenpapier schwamm zwischen den Tomatenst�ckchen hin und her und ich war �berrascht, da� ich mich bei dem Anblick nicht �bergeben mu�te.
Die Stra�e, die aus dem Dorf hinausf�hrte, war zun�chst asphaltiert, daf�r aber schrecklich steil. Mein Fahrrad hatte aufgrund der mittlerweile trockenen Schlammschicht ein enormes Gewicht und ich mu�te erst mal schieben. Aber dann verlor das Fahrrad, vor allem die Reifen, immer mehr Schlamm und es wurde leichter. Die Sonne stach hei� vom Himmel und irgendwann h�rte der Asphalt auf und wurde abgel�st von einer scheu�lichen Schotterstra�e, daf�r wurde die Landschaft sch�ner. Die Sonne strahlte auf den Pazifik, der wie ein Spiegel strahlte, rechts sah man schon die Ortschaft Quidico in einer Bucht, den sch�nen Strand und wie sich die Wellen am Strand brachen.
In Quidico machten wir Rast, setzten uns an den Strand, sonnten uns und a�en Br�tchen mit Manjar. Die Idylle wurde durch eine pl�tzliche Flutwellle gest�rt, die unsere Fahrr�der unter Wasser setzte und meines sogar umwarf. Hinter Quidico wurde die Stra�e widerlich, eine Stra�enbaumaschine war gerade damit besch�ftigt, den Schotter umzupfl�gen, so da� die ganzen gro�en Steine in der Mitte lagen. An die zehnmal ist diese Baumaschine an uns vorbeigefahren und jedesmal hat der Fahrer fr�hlich gewunken und ich wurde von mal zu mal w�tender auf ihn.
Als wir am Morgen das Zelt �ffneten, stand die ganze Schweinefamilie erwartungsvoll vor uns und schien zu betteln. N�tzlich waren die Allesfresser allemal - so haben sie die Eierschalen, die Papierverpackung der Butter und die Manjarpackung vollst�ndig aufgefuttert, so da� wir den Abfall nicht mehr aufr�umen mu�ten.
Wir hatten 33 Kilometer nach Ca�ete, das Wetter war sch�n, die Sonne schien warm, die Stra�e war asphaltiert und wenig befahren und es ging die meiste Zeit bergab. Teilweise war die Strecke von Alleeb�umen einges�umt. Wir fuhren vorbei an einem See mit dem Namen "Lago Lanalhue", von dem man nicht sehr viel sah, weil er vollst�ndig eingez�unt war. In nur zwei Stunden waren wir in Ca�ete, doch bevor ich dort ankam, hatte mich fast ein mit Holz beladener Lkw �berfahren, der links abbiegen wollte. Da ich auf der Hauptstra�e geradeaus fuhr, dachte ich mir nichts dabei und hielt nicht an - ich dachte der Lkw w�rde mir Vorfahrt gew�hren. Doch er bestand auf das in Chile gewohnheitsm��ig geltende Recht des St�rkeren und erst als wir beide merkten, da� hier irgend etwas falsch l�uft, mu�ten wir beide eine Vollbremsung hinlegen und sein Anh�nger schleuderte ein wenig herum. Am liebsten h�tte ich den Fahrer meine Meinung gesagt, aber als ich neben meinem Fahrrad stand, hatte er sofort Vollgas gegeben und ist links abgebogen. Nachdem meine Wut verflogen war hatte ich eine Zeit lang ganz zittrige Knie und mu�te erst mal eine kleine Pause machen.
Als wir uns an dem skurilen Treiben auf dem Plaza sattgesehen hatten, gingen wir an den Strand. Es gab dort einige interessant geformte Felsen, an den Muscheln und Seegras wuchsen. Einige Felsen hatten kleine T�mpel in der Mitte, in denen viele kleine rote und gr�ne Krebse lebten und sich zwischen dem Seegras versteckten, je nach Farbe entweder im gr�nen oder roten Seegras. Die beiden Krebsarten waren sehr aggressiv und zwickten sich gegenseitig mit ihren Scheren, wenn einer zu nah kam. Micha fachte den Streit immer wieder an, indem er die Krebse mit einem Holzstecken �rgerte. Wir liefen weiter am Strand entlang; einige d�nne Rinnsale flossen ins Meer, die hoch oben von den Felsen herunterpl�tscherten. Micha baute den ganzen Nachmittag �ber Kan�le und D�mme, um die Rinnsale aufzustauen oder in eine neue Bahn zu zwingen und wartete geduldig, bis die D�mme aus Sand und Steinchen wieder brachen, um alles wieder von neuem aufzusch�tten und er hatte sichtlich Spa� dabei.
Es war jetzt schon sp�ter Nachmittag und es wurde k�hler, so da� wir noch ein paar Kilometer aus dem Ort auf einer mit knietief mit Kieseln aufgef�llten Stra�e weiterfuhren. Widerlich. Es war es so trocken hier, da� jedes vorbeifahrende Auto eine schmerzende Staubwolke hinterlie� - schmerzend f�r die Augen und die Lungen und ich "freute" mich schon, da� mir weitere 50 Kilometer auf dieser Piste bevorstehen w�rden. Abwechslung bescherrte uns ein Cowboy, dessen Pferd vor einer Stra�enbaumaschine scheute und durchging und der es dann in Panik schreiend wieder beruhigen wollte. Wir schlugen unser Zelt auf einer Wiese zwischen ein paar hohen B�schen auf, in der Ferne waren Berge zu sehen, die stufenf�rmig aufgebaut waren und beim Sonnenuntergang je nach Stufe in verschiedenen Farben leuchteten. Dort ging auch der Vollmond auf, an diesem Tag erschien er unwahrscheinlich gro�. Er schien so hell, da� man ohne weiteres w�hrend der Nacht im Freien lesen konnte. Zum Abendbrot im Mondlicht gab es Bratw�rstchen auf Br�tchen mit Ketchup - es schmeckte wie auf der Kirchweih.
Nachdem wir das gesch�ftige Treiben einige Zeit beobachtet hatten stach die Mittagssonne unertr�glich hei� vom Himmel herab und machte das Weiterkommen zur Qual. Erneut erbarmte sich ein chilenscher Autofahrer mit Pickup mich in die n�chste Stadt - Cauquenes, mitzunehmen. Er sprach ein wenig englisch und so hatte ich erfahren, da� er Peter hie� und Ingenieur war. Irgendwann hielt er an und machte ein kleines Pl�uschen mit einem Bauarbeiter, der die Stra�e mit Schotter von BELSACO schotterte. Sp�ter mu�te er erneut halten, er erz�hlte mir etwas von "arbeiten" und ich dachte, er w�rde hier arbeiten und schmei�t mich jetzt raus. Es hatte ein wenig l�nger gedauert, bis ich kapierte, da� er einen Platten hatte und ich ihm dabei helfen sollte, den Wagenheber unter das Auto zu schieben. Da er anscheinend sehr viel �bung im Reifenwechseln hatte, was kaum verwunderlich war auf diesen Stra�en und bei seinem Fahrstil, war er sehr schnell fertig damit.
Nach dem Ort ging es dann gleich auf die Panamericana, aber auch die verf�gte �ber einen fahrradfreundlichen breiten Seitenstreifen und hatte sogar an besonders gef�hrlichen Stellen eine eigene Br�cke f�r Fahrradfahrer und Fu�g�nger. Dadurch wurde die Reise aber noch gef�hrlicher, weil man, um die Br�cke zu �berqueren, die Panamericana in der gesamten Breite �berqueren mu�te - und das ohne Ampel. Wir fuhren �ber riesige Autobahnkreuze auf dem Weg nach Talca und bei zwei Kreuzungen schob ich lieber. Nachdem wir im der abendlichen Rushhour in Talca ankamen und wir uns im Stop and go �ber die Ampeln qu�lten, fanden wir ein Zimmer mit s�dspanischen Flair: dicke Steinw�nde, ein hohes Zimmer ohne Fenster, das an einen Innenhof grenzte. Im Sommer mu� es in dieser Gegend wohl sehr hei� werden. Am Abend kauften wir so viele Nahrungsmittel ein, da� sie eigentlich die n�chsten zwei Wochen reichen m��ten und kochten wie die Weltmeister in unserem Zimmer. Ich hatte soviel Hunger, da� ich fast nicht zum Esssen aufh�ren konnte. Trotzdem f�hlte ich mich nicht wohl, denn die Symptome einer Erk�ltung qu�lte uns bereits mit Halsschmerzen und Kopfschmerzen. Wir beschlossen daher, Micha sogar freiwillig, noch einen weiteren Tag hier in Talca zu bleiben. Im Laufe des Abends bekamen wir beide Sch�ttelfrost.
Nachdem Micha losgeradelt war, schlurfte ich am Nachmittag m�de zum Busterminal. Vor zwei Tagen hatte man mir hier gesagt, da� ich f�r mein Fahrrad 1000 Pesos extra bezahlen m��te, um es mitzunehmen. Das w�re der doppelte Fahrpreis und dann m��te mein Fahrrad eigentlich einen Sitzplatz bekommen. Ich diskutierte lange mit dem Busfahrer - mit H�nden und F��en, und er sch�ttelte lange mit dem Kopf, doch lie� ich mich von meinem Vorhaben nicht abbringen, mit dem Bus zu fahren und nicht den doppelten Fahrpreis zu bezahlen. Ich l�ste das Gep�ck vom Fahrrad, entfernte das Vorderrad, stellte den Lenker quer, lie� den Sattel in den Rahmen und als der Busfahrer endlich erkannte, wie klein mein Fahrrad pl�tzlich war, nahm er es ohne weiteres Kopfsch�tteln doch mit.
Wir befanden uns auf den Weg zur K�ste und die Gegend erschien immer w�stenhafter zu werden. Es tauchten wieder diese Savannenb�ume auf und die Hitze der Sonne qu�lte mich. An der "Cruce las Ara�as", stand eine riesige H�hnerzuchtanlage, die einen erb�rmlichen Gestank verbreitete und wir entschlossen uns hier, den Weg nach San Antonio einzuschlagen.
Nachdem wir diesen Anstieg erklommen hatten, suchten wir auch schon wieder ein St�ck Wiese f�r den Abend. Es gab aber nur sehr offene Kuhweiden mit Dornengeb�sch und Disteln, nicht sehr zelt- und fahrradfreundlich. Wir fuhren bis auf die Passh�he und stiegen dort �ber einen Zaun, um weit weg von der Stra�e unser Zelt aufzubauen. Ein berittener Bauer passierte zwar unser Zelt, sagte aber nichts, so da� wir davon ausgegangen sind, da� er nichts gegen unsere Belagerung einzuwenden hatte.
Als wir sp�ter in Richtig Cartagena aufbrachen, ri� Michas vorderer Bremszug, gl�cklicherweise an der sch�nsten Stelle auf der Strecke: schroffe Klippen und Wahnsinnswellen, die daran zerschellten. Mittendrin lag eine Seehund-Familie beim sonnenbaden auf einer Klippe.
Unterwegs machten wir auf einem nett angelegten Platz eine Rast und ich kochte mir einen Fr�hst�ckskaffee. Am Nachmittag fuhren wir an den Strand und dort, wo die Wellen am h�chsten schlugen, setzten wir uns in den Sand und brutzelten Pfannkuchen. Es war ein gro�artiges Gef�hl von Freiheit, alles bei sich auf den Fahrr�dern zu haben, was man zum Leben braucht und sich einfach an eine sch�ne Stelle setzen zu k�nnen, um sich ein Mittagessen zuzubereiten. Im warmen Sand zu liegen, das Rauschen des Meeres zu h�ren und die Gewi�heit zu haben, da� es keine wichtigen Termine oder Verpflichtungen oder Verpflichtungen gab, die man verpa�te, das war und ist ein gro�es Gl�cksgef�hl. Hier konnte ich nicht erreicht werden, die Welt mu�te warten, bis ich mit ihr Kontakt aufnehme. Und das war eine Art von Macht.
Nebenan war gerade eine verwegen aussehende Gruppe chilenischer Taucher, die mich zun�chst etwas beunruhigte. Es stellte sich aber bald heraus, da� sich die Chilenen wohl mehr Gedanken wegen unserer Anwesenheit machten, denn sie brachten unauff�llig ihre Habseligkeiten in sichere Entfernung...
Wir schliefen uns richtig aus und gingen erst am Nachmittag in die Stadt, um Geld zu wechseln, denn wir konnten uns nicht mal mehr ein Mittagessen leisten. Zun�chst unternahmen wir eine kleine Wanderung auf die H�gel Valpara�sos, die die Stadt einschlossen. An den steilen H�geln dr�ngten sich armselige H�tten, deren Farbe abbl�tterte. Viele dieser H�tten standen auf d�nnen Stelzen, um die Packungsdichte zu erh�hen. Obwohl die Sonne vom Himmel stach, lief ich erstaunlich schnell und ausdauernd den Berg hoch, wochenlanges Training auf dem Fahrrad hatte meine Kondition betr�chtlich verbessert. Die Stra�en waren irrsinnig steil und f�hrten in Serpentinen hinauf. Die H�tten waren so �bereinandergestapelt, da� sie bei jedem Erdbeben unweigerlich zusammenbrechen und viele H�tten mit in die Tiefe rei�en m��ten und Erdbeben sind nicht selten in Chile. Als wir den H�gel wieder hinunter liefen und eine Frau, die selbst in einer sehr elenden H�tte hauste, warnte uns vor den Leute, die an der Ecke wohnten, weil es sehr b�se Menschen seien, die alles klauen w�rden, was wir bei uns hatten. Vorsichtig gingen wir weiter, standen dann pl�tzlich auf einem sehr sch�nen italienischen Platz; wir gingen weiter hinunter bis zum Hafen und beobachteten die kleinen bunten Ausflugsboote, wie sie ganze Horden von Schulkindern im Hafen hin- und herfuhren.
Bei unserem Stadtbummel suchten wir zun�chst die Ursache der n�chtlichen Ruhest�rung. Wir fanden den Eingang zum Innenhof, von dem in der Nacht der Krach gekommen war. Aber da war nichts zu sehen. Nat�rlich hofften wir inst�ndig, da� es sich nur um eine einmalige Privatveranstaltung oder um ein Stadtteilfest gehandelt hatte. Als wir von unserem Bummel zur�ckkamen, wurden wir jedoch schon wieder von dem entsetzlichen L�rm empfangen. Weil es sowieso undenkbar war, Schlaf zu finden, gingen wir noch mal los, um die Ursache des L�rms ausfindig zu machen. Und tats�chlich, dort wo am Nachmittag nichts au�ergew�hnliches zu entdecken war, fanden wir eine hell erleuchtete Hinterhofkneipe, die mit bunten Plakaten f�r die "Mejores grupos" warb, die angeblich bei ihnen auftaten und das von 23:00 bis 5:00 Uhr am Wochenende "gute" Tanzmusik gespielt wurde. Und das alles f�r nur 7900 Pesos (= 36.- DM) incl. einer Flasche hochprozentigen Pisco, ohne den man solche Musik wahrscheinlich gar nicht ertragen konnte. Als wir so mit entsetztem Blick vor dem Lokal standen und nicht glauben wollten, was wir dort lasen, wollten uns eine grelle Blondine in Glitzerfummel und ein schleimiger Kellner einladen, doch in ihre tolle Kneipe zu kommen.
----- Ca�ete, Concepci�n, Talca, Valparaiso (Mai '95) -----
Santiago de Chile, Portillo (Juni '95)
La Serena, Copiapo, Antofagasta (Juli '95)
Antofagasta, San Pedro, Iquique, Arica (August '95)
La Paz, Coroico, Cuzco (September '95)
Radtourbilder aus Bolivien, Brasilien, Venezuela

