2 Theorien über die Ursachen von Linkshändigkeit

2.1 Evolution

Die Vermutungen der Wissenschaftler liegen darin, dass es ungefähr 450 Millionen Jahre gedauert hat, bis aus den Brustflossen der Urfische die Hände entstanden.1
Nachdem der Mensch begann aufrecht zu gehen, seine Hände eine Zeit lang als Greifwerkzeuge2 zu nutzen wusste und schließlich zu einfachen bis kompliziert herzustellenden Werkzeugen überging, benötigte er eine führende Hand, die ihn im Arbeitsprozess leitete. Somit entwickelte sich wahrscheinlich vor zirka zwei Millionen Jahren, die auch jetzt noch stark ausgeprägte Dominanz der rechten Hand. Begründet werden kann dieses Argument mit der Theorie, dass Australopithecinen (afrikanische Urmenschen) pavianähnlichen Affen mit Knüppeln oder Knochen die Köpfe einschlugen. Dabei wurden die in Kenia gefundenen Schädelreste meist auf der linken vorderen Schädelseite zertrümmert.3
Die plötzlich verstärkt auftretende "rechte" Bevorzugung versucht man sich damit zu erklären, dass Linkshänder eher Einzelkämpfer sind und Rechtshänder Herdentiere.4 Aufgrund dessen haben Rechtshänder, früher als auch heute noch, das bessere Durchsetzungsvermögen und Linkshänder werden mehr oder weniger verdrängt.

2.2 Genetische Festlegung

Wie schon erwähnt, gehen die Genetiker davon aus, dass es eigentlich eine Tendenz von eins zu eins zwischen Linkshändern und Rechtshändern geben müsste. Jedoch ist dieses Verhältnis in der Bevölkerung nicht zu verzeichnen und durch die Praxis widerlegt. Dies zeigte sich bei unserer Umfrage in Jena, wobei sich von 105 befragten Passanten lediglich 21 als Linkshänder bezeichneten. Ein wesentlicher Grund für die beschriebene Diskrepanz besteht in der unablässigen biologischen und gesellschaftlichen Beeinflussung eines Kindes durch dessen Umfeld. Innerhalb der Erziehung herrscht eher eine Rechtsorientierung. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei ungefähr zehn Prozent der deutschen Bevölkerung um widerstandsfähige Linkshänder handelt, welche sich durchzusetzen vermochten.

Anteil der Linkshänder bzw. Linksschreiber von 105 befragten Personen in Jena

Des Weiteren ist seit der Aufklärungsarbeit der "Ersten deutschen Beratungsstelle für Linkshänder" ein kontinuierlicher Anstieg der Linkshänder in Bayern zu verzeichnen.
Statt den Bezeichnungen Links- und Rechtshändigkeit kämen eher die Bezeichnungen Links- und Rechtshirnigkeit in Frage. Begründet wird diese Behauptung mit der Tatsache, dass es sich hierbei um ein komplexes Zusammenspiel zwischen Gehirn und Hand handelt, wobei das Gehirn - als Steuerzentrale - die Hauptfunktion übernimmt.
Im Endeffekt kann gesagt werden, dass die Händigkeit eines Menschen angeboren ist und nur in bestimmten Ausnahmefällen, wie der Umschulung oder bei einem Unfall, zum Beispiel Armamputation, geändert wird. Dennoch gegenwärtiger Forschung konnte bis heute noch nicht geklärt werden, auf welcher Grundlage diese Vererbung erfolgt. Sicher ist nur, dass sie multifaktoriell bedingt ist.

2.3 Festlegung im Mutterleib

Neben der eben erläuterten genetischen Sichtweise schlagen einige Wissenschaftler und Forscher auch einen anderen Erklärungsweg ein, um ein möglichst exaktes Verständnis über den Ursprung der Linkshändigkeit zu erhalten. Dabei beziehen sie sich auf das Wachstum und die Entwicklung der Föten im Mutterleib.
An dieser Stelle werden wir zwei Lösungsansätze anbringen, die an sich schon recht gegensätzlich aufgebaut sind und leicht zu Diskussionen anregen.
Bei der ersten Studie handelt es sich um die Forschungsergebnisse der amerikanischen Harvard Medical School. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Linkshändigkeit vermutlich durch das männliche Sexualhormon Testosteron hervorgerufen werde. Einerseits geschieht dieser Ausschüttungsvorgang bei schwangeren Frauen über die Eierstöcke in die Gebärmutter, "hauptsächlich wird [das Hormon jedoch] von den werdenden Sexualorganen der männlichen Föten in das Fruchtwasser abgegeben."5 Zwar ist man sich bei der Hormonwirkung noch nicht ganz eindeutig sicher, doch vermuten die Wissenschaftler, dass Testosteron die linke Hirnhemisphärenentwicklung blockiert bzw. hemmt. Das Resultat bestände darin, dass es nun zur Ausbildung einer linken dominanteren Hand käme und der Beweis für die größere Anzahl männlicher als weiblicher Linkshänder geliefert wäre.6
Bei der zweiten Studie - erstellt von den beiden Wissenschaftlern Glenda McCarthy und Peter Hepper - wurde versucht, das Problem der Entstehung der Linkshändigkeit mit Hilfe des Mottos: "Weder Sozialisation noch Gehirn bestimmen Händigkeit" zu lösen.
Innerhalb ihrer Forschungen fanden sie heraus, dass der tatsächliche Rechtshänderanteil unter den erwachsenen Menschen von zirka 90 Prozent fast eindeutig bewiesen werden konnte. Die Ursache für diese Entwicklung liegt in der schon frühzeitig beginnenden Bevorzugung des Fetus von einer Körperseite, indem "er mit einer Seite mehr tastet und strampelt als mit der anderen."7 Ab der zehnten Woche würde es schließlich zu einer 85-prozentigen Hauptnutzung der rechten Körperhälfte kommen.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Bewegungen bis zur zehnten Woche nicht vom Gehirn, sondern durch das Rückenmark und die Muskeln gesteuert werden.8
Insgesamt gesehen können die Forschermeinungen auf diesem Gebiet weit auseinander ragen. Welche Aussage nun die Richtige ist, wird sich erst in Zukunft feststellen lassen.

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1 vgl. Treutwein, Norbert: "Die Hand - unser äußeres Gehirn". in "P.M. - Wissensmagazin" 1/1996 vom 22. 12. 1995, Gruner+Jahr AG & CO, Verlagsgruppe München , S.48
2 ebenda
3 vgl. Engeln, Henning: "Die Hand - Geniestreich der Evolution". in " Geo - Das neue Bild der Erde" Nr.7 / Juli 1997, Gruner+Jahr AG & CO, Hamburg, Seite 128 (gelbe Box)
4 vgl. http://berlinonline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/1999/0827/freizeit/0007// 21.09.2000
5 Engeln, Henning: "Die Hand - Geniestreich der Evolution". in " Geo - Das neue Bild der Erde" Nr.7 / Juli 1997, Gruner+Jahr AG & CO, Hamburg Seite 129 (gelbe Box)
6 a. a. O., Seite 128 (gelbe Box)
7 http://tpiweb.com/aktuell/98040502.htm# / 20. 03. 2001
8 ebenda

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