Die Vermutungen der Wissenschaftler liegen darin, dass es ungefähr 450
Millionen Jahre gedauert hat, bis aus den Brustflossen der Urfische die Hände
entstanden.1
Nachdem der Mensch begann aufrecht zu gehen, seine Hände eine Zeit lang
als Greifwerkzeuge2 zu nutzen wusste und schließlich zu einfachen bis kompliziert
herzustellenden Werkzeugen überging, benötigte er eine führende
Hand, die ihn im Arbeitsprozess leitete. Somit entwickelte sich wahrscheinlich
vor zirka zwei Millionen Jahren, die auch jetzt noch stark ausgeprägte
Dominanz der rechten Hand. Begründet werden kann dieses Argument mit der
Theorie, dass Australopithecinen (afrikanische Urmenschen) pavianähnlichen
Affen mit Knüppeln oder Knochen die Köpfe einschlugen. Dabei wurden
die in Kenia gefundenen Schädelreste meist auf der linken vorderen Schädelseite
zertrümmert.3
Die plötzlich verstärkt auftretende "rechte" Bevorzugung
versucht man sich damit zu erklären, dass Linkshänder eher Einzelkämpfer
sind und Rechtshänder Herdentiere.4 Aufgrund dessen haben Rechtshänder,
früher als auch heute noch, das bessere Durchsetzungsvermögen und
Linkshänder werden mehr oder weniger verdrängt.
Wie schon erwähnt, gehen die Genetiker davon aus, dass es eigentlich eine Tendenz von eins zu eins zwischen Linkshändern und Rechtshändern geben müsste. Jedoch ist dieses Verhältnis in der Bevölkerung nicht zu verzeichnen und durch die Praxis widerlegt. Dies zeigte sich bei unserer Umfrage in Jena, wobei sich von 105 befragten Passanten lediglich 21 als Linkshänder bezeichneten. Ein wesentlicher Grund für die beschriebene Diskrepanz besteht in der unablässigen biologischen und gesellschaftlichen Beeinflussung eines Kindes durch dessen Umfeld. Innerhalb der Erziehung herrscht eher eine Rechtsorientierung. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei ungefähr zehn Prozent der deutschen Bevölkerung um widerstandsfähige Linkshänder handelt, welche sich durchzusetzen vermochten.

Anteil der Linkshänder bzw. Linksschreiber von 105 befragten Personen in Jena
Des Weiteren ist seit der Aufklärungsarbeit der "Ersten deutschen
Beratungsstelle für Linkshänder" ein kontinuierlicher Anstieg
der Linkshänder in Bayern zu verzeichnen.
Statt den Bezeichnungen Links- und Rechtshändigkeit kämen eher die
Bezeichnungen Links- und Rechtshirnigkeit in Frage. Begründet wird diese
Behauptung mit der Tatsache, dass es sich hierbei um ein komplexes Zusammenspiel
zwischen Gehirn und Hand handelt, wobei das Gehirn - als Steuerzentrale - die
Hauptfunktion übernimmt.
Im Endeffekt kann gesagt werden, dass die Händigkeit eines Menschen angeboren
ist und nur in bestimmten Ausnahmefällen, wie der Umschulung oder bei einem
Unfall, zum Beispiel Armamputation, geändert wird. Dennoch gegenwärtiger
Forschung konnte bis heute noch nicht geklärt werden, auf welcher Grundlage
diese Vererbung erfolgt. Sicher ist nur, dass sie multifaktoriell bedingt ist.
Neben der eben erläuterten genetischen Sichtweise schlagen einige Wissenschaftler
und Forscher auch einen anderen Erklärungsweg ein, um ein möglichst
exaktes Verständnis über den Ursprung der Linkshändigkeit zu
erhalten. Dabei beziehen sie sich auf das Wachstum und die Entwicklung der Föten
im Mutterleib.
An dieser Stelle werden wir zwei Lösungsansätze anbringen, die an
sich schon recht gegensätzlich aufgebaut sind und leicht zu Diskussionen
anregen.
Bei der ersten Studie handelt es sich um die Forschungsergebnisse der amerikanischen
Harvard Medical School. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Linkshändigkeit
vermutlich durch das männliche Sexualhormon Testosteron hervorgerufen werde.
Einerseits geschieht dieser Ausschüttungsvorgang bei schwangeren Frauen
über die Eierstöcke in die Gebärmutter, "hauptsächlich
wird [das Hormon jedoch] von den werdenden Sexualorganen der männlichen
Föten in das Fruchtwasser abgegeben."5 Zwar ist man sich bei der Hormonwirkung
noch nicht ganz eindeutig sicher, doch vermuten die Wissenschaftler, dass Testosteron
die linke Hirnhemisphärenentwicklung blockiert bzw. hemmt. Das Resultat
bestände darin, dass es nun zur Ausbildung einer linken dominanteren Hand
käme und der Beweis für die größere Anzahl männlicher
als weiblicher Linkshänder geliefert wäre.6
Bei der zweiten Studie - erstellt von den beiden Wissenschaftlern Glenda McCarthy
und Peter Hepper - wurde versucht, das Problem der Entstehung der Linkshändigkeit
mit Hilfe des Mottos: "Weder Sozialisation noch Gehirn bestimmen Händigkeit"
zu lösen.
Innerhalb ihrer Forschungen fanden sie heraus, dass der tatsächliche Rechtshänderanteil
unter den erwachsenen Menschen von zirka 90 Prozent fast eindeutig bewiesen
werden konnte. Die Ursache für diese Entwicklung liegt in der schon frühzeitig
beginnenden Bevorzugung des Fetus von einer Körperseite, indem "er
mit einer Seite mehr tastet und strampelt als mit der anderen."7 Ab der
zehnten Woche würde es schließlich zu einer 85-prozentigen Hauptnutzung
der rechten Körperhälfte kommen.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Bewegungen bis zur zehnten Woche
nicht vom Gehirn, sondern durch das Rückenmark und die Muskeln gesteuert
werden.8
Insgesamt gesehen können die Forschermeinungen auf diesem Gebiet weit auseinander
ragen. Welche Aussage nun die Richtige ist, wird sich erst in Zukunft feststellen
lassen.
1 vgl. Treutwein, Norbert: "Die Hand - unser äußeres
Gehirn". in "P.M. - Wissensmagazin" 1/1996 vom 22. 12. 1995,
Gruner+Jahr AG & CO, Verlagsgruppe München , S.48
2 ebenda
3 vgl. Engeln, Henning: "Die Hand - Geniestreich der Evolution". in
" Geo - Das neue Bild der Erde" Nr.7 / Juli 1997, Gruner+Jahr AG &
CO, Hamburg, Seite 128 (gelbe Box)
4 vgl. http://berlinonline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/1999/0827/freizeit/0007//
21.09.2000
5 Engeln, Henning: "Die Hand - Geniestreich der Evolution". in "
Geo - Das neue Bild der Erde" Nr.7 / Juli 1997, Gruner+Jahr AG & CO,
Hamburg Seite 129 (gelbe Box)
6 a. a. O., Seite 128 (gelbe Box)
7 http://tpiweb.com/aktuell/98040502.htm# / 20. 03. 2001
8 ebenda