1.3 Das Gehirn

Das Gehirn ist trotz der modernen Untersuchungsmethoden, die der Menschheit zur Verfügung stehen, das geheimnisvollste Organ des menschlichen Körpers. Es macht nur zirka 2 Prozent unserer Körpermasse aus, verbraucht aber dennoch 1/5 des vorhandenen Sauerstoffes im Blut. Hier erfolgt die Steuerung der Gliedmaßen und es wird insbesondere festgelegt, ob ein Mensch Links- oder Rechtshänder ist.

1.3.1 Aufbau und Aufgaben des Gehirns

Man teilt das Gehirn in verschiedene Bereiche ein: das Großhirn (Cerebrum), das Zwischenhirn (Dienzephalon), das Mittelhirn (Mesencephalon), das Kleinhirn (Cerebellum) und das verlängerte Rückenmark (medulla oblongata).

1 Großhirn (Cerebrum)
2 Balken (Corpus Callosum)
3 Sehnervüberkreuzung (Chiasmus Opticum)
4 Zwischenhirn (Diencephalon)
5 Kleinhirn (Cerebellum)
6 verlängertes Rückenmark (Medulla oblongata)
7 Hypothalamus

menschlisches Gehirn, aus: Miram, Wolfgang und Krumwiede, Dieter: "Informationsverarbeitung". Schrödel Schulbuchverlag GmbH, Hamburg 1997, S.89

Man unterscheidet zwei Hemisphären (Gehirnhälften) im Großhirn, die linke und die rechte, die jeweils die Nervenimpulse der anderen Körperseite verarbeitet und die entsprechende Seite auch vorwiegend steuert. Unsere Hände sind über Nerven, die sich im Rückenmark sammeln mit der entgegengesetzten Gehirnhemisphäre verbunden.

Die dazu notwendige Kreuzung (descussatio) dieser Nerven vollzieht sich im oberen Teil des Rückenmarks im Bereich des Hirnstamms, genauer in der medulla oblongata, dem verlängerten Rückenmark. Sie ist der unterste Teil des Nachhirns und stellt die Verbindung zwischen Gehirn und Rückenmark her. Enthalten sind Nervenzentren, die für die Steuerung unwillkürlicher Prozesse, wie zum Beispiel Herzschlag, Atmung und Regulierung der Körpertemperatur zuständig sind. Am Hypothalamus überkreuzen sich die Nerven unserer Augen auf dem Weg zum Großhirn. Diese Kreuzung wird als Chiasmus opticum bezeichnet.

Ein Balken aus Nerven, das Corpus callosum, verbindet die beiden Gehirnhemisphären und stellt sicher, dass die Hirnhälften zusammenarbeiten können. Diese Nerven werden als Verbindungs- oder Kommissurenfasern bezeichnet und stellen des Weiteren die Verbindung zum Rest des Gehirns her.

Zu den später ausführlich beschriebenen (möglichen) Problemen der umgeschulten Linkshänder kommt es, da die rechte dominante Hirnhemisphäre trotz der Umstellung von der linken auf die rechte Hand die dominante Hirnhälfte bleibt, allerdings ihre Aufgaben nicht übernehmen darf. Die andere (linke) Hirnhälfte ist aber mit diesen Aufträgen überlastet, da sie ursprünglich nicht dafür vorgesehen war. Dadurch kommt es "im Bereich des Corpus callosum zu... einer Art Kurzschluss und [damit] zu Übertragungsblockierungen." 1

Handmännchen, von : http://home.snafu.de/ralph/geschichte.html/Im Großhirn befindet sich auch das Zentrum unserer Sinneswahrnehmung sowie das Sprachzentrum und das Gedächtnis. Auf der Großhirnrinde (Cortex) gibt es Bereiche, die diese Aufgaben übernehmen. Außerdem sind an dieser Stelle auch sogenannte sensorische (Sulcus centralis) und motorische Rindenfelder (motorischer Cortex) vorhanden, die Nervenreize aus dem Körper empfangen bzw. Impulse an den Körper zurückschicken und damit Bewegungen steuern.

Der nebenstehende Humunculus, das Handmännchen, zeigt sehr deutlich, dass die Hand einen größeren Bereich auf dem Cortex einnimmt als alle anderen Gliedmaßen, ausgenommen der Lippen.

 

 

1.3.2 Aus der Dominanz der Hemisphären resultierende Fähigkeiten und Charakterzüge

Die Hemisphären sind nicht nur räumlich getrennt, sie übernehmen auch unterschiedliche Aufgaben. Logische und analytische Denkprozesse, das Brocca-Sprachzentrum sowie das Verständnis der Grammatik und des Wortsinns werden vor allem von der linken Gehirnhälfte bereitgestellt, während Kreativität und bildhafte Vorstellung von der rechten Hemisphäre ausgehen. Des Weiteren wird in der rechten Hirnseite die räumliche Orientierung, das Erkennen von Gesichtern und das Gefühlverständnis erzeugt.

Frau Dr. Sattler beschreibt Händigkeit eindeutig als "Ausdruck einer motorischen Dominanz im menschlichen Gehirn"2 Da bei Linkshändern die rechte Hemisphäre vorherrschend ist, sind Linkshänder oft kreativer und haben eine bessere räumliche Vorstellung.

Neben diesen unterschiedlichen Fähigkeiten bilden sich bei Links- und Rechtshändern auch verschiedene Persönlichkeitsstrukturen heraus. Linkshänder denken mehr ganzheitlich, das heißt in großen Rahmen, beziehungsreich und reagieren eher intuitiv, während Rechtshänder vor allem Lineares, Aufeinanderfolgendes sowie Detailreichtum lieben. Wissenschaftler vermuten zudem, dass Rechtshänder eher zu Optimismus neigen, als Linkshänder. Selbstverständlich ist jeder Mensch ein einzigartiges Individuum in der Zusammenarbeit von beiden Gehirnhälften.

Außerdem vollzieht sich die Wahrnehmung von Linkshändern in entgegengesetzter Richtung zu den Rechtshändern, das heißt von rechts nach links, so dass sie Wörter falsch herum lesen und Zahlen vertauschen können.

zurück zur Hand zu den Ursachen von Linkshändigkeit

1 Sattler, Dr. Johanna Barbara: "Psychische Probleme durch Umschulung". in "Psychologie heute", Magazin, Nr. 10, Oktober 1985, S.8
2 Sattler, Dr. Johanna Barbara: "Der umgeschulte Linkshänder oder Der Knoten im Gehirn". Auer-Verlag, Donauwörth 1995, S.47

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