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2006 - 2012

[ prosa ]

 

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10. Januar
2007 - Mittwoch 2008 - Donnerstag 2009 - Sonnabend
Wieder Migräne.
Ich korrigierte das Interview zu Ende und wollte dann die Voraus-Zuzahlungsbefreiung für meine Mutter beantragen, aber es stellte sich heraus, dass sie dieses Jahr keine bekommt, weil ich die ZB für voriges Jahr erst nach dem März beantragt hatte. Bis halb sieben verbuchte ich dann sämtliche Einnahmen für 2006. Ich muss jetzt aber dringend eine laufende Buchführung einführen.
Ich habe vier Schreiben ans Sozialgericht aufgesetzt, in denen wir zwei Klagen vollständig zurückziehen und von den restlichen Klagen zwei einzelne Klagepunkte. Es war ein ruhiger Tag. Erst wollte ich nach Borstendorf fahren, um die Langlaufskier aus der Laube meines verstorbenen Vaters zu holen, aber dann hing ich doch wieder bis nachmittags am Computer, bevor ich mir ein ausgiebiges Bad gönnte. Mal nicht übersetzen, nicht lernen, dafür Astrologie - Döbereiner-Lektüre.
Tochter hat das von mir repertorisierte Lycopodium genommen, es hat aber nicht geholfen. Ihre Augen eitern. Ich empfahl ihr, morgen zum Bereitschaftsarzt zu gehen.

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11. Januar
2007 - Donnerstag 2008 - Freitag 2009 - Sonntag
Ich war bei der Neurologin und bezahlte 90 Euro für 6 AscoTop in der Apotheke... Die Sprechstundenhilfe gab mir eine Adresse mit, bei der ich mich beschweren kann. Über diese Ausgabe komme ich so schnell nicht hinweg.
Ansonsten schickte ich heute früh das fertige Interview ab und arbeitete bis halb sechs an der Website für die Caritas.
Ich wollte mich unbedingt um den Verkauf meines Buches kümmern, Physik und Chemie lernen und dann mein Zimmer sauber machen, aber ich hatte kaum noch Energie. Am liebsten hätte ich mich nur noch mit Astrologie beschäftigt.
Doch es kam anders. Kaum hatte ich die beiden Autorenexemplare an Irena und H. versandfertig gemacht und den Physik-Kurs zu Ende gebracht, bekam ich plötzlich ohne weiteren Kommentar den Auftrag, für den ich mich gestern bei proz.com beworben hatte! Zehn Seiten GmbH-Satzung für 80 Euro bis Montag früh. Natürlich machte ich mich sofort darüber her, da erhielt ich mittendrin eine Mail von der Magdalena, für die ich vor zwei Jahren die Zusammenfassung ihrer Dissertation über den Priesterdichter Twardowski übersetzt hatte! Sie fragte an, ob ich ihr eine Rede zum Thema übersetzen würde. Natürlich sagte ich sofort zu. Bis zum Abend schaffte ich 7,5 Seiten der Satzung, dann war ich breit.
Auch heute ein entspannter Tag. Abends fing ich endlich wieder an, meine private Website umzuarbeiten. Das war so befriedigend: Es ist Nacht. Ich hocke im Kuschelpullover vor dem PC mit einem Pott heißem Tee in der Hand. Ich schreibe und gestalte. Es entsteht etwas Sichtbares, etwas, wovon ich in ein paar Jahren sagen werde: Wie viele Nächte habe ich mir damit um die Ohren geschlagen!
Der Gag ist einfach nur, dass ich das, dieses künstlerisch produktive Schaffen, als Lebensmittelpunkt betrachten muss, und alles andere - der Job, das Studium, die nicht enden wollenden Alltagsgeschäfte, Familienangelegenheiten und andere Verbindlichkeiten - ist nur notwendiges Übel. Es ist eine simple Perspektivverschiebung. An meinem Alltag wird sich nichts Sichtbares ändern, nur meine Perspektive: Ich werde jeden Tag auf diese Stunden hinarbeiten, in denen ich endlich ich sein kann.
Übrigens ist es auch nicht notwendig, mich zum Malen, Zeichnen oder Musizieren zwingen zu wollen, solange es nicht aus mir selbst kommt. Mag sein, dass ich jetzt gerade viel mehr Bilder als Gedanken brauche, aber es ist nun mal die Gestaltung am Computer, die mich zur Zeit innerlich ausfüllt. Und dann ist das auch das Richtige.

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12. Januar
2007 - Freitag 2008 - Sonnabend 2009 - Montag
Heute tatsächlich mal schmerzfrei aufgewacht! Mann, tat das gut! Da habe ich mir einen zwanglosen Arbeitstag beschert, doch die Caritas-Site schlauchte mich ganz schön, so dass ich nachmittags dann doch Kopfschmerzen bekam, zwei Dolormin nahm und mich zum Arbeiten zwingen musste - bis halb fünf? Halb sechs? Weiß ich gar nicht mehr, jedenfalls spielte unsere Jüngere dann Sonic am anderen PC, da habe ich mich lange daneben gesetzt, es war so schön locker, und da fiel mir auf, unter welch extremem chronischem Leistungsdruck ich seit einem Jahr schon wieder stehe. Ständig habe ich das Gefühl, ich kann mich jetzt nicht einfach treiben lassen, ich habe noch etwas zu tun, muss weg, auch wenn ich gar nichts zu tun habe! Es gerät gerade wirklich alles nach und nach in einen Umbruch bei mir, also wird dieses Jahr schon noch was passieren, es wird eine neue Phase anbrechen. Jetzt löst sich jedenfall nach und nach alles Alte auf, beginnt zu bröckeln... vor allem meine Tageseinteilung, meine Einstellung zur Arbeit... Trotzdem muss ich morgen noch ein paar Seiten übersetzen, sonst schaffe ich das Ding am Montag zu keiner christlichen Zeit. Vormittags war ich in der Schule, und J. holte unser Auto aus der Werkstatt. Anschließend besuchten wir meine Mutter im Pflegeheim. Sie war heute besonders lustig drauf, aber so krass in einer anderen Realität wie noch nie. Heute war die "PGH Bau und Elt" dran, da kam sie gar nicht mehr raus.
Als wir nach Hause kamen, war ich plötzlich hundemüde, so dass ich fast im Stehen einschlief: Ich hatte letzte Nacht zu wenig geschlafen und bei meiner Mutter ein fettes Schnitzelbrötchen gegessen, das mir J. gemacht und mitgebracht hatte. Doch ich zwang mich mit letzter Kraft sofort zum Saubermachen, denn das musste dringend sein - morgen muss ich ja übersetzen.
Die Welt hat sich verändert. Vielleicht ist auch einfach der Marstransit vorbei. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühle ich mich wieder so frei, leicht und lebensfroh, als verliefe mein Leben haargenau so, wie es soll. Das ist eigenartig, denn ich habe so viel Arbeit und null Geld, dass ich eigentlich todunglücklich sein müsste, doch genau all das ist auf einmal ein großes Abenteuer!
Ich habe übersetzt und Chemie gelernt und dann bei dem polnischen Übersetzungsbüro angefragt, wo meine 800 Euro bleiben. Die Antwort hat mich aus den Latschen gehauen: Sie wüssten auch nicht, was los ist, aber ihre ausländischen Kunden würden in letzter Zeit nicht oder erst nach mehreren Mahnungen zahlen, so dass sie keine Euro hätten. Sie entschuldigte sich vielmals, bat um Verständnis... Ich war völlig fertig. Jetzt bekomme ich nicht einmal mehr das bisschen Geld für meine Arbeit, das eh nicht gereicht hat? Gar nichts mehr? Zwei Arbeitslose, die um nichts im Leben wieder zur ARGE zurück wollen?
Einerseits war das Leben, wie es sein soll und ein Abenteuer - andererseits schob ich für den Rest des Tages Panik. Gleichzeitig, das geht. Schön ist das Leben, das von mir abhängt. Angst macht das Leben, das von objektiven Umständen abhängt.
Nachmittags begann ich endlich, ins Zimmer unserer Tochter umzuziehen. Ich schleppte Tonnen von ihrem Klimbim in mein Zimmer und Tonnen meiner Bücher in ihres, zwischendurch immer ein Regalbrett nach dem anderen reinigend, aber das war ungeheuer befriedigend. Es mag dauern, solange es will, es ist eine Heidenarbeit - aber es ist schön, etwas entstehen zu sehen, wie ich es mir vorgestellt habe!
Unsere Tochter selbst war gestern nicht beim Bereitschaftsarzt, weil die Augen nicht mehr eiterten, nur noch tränten. Heute hat sie ein Antibiotikum bekommen, ihr Arzt scheint aber wirklich ein guter zu sein.

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13. Januar
2007 - Sonnabend 2008 - Sonntag 2009 - Dienstag
Übersetzt und Mutter besucht.
Seit ein paar Tagen digitalisiere ich meine alten Tagebücher. Das hat viel aufgewühlt, ich stelle mein ganzes Leben in Frage, spüre aber auch, dass eine Wandlung nahe ist.
Durch die letzten 2,5 Seiten und die Korrektur quälte ich mich seltsamerweise mehrere Stunden lang, wo ich vorgestern für das Dreifache nur vier Stunden gebraucht hatte.
Dann spielte ich endlich wieder Gitarre und aß ansonsten viel zu viel.
Es hält an. Ich habe endlich meine Aufzeichnungen aktualisiert und das Wichtigste, was ich lernen muss, ausgedruckt, habe mit Biochemie angefangen, also insgesamt (und mit Freude) fünf Stunden gelernt (was bleibt mir denn? Nur der Heilpraktiker bietet mir noch eine reale finanzielle Alternative.) und zwei Stunden Zimmer umgeräumt.
Abends dann zum ersten Mal dieses Jahr wieder Unterricht, aber das Thema hätte ich mir auch schenken können: Haut - Anatomie und Physiologie. Im Grunde kamen dabei drei Stunden Histologie rüber, die ich doch schon lange beherrsche. Ich wundere mich allerdings, dass bei mir noch ganz von selbst so viel hängen bleibt - die anderen scheinen von den Grundlagen nie Ahnung zu haben, die schreiben alle ganz eifrig mit.

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14. Januar
2007 - Sonntag 2008 - Montag 2009 - Mittwoch
Mannomann, schon der dritte Tag hintereinander ohne Migräne!! Kaum habe ich ein Vermögen für die Medikamente ausgegeben, brauche ich sie nicht mehr...
Caritas zu Ende übersetzt und sogar schon 9 Seiten korrigiert. Ich möchte nun wirklich so bald wie möglich mit allen Job-Aufgaben fertig werden, um mir endlich mal einen ausgiebigen Mehr-oder-weniger-Urlaub zu gönnen.
Ich habe den "Csavargók angyala" von LGT gefunden und runtergeladen!
Eine nette Dame vom Finanzamt rief mich an und beantwortete mir meine Frage zu meiner vollsten Zufriedenheit. Dann diskutierte ich mit J. noch mal genau unsere Klagen und die bereits versandfertigen Rückzüge durch, und endlich verschafften wir uns einen klaren Blick und einigten uns. In der Folge musste ich alles noch mal schreiben. Anschließend fuhren wir gleich zur Post, wo ich die Bücher wegschickte, und zum Sozialgericht, wo ich die Schriftsätze abgab und dann mit J. noch eine kleine Runde von oben durch den Stadtpark drehte.
Ich lernte drei Stunden lang Chemie und Biochemie und hatte dann wieder keine Energie mehr.
Abends kam der Mittelteil der Rede von Magdalena. Den will sie bis nächste Woche Mittwoch zurück haben.
So sauwohl beim Aufwachen habe ich mich eine kleine Ewigkeit nicht gefühlt!
Drei Stunden Chemie und Biochemie, und dann ackerte ich fünf Stunden lang überm Umräumen. Anschließend taten mir Füße und Kreuz dermaßen weh, dass ich kurzerhand auf die Schule verzichtete und es mir mit J. vorm Fernseher gemütlich machte. Machen wollte. Denn sofort klingelte das Telefon - Tante gab ihre Einkaufsliste durch und hielt ein Schwätzchen, mittlerweile hatte unsere ältere Tochter angerufen, ich musste sie sofort zurückrufen, weil sie mir ihre Kontodaten durchgeben wollte - kaum angefangen, klingelte ihr zweites Telefon, und sie führte erst mal ein anderes Gespräch, kam zurück und sagte: "Ich glaube, das war meine Schwester - die hatte aber eine komische Stimme!" Dann also die Kontodaten und wieder ein Schwätzchen - und dann waren die Simpsons lange vorbei, und ich wollte mich gerade vorm PC niederlassen, da setzt mir J. den Floh ins Ohr, dass er die Sauermilchprodukte, die ich der Jüngeren zu den Antibiotika empfohlen hatte, immer nur bei Sulfonamiden nehmen sollte, ob ich wirklich sicher sei... Also stürzte ich mich in die Suche und telefonierte dann noch mal längere Zeit mit der jüngeren Tochter.

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15. Januar
2007 - Montag 2008 - Dienstag 2009 - Donnerstag
Ich war spät aufgewacht, trotz Wecker. Dann raste ich, ohne mich gewaschen zu haben, durch die Korrektur der Caritas und schickte den Auftrag pünktlich um zwölf ab - und sah dann erst, dass er bis morgen gewesen war! Ungefähr seit dieser Zeit streikt der Mailserver. Bis abends Buchhaltung. Da die Freeware für 2007 ein Update braucht und es die Firma plötzlich nicht mehr gibt, musste ich noch einmal eine eigene ordentliche Buchführung ab 2005 anlegen. Nun fehlen mir für 2006 nur noch die Handykosten, die Abschreibungen und der Freibetrag für meine Tochter - da muss ich erst Artikel lesen -, dazu noch eine Menge Belege zum Suchen, Ausdrucken und Kopieren, und für dieses Jahr die Ausgaben. Ich war ja fest entschlossen gewesen, mich an meinen freien Tagen konsequent vom PC fern zu halten und hauptsächlich zu malen, Gitarre zu spielen, Musik zu hören, zu tanzen, fernzusehen, rauszugehen und was dergleichen schöner Dinge mehr sind. Aber es ist immer noch furchtbar schwer... Heute jedenfalls habe ich es nicht geschafft.
Alles Gute kam immer nur schubweise und zäh. Ich wollte gern raus, aber J. hatte keine Lust, das war mir auch recht - mir ging es ja gut, und ich hatte Spaß bei der Astrologie, zumal ich die Hamburger Schule für mich entdeckt habe: endlich mal eine Astrologie, die knallhart mathematisch-grammatisch ist, im Grunde das, was ich fast 15 Jahre lang versucht habe, allein zu erfinden! Wenn die jetzt auch noch funktioniert, wäre das der Stein der Weisen! Gegen Mittag hatte J. aber doch den Impuls rauszugehen. Wir fuhren in den Küchwald und liefen dort eine straffe Runde. Danach ging es mir richtig gut.
Seit das Übersetzungsbüro mir mitgeteilt hat, dass sie zur Zeit nicht zahlen können, habe ich noch keinen Auftrag wieder bekommen. W.'s Server scheint ein Problem zu haben - meine letzte Mail an ihn kann seit vorgestern nicht zugestellt werden. Also 1,5 Stunden Studium und dann bis zum Abend (mit Erholungspausen) umgeräumt. Beim Ausmisten meiner Papiere hatte ich all meine Noten sortiert und bekam dabei Lust, wieder Gitarre zu spielen. Was ich auch tat.
David Černý hat im Auftrag und als Geschenk der tschechischen Regierung für Brüssel die Plastik Entropa gestaltet, und jetzt ist der Eklat perfekt. Die Welt der Verdränger aus allen Nationen ist hart brüskiert, und der Rest der denkenden Menschen lacht sich kaputt. Wie schön, dass sich die Tschechen bis heute ihren hinterfotzigen Schwejk-Geist bewahren konnten! Ich bin begeistert: Das ist Kunst! Das EU-Gebäude, in dem die Plastik steht, hat noch nie so viele Besucher auf einmal gehabt! Noch herrlicher: Er hat behauptet, jedes Land sei von einem Künstler aus dem jeweiligen Land gestaltet worden und auch noch fiktive Biografien veröffentlicht, war aber alles ein gigantischer Fake.
Was allerdings noch niemandem aufgefallen zu sein scheint, ist der Name "Entropa": Entropie ist in der theoretischen Chemie ein Maß für den Ordnungszustand der Teilchen in einem Stoff. Die Entropie eines Stoffes ist umso größer, je chaotischer die Teilchen angeordnet sind.
Lang lebe die Freiheit der Kunst!

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16. Januar
2007 - Dienstag 2008 - Mittwoch 2009 - Freitag
Ein seltsam gereizter Tag ist heute, ich bin furchtbar hektisch und weiß gar nicht warum und gerate dauernd mit J. aneinander. Mars übern Mond? - Nö, aber der Transitmond läuft gerade über die laufende Mars-Pluto-Konjunktion, und Transit-Mars steht im Quadrat zu H4 Jupiter.
Unsere jüngere Tochter fuhr heute nach Stuttgart. Halb elf brachten wir sie zum Bahnhof, anschließend holte ich ein Formular für die Steuererklärung vom Finanzamt, weil die Elster-CD noch nicht da ist. Ich konnte die ganze Zeit einfach nicht aufhören, über meine Abrechnung für 2006 nachzudenken, an der ich von früh an schon arbeitete.
Zwischendurch rief unsere Tochter dreimal an. Sie waren unterwegs steckengeblieben, weil sich jemand zwischen Hof und Bayreuth untern Zug geschmissen hatte. Von Hof fuhren sie dann mit dem Bus nach Nürnberg, und sie schaffte ihren Anschlusszug nicht mehr, für den sie eine Platzkarte hatte.
Ich wachte mit höllischen Kopfschmerzen auf. Als ich dann schmerzfrei war, begann ich endlich zu zeichnen, spielte Gitarre und machte mit J. einen Abendspaziergang.
Später setzte ich mich sogar noch hin und begann, das Bild in Blautönen auszumalen. Unsere Tochter sagte mir, seit ich endlich wieder Gitarre spiele und male, seien ganz andere Schwingungen in meinem Zimmer, viel harmonischere, man fühle sich richtig wohl, wenn man reinkomme. Das sei ihre Kindheit: Als sie klein war, habe ich ja noch viel Künstlerisches gemacht, habe immer gesungen...
Nachts stand ich auf dem Hofbalkon und sah in den Himmel. Ich hatte endlich wieder meinen poetischen Blick. Durch einen Riss in einer großen Wolke schien die Mondsichel. Das Bild faszinierte mich, und ich dachte, das muss ich malen. Doch wie immer wusste ich wieder nicht wie. Da sagte ich plötzlich: "Durch einen aufgeschlitzten Hund scheint der Mond." Und da hatte ich das innere Bild! Das ist es: Eindrücke ohne Worte nehmen keine Gestalt an. Worte ohne Eindrücke machen Kopfschmerzen. Nur Eindrücke, die zu Worten werden, können auch zu Bildern und Geschichten werden.
Noch vor sieben hustete mich der blinde Nachbar wach. Ich knallte das Fenster zu, denn ich hatte Kopfschmerzen und mir wurde schon übel, wenn ich mir nur vorstellte, dass es hier gleich nach Zigarettenqualm riechen wird. Ich hatte die ganze Nacht sehr unruhig geschlafen.
Wegen der Kopfschmerzen verzichtete ich auf den verabredeten Spaziergang mit J. und nach dem Studium auch aufs Umräumen. Ich wollte bloß noch meine Website gestalten.
Blöder Tag heute.

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