Eins, zwei, drei und ich dabei

Sphinx

Centia weist mit dem Paddel nach links, dort liegt ein einsamen Schlösschen direkt am Rheinufer auf der Eltviller Aue. Die Insel darf nicht betreten werden, doch nahe heranfahren können wir schon. Eine Kaimauer schützt das Gebäude und einen kleinen Vorgarten vor dem Fluss, nur in der Mitte durchbrochen von einer breiten Steintreppe, die rechts und links von einem mächtigen Steinwürfel gesäumt wird . Obenauf liegt je eine Sphinx, den Körper der Treppe zugewendet. Ich bin begeistert, das ist ein stimmungsvolles Bild. Doch an Aufnahmen vom Boot aus ist nicht zu denken. Das Kanu wackelt zu sehr, und die Kamera liegt unerreichbar im Heck. Sphingen faszinieren mich und die Menschheit seit Jahrtausenden. Anfangs war die große Sphinx in Ägypten männlich, doch im Alten Griechenland wechselte sie schon die Seiten. Erst mit der Romantik findet die Sphinx auch in Deutschland größere Verbreitung. Wer das Gedicht von Heinrich Heine liest und liebt, verfällt der Sphinx mit Haut und Haar.

Die Sphingen hier zeigen sich auch von der Gestalt her ausschweifend. Ein liebliches Gesicht, feste volle Brüste und gewaltige Tatzen. Da niemand spricht, trage ich Heines Gedicht vor:

Dort vor dem Tor lag eine Sphinx

Ein Zwitter von Schrecken und Lüsten,

Der Leib und die Tatzen wie ein Löw,

Ein Weib an Haupt und Brüsten.

:

Entzückende Marter und wonniges Weh!

Der Schmerz wie die Lust unermesslich!

Derweilen des Mundes Kuss mich beglückt,

Verwunden die Tatzen mich grässlich.

 

Meine Begleiterinnen sind beeindruckt.





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Zuletzt geändert: 17.07.2003, 21:38:46

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