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2050 Zeitblock VI Eintrag 8; 8. September 2050 Belgien � Le Faubourg: Pablo � der Barkeeper, mit v�terlichen Z�gen � war gerade dabei ein Bierglas zu polieren, als die Mutter mit Kind hereinkam. Er merkte sich die Zeit; acht Uhr siebenundzwanzig abends, Mitteleurop�ische Zeit, 8. September 2050. Zeitspringer merken sich immer die Zeit und das Datum, das m�ssen sie.
Die Mutter mit Kind war ein Mann etwa drei�ig Jahre, nicht gr��er als Pablo selbst, mit weichen Gesichtsz�gen und einem sehr aufbrausenden Temperament. Pablo konnte den Kerl nicht sonderlich leiden � schon vom ersten Mal, als er ihn sah � aber er war der Mann, den er hier anwerben sollte. Er war Pablos Mann. Pablo setzte sein bestes Barkeeperl�cheln auf.
Vielleicht war Pablo �berkritisch. Er hatte nicht zu weiche Gesichtsz�ge; er trug diesen Spitznamen nur, weil er auf jede Frage nach seinem Beruf antwortete, �Ich bin Mutter mit Kind.� Falls er mal in guter Stimmung war, f�gte er hinzu �... f�r vier Cent pro Wort. Ich schreibe Geschichten des Lebens.�
Wenn er sauer war, lauerte er drauf, da� jemand etwas daraus machte. Er k�mpfte seltsam � fast weiblich � deshalb wollte Pablo ihn. Aber das war nicht der einzige Grund.
Die Mutter mit Kind hatte schon zuviel getrunken, und sein Gesicht zeigte, da� er heute die Menschheit mehr als sonst verachtete. Pablo gab ihm ein gro�es Bier, das er sofort bis zur H�lfte leerte. Als er das Glas absetzte zapfte Pablo nach.
Dann wischte er die Theke ab, vom �bergelaufenem Schaum. �Na, wie geht�s im Gesch�ft der M�tter mit Kind?�, fragte Pablo.
Die Mutter mit Kind schien das Glas nach Pablo werfen zu wollen. Dieser tastete nach seinem Gummikn�ppel, doch er bemerkte ein Absinken der Spannung. So etwas hatte er im Training gut gelernt. �Sorry,� sagte Pablo. �War nur eine Frage. Wie ist das Wetter da drau�en?�
Die Mutter mit Kind zuckte mit den Schultern. �Das Gesch�ft l�uft. Ich schreibe, die Sachen werden gedruckt, ich lebe.�
Pablo zapfte sich selbst einen Pfiff. �Du schreibst ganz gut,� behauptete er und prostete ihm zu. �Ich hab schon ein paar deiner Geschichten gelesen. Du bringst den weiblichen Standpunkt toll heraus.�
Dieses Risiko mu�te Pablo eingehen. Die Mutter mit Kind hatte ihm noch nie seine Pseudonyme mitgeteilt. Aber er ging zum Gl�ck nur auf den letzten Satz ein. �Der weibliche Standpunkt!� wiederholte er ver�chtlich. �Oh ja, den kenne ich allerdings.�
�Schwestern?� runzelte Pablo die Stirn.
�Nein. Keine Schwestern. Aber die Geschichte w�rdest du eh nie glauben!�
�Barkeeper, Psychiater, Friseure, und Anw�lte wissen, wie verr�ckt die Wahrheit sein kann,� erkl�rte Pablo ihm. �Wenn du w��test was ich schon alles ... . Tja, das ist unglaublich, kann ich dir sagen!�
�Pah, du wei�t ja gar nicht, was unglaublich ist.�
�Das sagst du! Mich kann nichts mehr verwundern, mein Sohn!�
�Wollen wir um eine Flasche Whisky wetten?�
Pablo stellte eine volle Flasche Glennfiddich auf die Theke. �Das ist mein Einsatz.�
�Hmm . . .� Pablo gab Michelle ein Zeichen, da� sie alleine weitermachen sollte. Sie waren am Ende der Theke v�llig ungest�rt; die anderen G�ste sahen sich ein Fu�ballspiel im Fernsehen an, und jemand spielte mit dem Gl�ckspielautomaten.
�Okay,� begann die Mutter mit Kind. �Ich bin ein uneheliches Kind ...�
�Das ist nichts besonderes,� unterbrach ihn Pablo. �Meine Eltern waren auch nicht verheiratet.�
�Ich ...� Pablo sah ihn das erste Mal, seit er ihn kannte, l�cheln. �Ist das dein Ernst?�
�Klar. In meiner Familie heiratet niemand. Wir sind alles uneheliche Kinder.�
�Mumpitz � du bist doch verheiratet!� Er zeigte auf Pablos Ring.
�Ah, den meinst du.� Pablo zeigte ihm den Ring. �Der sieht nur wie ein Ehering aus; ich habe ihn nur, um meine Ruhe vor Frauen zu haben.� Pablo hatte ihn im Jahr 2035 einem Kollegen abgekauft, der ihn aus dem vorchristlichen Norwegen mitgebracht hatte. �Das ist ein Drache der sich in den eigenen Schwanz bei�t.�
Die Mutter sah kaum hin. �Dann kannst du dich also in meine Lage versetzen. Als kleines M�dchen ...�
�Hey!� rief Pablo, �Habe ich mich verh�rt?�
�Wer erz�hlt hier die Geschichte? Sagt dir Yentl, oder die Exner � Methode was?�
�Uralt Film zu einer Transsexuellen im vergangnen Jahrtausend, und Geschlechtsumwandlung? Willst du behaupten ...�
�H�r zu, oder gib mir die Flasche und ich h�re auf! Ich wurde ausgesetzt � 2023 mit einem Monat, vor einem SOS � Kinderdorf. Als kleines M�dchen habe ich Kinder mit Eltern beneidet. Ich wurde dann sehr fr�h im Kinderdorf aufgekl�rt, und du kannst mir glauben, das wird man da sehr fr�h, Pablo ...�
�Ja, ich wei�.�
�... habe ich mir geschworen, meine Kinder sollten einen Vater und eine Mutter haben. Dieser Vorsatz hat mich bewogen, meine �Unschuld� zu verteidigen. War echt nicht einfach, in so einer Umgebung. Manchmal mu�te ich schon ganz sch�n kr�ftig zuschlagen, um das zu schaffen. Als ich dann �lter wurde, merkte ich, da� ich herzlich wenig Aussichten zum Heiraten hatte. War auch der selbe Grund warum ich nicht adoptiert wurde.� Zornesfalten legten sich auf seine Stirn. �Ich war h��lich, hatte schiefe Z�hne, keine Brust und str�hniges Haar.�
�Du siehst auch nicht schlimmer aus als ich.�
�Wen interessiert es wie ein Barkeeper aussieht? Oder ein Schriftsteller? Aber Adoptiveltern nehme lieber blondgelockte blau�ugige Engelchen, die auch ruhig dumm sein k�nnen. Und sp�ter wollen die Jungs eine gute Figur, ein h�bsches Gesicht und ein L�cheln, das ihnen sagt wie toll sie sind.� Wieder zuckte er mit den Schultern. �All das, hatte ich nicht zu bieten. Deshalb habe ich mich um den Posten einer Mannschaftsbetreuerin in Raumschiffen beworben.�
�Ah, verstehe ...�
�Nichts verstehst du! Das Raumkorps hat fr�h erkannt, da� die M�nner nicht monatelang allein sein wollten. Deshalb haben sie Freiwillige gesucht, die vor allem intelligent und emotional stabil waren. Sch�nheit spielte keine Rolle, denn daf�r gab es Operationen � kostenlos, wohlgemerkt. Und die M�dchen konnten damals wie heute damit rechnen, da� sie nach Ablauf ihrer Vertragspflicht einen netten Mann bekommen w�rden.
Mit achtzehn wurde ich dann einer Familie als Hilfskraft vermittelt. Eigentlich sollte es ein Au pair Platz sein, aber billige Arbeitskraft trifft es wohl eher. Aber das war mir egal, weil ich erst mit einundzwanzig ins Raumkorps eintreten konnte. Ich arbeitete unter Tags und abends ging ich offiziell in einen Weiterbildungskurs f�r Sekret�rinnen � aber in Wahrheit war ich auf einem Tanz � und Benimmkurs um meine Chancen zu verbessern.
Dann habe ich diesen Kerl mit seinen Hunderteuroscheinen kennengelernt.� Er verzog das Gesicht. �Er hatte tats�chlich ein ganzes B�ndel in seiner Hosentasche. Eines Abends hat er sie mir gezeigt und mich aufgefordert ein paar zu nehmen.
Ich habe es aber nicht getan. Er war der erste Mann, der nett zu mir war, ohne mich gleich dabei ausziehen zu wollen. Ich habe den Kurs aufgegeben, um mich �fter mit ihm treffen zu k�nnen. Damals war ich so gl�cklich.
Bis es dann, eines Abends im Park, passiert ist.�
�Und dann?� fragte Pablo.
�Nichts! Ich habe ihn nie wieder gesehen. Er hat mir vor der Haust�r versichert, da� er mich liebt, hat mich gek��t � und ist verschwunden.� Er machte ein b�ses Gesicht. �Wenn ich den Kerl jetzt hier h�tte, w�rde ich ihn umbringen!�
�Ich kann mir vorstellen, wie dir zumute ist,� behauptete Pablo, �aber ist das nicht ein wenig heftig? Vielleicht hat er �ne ordentliche Tracht Pr�gel verdient, daf�r da� er dich im Stich gelassen hat, aber ...�
�Er verdient viel mehr! Warte bis du den Rest geh�rt hast.� Er trank einen tiefen Schluck. �Ich habe mich irgendwie zusammengerissen und mir eingeredet, da� das alles nur zu meinem Besten gewesen sei. Schlie�lich stand das Raumkorps noch offen, bildete ich mir ein. Aber dann merkte ich, was noch passiert war!�
�Schwanger?�
�Und wie! Meine geizige Familie hat m�glichst lange dar�ber hinweggesehen und mich dann auf die Stra�e gesetzt als ich nicht mehr konnte � ins Waisenhaus konnte ich nicht mehr. So bin ich dann als �Hausschwangere� im allgemeinen Krankenhaus in Wien untergekommen und habe Nachtt�pfe geschleppt, bis es so weit war.
An die Entbindung kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich bin in einem Bett aufgewacht und war von der Brust ab wie gel�hmt. Als der Arzt reinkam fragte er �Na, wie geht�s?�
�Ich f�hle mich wie tot.�
�Wundert mich nicht, denn sie sind gut eingepackt, und h�ngen am schmerzstillenden Tropf. So ein Kaiserschnitt ist auch heute noch keine Kleinigkeit.�
�Kaiserschnitt? Ist dem Baby was passiert?�
�Dem Baby geht�s gut�
�Junge oder M�dchen?�
�M�dchen, klein kr�ftig und hat ca. dreieinhalb Kilo.�
Ich war zufrieden, immerhin hatte ich ein gesundes Kind auf die Welt gebracht. Aber der Arzt sprach weiter.
�Ich mu� ihnen noch eine Mitteilung machen. Am besten ich z�hle erst mal alles auf, und gebe ihnen dann eine Spritze, damit sie schlafen k�nnen. Sie werden es n�tig haben.�
�Haben sie von der Exner � Methode geh�rt? Das ist eine Methode, wie jemand von seinem jetzigen Leben in ein neues schl�pfen kann. Man ist zwar offiziell jemand anderer, hat aber den Vorteil, bis zu seinem Lebensende, keine denkbaren k�rperlichen Schwierigkeiten zu haben. Der einzige Unterschied ist, da� man als Mann lebt. Man kann heiraten, und nach den neuesten Methoden sogar Kinder zeugen. Alles ist in bester Ordnung.�
�Was hat das mit mir zu tun?�
�Darauf will ich hinaus. Sie sind ein Mann.�
Ich versuchte mich aufzusetzen; aussichtslos bei den chemischen Keulen. �Was, bin ich?�
�Immer mit der Ruhe. Als wir sie auf dem Tisch hatten, blieb uns keine Wahl. Als Frau, w�ren sie nie wieder richtig gesund geworden, aber als Mann haben sie die Aussichten ein normales Leben zu f�hren. Machen sie sich deshalb keine Sorgen, sie sind jung und wir k�nnen einen richtigen Mann aus ihnen machen.�
Ich begann zu weinen. �Und mein Baby?�
�Sie k�nnen es nat�rlich nicht stillen und ... An ihrer Stelle w�rde ich es zur Adoption freigeben.�
�Niemals!�
Er zuckte mit den Schultern. �Ihre Entscheidung. Aber dar�ber brauchen sie jetzt noch nicht nachzudenken; werden sie erst Mal wieder gesund.�
Am n�chsten Tag durfte ich meine Tochter zum ersten Mal sehen. Sie war nicht sch�n, so wie alle Neugeborenen. Trotzdem liebte ich sie und war fest entschlossen, selbst f�r sie zu sorgen. Aber vier Wochen sp�ter war sogar dieser Vorsatz wertlos.�
�Wieso das?�
�Sie ist entf�hrt worden!�
�Entf�hrt?�
Die Mutter mit Kind nickte heftig. �Aus dem Krankenhaus entf�hrt!� Sein Atem ging schwer. �Wenn das kein Verbrechen war ...�
�Wirklich ein starkes St�ck,� stimmte Pablo zu. �Spurlos verschwunden, nehme ich an.�
�Die Polizei hat kaum Hinweise gefunden. Jemand hat sich als ihr Onkel ausgegeben. Als die Krankenschwester einen Augenblick nicht hinsah, ist er mit der Kleinen verschwunden.�
�Wie sah�s mit der Personenbeschreibung aus?�
�Nur ein Mann, wie du und ich.� Er runzelte die Stirn. �Ich habe das Gef�hl, da� es ihr Vater war. Wer w�rde sonst ein Kind entf�hren? Kinderlose Frauen tun das manchmal � aber M�nner?�
�Was ist aus dir geworden?�
�Nach einem Jahr Krankenhausaufenthalt, f�nf Operationen und einer Menge Hormone, wurde ich als Mann entlassen.�
�Eigentlich geht�s dir gar nicht schlecht,� erkl�rte ihm Pablo. �Du bist ein Mann, verdienst genug Geld und hast keine gr��eren Sorgen. Das Leben als Frau ist sicher nicht einfach..�
Die Mutter starrte Pablo an. �Was wei�t du denn schon!� Er sch�ttelte den Kopf. �Kannst du dir vorstellen, wie schwer es war, sich an das neue Leben zu gew�hnen? Ich mu�te � verdammt noch mal � erst lernen, wie es ist, ein Mann zu sein!�
�Dauert �ne Zeit, nehme ich an.�
�Allerdings! Damit meine ich nicht, wie man sich kleidet und in welche Toilette man geht, das habe ich im Krankenhaus gelernt! Aber wovon sollte ich leben? Welchen Job konnte ich annehmen? Stell dir mal vor, ich konnte nicht einmal Autofahren! Ich war arbeitslos, durfte nicht schwer arbeiten, weil ich zu viele Narben und empfindliches Wundgewebe hatte. Au�erdem kannten mich zu viele Leute in der Stadt, da h�tte mich keiner anstellen wollen.
Deshalb habe ich zuerst meinen Namen ge�ndert und bin dann nach Br�ssel gekommen. Zuerst war ich Frittenkocher, dann habe ich mir einen Computer gekauft und ein kleines Schreiboffice aufgemacht. War l�cherlich. In den ersten Monaten habe ich zehn Briefe und ein Manuskript getippt! Das Manuskript war f�r �Die Geschichte deines Lebens� � grausig schlecht � aber der Kerl hat es verkauft. Das hat mich auch auf die Idee gebracht; ich habe einen Stapel dieser Schundmagazine gekauft und sie gelesen.� Er l�chelte spitz. �Jetzt wei�t du also, woher ich den authentischen Standpunkt einer Frau mit Kind kenne .. obwohl ich die wahre Geschichte noch nie verkaut habe. Gewinne ich die Flasche?�
Pablo schob sie zu ihm r�ber. Dann dache er wieder an die Arbeit. �W�rdest dich wohl noch heute an diesem Kerl r�chen wollen?�
Die Augen der Mutter leuchteten raubtierhaft auf.
�Augenblick, du w�rdest ihn doch nicht umbringen?�
Er grinste h��lich. �Warum eigentlich nicht?�
�Immer langsam. Ich wei� mehr dar�ber, als du denkst. Ich kann dir helfen. Ich wei� wo er steckt.�
Die Mutter griff nach Pablo. �Wo steckt dieser Kerl?�
�La� mein Hemd los, Kleiner � sonst landest du auf der Stra�e und wir sagen der Polizei, du seist ohnm�chtig geworden.� Pablo zeigte ihm den Gummikn�ppel.
Die Mutter lie� ihn los. �Sorry, aber wo ist er? Und woher wei�t du so viel?�
�Alles zu seiner Zeit. Es gibt Unterlagen, aus denen alles hervorgeht � Krankenbl�tter, Kinderdorfakten, und so weiter. Das Kinderdorf wurde von einer Frau Wagner geleitet, stimmt�s? Und du warst als Hannah dort, stimmt�s? Und das wei� ich nicht von dir, weil du es nicht erw�hnt hast, stimmt�s?�
Die Mutter war verbl�fft und ein wenig ver�ngstigt. �Was soll das alles?�
�Ich m�chte dir einen Gefallen tun. Ich kann dir diesen Kerl ausliefern. Du tust mit ihm, was immer dir gef�llt � und ich garantiere daf�r, da� nichts passiert. Aber ich glaube nicht, da� du ihn umbringen w�rdest. So verr�ckt bist du nicht.�
�Wo ist er!� dr�ngte die Mutter aufgeregt.
�Nicht so hastig! Ich tue etwas f�r dich � folglich kannst du auch etwas f�r mich tun.�
��h, ja ... was denn?�
�Dein Job gef�llt dir nicht. Was w�rdest du zu einem hohen Gehalt, regelm��iger Arbeit, einem unbegrenzt hohen Spesenkonto, selbst�ndiger T�tigkeit und interessanter Besch�ftigung sagen?�
�Mumpitz, Pablo,� winkte er ab, �das gibt�s nicht alles auf einmal.�
�Okay, ich mach dir einen Vorschlag: Ich liefere ihn dir, du rechnest mit ihm ab, und versuchst es dann mit meinem Job. Wenn er dir nicht gef�llt ... nun du bist schlie�lich ein freier Mensch.�
Er schwankte leicht; das letzte Bier war wohl etwas zuviel gewesen. �Wann krieg� ich ihn?� murmelte er unverst�ndlich.
�Wenn wir uns einig sind � sofort!�
Er streckte Pablo die Hand entgegen. �Einverstanden!�
Pablo nickte Michelle, seiner Assistentin zu, sie solle seine Arbeit mitmachen, merkte sich die Zeit, dreiundzwanzig Uhr, und verschwand mit der Mutter in Richtung Lagerraum. Nur Pablos Gesch�ftsf�hrer und er, hatten einen Schl�ssel dazu; nur Pablo hatte den Schl�ssel f�r einen kleinen, versteckten, Raum unter dem Lager.
Die Mutter sah sich um. �Und, wo ist er?�
�Kommt gleich!� Pablo �ffnete einen Kasten in der Mitte des geheimen Raums. Er enthielt einen Koordinatentransformer, Modell VI.6 Baujahr 2075 � eine wundervolle Maschine. Keine beweglichen Teile, ein Gewicht von 18 kg wenn voll aufgeladen, und �u�erlich nicht von einem Karton zu unterscheiden. Pablo hatte ihn bereits justiert; jetzt brauchte er nur noch das feinmaschige Netz ausbreiten, welches den Transformerkreis begrenzte.
�Was ist das?� wollte die Mutter wissen.
�Eine Zeitmaschine,� antwortete Pablo und warf das Netz �ber sie.
�He!� rief die Mutter und wich zur�ck. Aber damit geriet er nur noch sicherer unter das Netz. Pablo n�tzte seine �berraschung, um den Aktivator zu bet�tigen.
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0915 � Zeitblock VII, 5. Juni 2042 �sterreich, Wien, U � Bahnstation Donauinsel. �He!� wiederholte die Mutter, �Nimm mir das verdammte Ding ab!�
�Entschuldigung,� sagte Pablo und stopfte das Netz wieder in den Kasten. �Du willst ihn doch aufsp�ren, oder?�
�Aber ... Du hast gesagt, das Ding da ist eine Zeitmaschine!�
Pablo deutete aus dem Fenster. �Ist drau�en September? Oder Br�ssel?� W�hrend die Mutter sich von ihrem Schock erholte, nahm Pablo ein B�ndel Hunderteuro Scheine aus dem Kasten, und �berzeugte sich davon, da� die Nummern und Unterschriften mit 2042 vereinbar waren. Das Zeitb�ro hat nichts gegen hohe Ausgaben, aber es duldet keine vermeidbaren Anachronismen. Das Geld war in Ordnung. Die Mutter drehte sich um. �Was ist passiert?�
�Er ist drau�en. Sieh zu, da� du ihn erwischst. Hier hast du Geld f�r deine Ausgaben.� Pablo dr�ckte es ihm in die Hand. �Sobald du mit ihm abgerechnet hast, hole ich dich hier wieder ab.�
Es ist faszinierend, wie hypnotisch ein B�ndel Geldscheine auf Leute sein kann, die nicht daran gew�hnt sind. Die Mutter starrte sie ungl�ubig an, als Pablo ihn behutsam zur T�r schob. Der n�chste Sprung war leicht; er mu�te sich nur mit der Zeit bewegen.
1800 Zeitblock IX 14. Mai 2043 Mischek Tower: Unter der T�r war ein Zettel hindurchgeschoben worden, da� der Mietvertrag n�chste Woche auslief. Ansonsten war das Appartement unver�ndert. Drau�en waren die sch�nsten saftigsten Fr�hlingsbl�tter auf den B�umen zu sehen. Pablo beeilte sich ins Allgemeine Krankenhaus zu kommen. Es dauerte zwanzig Minuten, bis er die Krankenschwester so gelangweilt hatte, da� sie ihn einen Augenblick mit dem Baby alleine lie�. Pablo nahm es mit in den Mischek Tower. Diesmal war die Einstellung der Zeitmaschine etwas komplizierter, da das Ziel 1975 noch nicht existiert hatte. Aber er hatte alles vorausberechnet.
0115 Zeitblock XI 18. Juni 2023 Pension Bruderhofer Altm�nster: Transformer, Baby und Pablo trafen in der Pension am Rande des Ortes ein. Pablo hatte sich schon vorher dort als �Friedrich Wilhelm Decker, aus Wels� angemeldet, so da� sie in einem Zimmer landeten, dessen Schl�ssel Pablo bereits hatte.
Alles weitere lief sehr einfach. Hannah schlief fest; Pablo trug sie hinaus und legte sie in die Babyschale auf dem R�cksitz des Autos, den er bereitgestellt hatte, und fuhr in Richtung SOS � Kinderdorf Altm�nster. Dort angekommen bettete er sie in eine Bananenschachtel, welche er im Kofferraum hatte und setzte sie vor dem Eingang aus. Dann rief er von einer Telefonzelle aus an, kam rechtzeitig zur�ck, um sich zu �berzeugen, da� sie hereingeholt wurde. Pablo lie� das Auto in der N�he der Pension stehen, ging zu Fu� zur�ck ins Zimmer und stellte die Zeitmaschine neu ein.
2215 Zeitblock VIII, 22. Juni 2042 �sterreich, Wien, Station Donauinsel:
Pablo hatte den Ablauf genau vorausberechnet. Wenn er sich nicht irrte, entdeckte Hannah in dieser lauen Sommernacht, auf der Donauinsel, da� sie doch weniger tugendhaft war, als sie dachte. Er lie� sich mit einem Taxi zu der Adresse fahren, wo sie bei der geizigen Familie arbeitete und wartete in der N�he.
Dann tauchten beide engumschlungen aus der Dunkelheit auf. Er verabschiedete sich mit einem langen Ku� von ihr. Als er endlich ging, vertrat ihm Pablo den Weg. �Das gen�gt jetzt, mein Junge,� stellte er fest. �Ich hole dich jetzt ab.�
�Du!� Er starrte Pablo fassungslos an.
�Ich. Du wei�t nun, wer er ist � und wenn du ein bi�chen nachdenkst, kommst du auch dahinter, wer das Baby ist ... und wer ich bin.�
Er gab keine Antwort; er war sehr ersch�ttert. Es ist ein Schock, bewiesen zu bekommen, da� man der Versuchung, sich selbst zu verf�hren, nicht widerstehen kann. Pablo nahm ihn mit in die U � Bahnstation. Sie sprangen wieder.
2300 Zeitblock VII 18. September 2065 Ausbildungslager: Pablo weckte den wachhabenden Offizier vom Dienst, zeigte ihm seinen Ausweis und befahl ihm, den Neuen mit einem Tranquilizer ins Bett zu stecken. Er sollte ihn dann am Morgen rekrutieren. Der Offizier mache ein �rgerliches Gesicht, tat aber, wie Pablo ihm befohlen. Er hoffte wahrscheinlich, da� er beim n�chsten Zusammentreffen derjenige war der mich als wachhabenden Offizier weckte. �Wie hei�t er?� wollte er wissen.
Pablo schrieb ihm den Namen auf. Der Offizier hob eine Augenbraue �Hmmm ...�
�Tun sie nur ihre Pflicht, Leutnant.� Pablo wandte sich an seinen Begleiter. �Dein neuer Job wird dir gefallen � und du bist bestens geeignet. Das wei� ich.�
�Aber ...�
�Schlaf dich aus und la� dir dann alles erkl�ren. Der Job gef�llt dir bestimmt!�
�Klar,� f�gte der Leutnant hinzu. �Sieh mich an, ich bin 1945 geboren, noch immer jung und genie�e das Leben.�
Pablo kehrte in den Sprungraum zur�ck.
2245 Zeitblock VI Eintrag 9; 8. September 2050, Belgien, Le Faubourg: Pablo kam mit einer Whiskyflasche in der Hand aus dem Lagerraum zur�ck. Damit wu�ten die G�ste, wo er gewesen war. Die Mutter mit Kind konnte durch den Vorhang, der als Windfang vor dem Eingang hing, verschwunden sein. Niemand k�mmerte sich darum. Pablo war verdammt m�de.
Die Arbeit ist anstrengend, aber seit dem gro�en Fehler von 2030, ist es nicht leicht, jemand aus sp�teren Jahren zu rekrutieren. Kann man sich eine bessere M�glichkeit vorstellen, als Unzufriedene und Benachteiligte an Ort und Stelle anzuwerben, um ihnen eine gutbezahlte, interessante (manchmal auch gef�hrliche) Job anzubieten, die der Menschheit auch noch n�tzten? Jedermann wei�, warum es 2001 nicht zu einem Atomkrieg gekommen ist: Die f�r New York bestimmte Bomben waren nicht an Bord der Ungl�cksmaschinen, und hunderte andere Dinge liefen nicht so, wie es die Terroristen wollten. Daf�r waren Zeitspringer verantwortlich.
Pablo schlo� f�nf Minuten fr�her und lie� an der Kasse einen Zettel f�r die Gesch�ftsf�hrerin zur�ck. Ihr Angebot sei akzeptiert, sie k�nnte die Einzelheiten f�r den Kauf mit seinem Anwalt besprechen, da er l�ngere Zeit zu verreisen hatte. Damit war alles wieder geordnet. Pablo ging in den Lagerraum zur�ck und sprang in das Jahr 2095.
2200 Zeitblock X 2. Dezember 2095 Ausbildungslager, Rekrutierungsstelle:
Pablo meldete sich beim Wachhabenden Offizier zur�ck, und ging dann in sein Quartier, um sich erst einmal auszuschlafen. Er hatte die Flasche Whisky mitgenommen (schlie�lich hatte er ihn gewonnen) und trank einen Schluck bevor er seinen Bericht verfa�te. Das Zeug schmeckte f�rchterlich ohne Eis, aber es war besser als gar nichts. Pablo war nicht gerne stockn�chtern, er dachte dann zu viel. Aber er war auch kein S�ufer. Andere Menschen sehen rosa Elefanten, Pablo sah Menschen.
Er diktierte seinen Bericht: f�nfunddrei�ig Anwerbungen, die von den Psychologen best�tigt werden mu�ten. Darunter auch seine eigene, die keine Schwierigkeiten machen durfte. Er war doch hier, oder? Anschlie�end verfa�te er ein Gesuch um Versetzung in eine andere Abteilung. Pablo hatte die Rekrutierung satt. Er schickte beide per E � Mail an die zust�ndigen Abteilungen und ging schlafen.
Sein Blick fiel auf die �Statuten der Zeit� �ber seinem Bett:
Mache niemals gestern, was morgen getan werden m��te.
Unternimm nie einen zweiten Versuch, wenn du endlich Erfolg gehabt hast.
Ein Stich zur rechten Zeit spart neun Milliarden.
Ein Paradoxon l��t sich nicht pardoktern.
Es ist fr�her, wenn du denkst.
Vorfahren sind auch nur Menschen.
Selbst Gott nickt.
Sie inspirierten Pablo nicht mehr wie damals, als er noch Rekrut gewesen war; knappe drei�ig subjektive Jahre als Zeitspringer laugen einen Menschen aus. Als er sich auszog, betrachtete er seine Bauchdecke. Auch wenn ein Kaiserschnitt nicht mehr so gro�e Narben hinterl��t, bleiben sie doch vorhanden. Aber Pablo hatte so viele Haare, da� man sie nicht mehr sah.
Dann betrachtete er den Ring an seinem Finger. Die Schlange, welche sich immer und ewig in den eignen Schwanz bei�t ... Er wu�te, woher er stammte � aber woher kommen all die anderen Wiederauferstandenen?
Pablo merkte, da� er Kopfschmerzen bekam, aber er wollte keine Tablette nehmen. Das hatte er einmal gemacht � und dann waren alle fort.
Deshalb kroch er unter die Decke, pfiff leise um dem Schalter das Kommando zum L�schen zu geben.
All die anderen, waren nicht wirklich dort. Au�er ihm � Hannah � ist hier niemand in der gottlosen Dunkelheit. Er vermi�te sie so sehr! |
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