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HDTV Zukunftsmusik

Steinige Wegstrecke

Hochauflösendes Fernsehen für alle ist weiter Zukunftsmusik

Es war einmal ...: Mit dem ambitioniertes EUREKA-Projekt 95 wollte die Europäische Union um die Wende zu den 90er Jahren den Japanern die Technologieführerschaft beim Hochauflösenden Fernsehen (HDTV) abjagen. Doch die technologischen Probleme waren zu hoch während gleichzeitig die Idee von der rasanten technischen Entwicklung beim digitalen Fernsehen überrollt wurde.

Immerhin: die von Experten auf bis zu 3 Mrd. Euro geschätzten Subventionen sind nicht – wie viele meinen – in den Sand gesetzt worden. Ohne das Know-how, das Anfang der 90er Jahre bei der Entwicklung des analogen HDTV in Europa gesammelt wurde, wäre es nicht denkbar, dass schon kurze Zeit später die europäische Digitalfernsehnorm DVB ihren Siegeszug rund um die Welt angetreten hätte.

Inzwischen erklingen wieder aller Orten, vor allem in der Computerpresse, die Stimmen, die nach dem hochauflösenden Fernsehen rufen. In Japan gibt es schon seit langem ein regelmäßiges Programm und in den USA soll ab dem Jahre 2006 die HDTV-Ausstrahlung verbindlich für alle Fernsehveranstalter werden.

Flachbildschirme – ob in LCD- oder in Plasmatechnik - drängen mit Macht auf den Markt und hochauflösende Displays sind im Computerbereich seit langem Standard.

Dabei werden jedoch in der Diskussion die zahlreichen Hindernisse außer acht gelassen, die einem regelmäßigen HDTV-Programm entgegenstehen.

Zum einen fehlt es an geeigneten Receivern, die über entsprechende HDTV-Decoderchips verfügen.

Selbst an neueren Flachbildschirmen fehlen zukunftssichere Geräteanschlüsse wie DVI oder das eigens für hochauflösendes Fernsehen konzipierte HDMI (High Definition Multimedia Interface).

Und schließlich gibt es zwei kokurrierende Ausstrahlungsnormen, über die noch keine Einigung erzielt ist. Die Stichworte hier: 720 Zeilen progressiv oder 1080 Zeilen interlaced. Interlaced ist das Fachwort für das Zeilensprungverfahren wie auch im herkömmlichen Fernsehen, wo ein Fernsehbild aus zwei Halbbildern zusammengesetzt wird.

Die meisten Experten favorisieren aber das bessere Bild in 720 Zeilen, das sich ohne Flimmern aufbaut. Michael Jachan, Sprecher von „Premiere“: „Wir sind uns einig darüber, dass die zukünftigen Receiver beide Verfahren beherrschen müssen.“

„Premiere“ ist bis jetzt der einzige Fernsehveranstalter in Deutschland mit konkreten Plänen für ein hochaufgelöstes Programm. Ab November 2005 sollen drei verschiedene Angebote, ein Spielfilm-, ein Sport- und ein Dokumentationskanal auf Sendung gehen.

Der Pay-Sender ist programmlich damit bestens aufgestellt. Diese drei Genres sind es, die den Großteil der hochauflösenden Angebote bestreiten müssen.

Schon in den neunziger Jahren wurde die Diskussion geführt, welche Genres überhaupt HDTV-geeignet sind. Weder vorfahrende Limousinen vor dem Kanzleramt, noch herkömmliche Talkshows bieten das notwendige Quäntchen an zusätzlicher Bildinformation, die den Zuschauer zu HDTV verführen soll.

Damit fällt ein Großteil der Angebote der Free-TV-Sender aus dem Raster heraus. Ein durchgehendes HDTV-Programm bei ARD, ZDF, RTL oder Sat1 ist daher kaum vorstellbar.

Und so hält sich das Interesse der Free-TV-Programme an HDTV derzeit ziemlich in Grenzen.

„Wir denken über eine Qualitätsverbesserung des herkömmlichen Fernsehsignals nach, nicht über HDTV. Allerdings produzieren einzelne Landesanstalten nun verstärkt mit HD-Equipment. Daran kommt man mittelfristig nicht mehr vorbei, wenn man die Filme international vermarkten will oder auch an eine Zusatzverwertung über DVD denkt.“ sagt Reinhard Kalhöfer, Chefingenieur des derzeit federführenden ARD-Senders NDR.

Hoffnungen setzt die Fernsehbranche auf die kommende Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Mit diesem Großereignis soll das Geschäft in Schwung kommen.

Das von der FIFA mit der Aufzeichnung der Spiele beauftragte Unternehmen wird auf jeden Fall weltweit hochauflösende Bilder anbieten. „Wir werden aber nur das Signal in Standardauflösung senden, das aber auch im 16:9-Breitbildformat.“ sagt Reinhard Kalhöfer für die ARD.

Eine gute Chance also für „Premiere“, sich beim Zuschauer zu profilieren.

-boff-

 

Zu den Hintergründen der HDTV-Entwicklung Ende der 80er Jahre auch “Die politische Ökonomie von HDTV”. Diese Arbeit ist hier als pdf-Datei (1022 kb) abrufbar.

 

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