Christoph
Jacob
Dorfstraße
35a
16244
Werbellin
Berliner
Morgenpost
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre Berichterstattung über den 1. Mai ist
so kritikwürdig wie die Polizeiführung.
Sie verharmlosen Gewalttäter als
Randalierer und Autonome und treten Gewalt seitenweise mit riesigen Bildern
breit und das wenige Tage nach dem Blutbad in Erfurt. Sie stellen nicht heraus,
daß die Rotte der Gewalttäter durch Plünderung und lebensgefährliche
Verletzungen schweren Landfriedensbruch begeht, für den auch besonnene Richter
mehrjährige Haftstrafen verhängen müssen.
Millionen Menschen, die am 1. Mai friedlich
und ernsthaft für soziale Gerechtigkeit, insbesondere in Frankreich
demonstrieren sind ihnen nur eine kurze Meldung wert.
So machen Sie Gewalt unterhaltsam,
friedliche Demonstranten mit sachlichen und wichtigen Anliegen uninteressant
und geben das falsche Vorbild.
Die Polizeiführung läßt zu, daß Gesundheit
von Beamten und anderen Menschen lebensgefährlich verletzt wird. Gegen schweren
Landfriedensbruch ist der Einsatz von Tränengas, Gummigeschossen und der
Schießbefehl erforderlich und richtig. Gegen jeden Räuber, der einen Supermarkt
überfällt und nicht die Hände hebt, würde von der Schußwaffe Gebrauch gemacht,
umso berechtigter bei schwerem Landfriedensbruch in diesem Ausmaß.
Durch den Einsatz von fast 10.000
Polizeibeamten wird der Eindruck erweckt, die Polizeiführung tue alles, was in
ihrer Macht steht, um Sicherheit und Ordnung zu schützen. Dabei könnte eine
wesentlich geringere Anzahl mit den kaum tausend wirklichen Gewalttätern durch
Waffengebrauch fertig werden.
Die Polizeiführung läßt die 158
festgenommenen Gewalttäter trotz der schwere der Straftat wieder laufen, was
keinem Räuber erlaubt würde. Nur gegen einen 17jährigen ergeht Haftbefehl.
Die Polizeiführung wird lächerlich gemacht
durch die Wiederholung der Plünderung und läßt die Kriminellen gewähren
Die Bürger erwarten, dass die Polizei durch
hartes Eingreifen diesem Spuk ein Ende bereitet.
Solch klare Worte, die Sie sonst finden,
fehlen Ihnen jetzt.
Das Ritual:
Hemmungslose
Gewalt
Großer
Schaden für Menschen und Sachen
Lasche
gesetzwidrige Polizeiführung
Kaum
strafrechtliche Sanktionen
Breite, aber verharmlosende Zeitungsberichte
wiederholt sich nunmehr seit 15 Jahren.
Die Gewalttaten in Berlin begannen nach der
letzten großen Demonstration in Westdeutschland, als 300.000 Menschen in Bonn
gegen die Nachrüstung protestierten, die Regierung Schmidt darüber stürzte und
die FDP Herrn Kohl in den Sattel hob.
Das wichtige Grundrecht der
Demonstrationsfreiheit hat Freiheit und Wiedervereinigung gebracht.
Seither haben die Gewalttaten in Berlin und
bei Atomtransporten friedliche Demonstranten abgeschreckt.
Das Grundrecht der Demonstrationsfreiheit
ist praktisch ausgehöhlt worden.
Wer Gewalt so berichtet und so tolerant
damit umgeht, ist für die Wiederholung und die Folgen mit verantwortlich.
Soviel Dummheit kann es bei Politik,
Polizeiführung und Medien nicht geben, daß man das 15 Jahre tatenlos mitmacht.
Das Ergebnis ist willkommen.
Ich hoffe, daß Sie harte, aber sachliche
Kritik vertragen.
Hochachtungsvoll
Chris Jacob
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