WWW-Tipp der Woche 7/2000

Liebe Netzgemeinde,  

in den letzten Wochen sind mir drei Männer (schade, keine Frau dabei) aufgefallen, deren aus Anlaß eines Jahrestages gedacht wurde, und über die ich mich auch im Internet informieren konnte.

George Orwell

"Ich hatte kein Geld, ich war schwach, ich war hässlich, ich war unbeliebt, ich hatte chronischen Husten, ich war feige, ich stank."

schrieb GEORGE ORWELL (ERIC ARTHUR BLAIR 1903-1950) über sein Leben als Kind im Internat.

In den meist knappen Biographien im WWW wird das selten erwähnt. Ein Text aus Finnland berichtet immerhin:

In 1904 ORWELL moved with his mother and sister to England. He attended Eton, where he published his first writings in college periodicals. During these years ORWELL developed his antipathy towards    the English class systems. Also ORWELL's preparatory school years at St Cyprian's Preparatory School were not happy. His bitter essay SUCH, SUCH WERE THE JOYS was not published until 1968.
Kuusankosken kaupunginkirjasto © 1997

Das ist schade, denn ich finde solche traumatischen Erlebnisse wichtig zum Verständnis einer Persönlichkeit. Als Referendar hatte ich mal Meinungsverschiedenheiten mit einem Seminarleiter über die Bedeutung der Hinrichtung KATTEs für die spätere Entwicklungs FRIEDRICHs II..

Immerhin hat HANNES STEIN im Rheinischen Merkur unter dem Titel "War ORWELL häßlich?" diese Erfahrungen herangezogen, um 1984 zu verstehen:

Im Original heißt dieser autobiografische Essay "Such, Such Were the Joys", eine Zeile aus einem Gedicht von WILLIAM BLAKE. (Das deutsche Äquivalent wäre ungefähr "Selig, o selig, ein Kind noch zu sein".)

In seinem letzten Roman zog ORWELL die Summe aus dieser Bilanz - aber er zog sie in den düsteren Farben seiner Kindheit. Nehmen wir etwa den Dreck. Die Welt, die in "Neunzehnhundertvierundachtzig" beschrieben wird, ist grau, versifft und von Kohl- und Toilettendüften durchzogen. Dies ist aber genau die Atmosphäre des autobiografischen Essays von 1947. Er könne kaum an seine Schulzeit denken, schreibt ORWELL dort, ohne einen Hauch von irgendetwas Kaltem, Stinkendem einzuatmen, "...eine Mischung aus durchgeschwitzten Socken, schmutzigen Handtüchern, Fäkalgerüchen, die durch Korridore wehen, Gabeln mit Essensresten zwischen den Zähnen".

Ein weiteres Motiv, das sich astrein in "Neunzehnhundertvierundachtzig" erhalten hat, ist die Amoralität der Revolte. "Ich hasse Reinheit, ich hasse Güte!", sagt Winston Smith, der tragische Held des Romans. "Ich möchte, dass jeder verdorben ist bis ins Mark." In dem Essay über die kalte Hölle seiner Kindheit hatte Orwell notiert: "Zu überleben...war im Prinzip kriminell, denn es bedeutete, dass man Regeln brechen musste, die man selbst anerkannte." Im Internat St. Cyprian's war es nicht möglich, gut zu sein. Die Quäler hatten nicht nur die Macht, sondern auch das Recht auf ihrer Seite. Und so entpuppt sich auch der totale Überwachungsstaat als kindliche Reminiszenz. An einer Stelle beschreibt Orwell, wie er heimlich in einem Dorfladen Süßigkeiten einkaufte. Dies war verboten;    die Schüler durften kein eigenes Geld besitzen. Ein Mann mit scharfen Gesichtszügen schien den kleinen Jungen bei seinem Vergehen zu beobachten... Der Große Bruder sieht dich!

Es ist erstaunlich, daß dieser Bericht im Rheinischen Merkur erscheinen konnte, der von der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz als Gegengewicht zu "Publik" / "Publik Forum" finanzierten konservativen Wochenzeitung. Betrieb oder betreibt doch die Katholische Kirche ähnliche Einrichtungen, wenn auch nicht das genannte Internat in England.


http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/Jorwell2.jpg


http://www.k-1.com/Orwell/img/orwell3.gif

Orwells litararische-journalistische Karriere begann mit einer Dokumentation für VICTOR GOLLANCZ' "Left Book Club" über die Arbeitslosigkeit im Norden Englands. "The Road to Wigan Pier". Im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte Orwell in den Internationalen Brigaden, wurde verwundet und kehrte nach England zurück, wo er "Homage to Catalonia" schrieb (1938). Im Zweiten Weltkrieg schrieb er für verschiedene Auftraggeber (BBC, Observer, Tribune).

Seinen heutigen Ruhm verdankt er vor allem zwei Nachkriegswerken, "1984" und "Farm der Tiere", die beide als pessimistische Abrechnung mit dem Bolschewismus verstanden werden können.

The novel [1984] had a tremendous impact and many of the new words and phrases used in the book passed into everyday language.
GEORGE ORWELL died of tuberculosis in 1950.

Ich nenne noch einige Links zu Texten von und über ORWELL, die ich empfehlen kann.

Unter Berufung auf GEORGE ORWELL wird eine Menge Unsinn vertreten. Das beklagt auch MARKO MARTIN in der WELT vom 13.3.1999

Die Selbstverstümmelung des Geistes
Bücher, die das Jahrhundert verändert haben (Teil 5):
GEORGE ORWELLs Roman "1984"
Von MARKO MARTIN

Während man im Ostblock, "ORWELL der Lüge zeihend und doch in der Verbotspraxis seine Voraussagen genau umsetzend", das Buch kurzerhand zum Feindobjekt erklärte, versuchten konservative Kreise im Westen bis in die achtziger Jahre MAGGY THATCHERs ORWELL als Kronzeugen der eigenen Thesen zu instrumentalisieren: Wer für den Sozialstaat eintritt, landet zwangsläufig beim Großen Bruder, und damit basta.

Gegen derlei Verfälschungen hatte sich der Spanienkämpfer ORWELL, der sich einst selbst als Tellerwäscher in London und Paris durchschlagen mußte, noch fünf Monate vor seinem Tod entschieden gewehrt: "Mein jüngster Roman ist nicht als Angriff auf den Sozialismus oder auf die britische Labour Party (auf deren Seite ich stehe) gedacht, sondern als Bloßstellung der Perversionen, zu denen zentralisierte Wirtschaftssysteme neigen, und die im Kommunismus und im Faschismus teilweise schon verwirklicht wurden."

Ganz übel wird GEORGE ORWELL in den "Gedankenverbrechenarchiven" instrumentalisiert:

The Thought Crimes Archive
"Anyone who challenges the prevailing orthodoxy finds himself silenced with surprising effectiveness. A genuinely unfashionable opinion is almost never given a fair hearing."- GEORGE ORWELL

Gegen das Motto habe ich nichts. Aber dann kommen die armen Opfer, die angeblich wegen Gedankenverbrechen verfolgt werden: MANFRED ROEDER, FREDRICK TÖBEN, ROGER GARAUDY, BRADLEY SMITH, Abbe PIERRE, DAVID IRVING, THIESS CHRISTOPHERSEN, GÜNTER DECKERT, ZÜNDEL, FRED LEUCHTER, ERNST NOLTE. Ganz klar: Rechtsradikale und Auschwitzleugner mißbrauchen ORWELL. Mit z.B. dem Index of censorship hat das nichts zu tun.

Noch mal MARKO MARTIN in der Welt:

Gewiß, ORWELL war einer der geistigen Väter von MELVIN LASKYs Zeitschrift "Der Monat", in dessen Heften der Roman als deutsche Erstveröffentlichung 1950 erschien. Auf ORWELLs düstere Vision vom Großen Bruder und der Allmacht von Partei und Gedankenpolizei beriefen sich von ARTHUR KOESTLER über IGNAZIO SILONE bis hin zu WILLY BRANDT und ERNST REUTER all jene, die nach dem Ende des Nazionalsozialismus nun das diktatorische Sowjetsystem als Hauptgefahr für die westlichen Demokratien erkannten.

Hatte die englische Öffentlichkeit nicht schon ARTHUR KOESTLERs 1940 erschienenen Roman "Sonnenfinsternis", der sich mit STALINs Säuberungen und den Moskauer Prozessen beschäftigte, als "ziemlich weit hergeholt" abgelehnt? Die jahrhundertlange Tradition eines Laissez-faire-Liberalismus zeigte hier ihre Schattenseite: Sie war unfähig geworden, ihre totalitären Feinde noch zu erkennen.

Ernst Busch

ARTHUR KOESTLER hat ähnlich radikal wie Orwell mit dem Kommunismus gebrochen. Heute will ich aber an ERNST BUSCH erinnern, den ich eher für einen KPD- bzw. SED-Betonkopf gehalten habe. Auf Fahrten von und nach Westberlin habe ich ihn oft vor von der Mitfahrzentrale vermittelten Mitreisenden der Lächerlichkeit preisgegeben, indem ich auf der Transitstrecke eine Cassette mit DDR-Liedgut einlegte. Zu hören gab es dann:

  • kritiklose Befürwortung der "friedlichen" Atomenergie
    Go home, ami ami go home
    spalte für den Frieden dein Atom
  • Nationalismus
    Und schlug auch der Feind unsre Besten tot
    der Wedding kommt wieder und Berlin bleibt rot,
    damit Deutschland den Deutschen gehört.
  • Personenkult (für PIECK)
    Wir sind mit dir alt geworden
    du bist mit uns jung gebliben
    dein Name für immer im Herzen des Volks
    hat sich tief eingeschrieben.
  • Verherrlichung des Stalinismus
    denn es gibt kein andres Land auf Erden
    wo das Herz so frei dem Menschen schlägt.
  • Menschen als Ungeziefer bezeichnet
    Denn das Haus ist hin, doch nicht die Wanzen
    Junker Unternehmer Potentat.

In der rechten Spalte könnt ihr diese peinlichen Lieder nachlesen. Daß ERNST BUSCH im "Neuen Deutschland" BIERMANNs Ausbürgerung begrüßte, spricht auch stark gegen ihn (wurde ihm aber von WOLF BIERMANN verziehen).

Klar, das der Sänger in der DDR gerühmt wurde:

ERNST BUSCH
Eine Biographie in Texten, Bildern und Dokumenten
Akademie der Künste der DDR
Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der DDR für deutsche Kunst und Literatur des 20. Jahrhunderts
Veröffentlichungen des Instituts für Darstellende Kunst
Henschelverlag Kunst und Gesellschaft
Ostberlin 1987


http://www.kultur-netz.de/kueko/bilder/busch.jpg

Anläßlich des 100. Geburtstags ERNST BUSCHs habe ich nun erfahren, daß er doch nicht so schlimm war. Im Neuen Deutschland vom 22. Januar erinnert MARKUS ("MISCHA") WOLF an den Künstler:

"Ich gebe mit dem Jahrhundert", S. 13

Busch fügte 1963 der von ihm neu in der Aurora-Reihe herausgegebenen Liedsammlung die Widmung hinzu: " Mit dieser Ausgabe von alten und neuen Aufnahmen der Spanienlieder grüße ich meine toten Freunde Maria Osten und Michail Kolzow. Nur mit ihrer Hilfe war es mir möglich, damals 1937/38 in Barcelona die >Canciones de las Brigadas Internacionales< auf Platten herauszubringen." Als wir in Moskau das Lied von der Thälmannkolonne sangen und solche Mützen trugen, wie die Kämpfer der Republik in Spanien, konnten wir nicht ahnen, dass Michail Kolzow und seine Gefährtin Maria Osten zu den Opfern der Stalinschen Säuberungen gehören würden. Das wussten in der DDR beim Erscheinen der Canciones in der Aurora-Reihe auch nur Insider...


http://tag-der-zeitgeschichte.zlb.de/walter.jpg
Walter Ulbricht, Markus Wolf und Erich Honecker in den 60er Jahren, Foto: BStU

Die Spanienlieder BUSCHs waren allerdings auch weniger peinlich als die oben zitierten Lieder.

alte Busch-Schallplatten des Labels AURORA
Diese Schallplatten habe ich Anfang Dezember 2001 in einem Antiquariat in der Bergmannstraße in Kreuzberg gekauft.

ERNST BUSCH verbrachte das Exil hauptsächlich im Westen (mit längeren Aufenthalten in der Sowjetunion). Das mag ihm das Leben gerettet haben, als dort die stalinistischen Säuberungen stattfanden. Beinahe wäre er doch noch hingerichtet worden, allerdings von den Nazis, in deren Hände er nach der Internierung in Frankreich fiel. GUSTAV GRÜNDGENS setzte sich für ihn ein, was MARKUS WOLF nicht erwähnt, aber der "Freundeskreis Ernst Busch", zu dem ich nachher noch mehr schreibe.

Wie viele, die vor den Nazis nach Westen geflohen waren, eckte BUSCH in der DDR an. Bei ihm war mir das neu. MARKUS WOLF schreibt:

HANNS EISLER, Weggefährte von ERNST BUSCH seit 1929, siedelte 1949 in die DDR über... Doch schon 1952 geriet er wegen seiner "Faustus"-Oper in die Formalismusdebatte. Als er resignieren wollte, war es ERNST BUSCH, der ihn bat, Texte für ihn zu vertonen und die gemeinsame Arbeit nicht aufzugeben. Damit vergrößerte aber auch BUSCH den Konflikt mit "seiner" Partei und ließ schließlich die Parteimitgliedschaft ruhen. Das saß tief in seinem Innern und brach gelegentlich in sarkastischen Bemerkungen auf. In einem Brief an WILHELM PIECK hatte sich BUSCH Ende 1957 darüber beschwert, dass einige seiner in der Welt bekannten Lieder wie "Die Moorsoldaten" und das "Solidaritätslied" aus dem Schallplattenkatalog gestrichen worden waren. Auf Vermittlung meines Bruders [KONRAD], der seit 1965 Präsident der Akademie der Künste war, konnte wieder ein sachliches Verhältnis zur politischen Führung hergestellt werden. 1972 nahm BUSCH ein neues Parteidokument entgegen. Auf einem der vielen von ihm notierten Zettel schrieb er: "Zwanzig Jahre lang haben die eisernen Genossen einen Bogen um mich gemacht und sind auf die andere Straßenseite geflüchtet, wenn sie mich von Weitem sahen - heute, nachdem ich den Lenin-Orden bekommen habe - schenkt man mir ein Parteibuch mit 20 Jahr geklebten Marken - und alle kommen und schlagen mir auf die Schulter: Na wie geht's, Genosse BUSCH?"..

Als er [KONRAD WOLF] 1970 mit der Arbeit an der Verfilmung von FEUCHTWANGERs Roman "Goya" begann, wies das gemeinsam mit dem bulgarischen Freund und Autor ANGEL WAGENSTEIN erarbeitete Drehbuch eine Rolle auf, die es im Roman nicht gibt: die Gestalt des von der Inquisition verfolgten Demokraten und Idealisten Jovellanus. Nach dem Kahlschlag des 11. Plenums des ZK der SED in Kultur und Kunst stand diese Figur gegen jede Form staatlicher Zensur. Der Bruder hatte ERNST BUSCH als Besetzung von Anfang an für diese Rolle gesehen und ihn hartnäckig zur Mitarbeit überredet. Ich erinnere mich an die spürbare Betroffenheit des Premierenpublikums, als Jovellanus-Busch sein demokratisches und künstlerisches Credo gegen die Inquisition formuliert...

Zum letztenmal besuchte ich BUSCH zu Hause kurz vor seinem Auftritt in der Akademie mit dem "Lied vom Klassenfeind". Wieder und wieder legte ERNST das Band auf, mächtig dröhnte seine Stimme durch das mit mehreren Lautsprechern ausgestattete Wohnzimmer. Mit Gesten begleitete er den Text, fragte amüsiert, was er angesichts der Anwesenheit HONECKERs in der ersten Reihe machen solle, wenn in der vorletzten Strophe die Worte vorkommen "du bist der Klassenfeind"... Da könne er wohl schlecht in den Saal zeigen.

Er soll schon Jahre vorher ERICH HONECKER auf einer Parteiversammlung geohrfeigt haben, berichtet WALTRAUD THIEL in einem Aufsatz von 1989: ERNST BUSCH der "Barrikadentauber"

Beinahe wäre BUSCH Wessi geworden. In Berlin Wilmersdorf war er gleich nach der Befreiung durch sowjetische Truppen Kulturdezernent. Dort hatte er auch in den frühen dreißiger Jahren gelebt, und zwar in der Bonner Straße 11 in einer Künstlerkolonie, die in der Nähe zu Steglitz und Friedenau am Südwestkorso errichtet wurde. Diese Siedlung ist schon ausführlich im WWW dokumentiert, wenn auch immer noch Texte hinzukommen. Der Freundeskreis Ernst Busch ist hier mit mehreren Seiten vertreten, die einen vernünftigen Eindruck machen.

In der Künstlerkolonie leb(t)en außerdem z.B. - Johannes R. Becher - Ernst Bloch - Franz Cornelsen - Lil Dagover - Slatan Dudow - Axel Eggebrecht - Rudolf Fernau - Agnes Fink - Sebastian Haffner - Walter Hasenclever - Alfred Kantorowicz - Klaus Kinski - Arthur Koestler - Walter und René Kollo - Wolfgang Leonhard - Manfred Maurenbrecher - Walter Mehring - Hans Meyer-Hanno - Rudolf Nelson - Eric Ode - Wilhelm Reich - Joachim Ringelnatz - Klaus Schütz - Manès Sperber - Steffie Spira - Alexander Graf Stenbock-Fermor - Mary Tucholsky - Erich Weinert


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Rechts: ein Exponat aus der DHM-Ausstellung zum Kalten Krieg
http://www.dhm.de/ausstellungen/kalter_krieg/images/images_b/b_087s.jpg

Der bereits oben erwähnte Arthur Koestler ist zwar als Student einer zionistischen Burschenschaft beigetreten, später aber Kommunist geworden. In Paris arbeitete er 1933 am "Braunbuch" über den Reichstagsbrand mit, enthüllte aber nach seiner Abwendung vom Kommunismus, wie wenig Substanz dieses Werk hatte. Er trat 1937 aus der KPD aus und führte nun den gleichen kompromißlosen Kampf gegen den Stalinismus wie GEORGE ORWELL.


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Alfred Kantorowiczwurde 1931 Kommunist. Im März 1933 flüchtete er nach Paris, 1941 weiter in die USA. Seit 1947 wohnte er wieder in Berlin sowohl im Westen wie im Osten. Mit seiner Zeitschrift "Ost und West" (die ich als Taschenbuch-Nachdruck besitze und mal lesen sollte) versuchte er "eine Brücke der Verständigung zwischen den Deutschen aller Zonen zu schlagen". Sie wurde 1950 eingestellt. Er war zunächst in der DDR wissenschaftlich tätig, widersprach aber der Politik und entschloß sich 1957 zur Flucht in die BRD. Erst 1966 erkannte ihn das BVerwG als Flüchtling an. Als vormaliger Kommunist, Spanienkämpfer, Emigrant, linker Schriftsteller und Jude hatte er es auch in der BRD schwer.

Was wäre wohl passiert, wenn auch ERNST BUSCH in den Westen geflohen wäre? Als jemand, der seit einem Vierteljahrhundert linksliberal ist, stehe ich bei solch radikalen Einstellungsänderungen immer vor einem Rätsel. Wie kommt es, daß ein Freund, der früher weit links von mir stand, plötzlich FAZ liest? Ich war nur mal kurz in der SPD, was nur organisatorisch war, nichts inhaltlich bei mir änderte.


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Da verstehe ich schon eher AXEL EGGEBRECHT, der 1920 in die KPD ein- und 1925 austrat. Ich kenne ihn noch aus dem WDR, wo gelegentlich hervorragende Sendungen von ihm über NS-Prozesse oder die Nachkriegszeit im Programm waren.


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Ähnlich wie GEORGE ORWELL hatte auch WILHELM REICH eine traumatische Jugend.

REICHs Kindheit endet, nachdem der Knabe den Ehebruch der geliebten Mutter mit einem Hauslehrer beobachtet hat. Er offenbart sich dem Vater, die Eifersucht des Patriarchen treibt die Mutter bald in den Selbstmord. Der pater familias stellt sich, nach Abschluß einer Lebensversicherung, in einen winterkalten Teich zum Fischen. Seine Tuberkulose wird rasch tödlich, mit siebzehn ist REICH Vollwaise.
"Vor 100 Jahren wurde der Psychoanalytiker WILHELM REICH geboren: Was von ihm übriggeblieben ist" - von TOM PEUCKERT, Der Tagesspiegel Berlin vom 23.3.1997

Da haben mindestens zwei Fehler gemacht. Ich meine, WILHELM REICH und sein Vater. Das Verhalten der Mutter finde ich nicht schlimm. Man muß auch gönnen können.

Giordano Bruno

Nach acht Jahren Haft in den Gefängnissen der Inquisition wurde am 17.Februar 1600, vor 400 Jahren also, GIORDANO BRUNO hingerichtet.


http://es.rice.edu/ES/humsoc/Galileo/Images/Port/bruno-t.gif

GIORDANO BRUNO sah bleich und blaß aus - offenbar geschwächt vom Blutverlust, den er durch die vergangenen Marterungen erlitten hatte. Seine Arme hingen leblos herunter. Man hatte sie aus den Gelenken gerissen, als man ihn über das Rad geflochten hatte. Nicht genug damit - die furchtbaren Marterwerkzeuge hatten an vielen Stellen das Fleisch bis auf die Knochen heruntergeschabt.

In der gerade schon zitierten Reihe "Gläubige Gottesleugner" der Redaktion  SWR2 Wissen erinnerte ROLF CANTZEN an den Wissenschaftler.
Gott ist alles, was ist. GIORDANO BRUNO und der Pantheismus

Das Bedürfnis der Kirchenoberen nach Rache war groß: GIORDANO BRUNO hatte mit seiner Philosophie nicht nur den religiösen Dogmen widersprochen, sondern sich auch in satirischen Schriften über die Kirche lustig gemacht - zum Beispiel über den Reliquien-Kult. In Genua etwa verehrte man den Schwanz jenes Esels, auf dem Jesus nach Jerusalem geritten sein soll.

Die Universität Bremen hat 1998 in einer Ausstellung an GIORDANO BRUNO gedacht:

450 Jahre GIORDANO BRUNO
Erinnerung an einen Kosmologen, Gedächtnistheoretiker und Semiotiker.
Eine Ausstellung in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen


http://www.newadvent.org/cathen/index.gif

In der Katholischen Enzyklopädie von 1908 findet man einen Artikel von WILLIAM TURNER über BRUNO. Die Enzyklopädie ist anscheinend komplett auch im WWW!

Lesenswert finde ich noch den Aufsatz

Ein gelehrter und mutiger Mann
GIORDANO BRUNO, Philosoph und Wissenschaftler, wurde vor 400 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt
Von FRANK GAGLIOTI

In diesem Zusammenhang könnt ihr euch auch noch die Online-Version einer Ausstellung in der ETH Zürich über GALILEO GALILEI ansehen.

Einen Überblick über Opfer des christlichen Glaubens findet man bei Geocities.

Charles M. Schulz

Wenn ihr jetzt noch einen vierten Mann ertragt (ich hatte anfangs drei versprochen), dann habe ich hier noch einen unveränderten (aber formatierten) Ausschnitt aus dem netNewsLetter vom 20.2.2000.

> 6.1 CHARLES M. SCHULZ LEBT WEITER - MIT DEN PEANUTS IM INTERNET

Am Tag, als die letzte Folge der "Peanuts" veroeffentlicht wurde, starb auch deren Schoepfer: CHARLES M. SCHULZ. Vor wenigen Wochen war der 77-jaehrige in den Ruhestand gegangen. Nach 50 Jahren glaubte er, dass Charlie Brown und seine Freunde erwachsen seien, und legte aus gesundheitlichen Gruenden den Zeichenstift zur Seite. Wer vielleicht gerade jetzt noch einmal die Comics ansehen und die Geschichten der Peanuts miterleben moechte, der wird auf alle Faelle in der Spezialsammlung von ZiffDavis online fuendig: Im Internet leben CHARLES M. SCHULZ und seine Kultfiguren weiter!

Ein ZD-Redakteur hat sich die Muehe gemacht, eine umfangreiche Linksammlung mit den besten Peanuts-Seiten zusammenzustellen. Empfehlenswert ist auf alle Faelle die Original-Peanuts-Seite mit den Jubliaeumsinhalten zum 50. Geburtstag. Oder die chronologische Liste aller Peantus-Produktionen. So kann man sich als Fan jeden Tag aufs Neue Charlie Brown ins Haus holen oder sich virtuell in Linus' Schmusedecke einkuscheln.

Der netNewsLetter koennte auch Ihre Freunde oder Kollegen interessieren -
EMPFEHLEN Sie uns bitte weiter.
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Ist hiermit geschehen.

Mit freundlichen Grüßen
Norbert Schnitzler

DIE THÄLMANNKOLONNE

Spaniens Himmel breitet seine Sterne
über unsere Schützengräben aus
Und der Morgen grüßt schon aus der Ferne
Bald geht es zum neuen Kampf hinaus

Die Heimat ist weit
doch wir sind bereit.
Wir kämpfen und siegen für dich
Freiheit.

Dem Faschisten werden wir nicht weichen
Schickt er auch die Kugeln hageldicht.
Mit uns stehn Kameraden ohnegleichen
und ein Rückwärts gibt es für uns nicht.

Die Heimat...

Rührt die Trommel,fällt die Bajonette!
Vorwärts Marsch, der Sieg ist unser Lohn!
Mit der Freiheitsfahne brecht die Kette!
Auf zum Kampf das Thälmannbataillon!

Die Heimat...

Dessau / Dessau

WIE NOBLE GENERALE

Vier noble Generale,
:,: vier noble Generale :,:
¡Mamita mia!
:,: hab'n uns verraten :,:

Und die Faschisten-Staaten,
schickten auch prompt Soldaten
mit Bomben und Granaten
¡Mamita mia!
:,: zu blut'gen Taten :,:

Madrid, du wunderbare,
:,: Madrid, du wunderbare :,:
¡Mamita mia!
:,: dich wollten sie nehmen :,:

Doch deiner treuen Söhne,
:,: doch deiner treuen Söhne :,:
¡Mamita mia!
:,: brauchst dich nicht zu schämen :,:

Und alle Deine Tränen,
:,: und alle deine Tränen :,:
¡Mamita mia!
:,: die werden wir rächen :,:

Und die verfluchte Knechtschaft,
:,: und die verfluchte Knechtschaft :,:
¡Mamita mia!
:,: die werden wir brechen :,:

¡Marchaos Legionarios!
¡Marchaos Hitlerianos!
¡Marchaos Invasores!
¡Mamita mia!
:,: a vuestra tierra :,:

Porque el proletariado
:,: porque el proletariado :,:
¡Mamita mia!
:,: ¡ganó la guerra! :,:

VORWÄRTS, INTERNATIONALE BRIGADE

Wir im fernen Vaterland geboren,
nahmen nichts als Hass im Herzen mit.
Doch wir haben die Heimat nicht verloren
unsere Heimat ist heute vor Madrid

Spaniens Brüder stehn auf der Barrikade
unsere Brüder sind Bauer und Prolet
Vorwärts internationale Brigade,
hoch die Fahne der Solidarität

Weinert / Palacio

BALLADE VON DER 11. BRIGADE

In Spaniens stands um unsere Sache schlecht
Zurück gings Schritt um Schritt
und die Faschisten brüllten schon
Gefallen ist die Stadt Madrid
Da kamen Sie aus aller Welt
mit einem roten Stern am Hut.
Im Manzanares kühlten Sie
dem Franco das zu heiße Blut.

Das waren Tage der Brigade 11
und ihrer Freiheitsfahne
Brigada internatcional
ist unser Ehrenname

Bei Guadalajara im Monat März
bei Kält und Regensturm
da bebte manches tapfre Herz
und in Torichas selbst der Sturm
Da stand der Garribaldi auf
Andrej Dombrowski ihm zur Seit
Die brachten bald zum Dauerlauf
des Mussolini Herrlichkeit

Das waren..

Bei Quinto gab es nichts als Staub
vom Himmel fiel nur Schmutz.
Und Quinto selbst war ausgebaut
nach Deutschem Plan und Musterschutz.
Der Ton, der da vom Kirchturm pfiff
war nicht vom heiligen Gral.
Wir fanden in dem Kirchenschiff
von Krupp ein ganzes Arsenal.

Das waren...

Und dauerts auch noch sieben Jahr
das wir im Kampfe stehn.
Ein jeder Krieg wird einmal gar
Wir werden Deutschland wiedersehn.
Dann ziehen wir zum deutschen Tor
mit Passaremos ein.
Was übrig blieb vom Hakenkreuz
versenken wir im Vater Rhein.

Das werden Tage der Brigade 11
und ihrer Freiheitsfahne.
Brigada internacional
bleibt stets ein Ehrenname.

Ernst Busch / Grigori Schneerson

ABSCHIED

Wenn das Eisen mich mäht
wenn mein Atem vergeht
sollt stumm unterm Rasen mich breiten
Laßt das Wortegespiel
war kein Held der da fiel
war ein Opfer vergangener Zeiten
es war einer der nie
nach Völkermord schrie
war ein Bürger kommender Zeiten
Wenn das Eisen mich mäht
wenn mein Atem vergeht
sollt stumm unterm Rasen mich breiten

Luitpold / Reinitz

LIED VOM VATERLAND

Vaterland, kein Feind soll dich gefährden
teures Land, das unsere Liebe trägt
denn es gibt kein andres Land auf Erden
wo das Herz so frei dem Menschen schlägt

Vom Amur bis fern zum Donaustrande
von der Taiga bis zum Kaukasus
schreitet froh der Mensch in unserm Lande
ward das Leben Wohlstand und Genuß
Mächtge Kraft ist unserm Land entsprungen,
mächtig wie die Wolga braust ins Meer.
Überall die Bahn frei unsern Jungen,
überall dem Alter Schutz und Ehr'!

Vaterland...

Herrlich liegt die Zukunft uns erschlossen,
kühner baun wir unsere neue Welt.
Sagen wir das stolze Wort "Genossen"
fühlen wir, was uns zusammenhält.
Nicht mehr Hass der Rassen und Nationen
gleiches Recht für jeden, der hier schafft
Überall wo unsre Völker wohnen
hat das Wort "Genosse" Klang und Kraft.

Vaterland...

Atme tief der Volker Frühlingsmorgen
leuchtet hell von Wolken ungetrübt
denn befreit von Sklavennot und Sorgen
wuchs die Welt, die fröhlich lacht und liebt.
Aber drohn die feindlichen Banditen,
wir sind da und wachsam und bereit.
dieses Land, wir werden es behüten
unser Herz gehört ihm alle Zeit

Vaterland...

Lebedew-Kumatsch / Dunajewski

ROTER WEDDING

Roter Wedding, grüßt euch Genossen
haltet die Fäuste bereit
haltet die roten Reihen geschlossen,
dann ist der Tag nicht mehr weit
Kämpfen wir als Sozialisten endlich in einer Front
Arbeitsbrüder, Kommunisten, Rotfront, Rotfront

links, links, links links,
die Trommeln werden gerührt,
links, links, links links,
die Arbeiterklasse marschiert.
Wir fragen euch nicht nach Verband und Partei
seid ihr nur ehrlich im Kampf mit dabei
gegen Unrecht und Reaktion.
Wir sind durch die Not, durch den Hunger vereint.
Uns binden die Opfer im Kampf vor dem Feind,
unsere Lieder der Revolution.

Roter Wedding...

links, links, links links,
der Kampf wird weiter geführt,
links, links, links links,
ein Lump, wer kapituliert.
Wir tragen die Wahrheit von Haus zu Haus
und jagen die Lüge zum Schornstein hinaus
wie Karl Marx es und Lenin gelehrt
Und schlug auch der Feind unsre Besten tot
der Wedding kommt wieder und Berlin bleibt rot,
damit Deutschland den Deutschen gehört.

Roter Wedding...

Weinert / Busch / Eisler

MATROSEN VON KRONSTADT 1917

Verronnen die Nacht
und der Morgen erwacht
Rote Flotte mit Volldampf voraus.
In Stürmen und Tosen
wir roten Matrosen
wir fahren als Vorhut hinaus.

Vorwärts an Geschütze und Gewehre
auf Schiffen, in Fabriken und im Schacht
Tragt über den Erdball, tragt über die Meere
die Fahne der Arbeitermacht!

Ihr Kinder der Fabriken,
wir Kinder des Meeres,
wie Erz unser Willen zum Sieg.
zur Arbeit geboren,
dem Meere verschworen
wir fürchten nicht Kämpfe noch Krieg

Vorwärts...

Noch tragen die Völker
des Westens die Ketten
noch hüllen die Wolken das Recht.
Doch rote Fahnen wehen
auch dort wird er stehen
Potemkin, der Kreuzer zum Gefecht.

Vorwärts...

Mag der Sturm uns zerzausen,
die Wellen sie brausen
die rote Flut sie steigt an.
Vorwärts Kommunisten!
Zum Endkampf wir rüsten
die rote Marine voran!

Vorwärts...
Vorwärts...

Text: Alexander Besymenski
Deutscher Text: Helmut Schinkel
Musik nach dem polnischen Revoutionslied "Das Volk zog zum Kampf"

FORT MIT DEN TRÜMMERN

Keiner plagt sich gerne doch wir wissen:
Grau is'ts allzeit wenn ein Morgen naht.
und trotz Hunger, Kält' und Kümmernissen
stehn zum Handanlegen wir parat.

Fort mit den Trümmern
und was neues hingebaut.
Um uns selber müssen wir uns selber kümmern
und heraus gegen uns, wer sich traut

Jeder sitzt mal gerne unterm Dache.
Drum ist Aufbaun gar kein schlechter Rat.
Aber es muß sein in eigner Sache.
Und so baun wir erst nen neuen Staat.

Fort mit...

Und das Schieberpack das uns verblieben
das nach Freiheit jammert früh und spat
und die Herren, die die Schieber schieben
schieben wir per Schub aus unserm Staat

Fort mit...

Denn das Haus ist hin, doch nicht die Wanzen
Junker Unternehmer Potentat.
Schaufeln wir, Mensch schaufeln wir den ganzen
Klumpatsch heiter jetzt aus unserm Staat.

Fort mit...

Besser als gerührt sein ist sich rühren.
Denn Kein Führer führt aus dem Salat
Selber werden wir uns besser führen.
Fort mit dem alten, her den neuen Staat.

Fort mit...

Text: Bertold Brecht
Komponist: Grigori M. Schneerson

Am 3. Januar 1951 wurde Wilhelm Pieck 75 Jahre alt. Der erste Präsident des deutschen Arbeiter- und Bauern-Staates war seit den gemeinsamen Moskauer Jahren von 1935/36 mit Bush befreundet und nahm auch Anteil an der Entwicklung von "Lied der Zeit"... Als "Lied der Zeit"-Sonderpressung erschien Becher/Eislers Unserm Wilhelm Pieck rechtzeitig zum Geburtstag. 

UNSERM WILHELM PIECK

Es war Dein Leben ein Lernen
und du hast vieles Schwere erfahren.
Du hast der Freiheit, dem Frieden gedient
und du hast nur gedienet dem Wahren

Wir sind mit dir alt geworden
du bist mit uns jung gebliben
dein Name für immer im Herzen des Volks
hat sich tief eingeschrieben.

Als Deutschland lag schon im Sterben
Da warst Du unseres Volkes Erheben
Deine Kraft gab uns allen uns allen die Kraft
und Dein Leben gab Deutschland das Leben

Wir sind...

Text: Johannes R. Becher
Komponist: Hanns Eisler

Als Reaktion auf die Gründung des westdeutschen Separatstaates am 7. September 1949, der mit der Anerkennung des amerikanischen Besatzungsstatuts und dem Anschluß an den Marshall-Plan deutlich den Weg der Amerikanisierung beschritt, schrieben Busch und Eisler Anfang 1950 das Lied Ami, go home, das rasch weiteste Verbreitung fand und für viele Jahre zum Symbol des Kampfes gegen den USA-Imperialismus wurde, als dieser im Juni 1950 den Koreakrieg entfesselte.

AMI GO HOME

Sag was ist das Leben wert,
wenn allein regiert das Schwert
und die ganze Welt zerfällt in Totentanz.
Aber das wird nicht geschehn,
denn wir woll'n nicht untergehn
und so rufen wir durchs deutsche Land:

Go home, Ami Ami go home!
Spalte für den Frieden dein Atom!
Sag goodbye dem Vater Rhein,
rühr' nicht an sein Töchterlein!
Loreley, solang' du singst wird Deutschland sein

Clay und Cloy aus USA
sind für die Etappe da.
Soll'n die German boys verreckten in dem Sand.
Noch sind hier die Waffen kalt
doch der Frieden wird nicht alt
hält nicht jeder schützend über ihm die Hand

Go home...

Ami lern' die Melodei
von der Jungfrau Lorelei,
die dort oben sitzt und kämmt ihr goldnes Haar.
Wer den Kamm ihr bricht entzwei
bricht sich selbst das G'nick dabei.
Uralt ist dies Märchen, traurig aber wahr.

Go home, Ami Ami go home
laß in Ruh den deutschen Strom
denn für deinen Way of life
kriegst du uns ja doch nicht reif.
Gruß von Lorchen, bon plaisir
der Kamm bleibt hier.

Ami hör auf guten Rat,
bleib auf deinem Längengrad
denn dein Marschall bringt uns zuviel Kriegsgefahr.
Auch der Frieden fordert Kampf,
setzt die Kessel unter Dampf,
Anker hoch, das Schiff ahoi, der Kurs ist klar.

Go home, Ami Ami go home
spalte für den Frieden dein Atom
sag goodbye dem Vater Rhein
rühr' nicht an sein Töchterlein
Loreley, solang' du singst wird Deutschland sein.

Text: Ernst Busch
Komponist: Hanns Eisler nach einem amerikanischen Volkslied

Gleichfalls ein aktuelles Antikriegslied war Buschs No, Susanna von 1952. Im Mai dieses Jahres war die BRD der sogenannten Europäischen Verteidigungsgemeinschaft beigetreten, dem Vorläufer der NATO.

NO, SUSANNA

Es bracht' der Eisenhower
von Wallstreet übers Meer
Befehl an Adenauer
schaff uns das Fußvolk her
Für Krupp und Ford steigt der Profit
doch wer trägt das Gewehr
und wer marschiert im Amischritt
ins Massengrab nachher?

Oh oh Susanna
oh Amilegionär
Wo Bomber ihren Teppich rolln
gibt's keine Liebe mehr

Der Teufel lebt vom Sterben
als Rüstungsmilliardär.
Doch was haben wir zu erben
vom Nordatlantikheer.
Man will uns links Elbe drilln
als Amilegionär
den Bruder rechts der Elbe killn
danke sehr

Oh no no no Susanna,
küß keinen Legionär!
Mit einem toten Bräutigam
gibts keine Hochzeit mehr!

Uns freut ein goldnes Ährenfeld
doch nicht das Feld der Ehr'
Und Frieden bringt der schönen Welt
kein Bonner Söldnerheer.
Das Leben braucht die Sichel
doch nicht das Schießgewehr.
Und ohne Deutschen Michel
gibts keinen Weltkrieg mehr

Ja ja ja ja Susanna
das Leben ist nicht schwer.
Wer Frieden will und Deutschland liebt
der wird niemals Legionär.

Text: Ernst Busch
Komponist: Stephen Foster

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