*Warum hat Dikigoros das alte Titelbild ersetzt und in die Fußnote verbannt? Nun, für gewöhnlich bevorzugt er Zeichnungen gegenüber Fotos, weil erstere meist "zeitloser" sind. Aber hier mußte er nachträglich feststellen, daß das alte Titelbild gar keine originäre Zeichnung war, sondern vielmehr die gezeichnete Kopie eines Fotos, noch dazu eines ziemlich "einseitigen"; da fand er das von der Autogrammkarte doch ansprechender, wenngleich es leider nicht signiert ist, so daß er die Unterschrift anderweitig besorgen mußte. Auch die gibt es "besser", aber meist ohne den eigentlich obligatorischen Akzent auf dem zweiten "á". Wegen des letzteren Mankos hat er auch der Versuchung widerstanden, eine "all-in-all"-Lösung mit Foto, Signatur und Lebensdaten an den Anfang zu stellen. Einstweilen hält er die jetzt gewählte Lösung für die am wenigsten schlechte.
**Das ist die 3. Klasse. Da dies der höchste zivile Orden Portugals ist (praktisch sogar der höchste insgesamt, da der theoretisch über ihm stehende militärische Orden "Sant'Iago da Espada" mangels Heldentaten schon seit geraumer Zeit nicht mehr verliehen wird), muß Dikigoros dazu etwas mehr schreiben.
Gestiftet wurde der Orden 1960 anläßlich des 500. Todestages des Namenspatrons, der damals in aller Munde war. Er war zwar nie selber zur See gefahren, hatte aber als de-facto-Prinzregent die Seefahrt sehr gefördert und galt als der Vater des portugiesischen Weltreichs.

Nachdem sich die Kommunisten 1974 an die Macht geputscht hatten, fiel er als böser Kolonialist vorübergehend in Ungnade, und der nach ihm benannte Orden wurde bis zu deren Abwahl nicht mehr verliehen - Amália war die erste, die ihn nach fünf Jahren Pause wieder zugesprochen bekam.
Verliehen wird er in 5 Klassen. (Zum Vergleich: Das deutsche "Bundesverdienstkreuz" wird in 4 Klassen verliehen, wobei das BVK "1. Klasse" die 3. Klasse darstellt, hinter dem
"Großkreuz" und dessen "Sonderstufe".) Das Großkreuz, das sie sechs Jahre später erhalten sollte, ist die 2. Klasse und zugleich die höchste Stufe für "Normalsterbliche"; die 1. Klasse - das Großkreuz mit Schulterband - ist Staatsoberhäuptern und Regierungschefs vorbehalten und als solches wertlos, da an keinerlei Voraussetzungen im Sinne von echten Verdiensten um Portugal gebunden; ein Staatsbesuch reicht aus.
Tote können Orden nicht mehr zurück geben und sich auch nicht mehr dagegen wehren, daß ihr Andenken durch die spätere Vergabe an besonders üble Gestalten mit in den Schmutz gezogen wird, sondern sich nur noch im Grabe umdrehen. Dikigoros ist überzeugt, daß Amália dies getan hätte, hätte wie gewußt, wer alles diesen Orden nach ihrem Tode noch erhalten sollte. Um seine Leser nicht zu ermüden, nennt Dikigoros nur einige Beispiele:
- Michelle Bachelet, die Totengräberin Chiles (2007)
- Ollanta Humala, der anti-weiße Rassist aus Perú (2012)
- José Manuel Barroso, der Ober-Eurokrat (2014)
- Frankenstein-Meier, der Vampir aus BRDistan (2018)
- Sarah Sauer, die Abrißbirne aus der Uckermark (2022)
(Versteht Dikigoros bitte nicht falsch: Er hat Verständnis, wenn ein so gut wie bankrottes Entwicklungsland dem Regierungschef des Hauptgeberlandes einen Orden verleiht, um ihm zu schmeicheln und einen auf "schön Wetter" zu machen. Aber einer Canaille, die nicht mehr Regierungschef[in] ist, einen solchen noch nachträglich hinterher zu werfen, findet er schändlich.)
Und um auch das noch nachzutragen, da Dikigoros oben geschrieben hat, daß der Sant'Iago-Orden für militärische Verdienste in der Praxis nicht mehr verliehen wird: Selbstverständlich erhalten auch Militärs weiterhin Orden - nämlich eine der niederen Stufen des Prinz-Heinrich-Ordens. Für die Verleihung genügte es während der "Corona"-Plandemie schon, wenn sich jemand immer brav eine
Narrenkappe
vor's Maul band, so daß der höchste Orden Portugals zum Covidioten-Abzeichen degradiert wurde:

***Wenn man so will, dann war das ein Kompromiß: Man wollte nicht gleich Heinrich den Seefahrer zum alten und neuen Nationalhelden machen, zumal sich da gerade keine passende Jahreszahl anbot. (1994 wurde aber anläßlich seines 600. Todestages ordentlich nachgefeiert. Nominell hatte sich die Wertschätzung seiner Person da sogar verzehnfacht - und das, obwohl der Silbergehalt der Gedenkmünze gesunken war :-)

Camões war immerhin der Dichter, der die Heldentaten, zu denen ersterer den Anstoß gegeben hatte, in seinem Epos "Os Lusíadas" verherrlicht hatte, dessen 400. Jahrestag bereits 1972 von Staats wegen groß gefeiert worden war.
Das geschah noch unter Salazars Nachfolger Caetano. Unter der linken Militärjunta war jenes Werk verpönt, diente es doch dem Sich-Einschmeicheln bei einem Monarchen und bösen Kolonialisten. Zu allem Überfluß war es auch noch rassistisch, denn es ließ an den Afrikanern - Mauren und Mohren gleichermaßen - kein gutes Haar. (Man konnte von Glück sagen, daß es nicht verboten und verbrannt und die Münzen und Medaillen nicht eingezogen und eingeschmolzen wurden.)

Übrigens ist Portugal das einzige Land der Welt, das den Todestag eines Dichters zu seinem Nationalfeiertag erklärt hat - vielleicht auch in bewußter Abkehr von "historischen" Gedenktagen, die allzu leicht eine Beute des politischen Tagesgeschäfts wurden.****** Portugal hatte im 20. Jahrhundert fünf verschiedene Nationalfeiertage (also fast so viele wie Deutschland): bis 1910 den 1. Dezember (1640, Unabhängigkeit Portugals von Spanien), bis 1926 den 5. Oktober (1910, Sturz der Monarchie), bis 1974 den 28. Mai (1926, Marsch auf Lissabon), bis 1980 den 25. April (1974, Militärputsch der "Junta de salvação") und seit 1980 den 10. Juni (1580, Todestag von Camões).
****Die anderen sind José Afonso (29.), Carlos Paredes (147.), Mariza (61.) und António Variações (98.)
*****vor Carmen Miranda, Zeca Afonso, Carlos do Carmo, Mísia, Dulce Pontes und Simone de Oliveira.
Warum Dikigoros die Recherchen von Panthéon nicht immer überzeugen, erläutert er
an anderer Stelle
ausführlicher (ebenfalls in der Fußnote); er will sich hier nicht wiederholen.
******Ein cynischer Leser hat Dikigoros gemailt und gemeint, das sei doch auch historisch durchaus passend, denn Camões sei zumindest indirekt der Totengräber des portugiesischen Weltreichs gewesen: Der dumme junge König Sebastião habe sich von ihm zu dem Versuch anstiften lassen, Marokko zu erobern, sei dabei gefallen, und zwei Jahre später sei Portugal an den König von Spanien gefallen, unter dem seine wertvollsten Kolonien - Ceylon und Insulinde - verloren gingen.
Letzteres mag aus der Sicht des 16. Jahrhunderts stimmen. (Dikigoros schreibt darüber
an anderer Stelle
mehr.) Und gewiß sind fernöstliche Gewürze - um die es damals ja in erster Linie ging - noch immer eine feine Sache. Aber anno 1980 wußte man schon, daß sich mit Ländern wie Shrī Lankā und Indonesien - auch wenn sie damals noch attraktive Urlaubsziele waren und scheinbar ein großes Potential für die Tourismus-"Industrie" bargen - kein Staat machen ließ, geschweige denn ein Weltreich. Die langfristig wertvollsten, da an Bodenschätzen reichen Kolonien Portugals lagen nicht in Asien, sondern vielmehr in Afrika - insofern hatte Camões mit seiner Stoßrichtung durchaus richtig gelegen -; und die waren erst unter dem Regime der Putschisten vom 25. April 1974 verloren gegangen.
PS: Besagter Leser hat Dikigoros - als Reaktion auf diese Fußnote - des weiteren gemailt, daß es damals nicht nur um Gewürze ging, sondern auch um Hölzer, die ja für eine seefahrende Nation ebenso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger waren, vom duftenden Sandelholz Insulindes bis zum robusten Brasilholz, nach dem irgendwann sogar das ganze Land - das ursprünglich "Land des Heiligen Kreuzes" geheißen habe - [um]benannt wurde.
Auch das stimmt - aus der Sicht des 16. Jahrhunderts. Aber als Brasilien im 19. Jahrhundert verloren ging, war man bereits dazu übergegangen, Schiffe aus Metall statt aus Holz zu bauen; und das Sandal-Holz kam nicht aus ganz Insulinde, sondern hauptsächlich aus Ost-Timor - und daran hielten die Portugiesen lange Zeit eisern fest, bis die November-April-Verbrecher auch das endgültig aufgaben.
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