Wurden beim russischen Raketenangriff auf
Poltawa viele westliche Ausbilder getötet?

von Thomas Röper (Anti-Spiegel, 9. September 2024)

Anmerkungen und ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

Am 3. September gab es einen schweren Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Poltawa, bei dem auch nach ukrainischen Berichten viele Soldaten getötet wurden. Aber das ist wohl nicht die ganze Wahrheit.

Am 3. September hat die russische Armee ein Ausbildungszentrum der ukrainischen Armee in Poltawa mit zwei Iskander-Raketen angegriffen. (Anm. Dikigoros: Die standardisierte Anfangsmeldung aller ÖRR-Sender der BRDDR sowie ihrer gleichgeschalteten Medien lautete:

"Bei einem russischen Raketenangriff auf eine Schule in der ukrainischen Stadt Poltawa wurden ca. 50 Menschen getötet und über 200 zum Teil schwer verletzt.") Auch westliche Medien wie der Spiegel meldeten viele tote Soldaten und dass in der Ukraine Unverständnis herrsche, wie so etwas passieren konnte.

Allerdings steckt wohl weitaus mehr dahinter, denn das getroffene Objekt war offenbar eine Fernmeldeschule der ukrainischen Armee, in der die heute so wichtigen Bediener für radioelektronische Kriegsführung und auch Drohnenpiloten ausgebildet werden. Da diese Technik vor allem aus dem Westen geliefert wird, wurde in Russland sofort gemeldet, dass nicht nur Soldaten, sondern auch viele westliche Ausbilder bei dem Angriff getötet wurden.

Vor allem schwedische Soldaten soll es erwischt haben, denn Schweden will der Ukraine ein luftgestütztes Radar liefern, wofür die ukrainischen Spezialisten ausgebildet werden müssen, was angeblich in der Fernmeldeschule in Poltawa geschieht. Zufall oder nicht, aber am Abend des gleichen Tages hat der schwedische Außenminister Billström nicht nur seinen Rücktritt, sondern auch seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. (Anm. Dikigoros: Wie später herauskam, "erwischte" es wohl nicht bloß ein paar Ausbilder und Auszubildende, sondern so ungefähr den halben schwedischen Generalstab, der dort gerade zu Besuch weilte :-)

Hier übersetze ich, wie das russische Fernsehen am Sonntag in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick über den Angriff auf Poltawa berichtet hat.

Beginn der Übersetzung:

Der Iskander-Raketenangriff war ein Enthauptungsschlag für die radioelektrische Kriegsführung der Ukraine

Die mediale Druckwelle dieses Treffers hat den Planet Erde mehrmals umrundet, und von der Kiewer Junta kam unartikuliertes Gejammer und eindeutig untertriebene Verlustmeldungen. Es war also das übliche Muster. Was anderes erwarten wir ja auch nicht.

Augenzeugen haben die Realität beschrieben. Das sind Bilder des Sanitäters Igor Tkatschew des Freiwilligenbataillons „Hospitaller“, der noch vor den Krankenwagen am Ort des Geschehens eintraf und darüber schrieb:

„Weiter hinten war alles voller Leichen, Blut, Schreie, Stöhnen, Schmerz und Tod. Vor uns stand ein riesiger alter LKW, in den die Verwundeten einfach verladen wurden. Sie wurden auf Lappen, Decken oder Türen gelegt, über die Köpfe gehoben und hinten reingeworfen. Ich hatte nicht einmal Zeit zu sehen, was mit ihnen los war. Als ich dort ankam, half ich gerade den letzten Verwundeten. Es gab keinen Platz mehr, die Tür wurde geschlossen, und der LKW fuhr quer durch die Stadt zum Krankenhaus, vollgepackt mit sterbenden Menschen.“

Und das schreibt er darüber, wie es ein wenig später aussah:

„Die Ärzte, die ankamen, waren junge Mädchen mit langen Fingernägeln, die schrien, zitterten und nicht wussten, was sie tun sollten. Wir waren gerade dabei, schwer verletzte, sterbende Menschen ohne Arme und Beine in Autos zu laden, und die Mädchen waren ratlos. Sie waren vollkommen desorganisiert. Auf sowas waren sie nicht vorbereitet. Ich habe nicht gesehen, was der Staatliche Notdienst getan hat, außer Verwundete zu transportieren, die meisten von ihnen konnten nicht helfen, und ich habe auch keine Erste-Hilfe-Kästen gesehen.“

Der ehemalige ukrainische Diplomat Andrej Telischenko, der in der ukrainischen Botschaft in den USA gearbeitet hat, behauptet in einem Interview mit RT, dass im militärischen Kommunikationsinstitut in Poltawa Ausbilder aus Großbritannien, Schweden und Frankreich unterrichtet haben. Daher auch die Aufregung.

„Wir haben sogar gesehen, wie Flugzeuge aus der Westukraine und aus Polen, insbesondere aus Rzeszów, nach dem russischen Angriff Leichen aus ganz Europa abholten. Die Verluste belaufen sich auf mehr als 600 Militärangehörige“, sagte Telischenko.

Tatsächlich nennen diese Zahl von 600, in einigen Fällen sogar knapp 700 Verlusten, auch andere unabhängige ukrainische Blogger. Eines ist klar: Die zwei abgefeuerten Iskander-Raketen waren präzise und haben das System radio-elektronischer Kriegsführung der Ukraine enthauptet. Das war sorgfältig vorbereitet und zeitlich so abgestimmt, dass es mit dem morgendlichen Antreten zusammenfiel, und umging alle Luftabwehrsysteme und Störsender. Die Aufklärung hat perfekt gearbeitet.

Neben seiner verheerenden Wirkung hatte dieser Angriff auch eine eindeutig demoralisierende Wirkung. Der Kiewer Militärexperte Dmitri Snegirew sagte: „Die Situation ist insofern einfach katastrophal, als in dieser Schule Spezialisten für elektronische Kriegsführung ausgebildet werden. Das sind sehr spezialisierte Leute, sie werden in den ukrainischen Verteidigungskräften in Gold aufgewogen.“

Der britische Experte Alexander Mercouris scheint noch besser informiert zu sein, denn er sagte: "Es gibt Vermutungen, dass es dort vor allem Drohnenpiloten gab. Vielleicht gab es auch solche, die von schwedischen Ausbildern im Umgang mit AWACS und anderen Radaren geschult wurden." (Anm. Dikigoros: A.M. ist kein "Experte" und nimmt das auch gar nicht für sich in Anspruch. Er sammelt lediglich englischsprachige Nachrichten aus aller Welt und referiert diese auf seinen diversen Internet-Kanälen. Das schließt nicht aus, daß er dadurch im Laufe der Zeit tatsächlich mehr "Expertise" gewonnen hat als viele andere Kommentatoren in Ost und West, auch wenn er stets tief stapelt und seine Analysen oft mit dem Satz einleitet: "Ich bin zwar kein Militärexperte, aber..." :-)

AWACS ist ein amerikanisches fliegendes Radar für die Zusammenarbeit mit Kampfflugzeugen. Die Ukraine bereitet sich darauf vor, ein ähnliches schwedisches System von SAAB, die ASC-890, zu erhalten. Es kann bis zu fünf Stunden lang ununterbrochen in der Luft bleiben, der Radar-Sichtradius beträgt bis zu 500 km, was für die amerikanische F-16 bei der Zielbestimmung eine große Hilfe sein dürfte. Und dann - zack! - sind russische Iskander zu den schwedischen Ausbildern geflogen, noch bevor die fliegenden SAAB-Radare eingetroffen sind.

Die Symbolik des Ortes des Angriffs, Poltawa, erwähnt der amerikanische Oberst Douglas MacGregor: "Poltawa war der Schauplatz einer wahrhaft gigantischen Schlacht, in der Russland und Schweden um die Vorherrschaft in Ost- und Nordosteuropa gekämpft haben. (Anm. Dikigoros: Na ja, das war anno 1709 eher ein Abschlachten als eine Schlacht - geschweige denn eine "gigantische" -, denn die Schweden hatten kaum noch Regimentsstärke, und Karl XII, der sie in diese mißliche Lage geführt hatte, floh denn auch feige in die Türkei. Wäre Dikigoros Angehöriger des schwedischen Generalstabs oder des Verteidigungsministeriums, dann gäbe es eine Stadt in der Ukraïne, wo er einen wie auch immer gearteteten Standort seiner Truppen garantiert nicht eingerichtet hätte, nämlichl Poltawa :-) Während des Zweiten Weltkriegs befand sich hier auch Hitlers vordere Kommandozentrale. Die Stadt hat also auf vielen Ebenen eine symbolische Bedeutung, und die eigentliche Botschaft lautet: Wir kommen, jetzt seid ihr am Ende." [...]

Ende der Übersetzung


LESERPOST
(ausgewählt und z.T. leicht gekürzt von Dikigoros)

Zappenduster (9. September 2024):
[...] Man könnte diese Leute auch im Westen ausbilden. Aber da setzen sich wohl zu viele Ukrainer ab.

Das 8. Gebot (9.9.2024):
[...] Die EU-Militärhilfemission zur Unterstützung der Ukraine (EUMAM Ukraine) zielt darauf ab, die Fähigkeit der ukrainischen Streitkräfte zu stärken, die territoriale Integrität der Ukraine innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen zu verteidigen und mögliche künftige Militäroffensiven Russlands und anderer potenzieller Aggressoren abzuschrecken und darauf zu reagieren. EUMAM arbeitet eng mit anderen gleichgesinnten internationalen Partnern zusammen, um die ukrainischen Streitkräfte bei der Ausbildung zu unterstützen. EUMAM steht der Teilnahme von Drittstaaten offen. Alle Missionstätigkeiten finden auf EU-Boden statt. Bisher haben 24 EU-Mitgliedstaaten Schulungsmodule und Personal angeboten. Die Ausbildung wird durch die Bereitstellung von Ausrüstung für tödliche und nicht-tödliche Zwecke an die ukrainischen Streitkräfte unterstützt. Diese Ausrüstung wird von den Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt und aus der Europäischen Friedensfazilität (!) finanziert [...]

Darnok Konrad (9.9.2024):
[...] So ist eben das "westliche Wertesystem": Lügen, Betrug, Korruption in den höchsten Etagen, bis hinunter zu dem kleinen Beamten, der notgedrungen den Mist der "Elite" glauben muß für gute Bezahlung und Pension - oder wie der Schwede die Konsequenzen zieht und geht! (Anm. Dikigoros: Als ob der keine gute Pension bekäme!) [...] Doch noch mehr Ratten werden das sinkende Schiff verlassen, wenn sie ihren sinnlosen Einsatz erkennen. Für die "BRD-Ukraine-Hilfe" leidet die Bevölkerung, und eine "Vertrauensfrage" stellt sich für den Cumex, WIRECARD, Rügen-Terminal-Manager nicht [...]

Thomas Rothbauer (9.9.2024):
[...] Jeder tote ausländische Soldat/Söldner/Ausbilder ist eine Hoffnunge mehr auf Frieden, sofern es auch die Menschen in den jeweiligen Ländern mitbekommen und sich wehren [...]

hjs (9.9.2024):
Und mit jedem Toten wird der Graben zwischen den Völkern tiefer. Auf lange Zeit. Für wen? Für die Mächtigen, die nie die Front gesehen haben.

henio (9.9.2024):
[...] Jetzt werden es sich Briten, Franzosen und Schweden zweimal überlegen, ob sie weiter »Ausbilder« in die Ukraine schicken, und einige Schweden werden sich vielleicht fragen, ob es wirklich so klug war ihre Neutralität für den NATO-Beitritt zu opfern. (Anm. Dikigoros: Ach was - wer sind denn "die" Briten, Franzosen und Ukraïnner? Die Finnen haben ihre Regierung eine Woche nach dem NATO-Beitritt mit Pauken und Trompeten abgewählt. Hat das irgendetwas bewirkt? Nein - denn die US-Truppen standen bereits in Schweden Gewehr bei Fuß und sind sofort eingerückt - Widerstand wäre zwecklos gewesen. Und was die Spezialisten für elektronische Kampfführung anbelangt, so dürfte Schweden gar keine mehr hahen, die man ins Ausland schicken könnte - es müssen erstmal wieder neue ausgebildet werden.)