Wie ein muslimischer Sozialist zum Bürger-
meister von New York gewählt wurde

von Thomas Röper (Anti-Spiegel, 10. November 2025)

Bilder, Anmerkungen und Links: Nikolas Dikigoros

Die New Yorker haben den demokratischen Sozialisten und Moslem Zohran Mamdani zum Bürgermeister gewählt, was noch vor kurzem undenkbar gewesen wäre. Aber wie es dazu gekommen?

Die Wahl von Zohran Mamdani, einem bekennenden Sozialisten und Moslem, zum Bürgermeister von New York, wurde noch vor wenigen Monaten von niemandem für möglich gehalten. Und noch vor wenigen Jahren, wäre das vollkommen undenkbar gewesen, denn noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren die USA ein prüdes, christliches, gläubiges und anti-sozialistisches Land, in dem niemand eine Chance auf einen Wahlsieg hatte, der bekennender Moslem, anstatt gläubiger Christ und Kirchgänger, und Sozialist, anstatt Kämpfer für den "amerikanischen Traum" des Kapitalismus, ist.

Das russische Fernsehen hat dem Wahlsieg von Mamdani in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick am Sonntag einen eigenen Beitrag gewidmet, der versucht, das Phänomen zu erklären. Ich habe den Beitrag übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Ein sozialistischer Migrant hat Hammer und Sichel über New York City gehisst

Am 5. November jährte sich die US-Präsidentschaftswahl, die Donald Trump mit überwältigender Mehrheit gewann. Er sicherte sich zudem die republikanische Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses und im Obersten Gerichtshof der USA. Es war ein Erdrutschsieg, wie man so schön sagt.

Doch was sehen wir jetzt, wo diese Woche Kommunalwahlen in Städten und Bundesstaaten stattgefunden haben? Eine Niederlage nach der anderen bei den Republikanern. Dazu kommen wir gleich in unserem Bericht.

Sprechen wir zunächst über das vielleicht dramatischste Ereignis, über New York City. Ich hätte beinahe Megacity gesagt, aber streng genommen ist eine Megacity eine Stadt mit über 10 Millionen Einwohnern.

Moskau z.B. ist mit rund 13,5 Millionen Einwohnern die größte Megacity Europas. Neben Moskau ist Paris mit etwa 11,5 Millionen Einwohnern die einzige weitere Megacity in Europa. (Anm. Dikigoros: Beide Städte haben rein zufällig auch die höchste Anzahl von Muslimen in Europa - einschließlich des europäischen Teils von İstambul.) Alle anderen europäischen Städte haben weniger als 10 Millionen Einwohner. Die USA haben keine Megacitys. Es klingt seltsam, aber obwohl New York keine Megacity ist, ist sie die größte Stadt der USA. Dort leben 8,5 Millionen Einwohner. (Anm. Dikigoros: Das liegt daran, daß viele New Yorker aus Kostengründen im benachbarten New Jersey leben.)

Aber es geht gar nicht um die Größe. New York ist regelrecht das Symbol Amerikas, seine musikalische Visitenkarte Frank Sinatra und die Freiheitsstatue, die die Ankommenden aus der Alten Welt begrüßt. (Anm. Dikigoros: Und die aus Afrika :-)

[Begrüßung auf Kenyanisch]

New York wird auch als Hauptstadt des globalen Kapitalismus bezeichnet.

Und diese Woche geschah dort etwas Größeres als ein Erdbeben, ja sogar größer als ein Tsunami. Die New Yorker haben den demokratischen Sozialisten Zohran Mamdani zum Bürgermeister dieses amerikanischen Märchens mit der Weltbörse im Zentrum gewählt. Magazincover zeigen ihn, wie er als Zeichen des Sieges Hammer und Sichel über seinen Kopf erhebt.

Vor der Wahl drohte US-Präsident Trump, New York die Bundeszuschüsse zu streichen, sollte Mamdani gewählt werden. Die Stadt steht nun vor dem drohenden Verlust immenser Summen, die Zahlungen der US-Regierung an die Stadtkasse New Yorks beliefen sich im vergangenen Jahr über verschiedene Programme auf 100 Milliarden US$, was etwa 1.000 US$ pro New Yorker und Monat entspricht.

Donald Trump drohte: „Als Präsident der USA werde ich nicht zulassen, dass dieser kommunistische Wahnsinnige New York City zerstört. Seien Sie versichert, ich habe alle Hebel in der Hand. Ich werde New York City retten und es wieder groß machen, genau wie ich es mit den guten alten USA getan habe.“

Trump drohte außerdem mit dem Einsatz der Nationalgarde in New York City.

Mamdani antwortete auf die Provokation : „Seine Drohungen waren unvermeidlich. Das hat nichts mit Sicherheit zu tun. Es geht um Einschüchterung.“

Weiter sagte er, dass Trump „die Interessen der arbeitenden Bevölkerung verrät“, um die Öffentlichkeit abzulenken:

"Donald Trump sagte, man müsse mich verhaften. Er sagte, man müsse mich abschieben. (Anm.: Ein Bekannter von Dikigoros meinte dazu: 'Ich würde das b durch ein ß ersetzen!' :-) Er sagte, man müsse mir die Staatsbürgerschaft aberkennen. Und er hat all das über mich gesagt, weil er von dem ablenken will, wofür ich kämpfe."

Der Muslim Zohar Mamdani wurde als Sohn indischer Eltern in Uganda geboren. Im Alter von sieben Jahren zog er mit seinen Eltern nach New York City. (Anm.: Die USA waren ja dumm genug, jeden aus Uganda geflohenen/vertriebenen Muslim aufzunehmen! Dikigoros schreibt über die Vertreibungen an anderer Stelle mehr.)

Erst vor sieben Jahren erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Als charismatischer und redegewandter Redner erlangte er durch Forderungen nach einem Einfrieren der Mieten, bezahlbarem Wohnraum, einer Erhöhung des Mindestlohns, kostenlosen Busfahrten und höheren Steuern für Reiche Bekanntheit. Daher kommt seine Beliebtheit. Hinzu kommt das Versprechen, die „Kultur der Korruption“ zu beenden, die es Milliardären wie Trump ermöglicht habe, sich vor Zahlung von Steuern zu drücken und Steuervorteile auszunutzen.

Nimmt man noch seine pro-palästinensische Haltung gegen Israel hinzu, wird deutlich, warum New Yorks Bürgermeister Zohar Mamdani nun der persönliche Feind von US-Präsident Donald Trump ist.

Beide Seiten verfügen über beträchtliche physische Macht und die Bereitschaft, Gewalt für politische Zwecke einzusetzen. Ist das Versprechen, die Nationalgarde in New York City einzusetzen, nicht eine Drohung mit politischer Gewalt? Und wie werden Mamdanis Anhänger sie in Empfang nehmen? Mit Kopfsteinpflaster, Leuchtraketen und Barrikaden? Und auch zu Schießereien kann es kommen, denn Waffen gibt es reichlich.

Mamdanis Gegner spüren das und haben offen Angst. Steve Bannon, ein politischer Stratege aus Trumps frühen Jahren, bezeichnete Mamdani bereits als „neomarxistischen Dschihadisten“.

Diese Unversöhnlichkeit lässt Gewalt, ja sogar Blutvergießen, befürchten. New York City ist nur ein Einzelfall. Eine aktuelle Umfrage des amerikanischen Public Religion Research Institute liefert die Zahlen. Demnach glauben 62%, also fast zwei Drittel der Amerikaner, dass sich die Lage im Land in die falsche Richtung entwickelt.

Besonders besorgniserregend ist die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft, die politische Gewalt provoziert. Der Mord an dem rechten Aktivisten Charlie Kirk erschütterte das Land, doch er scheint nur der Auftakt zu etwas noch Schrecklicherem zu sein. Die Stimmung ist so, dass 40% der Amerikaner innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Bürgerkrieg erwarten.

Die neuesten Umfragen des angesehenen Forschungsinstituts YouGov sagen, dass 40% an einen Bürgerkrieg glauben, und 40% erwarten einen Bürgerkrieg zwischen Republikanern und Demokraten. Und noch eine weitere alarmierende Zahl von YouGov: 87% der Amerikaner bezeichnen das derzeitige Ausmaß politisch motivierter Gewalt in den USA als „Problem“. Eine Mehrheit von 55% rechnet mit einem weiteren Anstieg politischer Gewalt, berichten Politico und Public First.

Die Lage ist angespannt. Man nehme nur an drei versuchten Attentate auf Trump im letzten Jahr. Seitdem wurden die Sicherheitsvorkehrungen um den US-Präsidenten drastisch verschärft, doch gleichzeitig wächst auch der Hass. Ein Beispiel dafür sind die Anti-Trump-Demonstrationen in amerikanischen Städten mit Millionen Teilnehmern unter dem Motto „No Kings!“.

Es sieht so aus, als würde Soros diese Demonstrationen finanzieren. Trump ist darüber wütend, doch in seinem Video dazu zeigt er, wie er über die Demonstranten denkt.

Das wirkt wie ein humorvoller, wenn auch fragwürdiger Versuch. Doch die Kluft ist bereits viel tiefer, als es scheint.

Vor acht Jahren hat Nashville, die Hauptstadt von Tennessee, die Vorführung von „Vom Winde verweht“ verboten, dem erfolgreichsten Film der US-Geschichte. Dem Film wurde Rassismus und die Verherrlichung der Sklaverei vorgeworfen. Das war der Auftakt zu weitreichenderen Veränderungen. Dann begann mann, ähnlich wie in der Ukraine, Denkmäler historischer Persönlichkeiten zu stürzen. Das wichtigste Opfer war General Lee, der im Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 die Konföderierten-Armee befehligte. (Anm. Dikigoros: Der war wohl kaum das wichtigste Opfer - das war vielmehr George Washington!)

Man behauptete, er sei ein Befürworter der Sklaverei gewesen. Allerdings hat der General zu Kriegsbeginn seine Sklaven freigelassen, aber was ändert das schon?

Zuerst riss man sein Denkmal in New Orleans ab. Dann entfernte ein Kran in Dallas eine sechs Tonnen schwere Reiterstatue.

Auf dem Campus der University of Virginia in Charlottesville wurde ein Denkmal für Thomas Jefferson, einen der Gründerväter der USA, geschändet. Die Statue wurde mit schwarzem Stoff verhüllt, auf dem Jefferson als „Rassist“ und „Vergewaltiger“ und seine Statue als „Symbol weißer Vorherrschaft“ bezeichnet wurde. Rund 100 Studenten nahmen an dem Protest teil. Zur gleichen Zeit beschmierte jemand in New York City die Statue von Christoph Kolumbus im Central Park mit roter Farbe, weil auch er angeblich für Verbrechen der Weißen verantwortlich sei.

2020 war in den USA das Rekordjahr beim Abriss von Denkmälern. Kolumbus, der Entdecker Amerikas, wurde in San Francisco abgebaut. Dasselbe geschah in Detroit.

Da die Polizei nicht eingriff, wandten sich die Randalierer sogar den Gründervätern der USA zu. In Portland, Oregon, stülpten Demonstranten eine amerikanische Flagge über den Kopf von George Washington, dem ersten US-Präsidenten, und zündeten sie an. Anschließend rissen sie die Bronzestatue um und übergossen sie mit roter Farbe. Höhepunkt des Protests war die mit Graffiti hingeschmierte Zahl 1619, das Jahr, in dem Sklaven in die USA kamen. (Anm. Dikigoros: Das war in der Tat ein Verbrechen - an den weißen Einwanderern! Täter waren die Sklavenhändler - durchweg Juden.) Zuvor war in Portland ein Denkmal für die ersten Siedler und den dritten US-Präsidenten Thomas Jefferson, den Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, abgerissen worden.

So in den USA eine kulturelle Auslöschung der Vergangenheit statt. Alte Filme über die Indianer sind seit Langem verboten. Neue werden nicht gedreht, es ist verboten. Kolumbus wird aus der Geschichte getilgt. Statuen der Konföderierten werden wohl nirgendwo erhalten bleiben.

Und das ist die unverhohlene politische Gewalt, die in den USA zur Routine geworden ist. Jedoch ist es langweiliger, Denkmäler zu zerstören, als Menschen zu töten.

Nach dem Mord an George Floyd durch die Polizei brachen die Pogrome der Black-Lives-Matter-Bewegung aus. Dazu gehörten Demütigungen von Weißen auf offener Straße, das erzwungene Niederknien und die Aufforderung zur Buße.

Wen wundert es da, dass nach dem Amtsantritt von Bürgermeister Zohran Mamdani in New York City Millionen von Stadtbewohnern ein Schauer der Angst über den Rücken läuft? Sie wollen einfach nur weg. So beurteilt die New York Post die Situation:

"Etwa 765.000 der 8,4 Millionen New Yorker bereiten sich auf einen Wegzug vor. Laut einem Bericht der Daily Mail, der sich auf eine Umfrage von J.L. Partners beruft, gaben rund 9% an, die Stadt „definitiv“ zu verlassen, sollte Mamdani zum 111. Bürgermeister gewählt werden. Würden diese Einwohner wegziehen, entspräche das dem Wegzug der Bevölkerung von Washington, Las Vegas oder Seattle. Weitere 25% der New Yorker, etwa 2,12 Millionen, gaben an, einen Umzug 'in Erwägung zu ziehen'. Unter den Gutverdienern erklärten 7% derer mit einem Jahreseinkommen von über 250.000 US-Dollar, dass sie definitiv wegziehen."

Die Juden in New York City befinden sich in einer besonderen Lage. Außerhalb Israels bilden sie mit 1,3 Millionen Mitgliedern die größte jüdische Gemeinde. Der israelische Minister für Diaspora-Angelegenheiten Amichai Shikli sah Bürgermeister Mamdani als Hamas-Unterstützer und rief die New Yorker Juden auf, nach Israel auszuwandern:

"Die Stadt, die einst ein Symbol globaler Freiheit war, hat ihre Schlüssel einem Hamas-Unterstützer übergeben, einem Mann, dessen Ansichten denen der fanatischen Dschihadisten, die vor 25 Jahren, am 11. September 2001, 3.000 Menschen ermordet haben, nicht unähnlich sind."

Diese Ängste werden durch Internet-Bilder der Freiheitsstatue in New York verstärkt, auf denen sie in eine schwarze Burka gehüllt ist. Ohne Fackel, die wurde entfernt.

Heute ist die Bedrohung durch Gewalt in den USA allgegenwärtig. Selbst Mitglieder von Trumps Regierungsteam sind gezwungen, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen und mit ihren Familien hinter die mehrschichtigen Zäune von Militärbasen unter den Schutz des Militärs zu ziehen. Beispielsweise haben Gegner von Trumps Einwanderungspolitik nur wenige Tage vor der Ermordung von Charlie Kirk die Familie des Heimatschutzberaters Stephen Miller vertrieben, der in North Arlington, Virginia, lebte. Sie hängten in seiner Nachbarschaft einfach Plakate mit seiner Adresse auf und erklärten Miller zum gesuchten Nazi, der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begangen habe. Miller blieb nichts anderes übrig, als sich seinen Kollegen anzuschließen und in Unterkünfte einer Militärgarnison zu ziehen.

Das sind Zustände!

Heimatschutzministerin Kristi Noem beispielsweise ist nach einer Hetzkampagne der Medien gegen ihre Adresse von ihrer Wohnung in Washington in das Haus des Kommandanten der Küstenwache auf der Anacostia-Bolling Air Base gezogen. Außenminister Marco Rubio und Kriegsminister Pete Hegseth halten sich nun in Fort McNair, einer Militäranlage am Anacostia River, versteckt. US-Heeresminister Daniel Driscoll fühlt sich nur in der Meyer-Henderson Hall, einem Militärstützpunkt in der Nähe des Arlington Nationalfriedhofs, sicher.

Das ist eine unvollständige Liste der Umsiedler. Diese Beispiele sollen lediglich das Phänomen veranschaulichen.

Die Lust am Umzug hat jedoch nicht nur Regierungsbeamte erfasst. Auch Universitätsprofessoren stimmen mit den Beinen ab und verlassen die Universitäten. Viele gefällt Trumps Vorgehen gegen die Hochschulen nicht, und sie suchen nach Einrichtungen in anderen Bundesstaaten mit liberalerer Politik.

Kurz gesagt, die Lage ist schwierig. Präsident Trump rühmt sich der Kriege, die er beendet hat, doch der wichtigste Krieg tobt direkt vor seiner Haustür, und er kann ihn nicht stoppen.

Ende der Übersetzung


zurück zu Trumps Traumgegner: New Yorks Zohran Mamdani

zurück zu Nehmt Abstand vom wankenden Koloß!