"Das Beste, was Putin sich erhoffen kann"

Kreml-Kritiker Kasparow redet sich wegen US-Friedensplan in Rage

von Leonard F. Wohlfahrt (Focus Online, 27. November 2025)

Bilder, Links und Nachbemerkung: Nikolas Dikigoros

Der prominente Putin-Kritiker Garri Kasparow hat sich bei einer Podiumsdiskussion in Kanada zum US-Friedensplan für die Ukraine geäußert. Dabei redete er sich in Rage und ließ kein gutes Haar an der NATO.

Bei einer Podiumsdiskussion auf dem Halifax International Security Forum wurde am vergangenen Sonntag über den US-Friedensplan für die Ukraine debattiert. Teil der Runde war auch der als mehrfacher Schachweltmeister bekannt gewordene, heutige Autor und Putin-Kritiker Garri Kasparow. Eine Zuschauerin aus dem Publikum wollte von ihm wissen, was er über den "Deal" von Donald Trumps Team halte.

Kasparow: "Ein Immobiliengeschäft, um Trumps Familie zu bereichern"

Der 62-Jährige redete sich regelrecht in Rage: "Das ist das Beste, was Putin sich erhoffen kann. […] Die Verhandlungen werden ewig dauern. Ich brauche immer noch eine gute, klare Antwort darauf. Wissen Sie, ich kann mir das noch immer nicht vorstellen: Wie können wir über diesen „Deal“ diskutieren, der von Trumps Geschäftspartner gemacht wurde? Es handelt sich um ein Immobiliengeschäft, um Trumps Familie zu bereichern und die Ukraine zu verkaufen. Und das ist es. Wie kann man ernsthaft darüber diskutieren, dass die Ukraine ihre Befestigungsanlagen aufgeben muss, die Europa schützen?"

"Die Ukraine ist das einzige Land, das den Zweck der Nato erfüllt"

Auch an der NATO übte Kasparow klare Kritik und stellte in Frage, warum die Ukraine noch immer kein Mitglied ist. "Die NATO ist nicht stark. Die NATO existiert nicht. Sie ist eine Fälschung, es sind nur vier Buchstaben: N A T O. (Anm.: Dazu schreibt Dikigoros an anderer Stelle mehr :-) Der Grund, warum Sie immer noch hier sitzen und feiern, ist, dass die Ukraine jede Minute stirbt. Es ist ein riesiges Opfer [...] Seit vier Jahren kämpft die Ukraine für ganz Europa", so der Kreml-Kritiker. Und weiter: "Die Nato wurde gegründet, um nur einen Krieg zu führen, nicht um nach Afghanistan zu gehen, nicht um nach Syrien zu gehen – für einen Krieg: um das freie Europa vor der russischen Aggression zu retten. Die Ukraine ist das einzige Land, das diesen Krieg führt. Und wir diskutieren immer noch darüber, ob wir sie aufnehmen sollen oder nicht. Die Ukraine ist das einzige Land, das den Zweck der Nato erfüllt. Wir verdanken ihnen alles."

Der 28 Punkte umfassende Friedensplan aus dem Weißen Haus forderte große Zugeständnisse der Ukraine an Russland. Inzwischen gibt es einen europäischen Gegenentwurf zur amerikanischen Ursprungsfassung, in dem die Ukraine deutlich stärker unterstützt wird. Der Kreml bestätigte inzwischen ein von Trump angekündigtes zeitnahes Treffen seines Sondergesandten Steve Witkoff mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Moskau.

Hat Kasparow recht mit seiner Kritik am US-Friedensplan?

Nachbemerkung: Da sich offenbar kein LOCUSFOCUS-Leser bemüßigt gefühlt hat, auf diese Frage eine Antwort zu finden (oder der Verlagszensor keine Antwort ungelöscht gelassen hat :-) will Dikigoros das mal versuchen. Im Ergebnis hat Kasparow recht: Der "Friedensplan" des Trump-teams war völlig inakzeptabel - allerdings nicht für die Ukraine, sondern für Rußland, da er nicht einmal dessen Minimalforderungen erfüllt hätte, als da wären:

  • Anerkennung der Zugehörigkeit der Krym sowie der "neu-russischen" Provinzen Donetsk, Lugansk, Zaporoschje und Cherson zur Russischen Föderation und Abzug aller ukrainischen Besatzungstruppen aus diesen Gebieten
  • Freigabe der im Westen widerrechtlich "eingefrorenen" Gelder der russischen Staatsbank zwecks Wiederaufbau der im Krieg zerstörten vorgenannten Gebiete.
  • Abzug aller NATO-Truppen (einschließlich sogenannter "Berater") und Waffen aus der [Rest-]Ukraine
  • Einräumung eines Freihafens in Odessa.
Die russischen Maximalforderungen (die von einigen Putin-Kritikern - auch im Kreml - ganz offen vertreten werden) lauten wie folgt:
  • Wiedervereinigung von Großrußland ("Russische Föderation"), Kleinrußland ("Ukraïne") und Weißrußland ("Belarus") in den Grenzen von 1991.
  • Rückzug der NATO hinter Oder und Neisse, wie Anfang der 1990er Jahre bei den Verhandlungen zum Zusammenschluß von BRD und DDR vereinbart.
  • Auslieferung der Hauptkriegsverbrecher[innen] (Abmerz, Grünlich, Ladson, Nudelmann, Nußbaum, Piffel, Wasserloch - in alfabetischer Reihenfolge ihrer jüdischen Echtnamen).
  • Auflösung der kriminellen Vereinigung "Internationaler Strafgerichtshof" in Den Haag und Auslieferung aller dort tätigen "Staatsanwälte" und "Richter".
  • Freigabe aller im "Wertewesten" widerrechtlich "eingefrorenen" russischen Vermögenswerte mit Zins und Zinsenzinsen sowie Rückgabe aller beschlagnahmten russischen Immobilien, Firmen, Schiffe, Flugzeuge, Automobile usw., hilfsweise Schadenersatz in voller Höhe des Wertes vor Beschlagnahme.
  • Reparationszahlungen des "Wertewestens" zum Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Gebiete der Ex-Ukraïne. (Diese Schäden dürften mittlerweile in die Billionen € bzw. $ gehen.)
Die russischen Minimalforderungen sind mittlerweile (Dikigoros schreibt diese Nachbemerkung ein Vierteljahr nach Bekanntwerden von Trumps "Friedensplan") vom Tisch, nicht nur, weil die EU und Großbritannien sich massiv dagegen gestemmt haben (wie schon gegen den im April 2022 in Istanbul ausgehandelten Friedensvertrag, als die Ukraïne noch mit der Abtretung der Krym sowie der beiden Provinzen Donetsk und Lugansk "davongekommen" wäre), sondern auch, weil die Kriegsereignisse diese überholt haben. Aber auch die russischen Maximalforderungen dürften in absehbarer Zeit kaum durchsetzbar sein.

Wie aber könnte nun ein halbwegs realistischer Kompromißfriede aussehen? Dikigoros' Vorschlag zur Güte:
  • Teilung der Ukraïne entlang der Sprachgrenzen (wie es ausweislich der letzten freien Wahlen auch dem Willen der Bevölkerungsmehrheit entspricht) und Wiedervereinigung der [süd-]östlichen Hälfte mit Rußland.
  • Abzug aller NATO-Truppen (incl. "Berater") und Waffen vom Gebiet der Rest-Ukraïne.
  • Freigabe der vom "Wertewesten" widerrechtlich "eingefrorenen" Gelder der russischen Staatsbank zwecks Wiederaufbau der [süd-]östlichen Hälfte der Ex-Ukraïne.
  • Wechselseitiger Verzicht auf Rückgabe von beschlagnahmtem Firmen- und Privatvermögen in Ost und West. (Ja, Dikigoros weiß, daß das vor allem für die BRDDR ein schlechtes Geschäft wäre; aber Firmen wie VW stehen eh vor dem Bankrott - aus hausgemachten Gründen -, da kommt es auf die paar 'zig Milliarden in Rußland auch nicht mehr an.)
  • Austausch aller politischen und Kriegsgefangenen nebst wechselseitigem Verzicht auf Strafverfolgung.