Die bigotte Haltung der oft "Gutmenschen" Genannten war so lange ungefährlich für die Allgemeinheit, wie relativ krisenfreie Zeiten existierten. Mit den Corona-Maßnahmen, der Klima-Hysterie, der Migrationskrise und dem Ukraine-Krieg sind diese Zeiten aber endgültig Geschichte.Die gesinnungsethische Radikalität ist im Kern genuin unpolitisch. Ihre abstrakten Forderungen reflektieren weder die Folgen ihres Handelns noch die von ihr erzeugten Effekte. Dass sich eine deutsche Bundeskanzlerin in infantiler Pose für Selfies mit in der Regel illegalen Einwanderern zur Verfügung stellte, ohne offensichtlich in Erwägung zu ziehen, was solche Bilder in den arabischen und afrikanischen Ländern auslösen, war nur die Spitze eines Kitsch- und Rührstückes, welches das Politische durch einen moralischen Imperativ ersetzte. Die eiskalte Kanzlerin wurde über Nacht zu Mama Merkel, zum Gewissen der Welt. Der Soziologe Max Weber hat in seiner akademischen Antrittsrede Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik 1895 den Typus des von ihm so genannten Gesinnungsethikers schon sehr früh präzise beschrieben: Schuldige an Ertrunkenen und LeichenbergenLängst ist der sogenannte Mainstream, nicht nur in Politik und Medien, auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften, in Universitäten, Kirchen, Stiftungen und Verbänden, ein "politkorrektes Links" geworden, das im Verdrängen und Verleugnen gesellschaftlicher Realitäten seine Bestimmung gefunden hat und sich nur noch um die richtige Gesinnung dreht. Alle gesellschaftlichen Tabus, so der Medienwissenschaftler Norbert Bolz, sind heute praktisch ohne Ausnahme linke Tabus: Ausländerkriminalität, muslimischer Antisemitismus, Jugendgewalt usw. Der moralisch Überlegene kann sich so stets sicher sein, dass er den Argumenten der Gegenseite kaum etwas entgegensetzen muss, in allen öffentlichen Talkshows ist er auch in ausreichender Überzahl vertreten. Die traditionelle Linke war seit der französischen Revolution auf universale Kategorien ausgerichtet: Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit. Spätestens mit dem Fall der realsozialistischen Länder ist der "Internationalismus" der Linken auf eine emotionale Solidarität mit den "Opfern" der kapitalistischen, westlichen Welt gerichtet. Abstrakte und allgemeine Leerformeln wie "No Border" oder "Kein Mensch ist illegal" sind Ausdruck für eine rein ästhetische, im eigentlichen vollkommen unpolitische Haltung zur Welt, die im allgemeinen harmlos ist, aber in einer Krisensituation Bedeutung bekommt, insbesondere da die oberste Staatsführung in diesen Tenor einstimmt und sich als oberste moralische Instanz versteht. Der deutsche Philosoph Hegel schreibt, die Wirklichkeit sei gegenüber dem Wunsch das, was tatsächlich gegeben sei. Es scheint, als ob die Orientierung an der Wirklichkeit heute für die Vertreter der unbegrenzten Einwanderung ein Zeichen für allgemeine "Menschenfeindlichkeit" und blanken Zynismus geworden ist. Der Gesinnungsethiker darf dabei jederzeit unerfüllbare Maximalforderungen und abstrakte Ideale wie eine Monstranz vor sich her tragen. Der abwägend Denkende, der die Möglichkeiten an der Realität abgleicht, wird zum Unmenschen erklärt, zum Schuldigen an Ertrunkenen und Leichenbergen, ein Muster, das sich in der Coronazeit wiederholte. Hier wurde der Ungeimpfte als potenzieller Mörder seiner Mitmenschen diffamiert, ein asoziales Subjekt, dem man ohne Skrupel wesentliche Freiheits- und Grundrechte unter dem Applaus der Willfährigen nehmen durfte. Die Gefahr des "guten Menschen"Alle Fragen, etwa die nach den konkreten und längerfristigen Folgen einer unbegrenzten Einwanderungspolitik, wurden von Beginn an als nicht zulässig abgeschmettert. Es galt: „Wir schaffen das.“ Der Hass auf den Kritiker als Überbringer der schlechten Botschaft kannte kaum eine Grenze, wie umgekehrt die „Fernstenliebe“ ungeahnte Höhen erreichte. Im Prinzip geht es den Akteuren eines abstrakten Wunschdenkens immer darum, die Gegenwart oder das herrschende System durch eine glorreiche Zukunft, hier die multikulturelle Gesellschaft, zu ersetzen. Dass solche Ideale am häufigsten bei Leuten verbreitet sind, die jenseits der normalen Lebensrealitäten stehen, sich allen anderen moralisch überlegen fühlen und in der Regel am weitesten von den mit der Masseneinwanderung einhergehenden sozialen und lebensweltlichen Verwerfungen entfernt sind, mag nicht wirklich zu überraschen. Im linken, Grün wählenden Prenzlauer Berg ist der arabische Clan weit weg und die Kinder gehen auf Privatschulen. Malte-Thorben und Lea-Sophie treffen nicht auf Murat und Mohammed. Diese bigotte Haltung der oft Gutmenschen Genannten war so lange ungefährlich für die Allgemeinheit, solange relativ krisenfreie Zeiten existierten. Mit den Coronamaßnahmen, der Klimahysterie und dem Ukrainekrieg sind diese Zeiten aber endgültig Geschichte. Friedrich Nietzsche hat in seiner autobiografischen Schrift Ecce homo, 1908 posthum erschienen, als einer der ersten im "guten Menschen" eine Gefahr gesehen: Hauptverantwortlich für die Zunahme der von Nietzsche so genannten "letzten Menschen" ist vor allem eine Art von "Moral Overstretch", der einen humanitären Universalismus als Orientierung des eigenen Handelns nimmt, der keine eigenen Interessen mehr kennt und der keine Nation von Staatsbürgern mehr sein will. Eigenes und Fremdes existieren nicht mehr länger, es gibt keine kulturellen Unterschiede mehr, die qualitativer Natur sind. Wir sind alle Menschen. Der Nationalstaat unterscheidet noch zwischen Bürgern und Nicht-Bürgern. Nun soll diese Unterscheidung, in den Worten von Ex-Kanzlerin Merkel (Anm. Dikigoros: A.M. meint offenbar Sarah Sauer, geb. Kasner, die Abrißbirne aus der Uckermarck), durch die einfache Differenz von "schon-länger" oder "noch-nicht-so-lange-hier-Lebenden" abgeschafft werden. Erlösungsgeschichte im MultikulturalismusNachdem die ältere Linke im Arbeiter das revolutionäre Subjekt sah, ist heute längst der (nichteuropäische) Migrant, nun Schutzsuchender genannt, an Stelle des Proletariats getreten. Er ist der neue Säulenheilige der linken Utopie und soll das alte, müde und weiße Europa zugunsten der viel zitierten Vielfalt "bunt" machen, das heißt die nationalen und kulturellen Identitäten zum Verschwinden bringen. Dieses Erlösungsphantasma - als solches muss man es wohl betrachten - bringt ein Beobachter einer Delegiertenkonferenz der Grünen im Jahr 2016 in Berlin in eindringlichen Bildern auf den Punkt: Die Erlösungsgeschichte findet im Multikulturalismus ihren präzisen Ausdruck. Nicht mehr die Befreiung des einheimischen Arbeiters (er gilt als besonders anfällig für "Rechtspopulisten"), sondern ethnische und kulturelle Minderheiten stehen nun im Mittelpunkt einer ausufernden Antidiskriminierungs- und Anerkennungspolitik. Das Feindbild ist heute somit weniger die Bourgeoisie oder das Großkapital, wenngleich es immer noch existiert, als allgemein die weiße, christliche Mehrheitsgesellschaft und ihre dominante Position. Das erklärt auch die ansonsten vollkommen unverständliche affirmative Haltung breiter Kreise der "Linken" zum Islam bei gleichzeitiger massiver Kritik an der eigenen Kultur. LESERPOST
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