KUNST ist etwas anderes als BIOLOGIE

von SYLKE KIRSCHNICK (Die Achse des Guten, 18. April 2023)

Kürzungen, Anmerkungen und ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

In der Kunst sind Transmenschen nun schon jahrzehntelang präsent, und dies gerade nicht als Feindbild. Doch die Pläne der Politik werden die Akzeptanz solcher Menschen nicht verstärken, sondern Betrügern das Leben erleichtern.

Transfrauen? Viele junge Erwachsene der Neunziger Jahre liebten den Kinks-Song "Lola" von 1970, liebten Amanda Lear und Hits wie "Follow Me" - eine geniale Mischung aus "Faust"-Adaption und Geschlechtertransition -, Georgette Dee, Lilo Wanders und Pedro Almodovars grandioses Melodram "Alles über meine Mutter" von 1999, eine [...] Anspielung auf die Tragikomödie „All about Eve“ (1950) von Joseph L. Mankiewicz mit Bette Davis [...]
(Anm.: Dikigoros muß einräumen, daß er jene Lieder zwar vor ca. einem halben Jahrhundert auch mal gehört, aber - da sie ihm nicht sonderlich gefielen - nie richtig auf den Text geachtet hatte. Ersteres schien ihm eine Schleichwerbung für Coca Cola zu sein, und letzteres? Na, jedenfalls keine Anspielung auf Goethes "Faust" :-)

Daß der ebenfalls brillante Thriller "Das Schweigen der Lämmer" von 1991 das Bild transsexueller Menschen in den Neunziger Jahren nicht prägte, weil er das auch gar nicht konnte. Denn: 1. sagt FBI-Agentin Starling im Dialog mit Hanibal Lecter ausdrücklich, dass Transsexuelle gewöhnlich nicht aggressiv und gewalttätig sind. 2. ist das Schmetterlingsmotiv - Verpuppung und Verwandlung - das entscheidende Moment, und nicht der Wechsel des Geschlechts. 3. erklärt Lecter, dass es sich beim gesuchten Mörder um jemanden handeln müsse, dessen Ansuchen um eine operative Geschlechtsangleichung abgelehnt worden sein wird, weil er offenkundig nicht an einer Geschlechtsdysphorie oder Genderinkongruenz leiden würde, also gerade kein (!) transsexueller Mensch sei. Die Sehnsucht des Mörders Jamie Gumb alias "Buffalo Bill" nach einem Identitätswechsel im "Schweigen der Lämmer" hat einen ganz anderen Grund als denjenigen, den transsexuelle Menschen haben, wenn sie die unerträgliche Spannung zwischen ihrem abgelehnten Geburtsgeschlecht und der ersehnten Geschlechtszugehörigkeit aufzulösen anstreben. Die Filmfigur des Mörders will sich selber und damit seine ganze Persönlichkeit loswerden, Transsexuelle dagegen nur ihr Geschlecht [...]
(Anm.: Dikigoros hat jenen Film nie gesehen und auch nicht vor, das nachzuholen. Aber in solchen Fällen befragt er seine Frau, die stets betont, daß sie sich an den Inhalt eines jeden guten Films, den sie gesehen hat, noch nach Jahrzehnten erinnere, und daß sie von brillanten Filmen sogar ganze Passagen zitieren könne. Zu jenem Film falle ihr jedoch nur ein, daß sie sich gewundert habe, daß da gar keine Lämmer vorkamen :-)

Mit falscher Fahrkarte reisen

Kunst sagt uns nie etwas darüber, wie etwas faktisch gewesen ist, sondern immer nur darüber, wie zur Zeit ihrer Entstehung faktisch gedacht und gefühlt worden ist und welcher manchmal äußerst umwegige, manchmal indirekte, manchmal schnörkellosere Bezug zu ihr besteht. Dabei war und ist Kunst nie einfach Ausdruck von Gedanken und Gefühlen, sondern ihre jeweils recht spezielle Verarbeitung.

In der Kunst sind Transmenschen nun schon jahrzehntelang präsent und dies gerade nicht als Feindbild. Das sagt freilich nichts über ihre faktische Akzeptanz im Alltagsleben. Mit einem halben Prozent am Bevölkerungsanteil dürften sie ihren exotischen Status behalten, weil nur wenige Menschen überhaupt die Möglichkeit bekommen, ihnen persönlich zu begegnen. Mit der Tatsache, dass es vermutlich ebenfalls immer Leute geben wird, die die bloße Existenz von Transmenschen überfordert, müssen wir leben. Aufhören, von Frauen, Männern, Müttern, Vätern zu sprechen, sollten wir nicht.

Das in Deutschland aktuell noch geltende, für Betroffene zeit- und kostenintensive Transsexuellengesetz abzuschaffen, ist eine gute Idee. Auf jegliche Begutachtung eines Wunsches nach Namens- und Personenstandsänderung zu verzichten, ist jedoch grob fahrlässig. Psychiater und Psychologen sind [...] befähigt zu unterscheiden, was Menschen warum und wozu bewegt. (Anm. Dikigoros: Wirklich???) Deshalb gibt es die Gespräche und Befragungen, auf deren Grundlage zwei unabhängige Gutachter und ein Richter bislang darüber entscheiden, ob jemand seine Geschlechtszugehörigkeit wechseln darf oder nicht.

Es geht darum, transsexuelle Menschen von denen zu unterscheiden, die das nicht sind und dies nur vorgeben, um diesen Status zu missbrauchen (Anm. Dikigoros: z.B., um sich beim Sport - Schwimmen, Gewichtheben, Boxen - Medaillen, Meistertitel und Stipendien zu ergaunern), oder aber sich irrtümlich zuzulegen, um der Klärung anderer Probleme auszuweichen. Nicht transsexuelle Menschen, sondern die, die es nicht sind, sind das Problem!

Es geht bei den Einsprüchen gegen das von der Bundesregierung geplante Selbstbestimmungsgesetz überhaupt nicht um Transsexuelle, sondern um die Leute, die lediglich auf diesem Ticket reisen und es zweckentfremden. Die gilt es herauszufiltern. Das erledigen Psychologen mit Fachexpertise in den meisten Fällen wahrscheinlich im Handumdrehen. Ich sehe nicht, weshalb es demütigend, diskriminierend oder gar eine Verletzung der Menschenwürde sein sollte, ein entsprechendes Gutachten vorlegen zu müssen, wenn man seinen Geschlechtseintrag ändern möchte. (Anm. Dikigoros: Inzwischen ist jenes "Selbstbestimmungsgesetz" trotzdem durchgewunken worden - sehr zur Empörung der Psychologen und Psychiater, deren Einkommen dadurch geschmälert wird :-)

Auch Frauenrechte sind nicht vom Himmel gefallen. In der westlichen Moderne wurden sie von Frauen fast zwei Jahrhunderte lang erkämpft. Es ist übrigens auch kein Menschenrecht, sein Geschlecht bestimmen oder umstandslos per Sprechakt ändern zu dürfen.

Nicht bereit, biologische Fakten zu ignorieren

Vor zwei Jahren schrieben ein paar Leute und ich eine Petition zum politischen Islam. Weil wir von "Europäerinnen und Europäern" gesprochen hatten, attestierten uns ein paar Monate später irgendwelche Spaßvögel auf einer Website mit Fake-Adresse Transfeindlichkeit. (Anm. Dikigoros: Das war bestimmt kein Spaßvogel, sondern allenfalls ein[e] Spaßvögelnde[r/s], der/die/das jenes "Attest" bierernst meinte :-) Darüber lachten wir. Genauso lächerlich erscheinen mir bis heute gleichlautende Vorwürfe gegen die Harry Potter-Autorin J.K. Rowling oder die Philosophin Kathleen Stock, für die dergleichen allerdings einschneidende Konsequenzen hatte. Von Morddrohungen über Forderungen nach Boykott oder Entlassung bis hin zu Beschimpfungen und falschen Vorwürfen, wurden sie mit viel Hass und Hetze überzogen.

Rowling und Stock sind etabliert. Die Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht ist das nicht gewesen, als sie im Sommer letzten Jahres unter den Beschuss von Transaktivisten geriet, weil sie anlässlich der Nacht der Wissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität einen Vortrag über den Unterschied zwischen Sex und Gender sowie die wissenschaftlich weithin akzeptierte Tatsache halten wollte [...], dass es in der Biologie nur zwei Geschlechter und die eine Ausnahme der Intersexualität gibt, die allerdings kein eigenes Geschlecht, sondern eine Mischung aus beiden darstellt. Vollbrecht wurde daraufhin als transfeindlich, als "Rechte", als "Nazi", als "umstritten" usw. beschimpft.

Alle drei Frauen verbindet, dass sie nicht bereit sind, biologische Fakten zu ignorieren. "Gender" bezeichnet nur die sprachliche und soziale Ebene der Geschlechterordnung. Dort kann gern Vielfalt ohne Ende herrschen. Auf der biologischen Ebene aber nicht. Und die ist nicht nur für die Fortpflanzung wichtig, sondern auch für die körperliche und psychische Gesundheit.

Stark verkürzt: Der Trick in Judith Butlers Intervention mit "Gender Trouble" bestand in einer simplen Umkehrung: Deduzierten die frühen Forschungen zur Sexualität soziale Geschlechterrollen (Stereotype) und sexuelle Orientierungen aus dem biologischen Geschlecht, weshalb sie alles, was sich nicht linear daraus ergab und in Übereinstimmung mit den Geschlechternormen befand, zu pathologischen Abweichungen erklärten, drehte Butler das Ganze um. Für sie hatte das biologische Geschlecht fortan nicht nur als Prämisse ausgedient, sondern sollte nur noch eine unter mehreren Variablen der "Geschlechtsidentität" sein, aus der sich - das ist der Hintergrund der Rede von den durch Ärzte und Hebammen zugewiesenen Geschlechtern - die Geschlechtszugehörigkeit ergeben soll.

Darum auch Begriffe wie "TransIDENT" statt Transsexualität. Mitmachen muss man das nicht. Es ergibt keinen Sinn, Geschlecht zu einer Frage der Selbst-Identifikation zu erklären und der Willkür einzelner anheimzustellen. Wenn 99,5% der Bevölkerung umstandslos Frauen und Männer sind, gibt es auch keinen Grund, auf diese Begriffe zu verzichten. Transmenschen helfen uns dabei, starre Geschlechterrollen hinter uns zu lassen. Dafür lieben wir sie. Als Frauen und Männer.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Sylke Kirschnicks Blog.


LESERPOST
ausgewählt und z.T. leicht gekürzt von Dikigoros

(Eigentlich sind alle Leserbriefe leicht "off topic", wie man auf Germenglish, Dummdeutsch Neudeutsch sagt; aber Dikigoros wollte sie nicht ganz streichen, sondern wenigstens ein paar stehen lassen :-)

Sabine Heinrich (19.04.2023)
[...] Ich (im gehobenen Alter) merke schon - ich habe Etliches in meinem Leben falsch gemacht: 4 Jahre studiert, 40 Jahre in einem immer schwieriger werdenden Beruf gearbeitet, mit meiner wie auch immer gearteten Sexualität niemanden belästigt - und bekomme als Pension nur ca. 1/4 von dem Gehalt, das ungebildete, dummdreiste, egomanische (junge) Politiker scheffeln [...] Aber eines habe ich mir - bei allen Anfeindungen, besonders während des Coronamaßnahmenterrors - bewahrt: mein Rückgrat. Und das ist mir mehr wert als ein paar € zusätzlich. - Und ich werde auch weiterhin nicht mit der Regenbogenfahne wedeln und alles "toll" finden, was sich außerhalb des mehr oder weniger normalen Lebens abspielt - nur, weil es derzeit modern ist. Was ich UNSÄGLICH fand - und das sollte NIE vergessen werden: Während wir Corona-Maßnahmengegner von der Polizei bestenfalls in Schach gehalten wurden (ständige Drohungen, dass die Maulkörbe getragen werden müssten, der Sicherheitsabstand von 1,50 m eingehalten werden musste, sonst würde die Demo aufgelöst) - schlimmstenfalls zusammengeschlagen wurden, konnte die exotische Truppe der Vielgeschlechtlichen völlig unbehelligt nahezu zeitgleich - unter Mißachtung sämtlicher C-Auflagen - fröhlich feiern, mit Tausenden Menschen in Berlin! Das sollte NIE vergessen werden! Was ich interessant fand: Offensichtlich waren Polizisten von vornherein vom Virus nicht bedroht - wie sonst hätten sie eng an eng z.B. in Hamburg - und andernorts - die friedlichen Demonstranten/Spaziergänger kontrollieren/maßregeln können?

U.Hering (18.04.2023)
[...] Angesichts der aktuellen Debatte über Frühsexualisierung von Kindern bekommt der Ausspruch von Ernst Röhm "In jedem Hitlerjungen steckt ein SA-Mann" eine ganz neue Bedeutung. (Anm.: Dikigoros wird es vielleicht nicht mehr miterleben; aber eines Tages wird die LGBT-Bewegung E.R. als ihren Vorkämpfer und ersten Blutzeugen "Martyrer" entdecken. Er ist ja bis heute noch nicht rehabilitiert - es wird also allmählich Zeit... :-)

Paul Frankreich (18.04.2023)
Zitat: "Transmenschen helfen uns dabei, starre Geschlechterrollen hinter uns zu lassen. Dafür lieben wir sie."
Wer Transmenschen wirklich liebt, sagt ihnen, dass sie krank sind und Heilung benötigen - keine Beihilfe zur Verstümmelung oder Maskerade. Und zwischen [1] dem Hinterunslassen irgendwelcher Geschlechterrollen und [2] dem pathologischen Zustand, sich eines anderen als dem eigenen biologischen Geschlecht zugehörig zu fühlen, besteht überhaupt kein Zusammenhang. Im Gegenteil, es ahmen doch gerade sogenannte Transmenschen die (starren) Geschlechterrollen des anderen Geschlechts nach. Gerade sogenannte Transmenschen meinen ihre Identität in Rollen zu finden, die sie dem anderen Geschlecht zuschreiben.


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