Ausgestoßene der Woche: Fußballer ohne Regenbogen

von Christoph Lövenich (Die Achse des Guten, 13. Juni 2025)

Anmerkungen und ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

Fußballspieler in Frankreich erhielten eine Sperre, weil sie ein Regenbogen-Emblem auf ihren Trikots verdeckt hatten, das Wiener Stadtmuseum bewertet die Türkenbelagerungen neu, und in Sachen Israel wird weiter gecancelt.

Was haben der serbisch-orthodoxe Christ Nemanja Matić und der ägyptische Moslem Ahmed Hassan gemein? Beide spielen Erstligafußball in Frankreich, und beide wurden jetzt vom Verband für vier Spiele gesperrt - davon zwei auf Bewährung. Denn sie hatten im vergangenen Monat an einem Spieltag einen Aufnäher auf ihren Trikots mit Klebeband verdeckt, und zwar einen mit einem Regenbogen darauf. Der war am "Tag gegen Homophobie" zu tragen, dessen symbolischer Wert im virtue signalling und moral posing liegt. Matić von Olympique Lyonnais hatte zwar den Regenbogen abgeklebt, nicht aber weiter unten das durchgestrichene Wort "Homophobie". Dem bereits 36-jährigen serbischen Ex-Nationalspieler wird - genau wie Hassan von Le Havre - als weitere Sanktion aufgebrummt, sich innerhalb des nächsten halben Jahres an einschlägigen Sensibilisierungs-Aktivitäten zu beteiligen.

Neue Vergangenheit

Dass er im Magazin Compact in Deutschland lebende "Osmanen" gelobt habe - z.B. für ihr weniger konformes Verhalten in der Corona-Transformation -, sei dessen Chef Jürgen Elsässer vom Bundesinnenministerium negativ ausgelegt worden. Dieser Begriff gelte der Regierung offenbar bereits als ausländerfeindlich, wie das Medium anlässlich des Gerichtsprozesses um sein mögliches Verbot berichtet. Ganz anders im "Wien Museum", dem Stadtmuseum der österreichischen Hauptstadt. Dort spricht man ungern von den Türkenbelagerungen der Jahre 1529 und 1683; die "Osmanen" sollen wohl als politisch korrekterer Begriff fungieren, worauf der Blog Der März aufmerksam macht. Das Museum bedauert, vor dem Großen Erwoken selbst an der "Aufrechterhaltung" von "konstruierten Feindbildern dieser Zeit" mitgewirkt zu haben.

"In der Ausstellung ist daher wenig bis nichts zu hören über die überlieferten Grausamkeiten der Belagerer, darunter die Ermordung und Verschleppung von bis zu 40.000 Zivilisten aus den Vorstädten", ergänzt die Junge Freiheit (JF). Auch blende man nach Kräften aus, dass es damals um die Verteidigung gegen islamische Expansionsgelüste ging. Stattdessen hebt das Museum hervor, wie Emissäre des Osmanischen Reichs im Jahre 1700 "gemeinsam mit Wiener:innen das Ende des Ramadan" begangen hätten. Eine Kontinuität wollen die steuergeldfinanzierten Ausstellungsmacher wohl auch mit dem Hinweis insinuieren, dass schon in der Römerzeit Soldaten aus Syrien in der Donaumetropole weilten. "Die Vergangenheit wird gezielt in einen Rahmen gestellt, der aktuellen politischen Vorstellungen entspricht", kritisiert die JF.

Gefährliche Ausstellungen

Bleiben wir bei Ausstellungen. Die Schau "Teufelskreis" über antisemitische Pogrome durfte - wie berichtet - nicht an der Freien Universität (FU) Berlin gezeigt werden, weil man Spannungen im Foyer befürchtete. Inhaltlich zieht die kleine Präsentation eine Linie von der Reichspogromnacht bis zum 7. Oktober 2023. Inzwischen hat sie an drei anderen Orten in der Bundeshauptstadt gastiert, nämlich im Abgeordnetenhaus, im Haus der Wannseekonferenz und im Bezirksrathaus Neukölln.

Nun hat es eine andere Ausstellung mit Israel-Bezug erwischt. "Israel Einblicke" mit Fotos von Max-Stefan Koslik sollte Mittwoch im mecklenburg-vorpommerschen Finanzministerium eröffnet werden. Die Bilder des ehemaligen Vize-Chefredakteurs der Schweriner Volkszeitung zeigen Menschen in Israel - und offenbar auch im Westjordanland - womit sie weniger politisch geladen sein sollten als die erwähnte Pogrome-Schau. Doch Minister Heiko Geue (SPD) verschob die Fotoausstellung auf unbestimmte Zeit. Dies begründete er mit der Sicherheit des Ministeriumspersonals und der "Gewährleistung eines ungestörten Ausstellungsbetriebs" [...]

Gefährliche Lieder

Die Thematik kann einen auch im Alltag verfolgen, z.B. in Form eines von einem Araber gesteuerten Lieferwagens. Als der aus Jordanien stammende Fahrer bemerkte, dass aus einem neben ihm an einer Ampel in Hamburg stehenden Auto ein israelisches Lied erklang, erwirkte er, dass dessen Lenker die Fensterscheibe senkte, und beschimpfte ihn dann als "Scheiß-Israeli" und "Kindermörder". Nachdem die Ampel grün wurde, fuhr er dem Auto, in dem ein Mann mit seiner Tochter saß, hinterher, bis die vom letzterem alarmierte Polizei eintraf. Deren Präsenz hinderte den Jordanier (Transjordanier; Cisjordanier werden seit den 1960ern "Palästinenser" genannt) nicht an aggressivem Gebaren. Der Clou: Bei dem Autoinsassen handelte es sich um Stefan Hensel, seines Zeichens Antisemitismus-Beauftragter Hamburgs. (Anm. Dikigoros: Sonst wäre die Polizei auch schwerlich erschienen :-) Als Frauenbeauftragter hätte er vielleicht andere Begegnungen.

Wegen Hamas gelöscht

Ebenfalls getroffen hat es Zeev Tschan, der seit dem 7. Oktober 2023 in einem deutschsprachigen Blog über die Geschehnisse in Israel aus seiner Sicht berichtet. Er wurde nämlich auf Facebook gesperrt. Grund: Hate Speech in Form eines englischsprachigen Posts. Laut Tschan handelte es sich um "eine Warnung (an die Gazaner) vor der Hamas, die sie als Kanonenfutter betrachte, während ihre Führer es sich in Luxusholtels [sic!] in Katar gut gehen lassen". Dafür habe er viele Hasskommentare erhalten und ebensolche Botschaften über den Facebook-Messenger. Anscheinend hat man ihn auch vielfach und erfolgreich gemeldet. Tschans Einspruch wurde zurückgewiesen und sein Facebook-Account gelöscht [...] Und das nur, weil die Warnung vor einer international als Terrororganisation anerkannten Gruppe gegen die Regeln der zum Meta-Konzern gehörenden Plattform zu verstoßen scheint. (Anm. Dikigoros: Wer auf einer solchen Sch...-Plattform schreibt und liest ist doch selber schuld :-)

Anwesend bei einer Lesung

Vergangenen Juli hielt Martin Sellner - wie berichtet - eine Lesung in der Nähe Marburgs ab. Für einen Teilnehmer der Veranstaltung des österreichischen Rechtsidentitären hat der Termin ein berufliches Nachspiel. Ein Marburger Verein aus dem Bereich der Behindertenhilfe kündigte dem Mann letztes Jahr, nachdem seine Teilnahme an der Sellner-Lesung bekannt geworden war. Darüber berichtet Weiterdenken Marburg, eine aus den Corona-Protesten hervorgegangene Organisation. Offenbar hatten Antifa-Fotografen Bilder der Besucher - bei Porträtaufnahmen unter möglicher Verletzung von deren Persönlichkeitsrechts - öffentlich gemacht, woraufhin der Arbeitgeber "besorgte Anrufe und Nachfragen" von anderen seiner Mitarbeiter erhalten haben will. Kollegen aus dem Antifa-Milieu könnten "den Kläger bei der Geschäftsführung denunziert und diese damit zum Handeln 'motiviert' haben", mutmaßt Weiterdenken Marburg.

Kann eine bloße Anwesenheit bei einer Buchlesung in der Freizeit den Betriebsfrieden stören und damit eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen? Dem Behindertenhilfeverein gehe es auch ums "Haltung zeigen gegenüber der rot-grünen Marburger Stadtöffentlichkeit", soll ihr Anwalt ausgeführt haben. Außerdem sprächen Äußerungen des Gekündigten auf seiner privaten Website von vor ein paar Jahren für eine Gesinnung, die der Verein als sogenannter Tendenzbetrieb mit eigener Weltanschauung bei seinem Personal nicht dulden müsse. Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Gießen im Oktober erbrachte keine Einigung der Streitparteien. Für Dienstag war eine Entscheidung anberaumt; wie Apollo News unter Berufung auf das Gericht berichtet, wurde ein Vergleich geschlossen; das Beschäftigungsverhältnis wird fortgeführt. (Anm. Dikigoros: Noch einmal - Wie kann man für einen solchen Sch...verein arbeiten? Da kann ein gescheiter Vergleich doch nur so aussehen, daß man sich auf eine Kündigung gegen eine ordentliche Abfindungszahlung - die nach brdischem Recht für den Ex-Arbeitnehmer steuerfrei, für den Ex-Arbeitgeber aber von der Steuer absetzbar ist - einigt!)

In blauer Uniform

Zuletzt zurück zu deutschen Zuständen. Letztes Jahr hat der Bundestag das Amt eines Bundespolizeibeauftragten eingeführt. Dessen erster Inhaber Uli Grötsch hält eine Zugehörigkeit zur blauen Partei und eine Tätigkeit als Polizist für "nicht miteinander vereinbar". "Eine Mitgliedschaft mit sichtbarem Engagement für die AfD muss die Entfernung aus dem Dienst zur Folge haben", so der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete. Das hat er allerdings nicht zu entscheiden. Der zuständige Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte: "Die Verfassungstreue, die von Beamten gefordert ist, kann nur einzelfallspezifisch in Betrachtung genommen werden." Auf Landesebene sind wiederum Stimmen zu vernehmen, die eine härtere Gangart fordern.

Und so endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Bis nächste Woche!


LESERPOST
(ausgewählt und z.T. leicht gekürzt von Dikigoros)

Gudrun Meyer (13.06.2025)
Im Wiener Kulturbetrieb läuft laut Mathias Brodkorb (SPD-Politiker vom Sarrazin-Buschkowsky-Typ) eine stramm woke Dekolonialisierung, obwohl Österreich nie eine Kolonialmacht war. Da sieht man es vermutlich als Teil der weißen Schuld an, dass im Jahr 1683 die kulturelle Bereicherung brutalst abgewehrt wurde und dass etliche nicht von den Kulturbringern umgebrachte und versklavte Österreicher zusammen mit vielleicht noch mehr polnischen Rächzextremisten ein osmanisches Flüchtlingslager überfallen und die Schutzsuchenden aus dem Land gejagt haben.

Robert Schleif (13.06.2025)
[...] Gerade am Beispiel des Osmanischen Imperiums kann man wunderbar nachvollziehen, wie eine militärisch, wirtschaftlich und kulturell führende Großmacht durch den immer dominanter werdenden Einfluss einer Religion/Ideologie ausgebremst und schließlich zugrunde gerichtet wird.
Am Anfang haben die Europäer die Türken bestaunt und vor ihnen gezittert – 400 Jahre später fanden Reisende wie Marmont oder Moltke nur noch absurde Unbildung, erbarmungswürdige Rückständigkeit, lächerlichen Aberglaube, abstoßenden Despotismus und bodenlose Unfähigkeit vor.
Der Linksgrünwokismus scheint mir ein ebenso wirksamer Killer von Aufgeklärtheit, Fortschrittlichkeit, Freigeistigkeit, Wissenschaftlichkeit und demokratischem Wettbewerb zu sein, wie der damals institutionalisierte Islam. Die Verdoofung ist mit Händen zu greifen – allein bei diesem Beispiel schon zweimal: Beim Ersetzen des ethnischen Begriffs „Türken“ mit Angehörigen der osmanischen Dynastie und bei der durch das Verwenden des Unworts „Wiener:innen“ deutlich werdenden Vorstellung, transsexuelle und diverse Wiener hätten damals zusammen mit den Abgesandten das Ende des Ramadan gefeiert.


zurück zu Kreuzfahrer und Troubadoure. Von Lissabon bis Byzanz

zurück zu Die Mannschaft auf dem Regenbogen-Kreuzzug

zurück zu Michel Platini (Tabellarischer Lebenslauf)