Go woke, go broke? Das Problem ist ein ganz anderes

von Christian Masengarb (Focus Online, 16. August 2023)

Anmerkungen & ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

Influencer und Medien haben in den USA einen Boykott gegen die Biermarke Bud Light herbeigeredet, weil diese mit einer Trans-Person warb. Das Beispiel zeigt die Probleme von Wokeness-Debatten über Produkte, die auch Deutschland führt.

Spätestens als Alkoholliebhaber und Sänger Kid Rock mit einem Maschinengewehr einen Monatsvorrat Bier zerballert, verstehen alle Beobachter, dass ein 50-Sekunden-Video einer C-Influencerin größere Wellen schlägt als Videos dieser Art je schlagen sollten. „Fuck Bud Light“, sagt Kid Rock mit ausgestrecktem Mittelfinger über das ehemalige Lieblingsbier der Amerikaner. „Ich liebe dich dafür“, kommentiert ein Fan. „Nie wieder diese Plörre!“

Ein Mensch, der ein Bier trinkt, und eine Entrüstungskampagne

Ausgelöst hat Kid Rocks Schießwut Dylan Mulvaney. Sie veröffentlichte in Sozialen Medien einen Clip, in dem sie fünf Bierdosen Bud Light auf den Tisch stellt und eine öffnet. Bud Light habe sogar ihr Gesicht auf die Dose gedruckt, berichtet sie. „Schaut mal, was ihr bei deren Verlosung gewinnen könnt.“

Das Video wäre wohl so folgenarm in den Archiven verschwunden wie Billig-Werbung eben in Archiven verschwindet, hätten andere Influencer daraus keinen Skandal gebastelt.

Dylan Mulvaney [...] wurde als Mann geboren. Dass Bud Light gerade mit ihr wirbt, zwinge Biertrinkern Wokeness auf, behaupteten Influencer [...] Unter dem Schlachtruf „Go woke, go broke“ (Sei woke, geh pleite), bliesen sie zum Bud-Light-Boykott.

Größere US-Medien sprangen auf den Zug auf: Der erzkonservative Nachrichtensender FOX News berichtete ausgiebig über Bud-Light-Kritik, in der es kaum darum ging, was Mulvaney tat, sondern darum, was sie ist, und das einige Leute das nicht sehen wollen. (Anm. Dikigoros: FOX ist nicht "erz-konservativ", sondern eher das, was man früher "mittig" nannte. Die haben vor Jahr und Tag ihren populärsten Redakteur, Tucker Carlson, als "zu konservativ" gefeuert, und damit mehr Zuschauer verloren als Budweiser Biertrinker.)

Sinkende Umsätze und ein Viertel, das angeblich die Mehrheit anzeigt

Wieder aktuell ist der im Frühling veröffentlichte Werbespot, weil die Kampagne ihr Ziel zumindest kurzfristig erreichte: Wie aus den jüngst vorgelegten Geschäftszahlen von Bud-Light-Hersteller Anheuser-Busch InBev hervorgeht, brach der Verkauf von Bud Light um rund ein Viertel ein. (Anm. Dikigoros: Eine typische Lügenstatistik, die Leser in die Irre führen soll. Nicht der Umsatz von Bud Light ist um ein Viertel gesunken, sondern der Gesamtumsatz von Anheuser-Busch, dessen Zupferd Budweiser - nicht nur "Bud Light" - bis dahin war. Letzteres ist fast vollständig vom Markt verschwunden, weil kein Geschäft mehr seine Regale mit Ladenhütern füllen will, die kein Mensch kauft - und woke Transen machen nun mal keine 0,5% der Verbraucher aus.)

Ob die Entrüstung länger anhält als ähnliche Wutwellen, darf bezweifelt werden. Vorerst jubeln aber auch deutsche Transgender-Gegner „Go woke, go broke“. Laut ihnen beweise der Umsatzseinbruch, wie sich die Mehrheit [...] gegen vermeintlich erzwungene Wokeness wehrt.

In Wahrheit beweisen die Zahlen lediglich, dass Leute wie Kid Rock Entrüstung als Eigenwerbung nutzen. Unter dem Vorwand, die Politisierung von Bier zu bekämpfen, politisieren sie eine einzelne Dose aufs Höchste. Sie behaupten, Cancel Culture zu verachten, canceln aber munter drauf los. Sie tun, was sie zu bekriegen vorgeben. Nebenbei verkaufen sie Musik und Bücher oder buhlen um Wählerstimmen. Nicht die 50 Werbesekunden schmolzen die Bud-Light-Umsätze, sondern diese Werbemasche.

Entrüstung als Marketing, versteckte Cancel Culture und die wahre Ursache sinkender Umsätze

Wer behauptet, der Bud-Light-Umsatz breche wegen der Werbung mit einer Trans-Person ein, tut, als sei die Wutwelle die logische Reaktion auf diese Werbung. Damit vertauscht er Täter und Opfer. Man stelle sich vor, die gleiche Welle breche nach einer Bierwerbung mit einer Frau, einem Afroamerikaner oder einem übergewichtigen Menschen los. Jeder sähe die Schuld bei den Entrüsteten. Warum sollte das nun anders sein?

Die Erwartung, Produkte seien überhaupt „für“ oder „gegen“ Transgender, folgt kindischen Trennlinien. Unternehmen wollen Geld verdienen. Dazu fahren sie jährlich Tausende Werbekampagnen. Mit Genies, mit Durchschnittsbürgern, mit Idioten. Die Auswahl richtet sich nach den Zielgruppen, die Unternehmen erreichen wollen. (Anm. Dikigoros: Eben. Wer mit Frauen wirbt, will Frauen zum Kauf animieren - keine Frau würde ein Waschmittel kaufen, für das ein gewisser "Klementino" wirbt. Wer mit Negern wirbt, will Neger zum Kauf animieren. Kein gescheiter Weißer kauft "Uncle Ben's rice"! Und wer mit Transen wirbt, will Transen zum Kauf animieren - aber die machen wie gesagt weniger als 0,5% der Bevölkerung aus. Da darf man sich nicht wundern, wenn über 99% der bisherigen Käufer dem Zeug den Rücken kehren, ebenso wenig, wenn Normalgewichtige vom Kauf eines Produkt, das offenbar fettleibig macht, Abstand nehmen!) Keine dieser Kampagnen ändert etwas an Qualität, Herstellung oder Nützlichkeit des Produkts. (Anm. Dikigoros: Welch ein scheinheiliger Satz! Bud Light war ja nicht zum bestverkauften Bier in den USA geworden, weil es qualitativ besser, billiger oder nützlicher war als vergleichbare Konkurrez-Produkte, sondern ganz einfach, weil dafür eine bessere Werbung gemacht wurde - früher, als Anheuser-Busch noch alle Tassen im Schrank Dosen im Regal hatte.)

Wer Bud Light liebt, sich wegen einer Werbung aber anderes Bier reinzwängt, beweist genauso wenig wie jemand, der zur Trans-Unterstützung jeden Morgen einen Sixpack leert. Er schadet sich selbst und dem Unternehmen, dessen Produkt er eigentlich mag. Herstellung und Inhaltsstoffe sagen tatsächlich etwas über Bier aus. Ob die Firma neben Kampagnen mit Cowboys und Pferden auch mit einer Trans-Person wirbt sowie LGBTQ- und Pride-Veranstaltungen sponsort, nicht. (Anm. Dikigoros: Doch, nämlich daß es überteuert ist - sonst könnte sich das Unternehmen ein solches Sponsoring doch gar nicht leisten! Und wer will schon mit seinem Geld Transen-Veranstaltungen finanzieren?) Solange Werbung nicht zu Verbrechen aufruft, bleibt sie nur Werbung. (Anm. Dikigoros: Es hat ja auch niemand zum Boykott der Werbung aufgerufen :-)

Unamerikanische Motoren, sterbende Hersteller und deutsche Probleme

Warum Produkt-Politisierung schadet, verdeutlicht kaum ein Unternehmen besser als Harley Davidson. Viele Fans der Motorrad-Kultmarke lehnen jeden Anflug moderner Technik als unamerikanisch ab. Einige rufen selbst dann zu Protesten auf, wenn Harley ein neues Modell einführt, ihr Lieblingsmodell aber unverändert belässt. Es ist, als entrüsten sich Golf-Fans über den neuen Passat. (Anm. Dikigoros: Da braucht man sich nicht groß zu entrüsten. VW ist ob seiner irren Modellpolitik genauso eingebrochen wie Anheuser Busch; denn seine E-Autos - und andere baut man ja nicht mehr - wollen die Leute ebenso wenig haben wie die Transen-Plörre Bud Light! "Schuld" der Nicht-Käufer?)

Dadurch verurteilen diese Fans ihren Lieblingshersteller zu einem langsamen Tod. Junge Motorradfahrer kaufen lieber günstigere und bei gleicher Motorgröße leistungsfähigere Maschinen ausländischer Hersteller. Weil mehr Harley-Fans wegsterben als neue nachkommen, sinkt der Umsatz unaufhaltsam. Schade für das Amerika, das viele Harley-Fahrer bewahren wollen.

Auch Deutschland debattiert häufig über das Image von Unternehmen statt deren Handeln und Produkte. Fans von E-Autos, Dieselmotoren und Benzinern erregen sich, wirbt ein Unternehmen nicht ausschließlich um sie und Gleichdenkende. Einige kehren dem Unternehmen dann frustriert den Rücken. Zur Freude ausländischer Hersteller.

Es mag gute Gründe geben, Produkte zu meiden. Menschenrechte, Umweltschutz, Kriege. (Anm.: Ja ja... Kürzlich las Dikigoros gar eine Werbung: "Mit gutem Gewissen nachhaltigen Kaffee genießen? [...] Coffee röstet mit Ökostrom statt mit Erdgas, so CO²-neutral wie möglich!" Aber was hat all das mit der Qualität und den Inhaltsstoffen eines Produkts zu tun? Man boykottiert z.B. Kakao von Plantagen, auf denen Kinder ihr Geld verdienen, um ihnen das "Menschenrecht" auf den Besuch einer staatlichen Verblödungsanstalt zu ermöglichen. Tatsächlich schickt man damit die entlassenen Jungen als Kindersoldaten in den Krieg und die entlassenen Mädchen als Prostituierte in den Puff; und die Qualität des Kakaos sinkt ins Bodenlose, während der Preis in schwindelerregende Höhen steigt - bravo! Und die Umwelt wird "geschützt", indem man saubere Atomkraftwerke still legt und dafür - "guten Gewissens"? - Wälder abholzt, um Windparks zu bauen, die sich als extrem teure und unzuverlässige Energielieferanten erwiesen haben - und obendrein als gesundheitsschädlich für Menschen!) Jeder muss selbst entscheiden, was ihm davon wie wichtig ist. Wir sollten uns aber darauf einigen können, dass Menschenrechtsverletzungen schwerer wiegen als ein Mensch, der eine Bierdose öffnet. Wer sich über letzteren erregt, alles andere aber als Meinungsdiktatur abtut, fällt auf die Werbestrategie von Kid Rock & Co. herein. (Anm. Dikigoros: Das schreibt jemand, der nicht mal seinen eigenen Namen - Massengrab - richtig buchstabieren kann. Langsam aber sicher verkommt der FOCUS zum LOCUS LÜGEL 2.0! Wofür hat denn der "Werbestratege" Kid Rock geworben? Aber - um einen Satz aus der Überschrift aufzugreifen - das Problem ist ein ganz anderes, nämlich die grundsätzliche Bewertung eines solchen Boykotts durch die brdischen MonopolMainstream-Medien: Noch anno 2020 hatte n-tv geradezu jubilierend von einer Boykott-Kampagne gegen den Schweizer Schokoladenhersteller Läderach berichtet, deren Chef sich gegen Wokeness, Genderquark und Homo-Ehe ausgesprochen, aber - wie Herr Divers Massengrab sagen würde - "nicht zu Verbrechen aufgerufen" hatte. Es wird also offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen, je nachdem, ob eine solche Kampagne pro oder contra LGBTETCPP geführt wird.)


weiter zu US-Biermarke Bud Light weiter im Fall (die Gegenrede - wir wollen doch immer schön ausgewogen bleiben :-)