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Der DDM-Büchertest

Sicher kennen Sie Sendungen wie "Das literarische Quartett". In solchen Fernsehsendungen lassen sich sogenannte Literaturkritiker über Bücher und deren Inhalte (und was dann das Schlimmste ist, auch noch über die Autoren!!!) aus. Wir vom DDM, dem einzigen Literaturmagazin mit einem Sinn fürīs Praktische, finden so etwas unmöglich! Seien wir doch mal ehrlich: Wer von den vielen Buchbesitzern in unserem Land versteht überhaupt, worum es in solchen Sendungen geht? Na? Na also!

Wir wissen, wie man Bücher wirklich objektiv testet! Wir verpacken unsere Testergebnisse auch nicht in geschraubte Redewendungen, sondern sagen knallhart, was Sache ist, und zwar so, dass es jeder versteht! Außerdem ist das DDM nicht von irgendwelchen Verlagen abhängig, was das Testergebnis ja verfälschen könnte.

Wir vom DDM wissen natürlich auch, dass die meisten Bücher, die sich in deutschen Haushalten befinden, zu allen möglichen und unmöglichen Dingen benutzt werden, nur nicht zum Lesen. Aus diesem Grund werden Sie bei uns, und nur bei uns, erfahren, was ein Buch wirklich taugt. Nicht als schöngeistiges Literaturprodukt, sondern im wahren Leben!

Für unsere Erstausgabe haben wir uns natürlich lange überlegt, welche Bücher wir testen sollen. Das Ergebnis unserer Überlegungen war, in der Auswahl unserer Testobjekte genau so praxisnah zu sein wie in der Auswahl unserer Testmethoden. Aus diesem Grund können Sie hier erleben, wie zwei echte Klassiker auf Herz und Nieren geprüft werden: Das Telefonbuch von Frankfurt gegen "Minna von Barnhelm" von Lessing, und zwar die Ausgabe von Malcer.

 

Gleich zu Anfang wurde unserem Team eines klar: Hier stehen sich zwei ganz unterschiedliche Vertreter der Gattung "Buch" gegenüber. Dieser Test würde nicht leicht werden. Aber - auch das war uns klar - diese Herausforderung würden wir meistern!

Das Telefonbuch von Frankfurt machte gleich zu Anfang Punkte durch die solide Verarbeitung und echte Anfassqualität. Die Stabilität ließ etwas zu wünschen übrig, manchen Testern erschien das gute Stück etwas "wabbelig". Andererseits muss man sagen, dass diese Einschätzung subjektiv ist und in der täglichen Lesepraxis keine so große Rolle spielt. Viele Leser schätzen es sogar, wenn ein Buch eine gewisse Biegsamkeit hat. Die Papierqualität ist allerdings nichts für Büttenpapier- oder Pergamentfanatiker. Viel zu dünn und leicht zerreißbar präsentierte sich das Sonderangebot im Foliantenformat. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass das Telefonbuch eines der erfolgreichsten Bücher überhaupt ist, seine Gesamtauflage lässt sogar die ganz Großen in der Literaturbranche neidisch werden.

"Minna von Barnhelm", diese Schmonzette von Lessing, machte dagegen von Anfang an eine klägliche Figur. Klein und dünn, gegenüber dem Telefonbuch fast unsichtbar, ließ dieser erste Eindruck für den weiteren Test nichts Gutes erahnen. Von der Papierqualität dem Telefonbuch ähnlich, konnte es noch nicht einmal hier Punkte machen.

Den ersten Test, die Wortmenge, entschied das Telefonbuch souverän für sich. Mit der etwa 20-fachen Anzahl von Wörtern gegenüber dem Malcer-Hänfling bekommt man hier einen echten Gegenwert für sein Geld. Wer viel liest, wird also mit dem Telefonbuch besser beraten sein.

Die Stabilität der Kontrahenten wurde ebenfalls ausgiebig getestet. "Minna von Barnhelm" schaffte aber noch nicht einmal die erste Runde, den Zerreißtest. Wir mussten uns ein weiteres Exemplar besorgen, um den Test überhaupt fortführen zu können. Ganz anders präsentierte sich der Bolide von der Telekom: Noch nicht einmal zu zweit war diesem Monstrum beizukommen. Einen Glückwunsch an die Konstrukteure! So baut man richtige Bücher!

Detailansicht unserer Windstoß-Testmaschine. Sie kann Windstärken von (theoretisch) bis zu 15 produzieren, was selbst die dicksten Bücher locker wegweht.

Leider ging auch der zweite Stabilitätstest, die Windstoß-Festigkeit, eindeutig zu Gunsten des Telefonbuchs aus. Hier zeigte sich, dass die üppige Verwendung des Werkstoffs Papier etwas Gutes hat. Wer jemals bei Windstärken von mehr als 9 ein Buch gelesen hat, weiß, was ich meine.

Leider enttäuschte Lessings Klassiker auch beim Zerfledderungstest, beim Unterleg-Test und beim Kaffe-und Fettfleck-Test. Das kleine Buch war zu schnell zerfleddert, und unsere spezielle Eselsohr-Knickmaschine hatte gerade erst 488 Mal zugepackt, als das Papier endgültig den zulässigen Faserriß-Wert erreichte. Als Unterlage für einen wackelnden Tisch oder Stuhl eignete es sich auch nicht, denn es ist viel zu dünn. Der Kaffe - und Fettfleck-Test ist natürlich das härteste, was wir einem Buch zumuten, aber nur durch solche Tests läßt sich die Qualität eines Buches wirklich objektiv bestimmen. Natürlich haben hier dicke Bücher einen eindeutigen Vorteil, da der Kaffee sich nicht so schnell durch sie durchfressen kann, in eingeschränktem Umfang gilt das auch für Fett, aber im Rahmen der Objektivität muss für alle Testobjekte dasselbe gelten. Leider, das mussten auch eingefleischte Lessing - und Malcer - Fans erkennen, ließ sich ihr heimlicher Favorit zu schnell zur Minna machen. Also auch hier ein eindeutiger Sieg für das Telefonbuch.

Ein Meisterwerk der Feinmechanik: Unsere Eselsohr-Knickmaschine. Sie kann pro Sekunde 20 Eselsohren selbst in Visitenkarten-Karton knicken, ohne müde zu werden.

Der Geschenk-Faktor-Test hatte es dann aber in sich. Wir haben uns in der Redaktion fast eine Woche darüber gestritten, welches Buch als Geschenk besser geeignet sein könnte, aber auch hier kristallisierte sich ein Sieg für das Telefonbuch heraus. Wenn man schon ein Buch verschenkt, sollte es ein großes und dickes Buch sein, ein Winzling wie "Minna von Barnhelm" wirkt irgendwie geizig. Auch der Gebrauchswert spielt eine Rolle: Ein Telefonbuch ist eben in unserer Zeit nützlicher als ein alter Schinken über die Ehre.

Wenigstens die Praxistauglichkeit müsste doch den Klassiker aus seinem Tief herausholen, dachten einige Unverbesserliche in unserer Redaktion. Aber nein, auch hier versagte das Lessing-Malcer Team. Wir konnten unserem Aeki-Referenzregal guten Gewissens nicht mehr als drei Telefonbücher anvertrauen, Malcer-Heftchen hätte es wahrscheinlich hunderte verkraftet, aber dafür fiel die arme Minna ständig hinten īrunter, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Das Buch war so klein, dass es dauernd in den Zwischenraum von Regalbrett und Wand rutschte. Das war auf Dauer so entnervend, dass wir den Test vorzeitig abgebrochen haben.

Auch der letzte Testdurchgang war eine Enttäuschung, allerdings musste hier auch das Telefonbuch Schelte einstecken: Beide Kandidaten wirkten in unseren verschiedenen Test-Wohnräumen irgendwie deplaziert. Vielleicht lag es an der gelben Farbe, vielleicht an der zu plakativen Beschriftung: Weder in einem englischen Salon mit offenem Kamin und Leder-Clubsesseln noch in einem altdeutschen Wohnzimmer kamen beide Bücher wirklich gut zur Geltung oder ergänzten die Einrichtung durch ihre Erscheinung vorteilhaft. Nur in einem 50er-Jahre Appartment mit Nierentischen und ähnlich geschmacklosem Interieur machte sich ein Hauch von Harmonie breit, wenn wir unsere beiden Test-Bücher dort plazierten. Also, für Ästhetiker oder Innenarchitekten sind beide Testkandidaten ungeeignet.

Was bleibt ansonsten zu sagen? Der haushohe Sieg des Telefonbuchs ist eindeutig und sollte zeigen, wohin der Trend geht. Die Leser wollen eben wieder die schwere, robuste Qualität, fragile Konstruktionen haben in der Praxistauglichkeit eindeutig das Nachsehen. Wir können unseren Lesern guten Gewissens nur das Telefonbuch empfehlen, das ab sofort unsere Buch-Referenzliste anführt. Jedes Buch, das wir in Zukunft testen, wird sich an diesem Meilenstein der Literatur messen müssen. Und - wenn ich das einmal so sagen darf - an diesem Brocken kommt so schnell kein anderes Buch vorbei. Man muss kein Prophet sein, um das zu sagen!

Der Eselsohr-Test beweist die Überlegenheit der Telefonbuch-Konstruktion. Das Malcer-Heft verträgt noch nicht einmal 500 Knick-Intervalle (1), das Telefonbuch deutlich mehr , und das bei einer deutlich höheren Rest-Faser-Festigkeit (2).

Der Aufweich-Test zeigt deutlich, dass das Telefonbuch feuchtigkeitsresistenter ist als das Malcer-Heft. Bei (1) löste sich "Minna von Barnhelm" schon auf, während das Telefonbuch fast einen Liter Kaffee ausgehalten hat, ohne seine strukturelle Integrität zu verlieren.

Kaffe- und Fettfleck-Test, bezogen auf die Absorption pro Papiermenge. Auch hier ein klarer Vorteil für das Telefonbuch.

In der nächsten Ausgabe lesen Sie:

-20 Kochbücher - welches ist das beste?

-Groschenromane gegen Taschenkalender: Was braucht man wirklich?

-200 Notizblöcke aus 16 Ländern treten gegeneinander an. Erstaunlich: Nicht alle sind mit deutschen Kugelschreibern kompatibel!

-Ein Herausforderer für unser Referenzbuch hat sich angemeldet: KRIEG UND FRIEDEN! Ein Kampf der Giganten - und ein überraschendes Ergebnis?

Unsere Testkriterien:

  1. Haltbarkeit - hier wird das Buch denselben mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt wie in etwa 10 Jahren bei normalem Leseverschleiß (oder einem halben Jahr als Schulbuch in der Grundschule)
  2. Preis-Leistungsverhältnis - wieviel Buch bekommt man für wieviel Geld? Für den unerfahrenen Gelegenheitsbuchkäufer eine wertvolle Hilfe!
  3. Inhalt - Wieviele Wörter befinden sich in dem Buch? Besonders bei moderner Lyrik ist die geringe Wortanzahl immer wieder ein Ärgernis. Lassen Sie sich kein Buch andrehen, das zu wenige Wörter enthält! Nehmen Sie unsere Testergebnisse als Leitfaden!
  4. Geschenk-Faktor - Die meisten Menschen verschenken Bücher und lesen sie nicht selbst. Was, wenn man das falsche Buch verschenkt? Bei solchen Gelegenheiten spielen sich immer wieder dramatische Szenen ab. Vertrauen Sie uns - wir beurteilen ein Buch auch nach diesem wichtigen Kriterium
  5. Praxistauglichkeit - Haben Sie ein Aeki-Regal? Na ja, dann wissen Sie ja, was wir meinen. Wie oft kommt es vor, dass ein Buch zu schwer ist und dann dieses wirklich einmalige Möbelstück darunter leiden muss! Auch hier sagen wir Ihnen ohne Umschweife, welches Buch Sie kaufen können und welches nicht.
  6. Äußere Erscheinung - Ein Buch muss natürlich auch zur Einrichtung passen. Hier erfahren Sie, ob das getestete Buch zu Ihrer Schrankwand passt oder nicht.

Gesamturteil - Eine Zusammenfassung aller Testkriterien und Wertungen.

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