Der Notizblock-Test
Lange hat es gedauert, aber endlich ist es so weit: Der Notizblock-Test wurde gestern erfolgreich zu Ende gebracht. Auch wenn einige unserer Redakteure das körperliche oder geistige Limit überschritten haben, dieser Test mußte sein!
Schon lange vor dem Test gab es enorme Probleme: So waren z.B. Notizblöcke aus Kolumbien oder dem Irak überhaupt nicht zu bekommen, weil der Zoll sie zurückhielt, angeblich wären gewisse chemische Beimengungen im Papier... Die Einfuhr eines besonders großen und schönen Exemplars aus der Ukraine scheiterte an der engstirnigen deutschen Strahlenschutzverordnung, und selbst ein Werbegeschenk der japanischen Aum-Sekte wurde uns vorenthalten, weil es einen seltsamen Geruch verströmte!
Trotz dieser unglücklichen Umstände und des zusammengeschmolzenen Testfeldes wollten wir dann den Test endlich starten. Leider gab es riesige Probleme mit den deutschen Kugelschreibern, die auch nicht so leicht zu besorgen waren. Nebenbei deckten wir einen riesigen Schwindel auf: Noch nicht einmal die Hälfte aller deutschen Kugelschreiber kommt auch wirklich aus Deutschland! So eine Schande... Aber wir werden das mit Sicherheit während der Saure-Gurken-Zeit wiederverwenden.
Vor einer Woche war es dann endlich so weit: Wir hatten eine genügende Anzahl Notizblöcke und Kugelschreiber zusammen, um endlich diesen wirklich lange überfälligen Test zu machen!
Die Notizblöcke, die trotz der eingangs beschriebenen Ausfälle immer noch aus aller Herren Länder kamen, boten alle einen erfeulichen Anblick: Sie waren alle klein und handlich, ließen sich ohne wenn und aber in einer durchschnittlichen Hemdbrusttasche (nach Euro-Norm 38927 - 78431 - ajf/rje97863) unterbringen und waren auch nicht zu dick oder zu schwer, was besonders bei älteren Modellen manchmal ein Anlass zur Kritik war.
Bei der Sicherheit gab es allerdings Probleme: Ein japanischer Klient bestand aus Reispapier mit messerscharfen Kanten. Unglaublich, dass dieses Ninja-Killer-Instrument sogar an Kinder verkauft werden darf! Ein anderer Notizblock, ein Werbegeschenk eines amerikanischen Bestattungsinstituts, eignete sich überhaupt nicht zum notieren von was auch immer, denn er bestand aus schwarzem Papier! Ähnlich übel war der Scherz, den sich ein Hersteller von einem Anti-Glatzen-Mittel einfallen ließ: Sein Notizblock war nicht verleimt, die einzelnen Blätter fielen heraus, bevor man auch nur einen Buchstaben notieren konnte! Ein Notizblock aus China ließ sich nur von hinten nach vorne durchblättern, was besonders ordnungsliebende Menschen sehr verwirren dürfte. Auch der Hersteller eines Schlankheitspräparats wollte offensichtlich den Trend zum sinnlosen Gimmick nicht verpassen und tränkte die Blätter mit Fett. Auf dem Deckblatt konnte man dann lesen: "So viel Fett, wie in unserem Notizblock ist, verlieren Sie durch unser Mittel in einer Minute - und das ganz ohne Anstrengung!" - Was für ein Schwachsinn. Ein Anruf beim Hersteller, was dieser Mist denn solle, wurde mit der geistlosen Bemerkung quittiert: "Was sollīs, das Zeug gibts umsonst, und wenn Sie einen Wachsmalstift nehmen, können Sie sogar was reinschreiben..."
Wir vom DDM sind natürlich der Meinung, dass ein Notizblock in erster Linie zum Notieren da ist und nicht als Spielzeug zweckentfremdet werden sollte. So mussten all diese seltsamen Klienten das Testfeld verlassen - und traurig, aber wahr, es blieben nur ganz wenige Exemplare übrig. Die aber waren perfekt zum Notieren von allen möglichen Dummheiten geeignet. Besonders zu empfehlen sind die Notizblöcke, die es als Werbegeschenke von Apotheken gibt. Wunderbar feste Papierqualität, ökologisch unbedenklich weil aus Altpapier, erstklassige Verleimung und Perforation und gefälliges Äußeres ohne übertriebene Werbeaufdrucke - SO sollten sie alle sein, die guten Notizblöcke!
Die Kompatibilität mit den Kugelschreibern war eine andere Sache. Wer erwartet hatte, dass so etwas in der heutigen Zeit kein Problem mehr sein sollte, der wurde eines Besseren belehrt: Viele Kugelschreiber schrieben überhaupt nicht oder mussten erst durch minutenlange Kritzelversuche "warmgelaufen" werden. Das ist wahrlich kein Ruhmesblatt für die deutsche Kugelschreiberindustrie! Dazu ein Geschäftsführer einer großen deutschen Kugelschreiberfabrik (der hier nicht namentlich genannt werden will):
"Ja, was wollen Sie machen! Wir haben kaum noch Fachkräfte wie z.B. gute Kugelschreibermechaniker oder Kugelschreiberentwicklungsingenieure. Das kommt daher, dass vor vielen Jahren alle gesagt haben, dass man in Zukunft alles mit Diktiergeräten oder Computern machen wird, kein Mensch würde mehr mit Kugelschreibern schreiben. Also haben viele junge Leute sich gegen einen Beruf in der Kugelschreiberbranche entschieden - und jetzt sitzen wir da und müssen feststellen, dass ohne Importe nichts mehr läuft! Dabei war Deutschland früher einmal führend in der Kugelschreiberentwicklung!"
Ja - das ist übel, aber wir vertreten hier die Verbraucher, und die erwarten eben voll funktionsfähige Kugelschreiber!
So bleibt nach diesem Test nur ein Fazit: Die Notizblöcke waren - bis auf die beschriebenen Ausreißer - alle perfekt zum Notieren geeignet. Aber die Kugelschreiber ließen sehr zu wünschen übrig. Hier muß die Industrie kräftig investieren, damit wir nicht eines Tages dasitzen und nicht mehr schreiben können, nur weil eine kleine Kugel klemmt. Bis dahin rät das DDM: Verwenden Sie Bleistifte!