»Die Umwelt des Alten Testaments«
Altorientalische Reiche – Fortsetzung 5

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In Fortsetzung 5 werden Sie lesen:

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A.

  1. Sumerisch-assyrische Königslisten

  2. Babylons Pracht

  3. Babylonische Astronomie

  4. Die Kriegskunst

  5. Die frühe neubabylonische Geschichte und das Erblühen des Reiches
    des Nabupolassar als Vorspiel zur Entwicklung der Gesellschaft
    und der Politik des altbabylonischen Reiches (Brinkman)

  6. Zusammenfassung

  7. Das Atramhasis-Epos


B.

  1. Über das Leben der Frau im Alten Orient und das Menschenbild nach der biblischen Aussage

  2. Über die Ätiologie der Flut-Prodigien des Ea

  3. Vergleiche der Flutberichte

  4. Der Pionier George Smith

  5. Zur Rezeptionsgeschichte

  6. Epigraphik und Philologie: Ostraka - Zeugnisse der Archäologie

  7. Jeremias Tonsiegel, sein Schreiber Baruch und Jerachmehel, Sohn des Königs

  8. Der Sekretär Baruch

  9. Jerachmeel, Sohn des Königs

  10. Anmerkungen


     

     

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Sumerisch-assyrische Königslisten

Anhand dieser kann man nota bene die Entwicklung der Babylonier und Assyrer von ihrer ersten Besiedlung an beschreiben über ihre Überlieferungen, ihre Landwirtschaft Informationen sammeln. Ihre Position innerhalb der Handelsrouten machte sie zu Kaufleuten. Infolge davon, dass sie kaum natürliche Schutzgrenzen kannten, wurden sie hochqualifizierte Soldaten, einmal zum Verteidigen, aber dann auch, um ihr Land größtmöglich auszudehnen.

Wir erinnern uns, dass das sumerische literarische Vermächtnis bereits viele verschiedene Themen aufzuweisen hatte: Man hat Geschäftsabwicklungen gefunden, administrative Dokumente, Texte für den Kult und für magische Zwecke, internationale Verträge, aber auch Schreiberübungen und bereits Wörterbücher, die Assyriologen dann Synonymlisten zu nennen pflegen, Studien der sumerischen Grammatik und Tausende von Briefen, privater oder offizieller Art. Ein Teil dieses Erbes ging nun an die Assyrer über. Die meisten Text-Kategorien und fast alle literarischen Erzeugnisse, die in Assyrien gefunden worden waren, sind aber aus Babylonien entlehnt worden. Hiervon gab es aber Ausnahmen, die man als genuin assyrisch bezeichnen kann. Zwei davon sind überaus wertvoll für unsere Kenntnisse über assyrische Geschichte:

• die assyrischen Königsinschriften

• die sog. Limu-Listen

Seit den Zeiten der Sumerer in Südmesopotamien hatten Könige Weihe-Inschriften schreiben lassen, d. h. In Schriften, die das Geweihtsein eines Gegenstandes, der für einen Götzen gemacht worden war, festhalten sollten. Solche Inschriften konnten verschiedene Formen an nehmen. Manchmal einzeln, manchmal jedoch ziemlich komplex, aber die wesentlichen Elemente waren:

    die Identifikation des Königs

    die Gabe oder Stiftung

    die Gelegenheit der Weihegabe.

Die Aufzeichnungen aller Feldzüge eines Königs, die er seines Glaubens einem Götzen zu verdanken hatte, wurden sehr üblich: Daraus geht hervor, dass Assur weltweite Herrschaft beanspruchte. So begann — seit etwa 1.300 — dieser Teil in der Beschreibung sich zu entwickeln, und die militärische Sphäre überwog im inschriftlichen Material. Man entwickelte beträchtliche Möglichkeiten, nachdem man einmal diese Praxis angefangen hatte. Aber die Inschrift des Königs zu seiner eigenen Selbstverherrlichung war die häufigste. Hier spricht der König in der ersten Person. Er gab - mit Datum versehen - Rechenschaft über jede militärische Aktion, die er während seiner Regierungszeit unternommen hatte. Details wurden in ganz verschiedener Weise arrangiert, etwa nach Gebieten oder nach Jahren. Wurde die Anordnung nach Jahren vorgenommen, so sprechen wir von Annalen. Tiglath-Pileser I. (Im letzten Drittel des 2. Jahrtausends) war es, der sie zunächst so angeordnet hatte. Die Hethiter hatten ebenfalls während einer früheren Epoche Texte in annalistischer Form, aber von den Hethitern muss er nicht entlehnt haben! Wenn auch von vielen als »historisch« bezeichnet, blieben diese Texte formal doch Weihe-Inschriften. Sie endeten stets mit einem geeigneten Bericht über ein devotes Werk, also einer Weihung oder Stiftung, gewöhnlich handelte es sich nun um die Wiedererrichtung eines Tempels oder eines Palastes. Man muss sich nun vor Augen halten, dass in Grunde genommen diese assyrischen Königsinschriften nicht für ein menschliches Auge gedacht waren. Viele von ihnen wurden auf Zylinder oder Prismen geschrieben.

Dann grub man sie in die Fundamente eines Gebäudes ein, dessen Restaurierung oder Entstehung sie zu beschreiben hatten. Nur die Götter sollten sie sehen können. Aber da nun kein Gebäude überlebt hat, waren die den Göttern nicht ergebenen Könige gezwungen, zu den Fundamenten hinunterzugraben, wenn sie die Inschriften finden und lesen wollten. Jedoch wurden nicht alle Königsinschriften in die Erde gegraben, einige standen auf Basisreliefs längs der Palastmauern, andere wurden in kolossale steinerne Rinder und Löwen gezeichnet, die auch als »Wächter« an den Toren standen. Wieder andere wurden eingraviert auf königliche Monumente, die an den Reichsgrenzen aufgestellt worden waren, um an assyrische Triumphe zu erinnern. Aber selbst, wenn sie auf Basisreliefs standen, wurden sie nur von wenigen Menschen, also einem Teil des Palastpersonals gesehen oder von diplomatischen Beamten oder auswärtigen Würdenträgern, die auf Besuch gekommen waren.

Nun zu den Limu-Listen: Das Wort wird oft als eponym übersetzt. Sie bezogen sich auf Beamte, die eine staatliche kultische Funktion innehatten bzw. hier, in Assur den Vor sitz führten. Könige und höhere Offiziere dienten als Limu, und zwar jeder für nur ein Jahr. Der König nach seinem jeweils vollen Regierungsjahr, die andern meist nach ihrem Alter. Das Jahr war ex officio als das Jahr des Limu bekannt, der in diesem seinen Dienst tat. Demgemäß konnten die Limu-Listen die Folgen von Jahren angeben. Z. B.: Im Limu des Tiglath-Pileser, König von Assyrien - Revolte in Arpad: er schlug sie nieder. Im Tischri (Okt.) ging er nach Nord-West-Mesopotamien; am Ajjar (13. Mai) bestieg Tiglath-Pileser den Thron.

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Babylons Pracht

Von allen Städten, die außerhalb der Begrenzungen des Erez Israel selbst in der Schrift genannt werden, ist wohl nicht eine so außergewöhnlich wie Babylon. Sie war die Hauptstadt des Reiches, welches das Königreich Juda zum Ende brachte. Dies war auch der Ort, wo die meisten der israelitischen Deportierten angesiedelt wurden. Babylon diente und dient ferner als Symbol des Niedergangs in Reingestalt, das von Johannes, dem Seher der Offenbarung, gebraucht wurde. Gelegen in einer Flußebene mit trockenem und wasserarmem Gelände, wo heutzutage fast gänzlich Wüste ist und nur einige wenige vereinzelte Sümpfe liegen, wäre die Gegend niemals geeignet gewesen, selbst eine weniger stattliche Bevölkerungszahl zu ernähren - abgesehen ein mal von der Bewässerung durch den Euphrat. Von der Natur der Landschaft war die Gegend dazu nicht in der Lage, sie hatte keine natürlichen Wälder. Diese Haupteigenschaften sind es, die es fast unglaublich machen, dass irgendeine besondere Konstruktion mit Backsteinen und Mörtel hätte errichtet werden können. 1.Mose 11,31 werden die Chaldäer erwähnt, dies ein alter Name für die Bevölkerung Babylons. Eine Stadt, die vor der Wanderung Abrams von Ur aus bestanden hatte:

»Und Tarach nahm seinen Sohn Abram und Lot, den Sohn Harams, seines Sohnes Sohn und Sarai, seine Schwiegertochter, die Frau seines Sohnes Abram. Und sie zogen miteinander aus Ur in Chaldäa, um in das Land Kanaans zu gehen.«

Es war vor allem wegen des hohen Grundwasserspiegels gewesen, der in der Gegend zu finden ist, warum Archäologen nicht in der Lage waren, die niedrigste Stufe der Bevölkerung Babylons ans Tageslicht zu fördern, deshalb haben wir kaum eine Vorstellung, wie alt Babylon nun wirklich ist.

Bis zur Zeit der griechischen Historiker wurde Babylon als Name für die Stadt in der alten Welt, danach taucht in vielen außer biblischen Quellen dieser Begriff auf, um entweder die Nation zu bezeichnen oder sowohl die Stadt als auch die Nation. Hier gebrauchen wir »Babylon« in unseren Ausführungen für die Stadt selbst. Bis zum 3. Jahrtausend reicht die Existenz Babylons hoch wahrscheinlich zurück. Denn sie wird in einem Dokument aus der akkadischen Zeit erwähnt (ca. 1’500). Häufige Referenzbelege finden sich auch in der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends und zeigen ebenfalls die große Bedeutung der Stadt in dieser Epoche. Doch wurde es eingenommen und wesentlich vernichtet um 1’600 durch den Kassitensturm, einem altiranischem Volksstamm, und ab 1000 war Gesamt-Mesopotamien schwach (auch Assyrien). Und der Überlebenskampf setzte sich fort und hatte dann wieder Augenblicke von internationaler Bedeutung in den ersten Jahrzehnten des 1. Jahrtausends.

Der gigantische Zikkurat bei Ur muss die Erbauer Babylons inspiriert haben. Diese Konstruktion war dem Mondgott Nanna von König Ur-Nammu geweiht. Annähernd 61 m mal 45 m an der Basis und 22 m Höhe betrugen seine Maße.

So sehr war Babylon für die Assyrer ein Problem, dass sie es um 689 zerstören mussten (Sancherib). Dies stellte sich als fatale Entscheidung heraus, denn der Assyrer Esar-Haddon (680-669) errichtete die Stadt an der alten Stelle wieder. Obwohl unter assyrischer Beherrschung für die nächsten 50 Jahre, rebellierte Babylon permanent.

Unter der Führung des einheimischen Führers Nabupolassar schüttelte Babylon das assyrische Joch 626 ab, und Nabupolassar erklärte sich selbst zum König; und er war es auch, der das neubabylonische Reich begründete, das heißt, das, was entstanden war, nannte er so. Nach Herodot hatte der Tempel des Marduk eine goldene Figur auf einem goldenen Throne, die auf einem goldenen Fundament ruhte. Der Erbauer ließ 22 Tonnen Gold in diesen Raum bringen. Marduks Hals krönte ein (hässlicher) Drachenkopf. Wir betrachten die Gestalt des Marduk: Marduk, der Hauptgötze erscheint im Hebräischen als Merodach (2. Könige 25 und Jeremia 50,2). Bel wird ebenso mit ihm in einigen prophetischen Worten des Alten Testaments identifiziert : Jesaja 46,1:

»Bel ist niedergesunken, es krümmt sich Nebo (ein weiterer Hauptgott Babylons): Ihre Götzenbilder werden den Saumtieren und dem Lastvieh zugewiesen, die Bilder, die ihr vordem umhertrugt, sind als Last dem müden Vieh aufgepackt!«.

Er hat mit dem sog. Enuma-elisch zu tun (doch dazu in der 2. Hälfte des 2-Jahreszyklus).

Nabupolassar ging ziemlich rasch eine Allianz mit den Medern aus den trans-mesopotamischen Hochländern ein. Aber diese Allianz schlug sich so nieder, dass sie sich verteidigten gegen die assyrischen Attacken. Er begann im letzten Jahrzehnt des 7. Jahrhunderts, den Assyrern und Ägyptern die Vorherrschaft über Syro-Palästina streitig zu machen. Die von D. J. Wiseman herausgegebenen Chroniken der Chaldäerkönige berichten davon.

Um 614 etwa jedoch waren die medo-babylonischen Streitkräfte in der Offensive. 609 war das Ende des assyrischen Reiches da, und das neubabylonische konnte erst erblühen unter der brillanten Führung des Nebukadnezer; dies war Nabupolassars Sohn 625-605 v. Chr. Die Assyrer mussten fliehen bei Karchemisch im Jahr 605. Wir vermuten, dass Nabupolassar betagt gestorben war und der Thronerbe Nebukadnezer II. den Thron von Babylonien besteigen konnte. Unter seiner Regierung erreichte Babylon seine glänzendste Bedeutung. Ein militärisches Zentrum der Welt, aber auch ein kulturelles, politisches und wirtschaftliches Handelszentrum. Dank Nebukadnezers Bauprogramm wurde Babylon dann auch zu einem architektonischem Wunder der alten Welt.

Unumstrittene Macht des Babylonischen Königreichs:

Vgl. Daniel 2: Nebuchadnezar war der unumstrittene Machthaber der damaligen (um 600 v. Chr.) Zeit, dessen Macht und Größe in gar keiner Weise zu hinterfragen war. Nebuchadnezar war ein absoluter Diktator, ja er selbst war der Überzeugung, er sei der Zweite nach Gott.
Sein Wort allein genügte, es war Gesetz. Er fragte niemanden, was zu tun war, sondern er tat, was ihm wohlgefiel. Da, als er, in dieser gefährlichen Position, einen seltsamen, ihn sehr beunruhigenden Traum hatte, fragte er den jungen Daniel nach der Deutung des Traumes. Dieser erwiderte: Lass mir mal einige Minuten Zeit, ich möchte Gott danach fragen, wie es darum bestellt ist. Danach erschien er wieder vor dem König und sagte: Ich werde Dir sagen, was es mit diesem Traum auf sich hat und zugleich,was er bedeutet.

»Daniel fing an vor dem König und sprach: Das Geheimnis, nach dem der König fragt, vermögen die Weisen, Gelehrten, Zeichendeuter und Wahrsager dem König nicht zu sagen. Aber es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbaren kann. Der hat dem König Nebukadnezar kundgetan, was in künftigen Zeiten geschehen soll. Mit deinem Traum und deinen Gesichten, als du schliefst, verhielt es sich so: Du, König, dachtest auf deinem Bett, was dereinst geschehen würde; und der, der Geheimnisse enthüllt, hat dir kundgetan, was geschehen wird. Mir aber ist dies Geheimnis offenbart worden, bnicht als wäre meine Weisheit größer als die Weisheit aller, die da leben, sondern damit dem König die Deutung kundwürde und du deines Herzens Gedanken erführest. König, du hattest einen Traum, und siehe, ein großes, hohes und hell glänzendes Bild stand vor dir, das schrecklich anzusehen war. Das Haupt dieses Bildes war von feinem Gold, seine Brust und seine Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Kupfer, seine Schenkel waren von Eisen, seine Füße waren teils von Eisen und teils von Ton. Das sahst du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhand; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie. Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, dass man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg, so dass er die ganze Welt füllte.
Das ist der Traum. Nun wollen wir die Deutung vor dem König sagen. Du, König, bist ein König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat und dem er alle Länder, in denen Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel in die Hände gegeben und dem er über alles Gewalt verliehen hat. Du bist das goldene Haupt. Nach dir wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer als deines, danach das dritte Königreich, das aus Kupfer ist und über alle Länder herrschen wird. Und das vierte wird hart sein wie Eisen; denn wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, so wird es auch alles zermalmen und zerbrechen. Dass du aber die Füße und Zehen teils von Ton und teils von Eisen gesehen hast, bedeutet: das wird ein zerteiltes Königreich sein; doch wird etwas von des Eisens Härte darin bleiben, wie du ja gesehen hast Eisen mit Ton vermengt. Und dass die Zehen an seinen Füßen teils von Eisen und teils von Ton sind, bedeutet: zum Teil wird's ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein. Und dass du gesehen hast Eisen mit Ton vermengt, bedeutet: Sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander vermischen, aber sie werden doch nicht aneinander festhalten, so wie sich Eisen mit Ton nicht mengen lässt. 44Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels cein Reich aufrichten, das niemals mehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben, 45wie du ja gesehen hast, daß ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden vom Berg herunterkam, der Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold zermalmte.«
Nun, er sagte nichts anders, als dass die Statue, die der König Nebuchadnezar geschaut hatte, fünf Reiche waren; er Nebuchadnezar, war nichts anderes als dieses Haupt aus Gold. Daniel 2, 37/38. Die erste absolute Monarchie oder besser Diktatur, die erste richtige Herrschaft über die Erde begründete Nebuchadnezar und das babylonische Reich. Es regierte unangefochten die Welt – Nebuchadnezar war der »Big Boss«.
Jesus ist der Stein, der das Bildnis schließlich umstürzen wird. »So hat der große Gott dem König kundgetan, was dereinst geschehen wird. Der Traum ist zuverlässig, und die Deutung ist richtig.« Der Traum war prophetisch, sicher und die Deutung gewiss. Gott enthüllte Nebuchadnezar also die Zukunft der Welt.

Jerusalem bedrohte Nebukadnezer erstmals 605 (vergleiche etwa 2. Könige 24 und Daniel 1:

»Der Kronprinz bot das Heer des Landes Akkad auf und übernahm das Heereskommando . . . In jener Zeit eroberte Nebukadnezer das ganze Land Hatti, also Syro-Palästina einschließlich Juda. Er war 21 Jahre lang der König von Babylonien.«

Jerusalem hat wohl schon damals eine erste Deportation erlebt, wie Berossos in der Babyloniaka berichtet. Dieser spricht auch vom Tod des Nabupolassar 605, im 3. Buch der »Babyloniaka«.

Nach seiner Regierung taucht eine Reihe von schwachen und wirkungslos gebliebenen Führergestalten auf, die Nation und Hauptstadt in desolaten Zustand geraten ließen. Der letzte König Nabonid (555-539) verließ den Thron und ging in die arabische Wüste, wo er ein Leben der Meditation in der Oase von Tema zu brachte. Er musste die Marduk-Priester fürchterlich brüskiert haben, denn diese förderten eifrig die Errichtung der Herrschaft des Eroberers aus Persien. Nabunids Sohn Belschazzar wurde als Führer der Stadt ausgerufen. Man lese dazu Daniel, Kap. 5.

Im Jahr 539 hießen die Marduk-Priester in der Stadt die Streitkräfte des Kyros von Persien willkommen. Natürlich entstanden einige geringfügige Revolten, aber Kyros hatte leichtes Spiel. Er nahm Babylon fast ohne größere Verluste.

»Marduk ließ Kyros ohne Kampf in seine Stadt Babylon einziehen. Er übergab seinen Händen Nabunid . . .« So steht es auf dem Kyroszylinder.

Josephus schreibt in seinem Werk (1), dass Kyros nach der Eroberung das Buch Jesaja aufschlug. »Dies war dem Kyros bekannt durch seine Lektüre des Buches, das Jesaja hinterließ.« Soweit also Josephus.

Xenophon und Herodot berichten von dem Gelage, das die Stadt bei der Eroberung feierte (s. Jeremia 51, 57). »Es wäre nichts Verwunderliches, wenn sie die Palasttore offenließen, da sie ein Fest feiern und die ganze Stadt schmaust in jener Nacht.« So die Begleiter des Gobryas bei Xenophon.

In der früheren Hälfte des 5. Jahrhunderts wurde die Stadt von den Armeen des Xerxes zerstört. Im Blick auf andere Reiche mit ähnlicher Herrlichkeit wird in Offenbarung Johannis 18, 14 daran erinnert: » . . . und die Früchte, wonach deine Seele Verlangen hatte, sind dir verloren gegangen und aller Glanz und Flitter ist dir hingeschwunden - und man wird sie sicher nie mehr antreffen!« Der Blick beschränkt sich dabei nicht auf Rom! Jedoch blieb Babylon weiterhin bedeutsam unter der Eroberung Persiens durch Alexander den Großen. Einige der Tempel waren noch bis in die Zeit der frühen Christenheit in Gebrauch, aber viel von seinem Glanz und Ruhm hatte Babylon eingebüßt, sie wurde immer weniger wichtig. Doch die Lokalisation Babylons ist nie völlig verlorengegangen. Topographisch ist es seit der Antike bis heute - nach Koldewey - sehr deutlich identifiziert worden. Sie war eine der ersten Städte, die kartographisch sichergestellt, dann durch die Archäologie aufgespürt und ausgegraben worden sind. Mit einer doppelten Mauer war sie umgeben, als Nebukadnezer den Thron bestieg. Und in Historiai 1, 178 pries Herodot Babylon als schönste Stadt, die man kannte. - So redete ein kleinasiatischer Ioner (Jonier), der zeitweilig in Athen gelebt hatte, der Blüte der Kunst und Kultur!

Ein Gelände von 400 Hektar umfasste die Doppelmauer, die auch ein Teil jener Gebäudeprojekte darstellte, die in der Stadt ein Territorium von ca. 1 200 Hektar bedeckte. Frühere Archäologen waren des Glaubens, dass die Stadt von einer massiven Mauer umgeben war. Aber nun ist bekannt, dass es sich um ein Doppelmauersystem handelte mit einem Zwischenraum. Die Anlage von Gräben und Kanälen rund um den äußeren Ring und zahl reiche weitere bewässerte Seen und Teiche waren weiterhin dem Nebukadnezer zu verdanken. Sie wurden gespeist von den Seen und Sümpfen in der gesamten Region herum. All dies machte größere Attacken ziemlich schwierig. -

Eine medische Frau, die Nebukadnezer geheiratet hatte - so will es jedenfalls die Legende -, litt unter Heimweh nach den Binnenseen, dem Hochland und den bewaldeten Hängen ihrer Heimat - und so baute der König Terrassen in seinen Palast und importierte Bäume, blühende Pflanzen, er ließ Abhänge konstruieren und ließ künstliche bewaldete Berge zusammen mit Flüssen, die Wasser führten, erstehen: die hängenden Gärten der Semiramis. Eines der sieben Weltwunder! Semiramis’ Name ist sagenumwoben, vielleicht handelte es sich eher um Sammuramat von Assyrien, die für Adadnirari III. (810-782) die Regentschaft führte.

Das Ischtar-Tor war ein weiteres berühmtes Merkmal Babylons. Es hatte eine Brücke von über 9 Metern, wurde flankiert von massiven Brückentürmen, Laufstegen und führten in einen Hof von 30 Metern Länge. Dieser Hof wiederum führte in einen größeren Prozessionsweg, der in das Herz der Stadt mündete. Stolze Priesterpaläste, mythische Tiere, bunt koloriert, auf azurblauem Hintergrund, flankierten ihn. Unmittelbar hinter dieser Brücke lag der Sommerpalast des Königs. Im innern die offizielle Residenz einschließlich des Thronsaals und des Audienzraumes. Hier musste Belschazzers Fest stattgefunden haben . . .

Der größere Prozessionsweg führte im Süden durch die Stadt, ausgehend vom Ischtar-Tor. Auf jeder Seite zahlreiche Tempel; und hier war auch die gewaltige Zikkurat gefunden worden, ein Tempel oder Turm von Babylonien. Sie sei die Quelle der biblischen Referenz des Turmes von Babylon gewesen, denkt man sich, aber dies monumental sich gebende Gebäude, Sitz der Staatsreligion, hat wohl eine lange Tradition. Die Baugeheimnisse, die noch von den Sumerern stammen, konnte man sehr gut studieren bei dem »abgenagten« Zikkurat-Stumpf von Uruk-Warka: die Baukunst war hoch entwickelt. Damit eine Zikkurat im lockeren Sandgrund nicht auseinanderbrach. hat man sie elastisch gebaut. Erreicht wurde dies durch Strohlagen, die alle ein bis zwei Meter auf Lehmziegelschichten folgten - einfach und wirkungsvoll. Die Strohlagen federten die Ziegelschichten elastisch ab. Mit vielen Häusern von verschiedener Größe war die Stadt entlang dieser gewaltigen Architektur bestückt. Es waren sehr enge und schmale Straßen, die sich hier gewunden haben. Städtische Kultur förderte ein Spezialistenhandwerk, Geschäfte, Professionalität, all dies blühte hier. Meisterhaft war ja schon die Verwendung der Mosaiken aus farbigen Tonstiften bei den alten Sumerern zu Uruk gewesen.

Eine starke Bürokratie nahm ebenfalls ihren Ausgang. Und dies führte zu einer Sammlung von Dokumenten geschäftlichen religiösen und politischer Bedeutung. Etabliert hatte sich hier auch eine rudimentäre Wissenschaft. Man konnte Glas verarbeiten, die Mathematik war eine Wissenschaft, die mit den Bewegungen von Himmelskörpern sich in einer vorher unbekannten Weise befasste, Astronomie und Astrologie, bis zur persischen Periode! - Dach von letzteren beiden soll im nächsten Abschnitt die Rede sein.

Babylonische Astronomie

Die Entstehung der Astronomie seit ihren Anfängen kann man in Ägypten und vor allem in Mesopotamien finden, denn dort hatte sich eine mathematische Astronomie etabliert, welche fortdauerte bis noch nach dem Niedergang der babylonischen Zivilisation in der hellenistischen Astronomie und Astrologie - freilich mit Verzweigungen nach Persien und nach Indien hinein.

Man muss nach Beispielen mit Texten und Berechnungen suchen, um die Materie angemessen veranschaulichen zu können. Im Idealfall muss man Ägyptologe, Assyriologe, Fachmann im Hellenismus, Iranologe und Indologe sein, denn das Thema ist hochspezialisiert, noch schwieriger ist es, das Material insgesamt zu sammeln und darzustellen.(2) Der Autor ist Mathematiker. Das Original deutsch, dann ins Englische übersetzt (Leiden - New York 1974)

Dies ist ein sorgfältiger Überblick, vor allem was die astronomischen Texte angeht. Der historische Abriss blieb natürlich nur skizzenhaft, um den Rahmen nicht zu sprengen.

Sowohl Theologe wie auch Assyriologe müssen nun verstehen, dass der Glaube an die Sterne in das intellektuelle Leben einer polytheistischen Gesellschaft viel mehr Einfluss ausgeübt hat als in einer heutigen westlichen. So darf man astronomische Gegenstände von damals nicht im heutigen Wortsinn verstehen; hierzu nur ein Beispiel: Ein Kalender, der auf 36 Sternen basiert, ergibt 3 mal 12 Monate, entsprechend den drei Zonen des Himmels. Alle altbabylonischen Listen, seit etwa der Zeit Hammurabis, kennen eine Einteilung des sichtbaren Himmels in drei Zonen. Dazu gehören ein Gebet an die Götter der Nacht und die Abschrift dieses Gebetes, die in Boghazköy gefunden wurde, der Hauptstadt des Hethiterreichs, aber auch eine spätassyrische Übersetzung dieses Gebetes. Das hier zum Tragen kommende System dürfte mittelbabylonisch sein.

Das Enuma-elisch hat auf seiner fünften Tafel die für uns früheste Bezeugung dafür. Die meisten Forscher halten es für ein Werk aus mittelbabylonischer Zeit. Weil nun die Sterne überhaupt mit Gottheiten identifiziert oder doch in enge Verbindung gebracht wurden, sollte man immer jeweils die Wechselbeziehung von Mythologie und Astronomie berücksichtigen.

Die babylonischen Texte und Gedankengänge sind für uns heute noch sehr schwierig zu verstehen. Der Assyriologe Wilfried Lambert sagt einmal: »Die mathematischen Vorgehensweisen der Babylonier dürfen nicht in Begriffen der modernen Mathematik verstanden werden!«

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Die Kriegskunst

Von ihrer Natur her war die Kultur Babylons wesenhaft militärisch. Meister der Kunst, Kriege zu führen, konnte die Höhe ihres Reichs nur durch meisterhafte Strategen erreicht werden. Sie unterwarfen viele Völker. »Brutal« scheint dabei oft ein relativer Begriff. Man denke etwa an Napalm-Bomben heute. Aber sicher behandelten sie ihre Gefangenen weitaus humanitärer als man es von den ihnen vorausgehenden Assyrern weiß . . . Auch auf die Kunst der Bewässerung erstreckte sich ihr Erfindungsgeist und ihre Fertigkeiten in der Architektur, die ihresgleichen bei den Nachbarvölkern suchte. Das Land, das sie in der Nähe des Euphrats in der Lage waren zu kultivieren, war nie nachgeahmt worden. Eine Wüste vermochten sie in ein fruchtbares, bebaubares Land zu verwandeln, ja in eine wahre Kornkammer. Ein erster Kontakt mit den Israeliten ist Jesaja 39, 1-7 zu sehen, der Besuch des Diplomaten Merodach-Baladan, nur kurze Zeit König von Babylonien, der 2. Könige 20,12ff. den (damals noch eingebildeten) Hiskia zu Jerusalem besuchte.

Jerusalem im Alten Testament
Die letzten Tage Judas brachten den hauptsächlichen Kontakt zwischen Israel und Babylon, danach das gesamte Exil hindurch bis zum Fall Babylons durch Kyros II. Das Land Juda wurde verwüstet hinterlassen und die Stadt Jerusalem wurde Ruine. Das zurückgelassene Volk vermochte kaum zu überleben in den Jahren, die dann kamen. Dann war eine große Anzahl von Führern und Bürgern aus Jerusalem nach Babylon deportiert worden. Man erlaubte ihnen zwar, in relativer Freiheit zu leben, konnten aber nicht nach Juda zurückkehren. Einige Juden konnten dabei sogar reich werden. Es ging ihnen so gut, dass sie bezeichnenderweise Gaben denen zuschicken konnten, die Esra 1, 5ff. zurück kehrten. Und es machten sich auf die Häupter der Väter von Juda und Benjamin ... dessen Geist Gott erweckte, hinaufzuziehen, um das Haus Jahwes zu Jerusalem zu bauen. Und alle, die um sie her waren unterstützten sie mit silbernen Geräten, mit Gold, mit Habe, Vieh und Kostbarkeiten. Und König Kyros ließ die Geräte des Hauses Jahwes, die Nebukadnezer aus Jerusalem weggeführt und in das Haus seines Gottes gelegt hatte, wieder holen.

Darin, dass sich die Synagoge zu etablieren vermochte, mag ein wichtiger Einfluss Babylons auf die Juden gewesen sein. Ihren Tempel hatten sie ja nicht mehr, und viele der Nachbarn glaubten, wenn eine Nation geschlagen wurde, seien vor allem ihre Götter geschlagen worden.

Obwohl das Opfersystem nicht möglich war im Exil, doch die Ausrufung von Gottes Macht durch die Propheten, dass Jahwe noch immer die Kontrolle hatte, stand im Verhältnis zu der relativen Freiheit, die den Deportierten zu Babylon zugestanden worden war, so dass sie das synagogale System der Gottesdienste entwickeln konnten. So konnten sie dann auch ohne Tempel auskommen.

So wie es Paulus in der Apostelgeschichte 17 auf dem Areopag getan hatte, proklamierten die Israeliten. ihren Häschern ins Angesicht, dass alle babylonischen Legenden und Traditionen über die Entstehung der Welt nichts seien, gegenüber dem Gott Israel, und die ihn als denjenigen, der Sein Volk von der Flut befreit hatte zu erkennen hätten, - als Basis jedweder Mission. Der rapide Aufstieg und der ebenso rapide Fall Babylons mochte Israel gezeigt haben, dass man sich auf menschliche Macht nicht verlassen könne, hierin letztlich Erlösung nicht zu finden sei. Stärke kann nur von Gott kommen, der sein Volk aus dem Exil erlöse. Babylon fiel – und der Gott Israels erwies sich auch hierin als souverän.

Wir möchten hier auf die Stärke des neubabylonischen Reichs Nabupolassars im Licht der chaotischen und debilen Zustände in Babylonien im frühen ersten Jahrtausend zu sprechen kommen.(3)

»Meine Hand hat gefunden den Reichtum der Völker wie ein Vogelnest und ich habe alle Länder zusammengerafft, wie man Eier sammelt. Vermag sich auch eine Axt zu rühmen wider den, der da haut . . . Darum wird der Herr, der Herr Zebaoth, unter die Fetten in Assur die Auszehrung senden und seine Herrlichkeit wird er anzünden, dass sie brennen wird wie ein Feuer«. (Jesaja 10, 14-16)
»Er ist über alle Weltstämme erhaben, Sein Ehrenschein über den Himmel.« (Psalm 113, 4)
»Singt dem Herrn ein neues Lied . . . erzählt unter den Völkern seine Wunder ... Er urteilt den Völkern mit Gerechtigkeit.« (Psalm 96, 3)

Das frühe erste Jahrtausend war für Babylonien eine Zeit chaotischer Schwäche, und im Lichte dieser schwachen Position stellt sich die hier zur Debatte stehende Periode so dar: Sie beginnt mit Nabunassars Regierung und endet mit der Thronbesteigung und dem Aufstieg des Nabupolassar (747-626 v. Chr. Geb.).

Welche sozialen und ethno-politischen Hintergründe waren ausschlaggebend für die Beurteilung und Einschätzung dieser charakteristischen Periode. Obwohl, oberflächlich betrachtet, die mittlere babylonische Periode an dauernd abnehmender Bevölkerungszahl litt, am Verlust urbaner Lebensgewohnheiten und Umsiedlungspraktiken in die mesopotamischen Schwemmlandebenen, wurden doch diese Tendenzen der babylonischen Bevölkerung – laut Brinkman – in der Mitte des 8. Jh. unterbrochen.

Interessant ist, dass die damalige Bevölkerung prinzipiell zusammengesetzt war aus »einheimischen Babyloniern«, das bedeutet aber zugleich eine bunt gemischte Bevölkerung: Eine Vermischung von Abkömmlingen der Sumerer, Akkader, Amoriter und Kassiten (usw.). Und diejenigen Chaldäer und Aramäer und Stammesangehörige, die sich nicht assimiliert hatten und die erst kurz in Mesopotamien lebten. Auch letztgenannte ethnische Gruppe gehörte dazu. Wir stellen eine große ethnische Vielfältigkeit fest (einige nennen dies auch das nach-kassitische babylonische Reich).

Eine vielgestaltige Bevölkerung mit ihrer verwickelten und auch insofern begrenzten sozialpolitischen Struktur, und war auch nicht in der Lage, antiassyrische Ressentiments verhindern zu können. Nun war die Zeit von der Mitte des achten Jahrhunderts bis zum Ausgang des siebten charakteristisch für die einflussreichen babylonisch-assyrischen Beziehungen. Destabilisierend wirkten auf diese Beziehungen indes die stark anti-assyrischen Gefühle in der Bevölkerung. Die assyrische Bedrohung hat auf die längere Dauer gesehen jedoch eine Stärkung für Babylon zur Folge gehabt, und zwar in politischer, militärischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Die Machtstruktur, die sich aber daraus ergab - eben zu der Zeit des Nabupolassar - war eine wichtige Grundlage, von der ausgehend die Babylonier ihren Beitrag zum Niedergang des assyrischen Reiches zu leisten vermochten und so das nächste mesopotamische Reich haben errichten können. Nabupolassar ist uns ja aus dem Alten Testament als der »Chaldäer« bekannt, der die Fundamente des neubabylonischen Reichs legte, indem er im Jahre 625 gegen Assyrien rebellierte. Er vermochte die Stadt Babylon wiederzuerrichten. Seine Allianz mit Kyaxares, diesem kriegerischen Meder und mit den Skythen im Jahre 612 - also nur 13 Jahre danach - führte zur Einnahme von Ninive, damals assyrische Hauptstadt, die »mörderische Stadt« und »schöne, große Hure« vor allem auch wegen der dort betriebenen Zauberei genannt wird (Nahum 3, 1-3):

1, 2-4: Der Herr ist ein eifernder und vergeltender Gott, ja, ein Vergelter ist Jahwe und zornig. Jahwe vergilt seinen Widersachern; er wird es seinen Feinden nicht vergessen. Weh der mörderischen Stadt, die voll Lügen und Räuberei ist und von ihrem Rauben nicht lassen will! Vers 2: Denn da wird man hören die Peitschen knallen und die Räder rasseln und die Rosse jagen und die Wagen rollen. Reiter rücken herauf mit glänzenden Schwertern und blitzenden Spießen. Da liegen viele Erschlagene, eine Unzahl von Leichen; ihrer ist kein Ende, so dass man über sie fallen muss. Das alles um der großen Hurerei willen der schönen Hure, die mit Zauberei umgeht, die mit ihrer Hurerei die Völker und mit ihrer Zauberei Land und Leute an sich gebracht hat.

Das vom Unglück heimgesuchte Judäa soll also nicht erneut gedemütigt werden, das arge Ninive soll ausgerottet werden, das mit einem räuberischen Löwen und einer Hure verglichen wird. Hier klingt auch das Wundere am Schilfmeer an! - Der Name des Nahum erinnert an die Wurzel von Trösten (also »Trost« oder »getröstet«. Das gleichfalls anklingende Assyrien steht ganz offen sichtlich noch in voller Blüte (Nahum 1, 10). Deswegen und wegen Theben in Ägypten (3, 8) dürfte Nahum wahrscheinlich in die Lage um 663 hineingesprochen haben.

Die Periode von der Mitte des 8. bis zum Ende des 7. Jahrhunderts können wir in ihrer soziopolitischen Geschichte in sechs Teile gliedern: Er diskutiert die assyrischen Einflüsse in Babylonien zur Zeit des Tiglath-Pileser III. und zur Zeit des Schalmanasser V. (747-722). Tiglath-Pileser befriedete die aramäischen und chaldäischen Stämme zunächst nur. Dies war dann allerdings vor allem der Ausgangspunkt für die anti-assyrische Bewegung. Aber als die Möglichkeit sich ergab, dass ein Chaldäer auf den Thron hätte kommen können, der sonst kaum bekannte Mukin-Zeri, da beanspruchte er den Thron für sich selbst (indem er eine Doppelmonarchie einrichtete).

Schalmanasser befolgte diese Dualmonarchie, und dies war sozusagen das Sprungbrett für die weiteren assyrisch-babylonischen Beziehungen im nächsten Jahrhundert. Die geeinte Monarchie wurde nun als direkte Herausforderung für den babylonischen Nationalismus gesehen.

Den nächsten (= den dritten) Teil stellt der chaldäische Unabhängigkeitskampf während der Jahre 721 bis 689 dar. Die babylonische Bevölkerung leistete drei Jahrhunderte lang Wider stand gegen Sargon II. und Sancherib. Sie waren aber ganz augenscheinlich nicht erfolgreich. Es war Merodach-Baladan, der zumindest zeitweilige Erfolge verbuchen konnte. Diese temporären Erfolge waren indessen ermutigend für zukünftige Widerstandsbewegungen.

Man vereinigte die im Lande bereits bestehenden Stämme mit solchen, die ursprünglich nicht zu der babylonischen Bevölkerung gehört haben. Auch sind Führerpersönlichkeiten herangebildet worden, die geeignet schienen, Bündnisse mit auswärtigen Völkern einzugehen. Eines dieser Völker war Elam.

Hierauf folgt das Geschick Babyloniens unter Sancherib nach seit dem Jahr der Zerstörung Babylons, 689, und dessen Schicksal unter Esarhaddon.

Obwohl es nun auf den ersten Blick hin so aussieht, dass Babylonien damals sehr unter den assyrischen Potentaten zu leiden gehabt hätte, so lassen doch vor allem wirtschaftliche Texte der Zeit den Schluss zu, dass Babylonien nach und nach wirtschaftliches Prosperieren allmählich erreichen konnte. Dies freilich nur in einem bestimmten Rahmen, aber es gab doch ein gewisses ökonomisches Wohlergehen, dafür sorgte schon allein die Stabilität des assyrischen Regimes.

Betrachtet man diejenigen Jahre, die dem Kriege vorangingen, also kurz vor 653 sowie die Monarchen Schamasch-schum-ukin und Assurbanipal. Noch ehe die Feindseligkeiten ausgebrochen waren, scheint Assyrien in einer starken Position gewesen zu sein, wenn man die Siege über Elam und über den Aramäer-Stamm Gambulu betrachtet!

Das Intervenieren des Assurbanipal im Süden und seine bloß schwachen Erfolge in der Defensive im Hinblick auf Babylonien machten dem Schamasch-schum-ukin Mut. Aber jene Stabilität, welche das babylonische Wirtschaftswachstum förderte, war noch in vollem Umfang gegeben!

Nach dem Bürgerkrieges gelang es zwar den Assyrern, Babylonien wiederum einzunehmen, doch war das assyrische Großreich nun wesentlich geschwächt infolge des Krieges.

Unter Assurbanipal war nicht nur eine verhältnismäßig lange Zeit vergeudet worden, auch musste man beträchtliche Verluste an Soldaten und Ressourcen beklagen. Die Verwundbarkeit Assyriens ist jetzt besonders zu Tage getreten.

Dies spitzte sich noch zu dadurch, dass Elam gegen Ende des Krieges eliminiert wurde. Assurbanipal entfernte diesen »Pufferstaat« gegen die starken Stammesverbindungen im Inneren des Iran.

Wirtschaftstexte vermögen den Nachweis zu erbringen, dass die Wiedererlangung von Babyloniens starker Position auf den Krieg zurückzuführen ist. Über den Kandalanu haben wir allerdings wenig genaue Kenntnisse.

Zusammenfassung

Die assyrische Bedrohung für Babyloniens Unabhängigkeit war in Wirklichkeit ein Katalysator im Umgestaltungsprozess des Südens aus einer schwachen und brüchigen Position zu einer starken Position mit relativer Einigkeit. Zu solcher Einigkeit trug jener Faktor der antiassyrischen Ressentiments bei, der aus einer heterogenen eine einigermaßen homogene babylonische Bevölkerung machte.

Die politische Koalition, die sich während dieser anderthalb Jahrhunderte ergeben hatte, erwies sich als Machtgrundlage für den neubabylonischen Staat nach dem Jahre 626.

Begleitet wurde diese politische Einigkeit von einer Entwicklung in sozialer und wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht, so dass sich die Grundlage für ein neues mesopotamisches Reich ergab, das seinen Zenith unter Nebukadnezar erreichen konnte. Nabupolassars Sohn Nebukadnezer II. folgte nach der Schlacht von Karchemisch (im Jahre 605) auf den Thron.

Allgemein lässt sich wohl sagen, dass ökonomische Texte, sicher verwendet und gepaart mit guter Methodologie, eine wertvolle Ausbeute ermöglichen.

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Das Atramhasis-Epos

Das Atramhasis-Epos ist ein Parallelbericht zur Flut der Bibel 1.Mose 6-9, allerdings in verzerrter, wenn nicht pervertierter Form; das sei schon an dieser Stelle gesagt. Jedoch können wir einiges dabei beschreiben und zeigen, was für unsere Zwecke wertvoll sein kann. Es liegt in einer guten deutschen Übersetzung vor.(4)

Außerbiblische Parallelberichte

Keilschriftdokumente aus dem Nahen Osten zeugen von der Flut! Es sind Parallelberichte zum biblischen Zeugnis 1.Mose 6-9, vor allem im mesopotamischen Raum. Die Sumerer hatten sie in ihre mündliche und wohl auch schriftliche Tradition übernommen. Was will dies besagen? Es hat einst eine große, den Erdball bedeck ende, alles verwüstende Flut gegeben. Doch zunächst zu diesem außerbiblischen Bericht.

Das Atramhasis-Epos ist eine literarische Form der sumerisch-babylonischen Traditionen, wobei man auch sagen kann: der akkadischen Traditionen, über die Schöpfung und die Frühgeschichte der Menschheit. Ihre Entstehungszeit in schriftlicher Form wird nach einer communis opinio um 1 630 v. Chr. Geb. angesetzt. Da nun die Sumerer noch vor den Akkadern das untere Zweistromland bewohnten, dürfen wir uns fragen, was bei diesen Epen uralt ist und was erst von den semitischen Akkadern stammt. Eine reinliche Trennung dürfte aber nicht möglich sein, denn schon lange vor Sargon I. (2350-2300) haben Akkader und Sumerer eng zusammengelebt und sich auch kulturell beeinflusst.

Doch blicken wir kurz zurück: Nicht weniger als anderthalb Jahrtausende dauerte die Blütezeit der babylonischen Zivilisation an: Und gerade in diesem Zeitraum war dieses Epos auf Keilschrifttafeln immer wieder kopiert worden, aber das alte Babylon ging unter beim Vordringen Alexanders des Großen nach Osten und bei dessen Versuch, sein hellenistisches Reich bis an die Grenzen der damaligen Oikoumene auszudehnen. Alexander hatte dabei im Sinn, Babylon zur Hauptstadt seines Weltreichs zu machen. Jedoch starb er im Alter von zweiunddreißig Jahren am 10. Juni 323, so dass es dazu nicht mehr kommen sollte.

Die Rezeptionsstufen

Eine Synopse von vergleichbarem Material hatte an der Wende vom 4. zum 3.Jahrhundert v. Chr. der babylonische Priester Berossus ins Griechische übersetzt, aber dieses Werk hat nicht lange überlebt. Es wurde in Europa nur aufgrund einiger Exzerpte bekannt, die auch wieder nur aus zweiter oder dritter Hand stammten.

Berossus hatte eine Priesterschule auf der griechischen Insel Kos gegründet; auf Kos hatte er sich auch niedergelassen. Er überlebte Alexander den Großen und hat sein Werk dem »Diadochen« Antiochos I. (292-261) gewidmet unter dem Titel Babyloniaka. Antiochos war damals schlechterdings alleiniger Regent der hellenistischen Welt.

Nun, der Zweck der »Babyloniaká« war, eine Beschreibung der babylonischen Geschichte Griechen in die Hand zu geben, um daraus ihr »unglaubliches« Alter zu erkennen. Erstaunlicherweise lasen aber nur sehr wenige dieses gigantische Werk, so dass es eben verlorenging.

Nun gab es aber einen weiteren Griechen des 1. Jh. v. Chr., Alexander Polyhistor; dieser war der typische enzyklopädische Wissenssammler seiner Zeit gewesen; er zitiert wiederum Berossus, der die Flut um 275 v. Chr. berechnete, sehr häufig. Das Werk des Alexander Polyhistor kennen wir allerdings ausschließlich aus den Exzerpten des Eusebius von Caesarea, dessen Kirchengeschichte und dessen »praeparatio evangelica«.

Indes müsste man bei solch einer langen Überlieferungsgeschichte fragen, wie zuverlässig die Tradition angesichts der doch sehr wahrscheinlichen Rezeptionsfilter überhaupt ist.

Inhalt und Besonderheit des Atramhasis-Epos

Dieses Epos reicht im Grunde zurück bis in das 18. Jahrhundert v. Chr., und zwar in seiner altbabylonischen Fassung, d. h. sie gehört Dokumenten der altbabylonischen Epoche an, worunter auch viele Privatbriefe übrigens zu rechnen sind, was uns einen Hinweis gibt, dass ein Großteil der Bevölkerung bereits literarisch interessiert war Es waren damals auch Mathematik und Astronomie »Wissenschaften«, wie wir gehört haben. Die größeren Epen sind Derivate von solchen aus der sumerischen Zeit und handeln von loci classici wie Schöpfung und Flut und wurden dann soz. neu ediert. Doch wann genau die Ursprünge anzusetzen sind, liegt im Dunkeln . . . Drei Tafeln wurden zu Sippar gefunden, das ht. Abu Habba, diese Tafeln sind geschrieben worden zur Zeit des 4. Nachfolgers des Hammurabi und hatte 1.245 Zeilen. Es gibt außerdem eine assyrische Version, erhalten auf einigen ausführlicheren Fragmenten aus der Zeit des Assurbanipal bei Ninive (vermutlich im 7. Jahrhundert).

Also: Nicht die Schöpfung wird Thema, sondern:

• Die Erschaffung und Bestimmung des Menschen, den Göttern zu dienen;

• die Stadt- und Bevölkerungsentwicklung;

• das drohende Herannahen und Hereinbrechen der Flut und

• das menschliche Geschick im allgemeinen, demonstriert an dem frühsemitischen Heros Atramhasis.

Die Suche nach Unsterblichkeit - das ist die Lehre aus dem berühmten Gilgamesch-Epos: Wir müssen bei dem Helden Gilgamesch, dem sagenhafte König von Uruk beginnen. Er verliert nach mancherlei Abenteuern seinen Freund Enkidu durch den Tod und beschließt daher, die Unsterblichkeit zu suchen. Dabei versagt er - und wie er es tut, lässt den Schluss zu, dass er damit das Los der Menschen schlechthin darstellt.

Die Erzählung lässt sich auch anders deuten: Gilgamesch hätte nur nicht versagen müssen - die Unsterblichkeit kann also doch errungen werden! Denn Gilgameschs Erlebnisse unterwegs in das Reich der Toten sind Prüfungen und moralische Anfechtungen. Er gelangt schließlich am Wasser des Jenseits an, über das er von dem Fährmann Ur-Schanabi ins Paradies gefahren wird. Dort genießt Ut-Napischtim oder Ziusudra ewiges Leben. Als die Götter eine riesige Flut gesandt hatten, um die Menschheit auszulöschen, da warnten sie ihn als einzigen, er solle sich ein Schiff bauen und auf den Wassern fahren, bis die Flut wieder gesunken sei. Ut-Napischtim rät Gilgamesch, er solle sechs Tage und sieben Nächte wachen, um der Unsterblichkeit näher zu kommen. Diese Prüfung jedoch besteht der Held nicht, er ist zu erschöpft und schläft sofort ein.

Es ist möglich, dass der Gedanke der Initiation aus dem Zweistromland kommt, dem stufenweisen Aufsteigen des Unkundigen, der in immer mehr Prüfungen und Geheimnisse verstrickt wird, bis er die religiöse Kraft erwirbt, am ewigen Leben teilzuhaben. In antiken Religionen gibt es immer wieder Hinweise auf einen sumerischen oder akkadischen Ursprung!

Atramhasis heißt - dies geht aus den sumerischen Königslisten hervor - sumerisch Ziusudra und hatte ursprünglich in seinem Palast in Schurupak (dem heutige Farah), akkadisch Ut-Napischtim, dieser Ausdruck bedeutet: »der außerordentlich Weise«. Die erste Verszeile lautet:

»Enuma ilu awi lum ... – Als die Götter wie Menschen lebten und Arbeit verrichteten und Mühsal trugen ...«

Das Atramhasis-Epos ist im Grunde im Gilgamesch-Epos enthalten. Doch auch letzteres hat eine eigene Flutvariante (die 11. Tafel; Gilgamesch ist wohl als echtes Epos geschrieben, während sie andern mehr historischen Berichten ähneln). Der Grund der von Gott gesandten großen Flut, wie sie 1.Mose 6–9 beschrieben wird, ist darin zu suchen, dass der Mensch für seine Anfälligkeit zur Bosheit, für seinen Ungehorsam bestraft werden musste, indem er vom Angesicht der Erde vertilgt wird. Zu dieser Schlussfolgerung führt ja 1. Mose 6, 5-7: »Und Jahwe sah, dass des Menschen Bosheit groß war auf Erden . . . « Allerdings sehen wir uns hier manchmal einigen Schwierigkeiten gegenübergestellt, so zum Beispiele: »Wenn Gott den Menschen für die Sünde, die er verübte, bestrafen musste, wäre es denn nötig gewesen, alle Tiere und al les Leben ebenso zu zerstören?«. Nun, wir werden in 1.Mose 8,21 belehrt, dass Gott wegen der Bosheit und des Ungehorsams im Menschen nach der Flut und der Errichtung des Brandopferaltars durch Noah nicht mehr jegliches Leben von der Erde vertilgen wer de: »Und Jahwe roch den lieblichen Geruch des Brandopfers Noahs und sprach in seinem Herzen: ›Nicht mehr will ich hinfort den Erdboden verfluchen um des Menschen willen . . . Und fortan sollen auf der Erde nicht aufhören Saat und Ernte und Frost und Hitze und Sommer und Winter und Tag und Nacht.‹«

Wie lässt sich dieser auf den ersten Blick auftauchende scheinbare Widerspruch zur Auflösung bringen? Hier kann uns die Archäologie den Schlüssel geben, indem wir die Texte betrachten: Der kulturelle Hintergrund in biblischer Zeit kann ja manchmal besser erschlossen werden durch die Texte, die mehr Licht auf die Welt zur Urzeit werfen. Viele Orientalisten haben nun die babylonische Flutgeschichte studiert. Einer von ihnen, Prof. Tikva Frymer-Kensky, glaubt, dass der biblische Flutbericht hierdurch erhellt werde.(5)

Wie erwähnt gab es im vorderorientalischen Raum drei verschiedenen Flutberichte: Einmal die sumerische Flutgeschichte, sodann die XI. Tafel des Gilgamesch-Epos, dann wiederum das Atramhasis-Epos, das am ausführlichsten die Erschaffung des Menschen enthält. Der Jude Philo war ein Vertreter der bis ins 14. Jh. v.Chr. zurückreichenden kanaanäischen vorherrschenden Kultur Syropalästinas, und wird deshalb in diesem Zusammenhang oft erwähnt, obwohl er mit seiner Rezeption die Quellenlage nicht eben vereinfacht.

Die sumerische Flutgeschichte hilft wegen ihres verstümmelten Erhaltungszustandes nicht so sehr weit: Sie kann eigentlich nur mit Hilfe der anderen bekannten Flut-Geschichten verstanden werden. Im Gilgamesch-Epos wird die Fluterzählung berichtet unter Bezugnahme und Teil der Frage, der Lebensfrage des Gilgamesch nach der Unsterblichkeit.

Ut-Napischtim, der »Noah« dieser Fluterzählung berichtet hierin dies alles seinem Abkömmling Gilgamesch, aber nur, damit er ihm sagen kann, wie er unsterblich werden könne, um so Gilgamesch zu zeigen, dass er nicht auf dieselbe Weise wie Ut-Napischtim (»Der, dessen Tag weit entfernt liegt«) unsterblich werden könne. Er erzählt ihm eben nur jene Teile der Geschichte, die sich auf seine Unsterblichkeit beziehen. - Er berichtet aber weder etwas von dem Grund dafür, dass die Flut niederbrechen konnte noch darüber, welche Ereignisse ihr folgten.

»Als die Götter wie Menschen lebten« (Atramhasis; Atram Hasis; Atrahasis)

Epos, Mythos und Legende können zwar theoretisch getrennt benannt werden, aber tatsächlich und literaturwissenschaftlich ist eine Unterscheidung schwierig. Daher wird hier nicht immer der Begriff »Epos« verwendet. Die Atramhasis-Erzählung eröffnet neuere Perspektiven, daher soll ihr breiterer Raum eingeräumt werden. Sie stellt nämlich die Geschichte von der großen Flut - ähnlich wie im Alten Testament - als Teil der Vorgeschichte der Menschheit dar. Nicht später als 1700 v. Chr. wurde sie niedergeschrieben, und sie beginnt mit der Beschreibung der Welt, indem sie ein buntes Bild von ihr malt aus der Zeit, bevor der Mensch geschaffen wurde.

Der erste Vers war zugleich der antike Titel der Dichtung: »Als die Götter wie Menschen lebten und harte Arbeit leisten mussten . . . «. Das Universum war im damaligen Mythos zwei Göttern gegeben: Anu und Enlil. An war derjenige, der die Himmel übernahm, Enlil aber hatte als Herrschaftsbereich die Erde; ein dritter existierte noch, Enki, dem die Tiefen zugefallen waren. An sich waren es insgesamt sieben Götter, die sich als die herrschende Klasse sozusagen etabliert hatte, während die andern, der Rest der Gottheiten quasi zu der Arbeiterklasse gehörten, denen die Plackerei zugewiesen wurde. Diese Götter, deren Arbeit schwer war, die einem außerordentlichem Stress ausgesetzt waren, diese waren es, die den Euphrat und den Tigris aushoben, die dann rebellierten und sich weigerten, weiterhin zu schuften.

Nun gibt Enki, der »die großen Tiefen« bewohnt und beherrscht, den Rat, die Götter könnten sich ja entschließen, einen Ersatz zu erschaffen nicht etwa ein Wesen, das gottesebenbildlich wäre), um die Arbeit der Götter weiter zu verrichten. So schufen zunächst den Mann der Enki und eine Muttergottheit aus Lehm und aus einer erschlagenen Gottheit. Eine weitere Gottheit sorgte für des Mannes Verstandes- und Vernunftkräfte - doch hier kommt nun die Erschaffung von Menschen zustande, was aber neue Probleme verursachte:

So berichtet uns das Epos: »12 Jahrhunderte waren noch nicht vorüber, als sich das Land ausbreitete und die Bevölkerung vervielfachte; wie Stiere brüllte das Land, und die Götter wurden gestört von solchem Gebrüll. Enlil vernahm dies Geräusch (der Hauptgott) und rief die großen Götter zusammen und sprach zu ihnen: der Lärm der Menschheit ist zu intensiv für mich geworden. Mit ihrem Gebrüll rauben sie mir den Schlaf.«

Ein Problem fürwahr. Um dieses nun zu lösen, beschlossen diese bösartigen Götter nun, Plagen zu senden. Diese hören erst auf, als Enki einem Mann den Ratschlag gibt, Namtar, dem Plagen-Gott Opfergaben zu bringen und ihn so zu veranlassen, mit den Plagen aufzuhören.

Aber 1200 Jahre später sah man sich demselben Problem gegenübergestellt - und die Götter lassen eine Dürreperiode entstehen, die erst dann aufhört, als Atramhasis von Adad - wie der auf Enkis Rat hin - Regen zu senden. Hier ist nun der Zustand fragmentarisch, und es ist trotzdem möglich, dass dasselbe Problem entsteht, und die gehässigen Götter verursachen eine große Hungersnot. In einer Textlücke wird wahrscheinlich von der Durchführung dieser Plage erzählt.

»Es änderten sich infolge des Hungers ihre Gesichtszüge (...) gelbgrün erschien ihr Gesicht, gebeugt gingen sie einher. Ihre breiten Schultern wurden schmal, ihre langen Beine wurden verkürzt.«

Die in dieser Weise ausgemergelten Menschen werden noch ausführlicher (in der Textlücke) beschrieben. Enki muss auch hier wieder für die Menschen eingeschritten sein. Das kann zu einer Auseinandersetzung unter den Göttern geführt haben. Fest steht jedenfalls: auch diese Plage lässt ebenfalls die erwähnten Schwierigkeiten nicht aufhören. Zuletzt überzeugt Enlil die Götter davon, dass eine Endlösung nötig sei für das Problem, das die Menschen verursachen. Auch die bereits erwähnte Muttergottheit kann das nicht verhindern, die auf die Menschenschöpfung verweist. Es ist also kein moralisch-ethischer Verfall, sondern dieser Lärm und das Bevölkerungswachstum, die den Götterzorn heraufbeschwören (wenn man überhaupt davon reden kann, denn es ist ja doch eine deistische Vorstellung, die dahinter steckt, man sollte vielmehr von den schlechthin launischen Göttern sprechen, die wie einfallslose Kinder handeln). - Nachdem also drei Plagen kein rechtes Ergebnis gebracht hatten, muss nun die »Endlösung« ein geleitet werden. Enki wird mit der Durchführung beauftragt: »Ich soll die Flut herbeiführen? Die Arbeit an ihr obliegt dem Enlil . . . Schullat und Chanisch mögen vorausgehen. Die Haltepflöcke reiße Errakal heraus! Ninurta gehe und lasse das Wehr überfließen!«(6)

Aber der Plan wird durch Enki vereitelt. Und dies dadurch, dass er dem mesopotamischen Noah rät, eine Arche zu bauen. Auf ihr solle er der Flut entgehen. »Fliehe das Haus, baue ein Schiff! Verschmähe den Besitz, erhalte das Leben! Das Schiff, das du bauen sollst: es sei würfelförmig. Nicht sehe der Sonnengott in sein Inneres; oben und unten sei es überdacht (...) die Verpichung sei stark. Ich werde danach für dich regnen lassen ‘Fülle’ von Vögeln, Rohrkörbe von Fischen!« - Gerade dieser Ausspruch des Enki wird verschieden übersetzt und gelesen! - Die Maßnahmen vor Beginn der Flut sind wiederum Teil einer größeren Textlücke.

Die zweite Tafel endet mit den beiden Verszeilen: »Die Götter sprachen abschließend: ‘Ein böses Werk gegen die Menschen tut hiermit Enlil!’ Atramhasis versammelt nun aber auch die Ältesten vor seinem Tor und sagt ihnen:

»Mit eurem Gott stimmt mein Gott nicht überein, gegeneinander in Zorn gerieten Enki und Enlil. Sie vertrieben mich nun aus der Stadt.«

Danach berichtet er wohl von dem Rat des Enlil zum Bau des Schiffs. Der Bau der Arche ist in der 2. Kolumne der 3. Tafel nicht weiter lesbar. Hier müsste aber auch stehen, was an Besitz und Tieren (von Soden) mitgenommen wurde. Vor dem Bau gibt es noch eine interessante Stelle: Dem Atram-hasis geht es ziemlich schlecht. Seine Befehle begreift er nicht! ». . . Sein Inneres ist ganz verstört, er speit Galle. Des Tages Aussehen ändert sich; mit einem Mal brüllte Adad in den Wolken . . . da wurde das Erdpech gebracht, dass er die Tür abdichte. Als er die Tür verriegelt hatte, brüllte Adad in den Wolken. Die Winde tobten bei seinem Aufbruch; er zerschnitt das Band und legte das Schiff ab.«

Dann bricht die Flut los und es heißt, dass sie über die Menschenkinder »wie eine Schlacht« losbrach, eine»Götterwaffe«. »Wie Stiere« tobt jetzt die Flut! »Wie ein mordender Geier heult der Sturm.« Es gibt eine »Finsternis, die Sonne blieb unsichtbar«.Dann aber, nach einer abermaligen Textlücke müssen die Götter erkennen, dass sie auf die Menschen gleichwohl angewiesen waren. »Enlil wurde nun anderen Sinnes . . . Die Anunna, die großen Götter, saßen da in Durst und Hunger . . .« Enlil sagt dann weiter, wahrscheinlich vor versammelter Mannschaft:

»Ich vernahm ein mich belastendes Geschrei. Über mir wurden wie Fliegen die Nachgewachsenen (Menschen!). Nun aber . . wie soll mein Wohnen sein? Im Haus der Wehklagen ist erstorben meine Stimme! Ich werde nach oben davongehen in den Himmel.«

Er fängt also an, seine Handlungsweise zu bedauern und zu erkennen, dass er den Menschen schließlich doch braucht, denn die Götter haben Hunger und Durst; sie dachten nicht daran, dass nun ihnen keiner mehr opfert.

Atramhasis bringt nun aber Opfer dar und die Götter versammeln sich zum Essen. Es ist aber nicht wie bei Noah. Sondern eine ekelhafte Szene taucht vor unserm geistigen Auge auf: die Götter scharen sich wie die Fliegen um die Opfer!

Enki präsentiert nun, wie es scheint, eine dauerhafte Lösung des Problems, die nun nach der Flut entstanden ist - sie ist anders als die alte. Es tritt nun Nintu, die Geburtsgottheit, auf den Plan oder die »weise Mami«, wie von Soden ihr Epitheton übersetzt. Bei den nun neu entstehenden Menschen ist sichergestellt, dass die alten Probleme nicht mehr auftauchen:

»Lass nun eine dritte Kategorie unter den Menschen entstehen. Bilde unter diesen jetzt Frauen, welche gebären und Frauen, die nicht gebären. Lass unter den Menschen den Pasitu-Dämon, der die Babies aus dem Schoß der Gebärenden wegschnappt. Schaffe Ugbatu-Frauen, Entu -und Intisitu-Frauen, und lass sie als ein Tabu gelten und so die Geburten von Kindern verhindern.«

Diese Einrichtungen der nach-sintflutlichen Gesellschaft, die jetzt gefolgt sein mochte, können wir nicht mehr einer Untersuchung unterziehen, denn der Text wird jetzt zu schwer und zu zerstückelt, um richtig gelesen zu werden.

Die Struktur der Atramhasis-Erzählung ist trotz der Textlücken klar genug: Der Mensch wird erschaffen, es entsteht ein Problem in der Schöpfung. Hilfreiche »Mittel«, welche dies Problem lösen sollten und den Göttern zu ruhigerem Leben verhelfen sollten, schlagen fehl. Nun gibt es nur noch die Entscheidung der Endlösung - den Menschen zu vernichten. Durch die Weisheit des Enki wird jedoch Atramhasis, der vorzeitliche Heros aus edler Abkunft (vielleicht ein Fürst) überleben. Damit das »Problem« nicht erneut entsteht, wird ein neues Mittel ersonnen. Es war das Problem der Überbevölkerung. Die Menschheit wuchs unkontrolliert und die Methoden der Bevölkerungskontrolle, die zuerst ergriffen wurden: Dürre, Seuchen, Hungersnot brachten nur eine zeitweilige Abhilfe des Problems. So führte Überpopulation zur Destruktion in Form der Flut, und nun tritt Enki auf den Plan und ersinnt ein Mittel, das Bevölkerungswachstum eingeschränkt zu halten. Der Mythos besagt uns nun, dass solch soziale oder religiöse heidnische Phänomene wie Frauen, die unverheiratet bleiben und solche menschlichen Tragödien wie Totgeburten und Aborte, wie überhaupt die Kindersterblichkeit Faktoren darstellen, die wesenhaft zu menschlicher Existenz gehören. Die Menschheit wurde fast vernichtet, als das Bevölkerungswachstum außer Kontrolle geriet.

Atramhasis und die Genesis

Die Bedeutung der Atramhasis-Legende, die Flut in der Genesis zu verstehen ist doch diese: Wir haben unseren Blick nicht in erster Linie auf die Flut selbst zu richten, vielmehr auf die Ereignisse nach den unermesslichen Regenschauern, die unausgesetzt anhalten. In der Genesis, ebenso wie bei Atramhasis: War die Flut eine Erwiderung auf ein ernsthaftes Problem der Schöpfung, ein Problem, das unmittelbar nach der Flut eliminiert wurde. Im babylonischen Mythos ist dies die gesellschaftlich erzwungene Einschränkung der Zeugungsfähigkeit bzw. Gebärfähigkeit.

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Über das Leben der Frau im Alten Orient und
das Menschenbild nach der biblischen Aussage

Es fehlen aus Babylonien, um nur ein Beispiel zu nennen Zeugnisse für einen Harem an Königshöfen. Die Frau hatte sozial einen ähnlichen Status wie der Mann, konnte sogar mit Einverständnis des Mannes Firmen leiten, wie aus Urkunden aus Assyrien her vorgeht. Die kindermordende Dämonin Lamaschtu z. B. wurde eine der schillerndsten Gestalten im mesopotamischen Raum. Dies war institutionell und religiös bedingte Einschränkung der Überbevölkerung.

Aber noch ein weiterer Faktor tritt uns entgegen, wenn wir auf die Bibel hören: Ohne Gesetze ist der Mensch nicht lebensfähig, Egoismus und Bosheit sind zu übermächtig. 1.Mose gibt uns in der Tat ein klareres Bild davon, welche Bedingungen geherrscht haben mussten, bevor die Flut eintraf. Es bedurfte nach dem Überleben der noachitischen Gesellschaft wesentlicher Grundbedingung des Fortbestands menschlicher Existenz auf der Erde. Horchen wir auf 1.Mose 9, vernehmen wir, wie Gott Noah und dessen Söhnen angeboten hat, einen Bund zu schließen, den Gott festigt und unterstreicht mit dem Regenbogen in den Spektralfarben, der durch Brechung und Reflexion in den einzelnen Dunsttropfen entsteht. Neben 2. Petrusbrief 2, 15f. ist hier auch Sirach, Kapitel 44 interessant, wo Henoch, Noah und die Erzväter des Glaubens lobend hervorgehoben werden (Vers 7):

Also sind sie alle zu ihren Zeiten löblich gewesen und in ihrem Leben gerühmt. Henoch gefiel dem Herrn wohl und ist hinweggenommen worden, damit er der Welt Ermahnung zur Umkehr sei (16). Noah wurde unsträflich erfunden und hat zur Zeit des Zornes Gnade gefunden . . er empfing den Bund für die Welt, dass nicht mehr alles Fleisch durch die Flut vernichtet werden sollte. (vergleiche etwa 1.Mose 5, 6 und 9!)

Abraham hielt das Gesetz des Höchsten, und Gott schloss mit ihm einen Bund . . an seinem Fleisch; und er wurde als treu erfunden, als er versucht wurde. . . Er hat ihn gnädig gesegnet und ihm das Erbe gegeben, und sein Teil abgesondert und an die zwölf Stämme (Israels) verteilt (usw.)

Zu jener Zeit gab nun Gott dem Noah und dessen Söhnen verschiedene Gesetze. Diese Gesetzt lassen uns die Unterschiede vor der Flut und nach der Flut nachempfinden. In etwa sind sie ähnlich den Lösungen, die von Enki vorgeschlagen werden. Ist die Überbevölkerung bei Atramhasis das Problem, aber in der Bibel freilich nicht, sondern, wie 1.Mose 8,21, »Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an, und nicht mehr will ich hinfort alles Lebendige schlagen, wie ich getan habe.« Wenn er nicht wiederholt die Erde überschwemmen wollte, musste Gott handeln, und dieses war, Gesetze den Menschen in die Hand zu geben, um sicherzustellen, dass solch ein Zustand in der Welt nicht erneut erreicht wird. Denn das menschliche Wesen ist von Geburt an übel. Es ist von Natur aus geneigt zu Gewalt, Egoismus und ungerechtem Handeln, und deswegen, weshalb er nicht durch seine Instinkte allein leben kann, obschon das viele heute wieder propagieren, sondern er muss durch Gesetze dirigiert und kontrolliert werden. Dies also ist eine Grundbedingung, eine Voraussetzung für menschliches Existieren und Gottes Erwiderung auf das Faktum von des Menschen böser Natur, wodurch dieses scheinbare Paradox von der Bosheit des Menschen, die die Flut entstehen ließ und der Aussage, dass die Bosheit Gott veranlasste, sicherzustellen, dass Er niemals wieder eine Flut hereinbrechen lassen müsse. Daher war eine von Gottes ersten Handlungen nach der Flut, den Menschen Gesetze zu geben (1. Mose 9,2ff.). Dazu gehörten nun aber auch die Speisegesetze. Es taucht wiederholt das Blut auf in der Begriffswelt. Die Israeliten werden besonders davor gewarnt, das Blut von Tieren zu genießen, und sechsmal im Pentateuch wird dies Gebot wiederholt! (1. Mose 9, 3. Mose 3; — 3. Mose 7 und 17; — 5. Mose 12, 16 und 23ff.) Dieses Verbot wird 3.Mose 3,17 erläutert:

»Dies sei ewige Satzung bei all euren Geschlechtern in all euren Wohnsitzen; alles Fett und alles Blut sollt ihr nicht essen, denn es gehört Jahwe.«

(»karet« ist die Strafe für das Essen von Blutigem.) Das wird 3. Mose 7, 27 und 17. Kapitel ausgesprochen, eine Form der Verbannung. Der Grund für dies strikte Verbot ist: »Nephesch« des Tieres ist im Blut.(7)

Beim Schächten muss große Vorsicht beachtet werden, damit alles Blut aus dem Tierleib vor dem Essen des Fleisches fließen kann.

Die Besprengung des Altars mit dem Tierblut beim Opfer bringt Erlösung. (3. Mose 17,11). Besonderen Raum nimmt das Vergießen menschlichen Blutes, zumal im Hinblick auf die gesamte Nation, denn es begreift in sich die tatsächliche Befleckung und Entweihung des Landes. Israel war angewiesen, weder eine Kompensation für den Mörder zu erlauben, noch einen Totschläger zu dulden, denn damit hätten sie das Land Israel entweiht. 4.Mose 35,31-35. Man vergleiche dazu Abels Blut, das zu Gott von der Erde her schreit. Sexuelle Abnormitäten und Götzendienst sind weitere Verbote für die Menschheit wie für Israel. Vor der Flut hatte es keine Gesetze gegeben, um die Menschheit zu kontrollieren und zu disziplinieren. Das Ergebnis war, dass die Erde befleckt wurde. Gott sandte die Flut, um die Erde zu reinigen; und so begann es von neuem. So diente die Flut der Integrität des menschlichen Lebens und als Voraussetzung für menschliche Existenz.

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Über die Ätiologie der Flut-Prodigien des Ea

Für das Problem (das stark den Bereich der Scherzfrage berührt) der babylonischen Fluterzählung, insbesondere der damit verbundenen »göttlichen« Zeichen, hat man sich schon verschiedene Lösungen gewagt. Aber keine davon hat bisher überzeugt. Hierzu nun eine Beobachtung, die, obwohl scheinbar beziehungslos zu der Erzählung, doch helfen könnte, die Texte im Rahmen babylonischer Glaubensinhalte und babylonischer Praktiken zu deuten.

Es handelt sich dabei um eine Art meteorologischer »Ätiologie« der Atramhasis-Erzählung. Zum Begriff der »Ätiologie« bedeutet also nach dem griechischen Wort für »ursächlich« (aítios), dass die Erzählung, bzw. ein bezeichnender Teil davon dazu dienen soll, hintergründig eine auffällige Erscheinung zu deuten und die Ursache der Entstehung einer Fabel.

Wir sehen den folgenden Vorgang: Ea hatte Ut-Napischtim mitgeteilt, auf welche Art und Weise er sich vorbereiten könne auf dessen Flucht vor der Flut. Dann fügt er eine Erläuterung für sein merkwürdiges Benehmen gegenüber seinen Mitbürgern hinzu. Die Götter hätten einen ausgesprochenen Widerwillen gegen Ut-napischtim, sie mochten ihn offensichtlich nicht. Daher müsse er nun mit seinem Patron Ea in Apsu wohnen, womit Ea’s Residenz gemeint ist. Daraufhin werde dann Ea in Erscheinung treten, ganz offensichtlich, um dem Volke Gutes zu tun. Er wolle Hinweise geben, dass die Katastrophe drohend bevorstände.

Wie und warum Ea in Erscheinung tritt, das wird im Gilgamesch-Epos, Tafel XI, beschrieben, aber gerade über diese Verse haben sich Assyriologen lange die Köpfe zerbrochen. Ea gibt einen Einblick in sein Vorhaben.(8) Speiser hatte damals die allgemein gebilligte Erklärung an geführt, die fremdartigen Wörter kukku und kibtu würden entweder Speisen oder aber Unglück bezeichnen. Albert Schott hatte seine deutsche Übersetzung früher vorgelegt als Speiser; aus dieser deutschen Übersetzung haben wir die betreffenden Verse vorgelesen. Er, nämlich A. Schott, sagt dazu: »Die Wortspiele, durch welche die Rede zweideutig wird, sind fast unübersetzbar«.

Ea vermittelt also hier eine Schau dessen, was er zu tun gedenkt. Die Erklärung, es handle sich um ein Wortspiel der beiden Wörter kukku und kibtu (Plural: Kibati) ist zunächst von Karl Frank (1925) festgestellt worden. Dieser schrieb die Auffassung von dem Wortspiel Arthur Ungnad zu, der gesagt hatte, dass diese Zeilen ein Wortspiel in sich bergen; es seien dies Wortspiele, die sich nicht wiedergeben lassen. Er hat diese Feststellung aber nie ausgeführt.

Frank hielt fest, jedes dieser beiden Worte habe zwei Bedeutungen, was ja das Wortspiel stets ausmacht. Kukku bedeutet Getreide, Getreidekörner, aber auch Kleie und - Unglück, kibtu: Weizen, Weizenkörner, aber auch Schwierigkeiten; bei der zweiten Bedeutung von Kibtu bezog sich Frank auf Friedrich Delitzsch im »Assyrischen Handwörterbuch«: Kibtu: schwer, heftig, massenhaft. Er bezog sich bei der Übersetzung mit »Unglück« auf einen Text, der Omina auflistet, und das sumerische Wortzeichen g-u-g, welches in der Tat die Bedeutung Unglück hat. In den meisten modernen Wörterbüchern wird Franks Übersetzung nicht gestützt. Kibtu als Bezeichnung für Schwierigkeiten existiert im Akkadischen nicht. Alles mögliche außer »Weizen« ist hierfür angegeben. In den lexikalischen Texten ist eine zweite Bedeutung enthalten: Kukku als arm oder der andere Teil der Waage, das Chicagoer Wörterbuch übersetzt Kukku als Finsternis, was für die Benutzer synonym mit Unterwelt war. Es ist dies ein sumerisches Lehnwort.

Von Soden meint in seiner Revision, dass besagtes Wortspiel eigentlich der Grundlage entbehre. Ea verspricht lediglich, dass er gnädig sein wolle, »ein Regenguss mit Vögeln und Fischen, ein Morgenregen mit Brotlaiben und ein Abendregen mit Weizen!« Dies ist ein mahnendes oder warnendes göttliches Vorzeichen oder Prodigium. Der erste Teil des Prodigiums hatte bereits seinen Ort in der alten babylonischen Fassung der Fluterzählung, die im Atramhasis-Epos, Tafel III, die ungefähr tausend Jahre vor der Handschrift der 11. Tafel des Gilgamesch-Epos abgeschrieben worden sein musste, die fast vollkommen in Assurbanipals Bibliothek zu Ninive integriert worden ist. Und der Zusammenhang ist dabei ähnlich:

Hier ist Enki statt Ea der Gott, der Atramhasis (Ut-napischtim) in Kenntnis setzt von der Notwendigkeit, eine Arche zu bauen und dann fortfährt: »Ich werde es hier regnen lassen, und zwar eine Überfülle von Vögeln und eine reiche Fülle von Fischen.« Die Wassertore öffnete er und füllte die Wasseruhr an. Er kündigte ihm das Herankommen der Flut an, sieben Nächte lang.(9) Nach dieser Ankündigung des Enki, erklärt Atramhasis den Ältesten der Stadt, was geschehen werde.

Wenn es eine Wiederholung der Prodigien gegeben hat, so ist dies verlorengegangen wegen der Zerstörung der Tafel. Ganz klar wird hier das Prodigium assoziiert mit dem Beginn der Flut. Fische und Vögel als Niederschläge - so wird versprochen - werden im Übermaß vom Himmel regnen! Doch bleibt noch immer die Bedeutung der Zeichen ein akutes Problem. Von Soden kann beim Übersetzen des Atramhasis ins Deutsche nur dies feststellen, dass die mirakulösen Zeichen auch zur Täuschung derer, die zurückbleiben, dienen können, doch woraus sie bestünden, sei nicht ganz klar. Am ehesten sei wohl an Nahrung für die Besatzungsmitglieder, die auf dem Sintflutmeer treiben, zu denken.(10)

Es gibt wohl eine Möglichkeit der Interpretation, die (11) noch niemand in Erwägung gezogen hatte: S. J. Langdon hat 1925 eine kurze Studie verfasst, in welcher er Weizenkörner und Erbsen als die Bedeutungen von kibati und kukku jeweils wiedergibt. Er fügt hinzu, diese indizierten Hagelkörner. In seiner Erklärung des Gilgamesch-Epos [in Oxford 1930 erschienen] nannte R. Campbell Thompson dies »unbefriedigend«. Doch findet Thompson keine weitere Erklärung, als dass »kukku« und »kibtu« vom Himmel fallen. Nicht besonders bezeichnend sind erbsengroße Hagelkörner.

Nun, zwei ungewöhnliche Niederschläge tauchen im Enuma anu enlil auf. Und zwar, als Adad vom Zentrum der Großen Schöpfkelle herunterdonnert und es Weizen regnet!

Liest man in diesem Licht sowohl Gilgamesch wie auch Atramhasis, so bestärkt sich die Wahrscheinlichkeit, da die Gilgamesch-Passage eine Erweiterung der altbabylonischen Atramhasis-Zeilen ist. Bezeichnender Weise passt dies nicht zum Gesamtzusammenhang (wie so vieles andere in diesen Epen), soll aber wohl den Sinn erweitern. Der Redakteur kann aber wohl gewusst haben von der spezifischen Art der Omina, wie sie oben beschrieben worden sind. Ebenso wahrscheinlich ist, dass beide von einem gemeinsamen Hintergrund herrühren.

Es ist ein Vorzeichen für die Flut, wie ein Omen, dergestalt nämlich, dass diejenigen, die dies so lesen oder hören, es als seltsame Passage von drohend bevorstehenden Ereignissen vernehmen, von Ereignissen ungewöhnlicher Größe und ungewohnter Dimension. In dem Zusammenhang ist ja auch die Nennung des Schamasch (Zeile 86) ganz natürlich, denn er ist der Gott der Weissagung bzw. der Wahrsagerei.

Schamasch ist für die Vorzeichen zuständig, er sorgt für rechte Omina zur rechten Zeit. Was aber kann die Schreiber inspiriert haben, dass Vögel und Fische, Kuchen und Weizen vom Himmel regnen? Es ist - die Wirklichkeit, denn meteorologische Berichte aus vielen Teilen der Welt reden von besonderen Gegebenheiten, wenn Fische im Verlauf von Stürmen herabfallen. Am 9. Februar des Jahres 1859 haben Regenschauer in Süd-Wales - nach einem wohlrecherchiertem Bericht - Krater in der Größe von 80 x 12 m und Elritzen (kleine Fische) zurückgelassen. Die Fische fielen herunter, als Regen gepaart mit scharfen Sturmböen fiel. Dass Sturmwind alle möglichen Dinge mit sich transportieren kann, und zwar über beträchtliche Strecken hinweg, ist sicher. In Teilen Nordeuropas (so z. B. Großbritannien) fällt manchmal roter Regen, und diese Röte des Windes demonstriert, wie Staub in den Regentropfen sich angesammelt hat, Staub, der von der Sahara von den Winden empor gewirbelt wird und weit nach Norden getragen wird.

Am 1. Juli des Jahres 1968 wurden 5 000 Tonnen Staub auf die beschriebene Weise herübertransportiert! Regen dieser Art wurde ohne jeden Zweifel von den Babyloniern als Blutregen beschrieben. In anderen Beispielen hat man ein breites Spektrum kleiner Tiere und pflanzlichen Produkten, die von Winden transportiert werden, um später unerwartet niederzufallen - und werden dankbar von denen begrüßt, auf die sie hinabfallen, obwohl man nicht weiß, ob im modernen Irak derart ungewöhnliche Regenfälle dokumentiert worden sind. Aber das Faktum, dass Staubstürme, die von Donnern begleitet sind, in den winterlichen Fastenmonaten gibt, kann dieses Argument nur fördern! (12)

Man muss sich folgendes vorstellen: Der Himmel verfinstert sich, aber kein Tropfen Wasser fällt auf den durstigen Boden. Dafür fegt einem der Sand um so mehr ins Gesicht. Seit Jahrhunderten attackierte solch ein Sturm auch die Stadt Uruk und hat sie letztlich bretteben gemacht. Die Ausgräber wussten natürlich von diesem alten Lied von Wind und Sand, denn bei jeder Grabungskampagne, die nur im Winter möglich war, mussten sie zuerst Jahr für Jahr den Palast von Uruk freischaufeln.

Nun, wir wissen, wie genau die Babylonier das Wetter und meteorologische Phänomene beobachteten, ja sie waren Spezialisten in der Wetterprognose. Und möglicherweise legte sich das gemeine Volk seine eigenen Wetterregeln zurecht, die auf den Erfahrungen von Generationen basier ten. Omenpriester machten Vorhersagen, die auf allen möglichen Beobachtungen sich zu gründen suchten. Davon waren einige völlig ohne Beziehung zu meteorologischen Phänomenen.

Aber einige wenige Keilschrifttexte machen doch Vorher sagen, die sich von astrologischem Beobachtungen ableiten lassen. Für babylonische Schreiber, die eine ausgezeichnete Ausbildung hatten, und die Fluterzählung lasen, und vielleicht in den Ohren einiger weniger der Zuhörer hätten die Verheißungen des Ea nicht völlig fremd geklungen; hier ist also im Grunde Unglück vorhergesagt!

Im weiteren Kontext des Atramhasis-Epos wird uns gezeigt, dass dies einer der letzten Versuche de Enlil ist, den Lärm, das für seine Ohren entsetzliche Geräusch, der Menschen zu verringern, damit er endlich in Ruhe schlafen kann, hatten doch seine früheren Versuche - mit Plagen und Drohungen - sich als zwecklos erwiesen. Und göttliche Führung war notwendig, um den besagten Missstand endlich zu einem Ende zu führen.

Wir sollten verstehen, dass den Landsleuten des Ut-napischtim der plötzliche Erguss himmlischer Freigebigkeit nun keine Botschaft ist, die, bildlich gesprochen, ihr schon leckes Boot leerschöpfen kann, aber doch göttliche Gunst verhieß. Und Ut-napischtim alleine konnte zu dieser Zeit die Bedeutung der Prodigien kennen, denn nur er hatte von den heimlichen Plänen der Götter erfahren. - Von einer solchen sozusagen »göttlichen Perversion« ist dies ein charakteristisches Beispiel, und diese Stelle aus der Flutgeschichte könnte als ihre Ätiologie gelesen werden.

Vergleiche der Flutberichte

Im Falle des sumerischen Ziusudra besteht zwischen Gottheit und Mensch (Ziusudra) eine Mauer, die von Ea durchbrochen wird. Er warnt Ziusudra. Am Ende der Flut (sieben Tagen und Nächte) kommt Utu, die Sonne zum Vorschein. Ähnlich wie Noah stellt Ziusudra das Ende der Flut mittels Tieren fest. Er opfert dann, an Land gekommen, dem Utu einen Ochsen und ein Schaf. Er wird reich belohnt, er darf in der Zukunft leben als ein Gott und im Land des Sonnenaufgangs leben, womit vielleicht das heutige Barein am persischen Golf gemeint sein könnte, allerdings nur die Lokalität.

Was ist nun die Eigenart des Mythos im Atramhasis? Die Götter schaffen die Menschen, weil sie zuviel Arbeit haben und die niedrigeren Kasten rebellieren! Kaum entspricht hier der von den Menschen verursachte Lärm dem schuldhaften wesensmäßigen Bösen; die Gottesauffassung ist dümmlich und anthropomorph. Die Götter kreisen wie Fliegen um das Opfer bei Atramhasis, wobei das Opfer im Gilgamesch-Epos, Tafel XI, dabei wie eine »Halskette« aussieht, während der biblische Noah von den reinen Tieren opfern muss. Doch man müsste vielleicht die - verzerrte - Parallele im Regenbogen sehen: Scheint die Sonne auf die Flügel von Fliegen, so ergibt sich ein Farbenspektrum wie das eines Regenbogens; ähnlich schimmert manchmal auch eine Perlenkette. Der glänzende Schimmer ist also die eigentliche Gemeinsamkeit, d. h. die Reflexion der Sonne im Wasser oder der feuchten Luft. So bedeutet auch das hier verwendete Wort marratu, das akkadisch ist, sowohl den kosmischen Ozean als auch Halskette als auch Regenbogen! - Ewiges Leben ist im mesopotamischen Raum jeweils die Belohnung für den Helden, während Noah zugesichert wird unter dem Siegel des Regenbogens, dass es keine weitereFlut mehr geben wird. In jedem Fall wird eine Person ausgewählt, um zu überleben und diese wird auch in allen Berichten gewarnt. Es entsteht bei Atramhasis eine neue »nachsintflutliche« Weltordnung.

Im Falle des Utnapischtim (Gilgamesch, Tafel XI) gibt es ebenfalls gewisse Ähnlichkeiten: Das Schiff landet ebenfalls auf einem Berge, drei Vögel lässt Utnapischtim fliegen, wobei auch eine Schwalbe dabei ist. Noah lässt noch eine Taube los, die nicht zu ihm zurückkehrt.

Ein Opfer nach der Flut findet statt. Doch der Grund der Vernichtung der Menschheit, nämlich ihre Schlechtigkeit und die biblische Gerechtigkeit des Noah haben keine Parallele bei Gilgamesch. Wie überhaupt wenig sittliche Reife oder kultivierte religiöse Empfindung aus Atramhasis zu uns spricht. Bei rein äußerlichen Parallelen überwiegt doch der starke inhaltliche Kontrast! Das drückt sich am stärksten in dem sehr betonten Polytheismus und in der Sukzession dieser Götter aus, dem Kastenwesen.

Das Leid umschließt auch die Götter und wird zugleich von ihnen verursacht. Das ist anthropologisch leicht erklärlich, denn der Mensch weist auch dem Göttlichen Schuld zu. Aber von all dem weiß die Genesis nichts. Schon hierdurch wird klar, dass das biblische Zeugnis kein Produkt babylonischer Inspiration gewesen ist. Denn die schöpferische Tat Gottes ist es, welche die Erde wieder trocken macht; - doch seither wandeln die Menschenkinder im Schatten des furchtbaren Gerichts Gottes. Doch hierzu vgl. die gesamte Babel-Bibel-Kontroverse, die ja bekanntlich ein ganzes Bücherregal füllt.

Der Pionier George Smith

Er hielt einen Vortrag (13), worin er die Entdeckung der babylonischen Version der biblischen Flutgeschichte vorlegte. Im Jahre 1876 wurde sein Buch über den »Chaldäischen Bericht der Genesis« veröffentlicht, der dann auch ins Deutsche übersetzt wurde. Hier berichtete er allgemein über babylonische literarische Texte, die er entdeckt hatte und denen er - zumindest auszugsweise - eine Übersetzung beigelegt hatte. Darunter war nun die Atramhasis-Erzählung (14). George Smith kannte nur eine einzige Abschrift dieses Epos, die man aus drei zerbrochenen Keilschrifttafeln wieder zusammenzusetzen versucht hatte. Infolge eines Fehlgriffs hatte man die Tafel nicht vollständig restaurieren können. Korrigiert wurde dies erst im Jahre 1956! Damals aber, 1876, wurde Smith als Paradebeispiel eines emsigen Autodidakten, von einem frühen Tod ereilt. Und dreiundzwanzig Jahre später, 1899, nahm man eine Transliteration in das lateinische Alphabet vor, der eine vollständige Übersetzung beigegeben wurde.

Smith hatte damals noch kein vollständiges Verständnis der Dichtung haben können, obschon er zwei Teile mit höchster Akribie übersetzt hatte. Ein drittes Stück war noch nicht identifiziert worden! Dies geschah aber 1965. Es wurde allerdings noch nicht in die damalige Ausgabe des Epos aufgenommen. 1967 war das Epos aber nahezu vollständig. Ein dänischer Gelehrter hatte 1956 gezeigt, wie eigentlich die richtige Reihenfolge der Teile des Epos war, so dass es eine fortlaufende Geschichte ergab: Zuerst wurde der Mensch erschaffen, der im »Voranschreiten der Zivilisation« großen Lärm verursachte und so den Enlil störte, vor allem konnte dieser nicht mehr schlafen!

1965 machte eine unübersehbare Überflutung neuer Dokumente in Keilschrift Furore. Zwei britische Gelehrte, Wilfred J. Lambert und Allen R. Millard (15) machten diese Vielzahl von Keilschriftdokumenten zugänglich - und diese neu entdeckten Textstücke dienten zum Ausfüllen der Textlücken. Merkwürdig genug war dabei, dass zwei Tafeln, die sie analysierten seit 1898 im Britischen Museum gestanden waren! Zwei weitere kleine Stücke waren in Altbabylonisch und dem späten Assyrisch geschrieben.

Zur Rezeptionsgeschichte

Es ist zum Beispiel einigermaßen gleichgültig, durch wie viele Hände das Werk Kleists gegangen ist. Aber bei einem Werk des Alten Vorderen Orients ist das nun durchaus nicht gleichgültig. Vor allem deshalb, weil das Altertum wohl kaum ein Gefühl hatte für literarische Rechte. Das Plagiat war eine Erscheinung, die gang und gäbe war. Alte Texte wurden durch Jahrhunderte hinweg immer wieder in anderen Sprachformen gebraucht und auch neuem Sprachgeschmack angepasst. Das Kolophon, das üblicherweise eine Inhaltsangabe am Ende jeder einzelnen Tafel brachte, half nichts, insofern wir es ja mit so vielen kleinen Fragmenten zu tun haben, und durch diesen bunten Fleckerlteppich der Blick für das Ganze des Epos sehr erschwert wurde. Und so fiel es denn auch schwer, das gesamte Corpus zu identifizieren. Lambert meint, dass nach den vielen Rezeptionsbarrieren, die das Atramhasis-Epos mitgemacht hatte, es schließlich Eingang in die XI. Tafel des Gilgamesch-Epos gefunden hat. Mit der Rezeption verhält es sich ähnlich wie mit der Wagners, der den frühmittelalterlichen Minnesang rezipierte in den Meistersingern. Es kann sich beim Atramhasis-Epos ähnlich um Gesänge handeln, doch über die Art der Deklamation wissen wir nichts! Lambert und Millard sprechen sich dagegen aus, dass man voreilig verallgemeinern sollte und eine kultische Handlung im Vortrag dieses Epos sehen sollte. Vielmehr scheint der Schöpfer des Atramhasis-Epos im Sinne gehabt zu haben, die Menschen zu unterweisen über die Götter. Aber in der Epik selbst wird über den Zweck nichts geäußert.

Der Gesamtzusammenhang hinterlässt den Eindruck, man habe an eine öffentliche Rezitation zu denken - ganz ähnlich wie bei der homerischen Epik.

Epigraphik und Philologie: Ostraka - Zeugnisse der Archäologie

Die Ostraka von Lachisch

In Jeremia 34, 7 kommen Lachisch und Azeka als die Städte vor, die von Juda noch übrig geblieben waren. Azeka war judäische Siedlung und wird Jos 15, 35 erwähnt unter jenen Städten des Erbteils von Juda. Azeka liegt auf der niedrigen Ebene, die sich entlang der Westküste erstreckt. Bis Azeka hatte Josua die Amoriter verfolgt.(16) Lachisch, die Grenzfestung, deren König Japhia von Josua geschlagen worden war, als er eine Koalition mit den Amoritern einging: von Lachisch sagt der Prophet Micha, sie sei der Anfang zur Sünde gegenüber der Tochter Zions gewesen: Micha 1, 13.

»Du Stadt Lachisch, spanne Rosse an und fahre davon, denn du bist für die Tochter Zion der Anfang zur Sünde und in dir finden sich die Übertretungen Israels.«

Lachisch hatte Jerobeam (2. Chronik 11, 9) wiedererrichtet und hatte der Sünde insofern gedient, als die Könige von Juda ihr Vertrauen auf Waffen und militärisches Potential setzten, statt auf Jahwes Macht. Lachisch ging durch die Armee des Sancherib unter; dann wurde es von einem assyrischen Gouverneur verwaltet.

Später wurden viele Mauern wieder aufgebaut - jedoch fand man mit Ausnahme einiger Kammern nur sehr wenig von der Festung wieder. Es ist zu vermuten, dass Skythen, d.h. berittene Nomaden, die mit den iranischen Sarmaten verwandt waren und um 600 einige Jahrzehnte den Iran im Norden beherrschten, auch hier Wohnraum gesucht hatten und daher wenig Haushaltsgeräte vorhanden sein konnte.

Debir, hatte im Jahre 701 ebenfalls unter der mächtigen Hand des Sancherib zu leiden und ist unter der archäologischen kundigen Leitung von William Foxwell Albright zwischen den Jahren 1926 und 1932 ausgegraben worden. Debir war etwas kleiner als Lachisch.

Es war gewiss nicht Absicht des assyrischen Herrschers, das Land völlig zu verwüsten, vielmehr wollte er es in die Knie zwingen, so dass er es ohne große Mühe unterwerfen konnte und tributpflichtig mache. Regelmäßiger Tribut von unterworfenen Städten war wichtige Einkommensquelle für die Ökonomie der Supermächte. Die Koalition mit den vereinigten Ägyptern und Äthiopiern hatte nichts genutzt. Sancherib triumphierte trotz allem.

Dann wurde Ekron genommen. Ekron liegt fast schon an der Mittelmeer-Küste, genauer gesagt, zwischen Mittelmeer und Totem Meer. Ekron war es, das die Koalition Ägyp-ten/Äthiopier zu Hilfe gerufen hatte. Die Rebellen sind wurden dann freilich hingerichtet.

Sancherib kam dann an der Westküste Judas an. Auch Timna in der Nähe des Hebron wärein diesem Zusammenhang erwähnenswert und viele andere Städte, doch es führte zu weit . . . Timna kommt in den Annalen des Sancherib vor. Timna war diejenige Stadt, aus der die Delilah, Simsons Frau stammte. Hirbet Tivneh hat hiervon wahrscheinlich seinen Namen.

Nach oben!

Jeremias Tonsiegel, sein Schreiber Baruch
und Jerachmehel, Sohn des Königs

Wir lesen: 1. Könige 21, insbesondere Vers 8; Nehemia 9, 38 und 10, 1 (Luther): »Und darum (weil man sich durch Esra aufs Gesetz verpflichtet hatte) wollen wir eine feste Abmachung treffen, sie aufschreiben und unsere Fürsten, Leviten und Priester sollen sie versiegeln und unterschreiben« (dann werden die Gouverneue, Leviten und ihre Brüder alle aufgeführt).

Esther 3, 12 und Esther 8, 8: Plan des Hassers der Juden, Hamans Intrige, Rache und Rettung der Juden; (Einsetzung des Purim)

Dan 6, 17. Jeremia 32: Baruch aus dem Buch Jeremia (32, 12) wird auf Siegeln erwähnt, die dem Jerachmehel gehören und dem Berech-jahu, dem Sohn des Nerijahu, dem Schreiber, Jeremia 36, 26 wird ersterer erwähnt. Jeremia 36: Auch hier ist wieder von Baruch die Rede.

Jeremia 43, 1-7: »Es war aber, als Jeremia geendet hatte, zu allem Volk alle Worte Jahwes ihres Gottes, zu reden . . . da sprach Asarja . . . und Johanan . . . und alle böswilligen Männer zu Jeremia: ‘Lüge redest du! Jahwe hat dich nicht gesandt und gesprochen: Ihr sollt nicht nach Ägypten kommen, dort zu verweilen!’ Sondern Baruch, der Sohn Nerijas, reizt dich gegen uns auf, um uns in die Hand der Kasdäer zu geben, dass sie uns töten und uns nach Babylon fortführen! . . . Und sie hörten nicht auf die Stimme Jahwes.«

Jeremia 51, 60-64: »Da schrieb Jeremia all das Unheil, das über Babel kommen sollte, in ein Buch, all diese Worte, die über Babel geschrieben sind. Und Jeremia sprach zu Seraja: ‘Wenn du nach Babel kommst, so sieh zu und verlies all diese Worte. . . Und es wird sein, wenn du fertig bist, dies Buch zu verlesen, so binde es an einen Stein und wirf es in den Perat. Und sprich: ‘So wird Babel versinken und nicht emporkommen ob des Unheils, das ich über es bringe! . . . Und ermatten.’ Bis hierher die Worte Jeremias.«(17)

In der Antike hatten Siegel eine durchaus wichtige Funktion zu erfüllen: Sie identifizierten nicht nur den Absender eines Briefs oder eine Handelsladung, sondern Siegel hatten auch die Aufgabe, Qualität und Quantität eines Handelsproduktes zu garantieren. Des weiteren sollten sie verhüten, dass es zu einer unautorisierten Öffnung eines Dokuments oder eines Behältnisses kam. Würdenträger, höhere Beamte und sogar gewöhnliche Bürger besaßen ihre eigenen Privatsiegel für die Regierung, ihre Geschäfte und juristische Aktivitäten.

In der Bibel sind Siegel häufig erwähnt, buchstäblich und in übertragenem Sinne. 1. Könige 21 setzte Jesebel die Briefe auf, die Nabots Tod überbringen sollten, so dass Ahab seinen Weinberg erwerben könne. Sie machte die Briefe authentisch, indem sie sie mit Ahabs Siegel versiegelte (Vers 8). Das Versiegeln eines Briefs oder eines Rechtsdokuments wurde vom Falten des Dokumentes begleitet, das mit dickem Faden oder Schnur gebunden wurde, auf diese Schnur wurde dann ein weicher Tonbatzen gedrückt. Der Beamte, der für das Dokument verantwortlich war, konnte dann den Aufdruck auf den weichen Ton mit seinem Siegel machen. Diese aufgedrückten Versiegelungen nennt man bullae (d. h. Kapseln). Sie findet der Archäologe häufig, wobei das Originaldokument seit langem durch Feuer oder natürliche Verrottung vernichtet worden ist. Gelegentlich wird auch das Siegel selbst entdeckt.

In Nehemia 9, 38 setzen die Fürsten Jerusalems sowie die Leviten und Priester ihre Siegel auf ein geschriebenes Bündnis und erklären sich so mit dessen Inhalt einverstanden.

Als Daniel in die Löwengrube geworfen wird, verleumdet durch die Intrigen einiger seiner Mitbeamter, wurde ein Stein herbeigebracht und vor die Öffnung der Grube gelegt, und der König siegelte ihn mit seinem eigenen Ring und mit denen seiner Beamten, damit nichts anderes mit Daniel geschehe. (Dan 6, 17f.).

In der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts: Die Briefe, die von Haman aufgesetzt worden sind, um alle Juden zu der Zeit Esters zu töten wurden durch Siegel von des Königs Ring erst offiziell. Est 3, 12: »Da rief man die Schreiber des Königs am 13. Tag des 1. Monats; und es wurde geschrieben, wie Haman befahl, an die Fürsten des Königs und an die Statthalter hin und her in den Ländern und an die Obersten jedes Volks . . . in der Schrift eines jeden Volkes und in seiner Sprache, im Namen des Königs Ahasver und mit des Königs Ring gesiegelt.« - Später, als Ester den Komplott gegen den König aufgedeckt hatte, und Haman aufgehängt ist, bittet sie ihn, die Anordnungen zur Ermordung von Juden, von der er ihr berichtet hatte. Später sagt Ahasver weiter, Esther 8, 8: »So schreibt nun ihr wegen der Juden, wie es euch gefällt, in des Königs Namen und siegelt es mit dem Ring des Königs«. Der Grund war, dass dieses Dokument nicht widerrufen werden konnte, denn ein Edikt, das im Namen des Königs geschrieben ist und mit dem Ring des Königs gesiegelt wurde, kann nicht aufgehoben werden.

Hunderte von Siegeln und Siegelabdrucke aus der Zeit von Israel und Juda sind aus dem Staub des Erez Israel ausgegraben worden, und zwar sowohl von rechtmäßigen als auch von unberechtigten Ausgräbern. Eine Reihe biblischer Könige werden auf diesen Siegelabdrücken erwähnt. Jerobeam II., Ahas, Usia und Hiskia, aber lediglich als diejenigen Könige, unter deren Regierung der Eigentümer des Siegels in Diensten stand. Außer all diesen Siegeln und Siegelabdrücken ist nicht ein einziger, der hätte mit absoluter Sicherheit identifiziert werden können als zu einer biblischen Persönlichkeit gehörig. - Jüngst erst ist eine stattliche Anzahl von Siegelabdrücken aus dem 7./6. Jahrhundert v. Chr. an einem bis dahin unbekannten Ort in Juda gefunden worden. 211 individuelle Siegeln stammen aus Jerusalem, sie sind gefunden worden im Jahr 1975: Und die meisten der Abdrücke sind Personennamen. Einige von ihnen erscheinen auch als Titel höherrangiger Beamter.

Diese Identifizierungen sind ohne jeden Zweifel zulässig, denn die paläographische Wahrscheinlichkeit und die onomastischen Nachweise erlauben es dem israelischen Archäologen Nahman Awigad, diesen gesamten Siegel-Korpus ins Ende des 7. und Anfang des 6. Jahrhunderts zu datieren.

Die Bullen sind gebrannt, so dass eine jahrtausendelange Konservierung möglich war; und so behauptete Awigad, dass die Archive, in denen diese bullae (d. h. Kapseln) gefunden worden sind, beim Fall von Juda 586 v. Chr. zerstört worden sind.

Es sind ohne Zweifel westsemitische Siegel. Dekorative Motive fehlen auffallender Weise. In der Regel sind sie mit Ornamenten versehen. Die Dokumente, die sich auf diese bullae beziehen - man kann noch die Druckspuren des Papyrus und des Wickel-Fadens erkennen - gehörten unzweifelhaft zu einem offiziellen Archiv. Zwei dieser bullae sind von besonderem Interesse, denn sie enthalten Namen von Personen, die in der Schrift erwähnt werden.

Der Sekretär Baruch

Der erste von ihnen befindet sich jetzt im Israel-Museum von Jerusalem. Dieser liest: »Dem Berech-yahu gehörig, dem Sohn des Neriyahu, dem Schreiber«. Berech-yahu ist niemand anderes als Baruch. Ihn kennen wir als Sekretär des Propheten Jeremia. Dem Baruch begegnen wir erst in Kap. 32 des Buches Jeremia. Hier sehen wir, wie er eine Urkunde für Jeremia schreibt und siegelt. Hierzu Kap. 32, 8-15. (17 Schekel Silber)

Diese interessante Transaktion im Alten Testament erweckt unsere besondere Aufmerksamkeit. Denn die Umstände sind ungewöhnlich, während derer sie stattfindet:

Nebuchadrezzar hatte Jerusalem in dieser Zeit eingenommen. Wegen der Ungewissheit der Situation war der Eigentumswert ohne Zweifel an seiner niedrigsten Stufe angelangt. Und eine Kapitalanlage von Liegenschaften etwa hätte in der Tat eine fragwürdige Investition gegolten. Aber Jeremia handelte unter der Anweisung und Führung Gottes. Gott benutzte diese Transaktion als eine Belehrung, um zu zeigen, dass, obschon die damalige Situation prekär war, das Land doch eines Tages erneuert würde und der Eigentumswert eines Tages wieder gelten würde.

Jeremia 32, 42-44: Gleichwie ich über dies Volk dies große Unheil habe kommen lassen, so will ich auch alles Gute über es kommen lassen, das ich ihnen zugesagt habe . . . (Dies geschah freilich gerade auch in unserer Zeit.) Wir können an dieser Stelle beobachten, dass der Name Baruch, Sohn des Neriyahu und Sohn des Maseya gewesen ist, während sein Siegel nur »Berechi-ya, Sohn des Neriyahu« vermerkt hat.

Baruch fertigte zwei Kopien der Urkunde an: eine, die gesiegelt wurde, möglicherweise mit demselben Siegel, wie das des Aufdrucks auf der neuentdeckten Kapsel. Nur im Zweifelsfall sollte sie geöffnet werden. Die andere, mit der er arbeiten wollte, ließ er offen. Der Sekretär Baruch diente Jeremia, ausgestattet mit juristischen Kenntnissen. Er wurde dann damit beauftragt, diese Dokumente sicher zu verwahren.

Jeremia 36 hören wir wieder von Baruch. An dieser bekannten Stelle sagte Gott zu Jeremia, er solle alle seine Worte auf eine Rolle schreiben und dem Volk von Juda vorlesen. Jeremia rief den Baruch und diktierte ihm »all die Worte, die Jahwe zu ihm gesprochen hatte« (Vers 4). Jeremia gebot Baruch daraufhin, er solle die Rolle öffentlich im Tempel verlesen. (5—7) Als Baruch dies tat, wurde er von Regierungsbeamten verhaftet, und die Rolle wurde in der Kammer des Schreibers Elischama verwahrt worden; in seinem Winterpalast wurde sie dem Jojakim wenig später in Gegenwart seiner Minister, dem König Judas, vorgelesen (36, 8—21). Die Reaktion des Königs (22-26) war, dass er die Rolle Stück für Stück im Kohlebecken verbrannte, als sie ihm vorgelesen wurde. Doch Gott sollte das letzte Wort haben: Er hieß Jeremia die Rolle erneut schreiben. Und nun fügte Gott einen individuellen Gerichtsspruch wider Jojakim hinzu. (27—31.)

Erneut diktierte Jeremia dem Baruch all dies, was auf der ersten Rolle gestanden war und vieles, was dem ähnlich war, wurden nun noch hinzugefügt.

Im Jahr 586 machten die Babylonier Jerusalem dem Erdboden gleich, und Gedalja, der Gouverneur Judas, war ermordet worden, hierauf nahmen die zurückgebliebenen Juden Jeremia und Baruch gewaltsam mit nach Ägypten (43, 1—7) - gegen seinen und Gottes Willen. Sein Name bedeutet: »von Jahwe groß gemacht«. Er war der Sohn Ahikams, unter dessen Schutz Jeremia stand (26,24) und dessen Respekt Jeremia genoss. Nach der Tempelzerstörung 587 wurde er von Nebuch. als Gouverneur von Juda zurückgelassen, in welcher Eigenschaft er zu Mizpa stationiert war. Er war zugleich mit der Führung einer Sicherheitsstaffel für Nebuzaradan beauftragt (39, 11—14). Als die Truppen Zedekias bei Jericho versprengt wurden, flohen die Einwohner von Mizpa vor den heranrückenden Truppen der gefürchteten Chasdîm. Gedalja versicherte ihnen, ihre Besitztümer behalten zu können, wenn sie sich unterwerfen würden. »Da kamen sie alle zurück, aus allen Orten, in die sie verstreut waren, in das Land Juda zu Gedalja nach Mizpa und ernteten sehr viel Wein und Sommerfrüchte« (40,12). Der Ammoniterkönig Baalis und Ismael, ein Glied der königlichen Familie von Juda waren neidisch auf ihn und ermordeten Gedalja, der sich nicht warnen lassen wollte (Vers 14 f.), zusammen mit seinen jüdischen und babylonischen Gefolgsleuten, 2 Monate nach seiner Ernennung. Nun flohen viele unter Johanan nach Ägypten (40, 13 und 41, 18).

Jeremia 45, 1 liest man, dass Jeremia wieder eine prophetische Botschaft dem Baruch diktierte. »Was ich gebaut habe, das reiße ich ein, und was ich gepflanzt habe, das reiße ich aus, nämlich dies mein ganzes Land.« Im 46. Kap. wird er gegen Ägypten weissagen. Über Baruch erkennen wir aus all diesen Ereignissen: Er war enger Freund und Sekretär des Jeremia. Das erkennen wir aus all diesen Stellen. Viele glauben aufgrund dieser Verbundenheit mit dem Gottesmann, dass es Baruch war, der das Buch Jeremia zusammengestellt hat.

Wenn Baruch Jeremias Sekretär war, wie kam dann seine bulla in ein offiziellen Archiv? Über diese Fragen können wir nur spekulieren. Aber da ja nun Baruch während der letzten Tage des Königreiches Juda mit Jeremia eng verbunden war, ist es sehr wohl möglich, dass er seine Position im Regierungsbüro gehabt hatte, bevor er Sekretär für Gott geworden ist.

Jerachmeel, Sohn des Königs

Die zweite Kapsel, die uns von dieser Sammlung interessiert, hat die Aufschrift: »Dem Jerachmeel gehörig, dem Sohn des Königs«. Beachtenswert genug ist, dass Jerachmeël in ganz ähnlicher Weise mit Jeremia verbunden wird, und darüber hinaus auch mit Baruch. Nachdem König Jojakim (Jeremia 36, 26) die Worte, die aus Jeremias Rolle verlesen worden sind, hörte, da ordnete er an, dass folgende Männer Baruch und Jeremia gefangen nehmen sollten: Jerachmeel, der Sohn des Königs, Serajahu, Sohn von Asriël und Schelemijahu, Sohn Abdeëls. »Aber Jahwe verbarg sie.« Dem Jerachmeël lagen wahrscheinlich Polizeipflichten ob, zu der die Verhaftung von »Dissidenten«. Zwei andere Männer mit dem Titel ‘Sohn des Königs’ scheinen ähnliche Aufgabenbereiche gehabt zu haben. Als Ahab aus Ungehorsam die Botschaft Michas, des Propheten, (1. Könige 22, 27) zurückwies, befahl er seinen Leuten, Micha zu Joasch, dem Sohn des Königs, zu bringen und ihm auszurichten; »Dies sagt der König: werft diesen Kerl ins Gefängnis und gebt ihm das Brot und das Wasser der Zerknirschung zu essen, bevor ich komme und Frieden stifte.

Im Dienst des Jeremia, als Zedekia König war, erregten sich die führenden Männer von Juda über Jeremias Botschaft auf (Jeremia 38, 6). Vor allem diejenigen, die den Titel ‘des Königs Sohn’ trugen, also die Mitglieder der kgl. Familie, die für die Sicherheit am Königshof verantwortlich zeichneten. Nerijas Sohn Seraja: Dies ein Siegel, dessen Entdeckung in den Einzelheiten gar nicht bekannt ist, hat sicher einem anderen Gefährten Jeremias gehört. Dieser Seraja, Sohn Nerijas, des Sohnes Mahsejas, war wohl Quartiermeister oder Lagermarschall unter Zedekia. Jeremia 51, 59.

Aber weil die Namen seines Vaters und seines Großvaters eben dieselben wie die Baruchs waren, und Seraja und Baruch Zeitgenossen waren, hat man gute Gründe, dass sie Brüder gewesen sind. So ist es nun auch nicht überraschend, dass beide Freunde des Propheten Jeremia waren. 594 v. Chr. war Seraja ein Mitglied einer diplomatischen Gesandtschaft nach Babylon. Es war Zedekias 4. Regierungsjahr.

Es war eine günstige Gelegenheit für Jeremia, und so entsandte er seinen Freund Seraja. Lesen wir Jeremia 51, 60-64:

»Da schrieb Jeremia all das Unheil, das über Babel kommen sollte, in ein Buch, all diese Worte, die über Babel geschrieben sind. Und Jeremia sprach zu Seraja: ‘Wenn du nach Babel kommst, so sieh zu und verlies all diese Worte. Und sprich: ‘Jahwe, du hast über diesen Ort verkündigt, ihn auszutilgen, dass kein Bewohner darin bleiben soll . . . sondern Einöde für ewig soll es werden.’ Und es wird sein, wenn du fertig bist, dies Buch zu verlesen, so binde es an einen Stein und wirf es in den Perat. Und sprich: ‘So wird Babel versinken und nicht emporkommen ob des Unheils, das ich über es bringe! . . . und ermatten.’ Bis hierher die Worte Jeremias.«

Was Seraja an jenem Tag aussprach, hat sich tatsächlich verwirklicht, denn Babylon liegt bald in Schutt und Asche. Diese wenigen Artefakte sind somit wichtige Entdeckungen in den Annalen biblischer Archäologie. Auf den ersten Blick vielleicht unbedeutend, geben sie uns einen Bericht über persönliche Kontakte mit wichtigen Ereignissen und Persönlichkeiten biblischer Geschichte. Hier können wir jedenfalls sagen, dass von Archäologen entdeckte Artefakte von biblischen Persönlichkeiten benutzt worden sind.


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A N M E R K U N G E N

(1) Antiquitates Judaicae XI 1, 2

(2) B.L. van der Waerden, Die Anfänge der Astronomie. Erwachende Wissenschaft II, 1966

(3) Man vergleiche damit auch das frühere Werk des Emeritus für Assyriologie an der Universität London, Donald J. Wiseman: Nebuchadrezzar and Babylon Oxford 1983, erschienen 1985.

(4) Eine gute Ausgabe stammt von dem Assyriologen von Soden in: Zeitschrift für Assyriologie, 68 (1978) S. 50 ff.

(5) Frymer-Kensky: »The Atrachasis Epic and its Significance for our Understanding of Genesis 1-9«.

(6) Die Ergänzungen der Textlücken stammen aus dem Aufsatz von Sodens.

(7) Friedensopfer: 3.Mose 7,11 und 3.Mose 7,14.

(8) Vgl.: Borger, R.: Babylonisch-assyrische Lesestücke 1979, 2. Auflage, Rom, S. 105ff.

Und hier besonders: Schott, A.: Das Gilgamesch-Epos, Reclam: Leipzig 1934, S. 66-68

(9) W.G. Lambert und A.R. Millard, Atra-Hasis, Oxford 1969.

(10) Mitteilungen der Deutschen 0rientgesellschaft zu Berlin, Bd. 111

(11) Ein Iraki hat A. R. Millard persönlich von einem Sturmwind berichtet, der Dutzende von Hausvögeln von den Häuser dächern Baghdads tot über den Süden der Stadt herabfallen ließ (Adnan al-Weiss; ungefähr 1965).

(12) Außer A. R. Millard: »The Sign of the Flood«, in: Iraq 1986, S. 63 ff.

(13) Bei der Deutschen Orientgesellschaft

(14) Damals hieß diese noch »Die Geschichte von Adarpi«

(15) Millard gehört zu den führenden britischen Orientalisten. Er studierte zu Oxford und London und war auch im British Museum tätig, ferner an der Bibliothek im Tyndale House in Cambridge. 1970 Vorsteher der Abteilung für hebräische und altsemitische Sprachen am Institut für Archäologie und Orientalistik der Universität Liverpool. Er wirkte auch als Bibelübersetzer mit bei der »New International Version«. Im »Evangelical Quaterly« (1977) schrieb er einen Aufsatz über Daniel, Kap. 1-6. Zu empfehlen ist auch die 1980 erschienene und ins Deutsche übersetzte Schrift »Bibel und Archäologie«.

(16) Vgl. die gibeonitische Truppe, s. Josua 10. Was hatte es mit dem »frommen« Trick der Gibeoniten auf sich?
- Azeka war eine stark befestigte Stadt und in späterer Zeit eine Wehrburg, die zum Widerstand gegen Einfälle der Babylonier unter Nebukadnezar diente.

(17) Brynat Wood: »Seals and the friend of Jeremiah«, in: Bible and Spade, 1.8, 3/4 (1979), S. 97-104; Hierzu vergl. auch die Forschungsergebnisse des israelischen Archäologen N. Awigad in: »Israel Exploration Journal«, 28 (1978), Seite 52-56

 

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Zu den Anmerkungen

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