Die Umwelt des Alten Testaments

Altorientalische Reiche

Fortsetzung 6

Hosted by www.Geocities.ws

Zu Teil 5 [ click! ]

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Antike Reiche

  2. Die assyrische Geschichte während der Konflikte mit dem Volk Gottes

  3. Geschichtliche Grundlinien

  4. Schalmanasser III.

  5. Ahab von Israel

  6. Die Herrschaft der Omriden

    � Das Ende von Ahabs Söhnen

    � Assur und Israel zur Zeit des Jehu

    � Monumente des Salmanassar III.

    � Adad-nirari

  7. Tiglath-Pileser III.

  8. Rezin von Damaskus

  9. Hosea

    � Die Annalen des Tiglath-pileser III.

  10. Babylon unter assyrischen Satrapen

    � Die Total-Lösung

  11. Schalmanasser V.

    � Hoseas Pakt mit Ägypten

    � Der Untergang von Samarien

    � Zerstörung der Hauptstadt des Nordreiches

    � Sargon II.

  12. Merodach-Baladan

  13. Sancherib (704-681)

  14. Die Belagerung von Lachisch

    � Hiskias Widerstand

    � Der Feldzug des Sancherib

  15. Esar-Haddon

  16. Der Zenith der assyrischen Macht

  17. Assurbanipal (Aschschurbanipal)

  18. Elam

    � Totale Vernichtung

    � Assurbanipals Wüten

    � Kenntnisse im Lesen und Schreiben

    � Der Zusammenbruch

    � Nabopolassar, ein chald�ischer Prinz

    � Necho II. von Ägypten

  19. Karchemisch

  20. Nebuchadnezar

    � Die Forschungen der Linguisten in diesem Zusammenhang

    � Der Ahikar-Papyrus

    � Assyrische Hofdichtung

    � Assurbanipal

    � Aufl�sung von Widersprüchen

    � Kuyundschik-Sammlung (Qujungik)

  21. Fussnoten

� Klicken Sie bitte auf den Titel im TOC, um zu der jeweiligen �berschrift zu gelangen.

Antike Reiche

Wo finden sich die antiken Reiche in einer anschaulichen ��bersicht� zusammengestellt? Antwort: Sie finden sich in Daniel:

a) Einmal in dem aramäischen Teil 7, 17�27 (die vier Tiere und Jesus Christus, der Menschensohn).

b) Dann Daniel 8, 20 ff.: Vision von Widder und Ziegenbock (8, 15�26: die Deutung durch den Erzengel).

c) Hier werden die Reiche wie einzelne Bergketten des Hochgebirges zusammen-geschaut:

� Babylon wird als Löwe mit Flügeln gesehen und symbolisiert Babyloniens Energie und Vordringen.

� Medopersien wird als Bär geschaut, dessen hinzugefügte Rippen wohl die Annexionen dieses Reiches bedeuten sollen. Persien wurde zwischen 625 und 400 Weltmacht; 500 bis 164 war Israel unter der Herrschaft von Persien und den Makedonien

d) Hierzu nun die Perserkönige: Mitte 6. Jahrhundert: Koresch (seit 536; 546 erhält er den Titel König von Persien durch den Babylonier);

Ende des 6. Jahrhunderts: Kambyses; als dessen Nachfolger: 530-522; Gaumata (Pseudo-Smerdes): seit 523

Um die Wende 6. / 5. Jahrhundert: Darayavausch (Dareios bei den griechischen Historikern, hebr. Darjawäsch): seit 522.) 600: Medes überfällt Ninive.

Zweites Viertel des 5. Jahrhunderts: Ahasveros (= Xerxes)

Mitte des 5. Jahrhunderts: Arthahsastha (= Artaxerxes)

Das Großreich von Makedoniens (Griechenlands) Alexander wird als Panther mit Flügeln gesehen, was auf Alexanders große Wendigkeit und seinen Expansionsdrang (bis Susa und Persepolis, ja bis nach Indien) hindeutet, sein Horn zerbricht im Jahr 323, als er unvermutet, ein noch relativ junger Feldherr, stirbt.

Daraus dann die Diadochenreiche (mehrere Hörner in der biblischen Schau), darunter der Antichrist des Alten Testaments, Antiochos IV. Epiphanes, der einen starken Zug zur Zentralisation hatte und � ebenfalls plötzlich an einer t�dlichen Krankheit stirbt (ohne das �Zutun von Menschenhand�).

Das letzte Reich ist dasjenige von Christus, bei Daniel im 9. Kapitel, Vers 24 unter dem Stichwort �Salbung des Allerheiligsten� aufgeführt, das messianische Reich, das im Grunde schon 4 v. Chr. bei der Geburt des Erlösers Jesus, des Davididen, beginnt; Daniel 9, 26 werden aber wohl auch Golgotha, der Anbruch des Gottesreiches � Schuldsühnung durch das Blut des Gottesknechts und das Ende der alttestamentlichen Opferungen angedeutet.

Wo tauchen nun die Assyrer auf?
Der Hauptgrund, weshalb sie in diesem Weltreichs-Zyklus nicht vertreten sind, ist vermutlich der, dass bei Daniel ja Nebuchadnezzar im Zentrum steht; und dessen Vater der Begründer des chaldäischen oder neubabylonischen Reiches war. Nabupolassar hatte dem assyrischen Reich ein Ende machen können. Zudem ist auf der Höhe der assyrischen Macht der jew. assyrische König gleichzeitig der von Babylonien und Ägypten gewesen. Wie erscheinen aber in den biblischen Berichten die Assyrer? Sie treten in Gestalt der assyrischen Könige in Erscheinung, die meist an Israel und andere Völker � die sie unterwarfen � Gottes Gerichtshandeln vollstreckten, und zwar vor allem bei den Schriftpropheten, vornehmlich hier Jesaja:
Jesaja 1-12 (die Jahre 740-720.

13-27 und dann wiederum 28-35 (wobei auch Babylon hier mit einbezogen ist Kap. 38 mit dem Dankgebet Hiskias und Kap. 39).
Der erste Teil davon spiegelt die (von Jahwe verworfene) ägyptische Koalition gegen Assyrien spiegelt und fällt in die Jahre 720 bis etwa 700.

Zurück zum Anfang

Die assyrische Geschichte w�hrend der Konflikte mit dem Volke Gottes

Die babylonisch-assyrische Geschichte dauert also ungefähr ein halbes Jahrtausend, von Tiglath-pileser und Nabu-nasr bis zum 38. Jahr der seleukidischen Ära (264 v. Chr.), d. h. also bis Antiochos I. Soter.

Bei aller Reflexion über die assyrische Geschichte müssen wir auf den Umstand achten, dass sogar historiographische Dokumente von Historikern damals im Wesentlichen literarische Produkte waren und wir stets gewärtig sein sollten, dass sie � bewusst oder unbewusst � die Tendenz besitzen zu manipulieren!

Sogar solche Dokumente, die zuverlässiger sind als die übrigen, die als historiographisch in unserem, im europäischen oder modernen Sinn zu bezeichnen sind, müssen Bedenken wachrufen, insofern auch sie ideologisch geprägt sind beziehungsweise unter ideologischen Voraussetzungen konzipiert sind. Es handelt sich zumeist um Texte vom Typus �königliche Inschriften�. Mit der Wahrheit im westlichen, thukydideischen oder taciteischen Sinne haben sie noch wenig zu tun. Wir werden die Angaben nun aber mit der Bibel vergleichen müssen.

Die jahrweise Aufzeichnung historischer zeitgenössischer Ereignisse in der Art eines Almanach nennt man in der Geschichtsschreibung Annalistik. Durch die Archäologie wissen wir von Chroniken in annalistischer Form. Diese Chroniken zeigen uns nun die Ereignisse vieler dieser Jahre, obschon oft recht fragmentarisch im Erhaltungszustand. Zum Teil liegt das an der Art dieser Texte: sie haben oftmals mit Kriegsbeschlüssen und Friedensbündnissen zu tun, erwähnen ausdrücklich den Tod von Köni gen oder den Tod von Mitgliedern der königlichen Familie; sie zählen kurz und bündig nur die Fakten auf. Für die Zeit des Alten Testaments sind sie jedoch wegen ihrer Chronologie durchaus von Nutzen, übrigens auch für griech. Geschichte.

So gibt es zum Beispiel auch ein astronomisches Tagebuch, das tagtäglich Katastrophen, Seuchen, Viehplagen, den Tod wichtiger Persönlichkeiten und andere Mühsal gewissenhaft notiert.

Es existierten also differenzierte Themen, die wesentliche Probleme des Menschseins darstellen, auch ihre Lösung, freilich im Rahmen der gerade herrschenden Religion � das ist der Inhalt solcher Annalistik.

Die religiöse Literatur

Die religiöse Literatur ist die Literatur Mesopotamiens an sich, d. h. sie ist nicht einzuteilen in nicht-religiöse und religiöse Literatur. Eine Aufgliederung ist denn auch hier außerordentlich schwierig.

Nur einige Beispiele seien genannt, bevor wir hierauf zu einem Überblick über die Geschichte der Assyrer kommen: In der Tat hat Gott manchmal die Gedankengänge von Menschen benutzt, um Weisheit zu offenbaren, wie es wohl auch in der �Weisheit des Amenemope� aus Ägypten der Fall ist.

Manche Sprüche in Lehrgedichten erinnern deutlich an die Sprüche (Proverbia) des Alten Testaments: �Du gehst und nimmst das Feld des Feindes � der Feind kommt und nimmt dir das Deine!� Das zeigt, dass man über die Sinnlosigkeit des Krieges meditiert hat. � Oder: �Vorsichtig sei dein Mund, klug dein Wort!�

�Der Ochse öffnete sein Maul und sagte zu dem mit Schlachtruhm bedeckten Pferd: Mir scheint, ich sei unter gutem Stern geboren, denn das ganze Jahr über finde ich Nahrung, Futter habe ich, soviel ich will. � Doch das Pferd: Ohne mich, ohne das glutvolle Streitross: Das Pferd ist wie ein Gott, prächtig im Einherschreiten, während ihr die Kappe der Knechtschaft tragen müsst!�

Ein Lehrtext bei Pritchard gibt uns Auskunft über die Frage des Hiob: Warum muss der Gerechte so viel leiden? Wir finden einen Herrn im Dialog mit seinem Sklaven. Hier wird nun zunächst eine Antwort für den Verstand gesucht: Der Mensch kann Gut und Böse nicht unterscheiden, ist er doch nur ein schwaches, zerbrechliches Geschöpf. Da seufzt der Unglückliche auf: er denkt denn auch daran, dass Götter ihm zu Hilfe eilen könnten, er aus dem Grab auferstehen und aus Vernichtung erlöst werde. Anhaltend ist diese Hoffnung aber nicht, denn am Ende des kurzen Dialogs steht:

�Was ist gut?� Der Sklave antwortet: �Meinen und deinen Hals brechen � das ist gut! Und in den Fluss geworfen zu werden ist gut � Wer ist so groß, die Himmel zu ersteigen; wer so dreist, die Unterwelt zu erforschen?� Der Herr: �Nein, Sklave � ich will dich töten und als ersten schicken!� � �Und mein Meister würde mich gewiss nicht einmal drei Tage überleben.�

Lange hat man dies für eine ernsthafte philosophische Abhandlung gehalten. Heute nennt man diesen Dialog aber zuweilen �Humorvolles Zwiegespräch des Pessimismus� und vergleicht sie mit den römischen Saturnalien, bei denen der soziale Status jeweils umgekehrt wird. Sie hätten ihren Ort während des Neujahrsfestes gehabt. Dennoch spricht aus dem Text eine �morbide Depression� (Lambdin). Wir wissen, dass viele junge Erwachsene auch heutzutage ähnlich wechselhafte Stimmungen zeigen. � Die Gesellschaft sehen wir hier bereits in einer Zeit der Krise.

Außerdem konnte das, was im biblischen Buch Hiob über die Vorgänge in der himmlischen Welt steht, auf gar keinen Fall von Menschen erdacht sein, sondern musste von Gott offenbart werden. Das dort Geschilderte hat Hiob wirklich und real erlebt; wir haben es nicht mit literarischer Fiktion zu tun. Unablässig kreist Hiobs Fragen und Klagen um die Rechts - und die Todesfrage. Seine Anfechtung ist die, dass er meint, Gottes Freundschaft verloren zu haben, ja, Gott scheint gegen ihn zu sein. In 16, 7-9 malt Hiob sich gar Gottes Feindschaft gegen ihn aus. Alles erscheint ihm nun fraglich.

In 13, 24 stellt Hiob auch sehr wohl die Warum-Frage: �Warum verbirgst du dein Antlitz?� Doch letztlich kann er von Gott nicht loskommen. Hiob durchbricht mit sprachlicher Macht das Schweigen, das Sich-Zurückziehen; sein Schreien durchbricht die Verschlossenheit.

Er bleibt auch nicht beim dunklen Fragezeichen stehen, sondern macht Gott zum Richter, Ankläger und Anwalt. 17, 3:

�Sei du selbst mein Bürge bei dir � wer sollte mich sonst vertreten?� Die Verifikation seiner Hoffnung steht allein bei Gott. �Ich wei�, dass mein Erlöser lebt, als Letzter steht er auf über dem Staub meines Leichnams, auch ohne mein Fleisch schaue ich Gott (Eloah; damit meint er gewiss eine Theophanie nach dem Tod) � ich selbst, nicht ein Fremder.�

Hier zurück zum Anfang.

Geschichtliche Grundlinien

Vor allem in der Zeit des Neuassyrischen Reiches, von 900 bis 600 kann der biblische Bericht mit Nutzen verglichen werden mit der �weltlichen� Geschichte. In dieser Zeitspanne expandierte das assyrische Reich bis zum mittelländischen Meer, incl. Israel und bisweilen sogar Ägypten. Es waren ja doch die Assyrer, die das nördliche Königreich Israels im 8. Jahrhundert verwüsteten und die Katastrophe im Jahre 721, die Einnahme Samariens verursachten. Sie waren es, die danach ihre Aufmerksamkeit Juda schenkten und diesem geschwächten Land Tod und Zerstörung zufügten � bis die übermächtig gewordenen Babylonier 612 v. Chr. die Assyrer schließlich zu überwältigen vermochten. Die Babylonier beendeten, was die Assyrer begonnen hatten und schleppten die Einwohner von Juda in den Jahren 597, 586 und 582 in die Gefangenschaft, wobei nach 2. K�nige 25, 8 ff. im Jahr 587/586 Jerusalem einnahmen und zerstörten, was nicht nur die Zerstörung prachtvoller wertvoller Bauten, sondern vor allen Dingen das Ende der mit dem Tempel verbundenen Hoffnungen bedeutete.

�Also wurde Juda von seinem Heimatboden fortgeführt� (Vers 21). Jetzt beginnen die Deportierten zu beten wie im 74. Psalm: �Warum, Gott, hast du uns auf ewig verworfen, warum lodert dein Zorn . . .?� Sie werden von der bangen Frage getrieben, ob nun auch die Erwählung hinfällig sei. Jedoch die Deportation nach Babylon war nicht das Ende des Volkes Israel!

Die assyrischen Könige waren zugleich Strategen und in allen Zügen ihres Wesens zeigt sich � nach S. Moscati � die raue und ungestüme Natur. Sie wollen absolute Macht erzwingen, sind stark auf Expansion bedacht und verstehen sich als Stellvertreter des Kriegsgottes der Nation, die sie unterwerfen. Sie werden die Macht aus dem Norden! Sie sichern sie durch eine solide Armee, die schlagkräftig ist. Waren babylonische Herrscher noch hauptsächlich darauf bedacht gewesen, Tempel zu bauen, Paläste auszuschmücken und Kanäle auszuheben, so hieß Machtexpansion die Maxime assyrischer Regenten.

Wir können in diesem Zusammenhang ein Schlaglicht auf Tiglath-pileser I. 1116 v. Chr. � die Thronbesteigung war bereits 1078 v. Chr. erfolgt) werfen. Kurz nach seiner Thronbesteigung fällt er bereits in Anatolien ein, erobert das Land, es sind die sonst unbekannten Nairer, die ihm zufallen. Er hat leichtes Spiel und kommt bis zur Schwarzmeerküste. Aber das ist noch nicht alles: Er dringt im Westen bis nach Syrien vor, durchquert dieses und erreicht das Mittelmeer. �König der Welt, von Assyrien und Herrscher der vier Weltgegenden� nennt er sich nun. Tiglath-pileser war der Prototypus des Schreckensherrschers.

Er rühmt sich, die berühmten Zedern vom Libanon geschlagen zu haben für seine Hauptgötter, die ihm zugleich Schutzpatrone sind, Anu und Adad.

Er brüstet sich, Tribut von Gebal (Gubla; das griech. Byblos), von den syrophönizischen Stadtstaaten Sidon und Arados eintreiben zu könnenEntlang der Marschroute solcher Strategie erfolgt die Ausdehnung des assyrischen Imperiums. Wohl schon in der Jugendzeit des Samuel befand sich Assyrien in einem �dunklen Jahrhundert�, das etwa bis kurz nach der Zeit des (d.h. um Salomon 930) dauerte.

Somit war eine Bedrohung für Israel ein Jahrhundert auch nach der Teilung des Königreiches nahezu ausgeschlossen. � Hatte Tiglath-Pileser I. seine Armee fast bis zum Mittelmeer gebracht, war er doch noch weit im Norden von Palästina. Andere Interessen hielten ihn seinerzeit davon ab, es in seine Gewalt zu bringen! Bis zum Beginn des 9. Jahrhunderts stieg kein weiterer gleichartiger Heer führer auf; das bedeutete aber, dass Israels erste drei Könige von den Supermächten ziemlich unberührt bleiben konnten.

Dies ermöglichte auch die Erweiterung der Grenzen Israels unter David. Im Verlauf der Züge gegen die phönizischen Küsten- und Hafenstädte, Gebal (Byblos), Sidon und die Seefahrerstadt Arvad, die achtzig km nördlich von Gebal liegt unternahm Tiglat-pileser sogar eine Seereise, auf der seine Leute einen Wal gefangen haben sollen, den sie ihm dann schenkten. � Obwohl er die berüchtigte assyrische Schreckens-Herrschaft schon präfiguriert, muss man doch auch sehen, dass wegen der großen Völkerbewegungen damals zu seiner Zeit und vor allem wegen des Eisens, das notwendig für die zivilisierte Welt war und das im Gebiete der Hethiter hauptsächlich vorkam, die aufgrund der Eisengeräte auch die Möglichkeit besaßen weiter vorzudringen, Tiglath-pileser zu dieser offensiven Strategiepolitik förmlich gezwungen worden war. Auf diese Weise wollte er Mesopotamien vor Fremdeinflüssen und feindliche Überrumpelungsversuchen bewahren. Er war tiefer nach Kleinasien eingedrungen als irgendeiner seiner Vorgänger. Er musste mutmaßliche Invasoren zurückdringen, wollte er seine Herrschaf konsolidieren. Und Racheakte an den Verbündeten der feindlichen Truppen gehörten damals �dazu�. Er hate sich der Haupthandelsrouten des westlichen Asiens bemächtigt und so verhalf er dem emporsteigenden Assyrien auch zu materieller wirtschaftlicher Blüte. Er baute auch neue Tempel und war um die alten bemüht. Seine Nachfolger respektierten und achteten ihn, waren aber um etliches schwächer denn er selbst.

Hier zurück zum Anfang

Schalmanasser III.

Zu Schalmanasser dem III.: Innerhalb der Jahre 853 bis 841 zieht er viermal (!) gegen Damaskus:

Die Ergebnisse des ersten Feldzuges sind auf einer Monolith-Inschrift �verewigt�: Er zählt die Bundesgenossen auf, dann die Zahl der Kavalleristen und Soldaten, die er vernichtet haben mochte: dann heißt es:

�Um Kampf und Schlacht zu liefern, zogen sie mir entgegen. Mit der hohen Kraft, die mein Herr Assur mir gegeben, und den mächtigen Waffen, die mein Gott Nergal mir verliehen hat, kämpfte ich mit ihnen. Von Qarqara bis Gilzau brachte ich ihnen eine Niederlage bei. 14.000 seiner Soldaten streckte ich mit Waffen zu Boden, wie Adad ließ ich ein Unwetter auf sie niederregnen, ihre Leichen verstreute ich . . . mit den Waffen ließ ich ihr Blut fließen. Das Feld war zu klein für das Niedermetzeln, das weite Gelände reichte nicht aus, um sie zu begraben. Mit ihren Leichen dämmte ich den Orontes wie mit einer Brücke . . .�

Es existieren verschiedene Berichte von dieser ersten Schlacht um Damaskus und wie oben geschildert, liegen Fälschungen auf der Hand: die Zahl der Besiegten variieren zwischen 14.000 und 29.000.

Ahab von Israel

Ahab von Israel scheint beteiligt: Ahab hatte zwar schwere Sünden gegen Jahwe begangen, war aber dennoch ein fähiger Regent, hatte er doch das Bauprogramm seines Vaters fortgeführt. Ausgrabungen bei Samaria zeigten, dass Ahab eine starke geschickt angelegte Kasemattenmauer um die Akropolis oder das königlisch Stadt-Viertel, gelegt hatte. Es war eine Doppelmauer, die zweiteilig angelegt war: Im Norden der äußere Ring, ca. 1,8 Meter stark; die innere nicht ganz so dick. Der Zwischenraum zwischen äußerer und innerer Mauer betrug ca. sieben Meter. Ahab tat sich auch als wirkungsvoller Startege hervor. Er hatte aramäische Armeen geschlagen, wie es 1. Könige 20 geschildert wird. Der Aramäerfürst Ben-Hadad wird freilich später ausführlicher behandelt. � Die Aramäer suchten Gnade, woraufhin ihnen Ahab Milde gewährt. Welches aber war das Motiv für diese Nachsicht gegen die Aramäer? Ein Motiv kann man wahrscheinlich in der Bedrohung durch den großen Schalmanasser III. sehen (859 Regierungs-Antritt). Bezeichnend ist, dass wenig später, im Jahr 853, sowohl Ahab als auch Ben-Hadad in eine Koalition einwilligten, um Schalmanassers mächtige Armee aufhalten zu können, dies war bei Qarqar am Orontes. Zweitausend Streitwagen steuerte Ahab dazu bei und 10.000 Soldaten; Ben-Hadad hatte nur 1.200 Streitwagen und 1.200 Kavalleristen. Ferner aber 20.000 Soldaten. (A.N.E.T., Seite 278) Zeugnisse sind die Stele von Khurk und der sog. Schwarze Obelisk (Documents from OT Times [Winton Thomas], S. 46 f.). Ahab muss bei Ramod-Gil�ad sterben � im Gefecht, obwohl er durch Michajhu, den Propheten 1. Könige 22 auftaucht, gewarnt worden war, doch hatte er den Lügenpropheten, die Michajhu der pessimistischen Weissagung zeihen, mehr Glauben geschenkt! � Joschaphat, der König von Juda, hatte sich, um in dieser Schlacht ausreichend gerüstet zu sein, mit Ahab verbunden. Man lese dazu 1. Könige 22.

In 18 Jahren überschritt Schalmanasser III. sechzehn (!) Mal den Euphrat; beim vierten Male erwähnt er, ein Bild �seiner Majestät� im Vorgebirge Balirasi, zehn Kilometer nördlich von Beirut, aufgestellt zu haben, nachdem er Hazael von Damaskus in seiner Residenz Damaskus eingeschlossen hatte und zahllose Städte dem Erdboden gleich gemacht hatte. Tyrier und Sidonier machte er tributpflichtig, aber auch Jehu von Israel. Interessanterweise wird hier in dessen Namen auf die Dynastie des Omri hin gewiesen. Doch Jehu war es ja gerade, der die Omriden beseitigt hatte, der Assyrer nennt Jehu Iaua von Bît-Humri.

Prophezeiungen werfen manchmal auch einen Blick zurück: Gott hatte schon 20 Jahre zuvor prophezeihen lassen, dass die Omriden so bestraft werden würden. Schon Elia und Elischa hatten sie gedrängt und auf Umkehr von ihrem sündigen Wandel und ihres Baalskults hingewiesen.

Die Herrschaft der Omriden

Omri war ein so starker Herrscher, dass Assyrerkönige wie Adad-nirari III. (Anfang des 8. Jahrhunderts) und Sargon II. (Ende des 8. Jh.) Israel nur unter dem Namen �das Land Omris� kannten. Omri regierte 12 Jahre: 885 bis 874 (s. 1. Könige 16,23. Er errichtet nicht nur Samaria als Hauptstadt für Israel. Dies war � zumal nach der Spaltung des Reiches � wirklich eine gute Idee; denn Samaria ist rings von Bergen umgeben, diese Berge mussten von Aggressoren erst einmal erklommen werden. Aber nicht nur diese Tat vollbrachte er, eine weitere vortreffliche Leistung war die Eroberung von Moab.

Mescha, der König von Moab zu dieser Zeit, hatte beträchtliche militärische Erfolge zu verbuchen. Und so schrieb er eine Liste, den Mescha-Stein Moabs. In dieser Liste wird insonderheit Omri erwähnt, weil dieser Mescha auch stolz darauf war, das Joch Israels abgeschüttelt zu haben, das Omri dem Lande Moab auferlegt hatte.

Hierzu ein wertvoller archäologischer Fund als Referenz: Im Jahr 1887 untersuchte der französische Konsul Clermont-Ganneau, der beim französischen Konsulat in Palästina arbeitete, die sog. Moabit-Stele, die zwei Jahrzehnte vorher von einem dtsch. Missionar entdeckt worden war. Diesen schwarzen Basaltstein machte er der Öffentlichkeit bekannt.

Bibelforscher sind nun hier besonders an der darauf befindlichen Inschrift interessiert: Im Osten geht dem Nordreich an der Wende vom 10. zum 9. Jahrhundert Moab verloren. Dies bezeugt dieser Stein.

Im Jahre 850 musste diese Inschrift ausgeführt worden sein. Der Grund für die Unterdrückung Moabs durch Israel lag nach der Meinung des Königs Mescha darin, dass der Hauptgötze der Moabiter, Chamos seinem Volk zürnte.

Tatsache war, dass später auch Joram 852-841 Moab nicht zurückerobern konnte.

Omris staatspolitische Leistungen sind in der Bibel nur ganz knapp erwähnt, weil er vor Gotte gesündigt hat und �tat, was dem Herrn missfiel�. Er führte die Missetaten Jerobeams nicht nur fort, sondern �trieb es noch ärger� als jener; das bedeutet Aschera-Heiligtümer an allen Orten etc.

Wie ging es mit diesem eigenartigen Stein weiter?

Die Araber zertrümmerten den Stein, und Clermont-Ganneau musste die Trümmer wieder zusammenfügen. Der biblische Bericht über Omri und seine Nachfolger wird somit dadurch bestätigt. Heute steht diese Stele aus Moab im Louvre zu Paris.

Elischa selbst veranlasste die Salbung des Jehu als König an Jehorams statt (2. Könige 9). Jehu war Jehorams Hauptmann noch bei Ramod-Gilad gewesen. Er war bereit, diesen Titel anzunehmen. Seine Leute hatten rasch den Jordan Richtung Jesreel-Ebene überschritten, um die Kommandos auszuführen. Jehoram selbst wurde damals als erster getroffen und an ihm wurde die Weissagung des Elia vollstreckt. Er wurde in das Gefilde von Nabod geworfen. (1. Könige 21)

Das Ende von Ahabs Söhnen

Und die Hunde vertilgten das elende Fleisch der Jesebel, wie Elia es vor langer Zeit vorhergesagt hatte. (1. Könige 21, 23).
Die verf�hrerische Sch�nheit Jesebel (vgl. auch Psalm 52,6: �Du hast alle Worte des Verderbens geliebt, du betr�gerische Zunge�)
Ahabs siebzig Söhne wurden von samaritanischen Führern getötet. Ihre H�upter wurden Jehu in der Ebene von Jesreel überbracht. Es war dies ein in Israels Geschichte außergewöhnliches Blutbad, das hier an einer vorhergehenden königlichen Familie angerichtet worden war. Es waren ferner auch zweiundzwanzig Verwandte des Ahazija getötet worden auf dem Wege nach Samarien, die die beiden Könige, von denen sie nicht wussten, dass sie bereits getötet waren, aufsuchen wollten.

Assur und Israel zur Zeit des Jehu

Vier Generationen der Familie des Jehu sollten ihm auf seinen Thron folgen. Aber es folgten schlimme Zeiten: Während Jehus Regierung litt Israel schwer unter der assyrischen Bedrohung. Von den Invasionen weiß man nur von den Berichten auf den Monumenten des Salmanasser III. Dieser war derselbe Assyrer, gegen den Ahab und Ben-Hadad (Adad-idri) in besagter Koalition bei Qarqar zwölf Jahre zuvor gezogen waren.

Monumente des Salmanassar III.

Wie erwähnt, führte Schalmanasser III. seine riesige Armee erfolgreich gegen Damaskus und er zwang auch Jehu in Israel, einen hohen Tribut zu leisten. Wie erwähnt waren auch Tyros und Sidon auf der Tributliste des Schalmanasser. Ein schwarzer Stein, der Schwarze Obelisk mit vier Seiten und fünf Relief-Reihen an der Basis mit Inschriften in Keilschrift, die auf allen Seiten zur Er läuterung des Dargestellten dienen, wurde 1846 in Nimrud gefunden. Auf der zweiten Kolumne der einen Seite taucht nun der Name Jehus auf; und er repräsentiert als einziger einen israelitischen König. Heute ist der Stein im Bitish Museum zu bewundern. (Dazu Bilder in A.N.E.P., Seite 351. Abgebildet sind auf dem Basisrelief die Tributpflichtigen, die eine Zahlung ihm leisten müssen.)

Hier beansprucht Salmanassar. III. zwar nicht, eine Zerstörung Israels erwogen zu haben, aber die hohen Abgaben, die er fordert, sind demütigend und auch wirtschaftlich gesehen von katastrophalen Auswirkungen.

Drei Jahre später macht Schalmanasser einen weiteren Angriff. Dies geschah in seinem 21. Regierungsjahr. Aber hiervon weiß man keine Einzelheiten. Eine Generation jedoch kam keine assyrische Armee mehr nach Israel.

Eine Schwäche der Regierung Jehus war, dass er mehr umgebracht hatte, als Gott befohlen hatte. Unnötigerweise hate er viele von denen getötet, die ihm in Notlagen hätten beistehen können. Darunter hauptsächlich Beamte aus Jesreel und Samaria. Erfahrene Leute kann man eben nicht so schnell ersetzen.

Adad-nirari

3. An assyrischen Monarchen wäre jetzt noch Adad-nirari zu erwähnen, der 803 Damaskus attackierte. Für Israel bedeutete dies fast schon eine Befreiung von der aramäischen Bedrückung. So musste damals Israel eine Verwüstung, die Damaskus erleiden musste, nicht erdulden. Dieser aramäische Staat ist sehr vernichtend geschlagen worden. Das stärkte auf der anderen Seite wiederum die Posi tion Israels.

Zurück zum Anfang

Tiglath-pileser III.

4. Tiglath-pileser III.: Im Jahre 722 verfiel Samaria, die Hauptstadt Israels, der assyrischen Großmacht. Es war dies die Regierung des Rehobeam, dem II. Menachem begründete Israels siebte Herrschaftsfamilie. Insgesamt regierte er zehn Jahre. 2. Könige 15 heißt es, er kam aus Tirza, wo er möglicherweise bereits eine beherrschende Stellung eingenommen hatte, und er tötete Sallum in Samaria.

Während Menachems Herrschaft ab 752 mussten Völker entlang der Mittelmeerküste die militärische Stärke der Großmacht Assyriens erfahren. Assyriens stärkster König war möglicherweise Tiglath-pileser III, der sich auch Pul nannte; dieser Bezeichnung begegnen wir auch in Babylonien, nicht nur in der Bibel, und man kann annehmen, Tiglath-pileser hat die Bezeichnung �Pul� erst bei seiner Inthronisierung angenommen, wollte er doch damit bekunden, dass er dem Adad-nirari, den er als großen Eroberer be wunderte, in die Fußstapfen treten werde. Adad-nirari trug nämlich als erster diesen Namen �Pul�. Sein Name bedeutete�meine Hilfe ist der Sohn des Escharra� Er gilt als der Begründer des Neuassyrischen Reiches; eine taumelnde, wankende Nation verwandelte er in einen imperialistischen Staat. Seine Vorgänger nahmen sich im Vergleich zu ihm recht schwach aus. Er führte eine Erneuerung des assyrischen Reiches herbei: In Babylonien hatte er erste Erfolge verzeichnet. Ebenso übrigens gegen die Urartäer im Norden. Doch nun überschritt er den Euphrat und kam wieder Richtung Westen. � Waren frühere Könige der Assyrer mit Tributzahlungen zufrieden, so mussten sie auch mit Revolten rechnen. Tiglath-pileser III. wandte ein hingegen ein probates Mittel an: Er machte die Unter worfenen gleich zu Provinzen und deportierte sofort die Einheimischen, so dass sie erst gar nicht auf den Gedanken einer Revolution kommen konnten. Diese Eroberungs- und Deportationspolitik ist dann freilich von den Nachfolgern des Tiglath-pileser kopiert worden. Sein Kommunikationssystem zwischen Residenz und Provinzen war nahezu perfekt! Beständig eilten Boten und Kuriere mit Sendschreiben hin und her.

Zurück zum Anfang!

Rezin von Damaskus

743 erreichte er Israel und Menachem sah sich bedroht. Er konnte sich Israel nicht als Provinz einverleiben, doch trieb er von Menachem Tribut ein. Rezin von Damaskus, Hiram von Tyros, Pisiris von Karchemisch war die illustre Reihe von Regenten, die dasselbe Los wie Menachem teilen mussten. Also hatten die Begüterten Israels eine Steuer von 50 Schekel zu zahlen als eine neue Steuer, um den Tribut auftreiben zu können.

Aber Menachem wurde nur ein weiterer Vasall des assyrischen Herrschers. 2. Könige 15. 19. 20.
Merrill F. Unger meint, dass diese Pro-Kopf-Steuer eine anti-assyrische Partei in Israel entstehen ließ und dies habe den Weg gebahnt für die Revolution Pekachs (Israel und die Aramäer S. 9. Und tatsächlich hatte Pekach eine starke anti-assyrische Position, als er in Samarien könig war. Er verband sich mit Rezin von Damaskus gegen die Assyrer. (2.Kön 15,37)

734 aber kam Tiglath-pileser III. und warf die aufrührerische Allianz nieder. Zwei Jahre später 732 belagerte er Damaskus erneut � nahm die Hauptstadt und verwüstete das Land und tötete den Rezin. Pekach in Israel wurde von Hosea, der dem Pekach dann folgte, umgebracht. Aber natürlich hätte es auch der assyrische Eroberer getan. Und in der Tat beansprucht in seiner Stele auch Tiglath-Pileser auch, den Hosea auf Israels Thron gesetzt zu haben. Wir glauben aber der Bibel, denn wir bleiben betreffs 2. Könige 15 im Rahmen der Bibel.

Hosea

In 2. Könige 15, 30 erfahren wir vom Ende des Pekah, Sohn des Remalija; Pekahs Name merkwür digerweise bedeutet, Gott hat �die Augen geöffnet�. �Und Hosea . . . machte eine Verschwörung gegen Pekah, den Sohn Remaljas, und schlug ihn tot und wurde im Jahre 732 v. Chr. König an seiner statt, im 20. Jahr des Jotham (König des Südreiches)�. Nun wurde freilich Hoschea , der letzte König von Israel, der persönliche Repräsentant des Tiglath-pileser III.

Man muss bedenken, dass Assyrien in den vierzigJahren nach der Thronbesteigung des Tiglath-pileser III. die Herrschaft erst konsolidieren musste, um erst dann wieder unangefochten die bedeutendste Militär- und Wirtschaftsmacht im Vorderen Orient werden zu können. Tiglath-pileser III. unterzog den Beamtenapparat einer konsequenten Reorganisation und machte die Verwaltung effizienter, indem er die Provinzen verkleinerte; denn er wollte keinesfalls, dass die Provinzgouverneure zuviel Macht erhielten!

Die Urartäer aren übrigens einer der Hauptgegner Assyriens und so auch des Tiglath-pileser. Sie bedienten sich einer nicht-indoeuropäischen (dem Churittischen ähnlichen) Sprache und benutzten die neuassyrische Keilschrift! Auch wurden assyrische Königsinschriften von den Urartäern einfach kopiert. Diese zwei Umstände und das Vorliegen von zweisprachigen Texten (assyrisch-urartäisch!) hat die Entzifferung dieser Texte sehr erleichtert. Staatssprache wurde das Urartäische in Ostanatolien und dem gebirgigen Armenien. Aber es sind viele wirtschaftliche, d.h. für uns aussagefähige Texte verlorengegangen, und es haben sich hauptsächlich die magischen erhalten, die leider sehr schwer verständlich sind, was eben in der Natur Sache liegt.

Die Annalen des Tiglath-pileser III.

Die Annalen des Tiglath-pileser III., des Gründers des neuassyrischen Reiches, sind etwas fragmentarisch. Er muss sehr früh, wohl in seinem 2. Regierungsjahr in Syro-Palästina interveniert haben. Jesaja 23, 5 lesen wir:

�Sobald es die Ägypter hören, erschrecken sie über die Kunde von Tyrus. Fahret hin nach Tarsis, heulet, ihr Bewohner der Küste!�
Es bezieht sich dies Propheten Wort wahrscheinlich auf ein Embargo für den Export nach Ägypten oder zu den Philisterstädten. Es hatte ja in den Seehäfen Tyros und Sidon Tumulte gegeben; Tiglath-pileser III. sah sich gezwungen, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Doch die Besetzung von Tyros und Sidon mit Truppen rief bei der dortigen Bevölkerung eine Panik hervor. So wird jedenfalls dem Könige berichtet.

Tumulte: Es gab natürlich einen Anstifter für diese Tumulte. In den Annalen des Assyrers erscheint ein gewisser Ariau von Yaudi. Aber nicht etwa König Usijavon Juda war es gewesen, sondern Azriau (Azarja) von Yaudi, ein Usurpator eines kleinen unabhängigen Staates hatte die nordsyrischen Stadtstaaten dazu angestiftet. Eine Identifikation dieses Usurpators und des aus 2. Chronik 26, 6-15 bekannten Soldaten und Staatsmannes Azarja (Usia: 769-737) von Juda muss zurückgewiesen werden.

Unter den chaldäischen oder neubabylonischen Stammesfürsten wussten die Assyrer Zwietracht zu sähen und ein filmreifes Intrigenspiel nahm seinen Lauf. So kam es schließlich dazu, dass der ehrgeizige Fürst Marduk-apil-idin der in der Bibel Merodach-Baladan heißt und ein brillanter Diplomat war, eine Rebellion anzettelte. Tiglath-pileser III. jedoch plante eine Strategie, die sich als äußerst wirkungsvoll erweisen sollte. Über den Tigris drang er nach Babylonien ein. Und siehe da: Die Rebellen mussten die Flucht ergreifen und konnten sich bis zum unteren Euphrat flüchten. Dort wurde das Territorium dieser Chaldäerstämme verwüstet. Das Stammesgebiet des Marduk-apil-idin aber wurde nicht attackiert. Marduk-apil-idin erwies sich verschiedenen assyrischen Herrschern gegenüber als äußerst unbequemer und aufmüpfiger Gegenspieler.

Babylon unter assyrischen Satrapen

Im Jahr 729 fiel Babylonien an assyrische Verwaltungsbeamte. Der Nationalgott Babylons, Marduk, ging in die Hände der verhassten Assyrer. (vgl. hierzu: Daniel Block: �The Gods of the Nations�). Das aber bedeutete nichts anderes, als dass ein assyrischer Herrscher König von Babylonien wurde. In den 30-er Jahren des 8. Jahrhundert hatte Tiglath-pileser in riesigen Feldzügen die Bevölkerung Transjordaniens undund die Stämme im nördlichen Teil Israels besiegt. 2. Könige 15, 29:

�Zur Zeit des Pekach kam Tiglath-pileser, eroberte Ijjon ... Gilead und Galiläa und das ganze Land Naphthali und führte die Bewohner in die Verbannung nach Assyrien.�
Die Parallele 1. Chronik 5, v. 6 und 26 erwähnt hier den Fluss Gozan: Guzana im Quellgebiet des Chabur, nahe der türkischen Grenze (aber noch syrisch) ist gut ausgegraben worden! Die Stätte heißt heute: Tell Halaf. Im Jahre 808 wirde Guzana Verwaltungszentrum der gleichnamigen assyrischen Provinz. (s. a. Jesaja 37, 12!) Bedeutsam sind bei den von 1899 bis 1929 währenden Ausgrabungen freilich die Tempelanlage und ein kleines Tontafel-Archiv. Der deutsche Archäologe Freiherr von Oppenheim nennt den Tell Halaf �eine neue Kultur im ältesten Mesopotamien�. Es sind Buntkeramik-Mauerreste aufgefunden worden. Monumentale Bildwerke und kolossale Göt terstatuen umsäumen das neun Meter breite Tempelpalast. � Älteste Besiedlungsreste von Menschen überhaupt (Anfang 4. Jahrtausend).

Die Total-Lösung

5 Jahre vor seinem Tod hat er das Werk der Verwüstung vollendet. Somit ist beim Tod des Tiglath-pileser III. 727 v. Chr. ein assyrisches Imperium zustande gekommen vom persischen Golf bis zu den Grenzen Ägyptens und umfasste auch westliche Teile Anatoliens und Kilikiens, der südöstlichen Gegend Kleinasiens also, wo auch des Paulus Heimat Tarsus gelegen ist und wo er später (s. Apg. 15) dann Gemeinden beraten hat, und wo Cicero einmal Konsul gewesen war und das Klima, das angenehmer als dasjenige Roms war, genoss.

Schalmanasser V.

Unter Hoschea, im Jahr 732 seine Inthronisation, war nur wenig von der Israel geschenkten Ehre übriggeblieben, die es unter Jerobeam II. (793�753) � also der vierten Generation der Dynastie Jehus � gehabt hatte, oder besser gesagt: wenig von der erbarmenden Zuwendung des Herrn, der damals für das Weiterbestehen des Namens seines auserwählten Volkes gesorgt hatte und Warenaustausch mit den Nachbarvölkern ermöglicht hatte. Und es ist wahr geworden, was wir 2. Könige 17, 14 und 20 lesen:

�Aber sie gehorchten nicht, sondern versteiften ihren Nacken wie ihre Väter, die nicht an Jahwe, ihren Gott, geglaubt hatten ... Darum verwarf Jahwe den ganzen Samen Israels und demütigte sie und gab sie in die Hand von Plünderern, bis er sie von seinem Angesichte weggestoßen hatte.�
Hoschea regierte � wie wir ja wissen � in Samaria, und er revoltierte wieder einmal gegen die verhassten Assyrer, denen er sich aufgrund von utilitaristischen Gesichtspunkten unterworfen hatte.

Hoseas Pakt mit Ägypten

Salmanasser V. befand sich seit dem Jahr 727 v. Chr. auf dem Herrschersitz Assyriens und war als Sohn des Tiglath-pileser diesem gefolgt. Törichterweise ging Hosea einen Pakt mit Ägypten ein. Denn Ägypten war zu der damaligen Zeit geschwächt, aber es war schon deswegen sehr ungeeignet, dem Hoschea Beistand zu leisten. Aber Hoschea fühlte sich durch diese Allianz stark und so weigerte er sich, den jährlichen Tribut an den Assyrerherrscher zu zahlen. So marschierte im Jahr 724 Schalmanasser V. in Israel ein - Hoschea brachte ihm die überfällige Zahlung entgegen, doch das reichte dem Assyrer nicht mehr: Hoschea wurde gefangen genommen und ist so auch wohl gestorben. Schalmanasser zog weiter nach Samaria und belagerte die Hauptstadt.

Freilich - er erwartete, dass sie sehr bald schon sich ergeben würde, nachdem ja nun der König des Nordreichs ja bereits im Gefängnis saß. Jedoch - Samarien widerstand erfolgreich! Und so dauerte die Einnahme 724 bis 722, also zwei Jahre lang. Das bedeutet: von Hoscheas siebtem Regierungsjahr bis zum neunten (2. Könige 17,6 und 18, 9).

Der Untergang von Samarien

Doch dennoch musste Samaria schließlich fallen. Dieser Fall Samarias bedeutete das Ende der Souveränität Israels. Hier müssen wir wieder bedenken, dass wir es bei den assyrischen Berichten, hauptsächlich bei denen über ihre militärische Erfolge mit ideologischen Urkunden zu tun haben. So sagt Sargon II., Nachfolger des Schalmanasser, er sei derjenige König gewesen, unter dem Samarien fallen musste: �Die Samarier, die die Untertänigkeitsbezeugungen und das Senden von Tribut eingestellt hatten und rieg führten - in der Kraft der großen Götter kämpfte ich mit ihnen. 27.280 Leute . . . erbeutete ich. (Einen Teil) siedelte ich in Assyrien an. Samaria machte ich indes größer als zuvor, und Bewohner von Ländern, die meine Hand erobert hatte, ließ ich darin einziehen . . . Ich bewirkte, dass der Schreckensglanz Aschschurs, meines Herrn, die Einwohner von Ägypten und Arabien überwäl tigte . . . � So die keilschriftlichen Annalen Sargons (Galling, S. 60).

Zurück zum Anfang!

Zerstörung der Hauptstadt des Nordreiches

Jedoch ist die Zerstörung der Hauptstadt des Nordreichs ist sicher dem Schalmanasser zu �verdanken�. Es ist anzunehmen, dass Schalmanasser zur Zeit der Zerstörung Samariens noch immer regiert hat. So besagt ja auch 2. K�nige 17, dass er, Schalmanasser, Samarien einnahm (frühere Aufzeichnungen Sargons II.sagen nichts darüber aus, dass er Samarien genommen habe). Nur Texte aus Sargons 15. und 16. Regierungsjahr, die ganz offensichtlich Spiegel seiner großen militärischen Leistungen sein sollten, besagen dies. Sargon an sich hat nicht vor dem Dezember 722 zu regieren begonnen. (Das ist aber zu spät, um als Hoscheas neuntes Jahr, in dem der Fall Samariens sich ereignete, angesetzt zu werden. Nun, wir wissen heute: Sargon II. von Assyrien hat sich einiger Kriegsleistungen gerühmt, die seine Vorgänger vollbracht hatten!

Im übrigen war die Regierung des Schalmanasser V. kurz und ist auch dokumentarisch nur spärlich belegt (s. H. F. G. Saggs, Mesopotamien). Doch die volle Wucht des unaufhaltsamen Eindringens der assyrischen Welt in die israelitische ist eben jetzt, als Samaria gefallen war, zutage getreten - und die Tragik in ihrer ganzen Tragweite. Man wird sich vorstellen können, dass auch im judäischen Bruderreich diese Katastrophe einen furchtbaren Eindruck hinterlassen haben muss, denn die sozialen und geistlichen Ban de waren ja doch noch da, trotz der zwei Jahrhunderte alten Rivalitäten beider Reiche. Auch die Judäer mussten hier die drohenden Schatten ihrer eigenen Katastrophe und ihres Exils in diesem Sturz des �ungleichen Bruders� erblicken! Dies obwohl sich Jerusalem gegenüber Assyrien ergeben zeigte.

Auf diesem Hintergrund muss man die Worte der Propheten � von Jesaja bis Micha � sehen, die zur Umbesinnung auf Jahwe riefen und in Gottes Auftrag ein Bündnis mit anderen Völkern (in der Form einer anti-assyrischen Allianz oder aber mit Assyrien selbst, wie bei Jesaja) strikte zurückwiesen.

Sargon II.

Nach dem Fall Samariens erfolgten die üblichen Depotationsmaßnahmen, dies ist wiederum Sargons II Annalen zu entnehmen (der natürlich indes auch Bevölkerungsteile deportiert haben kann). �Die zehn verlorenen Stämme Israels,� heißt es bei Saggs, �wurden in einer Zwangsumsiedlung in die Provinz Gozan und in das Gebiet südöstlich des Urmiasees gebracht.�

Merodach-Baladan

Zur Zt. Sargons II. hat Marduk-apil-idin oder Merodach-Baladan, ein brillianter Diplomat, sich eine starke Position ausgebaut. Er ging eine Allianz mit Elam ein, nahm dann Babylon ein und beanspruchte den Thron für sich. Natürlich reagierte Sargon II., aber das Elamitische Heer trat ihm bei Dêr entgegen. Die Assyrer kehrten um - und Marduk-apil-idin konnte zehn Jahre lang als König regieren! In wirtschaftlicher Hinsicht hatte er jedoch überhaupt keinen Erfolg.

Die Urartäer oder Urartu, gelegen in der heutigen Türkei und auch in Russland, die neuerdings, in den letzten Dekaden durch Ausgrabun gen wiederentdeckt und als Großmacht aus dem Norden in ihrer vollen Bedeutung erkannt worden ist, machten Sargon II. sehr viel Kopfzerbrechen. Im 8. Jahrhundert v. Chr. benutzten die Urartäer bereits Bronze und fanden weite Verbreitung. Möglicherweise importierten sie schon Seide aus China.

Der Prophet Jeremia erwähnt sie als Antipoden der Assyrer: Jeremia 51, 27 ist ja die prophetische Erinnerung an Gottes Erwiderung, die er an den Völkervielfraß Nebuchadnezar richtet:

�Heiligt die Völker zum Kampf gegen die Stadt Babel! Ruft gegen sie (Babylonien) die Königreiche Ararat, Minni (die Minnäer) und Aschkenas! Sammelt Kriegsleute gegen sie, bringet Rosse herauf, zahlreich wie Heuschrecken!�

Die Minni oder Minnäer - die übrigens auch Josephus Flavius erwähnt (Antiquitates I 3, 8) - hatten ihr Stammesgebiet in Armenien in den Seeregionen (an Van-See und Urmiasee, dem östlichen der beiden Seen) und waren von Schalmanasser III. im Jahr 830 überrannt worden. Sie hatten, unterstützt von den Urartäern, der Bevölkerung des Ararat mit denen sie koalierten (der gewaltige Urartu-Fürst Rusa) 115 Jahre später eine Revolte angezettelt. Sargon reagierte rasch und zog gegen die Minnäer (Mannäer, Armenier). Bei dem Volksstamm, der sich von Gomers Sohn Aschkenas(assyr. Aschkuz) herleiten kann, handelt es sich wohl um die Skythen, die in der nachbarschaft von Urartäern und Minnäern, südöstl. des Van-Sees lebten. Es ist wohl das Gebiet der ht. Ukraine. Wegen ihrer rüden und urplötzlich hereinbrechenden Ausfälle auch gegen größere Territorien wurde ihr Name oft gleichbedeutend mit die Barbaren schlechthin.

Doch befand er sich hier, südlich des Urmia-Sees in unwegsamem Gebirge im Süden der ehemaligen UdSSR, was ihm nicht wenige Schwierigkeiten bereitete. Aber mit Hilfe von Elitetruppen gelang es ihm doch noch, einen Flügel der feindlichen Armee zu verletzen. Und die vereinigten Urartäer-Minnäer wurden von Sargons Heer zerstreut, stürzten sich in wilde Flucht und flüchteten sich in die Berge. Nach dem Bericht Sargons starb Rusa �vor Trauer und Niedergeschlagenheit�.

Zurück zum Anfang

Sancherib 704-681

Nasenring und Zaumzeug

Gottes Wort gegen Sancherib, den König von Assur, wird in Jesaja 37,29 berichtet:

�Wegen deines Tobens gegen mich, und weil mir dein Übermut zu Ohren gekommen ist, werde ich meinen Ring in deine Nase legen und meinen Zaum an deine Lippen und werde dich zurück führen auf dem Weg, auf dem du gekommen bist.�

Die Stelle beschreibt, wie ein Ring in der Nase eines Ochsen und der Zaum im Maul eines Pferdes das jeweilige Tier dazu bringt, den Befehlen eines Arbeiters oder Kriegers zu gehorchen. Wir sollten hier auch an die geistliche Anwendung denken, nicht nur an eine fleischliche, in der wir jemanden zu etwas zwingen. Das Bild will den Sieg beschreiben, der den Armeen Gottes über seine Feinde verliehen ist.(1) Sancherib war Sargons Sohn, und Hiskia war zu seiner Zeit K�nig von Juda 715-686).

Man forderte ihn auf, sich auf eine Allianz mit Aschdod einzulassen, doch war er so weise, sich hier herauszuhalten. Jesaja hatte ihm (Jesaja 20) dazu geraten. Hiskia von Juda war sehr stark anti-assyrisch gesinnt; er kurbelte die Waffenproduktion wieder an, die Militärmacht und die Befestigungen wurden forçiert. - Die kluge und tapfere Tat Hiskias bei der Quelle von Gihon wird bei der Besprechung der judäischen Städte behandelt werden.

Sancheribs erste Herrscherjahre waren davon geprägt, dass er die Absicht verfolgt hat, die assyrische Herrschaft über Babylon wiederzuerlangen. Er wollte damit die letzten Probleme, die Sargon ihm hinterlassen hatte lösen; seine Ruhmsucht vertrug es nun gar nicht, dass er das wieder aufblühende Babylonien unter einem so fähigen Führer wie Merodach-Baladan - er war aus dem Bezirk Kardunjasch nahe des persischen Golfs gekommen - mit dem alliierten Gebirgsvolk von Elam nationalistische Gefühle emporkom men ließ. Im Jahre 701 vermochte er die neunmonatige Revolte im Westen niederzuschlagen. Er hinterließ einen Bericht auf einem bekannten Ton-Prisma, dem sogenannten Taylorprisma, (jetzt im British Museum) eine Inschrift, um seine militärischen und seine architektonischen Leistungen hervorzuheben.

Nach Auskunft des Taylorprismas, sah Sancherib sich gezwungen, auch einen Aufstand der Tyrier niederzuschlagen, und Luli, der König von Tyros entkam nach Zypern. Eine vollständige Kapitulation der Allianz! Sie bestand insgesamt aus den Herrschern von Byblos (Gublu), Arvad, Edom, Moab und Ammon. Dann führte Sancherib sein Feldzug an der Mittelmeerküste entlang. Er rächte sich bitter an der Hafenstadt Aschqelon, die nahe der Philistermetropole Aschdod liegt, indem er den König Zitpia nach Assyrien deportierte.

Die Belagerung von Lachisch

Nun wandte sich Sancherib nach Jerusalem. aber nun ist es ja so gewesen: Er wurde bei Lachisch aufgehalten.(2)

Er spricht in seinem Bericht auf dem besagten Taylorprisma (oder Taylor-Zylinder) freilich keineswegs davon, wir erfahren dies vielmehr aus 2. Könige und Jesaja 36,37. Drei hohe assyrische Beamte, Turtanu (3), sollten eine Art psychologische Kriegsf�hrung gegen Hiskia und seine Leute vollstrecken.

Sie bedrohten ihn; gleichzeitig lästern sie dabei Jahwe, denn sie behaupten, kein Gott könne es mit den Assyrern aufnehmen. Sie brüsten sich ihres Götzen Assur! Und tatsächlich muss das Volk in Furcht und Schrecken geraten sein, denn Hiskia sah sich veranlasst, im Tempel inbrünstig zu beten (s. 2. K�nige 19, 14-19), woraufhin er sich mit Jesaja beraten kann, dem Sohn des Amoz. Und Jesaja sagt ihm einen Spruch Jahwes, ein Wort von Gott her. Die Zuchtrute Gottes in Gestalt des Sancherib solle weiterhin nicht über Jerusalem herfallen. Hiskia steht in der Linie des David, und es sollte uns nicht entgehen, dass dieser Spruch durch Jesaja auf die Prophezeiung des Immanuel 9,6 hinweisen. Jahwe Zebaoth will den Assyrer demütigen.

Hiskias Widerstand

Unter Hiskia sollte der Assyrer - so hat es Jahwe gewollt - noch nicht obsiegen, Juda nicht unterworfen und Jerusalem noch nicht genommen werden, sondern erst 49 Jahre sp�ter, z. Zt. des zwielichtigen Manasse unter Aschschurbanipal!

Die Bibel verweist uns nun unzweideutig darauf, dass Sancheribs Konfrontation mit Tirhaqa von Ägypten (� 663 in Oberägypten, sein Nachfolger Psammetichs) der Einnahme von Lachisch unmittelbar gefolgt war. Dieser äthiopisch-ägyptische Prinz war gegen ihn aufgezogen, und Sancherib sieht erst einmal von der Schwerpunktsetzung Jerusalem ab, denn er hält es für riskant, die Konfrontation mit Tirhaqa zu suchen, ohne dass Jerusalem in seiner Macht sich befinde.

Der Zug des Sancherib

Dies geschah bei der Invasion nach Juda 701. Schon hieraus erhellt, dass es blo� Sancherib im Jahr 701ein einziger Feldzug des gewesen sein muss, nicht zwei (voneinander zu unterscheidende) Züge, wie einige vermuten. Um 680 fand keine Invasion des Assyrers statt. Nach der ägyptischen Kawa-Stele war Tirhaqa damals bereits �ein reizender Jüngling� und hatte das Recht, sich Majestät (gelegentlich seines Aufenthaltes in Nubien) zu nennen. Und als solcher war er in der Lage, als Kronprinz, freilich nicht als Pharao, die ägyptische Armee zu befehligen. Viele setzten wegen unsorgfältiger Beachtung der Kawa-Stele bei der ersten paläographischen Untersuchung das Alter des ägyptischen Prinzen zu jung an (erst neun Jahre alt!) und kamen so auf eine folgenschwere Fehlinterpretation. Er wird auch als König von Äthiopien � dem biblischen Kusch � im Text bezeichnet, nicht als König von Ägypten (cf.: Prinz Charles nicht von Großbritannien, sondern �Prince of Wales�!).

Sancherib berichtet in seinem Monument darüber, wie er der ägyptischen Armee begegnet sei und in El-Tekech bei Ekron sie habe schlagen können. - Nach dem biblischen Bericht ist es ein Engel des Herrn, durch den 185.000 Soldaten des Sancherib geschlagen worden, anscheinend durch eine kolossale Plage. - Ein urplötzliches Ende der Aktivitäten des Sancherib!

Er muss nach Ninive umkehren, wo er später, nach Unterdrückung eines Aufstandes Moabs 690 und der Zerstörung des so ruhmreichen Babylons im Jahre 689, stirbt. Natürlich erwähnt dies Sancherib bei der Aufzählung seiner ruhmreichen Kriegstaten nicht, was nur allzu verständlich ist. Er umgeht dieses historische Faktum, er erhebt aber auch nicht den Anspruch, Jerusalem erobert zu haben! Er sagt in dem Monument nur, er habe Hiskia zu Jerusalem �wie einen Vogel in einem Käfig gefangen�.

Herodot

Hier ist es Herodot, der im 2. Buch der Historien den biblischen Bericht in gewisser Hinsicht sogar stützt! Herodot, der �Vater der Geschichtsschreibung�(4) vermutet ebenfalls, es habe sich um eine Plage gehandelt, und zwar eine solche, die von Ratten und Feldmäusen verursacht worden war, hat aber doch eine indirekte Bestätigung des biblischen Wunders, denn dies ist zumindest etwas, was man hinsichtlich eines solchen Wunders auch erwarten könnte.

Sancherib kann noch einmal triumphieren gegen eine starke Allianz von Elamitern, Babyloniern, Aramäern und Medern 691. Er war, wenn man von dem Ausbau Ninives zu einer Gartenstadt einmal absieht, aber vorwiegend in zerstörerischer Weise aktiv und hat so den Ruin es Imperiums der kommen sollte, nur hinausschieben können.

Er hielt die Einwohner Babyloniens wegen ihrer häufigen Tumulte gegen die assyrischen Diktatoren und wegen ihres Patriotismus für Teufel, die nur Leidenschaften hätten, die es zu bändigen gelte und legte die einst unbesiegbar scheinende Babylon in Schutt und Asche. Dies geschah 689 v. Chr. Doch dies war ein Akt von irrwitziger Rachsucht. Seinem Sohn und Nachfolger Essarhaddon un terstellte er ganz Babylon.

Über 681, das Todesjahr dieses destruktiven Herrschers, schweigen sich die Inschriften aus, doch die Bibel sagt uns, wie es wirklich zugegangen war: 2. Könige 19, 37 muss er sterben durch die Hand seiner beiden Sohne (Adrammelech und Scharezer) während er seinem Götzen huldigte. Kurz nach seinem Tod gab es - nach dem Alten Testament - noch einmal militärische Aktionen, in die hinein Essar-Haddon ver wickelt war. Die Mörder des Sancherib flohen nach Armenien (Urartu). - Und nun wurde Essar-Haddon vom assyrischen Volk akzep tiert.

Der oben im Zusammenhang von Jesaja 39, 1-7 erwähnte Merodach-Baladan, Sohn des Baladan, regierte Babylon von 721-710 (Ende durch Sargon) und dann wieder - sehr ungemütlich für die Assyrer! - von 703-702. Nach 702 opponiert er weiter gegen die assyrische Kontrolle, als Flüchtling in Elam. Während dieser Zeit dachte er wohl an die Unterstützung Judas durch Vermittlung seiner Diplomaten. Denn er hatte gehört, dass Hiskia krank gewesen sei.

Zurück zum Anfang!

Esar-Haddon

Zunächst seine Regierungszeit: 681/680 bis 669. Auf einer Stele ist er abgebildet, wie er zwei königliche Gefan gene am Zaumzeug hält. Das ist ebenso in der Sprache der Bibel (vergleiche etwa den Spruch Jesajas, s.o.). Er hatte nun die Armee zu säubern, die mit den Mörder-Söhnen des Sancherib revoltiert hatten. Natürlich mussten die Re voluzzer hingerichtet werden, wie es eben in der Antike üblich war. Die assyrische Position war nun freilich sehr stark. Die Elamiter starteten eine Aktion, die sich aber als nur zeitweiliges Intermezzo erwies.

In maßloser Weise metzelt Manasse seine Gegner hin und vergießt viel unschuldiges Blut, vielleicht auch - so will es jedenfalls die Tradition! - den Jesaja umgebracht, betreibt Magie, Spiritismus, wie keiner zuvor und huldigt dem Melqart, ja dies in höherem Grad als die Heiden, die ihrer Besitztümer durch Israel verlustig gegangen waren.

Wie denn auch die Schrift sagt, 2. Könige 21,K�n 21, 7.9:

�Er tat viel B�ses in den Augen Jahwes, um ihn zu reizen; er besudelte Jahwes heiligen Namen und Tempel mit einem Aschera-Bildnis, und der Aschera musste er auch einen Tempel gestiftet haben. Und er verleitete sie, mehr B�ses zu tun, als die Nationen, die Jahwe vor den Kindern Israels vertilgt hatte�. Ausreichend ist er von Propheten (2. Chronik 33,10) gewarnt worden, von seinem s�ndhaften Weg abzulassen: Micha, Jesaja und vor allem durch Nahum; jedoch tat er nicht Bu�e. Der Zorn Gottes lie� nicht auf sich warten: 2.Chronik 33.
Als �Zuchtrute� gebraucht Gott einen assyrischen Herrscher. Hier muss man wissen: Esar-Haddon hat Babylon wiederherstellen lassen, nachdem Sancherib es v�llig verw�stet hatte. So ist Babylon damals ein Bestandteil des assyrischen Herrschaftsgebiet geworden. Er ist gefangengenommen worden von Esar-Haddon, dem Nachfolger Sancheribs oder von Aschschurbanipal, ab 669.

Der Zenith der assyrischen Macht

Von ihm (681-669) wird nicht berichtet, dass er Gruppen aus Samaria deportiert hatte und wieder andere zur�ckgebracht haben soll (Vgl. Esra 4,2). Von seiten des Alten Testamentes wissen wir wenig �ber die Zeit des Esar-Haddon; doch von einem Zylinder des Esar-Haddon haben wir die Kenntnis, dass er Sidon erobert haben muss. Dies geschah w�hrend einem seiner Feldz�ge. Ebenso wissen wir, dass Samaria wahrscheinlich in �hnlicher Weise in die Rebellion gegen die Assyrer einbezogen war. Daher hatte die Deportation im Zusammenhang mit dieser Rebellion stattgefunden. Es war die Folge eines Vertragsbruches, den zu bestrafen Esar-Haddon sich gen�tigt sah.

Nun, ohne jeden Zweifel war dies der Zenith der assyrischen Macht, zeitweise hielten sich die K�nige jetzt in Babylon auf, die f�r sie eine zweite Residenz wurde. Die letztgenannten Monarchen regierten mit milit�rischer fortune - und dies zum ersten Male in assyrischen Geschichte � s�dlich von �gypten! F�r Esar-Haddon als Kerkermeister Manasses spricht eine Inschrift, deren Terminus post 678 v. Chr. war. Auf ihr wird Manasse erw�hnt als Vasall dieses assyrischen Her rschers in der Reihe von 21 weiteren K�nigen. Und es hei�t, er habe wertvolles Geb�udematerial nach Ninive geschleppt (A.N.E.T. 221).
Dann h�tte Manasse nur 17 Jahre regiert. In Medien zeigten die Assyrer aus gewissen Gr�nden ein verst�rktes Interesse: Dort rebellierte man, und Esar-Haddon unterst�tzte einige medische Stammesf�rsten. Mit medischen Herrschern schloss er Vertr�ge. Das zeigen Keilschrifttexte.

Esar-Haddon hatte sechs S�hne, einer davon, Aschschurban-apli, sollte der Nachfolger werden. Doch er hatte sich erst der Zustimmung seiner G�tter und des Familienrats versichern m�ssen und dann proklamierte er zu Ninive 672 bei der Reichsversammlung Aschschurbanipal zum Prinzen von Assyrien, war er doch gewitzigt durch den Mord an seinem Vater! Um einen zweiten �hnlichen �belstand zu vermeiden, wurde nun alles vertraglich festgesetzt. Esar-Haddons Oberherrschaft musste auch Pharao Necho von Sais nach einem Aufstand in �gypten anerkennen, wobei Memphis genom men wurde. K�nig von Unter- und Ober�gypten und zugleich K�nig von �thiopien wurde nun der Assyrer, wenngleich nur auf dem Papier!

Assurbanipal (Aschschurbanipal)

Dieser Enkel des Sancherib unternahm betr�chtliche Eroberungsfeldz�ge, sogar im unwegsamen Gel�nde des Gebirges von Elam im Osten. F�r Aschschurbanipal als Bezwinger des Manasse spricht, dass er vielleicht in eine Revolte der s�dlichen Mittelmeerl�nder verwickelt war, die f�nf Jahre lang dauerte, ab 652. Der biblische Bericht spricht nur von Sare, also Hauptleuten, welche die Gefangenschaft vollstreckten, so kann es sein, dass der Assyrerk�nig gar nicht gegen w�rtig war. Vielleicht liegt hier der Grund daf�r, wieso keine offizielle Bemerkung in den assyrischen Bericht Eingang gefunden hat. Don Wiseman meint (im �Gro�en Bibellexikon� 1980), dass Aschschurbanipal es war, der Manasse aus Ninive befreite und ihn als Vasallenf�rsten in Juda einsetzte. Jedenfalls war der Gefangennahme des Manasse eine lange Zeitspanne des G�tzendienstes vorausgegangen. Im Fall des Aschschurbanipal h�tte Manasse - laut Leon Wood - 46 Jahre lang regiert.

Man erlaubte dem gefangenen Jud�er wahrscheinlich, nach Juda heimzukehren, denn in Ninive kehrte dann Ma nasse um, und Gott gew�hrte ihm in der Gefangenschaft Gnade. Als er auf den Thron wiedereingesetzt wurde, suchte Manasse die fr�here Schuld abzutragen und entfernte die heidnischen Kultsymbole und setzte die Anbetung und Verehrung Jahwes im Tempel wieder ein. Im Dunkeln muss bleiben, wieviel Jahre ihm nach seiner Umkehr noch blieben. Es k�nnte sein, dass es ca. f�nf Jahre waren. Denn wir wissen nicht genau, wie lange er Gefangener war.

Elam

An dieser Stelle erscheint es angezeigt, einen Blick auf Elam zu werfen. Ende des 8. Jahrhunderts hatten verschiedene Faktoren dazu gef�hrt, dass Sancherib verschiedene sehr rigorose milit�rische Aktionen gegen Babylonien unternahm. Um 703 hatte der alte Feind Merodach-Baladan, der ja mehr ein Politiker denn ein Stratege war, die Chald�er und einige aram�ische St�mme organisiert und sich auch des elamitischen Nachschubs versichert. Er stachelte mit gro�er Zuversicht Babylonien zu einer Rebellion an. So entstand aber nur eine gro�e Konfusion. Ein babylo nischer Regent, m�glicherweise eine Marionette des Sancherib, besetzte nur f�r einen Monat den Thron und musste Merodach-Baladan weichen. Sancherib reagierte energisch und nahm eine von Merodach-Baladans Hauptst�tzpunkten, so dass jener fliehen musste und Sancherib Babylon betrat.

Totale Vernichtung

Wie kam es nun zur Eliminierung, zur Vernichtung von Elam? Elam � das uralte K�nigreich im S�d-Westen des Iran � war das unmittelbare Zentrum von Unruhen. Am Anfang seiner Regierung suchte Aschschurbanipal der politischen Instabilit�t von Elam entgegenwirken, denn soziale und politische Instabilit�t schr�nkt ja Handelsbeziehungen ein und kann �ber die Grenzen eines Reiches hinweg Auswirkungen haben. So stand er dem Elamiterk�nig in dieser Phase bei der nationalen Krise. Urtaki war dies. Dieser elamitische K�nig wollte Babylon im Jahre 665 an greifen und Aschschurbanipal musste intervenieren und Urtaki zur Raison rufen und wie so viele andere K�nige von Elam starb Urtaki eines unerwarteten Todes und ein Cousin bestieg den Thron, der aber politisch und milit�risch erfolglos blieb. Auch diesen Umstand be schreibt Aschschurbanipal auf seinen k�niglichen Inschriften.
Wir befinden uns in der Mitte des 7. Jahrhunderts; die Umst�nde waren folgende: Zu dieser Zeit (Mitte des 7. Jahrhunderts) gab es noch immer m�chtige Stammesverb�nde in Babylonien und es bestanden konstante anti-assyrische Intrigen zwischen diesen Volksverbindungen und den Elamitern.
Und dieser Umstand war es den auch, der die babylonische Verwaltung unter Schamasch-schum-ukin ersch�tterte. Obwohl damals Schamasch-schum-ukin verschiedentlich Versuchte, eine generelle anti-assyrische Revolte in Baby lon zu sch�ren, unterst�tzten dennoch einige B�rger der gro�en babylonischen St�dte weiterhin Assyrien. Die Assyrer wehrten die elamitische Armee ab und vollstreckten eine S�uberungsaktion in S�dbabylonien von organisierten chald�ischen Truppen, die den Schamasch-schum-ukin st�tzten. Sie besetzen Borsippa und Babylon.

Von Elam erhielt Schamasch-schum-ukin keine Unterst�tzung. Denn zwischen den rivalisierenden Thron aspiranten war ein B�rgerkrieg ausgebrochen! Die ganze Situation in Elam trieb den Aschschurbanipal dazu, einen drastischen Schritt zu unternehmen und das gesamte Land zu verw�sten! Dies geschah vor den 40-er Jahren des 7. Jahrhunderts.

Die assyrische Armee marschierte durch Elam hindurch und zerst�rte die St�dte und vor allem die alte Hauptstadt Susa. Nicht einmal den Tempeln wurde Respekt gezollt. G�t terstatuen und Kultobjekte wurden nach Assyrien gebracht, sogar K�nigsgr�ber pl�nderte man. Esra 4, 9-10 berichtet uns davon, dass Deportierte aus Elam � einschlie�lich aus Susa � nach Nordpal�stina kamen. Susa war einer der Hauptst�dte von Elam, das damals von den Persern erobert worden war. Osnapar bezieht sich sicher auf Aschschurbanipal. So hatten die sp�teren Samaritaner elamitisches Blut in ihren Adern!

Assurbanipals W�ten

Eine einzige W�stenei war das Resultat: � . . . Ich machte das Land stumm von der Stimme des Menschen und dem Gebr�ll von Rindern und Schafen.� Diese milit�rische Aktion war mehr als brutal, es war schlicht rohe Gewalt. Freilich, auch fr�here assyr. K�nige waren rauh und r�ck sichtslos gewesen und hatten Revolten niedergeschlagen, wo immer sie entstanden, Aber Assurbanipal war mehr als dies: Rachs�chtig und �beraus nachtragend. �Nur ein toter Feind ist ein guter Feind� so h�tte seine Maxime lauten k�nnen. Gefangene K�nige schonte er nur aus dem Grund, um sie bei ihren Lebzeiten besser dem�tigen zu k�nnen, aber man muss bei ihm deswegen kein sadistisches Erg�tzen in solchem Vorgehen sehen.

Er meinte vor allem, es gelte, ein Exempel zu statuieren, damit deutlich wurde, was jedem anti-assyrischen Opponenten bl�he. Assurbanipal erw�hnt in einem Brief, dass Sancherib, sein Gro�vater, gelegentlich einer Rebellion in Babylonien f�r den K�rper des Anstifters des sen Gewicht in Silber ausgesetzt hatte; er selbst, sagte er, h�tte das Gewicht in Gold f�r den K�rper des rebellischen R�delsf�hrers, ob tot oder lebendig, aufgewogen. Dies zeigt, dass es ihm zur Publicity diente, wenn das Schicksal eines Rebellen �ffentlich gezeigt wurde.

Nichts war an ihm von den fr�heren gro�en Strategen und Staatsm�nnern. Rachs�chtig � und in seiner politische Einsicht ebenso beschr�nkt und verblendet. Dennoch verdanken wir ihm etwas, er hielt sich n�mlich f�r einen au�erordentlichen Gelehrten. Fr�here assyrische K�nige hatten bereits antike Texte gesammelt und mit dem Errichten einer Bibliothek be gonnen, aber bei Aschschurbanipal wurde dies zu einer echten Passion! Er scheint zu der Art von Menschen geh�rt zu haben, die gl�cklich sind, wenn sie eine gute Keilschrifttafel in ihren H�nden haben und dies dann zu ihrem Lebensstil machen.

Seine Motivation war indes eher von abergl�ubischer Verehrung f�r alle m�gliche Art von alter Weisheit bestimmt, weniger von allgemeiner Liebhaberei f�r Literatur. Jedesmal, wenn er von alten Texten �berhaupt h�rte, so lie� er Kopien anfertigen � f�r seine stattliche Bibliothek zu Ninive. Er ist vielleicht mehr ein Scholastiker als ein Gelehrter zu nennen. Ren� Labat hat nun eine Ehrenerettung Aschschurbanipals versucht und z. T. anhand bisher unver�ffentlichter Texte nachgewiesen, dass er nicht nur grausamer Herrscher war, sondern auch Kenntnisse im Lesen und Schreiben von Keilschrifttafeln etc. hatte.

Kenntnisse im Lesen und Schreiben

Eine betr�chtliche Anzahl der Kujundschik-Sammlung (Kujundschik ist das alte Ninive!) geh�rte tats�chlich zu dem Palast und dem Tempel bei Ninive. Aschschurbanipal war der gr��te k�nigliche Sammler aller Dokumente. Er schrieb seinen Namen unter eine Vielzahl von Tafeln aus Ninive. Aus den Kolophonen, also kurzen Statements am Ende wei� man dies, denn sie geben einige Einzelheiten �ber Besonderheiten einzelner Tafeln wieder. 23 Beispiele k�nnte man hierf�r aufz�hlen. Aschschurbanipal warnt am Ende: �Jeder, der meinen Namen tilgt, so wie er geschrieben ist und seinen eigenen Namen eintr�gt, dessen Name soll Nabu, der kosmische Schreiber ebenso ausradieren�.

Serien ritueller Ges�nge (Zauberspr�che) und Texte, die f�r die Ausbildung der Schreiber gedacht waren, kann man z�h len. Beachtlich sind vor allem die zweisprachigen Texte in Sumerisch und Akkadisch. F�r seine Zwecke geeignete Gebete, Beschw�rungsformeln und Verfluchungsges�nge, Rituale zur Abwehr von B�sem � das war es, womit sich Aschschurbanipal besch�ftigen wollte. Das Orakelwesen faszinierte ihn. Dies berichten auch Passagen seiner In schriften im Detail.

Er hat nie den Anspruch, ein gro�er Staatsmann zu sein, erheben k�nnen. Den Zusammenbruch, der seinem Reich drohte, vermochte er nicht vorherzusehen.

Zur�ck zum Anfang

Der Zusammenbruch

Nach dem Tode des Schamasch-schum-ukin wurde Babylonien nominell regiert von einer sonst un bekannten Figur: Kandalanu. Jeremia 1, 13-15 spricht von einem siedenden Kessel, von Norden her werde das Unheil losbrechen.
N�rdliche St�mme waren also im Anmarsch � eine potentielle Bedrohung auch f�r Pal�stina! Zu dieser Zeit hat es auch andere Revolten gegeben. Sin-schum-ichir, ein General, beanspruchte das K�nigtum. Sin schar-ichtum, ein Sohn des Assurbanipal wurde zum K�nig von Assyrien gew�hlt � seit seines Vaters Tod dan auch f�r die meiste Zeit bis 612.

Nabopolassar, ein chald�ischer Prinz

Ein wichtiger Faktor war, dass Nabopolassar, ein chald�ischer Prinz, im Jahr 626 um K�nig �ber Babylon ausgerufen worden ist. Ninive wurde 612 genommen. 616 war Nabopolassar soweit, dass er eine Offensive gegen Assyrien in die Wege leiten konnte. So von �gypten als auch von den Mann�ern (Minni) aus dem Nord-Westen des Iran erhielt er Unterst�tzung. Im Jahr darauf zog er den Tigris hinauf und erreichte Aschschur. Die Assyrer reagierten, mussten sich aber zur�ckziehen � haupts�chlich deswegen, weil sie Kenntnis erhielten von einer gro�en Attacke durch die Meder. Diese wollten im S�dosten Assyriens einfallen. Mit den Medern verb�ndete sich auch Nabopolassar. � Er hatte bis dahin unabh�ngig agiert. Noch hatte Assyrien zwar Verb�ndete, die babylonischen Berichte nennen ein Volk, dem sich Nabopolassar angeschlossen haben musste. Waren es nicht die Skythen, so war es doch ein Volksstamm, der ihnen benachbart war. 612 v. Chr. geschah dies. Und in diesem Jahr nahm er zusammen mit den Medern Ninive ein.

Innerhalb von drei Monaten musste die Stadt fallen, ein sehr kurzer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass eine �hnlich gro�e Stadt, Babylon, der assyrischen Armee damals fast ein Jahr lang hat widerstehen k�nnen. Nahum 1, 8 besagt, dass daf�r eine �berflutung verantwortlich war: �Er schirmt sie, wenn eine Flut �ber l�uft� (die auf Gott vertrauen) � sie r�hrte von einer �berschwemmung des Kosr, einem Nebenfluss. Denn der Kosr floss durch die Stadt und schwemmte buchst�blich einen Teil der Defensivstellung hinweg! So �entschied� dieser Fluss zugunsten der Belagerer.

Die Stadt wurde eingenommen und gepl�ndert. Sin-schar-ischkun musste in der Verw�stung sterben.

Die �berlebenden mussten westw�rts fliehen, nach Haran (Hebr.: �Kreuzung�). Nabopolassar war von den Medern und von den anderen St�mmen (skythischen) inzwischen verlassen worden und beeilte sich nun, seine Position in Assyrien zu konsolidieren. Bei Haran, der Hauptstadt des Assyrerreiches, einer bl�henden Handelsmetropole, zogen nun �gyptische Alliierte der Assyrer heran. Und mit ihnen vereinte sich der Nachfolger des toten K�nigs (Assurubalit) und baute in Karchemisch � einem �gyptischen Vorposten � seine Milit�rbasis. (Das weitere Geschick wird bei Josia von Juda behandelt.)

Aus 2. K�nige 23 wissen wir (Vers 29) dass Josia bei Megiddo versuchte, dem Necho II. entgegenzutreten, aber von diesem get�tet wurde. Pharaoh Necho wollte das geschw�chte Assyrien als Pufferstaat gegen die jetzt starken Babylonier benutzen.

Necho II. von �gypten

Mit diesem Plan durchzog Necho II. Pal�stina.Warum hatte es nur Josia von Juda darauf angelegt und seinen Traum vom wieder geeinten Israel in einer zum Scheitern verurteilten Schlacht um 609 v.Chr. austr�umen m�ssen? M. B. Rowton meint (Journal of Near Eastern Studies, 1951), Necho II. sei an Pal�stina und Syrien interessiert gewesen, er wollte Syropal�stina unter �gyptische Herrschaft bringen. Josia von Juda hingegen war einmal stark gegen die Assyrer eingestellt, dann dachte er wohl, ein uniertes Israel h�tte als Vasallenstaat der �gypter ohnedies gar keine Chance. So wollte er die �gyptische Hilfe f�r Assyrien wenigstens verz�gern und ihn daran hindern, rechtzeitig in Haran einzutreffen.

Rowton meint also, dies war eine heroische Tat des letzten gro�en jud�ischen K�nigs. Aber auch wenn er das seinem Volk durch die Assyrer zugef�gte Unrecht r�chen wollte � er musste mit seinem Leben bezahlen.

Karchemisch

Angesichts der assyrisch-�gyptischen Milit�rbasis bei Karchemisch erkoren nun die chald�ischen Soldaten einen sehr cleveren General � eine sehr geschickte Taktik � es war Nebuchadnezar, den Sohn des Nabopolassar.
Die Armee des Herrn
Im Jahre 605 �berlie� Nabopolassar diesem die Kontrolle �ber die babylonische Armee, der seine Streitkr�fte �ber den Euphrat f�hren konnte und eine direkte Angriff auf die m�chtige Armee bei Karchemisch unternahm: Jeremia 46, 10-12. Hier trifft das ber�hmte Wort zu von �Schrecken um und um�. Es ist doch Gott, der die �gyptisch-assyrische Armee zum Wanken bringt � �gyptens Griff nach der Weltherrschaft muss scheitern! Ein Tag der Vergeltung! Zu Unrecht hatte �gypten sich Machtstreben angema�t. Vernichtet werden die Nichtse ihrer Staatsg�tzen. Sehr drastische Bilder hier (Heuschrecken). Die Hand des Nebuchadnezar wird von Gott gef�hrt. �Im Norden, am Euphrat, sind sie gefallen und niedergestreckt� (V. 6).

Dies ist der Tag Gottes, des Herrn Zebaoth! Dieser Tag kam zu Beginn des Jahres 605 bei der Schlacht von Karchemisch am Euphrat.

Nebuchadnezar

Nebuchadnezar regierte nun zu Babylon, denn sein betagter Vater lag krank zuhause. Nebuchadnezar gab Necho keine Gelegenheit, sich zu erholen. So spielte nun Babylonien in der Weltgeschichte eine neue zentrale Rolle. Rasch durchzog Nebuchadnezar das neu gewonnene Gebiet. Er erstrebte die Unterwerfung von f�hrenden St�d ten und bestimmte junge Leute zu Prokuratoren, denn er wollte in Babylon einen Regierungskader schaffen. Sein Vater starb im August 605. Als Nebuchadnezar II. empfing er nun die Krone.

Jeremia 47 (ab Vers 5) berichtet, dass er Aschkalon, die Philisterstadt, einnahm, nach einer erbitterten Schlacht 605, darauf stellte er sich �gypten und trat Necho gegen�ber. Auf beiden Seiten entstanden schwere Ver luste, so dass die Schlacht unentschieden ausging und Nebuchadnezar nach Babylon zur�ckkehren musste.

Nicht in Assyrien � in Babylon war nun die Welthauptstadt! Die Bibel hatte Recht mit der Prophezeiung: �Er macht ein Ende mit seinen Widersachern und seine Feinde verfolgt er mit Finsternis.�

Die Forschungen der Linguisten in diesem Zusammenhang

Hier scheint es angebracht, die hierhergeh�renden Forschungsergebnisse des bekannten Linguisten altsemitischer Sprachen und des biblischen Hebr�isch und Orientalisten Allan Ralph Millard zu erw�hnen.

Millard geh�rt zu den f�hrenden britischen Orientalisten. Er studierte zu Oxford und London und war auch im Britischen Museum t�tig, ferner an der Bibliothek im Tyndale House in Cambridge. 1970 Vorsteher der abteilung f�r hebr�ische und altsemitische Sprachen am Institut f�r Arch�ologie und Orientalistik der Universit�t Liverpool. Er wirkte auch mit bei der New International Version. Im Evangelical Quaterly (1977) schrieb er einen Aufsatz �ber Daniel 1-6. Zu empfehlen ist auch die 1980 erschienene Schrift �Bibel und Arch�ologie�. Er hat hervorragende Arbeit an der Universit�t Liverpool geleistet, als er die Schreibweise von Namen assyrischer K�nige im Alten Testament verglich mit zeitgen�ssischen assyrischen Berichten auf Texten, die auf uns gekommen sind.
Man muss sich doch folgendes vor Augen halten: Die Texte, von denen her unser Altes Testament in das zehnte Jahrhundert zu datieren sind und daher die Teile, die mit den K�nigen Assyriens zu tun haben, immer wieder kopiert worden sind; und dies innerhalb eines Zeitraumes von 1600-1700 Jahren.

Die keilschriftlichen Tafeln Assyriens sind andererseits Originalberichte, die zur�ckgreifen in die Periode assyrischer K�nige. Im Hinblick auf die Genauigkeit der �berlieferung dieser Namen stellt Millard fest:

�Diese Pr�fung hat gezeigt, wie eng das hebr�ische Schreiben von assyrischen K�nigsnamen mit dem zeitgen�ssischen Auftauchen in Assyrien und Babylonien in Einklang steht, � ganz konform mit dem Usus antiker Orthographie."
Die genau erkennbaren assyrischen Formen im Alten Testament sind vermutlich von hebr�ischen Quellen der jeweiligen Perioden abzuleiten. Im Gegensatz zu solchen Kommentatoren, welche die Passagen im Buche der K�nige gewissen annalistischen Kompilationen zuschreiben, halten wir doch daran fest, dass sie geschrieben worden sind � ohne Mitwirkung eines Kompilators oder Herausgebers w�hrend des Exils in Babylonien oder noch sp�ter geblieben sind, als die assyrischen Formen ungebr�uchlich geworden sind.
Zur�ck zum Anfang

Der Ahikar-Papyrus

Der Erhaltungszustand besagter assyrischer Namen ist bemerkenswert genau, so etwa im Falle des Ahiqar-Papyrus, einem aram�ischen Text aus Elephantine, der in das 5. Jahrhundert datiert wird. Und noch f�r einen weitaus l�ngeren Zeitraum im Falle der hebr�ischen Texte, was ein auffallendes Zeugnis f�r die Sorgfalt ist, mit der die alten semitischen Schreiber gearbeitete haben m�ssen, besonders, wenn sie es mit ihnen als merkw�rdig oder abstrus erscheinenden Namen zu tun bekamen. Solche Sorgfalt wird noch pointiert, wenn man die gro�e Bandbreite an Varianten in der Septuaginta und bei verschiedenen hellenistischen Hi storikern damit vergleicht.�

Assyrische Hofdichtung

Es ist manchmal behauptet worden, dass die Assyrer keine eigene Literatur besa�en, obwohl es an gemessener w�re, es so auszudr�cken: sie �adoptierten� die babylonische Literatur als ihre eigene. Dies muss von vornherein betont werden. Das Wort �Literatur� ist hier zwar gebraucht; eine genaue Definition des Begriffs ist aber segr schwierig. Denn antike Zivilisationen produzierten geschriebenes Material, um ihre eigenen Bed�rfnisse und Ziele, ein Umstand, der nicht unbedingt unsere Fragen dazu angemessen beantworten kann.
Gut bezeugt ist Interesse an der Literatur aus dem S�den auf seiten der assyrischen K�nige von der Zeit des mit telassyrischen Reiches an, dies war aber nur ein Aspekt eines facettenreichen kulturellen Erbes. Schon in mittelassyrischer Zeit ersetzte der babylonische Kalender den assyrischen. G�ttern sumerisch-baby lonischen Ursprungs gelang der Eingang in das assyrische Pantheon, und sie wurden assyrischen gleich gestellt. In vielen F�llen l�sst sich nachweisen, wie original babylonische Riten in Assyrien eingef�hrt wur den. Viele Texte spiegeln eine lange und komplizierte Geschichte der assyrisch-babylonischen An gelegenheiten. Das Prestige der babylonischen Sprache und Literatur insbesondere manifestierte sich in vielf�ltiger Weise. Assyrische K�nige korrespondierten mit vielen Babyloniern in Babylonisch, obwohl zu gewissen Zeiten nicht einmal Aram�isch in der Retourkorrespondenz erlaubt war. Die Kriegsannalen der �sargonidischen K�nige� waren in Babylonisch verfasst (jedoch mit zahlreichen Assyrianismen). Assyrisches Interesse an babylonischer Literatur zeigt sich vor allem in den Sammlungen der reichhaltigen Bibliothek Assurbanipals.

Assurbanipals Sammelleidenschaft

Assurbanipal war Herrscher �ber Assyrien von 668-626. Er folgte dem Esar-Haddon auf den Thron, der Babylon teilweise wiederaufgbaut hatte. Er konnte von den betr�chtlichen au�enpolitischen Erfolgen seiner Vorg�nger profitieren (Tiglat-pileser und Schalmanasser V., Sargon II. und Sancherib).
Aber er zeichnete sich nicht als geschickter Regent aus. Er vermochte das gro�e assyrisch-babylonische Reich nicht zu halten. Er war auch kein gro�er Eroberer: Anspruch und Wirklichkeit klafften auseinander. Theben in �gypten fiel 663. Au�enpolitisch hatte Assurbanipal wenig Durchsetzungskraft; diese mangelnde Tatkraft sowie Spannugen im Inneren seines Reiches f�hrten zu einer Schw�chung. Er selbst betrachtete sich als einen Gelehrten und legte seine per s�nliche Bibliothek mit 22000 beschriebenen Tafeln in Ninive an. So ist ihm vor allem kulturelle Weite zu ver danken, obwohl er im Grunde nur ein eifriger Sammler war. Unter seiner F�hrung verfiel das asssyrisch-babylonische Reich und wurde nicht, wie vorher, weiter gest�rkt, sondern mehr und mehr sich selbst �berlassen.
F�nfzig Jahre nach der h�chsten Bl�te des assyrischen Reiches, sch�ttelte Nabopolassar das assyrische Joch �ber Babylon endg�ltig ab. Das Geschick Babylons kann mit dem Fall Ninives 612 als besiegelt gelten. Assurbanipal pflegte die besiegten K�nige nach den Eroberungen als Abschreckung gegen Aufst�ndische am Leben zu lassen, aber dann umso mehr zu qu�len. So konnte er seine (vielleicht eher zweifelhafte) St�rke demonstrieren.


Aufl�sung von Widerspr�chen

Widerspr�chliche Aussagen �ber assyrische Herrscher in verschiedenen Lexika 725-722 v. Chr.: Salmanassar V. belagerte Samaria. (NBD) Salmanasser V.: 727-722; darauf Sargon II an der Regierung: 722-705.
722 f�llt Samaria unter dem assyrischen K�nig Sargon II. (zugleich dessen Herrschaftsantritt). �
Sargon hat die Beute davontragen k�nnen und br�stet sich des Sieges. Sargon hat au�erdem beansprucht, Herrscher gewesen zu sein zu dem Zeitpunkt, als Samaria fiel. Aber dies war wahrscheinlich nur eine Seifenblase. Vgl. 2. K�n 17, 1-6: Salmanassar.
Elischa: 722 v. Chr. Teilnahme an dem Aufstand gegen den Sargon II (F. Rienecker)

Henry Austen Layard (sprich: L�rd) war einer der Vorreiter der Assyriologie. 1817 wurde er in Paris geboren. Auf den Rat seines Bruders wollte er zuerst nach Ceylon (Sri Lanka) gehen. Doch blieb der zweiundzwanzig-J�hrige in der Gegend von Baghdad. Er war begeistert vom Reisen und au�erdem ziemlich intelligent. Aber es zog ihn vor allem die Aufgabe an, die Ruinen des biblischen Schuschan zu lokalisieren. Vgl. Nehemia 1, 1 z. B.(6)
Wo genau diese Stadt lag, war damals noch diskutiert worden. Susa wurde in den vierziger Jahren des 7. Jahrhunderts von Assurbanipal zerst�rt worden; es ist zu vermuten, dass die Stadt in S�dwest-Persien, in der N�he des Flusses Karun gelegen war. Darius der erste er baute sich hier seine Residenz. Neben Persepolis eine Hauptstadt seines Reiches!
Mit Bagteari-St�mmen lebte er einige Zeit in den Bergen der T�rkei (bei Isphahan). Dann gelangte er nach S�den Richtung Mesopotamien und dem benachbarten Persien. Er wollte Alter t�mern auf die Spur kommen; mit P.�. Botta erforschte er � in den diplomatischen Dienst Gro�britanniens genommen � das alte Kuyundschik (d. i. Ninive, die letzte Hauptstadt des assyrischen Reichs). Mit den Paschas pflegte er guten Kontakt und gewann ihr Wohlwollen. Auch kommunizierte er mit den Funktion�ren der Sultane. Von Altert�mern, malerischen Szenerien des Orients und von allem, was mit Asien zu tun hatte, zeigte er sich begeistert.

Kuyundschik-Sammlung (Qujungik)

Die Kuyundschik-Sammlung(7), d. i. die Tafeln, die bei Ninive bis in die 70-er Jahre des letzten Jahrhunderts gefunden worden sind, konnte er als erster ans Tageslicht bringen (1845 am H�gel Nimrud):

Von der gro�en Mehrheit der Tafeln, die sicher aus Kuyundschik im Norden des Irak kam, waren einige gewiss nicht aus Assurbanipals gro�er Bibliothek. So etwa die Staatsbriefe: Sie entstammen wohl ei nem Staatsarchiv einer anderen Bibliothek. Ebenso k�nnen einige wirtschaftlich bedeutsame Texte ihre Heimat gehabt haben in dieser k�niglichen Bibliothek. Denn es handelt sich um Angelegen heiten, die private Geb�hren von Sklaven oder Geb�uden betreffen, Betr�gen �ber Ernteertr�ge etc. Es sind auch wirtschaftlich relevante Texte gefunden worden in einem Gebiete, das ziemlich weit entfernt vom Palast gelegen war. Im Hinblik auf Kuyundschik(*):

"Und in ihrer Mitte werden sich Herden lagern, allerlei Tiere in Menge. Das ist die Stadt, die in Sicherheit wohnte, die in ihrem Herzen sprach Ich bin�s und gar keine sonst! Wie ist sie zur W�ste geworden, zum Lagerplatz f�r wilde Tiere!�

Eine betr�chtliche Anzahl der Kuyundschik-Sammlung geh�rte tats�chlich zu dem Palast und dem Tempel bei Ninive. Assurbanipal war der gr��te k�nigliche Sammler aller Dokumente. Er schrieb seinen Namen unter eine Vielzahl von Tafeln aus Ninive. Aus den Kolophonen, also kurzen Statements am Ende wei� man dies, denn sie geben einige Einzelheiten �ber Besonderheiten einzelner Tafeln wieder. Nicht weniger als dreiundzwanzig Beispiele k�nnte man hierf�r aufz�hlen. Assurbanipal warnt am Ende:

�Jeder, der meinen Namen tilgt, so wie er geschrieben ist und seinen eigenen Namen eintr�gt, dessen Name soll Nabu, der kosmische Schreiber ebenso ausradieren�.

Die Inkantations-Serien und Texte, die f�r die Ausbildung der Schreiber gedacht waren, kann man aufz�hlen. Beachtlich vor allem die zweisprachigen Texte in Sumerisch und Akkadisch.

K�nstlerisch bedeutsam sind Assurbanipals Relief mit der L�wenjagd (vgl. den J�ger Nimrod). Bei Ninive stie� er auch auf Sancheribs Palast; auf den dortigen Reliefen finden sich auch jene, die von der Einnahme von Lachisch zeugen. Der Architekt Robert Koldewey setzte Ende des 19. Jahrhunderts neue Ma�st�be, vor allem bei der Registrierung frischer Funde. Paul Emile Botta veranstaltete im Jahre 1842 erstmals in Ninive Ausgrabungen. Er stie� durch einen Hinweis von Einheimischen auf Sargons K�nigspalast. Steine mit Keilschrift-Inschriften und Keilschriftbildern waren erhalten.(8)

Nach oben!


Fussnoten und Stichwortregister

  1. Ana M�ndez: "Den Himmel ersch�ttern", Aufbruch-Verlag der Gemeinde auf dem Weg: Berlin-Wilmersdorf, 2002, 1. Aufl., Seite 76.
  2. Bilder der Belagerung von Lachisch sieht man in Adolf Jepsen, Von Sinuhe bis Nebukadnezar, auf den Abbildungen 78-82.
  3. In der Bibel: Tartan; der Titel bedeutet etwa der eines Leutnants (s. a. 2. Chronik 32).
  4. Zitat des Cicero; Herodot geb. um 500, lebte bis 424
  5. Die Revised Standard Version (englisch) �bersetzt: �Er ging zu dem K�nig von Assyrien� (und wegen Assyriens wollte er nach Haran, der letzten Hauptstadt Assyriens und Hauptverbindung von Ninive nach Aleppo, heute bei Edessa in der T�rkei).
  6. Nehemia dient am persischen Hof als Mundschenk des Arthasastha, 445 v. Chr., im 20 Regierungsjahr erh�lt er Urlaub und von den �Beh�rden jenseits des Euphrat� eine Durchzugserlaubnis (Kap. 1 und 2).
  7. Zur Keilschrift: Saggs: �The Might that was Assyria�, S. 369 ff.
  8. Qujungik, d. h. �H�gel der vielen Schafe� erf�llt sich Zefanja 2, 13ff.: Eine Stadt mit � nach Jona � 120 000 Einwohnern wird �zur W�ste� und �d�rr wie die Steppe�.
  9. Sargons Existenz hatte man bis dahin angezweifelt, obwohl er ja Jesaja 20 erw�hnt wird.

Erl�uterungen zu verschiedenen Stichw�rtern und Literatur in Auswahl

Arch�ologische Zeugnisse:
vor 1800 v. Chr. sind keinerlei Zeugnisse belegt.

�Assyriological Studies� Nr. 22 (1972) 141ff.: Donald J. Wisemans Artikel.

A.N.E.T.: Abk�rzung f�r: Pritchard, James Bennet: �Ancient Near Eastern Texts Relating to the Old Testament�, Princeton (New Jersey) 1950 (und andere Auflagen).

Saggs, Henry William Frederick: �The Greatness that was Babylon: a Survey of the Ancient Civilization of the Tigris-Euphrates Valley� (2. Aufl.), London: Sidgwick & Jackson (Sidgwick & Jackson Great Civilization Series) 1988. -
F�r die Chronologie ben�tzt H.W.F. Saggs das sogenannte mittlere System nach Smith-Rowton; �bersetzt von W. Wagmuth in �Magnus Kulturgeschichte�, Essen).

�babal�:
wurde volksetymologisch mit der Wurzel �vermischen� assoziiert.
�Babirusch�:
altpersischer Name Babylons

Baghdad im Irak:
80 km n�rdlich von Babylon, der Hauptstadt des Reiches

Bitumen:
Erdharz als M�rtel (1.Mose 11,3), Transport auf dem Euphrat.

Brand, gro�er:
verw�stete Babylon betr�chtlich, zwischen 652 und 648

Herodot von Halikarnass (um 500-424):
seine Beschreibung des wieder errichteten Turmes und der Stadt Babel: �Wir kennen keine Stadt, die so pr�chtig gebaut w�re.�
Im Jahre 460 erforschte Herodot Babylon; vergleiche Historiai, Buch I, Kleio, �ber Babylons Stadtgeschichte, Untergang, Landesgeographie und Topologie, sowie Religion und Gebr�uche. Herodot nennt auch die Babylonier �Assyrer�. Neben Xenophon und Josephus Flavius ist Herodot die wichtigste griechische Quelle f�r den Vorderen Orient.

Hammurabi: ca. 1792-1750:
er erweiterte die Stadt Babylon, gl�nzt haupts�chlich durch innenpolitische Leistungen, vor allem durch die Gesetzessammlung, z.T. bereits existierender Gesetze, die er auf Stelen im gesamten Lande jedermann zug�nglich machen l�sst. Dass er Akkadisch als Diplomatensprache w�hlt, zeugt von seinen Reform-Bestrebungen auch in Bezug auf die Sprache. Hammurabi sieht sich als K�nig, der von Schamasch pers�nlich, dem Gott der Rechtsprechung, seine Gesetzestafeln empf�ngt.

Hethitersturm auf Babylon:
1595 v. Chr. (erfolgreich!)

Martin, W.J. in: D. Winton Thomas (Ed.), �Documents from Old Testament Times�, Harper & Row, New York 1958 (Paperb. 1961), S. 27-37; mit einer Abbildung der Stele, auf die im Text verwiesen wird (Hammuarpi)

Meissner: �Die babylonisch-assyrische Literatur�, Wildpark-Potsdam 1928

Ka-dingirra oder �Gottespforte�:
sumerischer Name Babylons.

Kandalanu:
Unterk�nig des Assyrers Aschurbanipal, aus Babylon, f�r Babylonien, nach 648.

Kassiten-Dynastie:
gegen sie lehnten sich die Babylonier schlie�lich auf.

Koresch II. (griechisch Kyros):
Begr�nder des persischen Weltreiches, gestattet 538/7 den Juden zu Babylon den R�ckzug nach Palmyra und verordnet den Wiederaufbau des Tempels per Edikt, nachdem er Babylonien mit Hilfe der Mardukpriester eingenommen hatte.

Manasse:
Gefangener (2.Chron 33,11) des Esarhaddon.

�Marduk Esagila�:
hebr. �Merodach�, manchmal �B�l�) f�r diesen G�tzen war wohl der Turm bestimmt, �dessen Spitze im Himmel ist�.

Marduk:
der sagenhafte Gr�nder Babylons nach der religi�sen �berlieferung der Babylonier, Namenskompositionen, die einige Pers�nlichkeiten in der biblischen Geschichte tragen: Merodach-baladan Evil-Merodach (561-560 an der Regierung), Marduk-apil-iddin, ein Chald�erf�rst, erw�nt in Jesaja 39,1 und 2. K�n 20,12-18 erw�hnt (Ende des 8. Jahrhunderts)

Migdol:
Wahrzeichen von Babilu (semitisches Wort f�r �Wachturm�), eng verkn�pft mit der babylonischen Religion.

Oppenheim:
�Ancient Mesopotamia�, Chicago und London 1964

Schamasch-schum-ukin:
Sohn des Esarhaddon, Gegner des Assurbanipal von Assyrien.

Scharkali-scharri:
Nachfolger des Sargon I., Adorant der G�tzen Anu-nitum und Amal.

Pritchard, James Bennet:
�Ancient Near Eastern Texts Relating to the Old Testament�, Princeton (New Jersey) 1950 und andere Auflagen

Donald J. Wiseman:
�Assyriological Studies� Nr. XXII (1972) 141ff.: sein Artikel

Knappe Zusammenfassungen neu erschienener B�cher!

Wozu brauchen wir christliche Philosophie?

1