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Hallo, Rübennasen!
Hier ist Claudia Flunkert mit einem Bericht vom Sportgeschehen. Am zweiten Wochenende im Februar begann doch in Salt Lake Shitty die Winterolympiade. Mit so spannenden Sportarten wie: Nordische Kombinatiooooon oder zwanzig Kilometer Biathloooon oder Cuuuurling ...
Ich möchte euch aber nichts über die Winterolympiade erzählen (davon habt ihr ja bestimmt genug gesehen), sondern von einem Sportfest, das am Samstag vor Rosenmontag hier im Landkreis Hannover stattfand. In Neustadt am Rübenberge wird nämlich jedes Jahr im Februar die Kohlympiade ausgetragen. Früher drehte sich bei der Kohlympiade alles um Sportarten mit Grünkohl. Grünkohl-Matschigkochen auf Zeit oder Modellieren mit Grünkohl oder Grünkohl-Zielwerfen. Im Laufe der Jahre kamen aber viele Sportarten dazu, die mit Grünkohl überhaupt nichts zu tun haben, und so ist die Kohlympiade ein richtig großes Ereignis geworden.
Auch ich hätte dieses Jahr am liebsten teilgenommen, und zwar mit meiner Rugbymannschaft. Aber obwohl Rugby ein seltener Sport ist, ist er für die Kohlympiade noch nicht selten genug. Bei der Kohlympiade gibt es nur extrem exotische Sportarten: Tonträgerschießen und Fuß-Tischtennis und Mormonentaufen und so. Mein Bruder und ich nahmen aber trotzdem teil. Allerdings nicht als Sportler, sondern als Ordner. Wir gehörten zu den freiwilligen Helfern.
Da Neustadt am Rübenberge ziemlich weit weg ist von Sehnde, fuhr uns Papa morgens mit dem Auto hin. Leider blieben wir auf der Autobahn im Stau stecken und wir befürchteten, zu spät zu kommen. Simon griff zum Handy und rief den Organisationsleiter ein, um ihm Bescheid zu sagen: "... Herr Pudelskern, wir kommen vielleicht etwas später. Wir sind auf der Autobahn und stehen im Stau." Die Antwort des Herrn Pudelskern verwunderte uns etwas: "Ihr steht im Stau? Wie unangenehm! Setzt euch doch lieber!" Er war wohl nicht richtig bei der Sache. Dann ging es aber doch weiter, und Simon und ich erreichten die Sportanlage zehn Minuten vor dem offiziellen Beginn. "Sind wir zu spät?" fragte ich den Herrn Pudelskern hechelnd. "Nein, mitneffen und mitnichten, Claudia. Aber ihr könnt sofort anfangen, ihr zwei. Claudia, dich habe ich für die Sportarten Sprungbiathlon und Vollkontakt-Volleyball der Damen eingetragen. Simon, du kümmerst dich um das Geräteturnen auf Zeit, um das Eiskunstgewichtheben und um das Radschlagen. Apropos Radschlagen - da hinten steht eine Gruppe junger Radschlägerinnen aus Düsseldorf. Zeig denen mal die Halle, wo sie trainieren können." So, und jetzt erzählt erst einmal mein Bruder weiter. Simon!
Simon: Ja, ich bin's der Simon. Der Herr Pudelskern hatte mich ja gebeten, erst einmal die Radschlägerinnen aus Düsseldorf einzuweisen. Das tat ich natürlich. Ich ging zu ihnen hin und .... ui, die sahen aber übelgelaunt aus. Sie machten missmutige Gesichter, als hätte der Nachtfrost reingeschlagen. Ach, ich ahnte warum. In Düsseldorf fand gerade der Karneval statt, und die Mädchen konnten nicht mitfeiern. Ich wollte sie etwas aufmuntern und sprach sie an. "Alaaf, ihr Düsseldorferinnen. Finde ich wirklich fett von euch, dass ihr hier an unseren Kohlympischen Spielen teilnehmt, obwohl bei euch zu Hause gerade Karneval ist." Das hätte ich wohl nicht sagen sollen. Sie kuckten nun noch verdrießlicher als zuvor, und eine von ihnen sagte: "Erstens heißt das nicht Alaaf, sondern Helau, du Sau, und zweitens sind wir stocksauer. Als weltbeste Radschlägertruppe der Welt sind wir es gewohnt, mit Sekt begrüßt zu werden. Aber hier bei euch gibt es wahrscheinlich nur Rübensaft." Und dann lachten sie verächtlich. Huch, waren die aber arrogant und unfreundlich! Ich blieb aber gelassen und führte die Truppe zu ihrer Trainingshalle. Sie begannen auch sofort zu trainieren. Und oh ja, so arrogant sie waren, so gut konnten sie aber auch radschlagen. Stellt euch vor: Acht der Düsseldorferinnen stellten sich sternförmig am Rande der Matte auf und begannen radzuschlagen. Dabei rasten sie gleichzeitig auf die Mitte der Matte zu. Meine Güte, die würden doch in der Mitte zusammenstoßen! Aber nein! Sie wirbelten in so dichten Abständen aneinander vorbei, dass mir der Atem stockte. Aber sie prallten nicht zusammen. Und obwohl ich sie so unfreundlich fand, applaudierte ich. "Krieg' dich wieder ein, Kleiner!", machte mich eine von ihnen an.
Zum Glück hatte ich laut Zeitplan nun erst einmal etwas Anderes zu tun. Ich musste beim Eiskunstgewichtheben nach dem Rechten sehen. Eiskunstgewichtheben ist eigentlich so wie normales Gewichtheben. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Gewichtheber dabei Schlittschuhe an den Füßen haben und auf einer Eisfläche stehen. Wenn sie die Hantel stemmen und über ihrem Kopf halten, müssen sie noch eine Pirouette drehen. Das macht das Gewichtheben irgendwie noch sportlicher. Das Finale dieses Wettkampfes war sehr spannend. Bislang führte Mark Muskelberg aus Meckenheim mit einer Leistung von hundertsechzig Kilogramm. Als letzter Teilnehmer betrat Fred Fettwurster aus Füssen das Eis. Wir hatten seine Hantel mit Gewichten von 175 (!) Kilo bestückt. Er bückte sich, umfasste die Hantel - atmete noch einmal tief durch - hob die Hantel an - drückte sie über seinen Kopf - drehte unter lautem Stöhnen die Pirouette - und geschafft! Er ließ die Hantel auf den Eisboden krachen, jodelte vor Begeisterung, machte einen Freudensprung - und stürzte bei der Landung schwer. Wir mussten mit sieben Leuten anpacken, um ihn aus der Halle zu entsorgen. Aber der Gewinn der Goldmedaille tröstete ihn über das gebrochene Bein hinweg.
Danach war ich beim Geräteturnen auf Zeit. Geräteturnen auf Zeit ist wie gewöhnliches Geräteturnen, nur dass es nicht um die Schönheit der Ausführung geht, sondern um die Geschwindigkeit. Wir sahen hervorragende Leistungen wie zum Beispiel von Dirk Drehwurm aus Dresden, der das Finale am Reck in 8,3 Sekunden gewann, oder von Stefanie Schleimbeutel aus Schweinfurt, die am Schwebebalken in 7,7 Sekunden siegte. Leider gab es auch hier einige kleinere Verletzungen wie Bänderrisse und aufgeschlagene Ellbogen oder verdrehte Köpfe, aber letztlich hatte ein jeder seinen Spaß.
Du hattest auch einiges zu tun, nicht wahr, Claudi?
Claudia: Stimmt. Zunächst einmal war ich ja für den Wettbewerb Vollkontakt-Volleyball der Damen eingeteilt. Vollkontakt-Volleyball unterscheidet sich vom normalen Volleyball dadurch, dass, wenn die Spielerinnen eines Teams den Ball haben, die Spielerinnen des anderen Teams unter dem Netz ins Feld ihrer Gegnerinnen laufen können, um sie bei der Ballannahme zu behindern. Wie sie das machen, ist ihnen überlassen. Es gibt praktisch keine Regeln. Ohrfeigen, Ellbogenchecks, Leberhaken, Fußtritte in den Magen ... alles war erlaubt. Besonders heimtückisch fand ich das Vorgehen der Spielerinnen von der Spielvereinigung Friedberger Friseusen, die ihre Gegnerinnen mit Haare-Ausreißen verunsicherten. Leider musste das Vollkontakt-Volleyball-Turnier nach der Vorrunde abgebrochen werden, weil nicht mehr genug gesunde Spielerinnen da waren, um den Wettbewerb fortzusetzen.
Beim Sprungbiathlon ging es friedlicher zu. Sprungbiathlon besteht darin, dass ein Skispringer mit seinen Skiern von der Schanze abspringt und während des Fluges mit einer Maschinenpistole fünf Schüsse auf eine Zielscheibe abfeuert. Gewonnen hat den Wettbewerb Sven Schieß-Indenwald aus Feuerbach. Allerdings kam es in diesem Wettbewerb zu einem Zwischenfall: Rambo Riesenroß von den Bundeswehr-Gebirgsjägern Ratzeburg traf bei seinem Schießsprung nicht die Zielscheibe, sondern seinen eigenen Trainer, Oberstleutnant Matthias Köttelbacke. Aber keine Sorge! Der behandelnde Arzt meinte noch am Unfallort: "Der Oberstleutnant hat Glück gehabt. Lediglich ein paar Kopfschüsse."
Du hattest ja auch noch deinen Spaß. Nicht wahr, Simon?
Simon: Und ob! Nach dem Geräteturnen auf Zeit musste ich ja zum Turnier der Radschlägerinnen, das bereits in vollem Gange war. Ich kam gerade rechtzeitig, als sich die haushohen Favoritinnen, "meine" Düsseldorferinnen, für ihre große Kür aufstellten. "Putz schon mal den Goldpokal für uns, rothaariger Stinker!", sagte das Mädchen zu mir, das mich morgens mit "Helau, du Sau" begrüßt hatte. Es ging los: Die acht Düsseldorferinnen stellten sich am Mattenrand sternförmig auf, begannen radzuschlagen, alle gleichzeitig auf die Mattenmitte zu - genau wie beim Training heute morgen - doch diesmal hatten sie sich wohl verrechnet und prallten in der Mitte zusammen! Patsch Krach Schepper! Zwei weitere Helfer und ich brauchten eine Viertelstunde, bis wir die wimmernden Mädchen wieder entknotet hatten. Der Goldpokal für das Radschlagen ging daher auch nicht an die Düsseldorferinnen, sondern an die Mädel von der Vereinigung Flip Flop Fallingbostel.
Und so ging ein großer Sporttag zu Ende!
Es grüßen sportlich
Claudia und Simon Flunkert
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