Woche 8:

Freitag, 11. August 1995 Mulanje - Chambe Hut
Samstag, 12. August 1995 Chambe Hut - Lichenya Hut
Sonntag, 13. August 1995 Lichenya Hut - Mulanje
Montag, 14. August 1995 Mulanje
Dienstag, 15. August 1995 Mulanje
Mittwoch, 16. August 1995 Mulanje - Lilongwe
Donnerstag, 17. August 1995 Lilongwe - Chipata
 

Freitag, 11. August 1995

Heute morgen gab es im Mulanje Golf Club außer Whiskey nun auch etwas zu essen. In der Mehrzweckhalle wurden wir von einem Kellner im Anzug bedient. Es wurde uns ein sättigendes English Breakfast serviert. Danach fuhren wir auf einer Holperpiste mit dem Bus die 12 km zum Likhubula-Forrestry-Office hinauf, dem Eingang zum Mount Mulanje National Park. Dort buchten wir für 1 US$ pro Person und Nacht 2 Übernachtungen in den Berghütten des National Parks. Zum Glück kam man in Malawi noch nicht auf die Idee, Touristen finanziell so auszubeuten, wie beim Aufstieg zum Mount Kilimanjaro, denn außer den äußerst moderaten Übernachtungsgebühren waren keine weiteren Eintrittsgelder fällig. Von etwa 800m Höhe ging es dann durch überwiegend bewaldetes Gebiet in 4 h zu unserem Nachtplatz der Chambe Hut auf 1900m. Der Weg war gut zu begehen, aber äußerst steil. Trotzdem dient dieser Weg hauptsächlich den Einheimischen zum Transport von Holzplanken, die weiter oben per Hand mit Sägen bearbeitet werden. Ohne Schuhe, dafür aber mit einem halben Dutzend 2-3m langer Planken auf dem Kopf, balancieren die Einheimischen die Planken zu Tal. Während wir die schöne Waldlandschaft und Ausblicke in die Ebene genießen konnten, taten mir die Menschen Leid, die diese Schönheit sicherlich nicht sehr genossen, und diesen Weg mehrmals täglich auf und abgehen müssen. In solchen Momenten wird mir dann bewußt, welch angenehmes Leben wir doch in Europa eigentlich führen.

Abends auf der Chambe Hut gab es dann mal wieder Essen aus der Selbstversorgerküche. Unser Lieblingsrezept, welches wir uns schon am Mt. Kenya ausdachten, sind Spaghetti mit Baked Beans. Unter normalen Umständen fände man diese Zusammenstellung wahrscheinlich sehr gewöhnungsbedürftig, aber nach einem langen Wandertag haben wir nur noch Lust auf eine sättigende Mahlzeit, die wir einfach zubereiten können. Dazu gab es heute noch einmal Beck's Bier, welches Martin seit dem Duty Free Shop Besuch in Addis mit sich herumschleppt. In der Chambe Hut trafen wir mal wieder andere Traveller aus aller Herren Ländern. Der Gesundheitszustand einiger Traveller war sehr bedenklich, denn sie hatten sich wahrscheinlich Malaria geholt, trotz der Chemoprophylaxe mit Lariam. Wir hörten schon vorher von anderen Travellern, daß die Gefahr, sich in Malawi eine Malaria zu holen, sehr groß sei. Insbesondere das Gebiet am Malawisee sei ziemlich „verseucht". Daher beschlossen wir nach dem Ende unserer Wandertour nicht zu unserem nächsten Ziel Malawisee aufzubrechen. Die Aussicht auf Malaria hatte uns dazu bewogen darauf zu verzichten. Die Nacht verbrachten wir bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt auf der Veranda, da die Hütte total verraucht war. Denn leider war der Kamin wohl über Jahre hinweg nicht gekehrt wor- den, so daß der Rauch des Feuers, das die Einheimischen entfachten, durch die Hütte, statt durch den Kamin zog.
 

Samstag, 12. August 1995

Mit den ersten Sonnenstrahlen krochen wir aus den warmen Schlafsäcken. Es war bitterkalt. Die Wandertour erinnerte mich eher an eine Herbsttour in deutschen Mittelgebirgen. Nach einem eher ungemütlichen Frühstück waren wir schon um kurz nach sieben auf der Piste, da wir heute den höchsten Berg des Mulanje Massivs besteigen wollten. Mit 3001m ist der Sapitwa zwar für afrikanische Verhältnisse nicht sehr hoch, aber das ist meiner Meinung nach ziemlich egal. Denn die Landschaft hier entschädigt eindeutig für „entgangene" Höhenmeter. Meik erinnert der Gebirgszug ein bißchen an die Dolomiten. Die steilen Felshänge oberhalb der Baumgrenze von ca. 2000m sind für Kletterer sicherlich ideal. Nach 3 Stunden Marsch gelangten wir an den Ausgangspunkt für den Aufstieg auf den Sapitwa. Laut Reiseführer sollte man den Berg vom Tal aus in einem langen Tag besteigen können. Anscheinend hat der Autor dieses Buches dies nie selbst ausprobiert. Denn wir waren mittlerweile schon praktisch einen ganzen Tag marschiert, um überhaupt zum Ausgangspunkt des Aufstiegs zu gelangen.

Nach einer Stunde Aufstieg, der eigentlich mehr Kletterei war, beschlossen wir, auf 2500m Mittagspause zu machen und danach umzudrehen. Denn die Kletterei wurde immer intensiver, und wir mußten heute noch die Lychenia Hut erreichen, die sicherlich noch ein paar Stunden Fußmarsch entfernt lag. Die Aussicht vom unserem Rastplatz war aber auch hier schon grandios. Wir hatten einen herrlichen Rundblick über die Ebenen. Unter uns lagen große Wolkenfetzen und wir hatten das Gefühl wie in einem Flugzeug über den Wolken zu fliegen. Der Weg zur Lychenia Hut war ziemlich anstrengend, da er ständig bergauf und bergab um den Sapitwa herumführte. Die Landschaft entschädigte aber für alle Anstrengungen. Gegen 17 Uhr hatten wir dann endlich, total ausgezehrt, unseren heutigen Schlafplatz, die Lychenia Hut erreicht. Da heute ja Samstag war, und Martin ein großer Fußballfan ist, konnten wir dann noch die Schlußkonferenz vom 1. Spieltag der Fußball- Bundesliga über die Deut- sche Welle empfangen. Es ist schon ein komisches Gefühl, in einem Bergmassiv fernab der Zivilisation in Malawi die Fußballbundesliga im Radio mitzubekommen, aber zur Erholung von den Strapazen des Tages sicherlich geeignet.

Nachdem wir unsere Lieblingsmahlzeit Spaghetti mit Baked Beans wieder zu uns genommen hatten, schliefen wir schon bald nach Sonnenuntergang ein. Die Lychenia Hut ist etwas größer als die Chambe Hut und wir bekamen unser eigenes Zimmer, das uns im Nachhinein fast zum Verhängnis geworden wäre. Denn kurz vor Mitternacht wurde ich von einem seltsamen Knacken und Krachen aufgeweckt. Im gleichen Moment fragte Meik in den dunklen Raum hinein, ob wir das auch sehen, was er gerade an der Decke sieht: Durch die Deckenritzen konnte man ganz deutlich Feuerzungen flackern sehen! Ruckzuck schossen wir aus unseren Schlafsäcken empor, und nahmen Schlafsack, Isomatte, Rucksack und Kamera und liefen ins Freie. Die anderen Hüttenbewohner waren schon aus dem Haus geflohen und hatten uns im Nebenraum anscheinend vergessen. Draußen sahen wir, daß wir keinen Moment zu früh aus der Hütte geflohen waren. Der gesamte Dachstuhl brannte schon lichterloh. Zum Glück hat- ten wir noch die Zeit, fast alle Sachen aus der Hütte herauszuholen, so daß am Ende lediglich ein paar Socken und T-Shirts verbrannten. Seit diesem Tag packe ich abends meinen Ruck- sack schon ein bißchen, um im Notfall schnell mein Nachtlager verlassen zu können. Kurz nachdem alle aus der Hütte endgültig geflohen sind, fielen die ersten Balken auf den Boden. Glücklicherweise blieben die anderen 4 Wanderer, die 3 Träger und der Hüttenwirt vernünf- tig und gingen nicht mehr in die Hütte hinein um noch Möbel und Küchenutensilien zu retten. Der Hüttenwirt war allerdings total aufgelöst und rannte mit einer Feuersirene aufgebracht um seine Hütte herum. Es gab natürlich keine Möglichkeit das Feuer zu löschen. Abgesehen davon, daß wir kaum Wasser hatten, war das Löschgerät (Feuerlöscher) in einer anderen Hütte, die verschlossen war. Natürlich hatte der Hüttenwirt auch keinen Schlüssel, um diese zu öffnen.

Etwa 15 Minuten, nachdem alle aus der Hütte geflohen waren, stand die gesamte Lychenia Hut in Flammen. Wir packten schnell alle Sachen in unsere Rucksäcke und flüchteten zu einem Fire-Break, der etwa 100m entfernt lag. Die Fire-Breaks sind kahlgeschlagene Schneisen im Wald um Waldbrände einzudämmen, denn die Lychenia Hut liegt am oberen Waldrand. Deshalb waren wir noch nicht in Sicherheit. Es bestand die Gefahr, daß das Feuer auf den Wald übergriff. Glücklicherweise war es fast windstill, so daß etwa nach einer Stunde das Feuer langsam kleiner wurde. Die Hütte fiel langsam in sich zusammen. Als „Mahnmal" blieb nur der aus Stein gemauerte Kamin stehen, der anscheinend den Brand verursacht hat, da er wohl auch schon längere Zeit nicht mehr gereinigt wurde. Nach einer weiteren Stunde war von der Hütte nichts mehr übrig. Das lodernde Feuer sah eher aus wie ein Lagerfeuer im Zeltlager. Zum Glück waren 3 der anderen Wanderer Briten, die nun auf dem Feuer für alle einen heißen Tee zubereiteten und dazu Kartoffeln in Alufolie packten und in die Glut legten. Nach dieser späten Tea Time schliefen wir auf dem Fire-Break gegen 3 Uhr morgens völlig erschöpft ein.

Sonntag, 13. August 1995
Kurz nach Sonnenaufgang wurden wir leider schon geweckt, da der Hüttenwirt darauf drängte, daß wir unbedingt zum Forrestry Office sofort zurückkehren müssten, um ein Protokoll der Geschehnisse der letzten Nacht anzufertigen. Dies war leider nicht gerade in unserem Sinne, denn erstens, was sollten wir denn eigentlich berichten, außer daß uns niemand geweckt hat, und wir mit dem Brand nichts zu tun hatten. Zweitens wollten wir eigentlich einen ganz anderen Weg durch das Mulanje Massiv einschlagen, und nicht zum Likhubula Forrestry Office zurückkehren. Doch der immer noch total erregte Hüttenwirt zwang uns mehr oder weniger mit allen anderen zurückzugehen. Nach etwa dreieinhalb Stunden Fußmarsch waren wir dann am Forrestry Office angelangt. Natürlich interessierten sich die Ranger überhaupt nicht für unsere Aussagen. Nun war es Sonntag Mittag und wir wußten nicht so recht, was wir jetzt eigentlich so machen sollten. Der nächste Bus von Lilongwe nach Lusaka in Sambia fährt erst am Donnerstag. Zum Malawisee wollten wir wegen der Malariagefahr nicht. So entschieden wir uns einige Tage hier in Mulanje zu bleiben. Mit einem langsam auseinanderfallenden Bus ging's dann vom Forrestry-Office wieder nach Mulanje zurück in den Golf Club. Dort gab es heute zum Glück etwas zu essen. So erholten wir uns am Pool, an dem wir wieder zelten durften von den Strapazen der vergangenen Nacht.

Dieses Mal waren wir nicht die einzigen Gäste des Golf Clubs. Wir sahen noch ein weiteres Zelt am Pool stehen. Auf dem Parkplatz vor dem Clubhaus staunten wir dann nicht schlecht über das Auto, das unseren Zeltnachbarn gehörte: Ein Mercedes Geländewagen mit Stuttgarter Autokennzeichen! Das Ehepaar mit 2 Kindern klärte uns dann später auf. Seit mehreren Jahren fahren sie immer in den Sommerferien mit dem Auto Stück für Stück durch Afrika. Den Rest des Jahres bleibt das Auto dann bei Bekannten bis im darauffolgenden Jahr mit dem Auto der nächste Streckenabschnitt bewältigt wird. Zu Hause in Stuttgart betreibt das Ehepaar natürlich einen Globetrotter-Laden!

Montag, 14. August 1995

Nachdem wir heute natürlich extrem lange geschlafen hatten, machten wir nicht sonderlich viel, um ehrlich zu sein. Doch wir legten heute zweimal den langen Weg von bestimmt 1 km ins Dorf zurück. Der erste Mal um einmal malawisch frühstücken zu gehen und das 2. Mal um ein Paket nach Deutschland aufzugeben. Wir schleppen schließlich die Reiseführer über Syrien, Jordanien, Ägypten etc. seit mehreren Wochen sinnlos durch die Gegend. Unsere Rucksäcke füllen sich andererseits immer mehr mit kleinen Souvenirs aus den verschiedensten Ländern. Daher beschlossen wir, ein großes Paket zu packen und dieses per Seepost nach Deutschland zurückzuschicken. Glücklicherweise kamen wir in Mulanje auf diese Idee. Denn die Bürokratenhürden in einer afrikanischen Hauptstadt zu meistern, wäre wohl letztendlich an unserem nicht so festen Willen gescheitert, mehrere Stunden dafür in einem Postamt auszuharren. In Mulanje lief hingegen alles ziemlich locker ab. Zuerst kauften wir einen Pappkarton vor dem Postamt. Natürlich war dies eine gebrauchte Kiste zum Transport irgendeines anderen Gutes. Aber das ist das Gute an Afrika. Hier wird kein Rohstoff einfach weggeworfen. Dadurch, daß wir einen Karton brauchten, machte der Pappkartonverkäufer noch ein gutes Geschäft. Das ist der 2. Vorteil in Afrika: Die Menschen halten sich mit den einfallsreichsten Jobs über Wasser. Denn gäbe es die Kartons wie bei uns einfach im Papiermüll, hätte der Verkäufer schließlich keinen Job. In anderen afrikanischen Hauptstädten bekam ich auch schon deutsche Zeitungen vom gleichen Tage (!) zu einem Pfennigbetrag angeboten. Wieso? Ganz einfach, der Verkäufer hat wohl Bekannte bei der Flugzeugreinigung, die die gelesenen Zeitungen wieder zusammenfalten und dann weiterverkaufen!

Nachdem wir unsere Kiste gepackt hatten, mußten wir ein Zollformular ausfüllen und die Kiste mit wunderschönen Briefmarken bekleben. Das Porto betrug ein paar DM und nun hatten wir wieder genug Platz um einige Souvenirs einzukaufen. Das Paket kam übrigens knapp 3 Monate später in Deutschland an! Den Rest des Tages verbrachten wir am Pool und an der Bar…

Dienstag, 15. August 1995

Nach einer geruhsamen Nacht entspannten wir uns den gesamten Tag am Pool. Lediglich zum Frühstück gingen wir ins Dorf. Da wir heute ausgiebig Zeit hatten und gestern ein Hotel in Mulanje entdeckten, begaben wir uns dort auf Postkartensuche, um uns endlich einmal bei unseren eifrigen Schreibern in der Heimat zu bedanken. Wir erstanden 25 Postkarten und dazu 75 Briefmarken auf der Post. Danach ging es dann zum Pool zurück, um die Postkartenbeschriftungs-Massenproduktion zu starten. Die letzte Postkarte war schließlich die weitgereisteste. Unser Freund Alex machte in Berlin ein Photo vom verhüllten Reichstag à la Christo. Dieses schickte er postlagernd nach Nairobi. Wir transportierten es nun bis nach Mulanje, um das Photo als Postkarte und Dank wieder nach Deutschland zurückzuschicken. Heute konn- ten wir auch in einer sehr angenehmen Atmosphäre die deutschen Top 10 hören. Es gab auch endlich eine neue Nummer 1: Scattman's World!

Mittwoch, 16. August 1995

„Leider" fing heute wieder der Tourenalltag mit dem frühen Aufstehen an. Gegen fünf Uhr morgens standen wir auf, um das Zelt abzubauen und ins Dorf zu laufen. Denn heute ging es wieder zurück in die „leere" Hauptstadt Lilongwe. Nachdem wir in Blantyre gut gefrühstückt hatten, begaben wir uns wieder auf die „Einkaufsroute" nach Lilongwe. Nach fünf Stunden Dauereinkaufen erreichten wir die Hauptstadt und es ging wieder auf den Golfplatz zum Zelten. Danach versuchten wir vergeblich ein Busticket für die morgige Fahrt nach Sambia zu erstehen.

Donnerstag, 17. August 1995

Mit dem heutigen Tag sollte sich entscheiden, wie die restliche Tour verlaufen würde. Bekommen wir nun endlich das Busticket, um heute Nachmittag nach Sambia zu fahren, läuft alles nach Plan. Klappt es mit dem Ticket aus irgendeinem Grund nicht, haben wir ein Problem. Denn der Bus fährt nur einmal die Woche. Sammeltaxis oder Kleinbusse zur sambischen Grenze sind sehr spärlich. Also blieb uns nur die Hoffnung, daß es mit dem Bus heute klappte. Das Besorgen des Bustickets hatte für uns deshalb höchste Priorität. Leider weiß man in Afrika nie, wann man ein Busticket erstehen kann. In Dar-es-Salaam konnte bzw. mußte man es schon mehrere Tage im Voraus besorgen. In Ägypten fuhr eh ständig ein Bus und man konnte einfach zur Busstation gehen. In Kenya war dies meist auch der Fall. Aber bei einem Bus, der nur einmal die Woche fährt, war uns das Risiko am Ende in Lilongwe zu versauern einfach zu groß.

So belagerten wir den Ticketschalter bis wir wirklich irgendwann unsere Busfahrkarte in der Hand hielten. Der Grund, warum keine Tickets mehrere Tage im Voraus verkauft werden, liegt an dem Zustand des Busses. Der Bus kommt nämlich donnerstags morgens von Harare aus Simbabwe. Wenn er denn kommt. Denn er scheint ziemlich oft Liegen zu bleiben. Deshalb werden Tickets erst verkauft, wenn der Bus in Lilongwe angekommen ist. Diese Fahrt sollte uns ein neues Beispiel afrikanischer Auslastung von Bussen geben. Der äußere Zustand dieser Blechbüchse war schon etwas zweifelhaft. Jetzt verstanden wir, warum der Bus wohl öfter liegen bleibt. In besseren Zeiten hatte der Bus wahrscheinlich amerikanische Schulkinder Mitte der 50er Jahre transportiert, ehe er irgendwann nach Afrika ausgesondert wurde. Der Innenraum wurde wieder mit der 5 Personen-pro- Reihe-Version wie in Kenia ausgelastet. Auf Anraten eines Mitreisenden nahmen wir unser Gepäck schon im Vornherein mit in den Bus, da vom Busdach anscheinend öfter Koffer geklaut werden, während der Bus durch die afrikanische Nacht schaukelt. Doch dieses Mal durften wir unsere Rucksäcke nicht im Gang deponieren. Also diente der erste Rucksack als Fußablage, der 2. als Kissen auf der Bank und auf dem dritten machten es sich zwei Sambierinnen bequem.

Wir wollten es kaum glauben, aber pünktlich um 16h00 setzte sich die Blechbüchse in Bewegung. Nach nur 2 Stunden Fahrt erreichten wir die Grenze nach Sambia. Wir waren gespannt, wieviel Stunden wir dieses Mal warten müssten, ehe alle Formalitäten erledigt waren. Doch, nachdem die Grenzbeamten einem Stromausfall trotzten, waren schon nach 2 Stunden alle Dokumente ausgefüllt und geprüft. Nun begann die Nachtfahrt in Richtung der sambischen Hauptstadt Lusaka. Nach kurzer Zeit verspürte ich ein sonderbares Rumoren in meinem Magen. Anscheinend gab heute nach fast 8 Wochen meine Verdauung auf. Mein Zustand verschlimmerte sich zunehmend. Ich gab die Hoffnung aber nicht auf, daß wir in kurzer Zeit sicher irgendwo anhalten werden. Denn wir saßen in der letzten Reihe völlig von unserem Gepäck eingekeilt. Der Gang war mittlerweile ebenfalls mit schlafenden Afrikanern überfüllt. Ich hielt es eine Zeitlang aus und kam schließlich auf die Idee, mit „Imodium" (Durchfallta- bletten) meinen akuten Drang zur Toilette zu stoppen. Aber das Rumoren wurde immer schlimmer und Martin warnte Jonathan, unseren amerikanischen Mitreisenden, den wir in Li- longwe an der Busstation kennenlernten, vor meinem Gesundheitszustand. In klassischem Understatement antwortete er „I smell it!". Irgendwann konnte ich einfach nicht mehr. Ich kletterte über die Sitze der Vorderleute von Armlehne zu Armlehne und rief dem Fahrer mit letzter Kraft zu, daß ich „Stomach problems!" habe. Dies schien er gleich kapiert zu haben, denn er machte sofort eine Vollbremsung. Ich stieg mit einer Rolle Toilettenpapier bewaffnet aus, und wußte erst einmal nicht wohin. Denn es war stockfinster und wir saßen mitten im Busch. Nun befinden wir uns leider nicht in Mitteleuropa, wo man mal kurz ohne Probleme hinter einen Busch rennen kann. Hier gibt es schließlich Schlangen, Skorpione etc.Also hielt ich mich in Scheinwerfernähe auf. Doch die neugierigen Afrikaner, die das Geschehen mittlerweile mitbekamen, stiegen nun ebenfalls aus und amüsierten sich über meinen Zustand. Dies war mir aber mittlerweile total egal. Ich war nur froh, noch heil aus dem Bus gekommen zu sein, bevor ich platzte!!!

Nach dieser unfreiwilligen Unterhaltungsepisode stiegen wir alle wieder ein, und der Bus fuhr tatsächlich die ganze Nacht ohne Unterbrechung weiter.

Zur nächsten Woche                                                                   Zur vorherigen Woche

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