Freitag, 14. Juli 1995 Assuan - Abu Simbel - Assuan
Samstag, 15. Juli 1995 Assuan-Kairo
Sonntag, 16. Juli bis Dienstag, 18. Juli 1995 Kairo-Asmara
Mittwoch, 19. Juli bis Donnerstag, 20. Juli 1995
Asmara-Addis Abeba
Freitag, 14. Juli 1995
Manchmal frage ich mich, wozu wir überhaupt ein Hotel brauchen.
Denn heute brachen wir mal wieder den Rekord im Frühaufstehen. Morgens
um halb vier brach für uns heute der Tag an, da wir zu unserem vorerst
südlichsten Ziel der Reise aufbrachen: Die Tempel von Abu Simbel!
Diese Pharaonen-Tempel hatten beim Bau des Assuan-Staudammes mehr Glück als die Nu- bier-Dörfer! Die Tempel wurden von der UNESCO um einige hundert Meter nach oben versetzt, so daß sie jetzt über dem Staudamm thronen, statt in ihm versunken zu sein. Leider war das Gebiet südlich der Tempel absolutes Sperrgebiet, da sich nur wenige Kilometer südlich die Grenze zum Sudan befindet. Diese Konstellation ist wieder mal ein Beispiel für die sinnlosen Aktionen, die Menschen zum Teil aus politischen Gründen produzieren. Um in den Sudan zu gelangen, hätten wir, abgesehen von der Tatsache, daß die Grenze zum Sudan eh gerade gesperrt war, von hier wieder zur Staumauer des Assuan-Staudammes (280 km nörd- lich!!!) zurückfahren müssen. Dort hätten wir dann ein Boot besteigen müssen, um dann gerade einmal etwa 10 km weiter südlich in Wadi Halfa im Sudan anzukommen. Um von hier unsere Tour nach Süden fortzusetzen, mußten wir nun noch größere Umwege in Kauf nehmen. Nachdem wir die imposante Tempelanlage besichtigt hatten, ging es per Sammeltaxi wieder 280 km nach Norden nach Assuan. Dort bestiegen wir dann abends den Zug in Richtung Kairo. Den Masochisten-Trip im Bus gaben wir uns nicht noch einmal. Überhaupt war dies zunächst einmal die letzte Nachtfahrt, die uns bevorstand. Im Zug bemerkte Martin dann, daß ihm 400 US$ Traveller Checks fehlten. Nach kurzem Überlegen stand fest, daß diese nur im „Bob Marley" Hotel geklaut werden konnten, da er seine Geldtasche, die wir ei- gentlich immer direkt am Körper tragen, für ca. 10 Minuten im Zimmer hat liegen lassen. Aber wir hatten wenigstens „faire" Diebe: Das Bargeld in derselben Tasche rührten sie nicht an. Jetzt konnten wir „endlich" mal den Test morgen in Kairo machen: Welche Company ist kundenfreundlicher in der Erstattung: American Express oder Thomas Cook, da von beiden Firmen Schecks geklaut wurden.
Samstag, 15. Juli 1995
Die Fahrt in der 1. Klasse von Assuan nach Kairo war wirklich ihre
15 € inklusive Abendessen & Frühstück wert. Relativ
ausgeruht stürzten wir uns dann ein letztes Mal in die ägyptische
Bürokratie, um die geklauten Schecks erstattet zu bekommen. Zuerst
gingen wir zu American Express: Diese Firma hält tatsächlich
ihr Versprechen. Keine 15 Minuten waren vergangen, und Martin hatte neue
Schecks in der Hand. Nun gingen wir zu Thomas Cook: Leider kann man von
dieser Firma nicht gerade behaupten, daß sie kundenfreundlich ist.
Denn wir mußten erst einmal Anzeige bei der Polizei erstatten. Dies
ist in Kairo nicht so einfach. Denn nicht jede Polizeidienststelle ist
für Touris zuständig.
Nachdem wir dann die richtige Dienststelle fanden, erbarmte sich nach einiger Wartezeit ein Beamter, die Anzeige aufzunehmen und uns ein Protokoll auszuhändigen. Mit diesem Wisch ging's dann zurück zu Thomas Cook in der Erwartung, endlich die neuen Schecks zu bekommen. Doch die Erwartung erfüllte sich natürlich nicht so schnell. Nachdem das Protokoll und die Erklärung zum Diebstahl aufgenommen worden waren, wurde uns mitgeteilt, wir sollten übermorgen wiederkommen, um die Schecks abzuholen, da ja morgen Sonntag sei! Als wir entgegneten, wir würden das Land heute Nacht in Richtung Eritrea verlassen, stellten der Angestellte lapidar fest, daß Thomas Cook keine Vertretung in Eritrea hat. Aber auch in Äthiopien besitze Thomas Cook keine Repräsentanz! So sollte Martin in Kenias Hauptstadt Nairobi seine Schecks irgendwann wiederbekommen. Mal gespannt, ob dies tatsächlich funktionieren würde.
Jetzt wißt ihr sicherlich, mit welchen Travellerschecks wir seither auf Tour gehen! Nachdem wir diesen lästigen bürokratischen Akt hinter uns gebracht haben, stürzten wir uns ein letztes Mal in den Kairener Alltag ins Chaos dieser 12 Millionen Metropole (vgl. Berlin 3 Millionen Einwohner!). Hauptsächlich verbrachten wir den Nachmittag noch einmal in den Basaren und Souks der Stadt, da ab morgen das Gefühl in 1001 Nacht zu leben, vorbei sein wird. Es heißt nun Abschied nehmen vom ständigen Handeln, vom Tee trinken und von den vielen islamischen Bauwerken, wie z. B. den Moscheen, die mich sehr fasziniert haben. Am späten Abend verließen wir Kairo in Richtung Flughafen, um morgen früh um halb fünf nach Eritrea zu fliegen.
Sonntag, 16. Juli bis Dienstag, 18. Juli 1995
Wir hofften, daß wir bei Ankunft am Kairener Flughafen sofort einchecken könnten, um uns dann irgendwo ein paar Stunden zum Schlafen hinzulegen. Aber unsere Hoffnungen erfüllten sich leider nicht. So blieb uns nichts anderes übrig, als bis halb drei zu warten, auf daß die Check-In-Schalter geöffnet würden. So hatten wir genug Zeit, uns über unser nächstes Ziel Gedanken zu machen: Eritrea gibt es erst seitdem das Land seine Unabhängigkeit durch ein Referendum vor 2 Jahren erreicht hat. Die gesamten 30 Jahre vorher hat das Land um seine Unabhängigkeit vom kommunistischen Äthiopien gekämpft. Was würde uns dort wohl erwarten? Wir hatten praktisch keine Informationen über das Land bekommen können. Aber mittlerweile hatten wir vor dem Ungewissen keine Ängste mehr, da Syrien zum Beispiel uns sehr positiv überrascht hat. Deswegen waren wir eher neugierig, was uns dort wohl erwarte. Außerdem wußten wir ja noch immer nicht, wie wir von Eritrea weiterreisen würden. Bekommen wir für Äthiopien ein Visum, klappt es eventuell mit dem Transitvisum für Äthiopien am Flughafen, oder müssen wir direkt weiter nach Kenia reisen, ohne Äthiopien zu besuchen. Eigentlich war es ja immer mein Traum, den Kontinent ganz ohne Flugzeug zu durchqueren. Aber dies ist heute nicht mehr möglich. Man denke nur an die Konflikte im Kongo, in Ruanda und Burundi bzw. Algerien, und schon wird klar, daß die Westroute durch Afrika noch weniger bereisbar ist, als unsere Ostroute. 4 Wochen vorher hätten wir es wahrschein- lich bis nach Khartoum ohne Flieger geschafft. Aber danach? Im Sudan herrscht ebenfalls im Süden ein „vergessener" Bürgerkrieg, und Sudan scheint mit Eritrea auch nicht gerade gut nachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen. Vom Sudan direkt nach Äthiopien zu gelangen, scheint zwar nicht unmöglich, ist aber in unserem engen Zeitplan nicht durchzuführen. Um dann von Äthiopien nach Kenia zu gelangen, ist ebenfalls viel Zeit nötig, da die Straßen nur aus Pisten bestehen. Bei diesen Gedankenspielen verging die Zeit recht schnell, und kurz darauf hoben Meik und Martin zum ersten Mal in ihrem Leben mit dem Flieger ab.
Der Egypt Air Flug mit einem neuen Airbus A320 war sehr angenehm und entsprach nicht dem Bild, was man oft über innerafrikanische Flüge gemalt bekommt. Nach rund 3 Stunden Flug hatten wir den Sudan nun endlich passiert und sind im Morgengrauen ohne Zeitverschiebung in Asmara, der Hauptstadt von Eritrea gelandet. Überhaupt müssen wir auf unserer Tour kaum die Zeit umstellen. Von Ungarn nach Rumänien verloren wir eine Stunde, und wenn alles klappt gewinnen wir diese beim Grenzübertritt von Tansania nach Malawi wieder zurück! Das war's dann auch schon in Sachen Zeitverschiebung. Vor der Einreise hatten wir ein bißchen Bammel, nachdem wir bei der Visabeschaffung ja ziemlich zu kämpfen hatten. Aber es ging alles sehr korrekt zu. Die Einreisebeamten sind mit Computern ausgestattet und markieren alle relevanten Paßdaten auf einem EAN-Code, ähnlich den Codes auf unseren Verpackungen im Supermarkt! Nachdem wir die Paßformalitäten hinter uns gebracht hatten, gaben uns die Einheimischen sofort den Tip, mit dem Bus in die Stadt zu fahren. So ging's für umgerechnet 0,08€ in die Stadt. Bei diesen Fahrpreisen rentiert sich ein Umsteigen auf den ÖPNV garantiert. Sollte man vielleicht auch bei uns einführen! Wenn wir schon nicht nach Khartoum kommen, so konnten wir wenigstens im Khartoum Hotel übernachten. Hier gab es wahrscheinlich die angenehmsten Betten der gesamten Reise. Diese wurden von uns auch erst einmal am Sonntag recht lange beansprucht, da wir seit Dienstag nicht mehr richtig schlafen konnten. Da mittlerweile hellichter Tag war, zogen wir den Rolladen herunter. Hierbei fiel uns durch den völlig durchsiebten Rolladen zum ersten Mal auf, welche schlimme Vergangenheit dieses Land mit sich trägt.
Die nächsten beiden Tage erholten wir uns von dem hektischen Alltag in Ägypten und der Hitze, die dort geherrscht hat. Asmara würde einen angenehmen Luftkurort mit seiner Lage in 2500m Höhe und 25°C Lufttemperatur abgeben. Wenige existierende Autos (fast alles na- gelneue Opel Astra!) verpesten kaum die Luft. Hier gibt es noch Ochsenkarren als Transport- mittel. Da Eritrea einst von den Italienern besetzt war, bevor die Äthiopier kamen, sieht diese Stadt ein bißchen aus, wie eine typische Kleinstadt in der Toskana: Für ein moslemisches Land, gibt's in Eritreas Hauptstadt ungewöhnlich viele Kirchen, und sehr sehr viele Bars! Die ganze Stadt ist mit Alleen & Piazzas durchzogen. Von der kulinarischen Seite war Asmara das reinste Paradies: Pizza, Spaghetti und Cappucino an jeder Straßenecke und in bester Qualität. Was uns in Asmara ebenfalls auffiel, war das Fehlen von Uniformierten. Weder am Flughafen, noch vor den Botschaften oder in der Stadt selbst, trafen wir auf Menschen in Uniform. Polizisten erkennt man hier ausschließlich an der Mütze. Die restlichen Kleidungsstücke sind zivil. Außerdem findet man in keinem Geschäft oder am Flughafen Bilder vom Präsidenten, nachdem in Ägypten und Syrien die Herren Mubarak und Assad von fast jeder Wand hinunter blickten. Wir stellten folgende These auf: Je weniger Bilder eines Präsidenten an Wänden hängen, um so gefestigter die Demokratie. Wer hängt schon ein Bild von Helmut Kohl in seinen Laden? Vielleicht keine so falsche These? Jedenfalls gilt Eritrea als ein halb- wegs demokratischer Staat, was in Afrika schon ein gewisse Auszeichnung darstellt.
Um unsere Weiterreise in geregelte Bahnen zu bringen, versuchten wir bei der äthiopischen Botschaft zu erkunden, ob wir am Flughafen in Addis Abeba (Hauptstadt von Äthiopien) ein Transitvisum erhalten könnten. Leider konnten die Botschaftsangestellten uns dazu aber keine Auskunft geben. Mittlerweile hatten wir beschlossen, Eritrea auf jedem Fall auf dem Luftweg in Richtung Addis Abeba zu verlassen, da wir nicht in Erfahrung bringen konnten, wie lange es dauert, um mit dem Bus von Eritrea nach Addis Abeba zu gelangen. Seitdem wir Ägypten verlassen hatten, trafen wir auch keine (Rucksack) Touristen mehr, die wir hätten fragen können.
Mittwoch, 19. Juli bis Donnerstag, 20. Juli 1995
Um 5h00 war die Nacht für uns mal wieder wesentlich früher zu Ende als in der fernen Heimat Mainz. In dieser Hinsicht ist diese Reise manchmal wirklich eine Strapaze, wenn man wie ich eine Frühaufstehphobie hat. Aber in Afrika leben die Menschen nach und mit der Sonne, da ja oft um die Mittagszeit eine solche Hitze herrscht, daß man sowieso am besten ein Mittagsschläfchen hält. Deshalb fallen die meisten Aktivitäten in den frühen Morgen und den späten Nachmittag. Der heutige Tag wird sicherlich aufregend, da wir nicht wissen, in welchem Land wir heute Abend zu Bett gehen werden. Zur Zeit sieht alles danach aus, daß wir unser nächstes Quartier in Kenia beziehen werden, denn wir haben bei Ethiopian Airlines einen Flug von Asmara via Addis Abeba nach Nairobi gebucht. Aber vielleicht wissen ja die Mitarbeiter am Flughafen von Asmara mehr über das ominöse Transitvisum für 50 US$, das es angeblich in Addis geben soll.
Leider fährt um diese Herrgottsfrühe noch kein Bus zum Flughafen, so daß es dieses Mal mit dem Taxi losgeht. Wir kommen allerdings erst mal nicht sehr weit. Nachdem wir die Höchst- geschwindigkeit von 40 km/h erreicht hatten, bekam ich den Eindruck daß gleich das gesamte Taxi auseinanderfällt. Diese Feststellung beunruhigte mich nicht sonderlich, da wir schon mit schlimmeren Transportmitteln dennoch unsere Ziele erreicht hatten. Dieses Mal aber hatten wir nicht soviel Glück, denn plötzlich hörten wir nur noch „Flapp, flapp" und ein Reifen war geplatzt. Nun hatte ich ernste Befürchtungen, daß wir unseren Flug nach Addis verpassen würden, und vielleicht eine weitere Nacht hier in Eritrea bleiben müssten. Denn eigentlich gilt in ganz Afrika der Grundsatz, den einmal ein Afrikaner aussprach: „Europeans have money, Africans have time" .Dieses Mal machten wir uns umsonst Sorgen. Da Pannen im Allgemeinen und Reifenpannen (schon unsere 2.) im Besonderen hier relativ häufig vorkommen, sind die Fahrer auch gleichzeitig geschickte Mechaniker. So wurde der kaputte Reifen gegen einen nicht minder schlechten Reifen ohne jegliches Profil ausgetauscht. 15 Minuten hatte dieser in Formel 1 Manier ausgeführte Reifenwechsel gedauert, ehe es dann ohne weitere Probleme zum Flughafen ging. Dem Fahrer war die Angelegenheit trotzdem so peinlich, daß er fast vergaß sein wohl verdientes Geld in Empfang zu nehmen. Dann standen wir vor dem Flughafen vor verschlossenen Türen mit einigen anderen Passagieren. Gegen halb sieben wurden wir dann reingelassen. Wohin er das Gepäck schicken sollte, nach Addis Abeba oder Nairobi, fragte uns der Angestellte von Ethiopian Airlines. Recht unschlüssig entschieden wir uns dann für Addis, obwohl auch hier am Flughafen niemand etwas von der Transitvisaregelung in Addis gehört hatte. Der Flug in einer Boeing 757 verlief wieder sehr ruhig und ohne Besonderheiten. In Addis angekommen ging's direkt zur Paßkontrolle und nun sollte sich zeigen, ob unser Reiseführer Recht hatte. Wir setzten unser freundlichstes Gesicht auf und erklärten der Einreisebeamtin, daß wir noch kein Visum hätten, aber gerne Addis Abeba besuchen würden. Tatsächlich entgegnete sie, dies sei doch kein Problem, solange wir nach höchstens 72 Stunden das Land über den Flughafen hier in Addis wieder verlassen würden. Nachdem wir auch die 50 US$ Visumgebühr entrichtetet, eine Währungsdeklaration ausgefüllt hatten und einen unserer Pässe abgaben, waren wir auch schon nach Äthiopien eingereist. Jetzt waren wir wirklich froh 2 Pässe zu besitzen, denn in die äthiopische Bürokratie hatten wir nicht so das volle Vertrauen. Falls einer der Pässe verlorengeht haben wir ja noch den 2. für alle Länder nach Äthiopien.
Diese Währungsdeklaration ist ein weiterer afrikanischer Bürokratenakt. Mit ihrer Hilfe soll der Geldwechsel-Schwarzmarkt bekämpft werden. Oft sind nämlich afrikanische Währungen völlig überbewertet. Dann kommt man als Traveller wirklich in Gewissensnot. Tauscht man schwarz, liegen die Reisekosten manchmal um bis zu einem Drittel niedriger, als wenn man legal auf der Bank zum offiziellen Kurs tauscht. Andererseits schadet man damit sicher dem Staat, den man als Gast gerade bereist. Meist haben wir daher legal getauscht. Aber in manchen Ländern kommt man wegen der fehlenden Banken und der kurzen Öffnungszeiten gar nicht dazu legal zu tauschen. Deshalb diese Währungsdeklaration: Es müssen alle Bargeldbeträge und Reisescheckbeträge vermerkt werden. Bei jedem Tausch trägt die Bank dann den eingetauschten Betrag ein, so daß bei der Ausreise der Grenzbeamte (theoretisch) die Möglichkeit hat, zu überprüfen, ob man „schwarz" getauscht hat. Aber weder bei der Einreise noch bei der Ausreise kontrollierte jemand unsere Geldreserven, was natürlich die Existenz einer solchen Deklaration ad absurdum führt.
Addis Abeba hat uns nicht sonderlich begeistert. All das, was Asmara auszeichnete, fehlte hier fast vollkommen: Ruhe, kurze Wege, Sauberkeit, schöne Alleen und Plätze gab es hier nicht. Dafür wuselten durch die ganze Stadt Horden von Bettelkindern, die ziemlich penetrant werden können. Es gibt zwar einige schöne äthiopisch-orthodoxe Kirchen als Sehenswürdigkeiten, aber ansonsten prägen breite 6-spurige Straßen das Bild dieser Stadt, die mich sehr an osteuropäische Städte erinnert, da alles in diesem sozialistischen Trostlosstil erbaut ist. Dann fing es auch noch kräftig an zu schütten. Doch zynischerweise freuten wir uns, denn dadurch flüchteten alle Straßenkids und wir konnten endlich mal alleine die Stadt erkunden. Dies war praktisch der erste Regentag auf unserer Tour. Wir hatten bisher mit dem Wetter wirklich gut geplant. Bei einer Afrikadurchquerung von Nord nach Süd muß man nämlich irgendwann einmal auf die Regenzeit treffen. So geschah es bei uns hier in Äthiopien, was natürlich nicht allzu tragisch ist, da wir hier nicht lange verweilen würden. Ab Kenia sollte wieder Trockenzeit herrschen. Durch den Regen hingen wir natürlich auch wieder lange in den Cafés der Stadt herum, da der Kaffee hier wirklich wunderbar schmeckt und dank italieni- scher Tradition auch als Cappucino zu erhalten ist.
Abends ging's dann mal nicht in irgendein Tee- oder Kaffeehaus oder in eine Bar, sondern ins Kino. Für etwas 0,5€ schauten wir „No way out" in englischer Originalfassung mit französischen und arabischen Untertiteln. Warum die Untertitel eingeblendet wurden ist mir ein Rätsel, denn in Äthiopien sprechen die Leute Amharisch und weder Französisch noch Arabisch. Leider fanden wir nach dem Kinobesuch nicht sofort ein Taxi und wurden von einer Horde Straßenkids regelrecht überfallen. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde uns aus den Taschen geklaut. Glücklicherweise waren dies fast nur gebrauchte Taschentücher, aber auch ein Brillenetui und ein Tagebuch. Somit hatten wir von Addis letztendlich nicht so einen positiven Eindruck. Aber wir entschlossen uns, irgendwann einmal Äthiopien richtig zu besuchen. Dies taten Meik und ich dann knapp 2 Jahre später und wir wurden nicht enttäuscht.
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