Woche 3:

Freitag, 07. Juli 1995 Kairo
Samstag, 08. Juli 1995 Kairo
Sonntag, 09. Juli 1995 Kairo - Alexandria - Kairo
Montag, 10. Juli 1995 Kairo
Dienstag, 11. Juli 1995 Kairo
Mittwoch, 12. Juli 1995 Kairo-Assuan
Donnerstag, 13. Juli 1995 Assuan

Freitag, 07. Juli 1995
 Glücklicherweise hatte heute die Deutsche Botschaft überhaupt auf. Denn in moslemischen Ländern ist freitags der Ruhetag, nicht sonntags. Daher dachten wir, das Glück sei heute wieder auf unserer Seite. Doch dann stellte sich heraus, daß das Empfehlungsschreiben keine Sache von 5 Minuten ist, sondern ein längerwieriger bürokratischer Akt. Wir können das Schreiben am nächsten Werktag abholen, sagte man uns großzügigerweise in der Botschaft. Da Samstag nicht gearbeitet wird, sonntags Ruhetag ist, sollten wir also Montag wiederkommen. Da das Empfehlungsschreiben 20 DM kostet, dachten wir, wir könnten dies auf der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in DM zahlen. Weit gefehlt. Die Deutsche Botschaft akzeptiert nur ägyptische Pfund!!! Da wir aber davon nicht genügend bei uns hatten, mußten wir erst einmal Geld tauschen, um dann wieder anzurücken, um das Empfehlungsschreiben zu bezahlen.

Da wir von Eritrea nach Äthiopien reisen wollten, und auch für dieses Land noch kein Visum hatten, hätten wir noch ein 2. Empfehlungsschreiben für Äthiopien benötigt. Die Äthiopier wollten zudem 62 US$ haben. Ein aberwitziger Betrag, wie ich meine. In unserem Reisefüh- rer stand allerdings, wenn man in Äthiopien nur 3 Tage im Transit sei, könne man das Visum auch am Flughafen der Hauptstadt Addis Abeba für 50 US$ ohne Empfehlungsschreiben erhalten. Leider konnte dies uns weder die äthiopische Botschaft, noch Ethiopian Airlines bestätigen. Da wir aber keine Lust hatten, unsere gesamte Reisekasse für solch astronomische Visagebühren zu ruinieren, verzichteten wir in Kairo darauf, zusätzlich ein Visum für Äthiopien zu beantragen. Ihr werdet Euch fragen, warum wir das Visum nicht schon in Deutschland beantragt haben. Ganz einfach: Alle anderen Länder (Sudan, Tansania, Sambia etc.) stellten das Visum zu einem bestimmten Datum aus. Danach war dieses Visum 3 Monate zur Einreise gültig. Eritrea und Äthiopien gestatteten aber nur einen Monat Gültigkeit. Da wir jetzt schon 2 Wochen unterwegs waren, und wir ein Visum ja zumindest einige Tage vor Reiseantritt besorgen müssen, wäre das Visum vor Ankunft im Gastland schon verfallen gewesen. Deshalb dieser ganze Bürokratenkram hier in Ägyptens Hauptstadt.

Mittlerweile war es schon wieder Freitag Mittag. Da wir jetzt bis mindestens Montag blockiert waren, hatten wir nun genügend Zeit, diese faszinierende Stadt mit ihrer einmaligen Umgebung (Pyramiden) zu entdecken. Deshalb ging es zuerst zu den Pyramiden von Giseh, die uns wirklich in Staunen versetzten. Wie die alten Ägypter solche imposanten Bauwerke vor 4600 Jahren „hinkriegten", beeindruckte mich besonders. Natürlich machten wir auch den ultimativen Camelride um die Pyramiden herum. Aber Kamelreiten ist nichts für Jungs, da wir uns an den Lenden alles aufscheuern. Wie dies bei Mädels ausschaut, weiß ich leider nicht! Ich war jedenfalls froh, wieder von dem Kamel heil runtergekommen zu sein. Der Sonnenuntergang in Giseh ist wirklich ein Traum. Die Sonne verschwindet tatsächlich hinter den Pyramiden in der Wüste! Einfach schön!!!

Samstag, 08. Juli 1995

Da wir heute von jeglichem Visabesorgungsaktionen unfreiwillig entbunden waren, machten wir einen Ausflug zu den noch älteren Pyramiden von Sakkara. Diese sind ca. 200 Jahre älter als die „Grabsteine" von Giseh. Man nennt den Bautyp in Sakkara auch Stufenpyramide, da die Bauwerke aus 3-4 großen Stufen bestehen. Die Pyramiden von Sakkara sind nicht so berühmt wie diese von Giseh. Dadurch hatten wir sie fast für uns alleine, nachdem gestern natürlich ständig Horden von Touris um uns herum durch den Sand stapften. Daher hatten wir alle von Sakkara ein wirklich angenehmes Bild, wohingegen der Eindruck von Giseh natürlich unter dem Andrang der Touristen leidet. Aber wir sind ja selber Touris, also haben wir auch kein Recht uns zu beklagen.

Heute Nachmittag, wartete dann ein weiteres Highlight unserer Reise auf uns: Das Haupt- postamt von Kairo! Warum gerade das Hauptpostamt fragt Ihr Euch? Tja, 1995 waren Emails noch introvertierten Computerfreaks vorbehalten. Wenn man sich auf eine solch lange Reise begab, verfaßte man damals eine Liste von Städten, in die dann die Daheimgebliebenen bis ca. 14 Tage vor unserer voraussichtlichen Ankunft haben postlagernd schreiben können. Die erste Stadt, die sich auf unserer Liste befand war nun Kairo gewesen. Deswegen ging es mit größter Spannung in das Postamt zum „Poste Restante" Schalter. Um so größer war natürlich die Enttäuschung, daß uns dreien „nur" Meik's Mutter geschrieben hatte. Aber bleiben wir mal realistisch. Wir waren gerade mal etwas mehr als 2 Wochen unterwegs. Rechnet man dann 2 Wochen Transportweg ein, hatten die Daheimgebliebenen gerade einmal 2-3 Tage Zeit seit unserer Abfahrt, einen Brief zu verfassen. Von daher ließen wir noch einmal Gnade vor Recht ergehen und waren auf die Freunde und Verwandten nicht sauer, daß sie uns so schnell „vergessen" haben. Außerdem werden wir nie erfahren, wer uns tatsächlich alles geschrieben hat. Denn leider gehen viele Briefe und Postkarten bei „Poste Restante"-Sendungen verloren. Deshalb ist so wichtig, daß der Absender auch seine Adresse auf dem Brief vermerkt. Denn manchmal kommt die Post zu spät im Postamt an, häufig ist sie unter falschem (Vor-)Namen abgelegt, und manchmal wird sie nach wenigen Tagen Verbleib im Postamt schon wieder zurückgeschickt, „da sie ja niemand abgeholt hat" .Die letzte Karte, abgeschickt aus Kroatien im Juli 1995 nach Kapstadt, erreichte mich übrigens im Juli 1996 in meiner Heimatstadt Mainz, da der Absender schlauerweise meine Heimatadresse draufschrieb, und die Karte so von Kroatien via Südafrika nach Deutschland flog! Leider hieß unsere nächste „Poste Restante Stadt" Khartoum. Da wir ja nun nicht nach Khartoum gelangen werden, schrieben wir einen Brief an die Postverwaltung in Khartoum, die Briefe bitte nach Lilongwe in Malawi weiterzuleiten. Ob diese Aktion von Erfolg gekrönt sein wird, werden wir in ca. 5 Wochen im südlichen Afrika erfahren…

Sonntag, 09. Juli 1995

Da wir ja auch heute wieder in Sachen Visum nichts unternehmen konnten, entschieden wir uns spontan, einen „kleinen" Ausflug zu unternehmen. Schließlich wollten wir den gesamten afrikanischen Kontinent durchqueren. Deshalb fuhren wir heute Morgen mit einem wirklichen Hochgeschwindigkeitszug ins 250 km entfernte Alexandria an Ägyptens Mittelmeerküste. Leider hat diese geschichtsträchtige Stadt außer ihrem klangvollen Namen nicht mehr all- zuviel zu bieten. Wir genossen den Sonntag ein letztes Mal am Mittelmeer und kehrten abends wieder nach Kairo per Zug zurück.

Die Abende in Kairo wurden insbesondere für Martin und mich immer besser. Nach Ein- bruch der Dunkelheit verschanzen wir uns in einem der vielen Teehäuser, schlürfen genüß- lich den stark gesüßten Tee und spielen stundenlang Domino!!! Man merkt, daß wir unsere europäische Lebensweise wirklich langsam ablegen, und die arabische wenigstens in Stücken adaptieren. Statt abends in (nicht existierende) Kneipen zu verschwinden, verbringen wir die Abende wie viele Ägypter im Teehaus mit Schwätzen, Tee trinken und Domino spielen…

Montag, 10. Juli 1995

Pünktlich um 08h00 morgens standen wir vor der Deutschen Botschaft, um unser heiß begehrtes Empfehlungsschreiben für das eritreische Visum abzuholen. Auf die deutsche Bürokratie war mal wieder Verlaß: Wenige Minuten später hielten wir das Empfehlungsschreiben in unseren Händen. Leider ist Kairo nicht gerade so überschaubar wie eine Großstadt in Deutschland. Deshalb müssen wir ständig, um zu den Botschaften zu gelangen, ein Taxi nehmen. Bei deutschen Taxipreisen wäre unsere Reise wahrscheinlich aus finanziellen Gründen schon in Kairo beendet gewesen. So aber lernten wir die Stadt aus dem Taxi wirklich gut kennen. Da wir natürlich den Preis für jede Strecke mit dem Fahrer im voraus aushandeln mußten, lernten wir mit der Zeit auch richtig zu handeln. Dies ist für einen Aufenthalt, wie z. B. Ägypten, Grundvoraussetzung für das finanzielle Überleben in einem solchen Land. Denn es gibt immer wieder Landsleute, denen es egal scheint, einen exorbitant überhöhten Preis zu zahlen. Die Leidtragenden sind dann nachfolgende Touristen, die diese Preise dann ebenfalls zu zahlen haben. Daher sind die unfreiwilligen Kurse in Sachen Fahrpreisaushandeln für jegliche finanzielle Transaktion in Ägypten äußerst hilfreich.

So ging es nun endlich, nachdem wir schon 5 Tage in Kairo waren, zur eritreischen Botschaft. Doch nun fängt das bürokratische Drama, das mich fast in den Wahnsinn trieb, erst so richtig an. Ein Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft, eine gültige Gelbfieber- und Choleraimpfung, 135 ägyptische Pfund (30€), 2 Paßbilder, ein Hin- und Weiterflugticket und eine sog. „Tourist Residence" mußten wir vorweisen, damit wir überhaupt Antragsformulare ausgehändigt bekamen. Unter den erstgenannten Voraussetzungen konnten wir uns noch ein Bild machen, aber was in aller Welt ist eine „Tourist Residence" ?Diese Frage konnte uns die liebe Empfangsdame in der eritreischen Botschaft auch nicht beantworten. Wo wir diese besorgen können? Keine Ahnung, war ihre Antwort. Jetzt waren wir zum 1. Mal auf der Tour so richtig „down". Woher diese „Tourist Residence" bekommen? Doch wir gaben noch nicht auf: Und wir stürzten uns nun voller Enthusiasmus in die ägyptische Bürokratie! Zuerst wollten wir das Flugticket nach Eritrea bei „Wonder Travel" besorgen. Das Weiterflugticket nach Addis Abeba hielten wir ja schon in der Hand. Also schnell mit dem Taxi zurück in die Stadt zu „Wonder Travel". Nach langen Diskussionen mit den Agenten gelang es uns nach 3 Stunden endlich die Tickets zu bekommen. Als Preis war übrigens der Ausgangspreis von umgerechnet 225€ handschriftlich vermerkt. Wie dies buchhalterisch zu bewerten ist, daß die Kunden nun nur 195€ zahlen, scheint hier niemanden zu interessieren. Danach stellten wir uns dem Kampf um die „Tourist Residence": Am nördlichen Ende des großen Tahir Platzes im Zentrum von Kairo steht das monströse Mogamma-Gebäude, das Zentrum der ägyptischen Bürokratie. Wir sagten uns, wenn es diese „Tourist Residence" irgendwo in Ägypten gibt, dann hier. Die 2000 Angestellten wuselten wie Ameisen um uns herum, doch niemand konnte uns sagen, wo wir dieses Papier erhalten können. Genervt traten wir den geordneten Rückzug in Richtung Ethiopian Airlines Office an, denn deren Angestellten, waren die Einzigen, die hier in diesem Verwirrspiel noch den Durchblick hatten. Von dieser „Tourist Residence" hatte hier auch noch niemand etwas gehört. Deshalb rief die nette Angestellte unverzüglich bei der eritireischen Botschaft an, um dort noch einmal nachzufragen. Als die Empfangsdame in der Botschaft erfuhr, daß wir mittlerweile das Hinflugticket aufgetrieben hatten, meinte sie die „Tourist Residence" sei egal. Wir sollten doch gleich mit unseren Unterlagen vorbeikommen. Wenn wir das Visum am heutigen Montag beantragen, könnten wir es am Dienstag schon abholen und sofort nach Oberägypten aufbrechen und uns dieses herrliche Land genauer anschauen. Doch daraus wurde leider nichts, denn als wir bei der Botschaft eintrafen, prüfte die Dame zwar noch unsere Unterlagen, und meinte alles sei nun o.k. aber die Botschaft wäre nun geschlossen, und wir sollen doch morgen wiederkom- men. Jetzt flippte ich doch langsam aber sicher aus. Nur um uns mitzuteilen, daß die Unterlagen nun in Ordnung sind, mußten wir mit dem Taxi durch die halbe Stadt kurven, um dann doch wieder zurück in die Stadt ohne Visumantrag aufzubrechen. Es blieb uns nichts anderes übrig als morgen wieder hier vorbeizuschauen…

Dienstag, 11. Juli 1995

Kaum hatte die eritreische Botschaft wieder geöffnet, standen wir drei auch schon auf der Matte. Die Empfangsdame prüfte wieder akribisch alle mitgebrachten Unterlagen auf ihre Vollständigkeit. Nach eingehender Prüfung fiel ihr auf, daß die berüchtigte „Tourist Residence" fehlte!!! Ohne „Tourist Residence" kein Visum war ihre lapidare Antwort darauf, daß wir ihr sagten, daß doch gestern auch ohne „Tourist Residence" wir ein Visum ausgestellt bekämen. In diesem Moment habe ich fast einen Kollaps vor Wut bekommen, und ich flippte zumindest innerlich total aus. Wir bettelten danach solange, bis die Dame ihren Chef fragte, ob das Visum auch ohne „Tourist Residence" zu bekommen sei. Nach ca. 5 Minuten des Beratschlagens, die uns wie eine Ewigkeit vorkamen, gab's jetzt endlich das o.k. vom Chef! Wir gaben die Pässe ab und sollten sie morgen Mittag mit den Visa wiederbekommen. Den Rest des Tages erholten wir uns von den Visastrapazen der letzten Tage und spielten sehr viel Domino und genossen das leckere Kushari, eine ägyptische Spezialität: Reis, Nudeln, geröstete Zwiebeln, eine scharfe Tomatensauce und Kichererbsen sind die Hauptbestandteile dieser recht einfachen Speise, die aber wirklich prima schmeckt!

Mittwoch, 12. Juli 1995

Mit gemischten Gefühlen fuhren wir heute zum X-ten Mal zur eritreischen Botschaft, um nun zu sehen, ob sich nicht über Nacht, die Meinung eines Botschaftsangestellten eventuell geändert hatte, und wir doch erst die „Tourist Residence" besorgen mußten, um ein Visum zu beantragen. Aber unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich zum Glück nicht. Ohne Probleme erhielten wir unsere Pässe mit den Visa zurück! Diese Schreckensgeschichte war nun endlich vorüber, und wir konnten unsere Reise jetzt weiter planen. Zuerst wollten wir Kairo so schnell wie möglich in Richtung Süden nach Oberägypten verlassen. Der Zug nach Assuan war leider in der 2. Klasse ausgebucht, und die 1. Klasse war uns trotz des niedrig erscheinenden Preises von umgerechnet 15€ zur Zeit zu teuer, da wir ja noch mehr als 6 Wochen vor uns hatten und wir durch den nicht geplanten Flugscheinkauf in unserem Finanzplan ein bißchen ins Hintertreffen geraten waren. Deshalb entschieden wir uns, mit dem Bus nach Assuan für ca. 11€ zu reisen.

Nach fast einer Woche Aufenthalt in Kairo ging es nun endlich wieder „on the road". Allerdings war die Entscheidung, den Bus der 1. Klasse in der Bahn vorzuziehen, eine grobe Fehlentscheidung. Erstens waren wir total zusammengepfercht auf äußerst engen Sitzen. Rauchverbot ist ein Fremdwort in ägyptischen Bussen, und daher waren wir bald ziemlich gut durchgeräuchert. Außerdem fuhr der Bus von Kairo via Suez und Hurghada nach Assuan, da wegen befürchteter Terroranschläge im Niltal die direkte Route nicht mehr sicher genug erschien. Dieser Umweg kostete uns sicher 2-3 Stunden, die wir ansonsten ohne lungenkrebsverdächtige Luft hätten (er)leben können. Trotz einer Nachtfahrt lief der obligatorische Bordfernseher natürlich die ganze Nacht, obwohl ich den Eindruck hatte, daß die Mehrzahl der Passagiere hatte schlafen wollen. Aber wenn man natürlich für einen 1. Klassebus bezahlt hat, muß der Fernseher und mit ihm Jean Claude Vandamme & Freunde Nachtschicht schieben. Zu diesem „Komfort" kam dann noch eine große Menge an Adrenalinausstößen hinzu, da Ägypter, was das Autofahren betrifft, wirklich einen Knall haben: In der Nacht fährt man im Allgemeinen ohne Scheinwerfer, da dies ja Benzin verbraucht. Daß die Benzinpreise bei etwa 1€ für 5 Liter liegen, scheint diese absurde These nicht besonders zu entkräften. Begegnen sich dann 2 Autos in der Dunkelheit, wird sofort das Licht eingeschaltet. Da die Augen sich aber an die Helligkeit nicht so schnell gewöhnen können, wird sofort das Fernlicht eingeschaltet!!! Daß dabei beide Fahrer völlig geblendet werden, scheint hier keinen zu interes- sieren. Mit flauem Gefühl im Magen ging es nun zuerst mal wieder nach Osten bis nach Suez, wo wir vor einer Woche am Tunnel auf der anderen Seite in Asien übernachteten. Von Suez ging es dann am Roten Meer entlang nach Süden in die Dämmerung hinein bis ins Tourihauptquartier Hurghada. Von dort fuhren wir durch das Küstengebirge nach Westen ins Niltal bei Luxor, um dann nilaufwärts endlich nach Assuan zu gelangen.

Donnerstag, 13. Juli 1995

Nachdem wir die letzte Nacht nicht gerade viel schlafen konnten, waren wir gar nicht so un- glücklich darüber, daß im Busbahnhof von Assuan mal wieder ein Hotelschlepper auf uns wartete, der uns natürlich wieder ins „beste Hotel" der Stadt bringen wollte. Die Übernachtungspreise von 1€ mit Frühstück waren natürlich der absolute Hammer! Aber das ist Ägypten live! Für Backpacker ohne viel Geld ist dieses Land das absolute Paradies: Eine einmalige Geschichte, die auch heute noch zu bewundern ist, gutes Essen, prima Bus- und Bahnverbindungen und die wahrscheinlich günstigsten Hotels weltweit. Die Menschen in Ägypten sind dagegen eine zweischneidige „Sache". Da sie an Touris gewöhnt sind, versuchen sie ständig entweder Geschäfte zu machen oder Bakschisch zu bekommen. „Bakschisch" hört man schon bei der geringsten Gefälligkeit, die ein Einheimischer einem Fremden gegenüber geleistet hat (z. B. den richtigen Weg weisen, den Rucksack in den Bus laden etc.). Dieses penetrante „Betteln" kann dann natürlich irgendwann zuviel werden. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, daß Touris halt oft die einzige Einnahmequelle dieser Menschen sind. Au- ßerdem ziehe ich es vor, ein paar Mal am Tag Pfennigbeträge für Gefälligkeiten zu zahlen, dafür aber nicht das Gefühl zu haben, daß mir ständig jemand an meine gesamte Kohle ran möchte, wie im Zug durch Rumänien. Leider hat der Ruf Ägyptens durch die Terroranschläge um 1995 zurecht sehr gelitten. Neuerdings ist dieses Land anscheinend wieder sicherer geworden. Aber zu welchem Preis? Angeblich dürfen Touris keine Busse der Einheimischen in den Krisenregionen benutzen, und auch sonst kommt man sich anscheinend wie in einem Freilichtgefängnis vor.

Nachdem wir im „Bob Marley" Hotel angekommen sind, haben wir erst einmal den Schlaf der letzten Nacht nachgeholt. Der Name unseres Hotel steht für den ungekrönten Helden des schwarzen Kontinents, wie wir im Verlauf der Reise immer wieder erfahren werden. Mittlerweile denke ich, daß Reggae in Afrika wesentlich populärer ist als in der seiner Heimatregion der Karibik. Überall in Afrika hören wir Reggaemusik und das Bild Bob Marley's findet sich auf Autos, Bussen, in Hotels und Restaurants und in Tansania sogar auf Einkaufstüten.

Das Sightseeing Programm wurde heute auf das Wesentliche beschränkt, da wir auch in Ägypten gerade Sommer haben und wir uns in der Sahara befinden. Deswegen sind die Temperaturen von 45°C (im Schatten) hier zur Zeit normal. Zum Glück herrscht hier eine trocke- ne Hitze, die wesentlich besser zu ertragen ist als feuchtheißes Klima um 30°C. Assuan, als Stadt hat natürlich nicht die Sehenswürdigkeiten wie Kairo oder Luxor, doch die Nilpromenade lädt abends zum Flanieren ein, und für wenig Geld läßt es sich prima auf den Restaurantschiffen bei Kerzenschein auf dem Nil dinieren. Das Westufer des Nils ist nur mit einigen Lehmhütten bebaut. Danach steigen Sanddünen bis zu 100m fast senkrecht empor. Der Sonnenuntergang auf den Dünen ist wirklich den beschwerlichen Aufstieg im Sand wert. Hinter den Dünen befinden sich einige Nubier Dörfer, die noch keinen Strom und fließendes Wasser haben. Für uns waren diese Dörfer natürlich richtig romantisch. Für die Nubier hingegen sicherlich nicht. Die Nubier sind die Bewohner der Region südlich von Assuan Richtung sudanesische Grenze. Viele von ihnen wurden im Laufe des Assuan-Staudamm-Baus umgesiedelt, da ihre Dörfer im Wasser des Staudammes versunken sind. Ob sie mit ihrer neuen Heimat auf dem Westufer in Assuan glücklich sind, wage ich zu bezweifeln. Durch ihr eher schüchternes Auftreten sind sie mir aber mindestens ebenso sympathisch, wie die ständig auf ein Geschäft lauernden Ägypter des Nordens. Auf der Elephantine-Insel mitten im Nil gelegen, geht das Lebens ebenfalls noch sehr gemächlich zu, und wir konnten uns hier prima von der Hektik in Kairo mal wieder erholen.
 

Zur nächsten Woche                                                                                Zur vorherigen Woche

Hosted by www.Geocities.ws

1