Pastor Volkhard Spitzer spricht über die Geschichte der Gemeinde am Nollendorfplatz
Ein Vortrag vom 24. August 1974
Teil 3
Und dann neun Monate später, nachdem er fast allen Menschen aus seinem Bereich Zeugnis gegeben hatte von Jesus, neun Monate später ging er weg von Hollywood. Gott hat ihm klargemacht, daß er ihn ganz haben wollte. Ging weg von Hollywood, und in diese Zeit hinein, fiel das, was jetzt den Nollendorfplatz betrifft. Gott hat ihm viele Freunde gegeben in Amerika, und Gott hatte ihm aufs Herz gelegt, nach Europa zu gehen. Er wußte, hatte in dem Krieg miterlebt, im zweiten Weltkrieg, hatte an der vordersten Front gestanden und hatte gefilmt, und er wußte um das Elend, das geschehen war in dieser Zeit und er wußte um die Menschen, wie hilflos und hungrig sie waren. Und so kam er nach Hamburg, hatte dort eine große Erweckungsversammlung in der Bachstraße. Zig Leute wurden erfüllt mit dem Heiligen Geist.
Und dann bekam er die Bürde, nach Berlin zu kommen. Er sah Berlin, die zerstörte Stadt. Damals waren auch nicht das Europa-Center da und das Hotel Hamburg und so weiter, das waren nur Ruinen, der ganze Kudamm lag in Ruinen. Und die Leute, Frauen wie Männer, waren beschäftigt, die Ziegelsteine abzuhacken und neu aufzubauen. Ein Bild der Zerstörung, ein Bild des Hungers. Und dann kam er, und ging zurück nach Amerika und bat dort um ein Zelt. Und ein großer amerikanischer Evangelist Tommy Hicks hat ihm sein Zelt zur Verfügung gestellt, das zwei- oder dreitausend Sitzplätze hatte, und dieses Zelt wurde von Amerika hier rübergebracht, und wurde aufgebaut 1952 am Potsdamer Platz wo heute dieser Todesstreifen ist, da stand das Zelt. Damals war noch keine Mauer, und das Zelt war jeden Gottesdienst brechend voll; drei Gottesdienste pro Tag morgens, mittags, und abends. Jeder Gottesdienst knackend voll. Fast mehr Leute aus dem Osten als aus dem Westen kamen. Und in den vier Sommern, wo dieses Zelt in Berlin stand, haben 15.000 Menschen Entscheidungskarten für Christus ausgefüllt.
Wir haben neulich darüber gesprochen, der Bruder Wolfgang und ich du kannst in fast jede Kirche in Berlin gehen, egal evangelisch, katholisch, freikirchlich, und du kannst Leute fragen: "Kennt ihr das Evangeliumszelt vom Zoo?" Und da wird irgendjemand aufstehen und wird sagen: "Ich war da. Ich habe dort Jesus gefunden." Das war eine große Erweckungszeit. Das war von 1952 bis 1956.
Und dann 1954 fühlte Bruder Herman, daß er nicht mehr oft zurückkommen würde, sondern daß Gott ihn in Asien haben wollte, und in der Zeit, da beteten einige, daß die Arbeit, die Evangelisationsarbeit weitergeführt wird, wenn er weg ist. Aber wo sollte ein Platz herkommen? Jeder kleine Raum wurde damals gebraucht für Wohnraum. Versammlungsräume gab es nicht. Dann kam der 17. Juni 1953. Das Zelt stand am Potsdamer Platz als plötzlich russische Panzer anrollten. Das Zelt wurde umstellt. Gottesdienste durften nicht mehr stattfinden. Ihr wißt, da war der Aufstand der Arbeiter und Bauern im Arbeiterparadies. Und das Zelt stand im Niemandsland, und es wurde Bruder Herman gesagt, das Zelt muß raus. Und die ganzen Leute waren frustriert und sagten: "Gott, warum läßt Du das zu? Warum läßt Du das zu? So viele Menschen sind gesegnet worden. Jetzt soll die Arbeit kaputt sein?" Und so macht es der Teufel auch in unserem Privatleben. Du hast eine blühende Bekehrung erlebt. Du gehst vorwärts für Jesus und auf einmal heißt es, brich die Zelte hier ab! Hier gehts nicht mehr weiter. Und du sagst: "Menschenskind, haut der Teufel alles zusammen? Mein Glaube ist weg, meine Gefühle sind weg, alles ist weg." Wenn Gott das zuläßt, dann nur, daß er etwas Größeres für dich tut. Gott schickt niemals eine Prüfung um der Prüfung willen, oder aus einem Sadismus heraus, sondern wenn Gott Schwierigkeiten in dein Leben kommen läßt, dann nur um etwas Besseres daraus zu machen.
Wer hätte das gedacht? Das Zelt mußte abgebrochen werden und Bruder Herman bekam die Genehmigung, was vorher nicht gegeben worden war, er durfte sein Zelt direkt gegenüber von der Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche im Stadtzentrum aufbauen, wo heute das Europa-Center steht. Da stand das Zelt, und Abend für Abend gefüllt. Gott tat Zeichen und Wunder er hat Bruder Kretschmar, den ihr alle kennt, der Orgelspieler er wurde durch ungläubige Leute ins Zelt geschickt.
Bruder Kretschmar war im Stahlkorsett von Kopf bis Fuß, konnte nicht selber essen, sich nicht selber anziehen, seine Hüftschale war gebrochen, und nicht nur gebrochen, sondern schräg übereinandergestellt. Er konnte sich überhaupt nicht bewegen. Aber wenn er zur Schule gefahren ist, mußten seine Söhne ihn hochheben, und dann hat die Frau das Motorrad druntergeschoben, und dann ist er zur Schule gefahren. Er mußte dort wieder runtergehoben werden, das Motorrad weggezogen, und dann wurde er langsam hochgeführt ins Klassenzimmer und dann hatte er den Unterricht stehend gemacht, weil er gar nicht sitzen konnte. Und so hat dieser Mann Jahre, über zehn Jahre gelitten, durch ungläubige Leute wurde er ins Zelt geschickt. "Geh doch mal dahin, da sollen Wunder und Zeichen geschehen. Vielleicht heilt der liebe Gott dich auch." Die haben gelästert und nur so gespottet, und er kam. Und er hörte das Evangelium, und das Evangelium ging ihm sofort aufs Herz. Er sagte: "Ich muß mich bekehren." Er nahm seine Frau an die Hand, und sie standen auf als aufgerufen wurde, "Wer möchte Jesus aufnehmen?" Aber das Schönste kam dann sagte Bruder Herman: "Wir wollen jetzt für die Kranken beten." Und vor ihm, direkt vor ihm (ich hab die Frau noch kennengelernt, sie ist inzwischen gestorben Schwester Martha Razinski, die Operationsschwester von Professor Doktor Sauerbruch). Und sie war blind, auf einem Auge, und niemand konnte ihr helfen, nicht mal der eigene Professor. Und sie stand da in der Reihe und Bruder Herman legte seine Hände auf sie und betete mit ihr und Bruder Ruff in dem Augenblick konnte sie sehen. War vollkommen geheilt. Das gesunde Auge wurde zugehalten und mit dem ehemaligen blinden Auge konnte sie alles sehen. Sie hat Bruder Herman die Nase gezeigt. Eine andere Frau war da, Rhese hieß sie, die habe ich dann nicht mehr kennengelernt, sie war total blind, auf beiden Augen blind. Und plötzlich schrie sie: "Ich kann sehen, ich kann sehen!" und deutete auf das Licht, und fing an, die Personen zu identifizieren, und es war so gewaltig, daß es in der damaligen es hieß nicht BZ, sondern IBZ, Illustrierte Berliner Zeitung (ich habe das noch irgendwo verbuddelt; ich muß es mal raussuchen zum 20-jährigen Jubiläum und aufhängen hier) daß die IBZ die Titelseite dem Zelt gewidmet hat, und die Überschrift war mit roten Buchstaben: "BLINDE SEHEN, LAHME GEHEN." Und Photographieren waren drin von den Leuten, die geheilt worden waren, unter anderen auch die Oma Rhese.
Und das hat Bruder Kretschmar miterlebt, und in dem Augenblick, als er sah, war vor ihm geschah, da wurde sein Glaube stark und er sagte: "O Jesus, wenn Du das für diese Menschen tun kannst, dann kannst Du es auch für mich tun." In dem Augenblick, als Bruder Herman und Bruder Ruff mit ihm beteten, da wußte er im selben Augenblick: "Ich bin geheilt!" Er ist nach Hause gefahren, hat seiner Frau angeordnet, sie soll sein Stahlkorsett lösen. Sie hat das Stahlkorsett gelöst, und er fing an sich zu bücken, zu bewegen, und es ging! Er war vollkommen geheilt! Er ist zurückgegangen zum Arzt, und er ließ sich röntgen. Der Arzt sagte zur Schwester: "Bring mir bitte die Röntgenplatten Kretschmar." Die brachte die Röntgenplatten. Der nahm sie, hielt sie gegen das Licht und sagte: "Die Röntgenplatten Kretschmar bitte!" Und sie ging zurück, suchte, kam zurück und sagte: "Dies sind die Röntgenplatten Kretschmar." "Nein, das sind sie nicht! Die Röntgenplatten Kretschmar bitte schön!" Da konnte der nichts mehr finden. Als er die Röntgenplatten verglich, konnte er es nicht glauben. Nicht mehr mal eine Naht war an der Stelle wo der Knochen sich in normale Position zurückgebildet hatte und zusammengewachsen war. Das ganze - die Röntgenplatten sind alle da. Er war auf Rente gesetzt worden. Die Rente hat er natürlich verloren, mußte wieder arbeiten gehen. Das ist alles vorhanden. Und das Erstaunliche ist, Bruder Kretschmar hat jetzt vor fünf Jahren das goldene Sportabzeichen auch gemacht - das trägt er an seinem Jackett. Ein Mann, der früher im Stahlkorsett war vom Kopf bis Fuß - das hat Gott getan.
Und da sagten die Leute: "Wir wollen nicht, daß das jetzt zu Ende ist. Aber wo einen Platz finden?" Und auch da hat Gott gewirkt, und das sind die Wunder Gottes die den Nollendorfplatz begleitet haben bis zum heutigen Tag. Da hat sich das ganze Zelt vereint zu einem Gebet, daß Gott ihnen einen Platz gibt. Sie wußten nicht, wo sie Versammlungsraum haben konnten. Und da bekehrte sich am selben Abend ein Oberbaurat des Senats. Und er hörte von diesem Gebet und sagte: "Mensch, ich weiß was!" Da war das Kabarett der Komiker, das ehemalige kaiserliche Privattheater am Nollendorfplatz. Und die mußten dicht machen, weil sie keine feuersicheren Türen hatten. Und damals waren die auch bankrott natürlich und konnten das nicht einbauen. Und da hatte er gesagt: "Ich werde euch das besorgen." Und tatsächlich kurze Zeit darauf zog das ganze Zelt hier ein, am Nollendorfplatz. Das sah natürlich wüst aus. Aber Gott hat das wunderbar geführt. Und sie hatten ihren Gottesdienst, und so 56 wurde hier - nee, 54 - wurde hier der erste Gottesdienst drin gehalten. Und im Winter waren sie dann hier, und im Sommer waren sie im Zelt bis 56 und dann ging Bruder Herman weg. Und da saßen die Leute bis zu den Treppen runter. Da war der Raum voll, der Chorraum war voll, draußen Gebetssaal war voll, und die Treppen waren voll.
Und dann kam 1961 die Mauer, und hats dann einen regelrechten Schnitt quer durch die Gemeinde gemacht, denn sehr viele kamen damals vom Osten. Viele Leute kommen heute noch und sagen: "Du, ich habe mich damals im Zelt bekehrt." Erst neulich wartete jemand an der Tür. "Ich mußte nur warten bis ich Rentner geworden bin; war so gespannt, ob der Nollendorfplatz noch da ist!" Und dann kommt er rüber, weil vorher durften sie ja nicht, und sie freuen sich, daß sie Gemeinschaft mit uns haben können.
Und dann hatte Bruder Herman hier einen Sonntagsschullehrer aus USA eingesetzt, Bruder Kummerfeld hieß er, und hat die ganze Arbeit hier weitergemacht, und dann kam eine Zeit, daß er nicht mehr so beweglich war und hatte zwei junge Leute eingesetzt, und das hat dann nicht so richtig funktioniert, und da ging die Gemeinde ziemlich, ziemlich runter, und zwar nur auf ganz wenige - ich glaube 40 Leute nur in einem Gottesdienst, wo sie so eine blühende Arbeit, - so der Teufel hat immer versucht, die Sache kaputt zu machen. Aber Jesus hat gesagt: "Meine Gemeinde wird der Feind nicht überwältigen können." Das steht in der Bibel. "Die Pforte der Hölle sollen meine Gemeinde nicht überwältigen."
Und da waren immer ein paar Leute, immer ein paar treue, die waren da drin im Gebetssaal und haben gefastet und gebetet. Ich habe einige von den alten Muttchen noch kennengelernt, die sind jetzt inzwischen verstorben. Eine alte Schwester, als wir Jugend schon hatten - da hats geschneit und gestürmt draußen und geregnet, so ein Matsch. Da war kein Jugendlicher im Gottesdienst am Freitag Abend in der Gebetsstunde, aber so eine alte gebeugte Mutti mit ihrem Stock, die kam, und war schon um halb 7 hier drin und hat gebetet und gefastet und gebetet, daß Gott diese Arbeit weiterführt. Und da kam Bruder Herman und hat die Arbeit wieder übernommen ein Jahr lang, aber er konnte nicht deutsch, er hatte nicht so die Beziehung zur - war auch kein Pastor, er ist mehr Evangelist, und hatte dann, mal hatte einen Dolmetscher gehabt, mal hatte er keinen Dolmetscher gehabt, mal hatte er ein kleines Mädchen gehabt als Dolmetscher mit einer piepsigen Stimme, und das war so belastend für ihn, daß er mit der ganzen Gemeinde gebetet hat, daß Gott doch etwas tun würde, daß Gott jemand schickt, der die Arbeit hier weiterführen könnte.
Und gerade in der Zeit war ich in England. War auf dem College und wollte drei Jahre studieren. Und eines Abends ging mir es genau wie Samuel. Ich war im Gebet an meinem kleinen Bett da in so einer Feldliege hatten wir, es war eine primitive Bibelschule, und war am Feldbett, kniete und betete und plötzlich hörte ich eine Stimme: "Geh zurück nach Deutschland, du wirst gebraucht." Mir gings genau wie Samuel. Ich konnte es nicht glauben. Ich habe gedacht, das habe ich mir eingebildet. Am nächsten Abend als ich wieder im Gebet war, kam die Stimme wieder: "Geh zurück nach Deutschland, du wirst gebraucht." Und mehrmals, bis ich dann das Gleiche gemacht habe was Samuel - ich bin zu meinem Eli gegangen, das war Donald Shea, und habe zu ihm gesagt: "Ich werd fast verrückt. Jedesmal, wenn ich bete, dann höre ich so eine Stimme, und ich will das nicht mehr haben. Wenn das von Gott ist, dann muß ich tun was Gott sagt. Oder es ist nicht von Gott, dann will ichs nicht mehr hören! Was meinen Sie dazu?" Und er saß da hinter seinem Schreibtisch, einem schweren eichenen Schreibtisch, so ein richtiger Patriarch. Wir nannten ihn "Herr Pfingsten" weil was er sagte, das galt in der Pfingstbewegung in England. Er war wie der Boss. Und stand er da - so dicke Backen hat er gehabt - und sagte: "Pph! This is never the will of God! Das ist niemals der Wille Gottes! Das ist die Stimme des Teufels! Gott will, daß du drei Jahre hier studierst!" So ich habe mich zufriedengegeben. Hab mich untergeordnet. Bin zurück in mein Zimmer gegangen. Aber das ist das Wunderbare. Wenn du dich aus dem richtigen Geist heraus unterordnest, wird Gott zu dir sprechen. Gott wird es klar machen.
So ich hörte die Stimme wieder. Ich war zerrissen. Langsam gings dahin, daß ich dachte, ich sei schizophren. Und hab ich zu Gott geschrien und habe gesagt: "Gott, ich brauche jetzt eine Antwort, sonst gehe ich da dran kaputt." Und kam am Sonntag Morgen nach Croyde in einen Gottesdienst, wo mich niemand kannte. Ich war gerade zur Tür reingekommen, da stand eine Frau auf, die Geistesgaben hatte, und fing an zu sprechen: "Gott zeigt mir, daß hier ein junger Mann ist, zu dem hat Gott gesprochen. Und er soll nicht auf die Stimme von Menschen hören, sondern soll tun, was Got ihm gesagt hat." Das war eindeutig. Besser kanns nicht sein. Ich kann nie mehr an Geistesgaben zweifeln. Ich habs erlebt. Ich hab den Wert von Geistesgaben erlebt. Ich bin zurückgegangen ins College, die haben mich alle für verrückt erklärt. Ich habe meine Koffer gepackt, und bin nach Deutschland gefahren.
Und jetzt kommt eine ganz tolle Geschichte - ich bin gleich fertig. Fünf Minuten! Interessierts euch, oder soll ichs nicht machen? Okay!