Pastor Volkhard Spitzer spricht über die Geschichte der Gemeinde am Nollendorfplatz
Ein Vortrag vom 24. August 1974
Teil 4
Mein Vater war zwei Jahre vor dem eingeladen worden von einem Mühlenbesitzer in Westdeutschland nach Zürich zu gehen auf einen Kongreß der christlichen Geschäftsleute. Und mein Vater war - ja, ja, wie alle Geschäftsleute. Und sagt er: "Nee, nee, wann ist die Konferenz? Zu Ostern oder Pfingsten? Da ist bei uns gerade das beste Sonnenbrillengeschäft." (Mein Vater ist Optiker). Und da sagt er: "Da wollen viele Leute die (?)brillen kaufen, so die Creme der Elite, die wollen vom Chef persönlich bedient werden. Das kann ich mir nicht leisten." Und dann sagte der Mühlenbesitzer einen Satz: "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen. Auf Wiedersehen!" Und das hat meinen Vater nicht mehr in Ruhe gelassen. Er hat zurückgerufen nach ein paar Tagen und hat gesagt: "Okay, Adolf, wir fahren mit nach Zürich." Die ganze Familie ist mitgefahren nach Zürich. Und da sah ich zum ersten Mal Bruder Herman. Ich kannte ihn nicht, er kannte mich nicht. Er war nur da oben auf der Konferenz vor ein paar tausend Leuten. Und ich saß da und hörte sein Zeugnis von Berlin, von Hong Kong, von Formosa, von den Erweckungen. Und in mir brannte etwas als ich das hörte. Und ich sagte zu meinem Vater und zu meiner Mutter, "Menschenskind, mit so einem Mann Gottes wollte ich zusammenarbeiten." Das weiß ich noch, das habe ich damals gesagt: "Mit so einem Mann Gottes." Ich hab so viel von Kirche gesehen und Religion gesehen, und das hat mich nie befriedigt. Ich wollte mit jemandem arbeiten, mich unterordnen, der wirklich Gott kannte und Gott erlebt hatte.
Und so hatte ich damals das Bedürfnis geäußert, und dann war es wieder vergessen worden. Jetzt war ich zurückgekommen nach Deutschland. Stand ganz alleine da. Alle Leute waren gegen mich. Meine Eltern waren gegen mich. Alle. Glaubten, ich hatte einen Vogel gehabt. Einundzwanzig Jahre alt, so ein richtig Milchreisgesicht. Unerfahren. Kein Theologiestudium. So stand ich da. Einundzwanzig Lenze alt. Zur Pfingstbewegung gehörte ich offiziell nicht. In der Methodistenkirche, in der ich aufgewachsen war, gab es keine Geistesgaben, die hab ich aber erlebt und wollte sie nicht leugnen. So konnte ich weder da noch dahin kommen. Ich saß zwischen Baum und Borke. So defizil war meine Situation. Und da wußte ich nicht, was ich tun sollte. Da habe ich zu Gott gebetet und da habe ich einen Pastor kennengelernt von der kleinen Dorfkirche, Pfingstgemeinde, und er hat mich eingeladen zu kommen. Und an dem Abend, als ich die Gemeinde übernehmen soll, da kamen die Ältesten zusammen und sagten: "Bruder Spitzer, wir haben die Sache noch mal überlegt. Wahrscheinlich wär's doch besser, Sie würden zurückgehen und auf's College gehen und Ihr Studium beenden." Und da brach in mir eine Welt zusammen. Ich war nie von so etwas überzeugt gewesen von der Stimme und dem Wirken und der Führung Gottes wie von dieser einen Sache, daß ich das College verlassen hatte, bestätigt durch diese Geistesgabe, durch eine innere Sicherheit, du tust den Willen Gottes. Und jetzt wurde alles aus meinen Händen genommen. Ich war so fertig, ich bin nicht mehr nach Hause gefahren. Und den nächsten Tag durch Beeinflußung meiner Schwiegermutter habe ich dann versucht, die Missionarin anzurufen in Stuttgart - wollte mit der sprechen. Vielleicht kennen sie hier einige, Paula Gassner. Und hab die angerufen, und niemand geantwortet; nach einer Stunde angerufen, niemand geantwortet, nach einer Stunde angerufen, niemand geantwortet. So sagte ich zu meiner Schwiegermutter: "Ach, das ist nur Einbildung. Gott redet, Gott redet, Gott redet. Hab ich auch immer gesagt. Gett redet überhaupt nicht!" Ich war fertig. Ich war wirklich fertig. Mein Glaube war so erschüttert. Aber Gott läßt diese Dinge zu, daß wir stabiler werden am Ende. Gott läßt Prüfungen zu, Gott läßt uns durch Krisen marschieren, und da kann dir kein Prediger raushelfen. Der beste Prediger hätte mich mit Engelzungen unterweisen können, das hätte mich überhaupt nicht interessiert. Ich war ab, abgeschaltet innerlich. Nie wieder am Telefon. Niemand. Da sagt meine Schwiegermutter: "Dann fahren wir hin." Und da fuhr ich hin - eigentlich Blödsinn - wohin fahren wo niemand antwortet. Aber wir fuhren hin. Ich klingelte. Paula Gassner steht draußen, sagt: "Komm rein. Was wünschen Sie?" Und da habe ich ihr erzählt was mein Anliegen ist. Und dann sagte sie: "Nein, hör mir auf! Mit jungen Leuten habe ich genug Reinfall erlebt. Die haben mir mehr Spaltungen in meine Gemeinde reingebracht als Segen. Ich will nichts mehr wissen von jungen Leuten!" Und dann habe ich wieder zurückgestritten. Natürlich, weil ich ein Gerechtigkeitsempfinden habe. Ich habe gesagt: "Wenn ich auch viele enttäuscht habe, aber ich habe dich noch nie enttäuscht, und du mußt mich erst mal testen, bevor du sagen kannst, ich hab Sie enttäuscht!" Und so ging es anderthalb Stunden hin und her. Und nach anderthalb Stunden sagte sie: "Okay, du kannst als Buchhalter gehen. Das hast du gelernt. Und ab und zu mir mal aushelfen in einem Gottesdienst." Und ich hatte gelernt vom Wort Gottes her mich zu unterordnen. Und so sagte ich: "Okay, Gott, wenn das Dein Wille ist, bin ich bereit, die Straßen von Stuttgart zu kehren, aber ich muß wissen, daß es Dein Wille ist." In dem Augenblick als ich mich gedemütigt hatte so weit wie es weiter nicht mehr geht, als ich bereit war, alles zu tun was Gott nur von mir haben will; ich hatte alle meine eigenen Vorstellungen am Kamin genagelt. In dem Augenblick hörte ich draußen auf dem Flur jemand englisch sprechen. Und weil ich sehr viel mit Amis zu tun hatte weil wir mal bei den Kasernen wohnten, und es auch eine Amerikanerin war, die mich zum Glauben, zum lebendigen Glauben gebracht hatte, zu einer neuen Hingabe und auch in die volle Wahrheit über die Geistesgaben und so weiter, fragte ich: "Wer ist denn das da draußen?" Und da sagt Paula Gassner zu mir: "Das ist Harold Herman." Sagte ich: "Mensch, den Mann habe ich vor zwei Jahren schon mal gesehen in Zürich. Mit dem würde ich mich mal gern unterhalten." Und ich kam raus auf den Flur und da sieht Bruder Herman mich, und ich weiß wie es ist. Ich reise auch viel. Nächste Woche nach Paris, dann nach Israel, dann nach Washington, und so weiter. Wenn man immer tausende von Menschen sieht, oder hunderte von Menschen und so weiter, daß sie da, kannst du dich nie mehr erinnern. Manche Leute haben mit mir gesprochen und sagen: "Bruder Spitzer, kennst du mich noch? Ich habe doch da mit dir gesprochen." Und dann ist es mir so peinlich wenn ich sagen muß: "Na ja, Moment mal, aber, wie war doch das," und hoffe, daß sie dann sagen, wer sie sind, weil es so peinlich ist, wenn man das sagen muß: "Ich kenne dich nicht." Aber der hatte mich nicht gekannt. Kam auf mich zu und sagte: "Junger Mann, du suchst Arbeit!" Ich sage: "Ja." Sagt er: "Hast du die Bibelschule besucht?" Sagte ich: "Ja." (Er hat zum Glück nicht gefragt: "Wie lange?") Und er sagte: "Dann mußt du der junge Mann sein. Komm und setz dich rein!" Packte mich an meinem Schlafittchen da an meinem Kragen, zog mich rein und setzte mich hin, und sagte, - der hat mich nie beten hören, nie eine Predigt von mir gehört, praktisch mich nie gesehen, bewußt gesehen, kannte meine Eltern nicht, kannte meinen Hintergrund nicht, kannte meine Ausbildung nicht, gar nicht, wußte nichts von mir. "Du bist der Mann!" Und er zogs Portemonnaie raus und legte mir das Fluggeld nach Berlin auf den Tisch. Das war wie im Traum. Das war wie im Traum, das konnte ich gar nicht fassen. Gerade noch war ich überhaupt nichts und niemand, und jetzt plötzlich sollte ich ins Flugzeug einsteigen und nach Berlin fliegen in eine Großstadtgemeinde. Das konnte ich überhaupt nicht so schnell verdauen. Das ging so plötzlich. Und dann sagte ich zu ihm: "Woher weißt du, woher bist du denn so sicher, daß ich der Mann bin?" Und er sagte: "Weil der Heilige Geist es mir gezeigt hat." Und er sagte: "Ich wollte gar nicht nach Stuttgart gehen, und ich war im Flugzeug von Rom und wollte nach Berlin zurück. Und ich bin in Stuttgart ausgestiegen bei der Zwischenlandung, weil ich Zahnschmerzen bekam, und der Neffe von Paula Gassner ist Dentist." Deswegen hat er dort sein Gepäck abgestellt.
Und da fiel mir auf: Am Vorabend hatte mir ja die Gemeinde Gottes abgesagt. Hätten die einen Tag später abgesagt, hätte ich ihn nicht mehr getroffen. Dann fiel mir auf. Hätte die Paula Gassner das Telefon abgenommen, dann hätte ich mit ihr am Telefon gesprochen, dann wäre ich nie nach Stuttgart gekommen, und hätte den Mann nie getroffen. Und die war den ganzen Tag zu Hause und saß am Schreibtisch direkt vor ihrem Telefon. Das waren so viele Führungen. Dann sagte er noch: "Und wir haben gebetet, daß zwischen dem 15. und 30. September ein junger Mann kommt, der die Arbeit in Berlin übernimmt. Zwischen dem 15. und 30. September 1964! Und das war der 18. September! Man, war ich dankbar, daß ich in England nicht auf Menschen gehört habe, sondern habe der Stimme Gottes gefolgt.
Und dann kam ich nach Berlin geflogen. Und da empfing er mich am Flughafen und sagte: "Ich bin ja so gespannt, ob dich die Gemeinde reinwählt!" Uhh! Die Haare standen mir zu Berge, denn in dem Augenblick erzählte er mir auch noch, daß ein Prediger, ein Evangelist schon mal hier war und daß der hier gepredigt hat und daß die Gemeinde ihn nicht haben wollte! Und dann habe ich gesagt: "Mensch, wenn der nicht ankommt, wie will ich ankommen?" Und das kam mich so an. Die Leute sagten: "Der Spitzer ist arrogant," sagten mir einige Jugendlichen. Das hatten sie von mir gedacht. Aber das heißt Jugendliche, nicht aber so mittelalterliche Leute. Jugend hats hier gar nicht gegeben, bis auf zwei Jugendliche. Es war der Sohn von Bruder Kretschmar und Annalise die Orgelspielerin. Das waren die einzigen Jugendlichen hier. Jürgen war damals noch ein Kind, zehn Jahre zurück. Und dann kam ich rein und sagte: "Lieber Gott, hilf mir, lieber Gott, hilf mir!" Da war der Saal noch nicht wie jetzt, sondern das war eine alte schwarze Bretterbude hier. Draußen das Gitter was jetzt oben eine Etage höher ist, das war direkt hier am Eingang. Und dort nisteten die Tauben, da hingen die ganzen Taubenfedern da drin. Da oben war so ein Kasperletheater hier von dem Kabarett noch, und eine Pappmachékanzel. Die Sitze, die waren alle schwarze Holzbretter, die schon zum Teil gespalten waren in der Mitte, daß die Frauen sich ständig die Nylons zerissen haben. Eine irre Gemeinde, sage ich euch!
Und ich kam hier an, ja, und Bruder Herman, der kann so spannend erzählen, der hat so eine ähnliche Gabe wie ich. Erzählt, das wäre eine Großstadtgemeinde mitten im Zentrum, am Nollendorfplatz. U-Bahn, Bus, und Taxi direkt vor der Tür. Ich meine, das stimmt ja, das stimmt ja alles. Aber wenn er das dir erzählt, nicht, in deiner Phantasie, siehst du eine riesige Kirche mit fünf Türmen da, und ein paar Butlers vorne stehen, die Gesangbücher austeilen, und so hab ich mir das vorgestellt, ja. Jetzt kam ich hier die Treppe hoch, und sagte - ich nannte es den Hühnerstall da draußen - dann kam ich hier rein, und ich guckte mich um. Kaum Kinder. Vielleicht zehn Kinder in der Sonntagsschule. Zwei Jugendliche, und der Rest waren die Leute, die sich bekehrt hatten während der Feldevangelisation. Die hatten sich bekehrt ungefähr mit 40, 50, und 60, denn die Männer waren im Krieg geblieben. Die jungen Männer waren im Feld draußen geblieben. Es war Nachkriegszeit. So hauptsächlich die Älteren und das Mittelalter hatte sich bekehrt. Das Mittelalter war inzwischen alt geworden und die alten waren steinalt geworden. Und so kam ich hier rein und sah nur schwarze Kopftücher, schwarze Mäntel. Da war man auch noch als alte Menschen - vor zehn Jahren war man noch nicht so chic angezogen wie heute die alten Leute. Die pflegen sich heute. Aber das war alles noch so - und dann noch die schwarzen Bänke und das Kasperletheater hier vorne. Ein Drittel von dem Licht, was wir jetzt hier drin haben. Es war nur einzelne Röhren die hier waren. Keine Lüftung, sondern ein kleiner Ventilator war hingehängt. Wenn der sich drehte war ständig Krach während des Gottesdienstes. Es war wirklich doll. Ich war zunächst mal beklatscht, aber dann habe ich mich dann noch gefreut, daß Gott mich hierher gebracht hat.
Und dann stand ich hier. Dann sagte Bruder Herman: "So, jetzt hier ist die Gemeinde. Die Gemeinde hat dich eingewählt. Du bist angenommen. Jetzt mach mal. Auf Wiedersehen, ich muß nach Formosa." Dann stand ich hier. Ich hatte keine Ahnung - wirklich, wenn Gott mir nicht geholfen hätte. Und das soll dir mutmachen, egal wer du bist. Einer meiner Lieblingsverse in der Bibel ist: "Was nichts ist vor der Welt, das hat Gott erwählt. Was nichts ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er zuschanden mache die Weisheit der Weisen, daß er zuschanden mache was sich einbildet, daß es etwas ist." Alles was ich erlebt habe in meinem Leben, ist Gottes Gnade und kein eigener Verdienst.
Ich war kaum hier - da starb eine Generalsfrau, Generalsfrau von Schulzendorf. Ich war fassungslos. Ich hatte noch nie eine Beerdigung besucht, außer als kleines Kind, und noch nie eine Beerdigung gehalten. Ich wußte gar nicht wie man so was macht. Ich hatte niemand mit dem ich mich beraten konnte, und so saß ich da und hatte einen Schrecken. Und dann hörte ich noch, daß 350 Leute zur Beerdigung kommen wollten, daß der Sohn, der Oberst ist bei der Bundeswehr, extra von Südafrika hochfliegt; er war dort zum Schulungsaustausch. Und mir fiel mein Herz in die Hosentasche. Und ich sagte: "Gott, was mache ich jetzt?" Und dann habe ich mich hingesetzt in meiner Verzweiflung und habe gebetet und dann habe ich ein Telefonbuch genommen und habe dort geblättert, ob, wo ich irgendwas finde von einer Kirche, und dann fand ich - das erste was mir auffiel war Evangelisch Freikirchliche Gemeinde, Pastor Krischig in der Bismarckstraße. Und dann habe ich mich hingesetzt und ganz schüchtern den Hörer abgenommen, gewählt. "Ja, Guten Tag. Ist dort Pastor Krischig?" "Ja." "Ja, ich habe ein ganz seltsames Anliegen. Ich bin Pastor, aber ich weiß nicht, wie man eine Beerdigung macht!" Und der Pastor Krischig, der hatte das Herz auf dem richtigen Fleck und sagte: "Ja, ja, junger Mann, kommen Sie mal rüber, wir werden das schon hinkriegen!" Und dann bin ich zum Pastor Krischig gefahren in die Bismarckstraße und die Baptistengemeinde dort, und er hat sich eine Stunde mit mir hingesetzt und hat mir erzählt, wie man eine Beerdigung macht! Und hat er gesagt: "Ja, und dann ziehst deinen Talar an," und ich sagte: "Ich hab gar keinen Talar!" Und er sagte: "Ja, und dann gehst du irgendwohin und kaufst dir einen schwarzen Mantel. So habe ich auch angefangen." Und ich habe so einen, - losgegangen und habe mir einen schwarzen Mantel gekauft, und dann stand ich da oben als kleiner 21-jähriger Junge mit einem schwarzen Mantel. Und der Sarg wurde reingetragen und die Leute strömten in die Kirche. Türen wurden offengelassen, weil noch viele draußen standen, und dann sagte ich: "Lieber Gott, jetzt gib mir die Worte." Die blieben mir nämlich im Hals stecken. Und dann fing ich an zu predigen, und während ich predigte kam die Salbung - die Salbung des Heiligen Geistes. Mein ganzer Körper fing an zu vibrieren, aber nicht aus Angst, sondern durch die Kraft Gottes. Und ich predigte und haute dran wenn wie ich so ein alter erfahrener General war. Und am Schluß war ein Riesenecho von dieser Beerdigung, daß Menschen kamen, und auch der hohe Offizier. Und er sagte: "Das hat zu meinem Herzen so gesprochen, was Sie gesagt haben."
Und so gings Stück für Stück weiter die ganzen zehn Jahre hindurch; der Umbau, die Jesusbewegung mit ihrem Freud, mit ihrem Leid. Dann was Gott jetzt hier tut. Und ich weiß - dann hat Gott mir ein paar Mitarbeiter gegeben, Wolfgang, und ich weiß, daß dies alles noch ein Anfang war. Als ich nach Berlin kam, hat Bruder Herman etwas zu mir gesagt, habe ich mich fast hingesetzt. Bruder Herman hat gesagt: "In den ersten sechs Jahren deines Dienstes wirst du nicht viel sehen. Es braucht sechs Jahre bis du irgendwo als Mann Gottes aufgebaut bist. Das habe ich nicht fassen können, weil in der Methodistenkirche wo ich herkomme es ist so nach sechs Jahren wird spätestens der Wechsel vorgenommen. Und er sagte zu mir: "Sechs Jahre." Und tatsächlich, sechs Jahre war ich hier, und da fing Gott erst langsam an zu arbeiten. Im achten Jahr fing die Jesusbewegung an, oder im siebten Jahr. Und ich weiß, daß das nur ein Anfang war, von dem was Gott tun wird. Ich weiß, daß von der Jesusbewegung viele Leute weggegangen sind, aber sie sind nicht weit weg. Wie ein erfahrener Fischer sagt, der Haken hängt drin. Ich habe mich bekehrt mit zwölf und dann war ich vier Jahre weg. So vielen geht es so, daß sie zunächst mal Auslauf kriegen, und Gott sagt: "Ich habe viel Leine. Lauf nur, lauf nur!" Und dann holt Er sich doch alle wieder zurück. Und in letzter Zeit sind einige zurückgekommen, haben seelsorgerliche Gespräche mit mir geführt. Einige sind auf Bibelschulen gegangen. Wir haben ungefähr von der Jesusbewegung zehn Leute auf der Bibelschule. In den sechs oder acht Jahren meines Dienstes vorher haben wir nicht einen auf der Bibelschule gehabt. Doch, doch, Moment. Zwei. Annalise und den Willi Z. Die sind jetzt als Prediger in Westdeutschland tätig. Aber so viele. Peter M., der am nächsten Wochenende kam, war zunächst mal ganz Feuer und Flamme, und dann war er weg. Und jetzt ist er wieder voll dabei. So Gott gibt ihnen Leine und ich weiß, viele werden zurückkommen, und Gott wird etwas ganz neues in ihrem Leben tun. Aber Gott wird noch mehr tun. Gott wird nicht nur die Leute von der Straße ansprechen, sondern jetzt geschieht etwas, was vor ein paar Jahren nicht drin war. Die ÜGB hat sich zusammengefunden. Alle zwölf charismatischen Gemeinden dieser Stadt kommen regelmäßig einmal im Monat zusammen und haben Austausch. Jetzt kommt der erste gemeinsame Fakelzug, die erste gemeinsame Straßendemonstration. So was war früher nicht möglich. Früher wurden Jugendstunden gehalten und Gottesdienste gehalten aber man hat sich nicht engagiert. Man ging nicht raus auf die Straße, aber Gott läßt das alles ganz sanft und sorgfältig wachsen. Und es wird zunehmen und zunehmen, und ihr werdet daran denken. Gott wird in diesem Jahr noch gewaltige Dinge tun, aber in den nächsten paar Jahren werden die Christen dieser Stadt, die wirklich wiedergeboren sind, die werden sich finden. Und die werden ein mächtiges Zeugnis für Berlin abgeben. Und der Nollendorfplatz wird ein Teil davon sein.
Ich hab niemals mich selber gepusht, mich selber in den Vordergrund geschoben, und ich hab immer gesagt: "Jesus, ich gehöre Dir, und Du machst." Als Pastor Kitziger, ein landeskirchlicher Pfarrer hierher kam, sagte er: "Das gefällt mir nicht. Du predigst wie immer zu den gleichen Leuten. Du müßtest draußen gehört werden, und es muß arrangiert werden." Er wollte Flugblätter schreiben, hat dem Bischof geschrieben und General (??) und noch anderen Leuten, und wollte immer da mich irgendwo reinschicken. Ich hab ihm gesagt: "Das bringt nichts. Laß es sein. Das ist menschliches Machwerk. Wo Gott mich haben will, da wird Er mich hinstellen. Denn mein Chef ist Gott. Er führt mich." Da ist nie ein Echo gekommen. Als die Jesusbewegung hier anfing hat Bischof Scharf mich von alleine zu sich gebeten. Ich saß eine dreiviertel Stunde mit ihm persönlich zusammen, und wir haben uns unterhalten. Der Mann saß mir gegenüber mit Tränen in den Augen. Gott bahnte unsere Wege. Ich habe gelernt, mich wenigstens teilweise - ich meine, keiner von uns ist vollkommen - aber ich hab gelernt, mich teilweise unabhängig zu machen von Menschen, auf einer menschlischen Meinung. Wir müssen den Willen Gottes tun. Und Gott hat mir am Anfang meines Dienstes gezeigt, daß ich auf der ganzen Erde predigen werde und zu tausenden. Ich hab nicht gewußt, wie das passieren sollte. Ich habs meinem Vater erzählt, er hat mich ausgelacht. Und er sagte: "Du, du kannst nicht mal einen deutschen Satz formen!" Ich hab damals gestottert noch. Damals, als Gott mir das gezeigt hatte, habe ich noch gestottert. Ein Junge voller Komplexe und Schwierigkeiten
Hier endet die Tonbandaufnahme