der Weg

Silberne Lügner

2 Gesichter

Schuld

Kerker in dir

Waldherz

so oder anders

Assistenzeinsatz 

Beton für 1000 Jahre

 

Abendrand

wild im Wein

wieder einmal

von hier nach dort

wahr nehmung

wenn gut dann teuer

wie

Opfer, nötiges

Akrobat

 


 

der Weg

aufbrachen wir zweifelnd im Tempel der Diebe 
Quellfeuer strömte 
in sündige Gärten
so schien es
wir planten das Unglück, doch der Schatten war klüger
der Abschiedswind trug den Samen bereits

andersmal anderswo
vermeintlich gerüstet
Wettlauf bergauf
dein mein Abend im achten
was wir uns gewannen, war nicht mehr zu nehmen

rückblickend sind wir 
verdammt gute Geher, ausdauernde Läufer
beschuht oder barfuß
nackt oder bekleidet
Sonnenflug heute

Sonnenflug heute
morgen Mondlandung
Wechsel der Zeiten
wir schultern ein Lächeln
Triebwerke Schubkräfte beharrend fortschreiten
1000 Tonnen Zuversicht machbar
Sonnenflug heute
du stimmst meine Saiten
jeder Ton straft mich Lügen


 

Silberne Lügner

silberne Lügner
Wiedergänger der Wahrheit
bieten uns an, worum sie uns betrogen
dieses Geschäft hat tausend Namen
Verlust Fälschung befleckte Empfängnis
egal
wir drängen uns an den Trögen


 

2 Gesichter

alter Jäger der Umarmungen
Herr angemaßter Vertraulichkeiten
wenn du ein Abschiedswort entwendest
einen Gruß entreißt
könnte keiner deine Einsamkeit ermessen


 

Schuld

du bist schuld
egal was und wo
wie und wann bist du schuld
ist kein Wort ist ein klebriger Spinnenfaden
ist kein Wort ist ein Deckweiß
Deckschwarz
nicht für heut nicht für morgen
Schuld lebt lange
lebt von dir
und mir wird zur Nahrung
was ich dir gab und noch gebe:
die Schuld


 

Kerker in dir

dein Käfig ist kein goldener
dein Kerker ist in dir
verbogene Liebe macht blind
eifersüchtig bewachst du dein Unglück
zertrittst eine Möglichkeit
wie ein Insekt
du schließt ab
schluckst den Schlüssel
und siehst den Ratten beim Tanzen zu


 

Waldherz

links den Hang hinauf schimmern silberne Stämme
rechts vom Weg dämmert dunkel das Flechtwerk 
über den Köpfen streut sich der letzte Tag durch die Zweige
zu unsern Füßen rostet Oktober
du bist mein Blick, ich bin deine Stimme
ich bin dein Schritt, du bist mein Verweilen
gehn wir talwärts
Richtung Kahlenbergerdorf
zur Schnellbahn
das Herz des Waldes nehmen wir mit uns
und sein ruhiger Schlag begleitet uns lange


 

so oder anders

so oder anders ist sie
die alles niederlebende
gnadenlos warmherzige Liebe
das Jahr setzt schon Fleisch an
Herbst krönt unser Lachen
und wir
wir schenken vierarmig
und trinken doppelmündig den Wein
wer wollte da an Verstümmelung glauben
zerfetzte Hände und Seelen
doch die unbeteiligte Stimme des Sprechers
eröffnet die Jagdzeit
so oder anders ist sie
die Liebe
doch heut ist sie anders


 

Assistenzeinsatz

weißverwächtete Nacht
der Schritt zerknirscht harschen Schnee
kratzwollbehandschuhter Finger
spielt am Sicherungshebel
werden sie kommen auch diesmal
wie reife Früchte
nur einzusammeln im Dutzend
retour an den zuständigen Nachbarn
zur weiteren Behandlung
denk nicht an die vertieften Augen
die gefrorene Trauer der Flüchtigen
denk nicht, wem du assistierst
tu die Pflicht
frag nicht welche
Hirn im Schongang
Herz im Stand-by, maximal


 

Beton für 1000 Jahre

der Arenbergpark herbstelt gedämpft
unterm Nebel wächst uns der Flakturm entgegen
dahinter sein verwaschener Zwilling
erstarrte Vorzeitgeschöpfe
halte den Atem an
du könntest sie wecken 


 

Abendrand

erfrischte Herzen
Blut an Blut
osmotisch vereint
sickern wir ineinander
Wortkörper Körperworte
Hautgedanke Gedankenhaut
gegenseitig durchwachsen
am Abendrand


 

wild im Wein

trübe blühende Blattkulisse
sozusagen
flammendüster
verzweigte Blicke
verklettern sich himmelan
sozusagen
brandverloren
dein Brennpunkt meiner
ich lege mich zu dir
dir zu
dir bei
für beide 
im Augengedächtnis noch lange den brünstigen Herbst


 

wieder einmal

Krankmachertage
räudige Zeiten
Schwalben sind Mangelware
schwarze Gäste wetzen die nördlichen Schnäbel
man kann sich nicht ewig verstecken
verrecken kann man schon heute
die Lippen platzen
Blut gerinnt auf gefrorener Haut
seid gegrüßt im November
laßt uns sprechen vom Mai


 

von hier nach dort

Frühgeburt kopflastig
Spätgefühl reifgebürdet
Weg, der sich selbst bereitet
Brücke, die sich vor uns fügt
Frage für Frage wächst uns die Antwort entgegen
Sturz um Sturz trägt uns der Aufstieg
anspricht uns jedes Schweigen


 

wahr nehmung

der Widerwurf
trägt mein gläsernes Gesicht
flicht die Jahre ins Jetzt 
unverletzt, blutend dennoch
ich wende mich unverrichteter Dinge 
reiße sperrangelweit auf
sauge, beiße, verschlinge
Maß ist für Schneider 


 

 

wenn gut dann teuer

heut kommts wiedermal krüppeldick
schlagwettrig unbesehn
sucht euch ein rattiges Loch
ein schattiges doch
unterquält zwiebelengt euch
wenn die Lage absandet
ist Zeit noch für Heldenstand und Geschrei


 

wie

wie ein Stempel auf den Handrücken gedrückt in billiger Farbe
auf Festen, in Tanzlokalen und dergleichen
vom Schweiß abgewaschen nach einem Tanz, egal welchem,
wie die Spur des gierigen Fingers im Teig
kaum geschleckt schon geglättet,
wie die Zeichnung im Hauch,
die Fährte im Sommer,
wie der Schnitt am Schilfblatt
kaum verletzt schon verlacht,
wie die Schrift im Sand
kaum gezogen getilgt,
wie das Gedächtnis der Kinder

so bist du nicht


 

Opfer, nötiges

anspringt uns vergeblich
ein kläffendes Gewissen
verbeißt sich hündisch ins Hosenbein unseres Fortschritts
wir sind die Briefträger der Zukunft
kein Bedenken hemmt uns 
anderntags wird dem Unbelehrbaren der Garaus gemacht
wo gehobelt wird, da fallen Zähne


 

Akrobat

den dreifachen Lippensprung
den Zungenschlag bücklings
die aufgesetzte Speichelwelle
die doppelte Dröhnung
den Kehlstand auswärts
den Stimmknoten einwärts
all dies beherrscht er und vieles mehr

nur das Wort gelingt nicht

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