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Harry Potter und die Zweite Prophezeiung

Disclaimer: Harry Potter ist Eigentum J.K. Rowlings und verschiedener Publizisten einschlie�lich aber nicht ausschlie�lich Scholastic Books, Bloomsbury Publishing, Warner Bros. und Carlsen Verlag. Diese Geschichte will nicht in deren Rechte eingreifen, ist nur zur Unterhaltung geschrieben worden und jeder Versuch, aus ihr Profit zu schlagen steht im ausdr�cklichen Widerspruch zur Absicht der Autorin.

Kurzinfo:

Titel: Harry Potter und die Zweite Prophezeiung

Autor: starlight, aka Hoshiakari, aka Neli

Rating: PG-15

Kontakt: [email protected] (Neli), [email protected]  (Brandy)

Kurzzusammenfassung: Nach einem eher aufregenden Sommer kehrt Harry Potter nach Hogwarts zurück. Sirius' Tod belastet ihn schwer, trotzdem gibt er sein Bestes, um zu der Waffe zu werden, die Voldemort vernichten kann. Wenn da nur nicht die Zweite Prophezeiung Professor Trelawneys und der mysteriöse Talisman des Ourouboros wäre! Und was meint ein Mädchen, wenn es um Hilfe mit den Wahrsage-Hausaufgaben bittet? Harrys Jahr wird vieles werden, nur eines nicht: langweilig!

Ships: HP/GW, RW/HrG, NL/LL

"..." = sprechen

>...< = denken

*~* = Orts-/ Zeitwechsel (was, dürfte klar sein)


Harry Potter und die Zweite Prophezeiung

Kapitel 8

Snapes Geheimnis

 

Harry erwachte Freitag morgens noch bevor Tinsy ihn aufwecken konnte- ein großer Fortschritt, da die Elfe noch nicht von ihrer doch recht... ungewöhnlichen Weckmethode abgekommen war. Ein vernebelter, aber sonniger Septembermorgen grüßte ihn beim Blick aus dem Fenster, auf dem Tropfen von Feuchtigkeit regenbogenfarben blitzten. Noch  während er sich gähnend streckte nahm er die Verstummungszauber von seinem Bett. Rons laute Schnarcher drangen an seine Ohren und er fragte sich, ob er wirklich der Einzige im Schlafsaal war, der Verstummungszauber um sein Bett gelegt hatte.

>Nun, Dean kann vielleicht auch bei diesem Krach schlafen,< dachte er. Ginnys Freund hatte die unglaubliche Fähigkeit, innerhalb von fünf Minuten im Stehen einzuschlafen, worum ihn die meisten der Sechstklässler beneideten. Inklusive Harry, dessen Glamourie-Zauber von Tag zu Tag besser wurde, da er immer weniger Schlaf bekam. Voldemort war aus seiner Sommer-Starre erwacht und er hatte nicht gerade gute Laune.  wenn er Harry dank seiner Okklumentik Übungen nicht in Besitz nehmen konnte versuchte der Sechzehnjährige doch, die Verbindung genau so weit zu öffnen, dass er erkennen konnte, was sein Erzfeind vorhatte.Er würde alles tun, um zu verhindern, dass noch mehr Menschen- Zauberer und Muggel gleichermaßen- jenem Dunklen Wahnsinnigen zum Opfer fielen. Die Aufgabe seiner eigenen Nachtruhe erschien ihm ein geringer Preis. Er konnte, wenn Voldemort endlich nicht mehr seinen Terror verbreitete, schließlich genug ruhen.

An diesem Morgen gab er aber doch seiner Erschöpfung nach- >Schließlich erwartet mich heute noch Okklumentik mit Snape...<- und ließ seine Runden um das Quidditch-Feld ausfallen. Leise kroch er ins Badezimmer- er wollte die Anderen nicht eine Stunde zu früh aufwecken.

Der Spiegel war an diesem Tag regelrecht gut gelaunt, seine einzige Frage war, ob Harry heute schon vor einem Ungarischen Hornschwanz davongelaufen war, weil seine Haare so zu Berge standen. Harry stopfte ihm mit einem ausgewählten Wort den Mund bevor er in den Gemeinschaftsraum hinunter kam. Wie jeden Morgen traf er Hermine dort über einem Buch an- sie stand immer dann auf, wenn er Laufen ging und überarbeitete noch einmal ihre Aufsätze.

"Morgen, Hermine," grüßte er. Hermine sah nur kurz von ihrem Drei-Pergamentrollen-länger-als-erforderlich Aufsatz für Alte Runen auf.

"'gen, Harry," murmelte sie, bevor sie wieder ins Keltische wechselte und ihre englische Übersetzung zum Gemurmel alter Runen las. Harry streckte sich noch einmal ausgiebig und schnitt eine Grimasse, als seine Wirbelsäule hörbar knackte. Wie im letzten Jahr war er auch in diesem in die Höhe geschossen, und Knochen und Muskeln protestierten manchmal fühlbar gegen die Dauerbelastung, der sie ausgesetzt waren.

"Kommst du zum Frühstück, Hermine?" fragte er die eifrig lernende junge Hexe, einfach nur, um ihre wütend blitzenden Augen zu sehen. Aber Hermine hatte die Außenwelt ausgeschaltet und sich vollkommen in ihre Studien zurückgezogen- sie hörte ihn nicht einmal!

"Na gut, dann geh ich eben alleine", sagte Harry eingeschnappt. Die Dicke Dame schimpfte hinter ihm her, als er ihren Bilderrahmen schlecht gelaunt gegen die Wand pfefferte. Er beachtete sie nicht, stapfte stattdessen lautstark in die Große Halle. Er hatte zwar noch einen ganzen Morgen und Nachmittag voller UTZ-Klassen, darunter Verwandlung und Zaubertränke, vor sich, aber Professor Snapes Okklumentik-Stunde schaffte es, selbst Marina Stevenson und ihre Verteidigung gegen die Dunklen Künste, die Harrys Nachmittag verdunkelte, wie einen wunderschönen Spaziergang im Park aussehen zu lassen.

"Bei ihr hab ich zumindest noch eine Chance.", murmelte er.

"Bei wem?" Harry wirbelte herum. Hinter ihm stand einer der Jungen aus seiner Arithmantikklasse, einer der Slytherins, mit denen er den Weg von Arithmantik zu Zauberkunst gesucht hatte- Blaise Zabini.

"Bei wem, Potter? Oder bist du zu feige, um zuzugeben, wen du gern hast?" reizte ihn Zabini.

Harry wurde rot. Warum konnten ihn die Slytherins nicht einfach in Ruhe lassen? "Bei Marina Stevenson, wenn du es genau wissen willst.", schnappte er.

Zabini hob abwehrend und beruhigend die Hände. "Hey, Potter, kein Grund, gleich auszurasten. Ich bin nicht Malfoy, also beiß mich nicht gleich!"

"Benimmst dich aber genauso", grollte Harry. Seine rechte Hand fingerte schon seinen Zauberstab in Erwartung des Fluchs, den er gleich abwehren müssen würde.

Zu seiner Überraschung lachte der Slytherin nur. "Scheint so", sagte er, "tut mir leid… Ich denke, wir sollten einfach noch mal von vorne anfangen. Blaise Zabini. Ich bin mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen, schätze, es ist einfach nur eine dumme Angewohnheit, alles gleich in... diese Richtung zu interpretieren. Nichts für ungut, Potter." Er streckte Harry die Hand entgegen.

Harry beäugte die ihm entgegen gestreckte Hand misstrauisch. Was bezweckte dieser Junge? Er wusste, dass Slytherins für ihren Ehrgeiz bekannt waren, warum also sollte Zabini nun plötzlich auf ihn zugehen wollen wenn nicht, um ihn Voldemort auszuliefern und sich in dessen Gunst zu bringen?

Etwas von seinen Gedanken musste sich auf seinem Gesicht gespiegelt haben. "Ich bin kein Todesser, wenn du das meinst", sagte Zabini "aber wenn du noch Zeit brauchst... Ich zumindest hab mich jedenfalls entschieden, auf welcher Seite ich stehen will und es ist nicht die von Du-weißt-schon-wem." Er wandte sich zum Gehen.

 

"Moment!" rief Harry, dem auf einmal das Lied des Sprechenden Hutes in den Ohren klang. Zabini drehte sich noch einmal um, einen wachsamen Ausdruck in seinen Augen. "Warum?"

"Wahrscheinlichkeit, Potter- du bist Ihm jetzt insgesamt fünfmal entkommen. Das Blatt müsste sich schon drastisch wenden, damit ich die Seiten wechsle." Zabini zuckte die Schultern und setzte sich an den noch verwaisten Slytherin-Tisch. "Überleg's dir."

Harry blieb einen Moment lang stehen. >Überleg's dir<, echote Zabinis Stimme in seinem Kopf nach. Der braunhaarige Slytherin schien ehrlich und harmlos- zumindest hatte er nicht versucht, Harry davon zu überzeugen, dass er sein Freund sein wollte. Er hatte zugegeben, aus rein logischen Gründen auf seiner Seite zu stehen. >Ein ehrlicher Slytherin? Das kann nicht wahr sein!<, schüttelte er innerlich den Kopf.

>Oder doch?< Er wurde von der Ankunft Ginnys und Lunas, die, wie jeden Morgen, ebenfalls vor allen anderen in der Großen Halle frühstückten und sich zu ihm setzten.

"Und, Harry, wie war deine Woche?" fragte Ginny. Harry zuckte die Schultern und brummelte etwas, von dem er hoffte, dass es als Antwort durchgehen konnte. Er war wirklich nicht in der Stimmung für Gespräche, nicht nach dem Zabini-Schock am frühen Morgen.

"Und, wann ist nun das erste DA-Treffen?" fragte Luna plötzlich so neblig und verträumt, dass Harry es beinahe nicht mitbekommen hätte. Es dauerte ein paar Sekunden, bis er begriff, was sie gefragt hatte, und er verschluckte sich prompt an seinem Kürbissaft.

"Wir brauchen die DA nicht mehr. Professor Stevenson ist okay", sagte er schroff. Luna sah verletzt aus, wandte sich aber an Ginny, um ihre Meinung zu ihren neuen Hippogreif-Ohrringen zu erfahren, die sie zu Ehren ihrer Pflege Magischer Geschöpfe-Stunde an diesem Nachmittag angelegt hatte. Harry entschuldigte sich und ging in die Bibliothek.

"Warum wollen sie alle die DA zurück? Es hat sie letztes Jahr beinahe umgebracht!" schimpfte er leise vor sich hin während er die Regale nach Büchern über zauberstablose Zauberei absuchte. Er wollte endlich ernsthaft vorwärts kommen. Madam Pince, die Bibliothekarin, überwachte ihn mit Adleraugen- seine grummelige Aggressivität stieß ihr sauer auf.

"Potter! Diese Bücher sind über einhundert Jahre alt!" schimpfte sie, als Harry einen dicken Band, der leider nichts als sinnlose Theorien darüber, warum zauberstablose Zauberei unmöglich war, enthielt, mit einer solchen Wucht zurück ins Regal knallte, dass der Staub von sämtlichen Büchern abfiel.

"Und sie wurden seit hundert Jahren nicht mehr gelesen!" nieste Harry. Madam Pince verengte zwar die Augen, sagte aber nichts, da sein Niesen seinen Ausbruch kaschiert hatte.

"Sei vorsichtiger, ja?" ermahnte sie ihn scharf. Harry nickte und zog den nächsten Band aus dem Regal- wieder ein Misserfolg.

"Sag mal, müsstest du nicht eigentlich im Unterricht sein? Du bist doch im sechsten Jahr, oder?" fragte Madam Pince ein paar Minuten später, die Nase über ihren Bibliothekskatalog gereckt. Harry sah auf seine neue Uhr (eines seiner vielen Geburtstagsgeschenke).

"Verdammt!" Die Bibliothekarin gab ein Zischen von sich, sie hasste es, wenn die Schüler in ihren heiligen Hallen Schimpfwörter benutzten. "Ich muss zu Pflege Magischer Geschöpfe!"

Harry war sehr froh, dass er heute Morgen nicht gerannt war- er hätte es sonst wohl nie in Rekordzeit von der Bibliothek bis zu Hagrids Hütte geschafft.

"Wo warst du denn?" fragte Ron, während Harry keuchend vornübergebeugt mit den anderen darauf wartete, dass Hagrid ihnen das Futter für den Riesenkraken gab.

"Bib... liothek!" brachte Harry heraus. Hermine nickte anerkennend, aber Ron sah aus, als hätte Harry ihn soeben mit einem Säuredrop gefüttert.

"Du auch schon? Ich glaube, ich bin von Verrückten umgeben. Merlin, rette mich!" Harry grinste seinen Freund durch sein Seitenstechen hindurch an.

"Na dann... viel Spaß beim Versuch, unverrückt zu bleiben obwohl Voldemort und seine Todesser unterwegs sind." sagte er. Neville, der wie die drei Freunde Pflege Magischer Geschöpfe als einen seiner UTZ-Kurse gewählt hatte, erbleichte bei diesen Worten. Harry erinnerte sich daran, dass seine Eltern von Bellatrix Lestranges Cruciatus-Flüchen in den Wahnsinn getrieben worden waren und wurde wieder ernst. Diese... Sabberhexe hatte noch mehr zu verantworten als Sirius' Tod. Und sie würde dafür bezahlen...

"Un' jetzt nehmt ihr euch jeder einen Haufen- der Riesenkrake freut sich schon auf euch!" Hagrid war mit vor Anstrengung hochrotem Gesicht und einem von Fischschuppen bedeckten Mantel hinter seiner Hütte aufgetaucht.

"Einen Haufen was?" fragte Hermine, ihre Stimme ein wenig schriller als gewöhnlich, was wahrscheinlich an dem... strengen Geruch lag, den der Wildhüter verströmte.

"Fisch natürlich!" sagte Hagrid, "was habt ihr denn geglaubt, dass er frisst?" Hermine wurde bleich.

"Wenigstens sind es keine Innereien", murmelte sie, sich selbst Mut zusprechend.

 

Bis es dann aber Zeit für ihren Verwandlungs-Kurs war wünschten sie sich fast, es wären Innereien gewesen. Bedeckt von Fischschuppen und einen wirklich... meerischen Geruch ausströmend hasteten sie- der Krake hatte sich mit dem Fressen zu viel Zeit gelassen und die Stunde hatte schon angefangen- durch die verlassenen Gänge.

Hermine murmelte nervös etwas von den UTZen, in denen garantiert genau das, was sie nun verpassten, abgefragt werden würde vor sich hin während Harry ein paar Schritte hinter seinen Freunden versuchte, sich an die Zauberstabbewegungen für den Ratzeputz-Zauber zu erinnern. Fischschuppen und –gestank gehörten nun einmal nicht zu seinen liebsten Dingen auf der Welt!

Professor McGonagall war nicht sehr erfreut, drei stinkende, zu spät kommende Schüler in ihrem Kurs zu sehen. Ihr Ratzeputz fühlte sich an wie ein Schrubben mit der Wurzelbürste und sorgte für Lacher unter allen anderen Schülern.

"Hagrid hat uns den Riesenkraken füttern lassen, Professor McGonagall.", erklärte Hermine ihr zu spät kommen unter dem strengen Blick ihrer Lehrerin. Sie kamen mit einer Ermahnung davon- Gryffindor verlor keine Punkte, aber Professor McGonagall schwor, sie würde mit Hagrid über seine Auswahl der Magischen Geschöpfe für seine UTZ-Klassen sprechen.

Verwandlung lief an diesem Tag fast zu gut für Harry- er hatte keine Probleme damit, seinen Knopf in eine Katze zu verwandeln und wie Professor McGonagall betonte war dies einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zum Heraufbeschwören von Gegenständen und der menschlichen Verwandlung. Hermine strahlte natürlich über das ganze Gesicht- sie bekam Extrapunkte, weil ihre Katze ein exaktes Replik von McGonagalls Animagus-Form war.

"Siehst du, Ron- wenn du auch mal mehr Bücher lesen würdest!" sagte sie, als Ron über sein 'A' grummelte. Harry verbiss sich ein Grinsen und stieß seinem Freund nur den Ellenbogen in die Seite.

"Ron hat sich dafür einen der besten Quidditch-Spielzüge ausgedacht, die ich je gesehen habe. Hast du eigentlich schon einen Namen dafür?" Tatsächlich hatte der Kapitän der Mannschaft von Gryffindor fast während der gesamten Verwandlungstheorie wie fanatisch auf einem Stück abgerissenen Pergaments herumgekritzelt.

"Nee..." meinte Ron und wurde rot, "aber wir können es ja nächsten Monat ausprobieren. McGonagall hat die Auswahlspiele in die erste Oktoberwoche gelegt."

Harry nickte. Bis dahin sollte er wieder fit genug sein, um den Anforderungen des Fliegens als Sucher zu widerstehen- selbst Poppy Pomfrey würde das einsehen müssen. Er brauchte die Stunden auf seinem Besen, die einzige Zeit, in der er seinem Schicksal, an das ihn die Erde band, entfliehen konnte, die Zeit, in der er einzig und allein er selbst war und nicht unter dem Schatten des Jungen, der Überlebte, stand.

"Was ist los, Harry?" fragte Hermine. Sie war sehr sensibel gegenüber den Stimmungsschwankungen ihrer beiden besten Freunde, etwas, das Harry mit Erstaunen feststellte. Ron war relativ geradeheraus mit dem, was er fühlte, aber Harry hatte immer gedacht, dass er in seinen Gefühlen eher ein Slytherin als ein Gyffindor war. Er versteckte sie.

Seine Freunde, die nicht genau wussten, was in den letzten Jahren geschehen war, konnten ihn nur zum Teil verstehen. Voldemort in Quirrels Körper war nur er alleine gegenübergestanden. Niemand, nicht einmal Ginny, wusste von seinem verzweifelten Kampf gegen die Erinnerung aus Tom Riddles Tagebuch in seinem zweiten Schuljahr. Keiner wusste, was er fühlte und sah, wenn er einem Dementor gegenüberstand. Die ganze Zauberwelt wusste um die Ereignisse der dritten Aufgabe beim Trimagischen Turnier, aber nicht einmal Dumbledore wusste, was Harry dabei gefühlt hatte- er hatte zu sehr unter Schock gestanden, als er sie erzählt hatte.

Und obwohl alle seine Freunde mit ihm im Ministerium gewesen waren, ihr Leben und ihre Gesundheit für ihn aus Spiel gesetzt hatten, hatte keiner von ihnen mit den fürchterlichen Schuldgefühlen und der quälenden Unsicherheit zu kämpfen, die ihn seither immer aus der Balance brachten.

Der Unsicherheit, die jene Stimme hervorrief, die in seinem Ohr davon flüsterte, dass er schwach und ein Versager war, dass er Voldemort beinahe hatte gewinnen lassen und wäre es nicht für das Opfer des Menschen gewesen, der ihm bis dahin am nächsten auf der ganzen Welt gestanden hatte, hätte er wohl entweder als Marionette des Dunklen Lords oder als Leiche geendet.

"Nichts", erwiderte er mit betont fröhlicher Stimme auf Hermines Frage und verbannte seine Gedanken und Gefühle wieder weit hinter die dicksten Okklumentik-Schilde, die er aufbringen konnte.

"Was schlägst du denn für einen Namen vor, Harry?" fragte Ron, nicht einen Moment von seinem Lieblingsthema abzubringen.

"Keine Ahnung... es ist ein Manöver für den Hüter... also, vielleicht 'die Fuchsverteidigung'?" Ron boxte ihn in den Arm.

"Harry, ich hab es ernst gemeint!" grummelte er. Harry schaffte es, sein Gesicht emotionslos zu lassen.

"Ich  auch, Ron", sagte er. Hermine rollte die Augen.

"Wenn ihr euch fertig gestritten habt, dann schaffen wir es vielleicht noch zum Mittagessen," sagte sie.

"Du denkst ans Mittagessen?" fragte Harry erstaunt. Hermine stieß ein kurzes Schnauben aus und stürmte davon.

"Nur weil ich nicht vierundzwanzig Stunden am Tag an genau zwei Dinge denke heißt das noch lange nicht, dass ich nicht trotzdem nach zwei Doppelstunden ohne Pause hungrig bin!" rief sie über die Schulter zurück. Harry schüttelte den Kopf.

"Sie ist eindeutig zu oft mit dir zusammen, Ron- du hast schon einen Teil deiner Persönlichkeit auf sie übertragen."

"Nur blöd, dass ich nichts von ihr bekommen habe- so ein bisschen Hermine-Gehirn zum Beispiel." grummelte Ron. Harry bemerkte nicht, dass seine Ohren bei diesen Worten rot und heiß angelaufen waren.

"Na ja, aber sie hat recht- heute Nachmittag drohen Stevenson und Snape, also sollten wir..."

"Ich dachte schon, du schlägst es nie vor!" seufzte Ron erleichtert und schlug ein schnelleres Tempo an.

Harry versuchte während der gesamten Mittagspause Rons und Hermines erhitztes Gekabbel aus seinen Ohren zu verbannen, genau wie Ginnys Klagen über Marina Stevenson, die anscheinend nicht verstehen konnte, oder nicht verstehen wollte, dass nicht alle Ravenclaws hoffnungslos im Ausweichen von Flüchen waren. Stevenson war anscheinend der festen Überzeugung, dass Luna und ihre Klassenkameraden zwar ein 'O' in ihren theoretischen Arbeiten im ZAG erreichen würden, den praktischen aber nie bestehen würden.

"So ein Blödsinn, Cho Chang kann schließlich auch einen gestaltlichen Patronus herbeirufen," unterbrach Hermine für einen Moment ihre Abhandlung über den Sinn (oder eher Unsinn) von Quidditch.

"Habe ich ihr auch gesagt, aber Stevenson hat gemeint, sie sei schließlich die Lehrerin und wir sollten uns auf ihr Gespür verlassen, das sie leider noch nie getrogen hat- alte Ziege! Wann ist das erste DA-Treffen, Harry?" Ginny lehnte sich über Hermines Teller hinweg. Harry winkte nur ab.

"Wenigstens unterrichtet sie alles, was ihr für die ZAGs braucht, oder? Die DA ist also nicht mehr nötig." Ginnys Gesichtsausdruck fiel.

"Aber..." begann sie.

"Es gibt keine DA mehr!", sagte Harry knapp und mit einer derartigen Endgültigkeit, dass Ginny trotz ihres Molly-Weasley-Temperaments die Erwiderung im Hals stecken blieb.

"Ich bin in der Bibliothek." Er warf sein Besteck achtlos auf seinen noch zu zwei Dritteln gefüllten Teller, sein Hunger war verflogen. Vielleicht konnte er Madam Pince überreden, dass sie ihn an ein paar Schriften zur zauberstablosen Zauberei aus Merlins Zeit ließ- damals waren Zauberstäbe noch weitestgehend unbekannt, und bis ein Zauberer fähig war, seinen eigenen Stab- einen jungen Stamm mit Wurzelwerk, in den der magische Kern vom Zauberer selbst eingebracht werden musste- herzustellen musste er zunächst lernen, ganz ohne magischen Fokus auszukommen.

>Ich hab wohl doch was aus Zaubereigeschichte gelernt<, dachte Harry überrascht. Unter seinen Fingern pulste das weiße Licht, seine eigene Magie, die er seit Anfang des Sommers auf eine Art und Weise spüren konnte wie nie zuvor.

"Potter! Was wollen Sie schon wieder hier?" Madam Pince beschattete ihn wie eine Fledermaus, fast wie Snape.

"Ich... ich wollte Sie fragen, ob ich in den alten Büchern über zauberstablose Zauberei blättern darf, Madam Pince.", antwortete er wahrheitsgemäß.

"Wie?" fragte die Bibliothekarin schrill, "der Einzige, der sie je ansieht, ist der Schulleiter selbst!"  Harry nickte und wandte sich ab. Es war natürlich logisch. Zauberstablose Zauberei war gefährlich, und Albus Dumbledore würde ihn nicht gefährden wollen. Dinge mit einem Händeklatschen heraufzubeschwören würde seine Domäne bleiben, und Harry würde, wie immer, sich selbst überlassen sein.

"Deswegen verstehe ich nicht, warum er mir einen Pass für Sie gegeben hat- einen unbeschränkten Pass, Potter. Sie haben Zugriff auf jedes Buch in der Bibliothek. Aber ich warne Sie: Wenn Sie auch nur eine Seite knicken, dann..."

"Dann ist Voldemort das geringste meiner Probleme, schon verstanden.", murmelte Harry, betäubt von der plötzlichen Enthüllung. Wollte Dumbledore ihn nun schützen, als Waffe ausbilden, oder ihm helfen?

Madam Pince zuckte zusammen, als Harry so achtlos den Namen des Dunklen Lords aussprach. Kälter als zuvor blickte sie zu ihm hinauf- seit dem letzten Jahr war Harry länger als sie- und rückte ihre Goldrandbrille auf ihrer Nase zurecht. "Der Schulleiter empfiehlt, dass Sie mit diesem hier anfangen. Kraft ohne Aggression wurde von einem Urgroßneffen Merlins geschrieben und ist eine Einführung in verschiedene Meditationstechniken zur Stärkung der Verbindung zwischen Körper und Magie. Unsinn, wenn Sie mich fragen... aber Sie sollen selbst sehen. Ich werde Ihnen auf Anordnung des Schulleiters dieses Buch ausleihen, aber ich möchte es in einwandfreiem Zustand zurück, verstanden?" Harry nickte und griff nach dem massiven, Ledergebundenen Band, den Madam Pince unter ihrem Schreibtisch hervorgezogen hatte.

"Sie bekommen es so bald wie möglich zurück.", sagte er. Sie schnaubte nur, aber wenn Harry genauer hingesehen hätte dann hätte er das tiefe Bedauern in ihren Augen lesen können.

"Husch jetzt!" sagte sie, und Harry ließ sich aus der Bibliothek scheuchen. Die tiefe Erschöpfung, die ihm dank seiner fast schlaflosen Nächte bis in die Knochen drang, ließ seinen Schlafsaal wie das Paradies klingen.

Seine Füße trugen ihn aber doch in den Raum der Erfordernis, wo ihn seine inzwischen schon gewohnte Übungsumgebung grüßte- inklusive eines kleinen Weckers, der ihm anzeigen würde, wann er zum Unterricht gehen musste.

"Sollte mal... Expelliarmus lernen", sagte er sich, an Marina Stevenson und ihre fiese Zauberstabhalterung denkend. Denn er wusste mittlerweile, dass die meisten magischen Gegenstände zauberstabloser Zauberei gegenüber anfälliger waren als der mit dem Zauberstab. Das lag vor allem daran, dass die Innere Magie eines Zauberers, der mächtig genug war, sie ohne einen Fokus zu wirken, auf einer Frequenz schwang, die natürlicher und besser in die Umgebung integriert war als die aus einem toten magischen Fokus gezogene Magie mit dem Zauberstab.Aus diesem Grund waren auch viele der Schutzzauber um Hogwarts von den mächtigen Gründern stablos errichtet worden, und hatten ihre Wirkung nun schon über ein Jahrtausend hinweg beibehalten.

Leider reichte eine halbe Stunde nicht aus, um den Entwaffnungszauber korrekt ohne die Hilfe seines Zauberstabes zu lernen. Alles, was er erreichte, war ein müder, schlapper Bogen, den der Zauberstab seines Trainingsdummies beschrieb bevor er direkt vor den Füßen seines vom Raum der Erfordernis bereitgestellten Gegners auf den Boden fiel. Dafür war er aber reichlich erschöpft und müde und machte von einer Eigenschaft des Raumes Gebrauch, die noch keiner außer ihm selbst entdeckt hatte.

"Aufpäppeltrank!" befahl er mit lauter Stimme. Vor ihm schwebte im Nu ein kleines Silbertablett in der Luft, auf dem eine Phiole des rauchenden Gebräus stand, die er rasch hinunterstürzte. Wenigstens machte dieser Zaubertrank nicht süchtig, so oft, wie er ihn einnahm.

Sein kleiner Wecker schepperte so laut, dass seine Ohren klingelten. "Schon gut, bin schon unterwegs!" schimpfte er gegen den infernalischen Krach an und schlug die Tür zum Raum der Erfordernis hinter sich zu, bevor er noch taub werden konnte.

"Mal sehen, was Stevenson heute so gegen mich hat", murmelte er niedergeschlagen.

Marina Stevenson hatte ein ganzes Arsenal an Lähmflüchen gegen ihn, wie er wenig später feststellen musste. In der letzten Stunde hatten sie mit einem begonnen, der die Zauberstabhand des Gegners lähmte, in dieser lernten sie, die Basisformel mit jedem Körperteil des Gegners zu verbinden, das ihnen einfallen konnte. Harry war froh, dass der Einfallsreichtum seiner Lehrerin sich nicht... zu weit erstreckte. Auch so verbrachte er die halbe Verteidigungsstunde damit, seine eingeschlafenen Glieder wieder aufzuwecken, da Stevenson zwischen ihm und Hermine als Demonstrationsobjekt hin und herwechselte. Später ließ sie dann auch noch Ron an ihnen üben, verbot ihnen beiden jedoch, Schilde aufzubauen oder sich zu wehren.

"Der Zweck dieser Stunde ist nicht, Schildzauber zu lernen, Potter.", hatte sie ihn ermahnt, als er reflexartig Protego eingesetzt hatte, bevor ihr Lähmfluch seine linke Schulter treffen konnte, "Sondern Lähmflüche und ihre Wirkung zu studieren. Sie können später auch üben."

Er hatte genau fünf Minuten lang üben können- so lange hatte es gedauert, bis Rons Fluch auf seiner Zauberstabhand verblasst war. Die Lähmflüche, die sie lernten, waren zwar nicht so effektiv wie eine Ganzkörperklammer- der Gegner konnte sich immer noch bewegen, auch wenn er zunächst kein Gefühl mehr in den betroffenen Gliedmaßen hatte- aber sie konnten nicht durch einen Gegenzauber vor der Zeit beendet werden. Harry dankte es nur seinem Talent in Verteidigung gegen die Dunklen Künste, dass er es trotzdem geschafft hatte, die meisten der neuen Zauber zu lernen. Nun ja, seinem Talent und Remus' und Sirius' Bücherreihe, die sie ihm im Fünften Jahr geschenkt hatten.

"Verflixt!" Hermine stolperte zum dritten Mal. Sie konnte noch immer nicht richtig gehen,  nach dem Neville, mit dem sie am Ende zusammen arbeitete, ihre beiden Füße gelähmt hatte. "Seit wann ist Neville so gut?"

"Ich hab nur ein bisschen geübt". sagte Neville bescheiden. Die Freunde trennten sich- Hermine und Harry hatten Zaubertränke in den Kerkern, Ron und Neville hatten frei.

Harry verbrachte die gesamte Stunde in schweigender Anspannung. Dumbledore hatte schon angekündigt, dass Snape ihn unter einem Vorwand zurückbehalten würde, um dann Okklumentik zu üben. Es war Harrys Aufgabe, den Vorwand zu liefern. Da er aber nicht schon wieder null Punkte für seinen Zaubertrank erhalten wollte musste er sich etwas anderes einfallen lassen...

Das Elixir, das sie heute brauten, war eine milde Variante des Traumlos-Schlummer-Tranks, die speziell für Kinder geeignet war. Die Wirkung hielt nicht so lange an wie beim echten Trank, und es verhinderte nur Alpträume anstatt aller Träume, aber es machte nicht so schnell süchtig und war besser  verträglich.

"Hast du schon eine Idee?" wisperte Hermine fast unhörbar neben ihm, als er seine klein gehackten Kamilleblüten mit den fein gewürfelten Lotuswurzeln vermischte, bevor er beide Zutaten in den Baldriansud kippte. Ein Fläschchen Johanniskrautöl wartete einsatzbereit neben dem Kessel darauf, dass die erste Stufe des Trankes komplett war.

"Ja", raunte Harry. Er verstummte sofort, da Professor Snape misstrauisch seinen Blick suchte, den er mit fast übermenschlicher Ruhe erwiderte. Sein Kessel summte leise die Melodie eines bekannten Wiegenliedes- Hush, little Baby- das Petunia Dudley früher immer vorgesungen hatte, wenn er nicht einschlafen konnte. Harry hatte sich oft auf die Treppe geschlichen und zugehört, und so summte er unauffällig mit seinem Kessel mit bevor er das Öl zufügte.

Die nächste Zutat für das Elixir, die sie sich aus Snapes eigenen Vorräten nehmen mussten, weil sie in den kleinen Sets der Schüler nicht zu finden war, bot ihm den perfekten Anlass, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Sein Elixir, das ruhig vor sich hin köchelte, im Auge behaltend wartete er, bis Draco Malfoy nach vorne ging. Schnell schob er sich vor den blonden Slytherin. "Ich brauche die Grimm-Haare, Professor Snape.", sagte er mit brüchiger Stimme, die er nicht einmal vorzutäuschen brauchte. Sirius' Animagus-Form war einem Grimm so ähnlich...

Eine Stimme raunte in sein Ohr. "Oh, Potty, sind in letzter Zeit nicht irgendwelche Hunde überfahren worden? Es wundert mich, dass du das Zeug aus Professor Snapes Vorräten brauchst, schließlich hattest du ja deine eigene Quelle, nicht? Aber ich vergaß, die Quelle ist ja... unerreichbar. Was für ein Ver-" Weiter kam er nicht. Harry gab seinem Zorn nach und zog seinen Zauberstab so schnell aus dem Halfter an seinem Handgelenk (eines seiner Geburtstagsgeschenke von der DA und im Gegensatz zu Stevensons vollkommen legal), dass Draco in sein Ende starrte noch bevor er einmal blinzeln konnte. Ein paar rote Funken stoben aus der Spitze. Harry achtete nicht darauf. Er war zu sehr damit beschäftigt, seinen Schulfeind Niederzustarren. Der Slytherin hielt seine Phiole mit den Haaren des Alptraumhundes fest umklammert und wich einen Schritt von ihm zurück.

"Sag so etwas nie wieder, Malfoy", zischte Harry so dunkel, dass es fast wie Parselmund klang. "Capilli engorgio!(1)"

Ein silberblauer Schimmer legte sich um Malfoys gesamten Körper und versank in seiner Haut. Zunächst geschah nichts Sichtbares, und Malfoy grinste hämisch während Snape wie eine überdimensionale Fledermaus auf die beiden Streithähne niederstieß. Sein Grinsen verwandelte sich jedoch schnell in eine Grimasse, und er wimmerte leise, während er sich mit beiden Händen die Arme rieb. Vor den Augen des gesamten Zaubertrankkurses verwandelte er sich im Zeitraffertempo in eine Kugel aus blondem Haar- jedes einzelne seiner Haare am Körper hatte unkontrolliert zu wachsen begonnen.

Seine Haupthaare hingen ihm bis zu den Knöcheln bevor Snape endlich reagierte und ihn von Harry wegzerrte, der mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht dastand. Er hatte Dumbledores Vorwand geliefert- und Malfoy nebenbei noch eine Lektion erteilt. Vielleicht ähnelte er seinem Vater doch mehr, als er gedacht hatte. Aber das war ihm im Moment völlig egal. Snape jedenfalls schäumte vor Wut.

"Mr. Malfoy, Krankenflügel. Potter, Nachsitzen- direkt nach der Stunde, und nächste Woche Dienstag, Donnerstag und Samstag! Und fünfzig Punkte Abzug für Gryffindor!" Harry nickte nur und kehrte an seinen Platz zurück, sein Grinsen auf allen Nicht-Slytherin-Gesichtern (und ein paar Slytherin-Gesichtern ebenfalls) widergespiegelt.

"Das war dein genialer Plan? Fünfzig Punkte, Harry- hättest du nicht einfach dein Elixir sabotieren können?" zischte Hermine wütend. Sie schleuderte ihren Mondstein geradezu in ihren Kessel während Harry seine Grimm-Haare häckselte.

"Hermine- es war..." Zabini, der auf Hermines anderer Seite arbeitete, wedelte ihr mit einer Hand vor dem Gesicht herum.

"Granger, das ist fast so gut wie die Gerüchte vom Hüpfenden Frettchen!" sagte er betont. Hermine sah aus, als hätte sie einen Frosch verschluckt.

"Aber... du..." stammelte sie.

"Ich bin ein Slytherin, ja. Aber das heißt nicht, dass ich an Malfoys Rockzipfel hänge wie seine beiden idiotischen Gorillas." Zabini wandte sich wieder seinem Elixir zu, das rot anstelle von blau geworden war und runzelte die Stirn. "Und was ist jetzt schon wieder falsch?" fragte er mehr sich selbst.

"Du hast die Grimm-Haare vergessen.", sagte Hermine leise. "Aber es macht fast keinen Unterschied, ob du sie vor oder nach dem Mondstein zufügst. Wenn du sie jetzt reintust bekommst du immer noch ein A. Das mit dem Frettchen ist übrigens kein Gerücht- der falsche Moody hat Malfoy wirklich in eins verwandelt und den Gang entlang hüpfen lassen."

Harry nickte anerkennend während Zabini sein Lachen hinter einem niesenden Schnauben verbarg. Vielleicht war er nicht ganz alleine in seinem Kreuzzug, die Warnung des Sprechenden Hutes zu befolgen. Zabini schien jedenfalls keine Probleme mit Hermine und ihrer Muggelfamilie zu haben- oder wenigstens keine allzu großen, denn er bedankte sich bei ihr, ohne sie zu beleidigen und lachte mit ihr. Und Hermine schien es ebenfalls nicht allzu schwer zu fallen, ihre Vorurteile gegenüber Slytherins zu überwinden und Zabini ein "Keine Ursache!" zukommen zu lassen.

Harry nahm sich Zeit, seinen Kessel besonders langsam und sauber zu putzen während der Rest der Zaubertrankklasse schon aus dem Klassenzimmer tröpfelte. Hermine schenkte ihm einen bedauernden Blick und Zabini grinste ihm mit einem aufgerichteten Daumen zu. Harry nickte zurück.

"Potter! In mein Büro!" befahl Snape, seine Roben ein schwarzer Wirbelwind. Harry folgte ihm.

Snapes Büro sah genauso aus, wie er es vom letzten Jahr her in Erinnerung hatte- mit einem Unterschied. Dumbledores Denkarium war nirgends in Sicht. Und keine der Schranktüren war geschlossen. Der Schulleiter hatte sich anscheinend endlich einmal dafür entschieden, beiden Partizipanten am Okklumentik-Unterricht die gleiche Startposition einzuräumen- und die gleichen Chancen.

Harry hatte aber nicht die Zeit, darüber nachzudenken, denn Snape wirbelte bleich vor Zorn zu ihm herum, seine wächsernen Züge unheimlich. Harry begegnete seinem alakrischen Temperament mit Gelassenheit.

"Und was, Mr. Potter, sollte Ihre kleine Aktion vorhin?" fragte er wütend, sobald er sichergehen konnte, dass auch der letzte Slytherin außer Hörweite war.

"Dumbledore wollte, dass ich einen Vorwand liefere, damit Sie mich zurückhalten können, Professor.", erwiderte Harry so gleichmütig,  wie er konnte und lachte innerlich über Draco Malfoy, den unglaublichen blonden Haarball.

"Und warum haben Sie dann nicht Ihr Elixir noch unzureichender gebraut als ohnehin?" fragte Snape, die Augenbrauen so weit hochgezogen, dass sie in den öligen Haaren verschwanden. Harry verbarg seine Wut und seine Abscheu.

"Weil ich meine Noten nicht ruinieren wollte. Und Malfoy hat mich provoziert", erwiderte er wahrheitsgemäß. "Er hat Sirius beleidigt."

"Ich bezweifle, dass man diesen... Köter noch weiter beleidigen kann, Potter. Und Sie haben nur wieder einmal gezeigt, wie arrogant Sie sind. Glauben, Sie stehen über den Regeln..."

Harry beherrschte sein überkochendes Temperament mit eisernem Willen. Vor seinen Augen färbte sich alles rot, aber er ballte die Fäuste. "Ich bin nur hier, weil Professor Dumbledore gesagt hat, es gibt keine andere Möglichkeit, Professor". presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, "aber wenn Sie weiterhin meinen Paten beleidigen wollen dann suche ich meine Chancen lieber mit Voldemort!"

"Überheblich bis zum Ende, Potter! Legilimens!" Der Angriff kam zu überaschen und Harry war zu wütend. Er stolperte zurück, die schwachen Reste seiner Schilde unter Snapes mentalem Ansturm nicht nützlicher als ein Papierregenschirm im Gewittersturm.

... der harte Steinboden biss in seinen Rücken, Bellatrix Lestrange beugte sich mit grausamem Lächeln über ihn, und das Feuer fraß an seinem Körper während er verzweifelt schrie...

... und Sirius wurde von dem roten Lichtstrahl getroffen, die Überraschung auf seinem Gesicht das Letzte, was Harry sah, bevor...

... die anklagenden Augen seiner Eltern und Cedrics sich tief in seine Seele bohrten und sie ihre Münder öffneten und...

"NEIN!" Harry schleuderte Snape von sich, eine Welle aus Magie brach aus seinem Körper. "NICHT DAS!" Er konnte den Zaubertrankmeister nicht auch noch seine Alpträume sehen lassen.

"NIEMALS!" Sein Zauberstab war auf Snape gerichtet, aber er brauchte ihn nicht, er stürzte schon vorwärts, und es war so dunkel, eine dunkle Nacht...

Die Grillen zirpten und das stoppelige Gras duftete nach frischgemähtem Grün unter seinen Füßen. Die warme Luft hatte einen schwülen Beigeschmack und am Horizont türmten sich silbern umrandete Gewitterwolken. Der Mond war zu einem Viertel voll, aber sein Licht reichte aus, um die knochenweißen Masken seiner Begleiter zu beleuchten. Kein Laut drang aus dem dunklen Schatten des Hauses vor ihnen und auch die Nachbarschaft war totenstill, bis auf das leise Heulen eines Hundes in weiter Ferne.

Er schlich sich ein paar Meter näher an das Haus heran, geborgen unter seinem Disillusionierungszauber, der ihn vor dem Auror, der nur wenige Schritte von ihm entfernt gelangweilt an einem Baum lehnte, verbarg. Der Mann, dessen Gesicht er in der Dunkelheit nicht erkennen konnte, verlagerte sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen und pfiff dabei, ein altes Zauberer-Wiegenlied, dessen Text selbst er, der kaum eine Kindheit gehabt hatte, kannte.

Er blickte vorsichtig über seine Schulter zurück, seine Kameraden hatten nun ebenfalls den Disillusionierungszauber gesprochen und nur die leisen Bewegungen der Grasstoppeln verrieten ihm, wo sie sich aufhielten. Sein Zauberstab glänzte ebenholzfarben, als er ihn mit einer geübten Bewegung aus dem Halfter an seinem Gürtel zog.

...>Am Gürtel? Mein Zauberstabhalfter ist an meinem rechten Unterarm!<...

"Stupor!" Das lauteste Geräusch war das Zischen des Zaubers, seine Stimme war tief und seidig glatt wenn er flüsterte und reihte sich nahtlos in das Wispern der Sommernacht ein. Der Auror vor ihm sackte am Baumstamm in sich zusammen, den Kopf auf den Knien. Er sah aus, als schliefe er.

"Der Meister wird nicht erfreut sein, wenn wir ihn am Leben lassen.", sagte einer seiner Kameraden neben ihm. Ein wässriges Schimmern bewegte sich auf den hilflosen, betäubten Mann zu. Er hielt den Atem an, er wusste, was kommen würde, er hatte schon an zu vielen dieser Aktionen teilgenommen, um es nicht zu wissen.

"Avada Kedavra!" Und für einen kurzen Moment leuchtete das friedliche junge Gesicht eines Mannes auf, der wohl gerade erst die Auror-Akademie verlassen hatte. Eine Welle unsichtbarer Energie, die in dem smaragdenen Zauber verborgen war, raubte ihm im selben Augenblick das Leben.

"Weiter", ordnete sein Gefährte an, und er schlich sich zur Tür des Hauses. Wartend, lauernd... dann lüpfte ihr Anführer seinen Disillusionierungszauber, und er folgte wie seine Gefährten seinem Beispiel.

Die Tür war eine einfache, braune Holztür, von der die Farbe langsam abblätterte, aber wie das ganze Haus verbreitete sie eine Aura der Gemütlichkeit. Ein tönernes Schild hing vom Rahmen eines kleinen, auf Augenhöhe in das Holz eingelassenen Fensters herab, er konnte die Schatten von Buchstaben erkennen, aber nicht lesen, was geschrieben stand. Ein einfacher Zauber, und die Tür schwang auf. Sie knarrte nicht; die Muggel, die hier lebten, hielten ihr Haus wohl gerne in Ordnung.

Die Diele war sauber, gefliest, die Wände holzgetäfelt und von Bilderrahmen übersät. Auf ein Zeichen des Anführers hin bewegte er sich in Begleitung dreier seiner Kameraden die Treppe hinauf in den ersten Stock, wo die Schlafzimmer der Familie lagen. Der Anführer und zwei weitere Männer mit weißen Masken kehrten zurück vor das Haus- er wusste, sie würden ihr Zeichen in den Himmel schreiben, während er die Mission zu Ende brachte.

Die Muggel schliefen beide, umarmten sich gegenseitig auf eine Art und Weise, die ihm bittere Eifersucht in der Kehle emporsteigen ließ. Er hatte sich immer gewünscht, dass seine Eltern so miteinander umgehen würden... aber zwischen seinem Vater und seiner Mutter hatte es keine Liebe gegeben, im Gegenteil.

"Aufwachen!" bellte er barsch und hasserfüllt. Warum sollten diese Muggel, diese minderwertigen Geschöpfe, etwas haben, was ihm stets verwehrt blieb?

Der Ehemann schreckte als Erster auf, seine weiten Augen spiegelten das spärliche Licht, das vom Mond gespendet wurde.

"Was ist, Schatz?" fragte die Frau schläfrig, drehte sich zunächst auf die Seite, bevor sie aus halb geöffneten Augen die Männer in ihren schwarzen Umhängen und Masken bemerkte. "Oh!" rief sie, und nun ergriff auch sie die Angst. Sie zog die Bettdecke eng um ihre schlanke Gestalt.

"Was wollen Sie hier?" fragte der Mann mit zitternder Stimme, die seine Angst verriet. Seine Hände tasteten unter dem Kissen nach etwas und er hatte ein Gefühl, dass er das verhindern musste.

"Muggel wie euch auslöschen.", sagte er gleichmäßig und war froh, dass seine Stimme nicht zitterte vor Hass und Aufregung. Rache... ja, das war, was er nun nehmen würde. Rache, dass jemand etwas hatte, was er nicht bekommen konnte. Jemand, der es nicht verdient hatte... "Crucio!"

Er lachte, während der Mann sich wand und schrie, er lachte, während die Frau ihren Ehemann umarmte und unter Tränen bat, ihn doch gehen zu lassen, er lachte, während seine Kameraden ihren Spaß mit den Muggeln hatten.

Er lachte, bis die Muggel mit toten Augen und nur noch schwach zitternd auf dem weichen, von Flüssigkeit aus einer Vase und ihren Körpern getränkten Teppich vor ihrem Bett lagen. Er lachte, während er seinen Zauberstab auf sie richtete und die beiden Worte sprach, die sie endgültig vom Antlitz der Erde tilgen würden wie das Gewürm, das sie waren.

Sein Zauber leuchtete im selben Moment auf wie ihr Zeichen vor dem Fenster und er hörte auf, zu lachen. Im grünen Licht der beiden Flüche lagen ein blonder Mann und eine rothaarige Frau, beide mit grünen Augen, und sie hielten sich bei der Hand. Und er erkannte die Frau, und er konnte nun auch einen Namen lesen, den sie auf ihre blutige Bettdecke gestickt hatte, und ihm wurde übel, und er lachte nicht mehr...

.. aber es war eine schwarzhaarige Hexe, die er vor seinem Zauberstab hatte. Sie bat nicht, sie flehte nicht, sie blitzte ihn nur aus harten, dunkelgrünen Augen an, während sie ihn verfluchte; ein sinnloses Unterfangen ohne ihren Zauberstab. Zu ihrer Rechten, verkrümmt und reglos, lag ein Mann mit ergrauenden, wilden schwarzen Haaren Er atmete nicht mehr.

Er zitterte vor Vorfreude, diese Toten würden ihn nicht so sehr belasten wie dieses Muggelehepaar, das er vor drei Monaten gejagt hatte, sie würde ihm nachts nicht so in die Augen starren wie diese rothaarige, grünäugige Muggelfrau, wie diese rothaarige, grünäugige Hexe, die so zerbrochen wirkte. Diese Hexe, die er nun töten würde hasste er fast so sehr, wie er ihren Sohn hasste, diesen arroganten Nichtsnutz der glaubte, die Welt zu besitzen.

Es erfüllte ihn mit grimmiger Freude, dass er ihren Ball ruiniert hatte, dass er sich mit seinen Kameraden in ihr Haus geschlichen hatte, während ihr Sohn in den sicheren Mauern von Hogwarts steckte. Sie hatten sich natürlich gewehrt, aber da keiner von ihnen einen Angriff erwartet hatte, waren sie hilflos der Macht seines Herrn ausgeliefert, der es sich nicht hatte nehmen lassen, den Mann dieser Frau persönlich zu töten. Aber die Frau... die Frau hatte er ihm überlassen. Und er würde sie nun töten, würde sich rächen, Schmerz für Schmerz, Demütigung für Qual...

"Du kannst mich töten, aber du wirst mich nicht brechen, Todesser!" Die Frau spuckte ihm ins Gesicht, aber ihre Spucke tröpfelte nutzlos an seiner weißen Maske herab, hinter der er unbesiegbar war. Er war stark, er war es, der die Kontrolle hatte, er hatte die Macht!

"Wie du es wünschst... Potter!" Er ergriff sie an ihrem Kragen, ignorierte den Schmerzensschrei, den sie ausstieß, weil ihre gebrochenen Knochen verschoben wurden.

"Du wirst sterben!" fauchte er. Sie sah ihn an, ihr Feuer kein bisschen verloschen.

"Und du wirst ewig darunter leiden- Severus Snape." Er erstarrte zu Eis. Wie hatte sie...? Aber es kümmerte ihn nicht. Er schleuderte sie von sich, sie blieb auf dem Boden dessen, was einmal ein Ballsaal gewesen war und sich nun in eine Szene aus einem Alptraum verwandelt hatte, liegen.

"Avada Kedavra!" flüsterte er, aber die Befriedigung und Befreiung, die ihm diese Worte hatten bringen sollen, blieben ihm verwehrt. Stattdessen fühlte er sich hohl und leer, angefüllt mit einer Dunkelheit- nein, nicht mit Dunkelheit, denn das wäre wenigstens etwas gewesen. Angefüllt mit Leere, mit Nichts.

Er rannte davon, rannte aus dem stolzen Herrenhaus, das hinter seinem Rücken in Flammen aufging, und erbrach sich wieder und wieder hinter der Buchshecke, die den schmalen Vorgarten umsäumte. Er wischte sich mit dem linken Rämel seiner schwarzen Roben den Mund ab. Er war erst siebzehn- aber der schwarze Stoff enthüllte das grünschwarz pulsierende Mal auf seinem linken Unterarm, den Totenschädel, aus dessen Mund obszön lasziv eine Schlange hervorquoll... und er musste sich abermals übergeben.

... und das kalte Gefühl in seinen Adern verstärkte sich noch, als er näher und näher an das majestätische Herrenhaus herankam, das schon einmal zerstört und wieder aufgebaut worden war, das Herrenhaus, in dem er... er weigerte sich, nachzudenken. Sein Meister, sein Herr stand schon im Türrahmen, stolz aufgerichtet in all seiner Macht. Er hatte ihnen verboten, näherzukommen, aber er hatte seine Angst und Neugierde nicht überwinden können. Seine Angst, seine Neugierde und seine Sorge um die Frau, die in diesem Haus lebte.

Sein Herr verschwand durch den Türrahmen, er hörte und sah die Flüche, die edelsteingleich in der dunklen, eiskalten und vernebelten Nacht aufblitzten, hörte die Schreie des Mannes, den er hasste, hörte, wie das Mobiliar zu Bruch ging, hörte, wie der Mann verzweifelt versuchte, seine Familie zu verteidigen- und dann hörte er nichts mehr, sah nur noch einen grünen Blitz. Sein Herr hatte gewonnen. Sein Herr? Er nannte ihn seinen Herrn, aber er war es nicht mehr, war es nicht mehr, seit er nach dem ersten Anschlag auf genau dieses Haus zu seinem einzigen Freund gerannt war, dem einzigen Mann, der ihn verstehen konnte, der ihn wieder aufgerichtet hatte, der ihm einen Sinn gegeben hatte, nachdem sein Leben in den dunkelgrünen Augen einer Hexe vergangen war.

Im Haus herrschte Stille, doch dann schnitt eine Stimme durch die Nacht, die das Blut in seinen Adern in feuriges Eis verwandelte, deren Flehen ihn den Cruciatus-Fluch ersehnen ließ. Er wusste, dass er nichts tun konnte, um ihr zu helfen, aber das linderte nicht seine Pein. Sie bat nicht um ihr Leben, sie bat um das ihres Kindes, des Produktes der Verbindung zwischen ihr und dem Mann, der tot im Erdgeschoß lag.

Sie bat vergebens. Ein grüner Blitz, und ihre süße Stimme verstummte, um nie wieder gehört zu werden. Ein Baby schrie, sein Klagen so hilflos wie es selbst. Er schloß die Augen, er konnte nicht hinsehen. Er hasste den Toten im Erdgeschoß, aber er konnte die Frau nicht hassen, auch wenn er dies stets vorgegeben hatte. Sie hatte ihn verteidigt, sie hatte ihm helfend zur Seite gestanden, aber er hatte sie wieder und wieder weggestoßen, bis sie endlich aufgab. Sie hasste ihn nun...

Ein Donnerschlag riss ihn von den Füßen, er wurde durch die Luft geschleudert und dann wusste er für einen Moment nicht mehr, wo oben und unten war. Als er sich wieder aufrichten konnte, brannte das Herrenhaus in grünem Feuer, seine Mauern vernichtet- und sein Herr war nirgends zu sehen.

Seine Roben waren zerfetzt, die Umgebung verwüstet von der Macht der Magie, die freigesetzt worden war- er konnte sie spüren, ein elektrisches Prickeln auf seiner Haut; er konnte sie schmecken, ein tangiger Beigeschmack in der faden Oktoberluft. Und das Haus, diese Ruine, brannte nicht mehr. Alles war still- bis auf das leise Weinen eines kleinen Kindes.

... und auf der Decke, der weißen Bettdecke, stand mit roten Buchstaben sauber gestickt ihr Name, der Name des Ehepaares, das nun zertreten zu seinen Füßen lag...

... "...Potter!"...

... und der Name war Evans...

... er war tot, er fühlte sich tot, aber Albus hatte ihm wieder ein Leben gegeben, ein Leben, das er ihm nun schuldete, und er war gerade achtzehn...

... und ein Baby weinte, während er sich abwandte und versuchte, seine zerfetzten schwarzen Roben um seinen Körper zusammenzuhalten...

... und seine Augen brannten in namenlosem Schmerz, als er den Namen wieder und wieder las, rot auf weiß...

... "...Potter!"...

... Evans...

... und er kniete auf dem kalten Steinfußboden in den Kerkern, sein Schweiß tropfte von seiner Stirn auf seine Hände, die nicht mehr ganz so schlank und langfingrig waren und in ihm brannte der Hass so hell wie noch nie, der Hass, der Schmerz, der Verrat!

An der Wand, hingeschmettert, achtlos hingeworfen die überschlanke, schwarzgewandete Gestalt, die die Schuld trug. Sie bewegte sich nicht, starrte blicklos auf den vor ihm knienden Jugendlichen, dessen glühender, smaragdgrüner Blick so intensiv wie der Unverzeihliche Fluch war, mit dem er beiden Frauen das Leben genommen hatte.

"Wer waren sie? Wer waren diese beiden Muggel?" fragte Harry heiser, zu taub, um noch zu fühlen. Er wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, seit er in die Erinnerungen des Mannes vor ihm eingetaucht war, aber es fühlte sich an wie ein Lebensalter. Er hätte nie gedacht, dass er zu so großem Zorn fähig sein könnte.

"Sie waren Evan und Florence Evans," antwortete Snape, ebenso gebrochen wie sein Schüler. Er fühlte sich wieder so krank wie in dem Moment, als er erkannt hatte, wer sein Opfer gewesen war.

"Sie waren..." wisperte der Junge, seine Augen nun geschlossen, aber unter den geschlossenen Lidern glitzerte es. Dennoch fiel keine einzige Träne. "Sie waren... meine Großeltern!" Snape lehnte schwer atmend an der Wand, die Augen geschlossen. Er konnte nicht verneinen, was Harry gesagt hatte, aber er konnte es sich auch nicht eingestehen, nicht jetzt...

Die Schuld, die er all die Jahre hinweg verdrängt hatte, die seinem Hass auf den Vater des Jungen eine zusätzliche Bitterkeit verliehen hatte, überschwemmte ihn nun. "Sie waren deine Großeltern, Potter.", sagte er so kalt, dass der Junge zitterte. Er tat ihm leid...

"Du warst da.", zischte Harry. Er sprach Parsel, aber Snape verstand ihn trotzdem. Er wusste, was Harry meinte. Er war da gewesen, als Voldemort seine Eltern getötet hatte, und er hatte nichts getan. Er hatte schon auf der Seite des Lichtes gestanden, aber er hatte dennoch nichts getan. Der Junge wusste, warum, hatte es im letzten Jahr im Denkarium gesehen, aber er konnte ihn nicht verstehen, konnte die Kälte in Severus Snape einfach nicht verstehen, weil er nicht wusste, wie er aufgewachsen war. Vielleicht konnte er ihn verstehen machen...

Snape wagte es tatsächlich, einen Schritt auf ihn zu zugehen. Harry wich zurück, das aschfahle Gesicht mit den glühenden grünen Augen wutverzerrt. "Komm mir nicht zu nahe." flüsterte er, so gefährlich, dass selbst dem abgehärteten Spion des Ordens kalt den Rücken herunter lief. "Komm mir nie wieder zu nahe!"

Die wilden, schwarzen Haare wehten in einem unsichtbaren Wind als Harry ihm den Rücken zudrehte. Snape ließ sich wieder zu Boden sinken, verbarg sein Gesicht in den Händen. "Bist du nun zufrieden, Albus?" flüsterte er, "das war doch der Grund, weswegen du mir dein Denkarium nicht geliehen hast! Damit Potter mich besser versteht... Du wusstest, dass er Legilimentik einsetzen kann, du wusstest, dass er diese Gabe hat! Meine Schuld ist nun erfüllt." Aber Albus Dumbledore antwortete nicht; und Snape blieb alleine mit seinen bitteren Gedanken, seinem Hass und seiner Schuld.

Er floh aus den Kerkern. Er konnte es nicht mehr ertragen, gefangen in der Kälte zu sein. Dem Mann nahe zu sein, dessen Schuld es war, dass er niemanden mehr auf der Welt hatte. Der Schuld daran war, dass er bei seiner Tante hatte leben müssen, der seine Großeltern unwiderbringlich geraubt hatte, und der es wagte, ihn noch der Arroganz und des Leichtsinns anzuklagen.

Er wusste nicht, wohin ihn seine Schritte trugen, blind rannte er durch die Gänge von Hogwarts, stieß Schüler aus dem Weg, deren Existenz er nicht anerkannte.

"Accio Besen, Feuerblitz!" Seine Hände waren ausgestreckt, aber er bemerkte nicht, dass er seinen Zauberstab in keiner von ihnen hatte. Das kühle Holz eines Besens- nicht seines Feuerblitzes, wie er abwesend bemerkte- schlug mit beruhigender Festigkeit in seine Hand. Vor ihm tauchte ein Fenster auf... er flog, er flog hinauf zum grauen Himmel, der den Glanz des Morgens schon lange verloren hatte. Unter ihm blieb das Schloß zurück, das jene... Kreatur beherbergte, deren Anblick er nicht mehr ertragen konnte. Der See, dessen bleierne Wasser im selben Aufruhr waren wie er selbst, blieb hinter ihm zurück. Er fand einen felsigen Vosprung auf einer Klippe an seiner fernen Seite, landete dort. In ihm raste es, er spürte die Kraft, die seine Magie ihm lieh, spürte, wie sie gegen die Fesseln seines Körpers schlug, wie sie ihn verbrannte, wie sie durch seine Gefühle verbrannte.

Und er ließ sie los.

Der See unter ihm reagierte. Wilde Wellen schlugen an den Strand, während sich in der Mitte des Gewässers ein riesiger Strudel bildete, der unter dem Ansturm weißgrüner Magie bis auf den Grund wuchs. Die Häuser der Meerleute wurden freigelegt, während Harry seiner Wut freien Lauf ließ. Der Wind zerrte an seinen Kleidern, trug ihn empor, bis er im Auge des Sturmes, den er entfesselt hatte, schwebte. Er hatte die Augen geöffnet, aber außer einem Licht so grün wie das des Avada Kedavra sah er nichts. Hogwarts mit seinen Lichtern, ein Märchenschloss unter der untergehenden Sonne, verschwand im stählernen Grau der Wasserwand, die er vor sich aufwirbelte, die er dazu brachte, dass sie ihn umschloss und ihn in ihrem Schoß barg.

Ungeachtet der hunderten von Augenpaaren, die auf ihm lasteten- denn das Spektakel des heulenden Windes und der Wasserhose, die sich aus dem See erhob, während ein schlanker, junger Mann beide Hände über der Wasseroberfläche hielt und seinen Schmerz und Zorn dem Himmel entgegenschleuderte, konnte nicht unbemerkt bleiben- ließ Harry all seine Kraft aus sich herausströmen.

All seine Angst, seine Wut, sein Schmerz, seine Verzweiflung, seine Erschöpfung, all sein Wille und sein Leben flossen in seine beiden Hände, die er über dem Kopf zusammenschlug. Die Wasser folgten seinem Befehl, donnerten über ihm zusammen, ehe sie wieder in ihr Bett zurückkehrten.

Harry ließ die Hände sinken. Seine Kraft verebbte in dem Maße, wie seine Schluchzer seinen Körper schüttelten. Die Taubheit und der blinde Zorn von vorher wichen einem tiefen Gefühl der Verletztheit, der Hilflosigkeit und der Mutlosigkeit. Er war ein Spielball einer Prophezeiung, die er am liebsten nie gehört hätte. Er war einsam. Und die letzte Hoffnung, die er gehabt hatte- dass irgendwo noch ein Teil seiner Familie auf ihn wartete- war nun dahin. Die letzten Reste seiner Kontrolle ließen ihn seinen Zauberstab hervorholen und seinen Besen herbeirufen, bevor er in den See stürzen konnte. Der Besen- es war ein Schulbesen- gehorchte seinem Ruf und er flog blind zurück zu dem kleinen Felsvorsprung, von dem aus er begonnen hatte. Er konnte nicht umhin, sich in Gedanken zu rufen, was er alles verloren hatte, was alles unwiederbringlich dahin war. Seine ganze Familie...

Dahin, weil ein machtgieriger Bastard und seine grausamen Untergebenen sie ermordet hatten, bevor er geboren worden war.

Dahin, weil ein Siebzehnjähriger aus Hass und Verzweiflung zu einem Untergebenen des Dunklen Bastards geworden war.

Dahin, weil sein eigener Vater diesen Siebzehnjährigen gereizt hatte.

Dahin, weil Snape nicht über eine Schulfeindschaft hinwegkommen konnte.

Dahin, weil Snape nie wieder in eine Situation wie damals mit Sirius, dem Werwolf Remus und seinem Vater, der sein Leben rettete, kommen wollte.

Dahin, weil ein paar Auroren zu schnell und nicht gründlich genug ausgebildet worden waren.

Harry schlug mit der Hand gegen die Felswand bis sie blutete. Der Schmerz, der zu ihm vordrang, war nur ein schwaches Echo dessen, was er fühlte. Er war zerrissen. Er würde nie wieder heil sein. Alles, was er gesehen hatte, lag lang zurück, beinahe zwanzig Jahre. Aber an diesem Abend war es wieder lebendig geworden, lebendig in den schwarzen Augen seines Lehrers für Zaubertränke, in die er auf irgendeine Art und Weise gestürzt war, die er nicht verstand. Er wusste nicht, was er getan hatte, nur, dass er es wieder tun könnte. Es war wie seine Fähigkeit Parsel zu sprechen,  er konnte es einfach.

Und es war vorher nicht da gewesen. Harry sackte an der Felswand hinunter. Er konnte nicht mehr in der Vergangenheit leben, aber er konnte auch keine Zukunft sehen. Ein weiterer Schmerz hatte sich in seine Seele gefressen, unauslöschbar. Seine Hand schnappte sich seinen Besen und bevor er denken konnte saß er auf und zischte zurück zum Schloss. Niemand war in der Eingangshalle, als er landete, aber der Gemeinschaftsraum von Gryffindor war voller Gewisper und Fingerzeige hinter seinem Rücken.

Steif und mit geradem Blick verstaute Harry den Schulbesen in seiner Truhe bis er ihn wieder zurück zum Quidditchfeld bringen konnte, dann kam er wieder hinunter und stellte sich den angstvollen, bewundernden, verwunderten Blicken seiner Mit-Gryffindors.

"DA-Treffen, heute Abend noch!" sagte er knapp, mit einer bisher nicht gekannten stählernen Kälte in der Stimme. Niemand widersprach.

"Wann?" fragte Hermine nur. Harry warf einen Blick auf die Uhr über dem Kamin.

"In einer Stunde," sagte er. "Im Raum der Erfordernis. Verändere das Datum auf den Münzen, Hermine." Damit war er zum Porträtloch hinaus.

"Was war das?" hörte er Ron noch sagen, dann herrschte Stille. Harry hatte noch ein paar Leute einzuladen, und dann würde er auf seine DA warten. Seine DA. Nicht mehr Dumbledores Armee. Potters Defensiv-Allianz. Und er würde dafür sorgen, dass sie besser vorbereitet waren, als diese Auroren, die ihr Leben für seine Großeltern gegeben hatten, wie es der Fluch seiner Familie zu sein schien. Er, Harry, würde den Fluch brechen.

Die Schüler, denen er einen kleinen Fetzen Pergament in die Hand drückte wussten nicht, wie ihnen geschah und starrten verwundert hinter ihrem Mitschüler mit den flammenden Augen her, ehe sie dümmlich die wenigen Worte lasen, die Harry ihnen hatte zukommen lassen. Raum der Erfordernis (siebter Stock, gegenüber Wandbehang mit Barnabas dem Bekloppten), 21 Uhr.

Im Raum der Erfordernis wartete eine kleine Armee von sechs Trainingsdummies auf ihn. Er hatte eine Stunde. Und zum ersten Mal seit Beginn des neuen Schuljahres hielt Harry nichts zurück. Seine Magie, die doch eigentlich nach dem kleinen Ausflug an den See hätte erschöpft sein müssen, sang mit einer solchen Stärke in seinen Adern, dass sein Schockzauber einen Dummy beinahe in Stücke riss. Er fühlte sich zwar ruhig, fast abgehoben, aber die Leichtigkeit, mit der er den Entwaffnungszauber ohne seinen Zauberstab schaffte, strafte diese Ruhe Lügen. 

Snape... alles kam immer wieder zu diesem Todesser-der-ein-Spion-wurde zurück. Snape, den erst der Tod seiner Großeltern hatte sehen lassen, was er tat. Snape, der es wagte, ihn niederzumachen, ihm Vorwürfe zu machen, ihn zu verabscheuen, nachdem er ihm seine Familie geraubt hatte.

>Aber er verabscheut sich selbst für seine Taten so sehr, dass es anders nicht zu ertragen wäre,< schaltete sich eine kleine Stimme der Vernunft in den Malstrom seines eigenen Hasses ein. >Er kann nicht leben, wenn er der Realität ins Gesicht sehen muss. Er ist schwach.<

Harry rollte sich unter dem Angriff dreier Dummies weg in die momentane Sicherheit des Schattens eines Sofas- das Duell schien diesesmal in einem Wohnzimmer stattzufinden- nein, nicht in irgendeinem Wohnzimmer, wie er mit Schrecken erkannte, es war ein Schlafzimmer. Das Schlafzimmer, das er erst kurz zuvor in den Erinnerungen des Zaubertrankprofessors gesehen hatte. Der Teppich war also einmal weiß gewesen...

"NEIN!" Harrys Stimme war so fremd... war er wirklich noch er selbst? Seine Hände flogen nach außen, er wollte die Dummies, die nun weiße Masken trugen, einfach nur noch verbannen- und genau das geschah. Verscheuchezauber brachen aus beiden Armen hervor, verwüsteten alles, was in ihrem Halbkreis lag.

Schwer atmend sank Harry auf die Knie und wischte sich den Schweiß von der Stirn, den er nicht bemerkt hatte. Anscheinend war er doch erschöpfter, als er gedacht hatte, denn sein Kopf dröhnte und ihm war schwindlig.

"Whoa, Harry- was war denn das?" Zacharias Smith, der zweifelnde Thomas von Hufflepuff, der Harrys Autorität stets zu untergraben versucht hatte, stakste durch die Überreste seines Kampfes gegen die Dummies.

"Wie hast du denn das gemacht, Potter?" fragte er. Harry zuckte zusammen. Er konnte sich jetzt nicht leisten, mit allem umzugehen, was geschehen war. Bis er seinen Freunden wenigstens ein klein wenig Schutz vor den Machenschaften des Dunklen Bastards gegeben hatte konnte er sich nicht auf sich selbst konzentrieren- und er wollte es auch nicht. Die DA würde sein Versuch sein, zu verhindern, dass andere Familien so zerstört wurden wie seine. Und er konnte, solange er mit seinen Freunden zusammen war, vergessen, was ihn sonst zerstören würde.

"Bin wohl ein bisschen über das Ziel hinaus geschossen.", beantwortete er Smiths Frage mit einem schiefen Grinsen, das ihn mehr denn je James Potter ähneln ließ, wenn dieser bei einem Streich erwischt worden war.

"Kann man wohl sagen, Harry, Kumpel!" rief Ron vom Eingang zum Raum der Erfordernis aus, "erst dieses Ding am See- 'mine will übrigens noch genau wissen, welchen Zauber du dafür benutzt hast- und jetzt hast du auch noch unseren Trainingsraum kaputt gemacht!"

"Hab ich nicht!" fuhr Harry auf. Seine Augen blitzten für einen Moment, als er den Raum der Erfordernis darum bat, die passende Umgebung für die DA zu schaffen.

"Hier ist er doch!" Und tatsächlich hatte sich das geräumige DA-Zimmer um Harry und Smith herum materialisiert.

"Hey, dieser Raum ist noch viel toller, als ich dachte wenn er das kann!", sagte Smith, "Wann kann ich ihn für ein Date buchen?"

"Das ist nicht der Astronomieturm!" schimpfte Hermine hinter Rons Rücken hervor. Sie war außer Atem und trug ein riesiges Buch  in den Armen. "Und warum hast du nicht auf mich gewartet, Ron?" fragte sie dann.

"Ummm..." stotterte Ron und wurde rot.

"Und Harry, was hast du mit dem See gemacht? Es würde mich nicht wundern, wenn der Krake sich weigert, je wieder hervorzukommen! Du hast ihn praktisch in die Zentrifuge gesteckt!" Hermine blitzte Harry an, der sich ein wenig dumm vorkam.

"Ummm..." stotterte er.

"Ach, egal- wann fangen wir an?" Sie warf die Hände in die Luft- es hatte einfach keinen Sinn, zu versuchen, den beiden männlichen Teilen des Trios Vernunft einzureden.

"Sobald all unsere alten und neuen Mitglieder eingetroffen sind.“, antwortete Harry ruhig. Hermine und Ron beäugten ihn so misstrauisch wie alle, die seinen Ausbruch miterlebt hatten. Er schien... verändert. Ruhiger, stärker, kontrollierter.

"Moment mal- neue Mitglieder?" fuhr Smith auf. Der stetige Strom von DA-Mitgliedern, der in den Raum tröpfelte, hielt inne.

"Neue Mitglieder?" echote es von Neville bis Luna. Harry nickte nur.

"Ich glaube, sie sind vertrauenswürdig- und es ist ja schließlich nicht so, als ob Umbridge noch hier wäre und wir uns verstecken müssten." Die DA-Mitglieder runzelten weiter skeptisch die Stirn und erstes Gemurmel, dass Harry seine Kompetenzen überschritt, wurde laut.

"Warum brauchen wir neue Mitglieder?" fragte Michael Corner, der Vertrauensschüler von Ravenclaw. Er war im siebten Schuljahr und angeblich beleidigt, weil Dorny von Slytherin anstatt seiner zum Schulsprecher ernannt worden war. Cho, die Schulsprecherin, war nicht gekommen, weswegen er sich noch mehr aufplusterte.

"Der Sprechende Hut hat uns eine Aufgabe gegeben- uns, als Schülern von Hogwarts. Die DA ist dazu geeignet, diese Aufgabe zu erfüllen.", entgegnete Harry ruhig.

"Was für eine Aufgabe?" rief Jonathan Seymour, ein Hufflepuff aus Ginny Weasleys Jahrgang, herausfordernd.

"Wir sollen die Schule zusammenführen." Hermines klare Stimme brachte Ordnung in das brummende Chaos.

"Die Schule zusammenführen? Was soll denn das heißen?" Mehrere DA-Mitglieder nickten zu Seamus' Frage und unterstrichen es mit zustimmenden Rufen.

"Uh… das heißt, dass…" begann Hermine und sah hilfesuchend zu Harry hinauf.

"Stören wir?" fragte eine helle Stimme von der Tür her. Unsicher an ihren Roben herumfingernd standen Diana Moon und Blaise Zabini nebeneinander im Türrahmen.

"Wer- oh, du bist Diana Moon- von Slytherin!" quiekte der Hufflepuff-Junge aus Ginnys Jahrgang, Seymour, mit beschämend hoher Stimme.

"Mein Ruf eilt mir voraus", meinte Moon sarkastisch und versteckte sich hinter einem hoch aufgereckten Kinn.

"Nein, deine Nase tut das- und zwar um mehr als nur ein paar Zentimeter!" rief Smith und sonnte sich im heulenden Gelächter der DA.

Harry hielt sich zurück, wenn auch mit Mühe. Moon hatte wirklich eine Nase, die der eines gewissen schleimigen Individuums aus den Kerkern nur um ein Weniges nachstand, aber Smiths Kommentar war unprovoziert und gemein gewesen. Er würde abwarten, was daraus würde…

"Sie sind Slytherins!" war der nächste Punkt aus den Reihen der DA. Zabini rollte nur die Augen.

"Nur, weil wir es uns nicht zur Angewohnheit machen, herumzuspazieren und einen tragischen Heldentod zu sterben sind wir noch lange nicht alle Todesser.", sagte er gelangweilt.

"Und was, wenn sie alles, was wir hier üben, direkt zu ihrem Meister tragen?" fragte Colin Creevey und richtete sich zu seiner ganzen Größe von etwas über fünf Fuß auf.

"Bitte, der Todesser-Junior-Club im Slytherin-Jungenschlafsaal sind Malfoy, Crabbe, Goyle und Webb. Jeder weiß, dass Zabini nicht zu ihnen gehört!" Moon hatte aus ihrer Beleidigung heiße Wut gezogen und blitzte die DA-Mitglieder, die in einem Halbkreis gegenüber der beiden Slytherins standen, gefährlich an.

"Webb? Wer ist Webb?" fragte Ginny Weasley, die zwar ihren Zauberstab fest in der Hand hielt jedoch, da die beiden Slytherins nicht aggressiv geworden waren, ein wenig freundlicher dreinblickte.

"Webb ist der fünfte Junge in Slytherin in meinem Jahrgang," mischte sich Harry ein. Augenblicklich verstummte die DA und ordnete sich seiner Autorität unter. "Ich wusste nicht, dass er sich Malfoys kleinem Club angeschlossen hat. Ich nehme an, du hast ihn nicht eingeladen, Zabini?" Blaise nickte zustimmend.

"Nein, hab ich nicht. Und jetzt pfeif deine Hunde zurück, Potter- ich dachte, wir würden hier ein bisschen Übung für den Krieg bekommen." Die DA schauderte wie ein Mann, als Zabini so unverblümt aussprach, was in der Welt draußen geschah. In Hogwarts schienen all die Attacken immer so weit weg zu sein und nur auf den vergilbten Seiten des Tagespropheten zu existieren.

"DA- wir wollen mit dem Treffen beginnen!" orderte Harry. Misstrauisch die beiden Slytherins beäugend zogen sich die knapp zwanzig Schüler zurück.

"Einmal abgesehen von unseren beiden neuen Mitgliedern aus Slytherin denke ich, dass wir den diesjährigen vierten Jahrgang rekrutieren sollten," meinte Hermine, die auf ein Zeichen Harrys hin die Sprecherrolle übernommen hatte. Sie hatte, weil sie nicht glaubte, dass Harry die DA wirklich auflösen würde, für das erste Treffen vorgearbeitet.

"Gute Idee," nickten Ginny, Neville und Luna zustimmend.

"Zabini, wer von den Slytherins aus dem Vierten Jahr ist vertrauenswürdig?" fragte Harry. Zabini schloss die Augen und legte den Kopf schief.

"Im Vierten sind weniger Todesserkinder als in den oberen und den neuen Jahrgängen… ich schätze, wir können drei von den Jungen und vier Mädchen einrechnen," sagte er nach kurzer Überlegung.

"Avery können wir auch trauen," meldete sich Moon, "sie ist zwar die Tochter eines Todessers, aber ihre Mutter hat sie vor ihrem Vater beschützt und sie steht garantiert nicht auf Voldemorts Seite. Sie ist eine meiner Freundinnen."

"Und das soll uns beruhigen?" brauste Ron auf. Er hatte sich bis jetzt zurückgehalten und Harry vertraut, aber dass dieser nun noch mehr Slytherins in die DA bringen wollte, ging wirklich zu weit.

"Ron!" schnappte Hermine, aber ihr rothaariger Freund war schon zu weit fort, um noch auf sie zu hören.

"Nein, 'Mine- Harry ist verrückt geworden, siehst du das nicht? Er behauptet, Slytherins wären freundlich- demnächst läuft er noch selber zu Ihm-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf über! Es wird höchste Zeit, dass jemand diesen Wahnsinn stoppt!" Seine Fäuste geballt stürmte er auf Harry zu und packte ihn am Kragen. "Harry, hör auf mit dem Quatsch! Du kannst doch nicht wirklich Todesser ausbilden wollen!"

"Ron, lass ihn los!" riefen Hermine und Ginny, die beide den tödlich kalten Blick in Harrys Augen bemerkt hatten.

"Ich schlage vor, du lässt sofort meine Roben los, Ron", zischte Harry, "sonst kann ich nicht für das garantieren, was ich tue."

"Den Teufel werd ich, Harry- erst wenn du wieder bei Sinnen bist, Kumpel. Und jetzt schmeiß diese schleimigen Slytherins raus und lass uns endlich mit der DA weitermachen." Ron schüttelte seinen kürzeren Freund, wie um seinen Punkt zu unterstreichen.

"Loslassen!" Harry schickte eine Welle seiner Energie durch Rons Arme, dass dieser ihn geschockt fallen lassen musste.

"Hört zu", wandte er sich an die gesamte DA, die mit verschreckten bis ungläubigen Ausdrücken auf den Gesichtern den Streit der beiden legendären besten Freunde beobachtet hatte, "Moon und Zabini sind ab heute dabei, und es werden noch mehr Slytherins kommen. Wir brauchen das Um-die-Ecke-Denken, das sie mitbringen. Keiner von uns kann sich wirklich vorstellen, was Voldemort", ein allgemeines Schütteln "als nächstes tun wird. Die Slytherins können uns dabei helfen, das zu verstehen. Versteht mich jetzt nicht falsch- ein Freund von Malfoy und seinem kleinen Club werd ich nie werden, aber nicht alle Slytherins sind Todesser. Genau so wie nicht alle Gryffindors gut sind. Ich kenne einen, der ein Todesser geworden ist!" Bis die ungläubigen Aufschreie verstummt waren, dauerte es einige Minuten. Zabini, Moon und die Fünf, die Harry ins Ministerium begleitet hatten, waren die einzigen, die schwiegen. Die Slytherins weil sie nicht glauben konnten, dass Harry Potter, das Urbild eines Gryffindors, sie verteidigte und die anderen, weil sie sich ein wenig schuldbewusst an Harrys Anschuldigungen gegen Peter Pettigrew erinnerten, die sie inzwischen als genauso wahr ansahen wie den Rest seines Interviews mit Rita Kimmkorn.

"Ja, das ist wahr. Peter Pettigrew ist ein Todesser- ich habe es im letzten Jahr in meinem Interview gesagt, und ich sage es wieder: er ist derjenige, der meine Eltern verraten hat und Voldemort zu unserem Haus geführt hat." Er- und Snape, dachte Harry mit einer schmerzlichen Grimasse.

"Wir müssen auf die Warnungen des Sprechenden Hutes achten- er hat sie nun schon zwei Jahre hintereinander ausgesprochen. Und wenn ihr nicht über ein paar Vorurteile hinwegkommen könnt dann seid ihr nicht besser als Voldemorts Todesser!" Harry ignorierte die entrüsteten und erschrockenen Ausrufe. "Jawohl nicht besser als die Todesser- denn die leben von Vorurteilen und Diskriminierung! Wollt ihr wirklich so enden? Dann kann ich euch nicht brauchen." Er atmete schwer, der kleine Vortrag, Ron von sich abzuschütteln und so viele Menschen in seinem Bann zu halten hatte ihn viel seiner restlichen Energie gekostet.

"So, und wer jetzt noch etwas dagegen hat, dass Moon, Zabini und hoffentlich noch viel mehr Slytherins sich unserer Seite anschließen soll gehen." Harry verschränkte die Arme über der Brust und ließ sich in einen vom Raum der Erfordernis praktischerweise bereitgestellten Chintz-Armstuhl fallen.

"Phew, ich hoffe, das muss ich nie wieder machen", murmelte er, das Gesicht in den Händen. Eine Hand berührte ihn an der Schulter.

"Das war... weißt du, ich hab noch nie so gedacht", sagte Rons Stimme. Sein bester Freund hatte sich wohl von dem Schock, den Harry ihm verpasst hatte, wieder erholt. "Tut mir Leid, dass ich so explodiert bin."

Harry blinzelte. Hatte sich Ron der Dickkopf gerade entschuldigt? "Hey, wann bist du denn erwachsen geworden?" scherzte Hermine, die sich hinter Harry gestellt hatte.

"Irgendwann, während ich nicht da war," meinte Ginny. Neville und Luna, die beide verschwörerische Blicke tauschten, gesellten sich zum Generalstab der DA. Ron wurde rot.

"Hey, ich kann sehr wohl erwachsen sein wenn ich will!" brauste er auf.

"Nur, dass du dann nicht sehr oft willst," erwiderte Ginny.

"Aufhören, alle beide- und ich hatte schon gehofft, dass ihr wirklich gelernt habt, zu denken!" Hermine trennte die beiden Geschwister bevor sie sich gegenseitig an die Kehle fahren konnten.

"Ich glaube, niemand will gehen, aber alle warten darauf, dass du das Treffen endlich eröffnest," meinte Neville ein wenig nervös. Er wollte nicht, dass Harry schon wieder in die Luft ging.

"Also gut." Der Leiter der DA nahm einen tiefen Atemzug und betrat ein kleines Podium. "Wer kennt ein paar gute Schildzauber?"

"Was ist mit dem, den du in Verteidigung benutzt hast?" Neville hatte dank der DA im letzten Jahr seine ZAG-Prüfung in Verteidigung gegen die Dunklen Künste mit 'Erwartungen Übertroffen' bestanden und war im selben Kurs wie Harry.

"Scutum," sagte Hermine. Harry wurde rot.

"Ummm... ich glaube nicht, dass der so gut ist- Madam Pomfrey hat mir gesagt, dass ich beinahe meine ganze Magie mit zwei Schilden dieser Art erschöpft habe.  Wir sollten vielleicht einen weniger aufwendigen Schild probieren... Scutum nimmt ja tatsächlich physische Gestalt an und ist eigentlich eher eine Beschwörung als ein Abwehrzauber... man zaubert einen silbernen Schild aus der Luft herbei, wie bei Verwandlungs-Beschwörungen." Hermine plusterte sich auf.

"Ich weiß, dass es ein Auror-Level Schild ist, Harry!" erinnerte sie ihn daran, dass sie immer noch die wohl belesenste Schülerin in ganz Hogwarts war.

"Hey, machen wir heute noch irgend etwas oder bin ich umsonst hierhergekommen?" Zabini und Smith hatten sich im selben Moment entschlossen, die DA-Leitung herauszufordern und beäugten sich nun wie zwei Kampfhähne.

"Also gut- was schlägst du vor, Harry?" gab Hermine nach.

"Erst mal mit Protego anfangen, und wenn alle das können, dann können wir zu einem Gruppenzauber übergehen... In meum fidem recipo(2)." 

"In meum fidem recipo? Was bewirkt das, Harry?" Hermine war hin und hergerissen zwischen ihrer Neugier und ihrer leisen Verärgerung, dass Harry einen Zauber kannte, von dem sie nichts wusste.

"Wenn du ihn alleine für dich sprichst ergibt er einen sehr schwachen Schild- aber wenn Mehrere ihn gemeinsam einsetzen, um jedes Mitglied der Gruppe zu schützen ist er stark genug, um selbst Flüche wie den Schlagring-Fluch abprallen zu lassen." Harry nickte seiner DA zu.

"Alle- in Gruppen einteilen. Eine Hälfte Attacke mit Tarantallegra, die andere Hälfte Abwehr mit Protego." Die DA verteilte sich augenblicklich im Raum, und die Flüche begannen zu fliegen. Harry versammelte seine 'Generäle' um sich.

"Wir sollten schon einmal den neuen Schild üben, damit wir ihn nachher demonstrieren können... und vielleicht Moon und Zabini dazuholen, die beiden sehen aus, als würden sie sich langweilen."

"Womit du Recht hast, Potter- als Slytherin und Nicht-Todesser muss man Protego schon im Ersten Jahr beherrschen," sagte Moon, die nur wenige Schritte entfernt von den sechs Leitern mit über der Brust gekreuzten Armen gelangweilt auf eine neue Attacke von Zabini wartete.

"Moment- du willst ihnen trauen, wenn wir einen Gruppen-Schildzauber sprechen?" fragte Neville und wurde rot, als Luna ihm den Ellenbogen in die Seite stieß.

"Harry hat doch schon gesagt, was er meint, oder?" fragte die normalerweise so verträumte Ravenclaw-Schülerin scharf. Neville sog den Atem ein- Luna hatte spitze Ellenbogen!- und nickte.

"Schon gut- ich arbeite mit ihnen zusammen.", gab er klein bei.

Harry brauchte zehn Minuten, bis auch Ron und- zu seiner Überraschung- Hermine die kreisende Zauberstabbewegung und den schnellen Stoß am Ende in Verbindung mit der Zauberformel synchron ausführen konnten.

"Bis wir das in einem Kampf einsetzen können wird's aber noch dauern," meinte Luna trocken angesichts ihrer Bemühungen. "Wir brauchen ein Kommandozeichen."

"So weit denke ich noch gar nicht," stöhnte Harry, "lass es uns erst mal den anderen vorführen- sie werden ungeduldig!" Tatsächlich waren viele der DA-Mitglieder dazu übergegangen, die Wirksamkeit des einfachen Schildzaubers gegen eine Vielzahl von Flüchen und Zaubern zu prüfen, und ein Regenbogen blitzender Lichstrahlen zuckte alle paar Sekunden durch den Raum.

"Also gut- DA!" Alle Zauberstäbe senkten sich. "Hier ist, was wir heute und die nächsten Male üben- ein Gruppenschildzauber. Wir acht werden ihn jetzt sprechen, und ihr könnt seine Wirksamkeit testen indem ihr uns mit allem außer den Unverzeihlichen angreift."

Auf ein Nicken Harrys hin hoben die sieben anderen ebenso wie er selbst die Zauberstäbe. "In meum fidem recipo!" intonierten sie wie ein Mann und synchronisierten gleichzeitig ihre Bewegungen. Ein orangefarbener Nebel hüllte sie fast augenblicklich ein, der aber ebenso schnell durchsichtig wurde.

"Greift an!" rief Ginny. Die DA gehorchte, aber der Schildzauber war ein voller Erfolg. Nicht ein einziger Fluch drang zu den Acht in seinem Inneren durch.

So erfolgreich, wie ihre Demonstration gewesen war, so sehr schlug das Üben fehl. Die DA weigerte sich, auf Zabini und Moon zu hören, die einigen Gruppen den Zauber beizubringen versuchten, und auch die Gruppen, die die sechs anderen betreuten, ließen Vertrauen und Kooperation vermissen. Es war schon nach zehn Uhr als Harry endlich aufgab.

"Das reicht," sagte er scharf, "wir machen nächstes Mal weiter. Oh, und als Wiederholung werden wir den Patronus-Zauber üben, so wie heute Protego."

Die DA löste sich unter teils zornigem, teils zufriedenem Gemurmel auf; ihre Mitglieder beeilten sich, so schnell wie möglich in ihre Schlafsäle zu kommen da es schon beinahe verboten war, sich noch auf den Gängen herumzutreiben- der Zapfenstreich war nah.

Harry ließ sich in einen der Sessel fallen, die der plötzlich kleinere Raum bequemerweise zur Verfügung stellte. Seine Freunde machten ebenfalls keine Anstalten zu gehen, aber er winkte Moon und Zabini müde zum Abschied zu. Er hatte sich selten so erschöpft gefühlt- die Anstrengungen der letzten beiden Stunden hatten ihn vergessen lassen, was er in Snapes Erinnerungen gesehen hatte, aber nun, da die Müdigkeit ihn überwältigte, kam alles mit dreifacher Kraft zurück- und Hermine hatte ihren scharfen Blick aufgesetzt, der bedeutete, dass er wohl nicht ohne eine Art von Erklärung aus der Sache herauskommen würde.

"Also raus mit der Sprache, Harry. Was hat das Schauspiel am See vorhin zu bedeuten gehabt?" Er hasste es, wenn er Recht hatte beschloß Harry in diesem Moment, und ein leises Seufzen entfuhr seiner Kehle.

"Ich war nur wütend auf Snape wir… ich hatte Nachhilfe in Zaubertränke.", sagte er. Er war zu matt und ausgemergelt, um sich zu streiten, und er wusste dass, wenn er die Glamourie-Zauber nicht hätte, die violetten Ringe unter seinen Augen ins Schwarze tendieren würden.

"Du hast deswegen noch nie den See in eine Zentrifuge verwandelt. Also, was ist los?" Harry hob den Kopf. Neville, Luna, Ginny, Ron und Hermine standen im Halbkreis vor ihm, fest entschlossen, ihn sich nicht herausreden zu lassen. Harry entschied sich, das gar nicht erst zu versuchen. Wenn sie die Wahrheit wussten, würden sie ihn endlich in Frieden lassen.

"Snape hat... meine Großmütter umgebracht, als er noch ein Todesser war. Beide. Und jetzt gehe ich schlafen." Er fegte seine Freunde beiseite, zu taub, als dass es ihn kümmerte, und kehrte in seinen Schlafsaal zurück. Das Letzte, was er von ihnen hörte, war Rons heiseres "Dieser Bastard!".

Als Neville und Ron in den Schlafsaal der Sechstklässler von Gryffindor kamen hatte Harry die Vorhänge um sein Bett zugezogen und war nicht zu sehen oder zu hören.

"Harry, wir stehen auf deiner Seite, das weißt du- dieser alte Todesser wird nicht so einfach davonkommen," versicherte Ron den abweisenden Vorhängen. Harry, der auf seinem Rücken gelegen und einfach ohne zu denken in die Leere seiner Okklumentik-Schilde, die das Einzige waren, was ihn momentan bei geistiger Gesundheit hielt, geblickt hatte, schob mit einer Hand einen Vorhang auf und zerstörte damit seine Verstummungszauber.

"Ron, lass es einfach," sagte er matt, "es ist Vergangenheit und geht nur Snape und mich was an."

"Wenn du meinst..." sagte Ron wenig überzeugt. Harrys Augen blitzten mit einem Anschein von Leben auf.

"Ich meine. Lass ihn in Ruhe." Ron nickte.

"Deine Entscheidung, Kumpel. Wenn du es dir anders überlegst sag mir Bescheid. Ich schreib dann an Fred und George." Harry nickte nur und ließ den Vorhang zufallen bevor er die Verstummungszauber erneut ohne die Hilfe seines Zauberstabes sprach. Warum nur passierte alles immer ihm?

Voldemort war in dieser Nacht sehr aktiv.

 

... to be continued ...

 please review!

Information:

(1)Capilli engorgio- der Haarwuchszauber. Achtung, aggressiv!

(2)In meum fidem recipo- lat. für Ich nehme in meinen Schutz. Ein Gruppenschildzauber, der, wenn ihn eine Person alleine einsetzt sehr schwach ist, dessen Stärke aber mit der Anzahl derer, die ihn gemeinsam sprechen, exponentiell zunimmt.

Harrys Stimmungsschwankungen... na ja, hier hab ich mal wieder in die Trickkiste persönlicher Erfahrungen greifen müssen, um mich zu orientieren. Ich habe zwar niemanden verloren, der mir wichtig ist, aber ich denke, ich kann einigermaßen nachvollziehen, wie es ist, unter großem Druck zu stehen. Ich hoffe, das kam einigermaßen überzeugend rüber. Neli war jedenfalls ähnlich- im einen Moment vollkommen gegen etwas, dann ist etwas geschehen, was sie wütend gemacht hat, und im nächsten Moment hat sie genau das getan, was vorher so entschieden abgelehnt hat. In Harrys Fall sorgte das für die Rückkehr der DA.

Brandys Soundtrack:

Antonin Dvorak: Legenden für Orchester

L.v. Beethoven: Leonoren-Ouvertüren

Josef Haydn: Symphonien 80-90 (wünschte, ich könnte zum Haydn-Spaß nach Stuttgart…)

Andrew Lloyd Webber: Greatest Hits arranged for orchestra

Nächstes Kapitel:

Harrys Training geht weiter. Tinsy hat einen kleinen Auftritt. Voldemort wütet. Aber Training und der Dunkle Lord treten in den Hintergrund wenn ein großes Fest bevorsteht... freut euch also auf Siebzehn, coming soon to a computer screen near you!

Harry blinzelte zu seiner wütenden Hauslehrerin auf. Es hatte keinen Sinn, seine Schuld zu bestreiten, da die Beweise in Form dreier Butterbierkästen unmissverständlich vor ihm her schwebten.

"Potter!" schnappte Professor McGonagall, "Nachsitzen mit Professor Snape- und sehen Sie mich nicht so an! Ihnen Nachsitzen mit Tonks aufzubrummen wäre ungefähr so sinnvoll wie Dung Fletcher zu bitten, auf die Bar im Eberkopf aufzupassen!"
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